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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [SE, NO] Eine Skitour von Kebnats nach Vakkotavare - 300 km rund um den Akkajaure



Sarekmaniac
07.01.2009, 23:59
Land: SE, NO
Reisezeit: März/April
Region/Kontinent: Nordeuropa


Den Kungsledenabschnitt von Kebnats/Saltoluokta nach Vakkotavare erledigen die meisten Wanderer mit dem Bus. Dreißig km Asphalttreten im Sommer sind wirklich nicht prickelnd, und wegen der prekären Eisverhältnisse kann im Winter das Skilaufen über den Langas schwierig bis unmöglich sein.

Eine Skitour von Kebnats nach Vakkotavare ist dagegen sehr schön, wenn man im Uhrzeigersinn läuft. Dann sind es nicht 30, sondern ewa 300 km, für die man 18-20 Tage veranschlagen sollte. Ich habe es diesen Winter ausprobiert. Es war eine lange und, im ersten Teil, sehr einsame Tour. Es war, wie immer, traumhaft schön. Und es war KALT.

Von Saltoluokta startend, habe ich zunächst fünf Tage lang nachgeschaut, ob die Sarekberge noch alle da stehen, wo sie hingehören. Dann ging es weiter nordwärts die schwedisch-norwegische Grenze entlang bis Røysvatn, eine Hütte am Nordkalottleden. Von dort in einem Bogen über diverse Seen bis zur schwedischen Sitashütte. Von da via Hukejaure und Čuhčavaggi nach Singi und weiter auf dem Kungsleden südwärts bis Vakkotavare.



Die Strecke im Überblick (http://quikmaps.com/ext2/89008?t=1&ln=1&sn=0&zb=0&d=1&o=1&lat=67.66982414078356&lng=17.633056640625&zl=8&mt=3" frameborder="0" scrolling="no" width="740" height="402" marginwidth="0" marginheight="0"></iframe>)



14. März 2008
Anreise, und von Kebnats nach Saltoluokta (3,5 km)

Nach 36 Stunden Zugfahrt komme ich morgens gegen 9:00 Uhr in Gällivare an. Die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt des Busses nutze ich, um im ICA den Proviant zu vervollständigen: Milchpulver, Tortellini, getrocknetes Rentierfleisch, Fruchtsuppen, etwas zum Frühstück im Bus. Dann geht es weiter mit dem Bus bis Kebnats, wo ich zum ersten Mal auf die Ski steige, um in herrlichem, flachem Nachmittagslicht das kurze Stück über den See bis zur Saltoluokta-Fjällstation zu laufen:

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Meine drei Mitreisenden aus dem Bus, ebenfalls mit kompletter Tourenausrüstung, lassen sich von Skootern des STF abholen, das sind mir Helden! In Salto miete ich mich in der alten Station ein, gehe in die Sauna und genieße abends das sehr schmackhafte, nur leider etwas übersichtliche Drei-Gänge-Menü. Den Abend verbringe ich damit, das Gepäck vom Reisemodus in den Tourenmodus zu bringen.

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15. März 2008
1. Tag: Saltoluokta – Kungsleden – Pietshaure (ca. 18 km)

Schon morgens um 6:00 Uhr wache ich und lese draußen das Thermometer ab: -14 Grad, und kein Wölkchen am Himmel! Schöner kann eine Tour gar nicht beginnen. Ich genieße eine letzte Dusche im Servicegebäude, mache die Pulka startklar, ziehe die Felle auf und fege die gute Stube. Nach einem reichlichen und gemütlichen Frühstück in der Fjällstation (das entschädigt mich für den Vortag) breche ich gegen 10:30 Uhr auf.

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http://img291.imageshack.us/img291/4470/p1040114nw6.jpg[/img-r]Am ersten Tag einer Tour ist Einlaufen angesagt, und meine heutige Etappe ist dafür bestens geeignet. Auf dem markierten Kungsleden geht es auf der schönen harten, plattgetrampelten Spur gut 300 Höhenmeter bergan, bis ich nach etwa 1,5 Stunden den Abzweig nach Westen Richtung Pietshaure erreiche. Ich mache eine Mittagsrast im Sonnenschein und verstaue die Felle im Rucksack. Dann laufe nochmal etwa 2 Stunden einen markierten Weg bis zum Ufer des Pietsaure. Dort hören die Markierungen auf, aber die Skooterspuren freundlicherweise nicht. Den Rest des Nachmittags verbringe ich mit der Querung des Pietsaure. Immer im Blick: Der markante Gipfel des Slugga, den ich am nächsten Morgen umrunden werde, um Richtung Sarek abzubiegen. Es ist sonnig und nahezu windstill und ich genieße die stimmungsvolle Landschaft im flacher werdenden Licht. Gegen 17:00 erreiche ich das Westufer und zelte ca. 300 m hinter dem Ausfluss.

[img]http://img266.imageshack.us/img266/9987/p1040117iu5.jpg

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gelöschter Nutzer
08.01.2009, 07:46
Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten 19 Tage :)

Mehr davon. *ichbraucheunbedingturlaub* :p

Jaerven
08.01.2009, 08:08
Mach mich nur wahnsinnig.
:grins:

ich
08.01.2009, 09:10
Super!

ICH WILL MEHR!!!!

Daniel1981
08.01.2009, 09:46
:o
Da kann ich mich nur anschließen. Bitte mehr...

Sarekmaniac
08.01.2009, 10:44
16. März 2008
2. Tag: Pietshaure–Liehtjijavrre (ca. 19 km)

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Vom strahlenden Sonnenschein des Vortags ist nichts mehr zu sehen. -5 Grad, Nebel, vereinzelte leichte Schneeschauer und Windstille. Aber kein Whiteout, zum Glück.

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http://img132.imageshack.us/img132/6862/p1040137ys2.jpg[/img-r]Um 9:30 stehe ich auf Skiern. Zuerst geht es noch ein Stück flach Richtung Nordwest, bis zum Rissajaure. Ein etwas anstrengender Däne hat mir vorgestern beim Abendessen einen Vortrag darüber gehalten, dass von hier aus der allerbeste und deshalb auch mir unbedingt anzuratende Weg hoch am Hang des Njiravbuollda entlang führe. Da er die Strecke, so wie es klang, quasi kannte wie seine Westentasche, war ich schon fast überzeugt. Doch als er mir sagte, dass er bis zum Rissajaure „zwei Tage, manchmal auch drei“ brauche, schwante mir, dass er wohl doch kein Fachmann für optimierte Wegführung war.

Und so bleibe ich am rechten, östlichen Ufer des Sluggajåhkå, ziehe die Felle auf und steige langsam über die nördlichen Ausläufer des Slugga auf. Den ganzen Vormittag umrunde ich den Berg, am Nachmittag habe ich ihn dann im Rücken, kann ihn wegen des trüben Wetters aber nur andeutungsweise sehen:

[img]http://img132.imageshack.us/img132/2752/p1040139ar8.jpg


http://img132.imageshack.us/img132/672/p1040138qy1.jpg[/img-l]Auf gut 800 m ü.M. dürfen die Felle dann wieder ab; kurz danach finde ich eine gute Stelle, um den Fluss zu queren. Die Topografie ist hügelig und unübersichtlich. Einmal schnalle ich im felsdurchsetzten Gelände die Ski ab und lasse die Pulka von Hand eine größere Felsstufe hinunter. Ich benutze die Grenzmarkierungen des Stora-Sjöfallet-Nationalparks als Leitlinie, an der ich mich einige km entlang hangle, bis ich mit GPS-Peilung (zu sehen ist weiterhin nicht viel) direkt auf den Liehtjijavvre zuhalte. Auf den verschneiten Seen läuft es sich, nach dem felsigen Auf und Ab, sehr angenehm. Mitten auf dem See überschreite ich die Grenze zum Sarek-Nationalpark, und in der Tat: Innert Sekunden wird es wild, einsam und gefährlich. Das muss wohl mit dem hier beheimateten Mythos zusammenhängen. :bg:
[img-r]http://img132.imageshack.us/img132/6871/p1040143cm2.jpg[/img-r]Gegen 17:30 passiere ich die Rentierwächterhütte am Ende des Sees und suche mir einen Zeltplatz. Ich stelle den Tunnel so auf, dass die eine Apside gen Guhkesvagge und die andere Richtung Richtung Ähparmassiv gerichtet ist. Der Blick könnte also traumhaft sein, doch das bleibt leider Theorie. Und so koche ich mir eine Portion Tortellini mit Tomatensoße und betrachte beim Abendessen die Nebelschwaden.






17. März, 3. Tag
Liehtjijavrre –Bielajavratja–Rapadalen–Mahtujagasj (ca. 18 km)

[img]http://img511.imageshack.us/img511/8872/p1040148ed4.jpg

http://img511.imageshack.us/img511/4713/p1040166tf1.jpg[/img-r]Über Nacht hat es geschneit. Wieder Nebelschleier den ganzen Tag und leichter Ostwind. Von den Bergen nichts zu sehen, auch wenn der Sichthorizont so groß ist, dass die Orientierung problemlos ist. Und etwas kälter ist es geworden, etwa -10 Grad, als ich morgens aufbreche. Ich denke, wie schon gestern abend, beim Gehen darüber nach, was ich sehen würde, wenn ich etwas sehen könnte: Ähpar links, Sarekmassiv rechts, und geradeaus das Ålkatjmassiv. Um diesen schönen Anblick gebracht, schaue ich ganz schön muffelig, als ich bei einer Pause auf dem Bierikjavrre ein Selbstporträt schieße:

[img]http://img511.imageshack.us/img511/1871/p1040181gj7.jpg

Aber das täuscht. Eigentlich bin ich ziemlich gut gelaunt. Und Jammern nützt ja eh nichts. Also: weiter geht's.
Auf dem Bierikjavrre liegen ca. 20 cm Pulverschnee auf dem Eis, der aber sehr locker ist und sich gut beiseite schieben lässt. Um im weichen Untergrund besseren Griff zu bekommen, wachse ich den Ski von vorn bis hinten.

http://img511.imageshack.us/img511/3315/p1040162fd9.jpg[/img-l] Ich habe jetzt seit zwei Tagen keinen Menschen getroffen und freue mich deshalb sehr, als mir bei Sarvalåpptå zumindest fünf Rentiere über den Weg laufen. Sie stapfen durch den tiefen Schnee und lassen sich von mir nicht im mindesten stören. Und ich sehe noch ein Tier: Eine Krähe mit einem Zweig im Schnabel fliegt quer über die Hochebene. Nestbau im März? Der Klimawandel lässt grüßen. Außerdem entdecke ich Vielfraßspuren; der Urheber ist natürlich nicht zu sehen.
Der Ausblick von der Hochebene über das Rapadalen muss wetterbedingt ebenfalls ausfallen; der markante Låddebákte, der sich ca. sechs km links von mir fast senkrecht über der Rapa erhebt, lässt sich im Nebel nur sekundenweise erahnen. Ich halte mich auf etwa 800 m Höhe und biege langsam Richtung Nordwest ins obere Rapadalen ein. Die Sicht wird schlechter, und entsprechend langsamer komme ich im konturlosen Gelände voran. Mein eigentliches Tagesziel, Mikka, werde ich wohl nicht mehr erreichen, aber ich möchte gern noch die beiden etwas heiklen Bäche queren, die aus den Sarekbergen in die Rapa fließen – wer weiß wie Wetter und Sicht morgen sind. Langsam nähere ich mich dem Tjågnårisjågåsj. Ich habe Glück: Vor mir klafft zwar ein Riesenloch, im Nebel kaum zu erkennen, aber etwas unterhalb davon entdecke ich eine verlässliche Schneebrücke.

