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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [FR] Genusstour Haute Provence / Haute Alpes, Frankreich



nilsonsium
15.03.2009, 13:30
Land: FR
Reisezeit: Mai-Juni
Region/Kontinent: Südeuropa
Region/Kontinent: Mitteleuropa

Genusstour Haute Provence / Haute Alpes

Hallo liebe Freundes des guten Geschmacks. Vor zwei Jahren um diese Zeit haben einige von Euch mit vielen guten Tipps rund um die Haute Provence versorgt. Hier kommt nun der versprochene Bericht - besser spät als nie und für eine Genusstour ist es ja nie zu spät. Guten Appetit beim leckeren Nachahmen!

Wenn äußerlicher (Augen, Nase, Ohren) und innerlicher (Gaumen) Genuss zusammen kommen sollen, so sind die Haute Provence und die Haute Alpes geradezu prädestiniert für eine Tour. Ich war 2007 im Frühsommer von Ende Mai bis Mitte Juni auf Schusters Rappen in der Region unterwegs.

Die Gegend kennen lernen, ein wenig mit den Leuten schnacken, den Wein, den Käse und sonstige kulinarische Köstlichkeiten erleben und mir ab und zu auch eins der netten Nester mit verwinkelten Gassen, bunten Märkten und einladenden Kaffees anschauen: Das hatte ich mir vorgenommen. Damit mein Rucksack nicht zu schwer wurde, ich aber trotzdem flexibel sein und woimmer es nett war übernachten konnte, tauschte ich Zelt gegen Tarp und reduzierte den Kocher auf den Trangia-Brennereinsatz plus Minigestell.

Los gings mit dem Zug bis Basel SBB. Um 7:00 Uhr stand ich dann an der Autobahn Richtung Bern. Trampen in der Schweiz ist relativ unproblematisch und v.a. legal. Nur leider ist die Schweiz ein Land der kurzen Distanzen und die Leute fahren oft nur ein oder zwei Abfahrten weit. Bis Genf brauchte ich dann einen ganzen Tag. Eigentlich wollte ich östlich am Genfer See vorbei und über Martigny und Chamonix nach Grenoble. Die rabenschwarzen Gewitterwolken über dem Mt. Blanc überzeugten mich jedoch von der Genfer Route ...

Am Genfer Grenzübergang fragte mich ein französischer Beamte, warum ich denn auf der Stadtautobahn über die Grenze laufe. Das wäre angeblich illegal - wohl aber auch nicht so schlimm, denn ich solle mich "einfach nur da vorn hinstellen, wo er mich gut sehen könne".

12 Stunden hinter Basel erbarmte sich ein junger Franzose und nahm mich mit zurück in die gelobte Eurozone bis Grenoble. Da wir uns super verstanden schlug er mir vor, anstelle einen Campingplatz zu suchen, mich zu sich nach Hause einzuladen und am nächsten Tag im Massiv Chartreuse zu wandern. Wenn ihr Kalkformationen und luftige Ausblicke auf die Alpen samt Mt. Blanc liebt, werdet ihr hier fündig. Untermalen lässt sich das ganze natürlich vorzüglich mit frischem Baguette, ein wenig Ziegen(oder was-auch-immer)käse und Wein. Laufen kann man hier für Tage, ohne allzuviele Leute zu treffen. Nur Wasser ist rar, da es durch den Karst direkt ins Rhonetal fließt.

Nach zwei Tagen in Grenoble gings dann weiter nach Süden entlang der Route Napoleon in Richtung Gap. Aber halt, zuerst hieß es, auf Markt Oliven, Käse, ... ich brauch nicht weiter reden. Die Route Napoleon ist reichlich historisches Pflaster, denn auf ihr kehrte der große Korse zu seiner 100tägigen Herrschaft aus der Verbannung nach Paris zurück. Und landschaftlich beeindruckend ist sie sowieso: Alpenrand, satte 3000er im Osten, zerklüftete Steilwände im Westen, Seen, rauschende Flüsschen, ...

Da einer meiner "Taxifahrer" in St. Firmin in das Valle Gaudemar abbog und mir vorschwärmte, wie schön es dort sei, bekam ich Lust, selbst nachzuschauen. Nach Gap trampen kann jeder. Ich beschloss, die letzten Kilometer laufen - über den Col de Vallonpierre nach Champoléon oder Orciéres - wer weiß das schon so genau, wenn er los geht. Das Wetter war mir hold; ich lief los und es hörte auf zu regnen. Kurz vorm Aufstieg zum Pass fings wieder an und irgendwann in der Nacht hörte es wieder auf. 20 Minuten später drückte das Tarp auf meine Nase. Ein intelligenter Blick in die grau-weisse Dunkelheit verriet mir dass der Regen vom Schnee abgelöst worden war.

