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Nemo.26
11.01.2009, 16:18
Das eigene Messer - selbst gefertigt mit einfachsten Mitteln

Ich möchte hier eine einfache Anleitung geben wie man ein Messer selbst baut. Mit dieser Anleitung möchte ich alle ansprechen die das Geld nicht so dicke haben und sich ein gutes Messer nicht leisten können. Und natürlich alle anderen die im Laden einfach nicht IHR Messer finden oder gerne basteln.

Ich verkaufe keine Materialien (wie z.B. Stahl oder Griffhölzer)!!!! Wer im Web bzw. Baumarkt nicht die richtigen Materialien/Werkzeuge findet kann sich dennoch gerne bei mir melden, ich maile dann ein paar Adressen zu wo man fündig wird.


Werkzeugliste:

- Stahlfeile Hieb 1 ( ca. 5€ im Baumarkt)
- Handbügelsäge mit HSS-Sägeblatt (ca. 7€ im Baumarkt)
- 4mm Bohrer HSS-Co ( ca. 1,50€ im Internet oder 4€ im Baumarkt)
- einfache Handbohrmaschine besser Standbohrmaschine
(zur Not tuts auch ein Dremel)
- Hammer, egal wie schwer und welche Form
- Schutzbrille
- Handschuhe
- Laubsäge (billigstes Modell rund 5€) mit Holzsägeblatt
- Schraubzwinge
- Teppichmesser
- falls vorhanden: Leimzwingen

Materialliste:

- Sandpapier Körnung: 100; 180; 240; 320; 400; 600; 1000; 1200
- Politurpaste
(es geht auch Ceranfeldscheuerpaste oder ganz billige Zahnpasta mit
kleinen Schleifkörperchen)
- Messing- oder Alurundmaterial 4mm Durchmesser (2€ im Baumarkt)
(zur Not gehen auch 4mm dicke Nägel)
- ein Schalenpaar oder einen Kantel Hartholz / Horn / Elfenbein
- UHU 2-Komponenten-Epoxid-Klebstoff
- Klingenstahl


Wenn alles Material und Werkzeug zusammengetragen ist, sollte man sich Gedanken über das Design machen. Einfache Formen und leicht zu bearbeitender Stahl steigern die Erfolgsaussichten erheblich !

http://img519.imageshack.us/img519/9061/foto1ot2.jpg (http://imageshack.us)

Als ersten Schritt wird die Form der Klinge auf den Stahl übertragen.
(Für die Beispielfotos verwende ich 4 kleine Neck-Knives aus SB1-Stahl. Ich fange mit 4 Klingen an, falls die eine oder andere beim Härten bzw. einem anderen Fertigungsschritt Schaden nimmt und unbrauchbar wird)

http://img519.imageshack.us/img519/7897/foto2bl3.jpg (http://imageshack.us)

Um sich die Arbeit etwas zu erleichtern, setzt man entlang der aufgezeichneten Klingenkonturen 4mm-Bohrungen. Je dichter man die Bohrungen aneinander platziert, umso leichter hat man es danach beim Aussägen der Klingenrohlinge.

http://img519.imageshack.us/img519/1908/foto3in5.jpg (http://imageshack.us)

Wer keinen Schraubstock besitzt, kann den Klingenstahl auch mit einer Schraubzwinge an der Tischkante befestigen und so die Klingen aussägen.
Beim Aussägen immer nahe der Linie bleiben ! Wer präzise sägt, hat es danach beim Feilen deutlich einfacher.

http://img519.imageshack.us/img519/8899/foto4tn9.jpg (http://imageshack.us)

Zugegeben: man kann die Klingen schöner aussägen.
Die ausgesägten Rohlinge werden mit der Feile Hieb 1 exakt in Form gefeilt.

http://img519.imageshack.us/img519/356/foto5px8.jpg (http://imageshack.us)

Und so sehen die fertig geformten Rohlinge aus....

http://img519.imageshack.us/img519/9210/foto6md3.jpg (http://imageshack.us)

Um sich etwas Arbeit beim Entfernen der harten Walzhaut (sofern vorhanden) zu ersparen, kann man die Klingen für 10-15min. in 20-30%ige Salzsäure aus dem Baumarkt legen. Erwärmt man die Säure zuvor in einem Edelstahltopf auf 50°C, verstärkt sich die Ätzwirkung erheblich. Beim Umgang mit Säuren sind Schutzbrille und Handschuhe (dicke Putzhandschuhe, keine AIDS-Handschuhe) Pflicht. Dämpfe nicht einatmen!!! Ein Eimer mit Wasser sollte zum Abspülen der Säure von der Klinge, sowie zum Abwaschen von Spritzern auf Kleidung und Haut immer bereitstehen.
Die Säure kann mehrfach wiederverwendet werden und sollte auf keinen Fall in den Abfluss gelangen. Auch neutralisierte Säure enthält noch giftige Chromsalze, die nicht in die Kanalisation gehören. Jede Gemeinde/Stadt hat eine Sammelstelle für Gefahrstoffe, dort kann man Säurereste oft gratis abgeben.

http://img519.imageshack.us/img519/893/foto7gr7.jpg (http://imageshack.us)

Die Klingen müssen nach dem Säurebad gründlich mit klarem Wasser abgespült und danach abgetrocknet werden.

http://img519.imageshack.us/img519/5655/foto8hb1.jpg (http://imageshack.us)

So sehen die Klingen nach der Säurebehandlung aus. Wie man sieht, habe ich die Walzhaut nicht vollständig weggeätzt. Einen Teil der Walzhaut möchte ich erhalten, weil sie gut zum Design der kleinen Messer passt, finde ich.

http://img519.imageshack.us/img519/1740/foto9gm6.jpg (http://imageshack.us)

Als nächstes folgt der wichtigste Schritt: das Aufziehen der Schneide.
Arbeitet man hier nicht präzise und symmetrisch, ist die Klinge später nicht zu gebrauchen und alle Arbeit war umsonst.

Wo später die Schneidphase (Schärfe) sein soll, wird mit einem „Edding“ oder Nagellack die gesamte Fläche geschwärzt. Danach nimmt man einen Bohrer der exakt der Dicke des Klingenstahls entspricht und reißt vorsichtig eine Mittellinie an. Diese Linie dient zur Orientierung beim Feilen der Schneide. So wird auch alles schön symmetrisch. Diese Linie muss gut sichtbar sein, aber nicht sehr tief.

http://img519.imageshack.us/img519/4338/foto10at7.jpg (http://imageshack.us)

Auf den beiden Seitenflächen wird noch eingezeichnet, wie die Schneide später aussehen soll.

http://img136.imageshack.us/img136/8776/foto11nl7.jpg (http://imageshack.us)

Die Klinge wird mit der Schraubzwinge an einem stabilen Tisch befestigt. Der Lappen dient dazu die noch weiche Klinge nicht zu beschädigen. Kratzer, die man jetzt nicht in die Klinge macht, muss man später nicht mühsam entfernen.
Man setzt die Feile in einem Winkel von ca. 35-45° zur Klinge an und feilt gleichmäßig bis auf die zuvor eingezeichnete Mittellinie. Hat man überall bis auf die Mittellinie herunter gefeilt neigt man die Feile ein paar Grad zum Klingerücken hin und feilt gleichmäßig zur schwarzen Linie, die das Ende der Schneide symbolisiert. Setzt man die Feile zu flach an gleitet sie über die Klinge hinweg ohne nennenswerten Abtrag. Die „Mittellinie“ muss, nachdem beide Seiten befeilt wurden, noch mind. 0,2 besser 0,3mm dick sein, sonst wird die Klinge beim Härten unbrauchbar.

http://img136.imageshack.us/img136/4368/foto12jk9.jpg (http://imageshack.us)

Prinzipiell sollte die Klinge nach dem Feilen so aussehen. Wenngleich sie nicht eine ganz so gleichmäßig Oberflächenstruktur haben muss.
Da ich oft mehrere Klingen an einem Tag schleife, habe ich nicht die Zeit / Kraft jede von Hand zu feilen, deshalb habe ich für die Beispielfotos die Klingen am Bandschleifer geschliffen. Was aber nicht heißen muss, dass handgefeilte Klingen nicht mindestens genauso präzise werden können (vorausgesetzt man hat genügend Übung).