Wie man sieht, sieht man nichts. Aber das Bildbearbeitungsprogramm bringt es an den Tag:

[img]http://img511.imageshack.us/img511/5336/p1040187jf2.jpg

http://img511.imageshack.us/img511/2623/p1040187iixb5.jpg

Eine halbe Stunde später erreiche ich den Mahtujagasj. Hier muss ich etwas länger suchen. Ich bin zu tief geraten und stehe plötzlich vor einem unpassierbaren, kleinen Canyon, der sich zur Rapa hin öffnet. Dass so ein kleiner Bach ein solches Chaos anrichten kann... Also heißt es, etwa 50 Höhenmeter entlang des Mahtujagasj aufsteigen, bis ich eine gute Passage finden. Zum Zelten ist das Gelände auf der anderen Seite zu schräg, und so gehe ich noch ein Stückchen weiter gen Mikka, bis sich kurz nach 18:00 Uhr ein flaches Plätzchen findet. Ich stiere talabwärts in den Nebel. Wenn ich schon nichts sehe, will ich wenigstens lecker essen. Also gibt es Rentierfleisch, Oliven, getrocknete Tomaten, Blauschimmelkäse aus dem Jämtland, Knäckebrot und zum Nachtisch Nypponsoppa und Griesbrei. Satt und warm mache ich mich an die üblichen Abendrituale: Fußpflege, die Tagesetappe auf der Karte nachtragen, schon mal im Detail schauen, was mich am nächsten Tag so erwartet, Tagebuch schreiben. Es ist zwölf Grad minus, etwas kälter als morgens, als ich mich in den Schlafsack verziehe.


18. März, 4. Tag
Mahtujagasj–Ruohtesvagge–Nijakvagge (ca. 18 km)

Gegen Mitternacht wache ich auf. Es ist -18 Grad, aber das ist nicht der Grund. Mir ist speiübel, und ich weiß sofort, woran das liegt: Die getrockneten Oliven waren wohl ein bißchen sehr salzig. Nachdem ich ein paar Minuten ausgeharrt habe, in der vergeblichen Hoffnung, dass die Übelkeit vergeht, ist klar: Alles muss raus. Irgendwo tief in meinem Gedächtnis taucht das Wort „Salzvergiftung“ auf, und dass mit so was nicht zu spaßen ist. Ich begebe also mich in die Abside und staune. Ich wusste nicht, dass menschliche Mägen die Fähigkeit zu selektiver Verdauuung haben. In meinem Magen zumindest sind nur noch Oliven. Rentierfleisch, Käse, Brot und Co: alles schon weitergeleitet. Als der Magen ganz leer ich, trinke ich die Thermoskanne mit heißem Tee bis auf den letzten Tropfen aus und lege mich wieder schlafen.

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Am nächsten Morgen ist der Nebel weg! Ich habe verschlafen, es ist schon acht Uhr, als ich aufwache. Ich bleibe noch ein bisschen liegen und genieße die Sonnenstrahlen, die aufs Zelt fallen. Trotz der nächtlichen Eskapaden fühle ich mich fit. Draußen sind es knackige minus 15 Grad, und bei Panoramablick aufs Rapadalen mache ich mich gut gelaunt ans Frühstück.

http://img505.imageshack.us/img505/2922/p1040230gp1.jpg[/img-l]Zuerst muss ich heute ein Stück aufsteigen, um auf die Talschwelle des Ruohtesvagge zu gelangen. Nach einer einer Dreiviertelstunde erreiche ich Mikka und lege aus purer Neugier ein erstes Päuschen ein. Ich möchte endlich einmal das Hüttchen mit dem Hjälptelefon besichtigen, nachdem ich immer wieder den Geheimtipp gehört habe, dass man da (sogar im Sommer) ganz toll übernachten kann. [img-r]http://img505.imageshack.us/img505/1886/p1040215uc0.jpg[/img-r] Mein Fazit: In größter Not würde es gehen, aber es ist schon arg siffig. Lieber Zelt. Noch in der Hütte, höre ich Rotorgeräusche, und als ich herauskomme, steht ein Heli der Polizei direkt über der Hütte. Die haben wohl meine Pulka gesehen. Ich bemühe mich, keinen rettungsbedürftigen Eindruck zu machen, was auch gelingt: Der Hubschrauber steigt wieder auf und verschwindet über dem Ålkatjmassiv. Noch eine eine ganze Weile höre ich ihn dort hin- und herfliegen. Übungsflug? Rettungsflug? Bevor ich mich wieder auf den Weg mache, schieße ich noch ein Abschiedsfoto: Die alte, marode Bevåkarstuga soll dieses Frühjahr abgefackelt werden.

[img-l]http://img505.imageshack.us/img505/4619/p1040237ga7.jpg[/img-l] Der Heli war erst der Anfang: Einsamkeit war gestern. Die Sarekquerung via Ruohtesvagge-Rapadalen ist auch im Winter eine populäre Route, das Osterwochenende steht bevor, und entsprechend zahlreich sind die Wanderer und ihre Spuren. Drei kommen den Mikkagletscher herunter, von Richtung Kisuris her kommen zwei auf der linken, zwei auf der rechten Seite das Tal hinauf, und dann noch einer, und noch einer. Das reinste Männleinlaufen.

[img]http://img505.imageshack.us/img505/4218/p1040242fj5.jpg

Die beiden Spuren links und rechts in der Talsohle sind so schön und breit, ich kann mich gar nicht entscheiden::D

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Sonne, Windstille und zwischen durch immer wieder ganz leichte Schneeschauer. Im oberen Teil des Ruohtesvagge liegt viel tiefer, fluffiger Schnee, aber weiter unten wird der Untergrund griffig und hart. Ein perfekter Tag! Und es wird ständig kälter, ich merke es im Gesicht.

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Zum ersten Mal auf dieser Tour denke ich darüber nach, dass es vielleicht doch eine gute Idee gewesen wäre, zusätzlich den Carinthia-Außenschlafsack mitzunehmen. Ich bin überhaupt sehr leicht unterwegs in diesem Frühjahr: Ohne dicke Fleecehose und ohne Fleecejacke (das Softshell ist Windschutz und Wärme zugleich, hatte ich zu Hause beschlossen). Und statt einer Daunenjacke habe ich meine alte Daunenweste von Robert's mit polnischer Gänsedaune mit. Die ist noch aus der guten alten Zeit, als bekanntlich alles, also auch die Daunen, viel besser war als heute. Aber ernsthaft: Sie ist wirklich sehr warm. Zu sagen, sie hat mir auf der Tour das Leben gerettet, wäre übertrieben. Aber ohne die Weste wäre es wohl ab Kutjaure eine reine Hüttentour geworden. Doch davon später...

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Um den Schlafsack etwas zu trocknen, packe ich ihn aus und breite ihn auf der Pulka aus. In der kalten blauen Abenddämmerung erreiche ich die Renvaktarstuga im unteren Ruohtesvagge. Auf der Höhe des Nijákvagge schlage ich eine halbe Stunde später das Zelt auf. Es ist -20 Grad. Nach dem Abendessen mache ich noch einen Spaziergang vor das Zelt und bewundere den Dreiviertelmond, der den Kisuris anstrahlt wie eine Theaterkulisse. Für Fotoexperimente mit Stativ habe ich keinen Nerv. Schade im nachhinein, aber ich bin müde und möchte in den Schlafsack, solange mir noch warm ist. Ich lasse die Daunenweste einfach an, als ich in die Tüte krieche.

19. März, 5. Tag
Nijakvagge–Kisuris–Kutjaure (ca. 25 km)

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Nachts gegen zwei Uhr muss ich nochmal vors Zelt. -25 Grad. Gosch. Trotzdem schlafe ich erholt, erstaunlich nach vier Tagen im feuchter werdenden Daunensack. Aber die zweistündige Trockenaktion auf der Pulka hat ein bißchen was gebracht, zumindest beschließe ich, das zu glauben.:bg: Morgens um 7:00 Uhr hat es minus 22 Grad. Trotzdem sitze ich wenig später mit langer Unterhose und Angoraoberteil beim Frühstück im sonnengewärmten Zelt.

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Auch im Sommer ist der Kisuris übrigens sehr schön anzusehen:


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http://img74.imageshack.us/img74/814/p1040279qd1.jpg[/img-l] Absolute Windstille und Sonne, wie schon gestern. Nur etwas Hochnebel aus dem einzelne kleine Flocken fallen, doch die Dunstschleier verflüchtigen sich bald. Das markante Dreigestirn von Akka, Niak und Kisuris begleitet mich heute den ganzen Tag. Es wird die bisher längste Etappe der Tour. Ich habe beschlossen, einen Ruhetag einzulegen. Und da zu einem Ruhetag für mich ein gemütlich bullernder Holzofen gehört, fällt die Kisuris-Hütte aus, und ich beschließe, direkt nach Kutjaure durchzulaufen. Das ist eine meiner Lieblingshütten. Die meisten Wanderer, die in Sarek oder Padjelanta wollen, gehen via Akka und Kisuris und nur wenige über Vaisaluokta und Kutjaure, so dass hier viel weniger los ist. Und die Lage der Kutjaurestugan ist einmalig schön.

