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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [FR] GTPA: Einsame Gratwanderung in Südfrankreich



heron
07.06.2009, 13:49
Land: Frankreich
Reisezeit: Mai
Region/Kontinent: Südeuropa

Nachdem ich schon eine Woche zurück bin gibt es jetzt auch einen Reisebericht von meiner Tour auf der GTPA - Grande Traversée des Préalpes.
Details und viele Bilder sowie Packliste sind dann auch noch auf meiner Website. (http://www.vetpsy.at/outdoor/?gr_id=95&k_id=696)

Anreise bis Nizza und weiter mit dem Bus bis Serres, wo die GTPA anfängt. IM Topoguide ist sie ab Sisteron beschrieben, die 3 Etappen vorher sind mit dem GR946 gemeinsam.
Es geht über sehr viele Höhenrücken und Grate - dazwischen natürlich immer wieder einmal runter ins Tal, über einen Fluss und auf den nächsten Grat wieder rauf.
Sehr einsame Strecke, ich habe 4 Wanderer und ein paar wenige MountainBiker getroffen.
Die Temperaturen sind tagsüber schon so zwischen 30 und 34°, Wasser ist auch ein Thema - aber in den Ortschaften gibt es praktisch überall Brunnen mit Trinkwasser, auch in den Ruinendörfern. Ansonsten helfen die Bewohner gerne aus.
Orientierung ist easy, ist sehr gut markiert und es gab nur ganz wenige Stellen, wo ich kurz am Zweifeln oder genaueren Karten studieren war. Für die Varianten, die sehr empfehlenswert sind, wäre eine ordentliche 1:25.000 Karte doch besser.

Erste Etappe: Serres nach Trescleoux. Sehr schön über einen langen Grat, mit ein bisschen Klettereinlagen, sehr viele schöne Pflanzen, geruchsintensiv.
Geschlafen habe ich bei der Gite d'etappe, weil alles privat und eingezäunt.

Zweite Etappe: Trescleoux - Barret-sur-Méouge
Wieder ein schöner, zum Teil bewaldeter Grat, durch das Kletterdorf Orpierre durch und über den nächsten Mugel drüber. Biwak auf der Schotterbank neben der Meouge, hab dort auch mein Trinkwasser entnommen. Sind halt ien paar kleine bestioles drin :lol:. Verglichen mit dem was mir sonst noch so im Wasser begegnet ist ...

Dritte Etappe: Barret - Biwak vor der Gite d'etappe La Fontaine
Forststrasse, etwas über Almen und zwei Cols, dann wieder viel Schotterstrasse. Aber es geht durch spannende Ruinendörfer mit interessanten Bewohnern ;)

Vierte Etappe: Biwak - Col de Mounis
Eine sehr lange Etappe! Es geht auf dem langen bewaldeten Grat für rund zwei Stunden bis man nach Sisteron absteigt. Von dort geht die Beschreibung im Topoguide auch los. Auch auf dieser Etappe leider einiges an Strasse zu bewältigen, aber es gibt genug Wasser. Am Abend komme ich dann ins Tal des Vanson, wo ich wieder einmal baden kann und mich vor dem Aufstieg zum Col de Mounis erfrischen kann. In der Nacht regnet es ganz wenig und ich rollemich und mein Zeug ins Tarp ein anstatt es aufzuspannen.

Fünfte Etappe: Col de Mounis - Digne-les-Bains
Eine wunderbare freie Gratwanderung auf den Collines St. Joseph, einem "Schotterhügel" - zusammengesetzt aus jeder Menge runder Steine und roter Erde, sehr spannend! Richtung Thoard kommt man durch landwirtschaftliche Gegenden, vor allem Mähwiesen. Dann kommt auch schon der nächste Grat und bisn Digne zieht sich der sehr frei und meistens in der Höhe dahin. Hier hab eich am Nachmittag für eine halbe Stunde meine Regenjacke gegen den Wind an. Übernachtung in der Jugendherberge von Digne.

Sechste Etappe: Digne - Tartonne
Der zweite sehr lange Wandertag mit rund 12 Stunden :o. Nach dem Einkaufen in Digne geht es wieder den Berg hinauf, über ein kleines Col, dann kommt sie endlich die Barre des Dourbes. Eine schwer beeindruckende 1800m aufragende Felswand. Die GTPA würde auf der Forststrasse endlos lange dahingehen und erst beim letzten Pass aufsteigen. Ich nehme den ersten ersten Pass (gut markiert) Pas de Labaud und habe dann noch über zwei Stunden Weg nur mit dem Himmel (und ein paar Segelfliegern) über mir.
Die schönste Etappe und man könnte die Gratwanderung noch für ein bis zwei Tage auf dieser Höhe fortsetzen ohne abzusteigen. Leider habe ich überhaupt kein Kartenmaterial und Informationen, wo es Wasser gibt usw, - also ist diese Variante auch mit dem Cheval Blanc noch aufgehoben. Übernachutng nach einem langen Abstieg in der Gite d'etappe von Tartonne.