Für 10cm Klingenlänge sollte man etwa 3-4h Stunden Feilarbeit einplanen. Mit Übung und geschickten Hände kann man es sicher auch in unter 1 Stunde schaffen. Für ein Messer, das ein Leben lang halten soll, kann man schon die eine oder andere Stunde mehr einplanen und es richtig machen, anstatt ein wenig Zeit zu sparen und zu pfuschen.
Die Klinge muss nach dem Feilen unbedingt noch mit dem Geodreieck überprüft werden. Kleine Unebenheiten und Asymmetrie lassen sich jetzt noch leicht mit der Feile ausbessern.

http://img136.imageshack.us/img136/3593/foto13qo5.jpg (http://imageshack.us)

Dieses Foto zeigt eine meiner Klingen mit Blick auf die spätere Schneidphase.

http://img136.imageshack.us/img136/1269/foto14mm6.jpg (http://imageshack.us)

Hier noch ein Gruppenfoto bevor es zum Bohren der Löcher für die Griffschalen geht.
Für die Griffschalen sollte man mindestens ein Loch pro 5cm Grifflänge einplanen. Weitere Löcher senken das Gewicht der Klinge und steigern später die Haftung der Griffschalen. Man sollte jedoch zusätzliche Löcher so platzieren, dass sie die Stabilität des Griffs nicht beeinträchtigen. Bohrungen nie näher als 3mm an den Rand der Klinge setzen. Viele kleine Löcher sind besser als wenige große.
So könnte das Ergebnis dann aussehen:

http://img136.imageshack.us/img136/1246/foto15zj6.jpg (http://imageshack.us)

Bei diesen nur insgesamt 14cm langen Klingen konnte ich durch die zusätzlichen Bohrungen 4-5g einsparen.

http://img136.imageshack.us/img136/2072/foto16qa7.jpg (http://imageshack.us)

Der Rand der Bohrungen sollte vorsichtig mit Schmirgelpapier abgerundet (entgratet) werden. Wer einen Kegelsenker zur Verfügung hat, kann ihn hier ins Spiel bringen.

Inzwischen sieht das Stück Stahl schon einem Messer sehr ähnlich. Die zeitraubendste Arbeit kommt allerdings noch. Die tiefen Kratzer, die durch das Feilen in die Klinge gemacht wurden, müssen mit Sandpapier heraus geschliffen werden. Für 10cm Klingenlänge müssen bis zu 5h eingeplant werden, je nach Stahlart und Tiefe der Feilspuren.

http://img136.imageshack.us/img136/8940/foto17ee9.jpg (http://imageshack.us)

Obwohl ich einen Bandschleifer besitze, mache ich diese Arbeit grundsätzlich nur von Hand, weil es einfach präziser wird und den Klingenstahl nicht so sehr erwärmt.

Man trennt ein Stück Sandpapier aus dem Bogen heraus und wickelt es über ein flaches Stück Metall oder Holz. So lässt sich das Sandpapier leichter greifen und die Kraftübertragung ist besser. Wo man beginnt die Klinge zu schleifen ist völlig egal. Wichtig ist nur, dass man mit 100er Papier beginnt und längs zur Klinge schleift. Sind alle sichtbaren Kratzer entfernt, nimmt man ein Stück 120er Papier und schleift quer zur Klinge (Kreuzschliff) bis alle sichtbaren Kratzer entfernt sind. Auf diese Weise bearbeitet man die Klinge bis 600er Papier. Es dürfen keine Körnungen ausgelassen werden !
Der Griff sollte nicht geschliffen werden, denn auf rauen Flächen haftet der Klebstoff besser. Der Klingenrücken muss aber geschliffen werden, aber nur bis zum Griff hin, mehr nicht. Bearbeitet man auch den Klingenrücken am Griff, kann es zum Abrunden des Stahls kommen und die Griffschalen liegen dann nicht am Stahl an. Sobald der Griff angeklebt wurde, muss der Klingenrücken sowieso noch bearbeitet werden.

Die fertig geschliffene Klinge kann nun zu einer Härterei geschickt werden. Die Klinge sollte an der Schneidphase mindestens noch 0,1mm besser 0,25mm dick sein um Schäden durch die Wärmebehandlung zu vermeiden.
Adressen von Härtereien spuckt google aus, oder können bei mir erfragt werden.

Die 1-8 Wochen, die die Klinge in der Härterei ist, sollte man nutzen um sich geeignetes Griffmaterial zu besorgen. Für das erste Messer empfiehlt es sich nicht gleich ein Mammutelfenbein-Schalenpaar für 150€ oder ähnlich extrem teures Material zu erwerben. Gute Hölzer in geeigneten Maßen (oft schon als Schalenpaar gesägt und plan geschliffen) sind für 5-10€ zu bekommen. (wer google umsonst bemüht hat, kann mich gerne nach Händleradressen fragen. Von meinen eigenen Hölzern gebe ich allerdings nichts ab und verkaufen tue ich auch kein Holz - alles meins !!!! *g*)
Horn, Elfenbein, fossile Knochen usw. bereiten oft Schwierigkeiten beim Bearbeiten und reißen oft, wenn sie nicht richtig behandelt werden. Bei dem ersten Messer ist Holz einfach die bessere Wahl, um keine Enttäuschungen zu erleiden. Einheimische Hölzer sind bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Kirschbaum, Eiche, Buche, Robinie und Ilex unbrauchbar, weil sie zu weich sind.

Irgendwann kommt dann die Klinge aus der Härterei zurück und ist je nach Art der Härtung pechschwarz, stinkt nach verbranntem Öl und ist leicht klebrig oder sie ist je nach Härte blau, rot oder gelb gefärbt. Bevor die Klinge gereinigt wird, muss man sicherstellen dass die Klinge beim Härten nicht verzogen ist. Eine verzogene Klinge kann vom Laien nicht mehr gerettet werden, sie ist Ausschuss. Verzug, Brüche und Risse sind aber sehr selten. Die Härterei kann aber für diesen Schaden nicht haftbar gemacht werden. Man hat einfach nur Pech gehabt.

Meine Klinge sah nach dem Härten so aus:

http://img136.imageshack.us/img136/8458/foto18bs7.jpg (http://imageshack.us)

Im Hintergrund liegen schon die Schalen aus Bubinga-Holz bereit. Kein schönes Holz, aber bekannt für seine Zähigkeit und Fäulnisresistenz.
Die Klinge sollte nun mit 600er Papier geschliffen werden. Ist die Klinge in Öl gehärtet worden, muss die gesamte Klinge penibel von allen Ölresten befreit werden, weil sonst später der Klebstoff nicht hält.
Danach legt man die Klinge auf das Holz und bohrt nur die Löcher für die Nietstifte durch das Holz. Die Klinge dient als Führung und Schablone für den Bohrer. Die Erleichterungsbohrungen werden nicht im Holz fortgeführt.

http://img136.imageshack.us/img136/9676/foto19qk0.jpg (http://imageshack.us)

Die Klinge beim Bohren gut festhalten, sonst dreht sie mit und verursacht schwere Verletzungen. Ein rotierende Klinge niemals anfassen – erst Bohrmaschine ausschalten!!!!

http://img136.imageshack.us/img136/8861/foto20um0.jpg (http://imageshack.us)

Wer keinen Schraubstock hat, befestigt das Rundmaterial aus dem Baumarkt mit der Schraubzwinge am Tisch fest und sägt die Nietstifte etwa 5mm länger als beide Schalen und Klinge zusammen dick sind ab.
Sägekanten mit etwas Sandpapier abrunden, sonst passen die Stifte nicht in die Bohrungen.
Die Griffschalen können mit der Laubsäge noch grob in Form gesägt werden – überall mindestens 3mm „Reserve“ stehen lassen.
Nun geht’s ans kleben:

http://img136.imageshack.us/img136/5413/foto21fy2.jpg (http://imageshack.us)

Bevor geklebt wird, muss man prüfen, ob die Schalen auch exakt passen, die Nietstifte auch lang genug sind, usw.

Ich verwende am liebsten UHU 2min. Epoxidkleber. Für den Anfang ist 24h Epoxidkleber aber besser. Der 2min.-Kleber ist nach 2 Minuten wirklich fest und man kann nichts mehr verschieben oder anpassen.

Man rührt den Kleber an und bestreicht die richtigen Seiten der Griffschalen und die Löcher für die Nieten mit Kleber. Dann baut man alles zusammen. Vorsichtige Hammerschläge treiben die Nieten in die Löcher. Mit Hilfe der Schraubzwinge oder mit Leimzwingen presst man die Schalen fest an die Klinge.
Wer Übung im Nieten hat kann jetzt noch die Nietstifte „vernieten“. Wer das nicht kann, dem sei gesagt, auch ohne das Vernieten ist es fast unmöglich die Schalen nach dem Aushärten des Klebers noch zu entfernen.
An allen Seiten muss etwas Kleber hervor quellen, so ist sichergestellt, dass überall genügend Kleber vorhanden ist und sich keine Spalten bilden.

2min. bis 24h Pause.