Ich starte in perfektem Schnee. Na gut,die Schneedecke könnte ein bißchen fester sein. Darauf 1 cm eiskalter feinstes Pulver. Ich laufe mit dem Wachs des Vortags los und muss nur einmal, mitten auf dem Kutjaure, nachwachsen. Vom Zeltplatz aus geht zuerst durch flaches, von Hügeln und Moränen durchzogenes Gelände. Kurz nach dem Aufbruch mache ich eine unerfreuliche Entdeckung. Ein paar Superschlauberger haben ganz offensichlich ihren gesamten Müll im Schnee vergraben. Überall am Zeltplatz Fuchsspuren. Trekking-Fastfood-Tüten (schwedischer Provenienz), Plastiktüten, Papier, alles hat der Rotfuchs ausgegraben und in der Gegend verstreut:

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Wie blöd kann man sein? Wenn es irgendwann einmal Zugangsbeschränkungen und Permits für den Sarek geben sollte, dann wegen solcher Idioten.

Der Niak erinnert mich an ein Riesen-Krustentier. Hoffentlich im Winterschlaf:o: Ich schaue besser, dass ich weiter komme...

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http://img74.imageshack.us/img74/9996/p1040317lg4.jpg[/img-l] Ich halte mich ziemlich weit links und laufe auf etwa 900 m Höhe die Ostflanke des Kisuris entlang. Ich muss dafür zwar etwas aufsteigen, gehe dafür aber den nervigen Buckeln aus dem Weg. Auf der Höhe des Bachs, der aus dem Kisurisgletscher entspringt, erreiche ich die Baumgrenze und fahre langsam Richtung Sjnjuvtjudisjåhkå ab. In der Nähe des Flusses kommt mir ein schwedische Paar entgegen. Nach einem kleinen Schwatz folge ich ihren Spuren bis zur Kisurishütte. Sie verlaufen in etwa auf dem Sommerweg; ca. einen km oberhalb der Hütte queren sie den überschneiten Bach.

An den Kisurishütten halte ich mich nicht lange auf. Ich widerstehe der Verlockung, meine Pause ins Warme zu verlegen. Ich kenne mich und weiß, dass ich dann eine Stunde festhängen werde. Und bis nach Kutjaure sind es noch etwa 10 km. Also nur eine Tafel Schokolade zwischen den Hütten, und ich breche wieder auf. Doch wo lang? :o Der Birkenwald von Kisuris ist dicht und hat es in sich:

[img]http://img74.imageshack.us/img74/6070/p1040320iiay3.jpg

Eine Pulkaspur führt nach rechts, Richtung Sjnjuvtjudisjåhkå. Da will ich auch hin! :p Am Rand des Steilufers angekommen, staune ich nicht schlecht: Die Pulkaspur führt im Zickzack um die Bäume herum und geradewegs hinunter. Links und rechts davon erkennbar: Die Spuren blitzsauberer Schwünge. Und ich bilde mir immer ein, ich könnte ganz gut Ski fahren... Wie man da runter fahren kann, ohne einen Totalschaden zu erleiden, ist mir ein völliges Rätsel.

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Ich lasse es nicht darauf ankommen, schnalle die Ski ab und mache mich, die Pulka im Schlepptau, zu Fuß auf. Das funktioniert sehr gut, der Schnee ist hüfttief, und der Schlitten überschlägt sich höchstens siebzehn Mal.:bg:

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Um 15:30 Uhr stehe ich endlich am Seeufer. Jetzt geht es (fast) nur noch geradeaus. Auf dem See liegt viel loser Schnee, und Richtung Allak-Sameviste finden sich leider keine Skooterspuren. So dauert der Weg über den Kutjaure etwas länger als erhofft. Langsam schwindet das Licht, und als ich mitten auf dem See noch einmal anhalte, um nachzuwachsen, fährt mir die Kälte in die Glieder.
http://img74.imageshack.us/img74/9913/p1040327in1.jpg[/img-l] Ab Allak führt ein Skooterweg in einem großen Bogen den Hang hinauf und dann von Norden zurück zur Kutjaurestugan. Ein ziemlicher Umweg, und die Felle müssten auch nochmal drauf. Doch im Mündungsbereich des Sieberjåhkå hat jemand ein Zeichen hinterlassen: "Till stugan" steht mit dem Skistock im Pulverschnee geschrieben, und eine Langlaufspur führt den Fluss hinauf. Also entscheide ich mich für den direkten Weg, der mich rasch zur Hütte führt. Nur leider liegt sie 20 Höhenmeter über mir. Der Langläufer ist das Steilufer zu Fuß hoch. Dass mache ich jetzt auch, seufz, und erfinde nebenbei eine neue ing-Sportart. Ich ramme die Ski wie Pickel vor mich in den Schnee oder ziehe mich an den kleinen Birken hoch, die sich im Fels verkrallt haben, und lege eine runde Pulka-Climbing ein. Vorher werfe ich einen Blick auf das Thermometer: -25 Grad. Als ich oben an der Hütte bin, sind es -20 Grad.

[img-r]http://img74.imageshack.us/img74/7103/p1040330qu2.jpg[/img-r]Die Hüttenwirtin ist Gunnel Jauhiainen, die ich vor einigen Jahren auf der Pårtehütte kennen gelernt habe. Ihr Mann Nisse begleitet sie und packt mit an, wie immer. Er war der Langläufer und hat ein richtig schlechtes Gewissen, weil er meint, mich mit seinem Spruch im Schnee in die "Falle" gelockt zu haben (er kennt eben diese modernen Trendsportarten nicht). Es ist einfach nur herrlich, in einer wohlig warmen Hütte anzukommen. Andere Gäste sind nicht da, und so habe ich den ganzen rechten Raum für mich allein. Zelt und Schlafsack werden zum Trocknen aufgehängt. Ich mache einen Riesentopf Wasser warm, wasche mich von Kopf bis Fuß, und nach dem Abendessen geht es gleich ins Bett.


20. März 2008
6. Tag: Ruhetag in Kutjaure

Schon vor sechs Uhr höre ich Nisse und Gunnel in der Küche rumoren. Sie benutzen den Raum zum Kochen, weil das Stugvärdszimmer in Kutjaure sehr beengt ist. Ich schlafe wieder ein, und als ich um neun aufstehe, sitzen die beiden schon beim zweiten Frühstück. Zwischen sechs und neun haben sie Holz gehackt und Wasser geholt, so das ich, wie mir ebenso fröhlich wie kategorisch verkündet wird, von diesen Pflichten befreit bin. Außerdem gibt es heute Abwechlung von meiner eher schlichten Tourenkost: Björn, der Hüttenwirt von Akka, und zwei norwegische Freunde haben ihren Besuch angekündigt, und Gunnel lädt auch mich zum Essen ein. Schon vormittags setzt sie einen Riesentopf. Rentiergulasch auf dem Küchenherd auf. Der Duft in der Hütte ist unbeschreiblich.

Draußen herrschen wieder Windstille und Sonnenschein, dieses Wetter wird langsam gespenstisch. Nisse hat frühmorgens das Thermometer draußen an der Hüttenwand abgelesen: -29 Grad. Und unten auf dem Fluß war es gestern abend fünf Grad kälter als hier oben! Ich verlasse die Hütte heute nur, um zum Klohäuschen zu gehen (was auf Kutjaure einer kleineren Expedition gleichkommt) und mache mir ansonsten einen richtig faulen Tag. Nachdem ich die Unterwäsche durchgewaschen und aufgehängt habe, widme ich mich meiner Urlaubslektüre, Joe Simpson's "In the Void". Das Buch ist ein schöner Beitrag zum Thema "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um". Simpson zeigt, wie ich finde, sehr anschaulich, dass es keine große Kunst ist, sich in den Bergen in die Scheiße zu reiten, man muss nur einfach sträflich leichtsinnig sein. Mein Lieblingssatz ist: "Simon, ich wünschte, wir hätten den Kompass mitgenommen".

Dann treffen die Gäste ein, und es wird ein richtig netter Abend.

[img]http://img505.imageshack.us/img505/8809/p1040337bo8.jpg

Anders als in Kutjaure hat Björn in Akka ein Telefon und Radioempfang. Er berichtet, im Verlauf der nächsten ein zwei Tage sei ein Wetterumschwung angesagt, Westwind, etwas Neuschnee und vor allem mildere Temperaturen. Das lässt doch hoffen.

http://img505.imageshack.us/img505/4191/p10403361lo1.jpg

Als die Sonne untergeht, mache ich einen kleinen Gang um die Hütten und fotografiere das grandiose Laponia-Panorama: Akka links, Niak und Kisuris rechts, und über allem der Vollmond. :rolleyes::rolleyes::rolleyes:

http://img505.imageshack.us/img505/4233/p10403391ju7.jpg

http://img505.imageshack.us/img505/3896/p1040340tf2.jpg

http://img505.imageshack.us/img505/3066/p1040341an0.jpg

Sarekmaniac
08.01.2009, 10:47
Die Bilder muss ich noch nachtragen. Der Imageshack-Server macht Zicken:grrr:, und ich muss jetzt los, Mehrwert schaffen:(

Ewald
08.01.2009, 18:25
Da kann ich mich nur anschließen. Bitte mehr...

ICH WILL MEHR!!!!

Mach mich nur wahnsinnig.

*ichbraucheunbedingturlaub*
Also mehr, mehr davon, wie man früher sagte....:bg:
Mich läßt das kalt Unendlich..
Und bitte mehr davon...;-)

Sarekmaniac
08.01.2009, 23:26
21. März 2008
7. Tag: Kutjaure–Gålogielas (ca. 18 km)

http://img179.imageshack.us/img179/1897/p1040343ex7.jpg

http://img179.imageshack.us/img179/1095/p1040345ud5.jpg[/img-r]Von einem Wetterumschwung ist erstmal nichts zu merken: -31 Grad sagt das Thermometer frühmorgens um sechs. Um 10:00 Uhr verabschiede ich mich von Gunnel und Nisse. Die Ski auf der Pulka, steige ich zu Fuß bis zum Fluss hinunter und bugsiere den Schlitten über die Hängebrücke. Dann steige ich am Westufer des Sieberjåhkå auf. [img-l]http://img179.imageshack.us/img179/7228/p1040346gb5.jpg[/img-l] Als ich die Felsschwelle auf der Höhe des Wasserfalls erklommen habe fegt mir plötzlich ein eisiger Wind ins Gesicht und der federleichte Pulverschnee zu meinen Füßen gerät in Bewegung. Ich ziehe die Neoprenmaske auf und schaue auf die Uhr: Für mich ist ganz klar: Wenn der Wind in den nächsten ein, zwei Stunden stärker wird, gehe ich zurück nach Kutjaure. Ich habe bis Røysvatn rund 60 km in schwierigem Gelände vor mir, das sind selbst bei optimalen Verhältnissen drei stramme Tagesetappen. Wind bei -30 Grad kann ich da echt nicht gebrauchen.

