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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Jacken - zuviel des Guten



felö
20.11.2003, 18:20
Habe mir mal wieder Gedanken über Gore/Regenjacken gemacht, dabei meine eigene kleine Sammlung angeschaut und mir überlegt, daß viele Jacken zuviel schnickschnack haben:
- Bei leichten Jacken ist es meiner Meinung nach nicht notwendig, daß die Ärmel vorgeformt sind, Falten bilden sich trotzdem und man hat mehr Nähte, die versiegelt werden müssen - sind die Ärmel wie bei ´nem T an den Rumpf angenäht, erhält man denselben Effekt.

- Wieviel Taschen braucht der Mensch, wenn er die leichte Jacke meistens sowieso im Rucksack trägt?

- Jede weitere Farbe und damit neues Teil der Jacke bedeutet eine neue Naht (s.o.)

- ist ein Schlupfblouson meistens nicht günstiger (Öffnung muß weit genug sein, zur Belüftung und damit sie auch mit Helm angezogen werden kann - wann hat man die Jacke ganz offen?

- braucht´s immer noch Stretcheinsätze (bei gutem Schnitt) und ´nen wilden Stoffmix oder sollte die Jacke nicht aus einem Material bestehen?

Was ist Eure Meinung dazu? Man könnte viele Jacken (die als Leichtgewichte gefertigt werden) noch um etliche Gramm erleichtern (bin mittlerweile bei 250g in Selbstfertigung mit Kaputze angekommen), wobei ich die Grenze bei ca. 200g sehe (wenn man nicht ultraleichtes silikonbeschichtetes Nylon verwendet)

Beispiele für Mismanagement gibt´s ja genug, man muß nur die "Topmodelle" anschauen, die nach einem Jahr komplett vom Markt genommen werden: Mammut mit wasserdichtem RV aus dem Tauchgewerbe (hat wohl niemand öffnen können), Marmot Climbing Jacket, bekam man bei Globi nachgeschmissen, war früher ´ne super Jacke, die letzte Ausgabe war etwas Overkill an Ausstattung.....

Felö

Becks
20.11.2003, 19:48
Jacke hab ich oft, sogar sehr oft in geöffneter Form getragen. Dient vor allem der Regulierung des Wärmehaushalts und funzt ganz gut.

Ansonsten fällt mein Teil nicht unter die leichten Jacken. Ist aber auch nicht nötig denn das Teil wird - wenn gebraucht - wirklich geschunden.

Alex

luke
20.11.2003, 21:18
kommt natürlich immer drauf an, wofür du die jacke brauchst. also ich gab gerne, wenn die rel. lange geschnitten ist. das heisst am kragen schön weit hoch kommt, ruhig etwas über den allerwertesten hinunterragt und auch schön lange ärmel hat. auch ein paar taschen find ich eingtlich sehr praktisch. zum beispiel hab ich stehts landkarte und kompass in der brusttasche.

wenns wirklich minimalistisch sein soll und geld keine rolle spielt :roll: solltest du dir vielleicht mal die Arc'teryx Sirrus SL anschauen. hab die mal anprobiert, kam für mich aber nicht in frage, da aus pac lite 3, sprich nicht reissfest. gewicht: 350 oder so gramm.

wegen selbstbau: ich weiss ja nicht, wie es um deine qualitäten als schneider bestellt ist, aber ich stelle mir das seeeeeeeeeeehr schwierig vor, etwas zusammenzunähen, was mit den käuflichen jacken mithalten kann. oder wie hast du dir das vorgestellt?

gruss
luke

Christian Wagner
20.11.2003, 21:34
Meine Selbstbauregenjacke hat ebenfalls nur 250 gr (Gr. XL), besteht aus 10 Nähten. Taschen sind keine dran (wozu auch- in der Windjacke sind 2 und in der Hose ebenfalls). Belüftung finde ich an den Jacken extrem wichtig- deshalb hab ich mich für nen durchgehenden RV entschieden.

Da ich ne wasserabweisende Windjacke ebenfalls noch mithabe spielt die Haltbarkeit eine extrem untergeordnete Rolle (die Regenjacke wird eh so gut wie nie aus dem Rucksack gehohlt).

felö
20.11.2003, 23:20
Zum Teil habt Ihr mich wohl mißverstanden.
Ob ich eine oder 10 Taschen an meiner Jacke habe ist sicherlich Geschmacksache, es gibt aber einfach unheimlich vieles, was einem mittlerweile als notwendig verkauft wird, was eigentlich sinnlos ist.

Beispiel: Marmot baut jetzt Ärmelabschlüsse, die nicht mehr gerade sind, sondern etwas schräg (s. Globi), sollen besser abschließen, aber bei was, kommt auf die Armhaltung an, die sich beim Klettern, Joggen, Fahrradfahren... sehr unterscheidet.

Schaut Euch mal die Faltenbildung von Euren tollen Jacken mit vorgeformten Ärmeln an, kommt auch auf die Armhaltung an, falten gibt´s so oder so!?
-> aber bei den heutigen Jacken zum Preis weiterer Nähte.

.... und es gibt sicherlich noch viele weitere Beispiele...