Ist der Kleber hart, wartet man trotzdem noch mind. 2h, um ganz sicher zu gehen.
Dann spannt man das Messer in den Schraubstock ein oder befestigt es mit der Schraubzwinge am Tisch. Mit der Laubsäge werden dann überschüssiges Holz und Klebstoffreste abgesägt. Ja, es ist normal,dass der Kleber beim Sägen sehr stark stinkt.
Sägt man zu dicht an den gehärteten Stahl der Klinge, verabschiedet sich das Laubsägeblatt. Was jetzt noch an Holz übersteht, wird mit der Feile und danach mit Sandpapier entfernt.

http://img136.imageshack.us/img136/4849/foto22oe2.jpg (http://imageshack.us)

Mit den überstehenden Nietstiften und den Kleberesten drumherum verfährt man genauso.
Klebereste an der Klinge entfernt man vorsichtig mit dem Teppichmesser, das sollte sehr leicht gehen, denn der Kleber hält auf der geschliffenen Klinge schlecht.
Bei der Griffform kann man sich mit Laubsäge, Feile und Sandpapier künstlerisch ausleben. Griff in die Hand nehmen und was drückt wird weg gefeilt... so kommt man recht schnell zu einem ergonomischen Griff. Auch das Holz sollte bis zur 600er Körnung besser bis 1000er geschliffen und danach geölt werden. Leinöl oder Möbelöl haben sich da bewährt. Speiseöl wird mit der Zeit dagegen etwas eklig.
Die Klinge muss jetzt noch bis zur Körnung 1200 geschliffen werden und danach mit Metallpolitur und einem Baumwolllappen poliert werden.
Ganz zum Schluss wird die Klinge geschärft. Eine gute Klinge sollte je nach Stahl nach dem Schärfen bis etwa 6000er Körnung abgezogen werden und danach über einen Streichriemen (wie zum Rasieren) gezogen werden, um eine gute, haltbare Schärfe zu erhalten.

Wie man eine Scheide näht, beschreibe ich bei Interesse später mal.

Und so sieht eines der 4 fertigen kleinen Messer aus:

http://img128.imageshack.us/img128/5838/foto23xl1.jpg (http://imageshack.us)

Freak
11.01.2009, 16:20
:o Wow! Klasse!

nebulos
11.01.2009, 16:30
Geniales tutorial, macht lust auf Ausprobieren.
lg

JonasB
11.01.2009, 16:43
stark, sieht super aus!
Vom Zeitaufwand ja fast mit einem /meinem Damastmesser (http://nature-base.de/damastmesser.html) zu vergleichen.
Nur um Längen günstiger :roll:

Mephisto
11.01.2009, 17:44
Respekt! Klasse Beschreibung und wirklich schönes Ergebnis!

paulo123
11.01.2009, 18:01
Hi

Das sieht ja genial aus.

Was hat das Messer jetzt insgesamt gekostet? Wie lange hast du gebraucht?

Hasenhirn
11.01.2009, 18:02
Perfekt!!!! Danke für den Bericht!!!!

Nemo.26
11.01.2009, 19:06
Was es insgesamt gekostet hat weiß ich gar nicht. Das Stück Stahl lag schon ne ganze Weile in meiner Schublade, weil ich mir übers Design noch nicht im Klaren war, die Rechnung hab ich inzwischen weg geworfen. Das Holz hab ich geschenkt bekommen und das Werkezug hatte ich ja schon... so lassen sich die Kosten nicht ausrechnen. Das Härten hat um die 10€ plus Porto gekostet.

Zum Fertigen habe ich insgesamt etwa 6-7 Stunden und nochmal 1,5h für die Scheide gebraucht.

Kamikazefahrer
11.01.2009, 21:05
Einfach nur geil gute arbeit.

bennym
11.01.2009, 21:18
Genial!!! Vielen Dank!

hyrek
11.01.2009, 21:35
respekt!

bluezook
11.01.2009, 21:47
Wow, wirklich super gemacht und für jeden Interessierten leicht nachzuvollziehen. :cool:

ANDY

felö
11.01.2009, 21:53
Ein phantastisches Projekt, einfach Spitzenklasse.

Gruß Felö

Survivorman
11.01.2009, 23:15
Top! Da würde man am liebsten direkt selbst loslegen. Mal sehen... der Winter ist noch lang.. :)

mar7tin
12.01.2009, 14:21
Hallo,

wirklich sehr gut und bis ins Detail nachvollziehbar beschrieben und mit passenden Bildern versehen. Eine wirklich gute Anleitung. Danke.

Dein Ergebnis ist beeindruckend :o :o :o

Gruß

Mar7tin

paulo123
12.01.2009, 16:50
Hi

Ok, wenn man alles schon irgentwo hat passt es :)

Weist du denn ungefähr was so ein Stück ordentlicher Messerstahl kostet? Du hast wohl paar Shops schon kennengelernt.

Argysh
12.01.2009, 16:54
super beschrieben, jetzt hab ich was für die Semesterferien :D

Michabbb
12.01.2009, 17:41
Hallo Timo,
geil, geil, geil, da bekomme ich echt Lust und will es auch mal probieren. Befürchte nur, das mir da etwas die Geduld fehlt.
Na mal sehen.
Micha

PS:
Klar besteht auch Interesse an der Anleitung zum Scheiden bauen. Hoffe es ist dir nicht zu viel Aufwand.

Tobby
12.01.2009, 17:45
Hey,
die Anleitung ist dir echt suer gelungen.

Ich hab mich in der Weihnachtszeit auh mit dem Messerbau beschäftigt. Das ist dabei herausgekommen:

http://img216.imageshack.us/img216/3877/1005151uv7.th.jpg (http://img216.imageshack.us/my.php?image=1005151uv7.jpg)

http://img530.imageshack.us/img530/5245/1005153lg5.th.jpg (http://img530.imageshack.us/my.php?image=1005153lg5.jpg)


Die Messerklingen habe ich fix und fertig gehärtet und angelassen bei Dick gekauft.

http://www.dick.biz/dick/category/dickcatalog/Materialien-zum-Messerbau-18_2693/detail.jsf

Stellt meiner Meinung nach auch ne günstige Alternative Bezugsquelle für die Klingen dar. Als Griffmaterial hab nen Stück gut getrocknetes Birkenholz, ne Messingscheibe sowie nen Stück Lagerholz ausm Ikea. Das Ganze dann it ner Halbrundraspel und Schleifpapier in Form gebracht.

Setz mich dann auch rann, um ne Lederscheide zu bauen.

Kannst du sagen, wie große der 'Ausschuß' nach dem Härten deiner Klingen ist? Ist nämlich sehr schade, wenn man nach mühevoller Arbeit ne verzogene Klinge zurückkriegt

Hast du die Messingnieten vor, oder nach dem Schleifen vernietet? Wird das Holz dann nicht aufgetrieben? Kannst du das bitte einmal genauer erklären?

Nemo.26
13.01.2009, 09:11
Dass Stahl nicht gleich Stahl ist sieht man bei den ganzen Messerdiskussionen sehr deutlich. So verhält es sich dann aber auch mit den Preisen.
Einfacher C60 Stahl für lange zähe Klingen bekommte man für ca. 20ct/cm in 5mm Dicke und 40mm Breite.
Rostfreie Stähle kosten dann so um die 60-90ct/cm. Pulverstähle fangen bei 30ct/cm und 3,5mm Dicke bei RWL 34 Stahl an und Ende so bei 5 €/cm für CPM S90V. Damast bester Güte aus Deutschland kostet ca. 2,50-7€/cm für 3,5-5mm dicken Damast. Damasteel ein Pulverstahl mit Damastmuster kostet 3,50-12€/cm je nach Muster und Dicke.
Werkzeugstähle und C-Stähle sind mit 10-50ct/cm zum Üben die beste Wahl, sie sind billig, sehr gut was die Schneideigenschaften anbelangt und leicht zu bearbeiten.
Kauft man dierekt beim Stahlwerk ist der Klingenstahl spottbillig - aber wohin mit den restlichen 199,8m der Mindestbestellmenge? Kauft man den Stahl bei nem Schmied läßt dieser sich natürlich den Stahl gut bezahlen und man muß ein paar ct/cm mehr investieren.

Nemo.26
13.01.2009, 09:32
@ Tobby

Bei Klingen die ich professionel hab härten lassen ist bisher nur auch eine Klinge verzogen und die wurde von der Härterei gerichtet. Die Dellen vom Richten konnte ich leicht wegschleifen.
Und sollte doch mal ne Klinge verzogen sein, bringst die Klinge zum nächsten Schmied und bittest ihn sie zu richten, je nach Stahl geht das ohne größere Macken in der Klingen.

Ich hab große Achtung vor Leuten die mit Steckangelklingen (wie die von dick) zurechtkommen. Hab jetzt 2x Messer mit diesen Fertigklingen gemacht und beide Messer sehen schrecklich aus. Wer sie dennoch geschenkt haben möchte... einfach ne kurze Mail schicken. Dagegen sieht dein Messer verdammt gut aus!!! Respekt!

Die Messingstifte muß man vernieten so lange der Kleber noch nicht ausgehärtet ist sonst zerspringt das Holz beim Nieten. 2-3 vorsichtige gefühlvolle Schläge auf den Nietstift reichen völlig aus. Ein zu kraftvoller Schlag kann den Nietstift so sehr stauchen und verformen dass er das Holz sprengt. Der Nietstift sollte vor dem Vernieten nicht wieter als ein paar Milimeter auf jeder Seite aus dem Holz schauen, sonst bringt die Stauchung nichts mehr. nach dem Nieten den Kleber vollständig aushärten lassen und drüberschleifen. Entfernt man die Klebstoffreste mit nem Teppichmesser setzt sich danach das teure Sandpapier nicht so schnell zu.