[img]http://img179.imageshack.us/img179/922/p1040348we1.jpg

http://img179.imageshack.us/img179/1866/p1040350qt9.jpg[/img-l]Doch schon nach knapp einer halben Stunde hat der Wind sich wieder gelegt, und nach einer kurzen Denk- und Schokopause entscheide ich mich dafür, weiter zu gehen. Ich folge dem Sieberjåhkå, mal am linken, mal am rechten Flussufer, immer die Grenzmarkierungen des Padjelanta-Nationalparks im Blick. [img-r]http://img179.imageshack.us/img179/7056/p1040352zf6.jpg[/img-r] In der sumpfigen Ebene des Bajkasjávrre sind viele kleine Bergnasen auf der Karte eingezeichnet, das Ganze sieht ziemlich unpassierbar aus. Doch als ich dort ankomme, erweist es sich als unkompliziert, ohne große Umwege mitten zwischen den Hügeln durch zu gehen.

[img]http://img179.imageshack.us/img179/1166/p1040353ix3.jpg

Die absolute Windstille und der Sonnenschein sind geradezu gespenstisch. Es ist bitter, bitter kalt. In jeder kleinen Senke steht die Kaltluft, und ich achte bei den Pausen darauf, jedesmal ein Hügelchen zu erklimmen. Und kurz sind die Pausen, sonst wird mir zu kalt; ein paar Schlucke Tee, ein Stück Schokolade.
http://img179.imageshack.us/img179/2936/p1040357qp1.jpg[/img-l]Ich bewege mich recht langsam, besonders bei Steigungen, um allzu tiefe Atemzuge zu vermeiden. Den Stibokjaure, der den Sieberjåhkå speist, und den nördlich davon gelegenen Gálbejávrre umgehe ich lieber - der eiskalte Gang über den Kutjaure ist mir noch in bester Erinnerung. Stattdessen steige ich den Gålogielas hinauf, einen flachen Höhenrücken, der die beiden Seen trennt. Buchstäblich mit jedem Meter, den ich aus dem Flusstal aufsteige, merke ich, wie es "wärmer" wird (ein relativer Begriff). Mitten auf dem Bergrücken, etwa 60 Höhenmeter über den Seen, schlage ich bei einem großen Rentiergatter das Zelt auf.

[img]http://img179.imageshack.us/img179/1736/p1040358az9.jpg

Als die wärmende Sonne verschwindet, sinkt die Lufttemperatur rasch: -20 Grad, -22 Grad. Als ich gegen 21:00 Uhr in den Schlafsack krieche, ist es im Zelt -27 Grad. Ich bin heilfroh, nicht unten am Seeufer zu sein.


22. März 2008
8. Tag: Gålogielas–Skájdevarre (ca. 22 km)

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http://img179.imageshack.us/img179/4623/p1040368vo0.jpg[/img-r]Als ich um sieben Uhr aufwache ist es im Zelt etwas wärmer, etwa -17 Grad, den die Sonne ist schon aufgegangen. Ich frühstücke und packe in zwei Stunden; um 9:15 stehe ich auf den Ski.

[img-r]http://img179.imageshack.us/img179/9598/p1040371nk9.jpg[/img-r][img-l]http://img179.imageshack.us/img179/7479/p1040376yd3.jpg[/img-l]Zuerst geht heute es zwei km leicht bergab, den Gålogielas hinunter, und danach ein halbes Stündchen über den Gálbejávrre (kalt, kalt, kalt!). Dann steige ich das kleine Tal zwischen Oarjep Gálbek und Nuortap Gálbek hinauf. Das Gelände gespickt ist mit nickeligen Steigungen , tief eingeschnittenen Bachläufen, Geröllwällen. Die Entdeckung einer Bilderbuch-Vielfraßspur versüßt mir den Aufstieg. Der typische "Dreisprung", der beim charakteristischen Diagonalgalopp des Vielfraßes entsteht, ist sehr gut zu erkennen. Die Spur führt hin und her, kreuz und quer durch das Tal, und obwohl der Vielfraß wahrscheinlich inzwischen 30 km weit entfernt ist (oder feixend irgendwo hoch oben am Hang hinter einem Felsen sitzt und mir beim Pulkaschleppen zuschaut) besteht meine Beschäftigungstherapie für die nächsten anderthalb Stunden darin, ihn hinter jedem kleinen Hügelchen vor mir zu vermuten. Vom Järv natürlich keine Spur. Aber Spaß macht die "Vielfraßjagd" trotzdem.

[img]http://img179.imageshack.us/img179/3884/p1040374xy4.jpg


In meinem Rücken die ganze Zeit zu sehen: Das Akkamassiv:

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Das Tal öffnet sich schließlich zu einer kleinen Hochebene, Biernnaskåhppe, die nach Norden hin zum Valldajahka abfällt. Der Begriff Hochebene passt nicht wirklich: Wieder zahllose Buckel, Bachtäler, Felsbänder und -rinnen, die allesamt quer zu meiner Laufrichtung verlaufen. Und so folgt eine zwar insgesamt nette, jedoch von zahllosen Denkpausen unterbrochene Abfahrt entlang des Suollajåhkå:

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Und nochmal, mit nachgezeichnerter Abfahrtsspur:

http://img179.imageshack.us/img179/7125/p1040385iisw6.jpg


Ich komme ziemlich genau an der Sommerbrücke heraus, die demontiert ist und auf einem großen, schneefreien Felsblock ruht. Von dort laufe ich Richtung Nordwest quer über den Valldajåhkå und dann über eine große Sumpffläche, hinter der der nächste Aufstieg auf den Skáidevarre beginnt. Unten im Flußtal mache ich Pause (strategischer Fehler: kalt!). Am Skáidevarre steige ich so steil wie möglich mit Spitzkehren auf, um schnell Höhe zu machen; auf ca. 700 m Höhe gehe ich dann ohne größere Hindernisse die glatt gehobelte Ostflanke entlang und bestaune das Gerümpel im Talgrund hundert Höhenmeter unter mir.

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Da ich mich 400 unterhalb des Gipfelzugs bewege, verschwindet die Sonne früh. Schon um 17:00 laufe ich im Schatten; sofort hat es -24, -25 Grad; es ist wirklich nicht mehr feierlich. Um 17:45 finde ich auf ca. 730 m Höhe einen kleinen flachen Sockel für das Zelt. Ich wäre heute gern noch fünf, sechs km weiter gekommen, aber die Kälte beginnt mir ernsthafte Sorgen zu bereiten. Es ist definitiv viel zu kalt für die Ausrüstung, die ich mit habe, und ich möchte deshalb zumindest halbwegs ausgeruht und nicht völlig ausgepowert in den Schlafsack kriechen. Ich koche heute, was am schnellsten geht: Tortellini mit Tomatensoße, dann heiße Fruchtsuppe, heißen Kakao, Grießbrei, Tee, und noch eine Tafel Schokolade hinterher. Essen wärmt von innen, heißt die Devise.
Vor dem Schlafengehen kontrolliere ich die Temperatur, diesmal vor dem Zelt: -31 Grad. Wie war das noch mal gewesen: Wetterumschwung? Von wegen. Ich tröste mich damit, das es noch schlimmer sein könnte. Zum Beispiel könnte mein Zelt 120 Höhenmeter tiefer stehen, am Skáidejåhkå, wo der Sommerweg verläuft...



23. März 2008
9.Tag: Skájdevarre–Røysvatn (ca. 22 km)

Ich ziehe in dieser Nacht, bis auf Softshellhose und Goretex-Jacke, alles an, was ich an "Wärmespendern" habe: Unten lange Unterhose und Fleecehose, obenrum dünnes Unterhemd, dickes Unterhemd, Angorahemd, Daunenweste und Softshellhacke. Ich stelle mich auf eine bibbernde Nacht ein, doch erstaunlicherweise schlafe ich recht bald ein und schlafe, bis morgens um halb sieben, sogar halbwegs durch. Trotzdem fühle ich mich morgens gerädert und etwas entnervt. Ich diagnostiziere einen mentalen Kälteschaden, der nur durch einen unverzüglichen, warmen Hüttenaufenthalt zu kurieren ist. Eine Alternative besteht sowieso nicht, denn der Schlafsack hat in den letzten beiden Nächten arg an Loft verloren; noch so eine Nacht ist nicht drin.

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Um kurz vor neun ziehe ich los. Die Sonne scheint gleißend vom wolkenlosen blauen Himmel, so dass die Nacht bald vergessen ist.

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http://img505.imageshack.us/img505/2289/p1040414xq8.jpg[/img-l]Und dann noch eine gemütliche Hütte in Aussicht: Es ist einfach ein herrlicher Tag. Ich halte mich zunächst weiter auf ca. 720 m Höhe, bis ich nach einer Stunde einen kleinen Sattel mit einer Reihe kleiner Seen erreiche, die in den Jiegnájávrásj entwässern. Ich umrunde die westlichen Ausläufer des Gáissemierro und dann die namenlose Höhe 992. Eigentlich wollte ich von hier mehr oder weniger dem Sommerweg folgen, um dann über die Südflanke des Rikkek gen Sårgåjávrre abzufahren. Aber der Rikkek und der Canyon, der sich längs der Südflanke eingefräst hat, sind eindeutig kein Skigelände. Mir ist schleierhaft, wie ein Fluss, der (auch wenn es eine Eiszeit her ist) eine derartig furchterregendes Gerümpel hinterlassen hat, namenlos bleiben konnte. [img-r]http://img505.imageshack.us/img505/4433/p1040429pc9.jpg[/img-r] Und so taufe ich ihn kurzerhand auf den Namen "Arnejåhkå" und halte den gebotenen Abstand. Stattdessen fahre ich direkt zum Rikkejåhkå ab, bzw. ich lande da, den zielgerichtet abfahren ist etwas schwierig. Das ganze Gelände zwischen Rikkek und Sårgåjávrre ist eine einzige glaciale Trümmerlandschaft. Was auf der Karte wie eine Seenplatte aussieht, sind die Überreste zahlloser Flüsse, die vor Urzeiten Richtung Sårgåjávrre geflossen sind. Canyons und metertiefe Rinnen quer zum Hang, unzählige Löcher, Senken und Hügelchen, schneefreie, manchmal zehn m hohe Felsbänder. Sobald ich in die erste Senke hineingefahren bin, ist der Sichthorizont gleich Null, und das taktische Spielchen beginnt. Gegenanstieg aus dem Loch heraus, dann Laufen quer zum Hang, bis eine gangbare Stelle für die Abfahrt in den nächsten Canyon gefunden ist, usw.