Siebente Etappe: Tartonne - Plateau oberhalb von Fontanil
Es geht auf das Col de Séoune (dort würde man runterkommen, wenn man den ganzen Grat obenbliebe) und weiter geht es wieder einiges an Strasse und durch Ortschaften. Hinunter bis ins Tal des Verdon und am nächsten Sonnenhang an der Farm Fontanil vorbei bis ich endlich ganz oben bei einem kleinen Chalet einen ebenen Platz für die Nacht finde.

Achte Etappe: Biwak - Annot
Die Nach war eher sehr frisch und vor allem feucht (vom Tau). Zum Schluss möchte ich noch die Variante über den Puy de Rent gehen anstatt im Tal durch die Ortschaften. Leider finde ich mit meiner 1:50.000 Topoguide Karte den Aufstieg nicht und krabble einige Stunden an der Flanke entlang durch wildes Gebüsch, Dornen durch Ravines durch, über umgestürzte Bäume drüber und unten durch. Schliesslich finde ich aber doch noch einen Weg nach oben und geniesse noch zum letzten Mal die schöne Aussicht auf die zum teil noch schneebedeckten Berge.
Der Abstieg bis Annot zieht sich und nachdem ich zum ersten Mal seit über 1000 km mit den Salomon XA pro Blasen bekommen habe (vermutlich wegen der orthopäd. Einlagen?) beschliesse ich, die letzten 4 Stunden Wanderung zu streichen und fahre direkt mit dem Zug nach Nizza. Dieser langsame Bummelzug ist genau richtig, um sich wieder an die Geschwindigkeit und die Hektik zu gewöhnen nachdem ich 8 Tage alleine auf Graten unterwegs war.

Fazit: sehr zu empfehlen, wenn man mit Hitze gut kann und sich der Umegbung entsprechend verhält - früh austehen, lange Siesta, bis 21 ist es locker hell um zu wandern.
Die GTPA ist offensichtlich auch für die Franzosen kein sehr bekannter undnicht sehr begangener Weg, die Tagesetappen zum Teil schon sehr lange.
Biwakieren kein Problem, mit Feuer sollte man seeehr vorsichtig umgehen ...

Bilder kommen noch ...

heron
07.06.2009, 14:03
http://www.vetpsy.at/outdoor/_images/12496.jpg
An diesem Grat geht es ausnahmsweise unten vorbei

http://www.vetpsy.at/outdoor/_images/12498.jpg
Meine erste Etappe - von rechts nach links auf dem Grat entlang

http://www.vetpsy.at/outdoor/_images/12507_7049_g.jpg
Brunnen in Trecleoux

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Kochen mit dem Bushbuddy am Ufer der Meouge

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Ginster blüht überall

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Federgras

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Immer vorher nachsehen, was sich in den oberen Wasserbecken so alles findet :grins:

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Collines St. Joseph - und wieder einmal sieht man schon einen Tag vorher auf welchem Grat man weiterläuft!

http://www.vetpsy.at/outdoor/_images/12526.jpg
Rote Röhrenspinne? Kann jemand bei der Bestimmung helfen - die Rote Röhrenspinne sollte eigentlich 4 schwarze Punkte haben ...

http://www.vetpsy.at/outdoor/_images/12532.jpg
Fliegenragwurz

loopzero
07.06.2009, 14:33
Schöne Bilder! Gibts da noch mehr?
:popcorn:

peter-hoehle
07.06.2009, 14:47
Bitte mehr Bilder!Das macht Lust auf uhrlaub:bg:

Gruß Peter

heron
07.06.2009, 14:53
Also noch ein paar - das IST Urlaub pur :grins:

http://www.vetpsy.at/outdoor/_images/12495.jpg

http://www.vetpsy.at/outdoor/_images/12529.jpg

http://www.vetpsy.at/outdoor/_images/12539.jpg

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http://www.vetpsy.at/outdoor/_images/12513_7077_g.jpg

Freak
07.06.2009, 14:58
Schöne Bilder und schöne Tour! Gehe ich recht in der Annahme, das du die hier (http://www.schroll.at/outdoor/) bist und dich auch im UL-Forum tummelst? ;-)

heron
07.06.2009, 15:10
Schöne Bilder und schöne Tour! Gehe ich recht in der Annahme, das du die hier bist und dich auch im UL-Forum tummelst?