Nächste oder übernächste Woche nähe ich mal wieder eine Lederscheide, dann mach ich Fotos und schreib eine Anleitung. Je nach Scheidendesign kann man dann die Anleitung auch für Taschenlampenholster oder Feuerstahlhalterungen anpassen.

Nemo.26
13.01.2009, 09:34
@ Tobby

Wenn du sowieso gerade ne Lederscheide nähst, dann mach doch Fotos davon und schreib ne kleine Anleitung. Mich würde sehr interessieren wie du das machst.

Johnny
16.02.2009, 18:17
Mal ne allgemeine Frage zu solchen Messern, verstoßen die, wenn ich die ohne waffenschein oder sowas führe, gegen irgendein gesetz? Muss man da nicht irgendwie aufpassen inzwischen oder darf ich die auch in anliegenden Europäischen Ländern inkl. Schweiz mit mir führen?

khyal
16.02.2009, 19:30
Mal ne allgemeine Frage zu solchen Messern, verstoßen die, wenn ich die ohne waffenschein oder sowas führe, gegen irgendein gesetz? Muss man da nicht irgendwie aufpassen inzwischen oder darf ich die auch in anliegenden Europäischen Ländern inkl. Schweiz mit mir führen?

Hi Jonny,

waere nett, wenn Du Dich ein bisschen an nettes Grundverhalten in Foren halten wuerdest... :bg:

Dazu gehoert zum Einen, dass man halt die Suche bemueht, statt zum 23457 Mal dieselben Fragen zu stellen und auch, dass man wenn man eine voellig vom Threadthema abweichende Frage stellen will, eben dazu einen neuen Thread aufmacht, wobei ich Dir aber eigentlich raten moechte, die Suchfunktion im Menu des Forum zu benutzen und wenn Du da mal ein bisschen gelesen hast und dann noch Fragen offen sind, Diese dann zu stellen...

BTW findest Du zu dem Thema auch viel im Messer-Forum (www.messerforum.net)...

Gruss

Khyal

Johnny
16.02.2009, 19:42
ich bin wie die meisten, faul, rücksichtslos und habs eilig... hatte halt ehrlich gesagt nicht die geringste lust und motivation mir diese ellenlangen paragraphen durchzulesen, dazu aber die hoffnung, dass jemand ders schon getan hat sich erbarmt und einfach mal kurz sagt: junge, ist kein problem mit so einem messer, wirste nicht verhaftet.
War doch n versuch wert oder? ;-)

Michael'
16.02.2009, 19:42
Wirklich sehr schön! Ich muß auch mal wieder in den Keller hocken.

Aber mal ne Frage.. Was ist das für Stahl? Ich bin gelernter werkzeugmacher und weiß was es heißt nur ein paar 10tel zu feilen. :o

How ever - sehr nice! Danke!

Natide
16.02.2009, 21:25
ich bin wie die meisten, faul, rücksichtslos und habs eilig... hatte halt ehrlich gesagt nicht die geringste lust und motivation mir diese ellenlangen paragraphen durchzulesen, dazu aber die hoffnung, dass jemand ders schon getan hat sich erbarmt und einfach mal kurz sagt: junge, ist kein problem mit so einem messer, wirste nicht verhaftet.
War doch n versuch wert oder? ;-)

ok, ich erbarme mich.
alles unter 12cm feststehend ist problemlos, alles drüber brauchst einen guten Grund, warum du es mit führst.
Taschenmesser generell nur mit Arretierung.

Johnny
16.02.2009, 21:32
Danke! nächstes mal benehm ich mich dann doch wirklich :kapituliere:

Nemo.26
17.02.2009, 12:05
Der Stahl wird gerne als SB1 bezeichnet und trägt die WerkstoffNr. 1.4153.03

Die Zusammensetzung:
0,8% C, 12,7% Cr, 1,1% Mo, 0,9% V, 0,7% Nb

Der Stahl ist im Vergleich zu C-Stählen nur wenig anspruchsvoller in der Bearbeitung, ein paar Zentel sind da schnell runter... manchmal zu schnell :-(

Beim Tragen/Führen von Messern sollte man den gesunden Menschenverstand walten lassen, dann kommt man erst gar nicht mit den Gesetzen in Konflikt.
In ner Disco hat ein Messer nichts zu suchen.. auch nicht ein gaaanz ganz kleines. Bei ner Wandertour am A... der Welt wo weit und breit niemand ist stört es wohl auch niemand wenn du ein Schwert mit dir herumträgst... falls dir aber doch mal jemand begegnet solltest du dich auf erstaunte Blicke gefasst machen ;-)

Johnny
17.02.2009, 17:44
Ja das stimmt allerdings, inne disse wollt ich das gerät auch nicht mitnehmen ;-)
zum wandern natürlich, ist doch perfekt für sowas.

Danke für die bezeichnungen des stahls,ich werd am wochenende mal gucken ob ich bei unserm werkzeughändler sowas bekomme, ich will echt mal probieren wie gut sowas funktioniert! An der Idee hab ich jetz auch nen Narren gefressen :bg:
das größte problem für mich dürfte dabei die geschichte mit der säure sein, bei sowas hab ich das talent irgendwas umzukippen und alle in lebensgefahr zu bringen ....

röhrer
17.02.2009, 19:38
Für den Stahl kann ich wootz@web.de empfehlen, bin nicht mit dem verwandt oder verschwägert, aber er ist eine gute Bezugsquelle für Kleinmengen an Stahl und zudem noch günstig.
Über den örtlichen Stahlhandel wirst du meistens nur ungeeignete Dimensionen finden. Bei Feilen solltest du nur Qualitätsprodukte kaufen, bei dick.biz gibts gute.
Für den Anfang sollte Hieb 1 und Hieb 3 passen, dazu noch eine Halbrundfeile (Konturen) und eine Rundfeile (Ich nehm die die man zum Kettensägen schärfen nimmt) fürs Ricasso und kauf immer schön große Feilen, das ist angenehmer zum Arbeiten.
Gutes Schleifpapier ist auch Pflicht (z.b. das von VSM), das kannst du dann auch gleich nehmen um das Messer scharf zu machen, denn gute Schleifsteine sind teuer.
Das ist alles nicht so einfach, wenn du jemanden hast der dir was zeigen kann gehts leichter.
Für den Anfang empfehle ich dir mit kürzeren Klingen anzufangen.
Ansonsten empfehle ich dir noch folgenden Links:
Solltest du schon kennen, Die Beiträge von U.Gerfin und Achim Wirtz (das ist auch der der den Stahl vertickt) sind sehr interresant.
http://messerforum.net
In Englisch, aber sehr umfangreich :
http://www.knivesby.com/knifemaking.html
gutes Tutorial (englisch) :
http://www.bladeforums.com/forums/showthread.php?t=372833
Tutorial (englisch)
http://hossom.com/tutorial/jonesy/
Wenn du sonst noch Fragen hast, schreib einfach.
mfg
Moritz

Johnny
18.02.2009, 17:41
das letzte tutorial ist interessant, er ätzt die klinge nicht mit Säure ab, und er benutzt anscheinend ein Kohlefeuer und Backofen zur härtung statt es industriell zu machen. Kann das jemand empfehlen, ist das so simpel wie es dort steht? MEin Backofen geht grad mal bis 300°, ich frag mich auch WARUM man die klinge nochmals da reinlegen muss... nach der feuerhärtung?

mein Bruder arbeitet in einem Museum und bedient da die Schmiede von zeit zu zeit und hat mir immer erzählt, diese Hitze mit steinkohle und den riesenöfen würde man mit nem grill, holz oder normalem kohlefeuer/glut nie hinbekommen um selbst damit zu schmieden!?
WÜrde ihn ja direkt selber fragen wenn er momentan nur erreichbar wäre :bg:

röhrer
18.02.2009, 19:45
Okay, über WB weist du noch nicht so viel ... ;)
Wenn du das härten selbst machen Willst, dann kauf dir das Buch "Messerklingen und Stahl" von Roman Landes, da sind sehr interessante Gedanken zur Schneidengeometrie und Stahlwahl drin.
Schau dir auch mal das Eisen-Kohlenstoff Diagramm an, kauf dir den kleinen Stahlschlüssel und das Buch "How to make knives" bzw. "the 50 dollar knife shop ", und dann gibt es vom wieland Verlag noch einige sehr interessante Bücher über das Messermachen (auf Deutsch). Schau einfach hier mal http://www.messerforum.net/amazon.php
Wenn dir die Theorie egal ist, dann mach folgendes : (Gilt nur für C-Stähle)
1. Mach ein großes Feuer, oder schmeis den Grill an
2. Leg die Klinge in die Glut und bedecke sie mit Glut
3. Check die Härtetemperatur mit nem Magneten : Wenn er nicht mhr an der Klinge haftet steck die Klinge in das möglichst vorgewärmte Öl.
Ein paar Sachen sind noch wichtig:
Niemals nie in Wasser härten, zumindest bei Messern.
Die Farbe die Der stahl haben sollte ist ein helles Kirschrot
1.282 ist ein sehr gutmütiger Stahl und leicht zu härten
Achte darauf, dass das Werkstück gut durchgewärmt ist
Tauche die Klinge mit dem rücken zuerst ein
Informier dich über WB, sonst werden deine Messer nie wirklich gut
Mach keine zu feinen Geometrien, da gibts leicht Verzug oder Härterisse
Rechne bei so primitiver Behandlung grundsätzlich damit die eine oder andere Klinge zu verlieren, speziell am anfang wenn du die Temperaturen noch nicht so gut einschätzen kannst
Such im MF nach Tips.
Das Anlassen braucht man um die viel zu hohe Härte nach dem Härten
wieder auf ein günstiges Maß herunterzuschraucben, sonst ist die Klinge zu hart.
2x 1 Stunde bei 200 Grad sollte z.b. für 1.2842 was um 60 Hrc bringen, du kannst auch höher anlassen, dann wird die KLinge zäher aber auch weniger schnitthaltig. KOmmt auch auf die geometrie und den Einsatzzweck an
Generell
Je gröber der geplante Nutzungsbereich ist, desto weicher sollte die Klinge sein, unter 56 Rockwell würde ich aber da nicht ghen, bzw auch einen anderen Stahl nehmen, C75 oder C60 z.b.. Gleiches gilt auch für die Klingenlänge.
Ansonsten frag einfach wenn du Fragen hast, ich hab garantiert irgendwas vergessen :)

Moritz

Selber schmieden is nochmal ne ganz andere Sache. Ich kann dir nur empfehlen: Fang mit stock removal an und wenn du das kannst, steig aufs schmieden um, die Skills brauchst du sowieso. Ganz zu schweigen von dem hohen finanziellen Aufwand, den du da betreiben musst.
Ich hab das Buch zwar selbst nicht, aber "The wonder of Knifemaking" ist wirklich genial.

nebulos
20.03.2009, 19:31
@nemo.26: Wenn ich das ganze mit bandschleifer statt mit Feile schleife muss ich bei dem noch nicht gehärtetem Rohling auf die Temperatur achten bzw. wie heiß darf das ganze ca. werden?

Macintechno
20.03.2009, 19:34
auf jeden fall musst du aufpassen,... sonst härtet die klinge partiell aus.... Temp weis ich aber auch nicht auswendig,... langsame drehzahl und oft pausen machen dann geht es schon,....

nebulos
20.03.2009, 19:38
danke für die schnelle info

Nemo.26
21.03.2009, 08:14
Ein Messerschmied hat mir mal geraten ohne Handschuhe zu schleifen, dann merke ich schnell wenns warm wird und wenns weh tut ists Zeit den Stahl in kalten Wasser abzukühlen.
Bei sehr dünnen Klingengeometrien leitet der Stahl oft nicht schnell genug und man verbrennt den Stahl an der Schneide noch bevor man heiße Finger am Klingenrücken bekommt.
Deshalb ist etwas Übung und Erfahrung unabdingbar.
Ganz wichtig sind neue scharfe Bänder in P24 oder P40 (Körnung), an stumpfen Bändern verbrennt der Stahl sehr schnell.
Die Schneide vorm Härten ca. 0,2mm dick lassen dann kann man auch Klingen die beim Schleifen nen leichten Blauschimmer bekommen haben noch guten Gewissens verwenden (Stichwort: Randentkohlung). Dunkelblaue Stellen bei dünnen Klingen sind aber nicht ok. Verbrannte Stellen im Stahl absägen und die Geometrie anpassen, sonst kann es beim Härten böse Überraschungen geben und die fertige Klinge hält die Schärfe dann auch nicht mehr.
Klingenstahl ist zwar nicht gerade billig, aber man sollte mannsgenug sein und eine verbrannte Klingen wegwerfen und sie nicht um jeden Preis fertig machen, weil man geizig ist... Eine verbrannte Klinge wird im fertigen Messer ganz normal unauffällig silbrig aussehen, aber die Schärfe nicht halten können oder Ausbrüche bekommen.
Bei C-Stahlklingen die hier und da mal grenzwertig heiß wurden sollte man bei einem Klingenschmied die Klingen Normalisieren/Einformen lassen bevor sie gehärtet werde, das verhindert Verzug und Bruch.

Howie
21.03.2009, 08:51
Die Schneide vorm Härten ca. 0,2mm dick lassen

0,2 mm sind recht wenig, vielleicht beim Nordischen Schliff.
Ich würde eher zu 0,5 mm tendieren wenn das Messer eine Schneidfase nach dem härten bekommt.

Schattenparker
21.03.2009, 12:05
... Die Schneide vorm Härten ca. 0,2mm dick lassen dann kann man auch Klingen die beim Schleifen nen leichten Blauschimmer bekommen haben noch guten Gewissens verwenden (Stichwort: Randentkohlung). Dunkelblaue Stellen bei dünnen Klingen sind aber nicht ok.

Das ist eine Aussage, die ich nicht nachvollziehen kann. Woher kommt diese Weisheit?
Das Blau, ob hell oder dunkel, ist eine der Anlassfarben und deutet auf Temperaturen um 300 ... 350°C hin, wenn ich das noch richtig erinnere. Keine Temperatur, bei der Stahl "verbrennen" oder entkohlen würde.
Und beim anschließenden Härten wird sowieso das gesamte Teil bis zu heller Rotglut erhitzt, also SEHR viel höher erhitzt als beim "blau anlaufen". Dabei sollten sich eigentlich alle vorhandenen Temperaturspannungen im Material ausgleichen.

Richtig ist, meines Wissens, dass dieses blaue Anlaufen beim Schleifen unbedingt bei der fertigen, gehärteten Klinge vermieden werden muss. Vor dem Härten ist es m.W. wurscht.

Nemo.26
22.03.2009, 07:57
Woher diese "Weisheit" kommt? Nun, das ist Erfahrungssache. Ich hab einfach bei Schleifen einer Klinge die Grenze ausgelotet und dabei festgestellt, dass bei niedriglegierten Stählen diese besprochenen Färbungen bei dünnen Geometrien schädlich sein können.
Bei den Anlassfarben ist bei 350°C Schluss, darüber glüht das Material. Ein kurzes Aufglühen des Stahls an der dünnsten Stelle wird leicht übersehen.... die blaue(blaugraue) Farbe bleibt allerdings und wird bestimmt nicht übersehen.
Sicher hast du recht, dass 350°C bei einer ungehärtet Klinge unproblematisch sind - aber wie ich eben versucht hab zu erklären bleibts bei schleifen nicht nur bei 350°C sondern kann partiell noch deutlich höher ansteigen.
Dabei ist es gar nicht schwer Klingen so zu schleifen, dass sie nicht zu warm werden und so ist man auf der sicheren Seite.

Schattenparker
22.03.2009, 16:18
Jou, wenn Du das so meinst, stimme ich Dir zu.

röhrer
22.03.2009, 18:08
Wenn das Messer vor der WB ausgiebig normalisiert wird, dann ist die Temperatur beim Schleifen egal.- solange man das Messer nicht ausglüht.-
Ich pass trotzdem auf dass die Klinge nicht zu warm wird.
mfg
Moritz

nebulos
22.03.2009, 19:33
@all: Danke für die infos, nächsten monat werd ichs angehen. Hoffentlich kommt was brauchbares raus...

Tobby
25.05.2009, 20:59
Hab jetzt am verlängerten wochenende endlich einmal Zeit gehabt, mein Messerchen weiter zu bauen.
Den Holzkern für die Lederscheide hab ich fertig:

http://img199.imageshack.us/img199/9048/cimg2159.th.jpg (http://img199.imageshack.us/my.php?image=cimg2159.jpg)

Versuch die Woche noch günstig an ein bisschen Leder ranzukommen, damit ich das Messer endlich einmal fertigstellen kann. Hoffentlich dauerts nicht wider so lange:roll:

Hier noch ne paar Bilder vom Bau:

http://img268.imageshack.us/gal.php?g=cimg2133.jpg

Natide
26.05.2009, 08:01
Einen Holzkern? :o Für was das denn?

Kommst zum Outdoortreffen? Da gibt es Leder :grins:

Michael'
26.05.2009, 11:55
Ich vermute der Holzkern dient dazu dem Leder die Form zu geben. Eben prof. statt Kinderpfusch

Howie
26.05.2009, 12:35
Ich vermute der Holzkern dient dazu dem Leder die Form zu geben. Eben prof. statt Kinderpfusch

Eben nicht.
Das ist die Scheide, mit einem Lederkragen und Gürtelschlufe nach nordischem Vorbild.
Harmoniert auch schön mit dem Messer.

Tobby
26.05.2009, 18:17
sorry für die vielen Missverständnisse.

Der Holzkern wird bei dem Messer Komplett mit Leder überzogen, um sozusagen das Leder vor der Schneide zu schützen, und noch in Form zu bringen.
Beim nächsten Messer werd ich mal probieren, das Leder erst am Holzkragen zu befestigen, also noch nen bisschen Nordischer.