[img]http://img505.imageshack.us/img505/7621/p1040418uk6.jpg

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Das Ganze ist wegen der zahllosen Gegenanstiege nicht nur physisch anstrengend, sondern auch mental fordernd. Es braucht einen guten Blick und vor allem viel Geduld. Hetzen bringt gar nichts, auch wenn mir schwant, dass es ein langer Tag werden wird. Zum ersten Mal seit Tagen hadere ich nicht mit dem Wetter. Wenn jetzt Nebel aufziehen würde, müsste ich das Zelt aufstellen aufstellen und abwarten. Ohne Sicht kann man in diesem Gelände keinen Schritt tun.

Es ist ein Tag von außerirdischer Schönheit. All die verschneiten Falten, Runzeln und Löcher der Bergrücken sind tiefblau verschattet. Und immer wieder sehe ich, wenn ich mal wieder ratlos an einem Vorsprung stehe, meinen eigenen, langgezogenen Schatten tief unter mir.

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Vom Jiegnájávrásj bis zum Rikkejåhkå brauche ich anderthalb Stunden; und dann noch mal zwei Stunden ständiges Auf und Ab bis zum nordwestlichen Ausläufer des Sårgåjávrre. Am Seeufer mache ich eine kurze Pause im Sonnenschein. Der Blick nach Südwest auf das Akkamassiv ist einfach atemberaubend, ich kann mich gar nicht sattsehen. :D

http://img505.imageshack.us/img505/2269/p1040433vi5.png


http://img505.imageshack.us/img505/7339/p1040435iiihj6.jpg


http://img505.imageshack.us/img505/6441/p1040438sf0.jpg[/img-r]Doch die Kälte bringt mich schließlich wieder auf die Beine. Außerdem ist es schon Viertel nach drei, und von hier nach Røysvatn sind es noch etwa acht km und 300 Höhenmeter Aufstieg – plus x Gegenanstiege, denn das Gelände ist genau so wie das Stück, das ich gerade hinter mich gebracht habe. Ich steige über kleinen Berg Ähpárijtjårro vom Seeufer auf und suche mir dann in großen Schleifen meinen Weg nordwärts. Ein besonders hohes Felsband beschäftigt mich fast eine halbe Stunde, solange laufe ich, erst nach links und dann nach rechts, unten entlang, bis ich eine Scharte für den Aufstieg finde. Kurz danach reißt eines der Stahlseile des Pulkagestänges. Ja, ich hätte auch einfach das Originalgestänge mitnehmen können. Aber ich bastle nun mal für mein Leben gern... Also, Leatherman raus, Pulkagestänge abmontiert, Repschnüre angeknotet. Abgesehen davon mache ich keine Pause mehr bis zur Hütte. Nur noch einmal bleibe ich stehen, um das mittlerweile ca. 50 km Luftlinie entfernte Akkamassiv zu bewundern, das in den letzten Strahlen der Abendsonne leuchtet. Der Anblick entschädigt für alles.

[img]http://img505.imageshack.us/img505/8879/p1040440ivnw2.jpg

Ich sehe die Hütten schon aus anderthalb km Entfernung, doch sie verschwinden noch mehrfach aus meinem Blickfeld, weil ich immer wieder in kleinen Senken abtauche. Um 18:45 Uhr stehe ich endlich vorm Haupthaus. Fast 10 Stunden auf Ski, von wenigen kurzen Pausen abgesehen. Nach Karte bin ich etwa 18 km und 400 Höhenmeter gegangen, die unzähligen Schleifen und Umgehungen mitgerechnet, wohl eher 22 km. Und wie viele Höhenmeter, möchte ich lieber nicht so genau wissen.

http://img505.imageshack.us/img505/7470/p1040442mc6.jpg

Die Hütten sind unbewohnt, also auch nicht vorgewärmt. Schade, etwas Gesellschaft hätte mich nach den drei Tagen Einsamkeit sehr gefreut. Da ich allein bin, ziehe ich nicht in das Haupthaus, sondern die Lillestuga. Mangels Schlüssel muss ich den Türbeschlag mit dem leatherman aufschrauben:ignore:; die peinlichen Details dazu lassen sich hier (http://forum.outdoorseiten.net/showthread.php?t=29441) nachlesen (Post 14)...
Die Hütte ist wahnsinnig schön: Zwölf Quadratmeter pure Gemütlichkeit, und vor allem schnell aufzuheizen. In der Hütte, die laut Gästebuch zuletzt vor fünf Tagen besucht wurde, herrschen minus sieben Grad − geradezu kuschelig, wobei mir jetzt auffällt, dass ich den ganzen Tag über nicht einmal auf das Thermometer geschaut habe. Irgendwie ist mir in der letzten Nacht jegliches Interesse an Temperaturstatistik verloren gegangen. Jetzt schüre ich den kleinen Kanonenofen, hänge den Schlafsack zum Trocknen auf, koche eine Thermoskanne Tee, setzte mich auf einen Stuhl und tue dann etwa eine Stunde lang nichts, außer das Feuer zu füttern. Auf den letzten drei, vier km bin ich ganz schön auf dem Zahnfleisch gegangen, und mein Magen hat geknurrt wie wild. Jetzt bin ich eher jenseits von Gut und Böse und ziemlich aufgekratzt. Erst gegen halb neun beginne ich zu kochen und esse ohne großen Appetit: Etwas Suppe, Rentierfleisch und Knäckebrot. Dann lege ich mich ins Bett und schlafe wie ein Stein.

Moltebaer
09.01.2009, 00:45
Das lädt zum Träumen ein, sind echt klasse Bilder dabei.


http://img179.imageshack.us/img179/9813/p1040391yo2.jpg

http://img505.imageshack.us/img505/2269/p1040433vi5.pngSchöne Landschaft mit Spitzenwetter, herrlich.

acet
09.01.2009, 09:38
haste dir das brennholz selbst gesammelt oder ist das an den Hütten aufgestapelt?

Sarekmaniac
09.01.2009, 10:04
haste dir das brennholz selbst gesammelt oder ist das an den Hütten aufgestapelt?


Das Holz zum Heizen kommt aus den Holzschuppen bei den Hütten. Sammeln ist nicht (zu viel Schnee, und vor allem: Keine Bäume)

p.casso
09.01.2009, 12:11
Es ist eine wahre Freude, Deinen Bericht zu lesen. Herzlichen Dank. :)

J.page
12.01.2009, 16:10
Hej Barbara
es ist immer schön bekannte Gesichter zusehen :D.... die Welt ist ein Dorf..hab die beiden 2005 auch in Parte getroffen

gruss Jonas

http://fotos.outdoorseiten.net/data/500/medium/027_na.jpg

Schwede
12.01.2009, 19:21
Hej! Hej!

Dein Bericht ist Klasse!

Wir waren schon oft dort oben - aber immer im Sommer.
Habe irgendwie Muffe im Winter dort mit Zelt - ich schwitze recht schnell - und wir sind schon seit 9 Jahren kein Ski mehr gefahren.:(
Ich wüßte gar nicht welche Ski & Schuh, geschweige denn Wachs. Und Felle hab´ich das letzte Mal im Yosemite / Californien 1993 genutzt.:o
Aber wenn ich Deine Zeilen lese und die Bilder sehe: TRAUMHAFT!
Ich bin am überlegen...:grins:

Gruß
Schwede

Sarekmaniac
12.01.2009, 22:05
Ich bin am überlegen

Überlegen? Was gibt es da denn zu überlegen?:o Nix wie los!:D

Und morgen geht's weiter. Versprochen

Schwede
13.01.2009, 18:52
Überlegen? Was gibt es da denn zu überlegen?:o Nix wie los!:D




Drängel mich net.;-)
Bin älterer Herr. Das braucht etwas. :cool:
Dieses Jahr ist erstmal IM angesagt.:grins:

Kann ich Dich was fragen, wenn Fragen auftreten?

Gruß
Schwede

Jaerven
13.01.2009, 18:55
Da gibts kein Zögern Schwede... hab gerade die Pulka gepackt, am Wochenende gehts in das midvinterliche Fjäll...:grins:

Schwede
13.01.2009, 19:54
Ich schrieb doch: Dieses Jahr IM!

Nextes Jahr? :baetsch:

Aber was ist mit Skiern? Wahrscheinlich müssen mein Weibchen & ich erstmal einen kleinen Urlaub machen, um wieder auf Skiern stehen zu können?!?
Welche Ski nutzt Ihr? Sind die vergleichbar mit den im alpenländlichen gebräuchlichen 90er Jahre Touren-Skiern?
Waxen?
Oder geh´ ich einfach zum Globi?

DAS WEIß´ ICH NET! DAS SIND MEINE ????????

Der Rest wie Kondition, Proviant, Kleidung - Gelächter!:cool:

Danke fürs Mutmachen. :D !!!!

Wartet ab: Dieses Jahr nach dem IM Switzerland kommt im September erstmal eine schöne LANGE Sarektour...
und dann...
wer weiß...?!

Gruß
Schwede

Stev
13.01.2009, 20:02
Einfach nur schöööööön.5sterne
Vielleicht bekomme ich es auch mal im Winter hin. Sommer und Herbst habe ich schon einige mal durch aber der Winter fehlt mir noch.
Stev

gelöschter Nutzer
13.01.2009, 20:28
Da gibts kein Zögern Schwede... hab gerade die Pulka gepackt, am Wochenende gehts in das midvinterliche Fjäll...:grins:

DAS WILL KEINER WISSEN ;-) . Aber wir bleiben gerne zuhause :motz:
Freuen uns schon alle auf viele Fotos + Packliste + Reisebericht bis spätestens 2 Stunden nach der Tour :bg:

Sarekmaniac
14.01.2009, 15:34
Da gibts kein Zögern Schwede... hab gerade die Pulka gepackt, am Wochenende gehts in das midvinterliche Fjäll...:grins:

Nikkaluokta: -32 Grad.:bg: Und ansonsten auch nicht viel wärmer

Brrrrr (http://www.smhi.se/cmp/jsp/polopoly.jsp?d=5507&l=sv)

Viel Spaß im Zelt, Järven.