Nachdem mir der Schnee das Tarp bis zum Morgen im 20min-Takt die Nase breit drückte sagte ich dem Col de Vallonpierre adée. Nach Gap laufen kann jeder, aber an einem totenstillen Pfingstmontag bei hochgeklappten Bürgersteigen aus einem verschneiten Alpental heraustrampen ... Die Atmosphäre war super: verschneite Birken und irgendwelche Hartlaubbäume (heller, gelblich-rötlicher Stamm, helles aber sattes Blattgrün), der rauschende Bach in der Tiefe, alle paar hundert Meter eine aufgeschreckte Gams - und niemand sonst unterwegs (war ja Pfingstmontag zwischen 6 und 8 Uhr).

Angekommen in Gap erstmal zwei doppelte Espresso, die Karte studiert und leckeren Süßkram aus der Boulangerie gefuttert. Dann auf zur nächsten Tour zu den Quellen des Petit Buech. Das Wetter kannte ich schon, diesmal etwas windiger, dafür knapp über null und kein Schnee - aber Wolkenbruch. Am nächsten Tag sah ich etwas komisches am Himmel. Aus der gelblichen Farbe schloss ich, dass es Sonne sein müsse. Nur der majestätische Pic de Bure hüllte sich in Wolken (bzw. er in majestätische Wolken). `S war zumindest eindrucksvoll anzusehen. Die Sonne und die Fallwinde sorgten dafür, dass ich ich abends gut geplättet war. Egal, wenn man das Frösteln meines Busenfreundes, dem Sonnenstich, mal aufler Acht lässt, 's war endlich warm.

Trampen nach Serres, Campingplatz, Waschmaschine für die Klamotten, Dusche für mich. Einkaufen für den Gaumen und dann weiter zum Gorges des Riou. Eine sehr schöne Wanderung in eine eindrucksvolle Schlucht. Keine Menschenseele war unterwegs (sieht man mal von mir ab), man kann dort herrlich baden oder einfach nur herumsitzen, lesen und geniessen (in der Saison oder am WE sicherlich anders). Mittwochs ist in Laragne-Montéglin Markt - also ein Grund den Ort auf meinen Plan zu setzen und lecker einkaufen, Kaffee trinken, dem Treiben zuschauen, ... Obendrein gibts dort einen guten Weinladen. Weiter gings in die Gorges de la Méuge. Von der der "römischen Brücke" (erbaut im Spätmittelalter) aus gehts auf auf der Südseite flussaufwärts - immer schön im Achterbahnprofil, das erfrischende Bad am Abend im Fluss soll sich ja lohnen. Wer nur auf der Straße fährt, hat was verpasst.

Wir wandern, wir wandern, von einem Tal zum andern - oder von der Meuge zur Jabron. Das Valle du Jabron ist ziemlich ruhig und super zum laufen. Von hier führen Wege über die Montagne de Lure nach Süden. Die östlichen Querungen gefielen mir am besten (mehr Ausblicke bei weniger Anstrenung), wenngleich ich nicht auf dem Gipfel am Signal de Lure war. Wandern im Luregebirge heißt auf verfallen(d)e Schäferhütten, jede Menge Blumenwiesen, tolle Ausblicke, Hippies und normale Leute (allesamt sehr nett hilfsbereit) und viel Einsamkeit zu treffen. Ich fands dort sehr schön. Vor allem kann man sich alle zwei Tage mit frischen Lebensmitteln ver- und die leeren Weinflaschen ensorgen ...

In diesem Trott gings weiter Richtung Süden nach Orpierres und die nahe gelegene Schlucht. Auf dem Weg zurück schaute ich noch in Sisteron vorbei und lief ein paar Tage auf dem GTPA an den Alpenrand. Am schönsten fand ich den Teil in der Haute Provence (westlich der Durance). Aber wahrscheinlich haben mir die Haute Alpes nur deswegen nicht so gut gefallen, weil ich auf "Provence" eingestellt war.

Auf jeden Fall lohnt es sich, hier eine Tour zu machen - und sofern ihr keine Kostverächter seid, nehmt euch was mit, um die Leckereien der Märkte unterzubringen (s.u.).