Natide
27.05.2009, 07:56
Sorry, hatte nicht gesehen, dass Messer schon drin ist :grins:

Asgard
13.12.2009, 15:34
Servus zusammen!

Nach diesem hervorragenden Bericht habe ich mich entschlossen, auch ein Messer anzufertigen. Allerdings habe ich noch eine kleine Frage an Euch:
Kann mir vielleicht jemand eine Härterei nennen, die Böhler N690 - Stahl härten kann? Ich habe nämlich vor, eine fertig ausgestanzte Klinge aus ebendiesem Stahl zu kaufen, da ich mir das Ausschneiden ersparen will und sowieso schon einmal ein Messer aus diesem Stahl haben wollte.
Besagte Klinge würde ich übrigens hier (http://shop.nordisches-handwerk.de/wbc.php?sid=51830101137&tpl=produktdetail.html&pid=426&rid=31&recno=8) kaufen.
Schon mal vielen Dank im Vorraus für Eure Hilfe.

Alex

Nemo.26
14.12.2009, 11:14
Die Klinge vom Nordischen Handwerk ist nicht gestanzt sondern gelasert, das macht "bessere" Kanten als stanzen und erspart dir Arbeit.

Härten lassen kannst du sie dir über Jürgen Schanz www.schanz-messer.de

Bei der Messergröße würde ich dir je nach Anwendungszweck 59-60HRC empfehlen. Und lass noch mindestens 0,3mm (Dicke) an der Schneide unten stehen, sonst kanns beim Härten unschöne Überraschungen geben.

paulo123
14.12.2009, 20:48
Bei der Messergröße würde ich dir je nach Anwendungszweck 59-60HRC empfehlen. Und lass noch mindestens 0,3mm (Dicke) an der Schneide unten stehen, sonst kanns beim Härten unschöne Überraschungen geben.

... die der Herr Schanz aber zu beheben weiß! Aber drunter sollte man wirklich nicht gehen. Eine Schneide muss ja auch noch dran!

paulo123
17.12.2009, 07:54
Servus zusammen!

Nach diesem hervorragenden Bericht habe ich mich entschlossen, auch ein Messer anzufertigen. Allerdings habe ich noch eine kleine Frage an Euch:
Kann mir vielleicht jemand eine Härterei nennen, die Böhler N690 - Stahl härten kann? Ich habe nämlich vor, eine fertig ausgestanzte Klinge aus ebendiesem Stahl zu kaufen, da ich mir das Ausschneiden ersparen will und sowieso schon einmal ein Messer aus diesem Stahl haben wollte.
Besagte Klinge würde ich übrigens hier (http://shop.nordisches-handwerk.de/wbc.php?sid=51830101137&tpl=produktdetail.html&pid=426&rid=31&recno=8) kaufen.
Schon mal vielen Dank im Vorraus für Eure Hilfe.

Alex


Hallo

Ich finde die Klingenform nicht allzu schön oder besonders.
Außerdem ist das noch der spaßige und dankbare Teil der Arbeit Aus einem Stück Stahl die Klinge zu formen. Dauert wirklich nicht annähernd so lange wie den Schliff mit der Feile zu machen.

Den Stahl sollte jeder ordentliche Messermacher härten können. Da sollte es keine Probleme geben.

tcp52
18.09.2014, 19:47
Das Thema liest sich recht interessant. Leider sind die Bilder des Themenstarters offenbar offline. Gibt es die nochmal irgendwo?

dominiksavj
18.09.2014, 20:40
Bestimmt, ist ja erst 5(fünf) Jahre her....:bg:

Nemo.26
18.09.2014, 20:49
Das ist wirklich Schade. Die Fotos für die Anleitung zu machen und hier einzustellen war recht zeitaufwändig. Obwohl es schon rund 5 Jahre her ist, als ich die Anleitung hier eingestellt hab, kommen immer noch recht regelmäßige Anfragen zu dem Thema... auch per Mail.
Ich schau am WE mal ob ich irgendwo noch die alten Fotos gespeichert habe und stell sie dann ein. Viel Hoffnung kann ich euch leider nicht machen, da ich mehrere HDDcrashs hatte und nicht gerade vorbildlich bin im Daten sichern auf DVD. Ich bemühe mich.

Eventuell mach ich auch neue Fotos wenn ich das nächste mal in meiner Schmiede bin.

Nemo.26
21.09.2014, 09:17
Ich habe die Anleitung mit Fotos auf ner alten Sicherungs-DVD gefunden. Leider nur als .pdf. Da ich hier so große .pdf-Daten nicht einfügen darf kann ich euch nur anbieten, die Datei per Email zu schicken. Schickt mir einfach ne PN mit eurer Email-Adresse.

woodcutter
21.09.2014, 13:49
Ich habe die Anleitung mit Fotos auf ner alten Sicherungs-DVD gefunden. Leider nur als .pdf.

Fotos kann man mit einem normalen PDF Programm extrahieren. Dauert eigentlich nur ein paar Minuten inkl. der ggf. notwendigen Sortierung.

Falls jemand der Empfänger das für dich übernimmt, könntest du die Fotos dann wiederum in den Ausgangsbeitrag einstellen.

Vorab ein Danke !

tcp52
21.09.2014, 14:06
Na, dss hat sich ja gelohnt. Wäre toll, wenn das klappt!

PN ist raus.

tcp52
21.09.2014, 22:47
Nemo.26 hat mir eine PDF gesendet, in der die Anleitung samt PDF Bilder ist.
Leider war es mir nicht möglich, die Bilder zu extrahieren. Daher habe ich mir die Mühe gemacht, jedes einzelne Bild per Screenshot separat zu speichern.

Download der kompletten Anleitung inkl. Bilder im PDF Format (3,48 MB):
http://ul.to/mgz2mwjg

Hier nun die Anleitung:
Das Urheberrecht der folgenden Texte und Bilder liegt bei "Nemo.26"!


Das eigene Messer - selbst gefertigt mit einfachsten Mitteln


Werkzeugliste:

- Stahlfeile Hieb 1 ( ca. 5€ im Baumarkt)
- Handbügelsäge mit HSS-Sägeblatt (ca. 7€ im Baumarkt)
- 4mm Bohrer HSS-Co ( ca. 1,50€ im Internet oder 4€ im Baumarkt)
- einfache Handbohrmaschine besser Standbohrmaschine
(zur Not tuts auch ein Dremel)
- Hammer, egal wie schwer und welche Form
- Schutzbrille
- Handschuhe
- Laubsäge (billigstes Modell rund 5€) mit Holzsägeblatt
- Schraubzwinge
- Teppichmesser
- falls vorhanden: Leimzwingen


Materialliste:

- Sandpapier Körnung: 100; 180; 240; 320; 400; 600; 1000; 1200
- Politurpaste
(es geht auch Ceranfeldscheuerpaste oder ganz billige Zahnpasta mit
kleinen Schleifkörperchen)
- Messing- oder Alurundmaterial 4mm Durchmesser (2€ im Baumarkt)
(zur Not gehen auch 4mm dicke Nägel)
- ein Schalenpaar oder einen Kantel Hartholz / Horn / Elfenbein
- UHU 2-Komponenten-Epoxid-Klebstoff
- Klingenstahl

Wenn alles Material und Werkzeug zusammengetragen ist, sollte man sich Gedanken
über das Design machen. Einfache Formen und leicht zu bearbeitender Stahl steigern die
Erfolgsaussichten erheblich !


http://abload.de/img/1idjao.jpg

Als ersten Schritt wird die Form der Klinge auf den Stahl übertragen.
(Für die Beispielfotos verwende ich 4 kleine Neck-Knives aus SB1-Stahl. Ich fange mit 4
Klingen an, falls die eine oder andere beim Härten bzw. einem anderen Fertigungsschritt
Schaden nimmt und unbrauchbar wird)


http://abload.de/img/2dhkz2.jpg

Um sich die Arbeit etwas zu erleichtern, setzt man entlang der aufgezeichneten
Klingenkonturen 4mm-Bohrungen. Je dichter man die Bohrungen aneinander platziert,
umso leichter hat man es danach beim Aussägen der Klingenrohlinge.


http://abload.de/img/3pgku7.jpg

Wer keinen Schraubstock besitzt, kann den Klingenstahl auch mit einer Schraubzwinge an
der Tischkante befestigen und so die Klingen aussägen.
Beim Aussägen immer nahe der Linie bleiben ! Wer präzise sägt, hat es danach beim
Feilen deutlich einfacher.


http://abload.de/img/45jj7n.jpg

Zugegeben: man kann die Klingen schöner aussägen.
Die ausgesägten Rohlinge werden mit der Feile Hieb 1 exakt in Form gefeilt.


http://abload.de/img/55djsd.jpg

Und so sehen die fertig geformten Rohlinge aus....