OT : Sie haben das rote Schweinderl gewonnen :grins:

loopzero
07.06.2009, 15:14
Dann würde ich sagen, du bist uns noch die [UL] Packliste schuldig :bg:

Fjaellraev
07.06.2009, 15:34
Dann würde ich sagen, du bist uns noch die [UL] Packliste schuldig :bg:
Findest du auf ihrer Homepage :baetsch:

Werner Hohn
08.06.2009, 11:00
Ein Picknick am Anfang einer größeren Wanderung ist nicht der schlechteste Einstieg. Zeit, um mit dem Kopf in der neuen Umgebung anzukommen. Vielleicht sollte ich das nachmachen.

Gruß, Werner

psy48
08.06.2009, 12:52
Hi heron,

Die Spinne ist keine "rote Röhrenspinne" sondern eine Springspinne (Salticidae). Ich bin mir sicher, daß das Philaeus chrysops (Poda, 1761). Die ist im Mittelmeergebiet und Europa verbreitet, wurde aber auch schon von Japan gemeldet. Die Färbung ist ziemlich variabel, aber bei Deinem Tier schon charakteristisch.

Gruß,
psy

heron
08.06.2009, 13:41
hallo psy

das is sie, das is sie! :wohoo:
danke!
Ich hab drei Stück davon gesehen und die meisten stellen sich einem todesmutig in den Weg und mein erster Eindruck wäre auch Springspinne gewesen, wegen der Körperhaltung - aber was weiss der Laie ;)

Werd ich gleich mal ausbessern!

.jan
14.07.2009, 15:31
Hej heron!

Der Weg scheint ja ganz Interessant zu sein. Angenommen wir haben vor, den GTPA jetzt Ende Juli zu gehen:
- Wegverhaeltnisse: Wenn ich es richtig verstanden habe bist du mit Trailrunningschuhen gelaufen? Laeuft man eher auf Straßen/Feldwegen oder auf Trampelpfaden?
- Wasser+Essen: Wie oft trifft man auf Laeden und Wasserstellen? Klar ist das in unserer Reisezeit nochmal anders, aber eine kleine Schaetzung waere sehr hilfreich.
- Kartenmaterial: Gehts auch ohne? Wie ist der Weg gekennzeichnet? Rot-Weiß wie die GR´s?


Jetzt hab ich bestimmt viel vergessen, aber wenn du uns dahingehend schonmal helfen koenntest waere das sehr nett.

mfg jan

heron
14.07.2009, 16:23
Der Weg scheint ja ganz Interessant zu sein. Angenommen wir haben vor, den GTPA jetzt Ende Juli zu gehen:
- Wegverhaeltnisse: Wenn ich es richtig verstanden habe bist du mit Trailrunningschuhen gelaufen? Laeuft man eher auf Straßen/Feldwegen oder auf Trampelpfaden?
- Wasser+Essen: Wie oft trifft man auf Laeden und Wasserstellen? Klar ist das in unserer Reisezeit nochmal anders, aber eine kleine Schaetzung waere sehr hilfreich.
- Kartenmaterial: Gehts auch ohne? Wie ist der Weg gekennzeichnet? Rot-Weiß wie die GR´s?

Ende Juli: es wird heiss! ich nehme an richtig heiss!
Wege: ist alles dabei von Strasse, Forststrasse, Waldsteig und Schutthalden klettern. Aber nichts wo ich schweres Gerät mitnehmen würde.
Wasser: in den kleinen Ortschaften gibt es fast überall Wasser an den Brunnen, unterwegs kaum was und das wird im Juli sicher trocken sein.
Einkaufen: Serres, Sisteron, Digne, Annot. Orpierre, Thoard, Chateau Garnier und Thorame-Haute (kleiner Umweg) sicher auch, ansonsten bin ich bei den kleinen Ortschaften in Frankreich schon vorsichtig geworden - wenn es eine Bäckerei gibt hat die ganz sicher zu wenn ich dort vorbeikomme.
Der Weg ist an sich gut markiert - in diesem Fall aber ab Sisteron in GELB-rot und nicht weiss-rot. Vermutlich würde es ohne Karte gehen, aber ob das lustig ist? :roll: Ich mache immer gerne Standortbestimmungen, suche schon mögliche Biwakplätze auf der Karte.
Genaueren Bericht findest du auch auf meiner Website.

hth
sabine

ulfs
17.07.2009, 12:14
Sehr schöner Bericht! Danke dafür!
Ist der Weg denn das ganze Jahr weitgehend schneefrei? Oder ab wann wird er ohne Winterausrüstung begehbar? Wäre ja eine echte Alternative für Winter/Frühjahr, wenn man mal keine Lust auf ne Wintertour hat....Sommer wäre mir da wohl definitiv zu heiß;-)