Heute mache ich wirklich weiter, damit du weißt, wo Du lang musst.

Sarekmaniac
14.01.2009, 22:48
24. März, 10.Tag
Ruhetag in Røysvatn

http://img129.imageshack.us/img129/183/p1040455ft9.jpg

http://img124.imageshack.us/img124/9698/p1040443fj5.jpg


http://img124.imageshack.us/img124/4365/p1040448ye3.jpg[/img-l][img-r]http://img129.imageshack.us/img129/3856/p1040457jn0.jpg[/img-r]
Heute habe ich kältefrei, und das ist auch nötig. Um halb sieben wache ich auf und merke, wie müde Arme und Beine sind. In der Hütte sind nur noch 6 Grad; ich mache den Ofen an und ziehe mich dann noch für ein Stündchen in den Schlafsack zurück, bis eine akzeptable Temperatur erreicht ist. Ein bißchen Sport mache ich trotzdem: Nach dem Frühstück gehe ich in den Holzschuppen und säge, hacke und staple zwei volle Stunden Holz; dann spalte ich noch zwei Kisten Anmachholz. Allein beim Anblick des reichlichen Holzvorrats wird mir wohlig warm (Und das Hacken wärmt natürlich auch:grins:)

Den Tag verbringe ich mit Tee trinken, lesen und Wäsche waschen. Außerdem schreibe ich das Tagebuch nach, das in de letzten Tage etwas kurz gekommen ist. Nachmittags mache ich mit den Ski einen kleinen Ausflug rings um die Hütte.

[img]http://img129.imageshack.us/img129/1046/p1040460as9.jpg

Das Wetter ist herrlich. Meine Spur vom Vortag ist ist kilometerweit zu sehen:

http://img124.imageshack.us/img124/8231/p1040445ch3.jpg

http://img124.imageshack.us/img124/491/p1040452ou9.jpg

Gegen fünf ziehen leichte Schleierwolken auf. Ist das endlich der bereits für Samstag angekündigte Wetterwechsel? Bitter kalt ist es immer noch: -24 Grad um 18:30 Uhr, und als ich um neun Uhr noch einmal hinausgehe, um Nordlichter anzuschauen, -26 Grad.

http://img129.imageshack.us/img129/5238/p1040469nb2.jpg

25. März, 11. Tag
Røysvatn–Máttajávri (ca. 28 km)

Um 9:15 breche ich auf. Vorher wird natürlich das Schloss wieder ordnungsgemäß verschraubt:bg:.

http://img152.imageshack.us/img152/8328/p1040472nv9.jpg

http://img152.imageshack.us/img152/6351/p1040477cm1.jpg

http://img152.imageshack.us/img152/6695/p1040487gy3.jpg[/img-l] Ich möchte heute so weit wie möglich kommen, um morgen stressfrei und nicht allzu spät die schwedische Sitashütte zu erreichen. Da es in den letzten Tagen weder geweht noch geschneit hat, kann ich zunächst der Spur der beiden Wanderer folgen, die vor einer Woche von Røysvatn Richtung Pauro aufgebrochen sind. Auf der hart gefrorenen Spur läuft es sich gut, und ich bin nicht die einzige, die auf diese Idee gekommen ist: Im Laufe des Vormittags entdecke ich auf der Skispur Spuren von Rentier, Schneehase, Vielfraß und Fuchs. Im Vergleich zu den letzten drei Tagen ist der heutige Weg über die Seen der reinste Spaziergang. Nach einer kurzen Abfahrt geht es über den Svártijávrre, dann über den Skuogejávrre, wo ich die ersten Eisangler treffe.

[img]http://img152.imageshack.us/img152/687/p1040488ao8.jpg

Am Ende des Skuogejávrre schnalle ich die Ski kurzerhand auf den Rucksack und laufe die hundert Höhenmeter bis zum nächsthöheren See, dem Spadnejávrre, zu Fuß hinauf. Hier stoße ich auf die ersten Skooterspuren, denen ich Richtung Kåbtåjaure folge.
Bei meinem Aufbruch schien noch die Sonne, doch es ist immer mehr zugezogen, und als ich am frühen Nachmittag die verrottete Rentierwächterhütte am Kåbtåjaure erreiche, herrscht totales Whiteout, bei kuscheligen minus 15 Grad.
http://img152.imageshack.us/img152/8352/p1040492wd2.jpg[/img-l]
[img-r]http://img152.imageshack.us/img152/2089/p1040493jw3.jpg[/img-r]

Ich laufe das Südufer des Kåbtåjaure entlang und dann via Máddagagorža zum oberen Ende des Máttajávri. Jetzt wird die Sicht so schlecht, dass ich noch nicht einmal mehr die Skooterspur zu meinen Füßen erkennen kann. Die Ufer des Máttajávri sind sehr steil, so dass die Zeltplatzsuche ohne Sicht schwierig werden könnte. Da ich schon fast 30 km weit gekommen bin, beschließe ich, hier im Mündungsbereich des Flusses zu zelten, obwohl es erst kurz nach vier Uhr ist. Und so veranstalte ich zunächst einen gemütlichen Fünfuhrtee im Zelt. Im Nebel entdecke ich ein seltsames Objekt auf dem See, das sich am nächsten Morgen als Hauszelt entpuppt. Die Eisfischer haben es gern gemütlich. Dann döse ich ein bißchen, lese ein bißchen, koche das Abendessen und schlafe früh ein.

[img]http://img152.imageshack.us/img152/3264/p1040498ol2.jpg


26. März, 12. Tag
Máttajávri–Sitasjaure (ca. 21 km)

http://img66.imageshack.us/img66/2452/p1040501ha9.jpg

http://img66.imageshack.us/img66/2042/p1040499zq5.jpg[/img-l][img-r]http://img66.imageshack.us/img66/628/p1040503dt1.jpg[/img-r]Am nächsten Morgen ist es wieder, sonnig, klar und kalt, wie gehabt. Der erste Versuch eines Wetterumschwungs ist gescheitert. Gestern bin ich 28 km in sechs Stunden gelaufen, die Pausen nicht eingerechnet. Und es war nicht halb so anstrengend wie die Tage davor. Über Seen laufen, und dann noch mit einer Skooterspur, ist wirklich eine Wohltat. Allerdings wird mir dabei auch schnell langweilig. Wie heute zum Beispiel. Um neun breche ich auf, doch viel zu sehen gibt es nicht auf dem Máttajávri, außer den ausgeprägten Erosionsrinnen an der Südflanke des Robečohka. Aber die sind dafür besonders schön:

[img]http://img129.imageshack.us/img129/5479/p1040510xa2.jpg

http://img129.imageshack.us/img129/4679/p1040514tl9.jpg

http://img129.imageshack.us/img129/7888/p1040516me6.jpg

http://img129.imageshack.us/img129/5859/p1040520ds6.jpg

http://img129.imageshack.us/img129/4438/p1040506ff3.jpg[/img-l]Alles kommt auf die Pulka. Ich lege ich einen Zahn zu und genieße das mühelose Laufen übers Eis und die Vorfreude auf eine gemütliche Hütte. Ich umrunde den Alepoajvve und folge weiter der Skooterspur am Westufer des Sitasjaure. Schon um 14 Uhr erreiche ich die kleine Siedlung bei der Staumauer.
[img-r]http://img164.imageshack.us/img164/6756/p1040523fb4.jpg[/img-r]Bevor ich an Land gehe, laufe ich ein Stück hinaus aufs Eis, heraus aus dem Bergschatten, bis ich ein Handynetz habe, und rufe kurz zu Hause an. Dann mache ich mich auf zur Hütte.

[img]http://img164.imageshack.us/img164/524/p1040531ct5.jpg

Schon von weitem erkenne ich ein bekanntes Gesicht: Kjell, der Hüttenwirt, lässt sich auch von Lufttemperaturen unter minus 20 Grad nicht schrecken und nimmt gerade ein Sonnenbad. Wir feiern das Wiedersehen mit Kaffee und Keksen. Kjell erzählt, dass Björn unten am Akkajaure am Osterwochende in einer Nacht minus 36 Grad hatte; in Nikkaluokta war es unter minus 40 Grad. So gesehen hatte ich es ja richtig mollig... Eine so ausdauernde Kälteperiode so spät im März hat es laut Wetterdienst SMHI in Schweden seit siebzig Jahren nicht gegeben.
Nach dem Kaffeetrinken erledige ich meine Pflichten im Holzschuppen und genieße das faule Hüttenleben. Am Abend kommen noch zwei Gäste, Annika und Håkon aus Boden. Sie ist Jounalistin und er Fotograf. Die beiden sind für das Mitgliedermagazin des STF unterwegs, um eine Reportage über eine Skitour von Ritsem nach Vakktovare zu schreiben.


27. März, 13. Tag
Sitasjaure–Hukejaure (ca. 20 km)

http://img229.imageshack.us/img229/4688/p1040528vi3.jpg/

http://img229.imageshack.us/img229/6097/p1040529ky3.jpg[/img-l]In der Nacht war es wieder sehr kalt, um -30 Grad sagt Kjell, der morgens schon früh auf den Beinen war. Kein Wunder: Die Hütte liegt praktisch auf Höhe des Sees, auf dem sich die Kaltluft staut. Pulka, Ski und Stöcke sind dick mit Reif überzogen. Ich bin die markierte Strecke von Sitas nach Hukejaure bereits letztes Jahr gelaufen und fand sie schon damals etwas langweilig. Das zweite Mal ist es nicht aufregender. Irgendwie kann ich dieser Landschaft nichts abgewinnen (das schlimmste Stück ist allerdings der durch Straße und Stromleitungen verschandelte Abschnitt von Ritsem bis Sitas).

[img-l]http://img229.imageshack.us/img229/7118/p1040534lu8.jpg[/img-l][img-r]http://img229.imageshack.us/img229/1192/p1040545wd6.jpg[/img-r]Immerhin einen aufregenden Zwischenfall gibt es: Ein wildes Tier, ein totes wildes Tier und wenig später die Überreste eines weiteren wilden Tiers, das wohl ein bißchen unvorsichtig war. Tja ... So ein Lemming lebt gefährlich (man achte auf die Täterspuren links):

[img]http://img229.imageshack.us/img229/1240/p1040543sv8.jpg

Außerdem erhasche ich einen Fernblick aufs Kebnekajsemassiv und werde von einem Skooter überholt, der einen Riesenberg Feuerholz hinter sich herzieht:

http://img229.imageshack.us/img229/2456/p1040540uo5.jpg

http://img229.imageshack.us/img229/9308/p1040539ia2.jpg

http://img229.imageshack.us/img229/7686/p1040559ph5.jpg[/img-l]Ansonsten geschieht nicht viel. Ich bin am Morgen fast zeitgleich mit Annika und Håkon aufgebrochen, und die Sonne geht schon unter, als wir fast gleichzeitig Hukejaure erreichen.