http://abload.de/img/6rikma.jpg

Um sich etwas Arbeit beim Entfernen der harten Walzhaut (sofern vorhanden) zu
ersparen, kann man die Klingen für 10-15min. in 20-30%ige Salzsäure aus dem Baumarkt
legen. Erwärmt man die Säure zuvor in einem Edelstahltopf auf 50°C, verstärkt sich die
Ätzwirkung erheblich. Beim Umgang mit Säuren sind Schutzbrille und Handschuhe (dicke
Putzhandschuhe, keine AIDS-Handschuhe) Pflicht. Dämpfe nicht einatmen!!! Ein Eimer mit
Wasser sollte zum Abspülen der Säure von der Klinge, sowie zum Abwaschen von
Spritzern auf Kleidung und Haut immer bereitstehen.
Die Säure kann mehrfach wiederverwendet werden und sollte auf keinen Fall in den
Abfluss gelangen. Auch neutralisierte Säure enthält noch giftige Chromsalze, die nicht in
die Kanalisation gehören. Jede Gemeinde/Stadt hat eine Sammelstelle für Gefahrstoffe,
dort kann man Säurereste oft gratis abgeben.


http://abload.de/img/7d9j9l.jpg

Die Klingen müssen nach dem Säurebad gründlich mit klarem Wasser abgespült und
danach abgetrocknet werden.


http://abload.de/img/8zyk6s.jpg

So sehen die Klingen nach der Säurebehandlung aus. Wie man sieht, habe ich die
Walzhaut nicht vollständig weggeätzt. Einen Teil der Walzhaut möchte ich erhalten, weil
sie gut zum Design der kleinen Messer passt, finde ich.


http://abload.de/img/9eqke9.jpg

Als nächstes folgt der wichtigste Schritt: das Aufziehen der Schneide.
Arbeitet man hier nicht präzise und symmetrisch, ist die Klinge später nicht zu gebrauchen
und alle Arbeit war umsonst.
Wo später die Schneidphase (Schärfe) sein soll, wird mit einem „Edding“ oder Nagellack
die gesamte Fläche geschwärzt. Danach nimmt man einen Bohrer der exakt der Dicke des
Klingenstahls entspricht und reißt vorsichtig eine Mittellinie an. Diese Linie dient zur
Orientierung beim Feilen der Schneide. So wird auch alles schön symmetrisch. Diese Linie
muss gut sichtbar sein, aber nicht sehr tief.

[imh]http://abload.de/img/10k6kle.jpg[/IMG][/center]

Auf den beiden Seitenflächen wird noch eingezeichnet, wie die Schneide später aussehen
soll.


http://abload.de/img/11jbk0j.jpg

Die Klinge wird mit der Schraubzwinge an einem stabilen Tisch befestigt. Der Lappen dient
dazu die noch weiche Klinge nicht zu beschädigen. Kratzer, die man jetzt nicht in die
Klinge macht, muss man später nicht mühsam entfernen.
Man setzt die Feile in einem Winkel von ca. 35-45° zur Klinge an und feilt gleichmäßig bis
auf die zuvor eingezeichnete Mittellinie. Hat man überall bis auf die Mittellinie herunter
gefeilt neigt man die Feile ein paar Grad zum Klingerücken hin und feilt gleichmäßig zur
schwarzen Linie, die das Ende der Schneide symbolisiert. Setzt man die Feile zu flach an
gleitet sie über die Klinge hinweg ohne nennenswerten Abtrag. Die „Mittellinie“ muss,
nachdem beide Seiten befeilt wurden, noch mind. 0,2 besser 0,3mm dick sein, sonst wird
die Klinge beim Härten unbrauchbar.


http://abload.de/img/12s0kdq.jpg

Prinzipiell sollte die Klinge nach dem Feilen so aussehen. Wenngleich sie nicht eine ganz
so gleichmäßig Oberflächenstruktur haben muss.
Da ich oft mehrere Klingen an einem Tag schleife, habe ich nicht die Zeit / Kraft jede von
Hand zu feilen, deshalb habe ich für die Beispielfotos die Klingen am Bandschleifer
geschliffen. Was aber nicht heißen muss, dass handgefeilte Klingen nicht mindestens
genauso präzise werden können (vorausgesetzt man hat genügend Übung).
Für 10cm Klingenlänge sollte man etwa 3-4h Stunden Feilarbeit einplanen. Mit Übung und
geschickten Hände kann man es sicher auch in unter 1 Stunde schaffen. Für ein Messer,
das ein Leben lang halten soll, kann man schon die eine oder andere Stunde mehr
einplanen und es richtig machen, anstatt ein wenig Zeit zu sparen und zu pfuschen.
Die Klinge muss nach dem Feilen unbedingt noch mit dem Geodreieck überprüft werden.
Kleine Unebenheiten und Asymmetrie lassen sich jetzt noch leicht mit der Feile
ausbessern.


http://abload.de/img/13m1knt.jpg

Dieses Foto zeigt eine meiner Klingen mit Blick auf die spätere Schneidphase.


http://abload.de/img/14ltj12.jpg

Hier noch ein Gruppenfoto bevor es zum Bohren der Löcher für die Griffschalen geht.
Für die Griffschalen sollte man mindestens ein Loch pro 5cm Grifflänge einplanen. Weitere
Löcher senken das Gewicht der Klinge und steigern später die Haftung der Griffschalen.
Man sollte jedoch zusätzliche Löcher so platzieren, dass sie die Stabilität des Griffs nicht
beeinträchtigen. Bohrungen nie näher als 3mm an den Rand der Klinge setzen. Viele
kleine Löcher sind besser als wenige große.
So könnte das Ergebnis dann aussehen:


http://abload.de/img/15q4jno.jpg

Bei diesen nur insgesamt 14cm langen Klingen konnte ich durch die zusätzlichen
Bohrungen 4-5g einsparen.


http://abload.de/img/16cwko7.jpg

Der Rand der Bohrungen sollte vorsichtig mit Schmirgelpapier abgerundet (entgratet)
werden. Wer einen Kegelsenker zur Verfügung hat, kann ihn hier ins Spiel bringen.
Inzwischen sieht das Stück Stahl schon einem Messer sehr ähnlich. Die zeitraubendste
Arbeit kommt allerdings noch. Die tiefen Kratzer, die durch das Feilen in die Klinge
gemacht wurden, müssen mit Sandpapier heraus geschliffen werden. Für 10cm Klingenlänge müssen bis zu 5h eingeplant werden, je nach Stahlart und Tiefe der Feilspuren.


http://abload.de/img/17j3jhh.jpg

Obwohl ich einen Bandschleifer besitze, mache ich diese Arbeit grundsätzlich nur von
Hand, weil es einfach präziser wird und den Klingenstahl nicht so sehr erwärmt.

Man trennt ein Stück Sandpapier aus dem Bogen heraus und wickelt es über ein flaches
Stück Metall oder Holz. So lässt sich das Sandpapier leichter greifen und die
Kraftübertragung ist besser. Wo man beginnt die Klinge zu schleifen ist völlig egal. Wichtig
ist nur, dass man mit 100er Papier beginnt und längs zur Klinge schleift. Sind alle
sichtbaren Kratzer entfernt, nimmt man ein Stück 120er Papier und schleift quer zur Klinge
(Kreuzschliff) bis alle sichtbaren Kratzer entfernt sind. Auf diese Weise bearbeitet man die
Klinge bis 600er Papier. Es dürfen keine Körnungen ausgelassen werden !
Der Griff sollte nicht geschliffen werden, denn auf rauen Flächen haftet der Klebstoff
besser. Der Klingenrücken muss aber geschliffen werden, aber nur bis zum Griff hin, mehr
nicht. Bearbeitet man auch den Klingenrücken am Griff, kann es zum Abrunden des Stahls
kommen und die Griffschalen liegen dann nicht am Stahl an. Sobald der Griff angeklebt
wurde, muss der Klingenrücken sowieso noch bearbeitet werden.

Die fertig geschliffene Klinge kann nun zu einer Härterei geschickt werden. Die Klinge
sollte an der Schneidphase mindestens noch 0,1mm besser 0,25mm dick sein um
Schäden durch die Wärmebehandlung zu vermeiden.
Adressen von Härtereien spuckt google aus, oder können bei mir erfragt werden.

Die 1-8 Wochen, die die Klinge in der Härterei ist, sollte man nutzen um sich geeignetes
Griffmaterial zu besorgen. Für das erste Messer empfiehlt es sich nicht gleich ein
Mammutelfenbein-Schalenpaar für 150€ oder ähnlich extrem teures Material zu erwerben.
Gute Hölzer in geeigneten Maßen (oft schon als Schalenpaar gesägt und plan geschliffen)
sind für 5-10€ zu bekommen. (wer google umsonst bemüht hat, kann mich gerne nach
Händleradressen fragen. Von meinen eigenen Hölzern gebe ich allerdings nichts ab und
verkaufen tue ich auch kein Holz - alles meins !!!! *g*)
Horn, Elfenbein, fossile Knochen usw. bereiten oft Schwierigkeiten beim Bearbeiten und
reißen oft, wenn sie nicht richtig behandelt werden. Bei dem ersten Messer ist Holz
einfach die bessere Wahl, um keine Enttäuschungen zu erleiden. Einheimische Hölzer
sind bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Kirschbaum, Eiche, Buche, Robinie und Ilex
unbrauchbar, weil sie zu weich sind.