Viel Spaß beim nachahmen, nilsonsium

***
Noch ein paar formale Infos (ohne Fotos: Die Kamera fiel dem begrenzten Rucksackvolumen zum Opfer):

Zeitraum: Ende Mai bis Mitte Juni 2007
wo genau: Gap, Frankreich


lieber Anfang bis Ende Mai, dann nicht so heiß

Schnee in den Bergen möglich



Tarptent oder leichtes Zelt ausreichend

Tarp bei starkem Wind nicht so topp (Mistral)


für den Genuß:

2 dichte Tupperdosen für Antipasti (Tomaten, Oliven, ... ~ für jeweils ca. 100-200g)

1 Lexanglas für Wein - oder eine Kuksa

1 0,3l Flasche (Schraubverschluss, geschmacksneutral) falls ihr solo unterwegs seid und euch nicht die ganze Flasche an einem Abend in den Kopf schütten wollt

stoeps
17.03.2009, 23:07
Tolle Tour!

Die Kombination aus Natur und Kultur strebe ich an, in den nächsten Jahren auch zu erproben.

Und die Landschaften, die Du beschreibst klingen reizvoll. Werde ich mal nachschlagen, wo das ist …

stoeps

heron
18.03.2009, 08:02
Super - und grade zum richtigen Zeitpunkt! :D
Mein Flieger geht am 21.5. nach Nizza und dann weiter nach Serres auf die GTPA :grins:
Danke für den Vorgeschmack im wahrsten Sinne des Wortes!
sabine

stoeps
18.03.2009, 08:32
knapp OT, aber wo Ihr gerade mit den Abkürzungen "um Euch schmeißt" ;-)

Gibt es irgendwo 'ne Übersicht über die französischen GRs und GTPA und so?

stoeps

lutz-berlin
18.03.2009, 08:38
knapp OT, aber wo Ihr gerade mit den Abkürzungen "um Euch schmeißt" ;-)

Gibt es irgendwo 'ne Übersicht über die französischen GRs und GTPA und so?

stoeps
http://www.gr-infos.com/gr-de.htm

stoeps
18.03.2009, 08:50
Das ging aber schnell :D

Vielen Dank
stoeps

fraizeyt
28.03.2010, 07:25
http://www.gr-infos.com/gr-de.htm

Die Seite ist wirklich klasse, insbesondere die Option, die GPS-Tracks zu nutzen. Das Einzige was nun noch fehlt, ist ein Track vom GTPA, den ich bisher an keiner Stelle im Netz gefunden habe.

heron
28.03.2010, 08:24
Ich bin die GTPA ohne GPS gegangen - eigentlich keine Chance sich zu verirren ;)

lutz-berlin
28.03.2010, 08:28
http://www.grande-traversee-alpes.com/de/ich-reise/auf-dem-strassenweg/la-route-des-grandes-alpes/37-conseils-pratiques.html

http://de.wikiloc.com/wikiloc/view.do?id=734511

macht halt arbeit

heron
28.03.2010, 09:00
http://www.grande-traversee-alpes.com/de/ich-reise/auf-dem-strassenweg/la-route-des-grandes-alpes/37-conseils-pratiques.html

http://de.wikiloc.com/wikiloc/view.do?id=734511

macht halt arbeit

Das ist die Grande Traversée des Alpes (Strassenweg!) und nicht die Grande Traversée des Préalpes (Wanderung).

fraizeyt
28.03.2010, 10:11
@ heron: Den Bericht auf deiner Seite habe ich gelesen. Klasse - wie auch die anderen Touren.

Zur Wegfindung: Bezieht sich die Aussage auf die Güte der Streckenauszeichnung oder die Qualität deiner Kartenkopien (Topoguide 401? ).

Als Karte habe ich bisher die IGN Top 100 und hoffe der Maßstab reicht aus, da es sonst zu viel Papier wird (Anreise von Nizza aus - à pied).

Der Track soll zur Steigerung der Vorfreunde dienen und dazu das Höhenprofil zu studieren und mögliche Etappen zu planen.

heron
28.03.2010, 12:22
@ heron: Den Bericht auf deiner Seite habe ich gelesen. Klasse - wie auch die anderen Touren.

Zur Wegfindung: Bezieht sich die Aussage auf die Güte der Streckenauszeichnung oder die Qualität deiner Kartenkopien (Topoguide 401? ).

Als Karte habe ich bisher die IGN Top 100 und hoffe der Maßstab reicht aus, da es sonst zu viel Papier wird (Anreise von Nizza aus - à pied).

Der Track soll zur Steigerung der Vorfreunde dienen und dazu das Höhenprofil zu studieren und mögliche Etappen zu planen.


Markierung ist sehr gut. Topoguide - ich glaube ich habe die Karten eingescannt. Ich lasse mir die dann je 4 Kartenabschnitte auf ein A4 Blatt drucken.

Von Nizza aus zu Fuss ist ein ganz schönes Stück ...
schöner wäre für 1 Euro mit dem Bus nach Grasse und von dort auf dem GR4 an die GTPA annähern.
Zum Höhenprofil: A lot of pointless up and down :grins:

danke auch für das Feedback
sabine