[img]http://img229.imageshack.us/img229/4158/p1040565fz5.jpg

Kjell hat Annika von meiner Langtour erzählt. Sie hat vor, irgendwann einmal über all die Verrückten zu schreiben, die von Lindesnes zum Nordkapp oder von Grövelsjön nach Kilpisjärvi laufen, und hat deshalb viele Fragen. Wir verbringen einen richtig gemütlichen Abend. Vor dem Zubettgehen gehe ich noch einmal vor die Hütte und bewundere die Nordlichter, die über den ganzen Himmel flackern.

http://img229.imageshack.us/img229/1705/p1040569ym7.jpg

KuchenKabel
14.01.2009, 23:35
Schöner Bericht!! Und die Bilder laden wirklich zum träumen ein... Aber mal ne Frage. Wie kommt man mit dieser Einsamkeit klar? Das frage ich mich schon seit langem. Allein der Gedanke daran lässt mich schaudern. Für mich ist Freude nur schön, wenn sie geteilt werden kann. Das heißt, meistens ist es so. Mal alleine sein ist ja ok. Aber drei Tage mitten im Nichts? Hmm...

Sarekmaniac
14.01.2009, 23:56
Wie kommt man mit dieser Einsamkeit klar?
Mal alleine sein ist ja ok. Aber drei Tage mitten im Nichts? Hmm...

Der "soziale Teil" der Tour fängt ja gerade an:D.

Ich bin kein Einsamer-Wolf-Typ. Aber ich kann eine Zeitlang gut mit mir allein sein. Das war schon immer so. Da habe ich auch kein Rezept für. Ich halte es auch nicht für eine besondere Tugend, oder etwas, was man "üben" oder "erlernen" kann/sollte. Entweder man mag es, oder man mag es nicht

"Eine Zeitlang" heißt natürlich für jeden was anderes. Für mich sind das drei, vier, fünf Tage, oder eine Woche. Ich glaube, länger ginge auch, aber das müsste ich ausprobieren. 2007 war ich den ganzen Winter unterwegs. Da war es z.T. sehr einsam, vor allem im Januar und Februar. Anfang Februar im Jämtland habe ich wirklich einmal 7 Tage keine Menschenseele getroffen. Keine Spur im Schnee, nichts. Aber eigentlich trifft man regelmäßig Menschen, egal wo man ist. Fast täglich. Und das finde ich dann meist sehr nett (auch in den Bergen trifft man natürlich bescheuerte Menschen). Schweden ist nicht so leer, wie viele Menschen meinen, und Norwegen schon gar nicht.

OttoStover
15.01.2009, 01:26
Nice trip and pictures Sarekmaniac. Good to see Røysvatn in winter, I've been there in summer only (so far). Røysvatn were before the least visited hut in DNT, a mere 10 per year. Now there are much more, it is almost crowded with over 70 visitors each year! Most of those also come in the summer, and in groups. They have now opened a new track from Ritsem to Kjøpsvik and made bridges shelters, and marked up the path better.

Funny litle story about Røysvatn. In winter before it sometimes disappeared in the snow, you would only find the rooftop if you found anything at all. But as a remedy they raised the hut on poles up from the ground, about 50cm. That solved the problem.

For hikers that want solitude I think Norway has a lot to offer, you must just not hike in the popular places like Rondane, Hardangervidda and Jotunheimen. There it is crowded agreed. But north Norway, from Børgefjell up to Narvik is solitude all right. Hardly any hikers at all, even in winter. No snowmobiles, we do not allow driving for fun like they do in Sweden.

Sarekmaniac
15.01.2009, 09:34
Funny litle story about Røysvatn. In winter before it sometimes disappeared in the snow, you would only find the rooftop if you found anything at all. But as a remedy they raised the hut on poles up from the ground, about 50cm. That solved the problem.

That's true, and there is still a big showel hanging outside just under the roof of the big cabin. I could hardly reach it with my hands, but I suppose it's there for good reason. I like the following in the Guestbook: "We came yesterday in the afternoon and took our small showel to dig and find the big showel. Then we digged our way to the lille stugan." I was very happy not to have to dig.


For hikers that want solitude I think Norway has a lot to offer, you must just not hike in the popular places like Rondane, Hardangervidda and Jotunheimen. There it is crowded agreed. But north Norway, from Børgefjell up to Narvik is solitude all right. Hardly any hikers at all, even in winter.

You're completely right. The point I wanted to make was not about other hikers but about the locals. There is a myth in Germany that Norway and Sweden are "empty" like the North pole, and many Germans go there saying, I go there to be alone. And than they are annoyed they come across not only other hikers but: Farmers, Sami, forest workers, Statskog/Naturvardsverket people, ice fishers, hunters, private cabins inhabited by locals, mountain rescue or police and so on.

On average, apart from the very north, the Norwegian mountains are more densely populated than on the Swedish side. It's a small country.

On my long trip 2007 I met the first hikers after 900 km of sking (in Syterstugan on Kungsleden). But I met local people every at least every second or third day. And I liked it. The were always friendly, helpful and open-hearted. They know the local conditions: The best way to cross a lake, the winterways made by Sami and not shown on the maps, the latest weather forecast etc. Apart from being nice experiences I still bear in mind, these encounters prevented me from some mistakes and more than once saved me a lot of time (finding the best way myself etc.).


No snowmobiles, we do not allow driving for fun like they do in Sweden.

That's what I like in Norway, and the less "aggressive" marking. The permanent winter markings are disturbing, especially in summer.

Besides: On week-ends, near the border, at least 50% of the fun-drivers are Norwegians. Hundreds of cars parked on the "Silver road" near Vuoggatjalme, and off they go.:D

OttoStover
15.01.2009, 23:45
I see that we agree on several issues. Glad you liked Norway on the long trip you had. I'm impressed of the long tour. You should be in this (http://www.norgepaalangs.info/) list, I'll see what I can do about that.

Sitat:"Besides: On week-ends, near the border, at least 50% of the fun-drivers are Norwegians. Hundreds of cars parked on the "Silver road" near Vuoggatjalme, and off they go."

Yes, you tell me! I go often to Graddis (border to Sweden) or to Jäckvik (small place halfway to Arjeplog) where the norwegians have bought all the huts. We go skiing there, but luckily the Pieljekaise Nationalpark prohibits driving there. So we have taken the trip to Adolfström some times. I tell you, some of the drivers must be crazy, that is the kindest thing I could say about some.

But there is change in the future. Norway is soon to release a new law concerning motordriven transport outside roads, and the rumors will have it to be much more restrictive. Sweden is also debating some new restrictions. It could be that driving snowmobile in Sweden will be only for those that have swedish number plates. Then only those norwegians with house/hut in Sweden will be permitted to drive.

Jaerven
16.01.2009, 00:02
It could be that driving snowmobile in Sweden will be only for those that have swedish number plates. Then only those norwegians with house/hut in Sweden will be permitted to drive.
I hope so... :bg:
It was a horror last winter on the track from Katterjakk to Unna Allakas.

paddel
16.01.2009, 08:01
Genial!!!

Sarekmaniac
18.01.2009, 22:59
28. März, 14. Tag
Ein Ausflug zum Ivarsten (12 km); Hukehaure–Čuhčavaggi (9 km)

http://img206.imageshack.us/img206/3333/p1040583tw7.jpg

Am Morgen lasse ich es ruhig angehen. Bis zu meinem fest gebuchter Zug ab Gällivare habe ich noch sechs Tage Zeit, was für das Stück Kungsleden, was noch vor mir liegt, mehr als reichlich ist. Ich bessere mein Müeslifrühstück mit ofenwarmem Fladenbrot auf, das Asser, der Hüttenwirt, morgens gebacken hat. Dann lasse ich die gepackte Pulka vor der Hütte stehen und mache, nur mit dem kleinen Rucksack, einen Ausflug zum Ivarsten.

http://img206.imageshack.us/img206/8859/p1040574ne4.jpg


http://img206.imageshack.us/img206/4844/p1040576in7.jpg[/img-l][img-r]http://img206.imageshack.us/img206/2926/p1040577mj3.jpg[/img-r]An diesem riesigen Felsblock direkt neben der modernen Grenzmarkierung Nr. 259 haben Adolf Friedrich von Schweden und Friedrich V. von Dänemark 1763 eine Vereinbarung über den norwegisch-schwedischen Grenzverlauf geschlossen; eine gemeißelte Inschrift mit den königlichen Monogrammen erinnert an das Ereignis.

Auf dem Rückweg zu Hütte schieße ich einige Bilder von der wüsten Felslandschaft und mache eine interessante Beobachtung. Die Zastrugi auf dem See haben sich dem umliegenden Fels perfekt angepasst. Ein klarer Fall von Mimikry. Ich habe es ja schon immer gewusst - der Schnee lebt:

[img]http://img206.imageshack.us/img206/2710/p1040584xi6.jpg

http://img206.imageshack.us/img206/7623/p1040582ie3.jpg

Zurück in der Hütte, mache ich erst noch Mittag, bevor ich mit Sack und Pack gen Čuhčavaggi aufbreche. Ein steht fest: Es liegt genug Schnee hier oben.

http://img206.imageshack.us/img206/7453/p1040587iw5.jpg

http://img206.imageshack.us/img206/80/p1040590gp9.jpg

Schon im Eingang des Tals suche ich mir gegen fünf Uhr einen Zeltplatz. Es ist nur 15 Grad minus, spät am Abend minus 17 Grad. So macht Zelten Spaß!

http://img206.imageshack.us/img206/2341/p1040591fu0.jpg


29. März, 15. Tag
Čuhčavaggi–Singi (15 km)
In den letzten Tagen auf den Hütten habe ich so viel und so gut geschlafen, dass ich schon um fünf Uhr morgens aufwache. Um viertel nach sieben habe ich das Zelt abgebrochen und alles gepackt. Ein rekordverdächtiger Aufbruch.

http://img244.imageshack.us/img244/2563/p1040599qp4.jpg

http://img244.imageshack.us/img244/1224/p1040603pj9.jpg[/img-l]Der Weg durch das Čuhčavaggi ist wunderschön, auch wenn die penetranten Wintermarkierungen das Gefühl der Einsamkeit etwas stören. Nach vorne sehe ich den ganzen Morgen das Kebnekaisemassiv, und als ich das Tjäktjavagge erreiche, den Vaktposten, Kaskastjåkka, Pyramiden und noch den einen oder anderen Gipfel, den ich auf der Karte nicht identifizieren kann. Ich gönnen mir ein ausgiebiges Päuschen auf der Isomatte, nehme Karte und Kompass und spiele eine Runde "Berge-Raten".