Irgendwann kommt dann die Klinge aus der Härterei zurück und ist je nach Art der Härtung
pechschwarz, stinkt nach verbranntem Öl und ist leicht klebrig oder sie ist je nach Härte blau, rot oder gelb gefärbt. Bevor die Klinge gereinigt wird, muss man sicherstellen dass
die Klinge beim Härten nicht verzogen ist. Eine verzogene Klinge kann vom Laien nicht
mehr gerettet werden, sie ist Ausschuss. Verzug, Brüche und Risse sind aber sehr selten.
Die Härterei kann aber für diesen Schaden nicht haftbar gemacht werden. Man hat einfach
nur Pech gehabt.

Meine Klinge sah nach dem Härten so aus:


http://abload.de/img/18i4jw9.jpg

Im Hintergrund liegen schon die Schalen aus Bubinga-Holz bereit. Kein schönes Holz,
aber bekannt für seine Zähigkeit und Fäulnisresistenz.
Die Klinge sollte nun mit 600er Papier geschliffen werden. Ist die Klinge in Öl gehärtet
worden, muss die gesamte Klinge penibel von allen Ölresten befreit werden, weil sonst
später der Klebstoff nicht hält.
Danach legt man die Klinge auf das Holz und bohrt nur die Löcher für die Nietstifte durch
das Holz. Die Klinge dient als Führung und Schablone für den Bohrer. Die
Erleichterungsbohrungen werden nicht im Holz fortgeführt.


http://abload.de/img/19fbjz1.jpg

Die Klinge beim Bohren gut festhalten, sonst dreht sie mit und verursacht schwere
Verletzungen. Ein rotierende Klinge niemals anfassen – erst Bohrmaschine ausschalten!!!!


http://abload.de/img/20d9j1u.jpg

Wer keinen Schraubstock hat, befestigt das Rundmaterial aus dem Baumarkt mit der
Schraubzwinge am Tisch fest und sägt die Nietstifte etwa 5mm länger als beide Schalen
und Klinge zusammen dick sind ab.
Sägekanten mit etwas Sandpapier abrunden, sonst passen die Stifte nicht in die
Bohrungen.
Die Griffschalen können mit der Laubsäge noch grob in Form gesägt werden – überall
mindestens 3mm „Reserve“ stehen lassen.
Nun geht’s ans kleben:


http://abload.de/img/21onkq0.jpg

Bevor geklebt wird, muss man prüfen, ob die Schalen auch exakt passen, die Nietstifte
auch lang genug sind, usw.

Ich verwende am liebsten UHU 2min. Epoxidkleber. Für den Anfang ist 24h Epoxidkleber
aber besser. Der 2min.-Kleber ist nach 2 Minuten wirklich fest und man kann nichts mehr
verschieben oder anpassen.

Man rührt den Kleber an und bestreicht die richtigen Seiten der Griffschalen und die
Löcher für die Nieten mit Kleber. Dann baut man alles zusammen. Vorsichtige
Hammerschläge treiben die Nieten in die Löcher. Mit Hilfe der Schraubzwinge oder mit
Leimzwingen presst man die Schalen fest an die Klinge.
Wer Übung im Nieten hat kann jetzt noch die Nietstifte „vernieten“. Wer das nicht kann,
dem sei gesagt, auch ohne das Vernieten ist es fast unmöglich die Schalen nach dem
Aushärten des Klebers noch zu entfernen.
An allen Seiten muss etwas Kleber hervor quellen, so ist sichergestellt, dass überall
genügend Kleber vorhanden ist und sich keine Spalten bilden.

2min. bis 24h Pause.

Ist der Kleber hart, wartet man trotzdem noch mind. 2h, um ganz sicher zu gehen.
Dann spannt man das Messer in den Schraubstock ein oder befestigt es mit der
Schraubzwinge am Tisch. Mit der Laubsäge werden dann überschüssiges Holz und
Klebstoffreste abgesägt. Ja, es ist normal,dass der Kleber beim Sägen sehr stark stinkt.
Sägt man zu dicht an den gehärteten Stahl der Klinge, verabschiedet sich das
Laubsägeblatt. Was jetzt noch an Holz übersteht, wird mit der Feile und danach mit
Sandpapier entfernt.


http://abload.de/img/22o8jp7.jpg

Mit den überstehenden Nietstiften und den Kleberesten drumherum verfährt man genauso.
Klebereste an der Klinge entfernt man vorsichtig mit dem Teppichmesser, das sollte sehr
leicht gehen, denn der Kleber hält auf der geschliffenen Klinge schlecht.
Bei der Griffform kann man sich mit Laubsäge, Feile und Sandpapier künstlerisch
ausleben. Griff in die Hand nehmen und was drückt wird weg gefeilt... so kommt man recht
schnell zu einem ergonomischen Griff. Auch das Holz sollte bis zur 600er Körnung besser
bis 1000er geschliffen und danach geölt werden. Leinöl oder Möbelöl haben sich da
bewährt. Speiseöl wird mit der Zeit dagegen etwas eklig.
Die Klinge muss jetzt noch bis zur Körnung 1200 geschliffen werden und danach mit
Metallpolitur und einem Baumwolllappen poliert werden.
Ganz zum Schluss wird die Klinge geschärft. Eine gute Klinge sollte je nach Stahl nach
dem Schärfen bis etwa 6000er Körnung abgezogen werden und danach über einen
Streichriemen (wie zum Rasieren) gezogen werden, um eine gute, haltbare Schärfe zu
erhalten.

Wie man eine Scheide näht, beschreibe ich bei Interesse später mal.

Und so sieht eines der 4 fertigen kleinen Messer aus:


http://abload.de/img/23htkzy.jpg

Als Griffholz wurde bei diesem Messer Cocobolo gewählt. Die Büffellederscheide hat eine
Einlage aus Hühnerbeinleder.

Fritsche
22.09.2014, 08:59
Tolle Messer, sehr gute Anleitung! Eine Sache vermisse ich jedoch: das Anlassen. Sind die Klingen beim Härter angelassen worden? Oder habt ihr die gar nicht angelassen?

tcp52
22.09.2014, 19:31
Tolle Messer, sehr gute Anleitung! Eine Sache vermisse ich jedoch: das Anlassen. Sind die Klingen beim Härter angelassen worden? Oder habt ihr die gar nicht angelassen?

Nachdem ich mich informiert habe, was mit Anlassen gemeint ist (sofern ich das richtig erfasst habe, meint "Anlassen" das Erhitzen im Backofen auf 200°C für 1-2h mit anschließender langsamer Abkühlung, damit der Stahl die durch das Härten erhaltene Spannung und Brüchigkeit verliert.

In der Anleitung steht:

Die fertig geschliffene Klinge kann nun zu einer Härterei geschickt werden.
Ich vermute daher, dass das Anlassen ebenfalls vom Fachmann übernommen werden soll; womöglich demselben, der auch das Härten übernimmt.

Das Anlassen wegzulassen kann ich mir dagegen gar nicht vorstellen. Zur Not könnte man das ja offenbar problemlos selbst machen.

Intihuitana
28.02.2015, 21:16
Ich schließe mich einfach mal an diesen tollen Leitfaden an um was von mir zu präsentieren. Weil über die Herstellung gibts nicht mehr viel zu sagen. Ausser vielleicht zur Wärmebehandlung.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/uploads/27511/DSC_01081.JPG

Ist mein momentanes "Nutzmesser" für fast alle Aufgaben draussen. Das sollte erstmal ein paar Jährchen vorhalten.
Klinge hat knapp 11 cm und ist 3mm dick was für mich das maximum für ein Messer ist.
Es ist ein 1.2235 Stahl. Also ein Chrom Vanadium Stahl (Nicht Rostfrei). Gehärtet habe ich selbst in der Gasesse mit 3 maligem vormaligem anlassen zum entfernen etwaiger Verspannungen im Stahl und zur Erzeugung eines möglichst feinen Gefüges.
Die Härte beträgt etwa 57-58 HRC
Der Griff besteht aus Pflaumenholz mit Messingpins. Vom Stahl bin ich ziemlich überzeugt. Die Schärfe kommt recht nah an die maximale Schärfe die man mit Wolframstählen erreichen kann (Haare Spalten) heran hält aber nur kurz. Dafür hält die Gebrauchsschärfe erstaunlich lange für einen rostenden Stahl. Belastbar ist dieser Stahl noch und nöcher durch den Vanadiumanteil.
Kann ich persönlich nur weiterempfehlen.


Dieses Messer hab ich wie einige andere meiner Klingen selbst gehärtet. Der "korrekte" Weg ist es eine Klinge zum professionellen Härten wegzuschicken. Man sollte das nur machen wenn man schon einiges an Ahnung darin hat. Es ist kein Spaß eine müsam geschmiedete oder gefeilte Klinge beim Härten kaputt zu machen. Geschweige denn dass das Ergebniss nicht messbar genau wird. Dafür musste ich auch schon mein Lehrgeld zahlen.