Felö

AskeT
21.11.2003, 05:44
wegen selbstbau: ich weiss ja nicht, wie es um deine qualitäten als schneider bestellt ist, aber ich stelle mir das seeeeeeeeeeehr schwierig vor, etwas zusammenzunähen, was mit den käuflichen jacken mithalten kann...
Wohl dem, der eine Schneiderin im Hause hat! Das einzige Problem für uns ist, das wir mangels Tapemaschine keine Gore-Nähte versiegeln können... :cry:


Meine Selbstbauregenjacke hat ebenfalls nur 250 gr (Gr. XL), besteht aus 10 Nähten.
Wie hast Du die 10 Nähte dichtbekommen? :bg:


es gibt aber einfach unheimlich vieles, was einem mittlerweile als notwendig verkauft wird, was eigentlich sinnlos ist.
Ich stimme Dir da voll und ganz zu. Viele Gimmicks funktionieren nämlich bestenfalls in der Werbung. Es wird heute aber ja auch nach modischen Gesichtspunkten gefertigt. Ob man das jetzt gutfindet oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.

Meine Kriterien für eine gute Allroundjacke (nicht primär Regenjacke) sind

Shell
Eine (auch psychologische) Barriere gegen die Widrigkeiten der Witterung. Wertigkeit. DasTeil sollte Qualität und verlässlichkeit ausstrahlen und robust sein.

Funktionalität
So viel als nötig, aber so wenig als möglich sollte dran sein. Die Jacke sollte einfach geschnitten sein. Ausreichend lang, gute Kapuze, Taschen da, wo sie dem Rucksackgurten / Klettergurt nicht im Wege sind. Reißverschluss gut abgedeckt.

Gewicht
Das Teil solte möglichst leicht sein, aber keinesfalls zu Lasten der Robustizität. Ein akzeptables Gewicht lässt sich auch bei Verwendung von HeavyDuty-Materialien (3-Lagen-GTX etc.) durch Verzicht auf Überflüssiges erreichen.

Optik
Ich bevorzuge gedeckte Naturfarben. Aber das ist Geschmacks- und Modesache und hat auf die Funktion keinen Einfluss. Es sei den, man möchte die Jacke als Notsignal nutzen... 8)

Preis
Er sollte bezahlbar bleiben... :-? Dazu könnte übrigens der Verzicht auf unnötige Gimmicks und aufwendige Schnitte / Materialmix ganz bestimmt entscheidend beitragen...

AskeT
*man muß auch mal verzichten können...*

Becks
23.11.2003, 11:42
Hab mir jetzt noch mal meine Jacke genauer betrachtet (Mammut Twin Jacket Plus), finde aber einiges was andere als Schnickschnack bezeichnen mögen sehr praktisch:

- Rote Farbe
Jau, ich möchte sie nicht als Notsignal benutzen, aber rot fällt schlichtweg im Gebirge sehr gut auf. Und wenn ich mal wo runterfalle könnte es durchaus sein daß ich nicht mehr selber winken kann. Dann muß die Farbe auf mich aufmerksam machen.

- Taschen (het meine außen 4 sowie eine Napoleontasche unterm äußeren Reißverschluß):
Sehr goil, so kann ich ohne anzuhalten auch mal unnötiges Material (z.B. Handschuhe oder Kappe) in eine Tasche stopfen. Spart Zeit und ich komm dann sofort wieder ran. dadurch daß ich immer mal wieder einen Sitzgurt trage und sonst immer wieder Material an mir rumschleppe sind die Taschen nicht zu wenig - über eine liegt immer irgendwas drüber und versperrt sie.

- 2 Reißverschlüsse
Meine Jacke hat zwei davon an der Front. Der innere dient u.a. dazu, die Fleecejacke einzuzippen, kann aber zusätzlich zum äußeren Verschluß verwendet werden. Klingt nach "Overpowered", aber so kann ich unter die Jacke Brust&Sitzgurt anziehen und muß für den Karabiner nicht die Jacke offen lassen oder das Geraffel über die Jacke ziehen. Ein RV wird unten zugemacht, der andere oben. Und irgendwo in der Mitte schaut der Karabiner raus. Für mich pracktisch, andere mögen es als Gimick bezeichnen.

Was fehlt:
Unterarm-RV zur Belüftung
3-lagiges Gore damit ich die Jacke auf links wenden und mit nem Tuch trocken reiben kann - bei 2-lagig is das nicht so gut machbar.

Anonsten ist die Jacke (älteres Modell, die eneuen ham 3 lagiges Gore) sehr gut. Nicht ganz leicht, dafür hält sie viel aus.

Alex

AskeT
23.11.2003, 18:17
- Rote Farbe
Jau, ich möchte sie nicht als Notsignal benutzen, aber rot fällt schlichtweg im Gebirge sehr gut auf. Und wenn ich mal wo runterfalle könnte es durchaus sein daß ich nicht mehr selber winken kann. Dann muß die Farbe auf mich aufmerksam machen.

Das habe ich in der Tat vergessen zu erwähnen. Ist natürlich für alle mit Risiken verbundenen Einsätze wichtig: Farbauffälligkeit als Sicherheitsaspekt.

Allerdings gibts natürlich auch gewisse Anwendungsbereiche, wo man weniger gern auffallen möchte...

Aber das war ja net das Thema.

Gruß
AskeT