[img]http://img244.imageshack.us/img244/5445/p1040607ax9.jpg

http://img244.imageshack.us/img244/1800/p1040609xy4.jpg

http://img244.imageshack.us/img244/7743/p1040615ve3.jpg

http://img244.imageshack.us/img244/7457/p1040622xj5.jpg

Der Weg ist von Skootern befahren, also sehr hart und schnell. Ich werde mehr als einmal daran erinnert, dass meine Pulka nur an zwei Reepschnüren hängt. Da viel offener Fels aus dem Schnee hervorlugt, ist es gar nicht so einfach auszuweichen, wenn sie von hinten angesaust kommt.

http://img244.imageshack.us/img244/7/p1040620ie0.jpg

Schon um zwölf Uhr komme ich in Singi an. Ich weiß kaum, was anfangen mit all der Zeit, so viel Feuerholz kann ich nun wirklich nicht machen. Also säge und hacke ich nur ein Stündchen, und tue dann, im besten Loriot'schen Sinne: NICHTS. D.h. fast nichts, ich schmeiße von Zeit zu Zeit einen Scheit in den Ofen. Außerdem koche ich ein Spargel-Möhren-Risotto mit Krabben und Kabeljau, was nach viel Arbeit klingt, aber keine ist, weil ich es nur mit Wasser auf den Ofen stelle, wo es ganz selbsttätig quillt und gart. Am späten Nachmittag kommt noch ein schwedisches Brüderpaar an. Die beiden kommen mit Ski aus Nikkaluokta und wollen am nächsten Tag auf den Kebnekaise. Sie sind etwas betrübt, weil es inzwischen ziemlich zugezogen ist. Alles sieht nach einem beschaulichen Abend aus, bis – die Finnen ankommen. Es sind etwa zwölf, doch gefühlt eher 30, so emsig wuseln sie durch die Hütte. Sie trinken nach dem Essen reichlich Schnaps, sind fröhlich und etwas laut, aber sehr nett. Leider sprechen sie nur Finnisch (oder tun zumindest so). Aber sie sind sehr adrett angezogen. Wer also meint, die Wintertour müsste ausfallen, weil die Knete für das neue ultrafunktionelle 500-Euro-Softshell leider noch nicht beisammen ist – es geht auch anders:

http://img244.imageshack.us/img244/4453/p1040623xy0.jpg

dingsbums
24.01.2009, 22:41
Schön!
Wir träumen ja auch davon, mal eine Tour im Schnee zu machen. Bisher waren wir nur im Spätsommer unterwegs, denn dummerweise haben wir keinerlei Winter- oder Schneeerfahrung.
Naja, vor zwei Jahren waren wir immerhin mal in den Hochschwarzwald zum Langlauf, das steht in den nächsten Wochen wieder an und dann werden wir es einfach mit einer kleinen Tour in Lappland versuchen. Zum Start einfach mal ne Tagestour zur Hütte und zurück, etwas in der Art.
Man muss es wohl einfach nur machen, vorher hier viel lesen (danke für den tollen Bericht!), den Rest erfragen und dann seine Erfahrungen sammeln.
Aber wir haben schon den nötigen Respekt vor so einer Tour.
Gruß, Claudia

Sarekmaniac
25.01.2009, 19:12
30. März, 16. Tag
Singi–Kaitum (13 km)

http://img136.imageshack.us/img136/3235/p1040624ck4.jpg

http://img136.imageshack.us/img136/7961/p1040629ta3.jpg[/img-l]Als in in Singi aufbreche, schneit es. Da ich Zeit habe, wird es eine gemütliche Etappe: Nur bis Kaitum. Diese Hütte kenne ich noch nicht, und das ist doch jetzt eine gute Gelegenheit, die Wissenslücke zu schließen. Am Vorabend hatte ich überlegt, eine kleine Schleife via Liddujávrrit, Gavgulvággi zu drehen, aber da die Sicht sowieso nicht toll ist, bleibe ich auf dem markierten Hauptweg. Da es warm ist, könne ich mir auf halbem Wege eine ausführliche Siesta auf der Isomatte.

[img]http://img136.imageshack.us/img136/8541/p1040627ry5.jpg

http://img136.imageshack.us/img136/4586/p1040632ln2.jpg

Meine Hauptbeschäftigung an diesem Tag: Ich fotografiere den Birkenwald, der im diffusen Licht, das die Farben verschluckt, besonders stimmungsvoll ist. Und kurz bevor ich die Hütte erreiche, kommt sogar kurz die Sonne heraus, wer hätte das gedacht.

http://img136.imageshack.us/img136/1973/p1040637id3.jpg

http://img136.imageshack.us/img136/5514/p1040639xv5.jpg

http://img136.imageshack.us/img136/4026/p1040641zx7.jpg

http://img136.imageshack.us/img136/2879/p1040642mh0.jpg

http://img136.imageshack.us/img136/3540/p1040640rf6.jpg

http://img136.imageshack.us/img136/5926/p1040643bt4.jpg

http://img136.imageshack.us/img136/8863/p1040644wi6.jpg[/img-r]In Kaitum gibt es einen Laden, ich erstehe Ananas in der Dose, Lettöl, Chips und eine frische Möhre. Ich bin der einzige Gast, aus Teusa kommt an diesem Tag niemand, und die Finnen sind weiter Richtung Kebnekaise, Nikkaluokta, wie 90% aller Kungsledenwanderer - ich frage mich immer wieder, warum.

[img]http://img136.imageshack.us/img136/5038/p1040648cj8.jpg


31. März, 17. Tag
Kaitum–Teusajaure (9 km)

http://img230.imageshack.us/img230/2639/p1040657wg9.jpg

http://img230.imageshack.us/img230/2893/p1040659av1.jpg[/img-l][img-r]http://img230.imageshack.us/img230/5845/p1040680zd8.jpg[/img-r]
Als ich am nächsten Morgen aufwache, ist es richtig zugezogen, und es schneit heftig. Lange beobachte das Schneetreiben durch Fenster. Beim Aufbruch habe ich keine Eile: Es sind nur etwa drei Stunden Gehzeit bis Teusajaure. Um 11 Uhr mache ich auf den Weg.

Es schneit nicht nur, es ist auch richtig fies warm. Der Schnee sieht furchtbar aus. Von einem Extrem ins andere. Fast schon wünsche ich mir die Kälte zurück. Da ich ja reichlich Zeit habe, lege ich eine kleine Selbstlernphase ein. Ohne Felle bis Teusajaure, heißt die Aufgabe. Und so beginne ich mit Klister und Wachs zu experimentieren, erst stollt es furchtbar, doch irgendwann läuft es gut. Leider ist zu diesem Zeitpunkt die Schichtung und Mischung so komplex geworden, das das Ergebnis wohl nicht reproduzierbar ist. Der Erkenntniswert der Übung bleibt also eher gering.

[img]http://img230.imageshack.us/img230/385/p1040669ny7.jpg

http://img230.imageshack.us/img230/1149/p1040683ht5.jpg

http://img230.imageshack.us/img230/5923/p1040684xd8.jpg

http://img230.imageshack.us/img230/7153/p1040688bx2.jpg[/img-l] Das Warnschild "Steile Abfahrt" ist nicht ohne Grund aufgestellt. Die Abfahrt durch den dichten Birkenwald ins Teusadalen, Schwedens mächtigstes Fjälltal, ist eine Herausforderung. Ich gehe zu Fuß, die Pulka, an Reepschnüren gesteuert vorweg.

[img]http://img230.imageshack.us/img230/7720/p1040695xv5.jpg

http://img230.imageshack.us/img230/9279/p1040701jm0.jpg[/img-r] Ich habe schon von Kjell gehört, das Marianne wieder Hüttenwirtin in Teusajaure ist, und freue mich sehr auf das Wiedersehen. Letztes Jahr hat sie sich bitterlich beklagt: Sie war siebzig geworden und hatte nach den STF-Statuten die Altersgrenze erreicht. Aber nun sind die Statuten wohl geändert, bzw. um eine "Lex Marianne" erweitert worden.

Marianne weiß schon von Håkan und Annika, dass ich im Anmarsch bin. Sie hilft mir, die Pulka in die Hütte zu tragen und schimpft erstmal los: Die letzten Gäste haben zwar fleißig Holz gesägt, aber nichts gespalten, alles nur dicke Scheite. Und so macht sie sich daran, für mich den Ofen anzuheizen. Ich weiß, was jetzt kommt, und gehe sicherheitshalber noch mal vor die Tür. Also: Man stopft den Ofen bis Oberkante Unterlippe mit dicken Scheiten voll und tränkt das ganze dann mit einem halben Liter Lysfotogen (Petroleum). Dann hält man ein Streichholz dran. Funktioniert zuverlässig. Marianne nennt es die "Stockholmer Methode":

[img]http://img230.imageshack.us/img230/1225/p1040699hk6.jpg

Als Rauch aus dem Schornstein kommt, gehe ich wieder rein und sortiere meine Sachen. Dann gehe ich hinüber zu Marianne ins Stugvärdshäuschen zum Kaffeetrinken. Es gibt Zitronenkuchen aus dem E-Herd (erstaunlich, was so ein bißchen Photovoltaik auf dem Dach bringt). Ausserdem kann ich mich für all die Gastfreundschaft revanchieren und Marianne helfen, denn sie hat ein Problem mit dem Tauwetter. All das unter der Hütte gelagerte, in Gällivare vorgekochte und tiefgefrorene Essen hat zu tauen begonnen. Keine Frage, dass ich mich opfere. Und so übernehme ich eine Doppelportion Rentiergulasch mit Bratkartoffeln zur ordnungsgemäßen Entsorgung.

Doch vorher geht es in die Sauna, darauf freue ich mich schon seit Tagen. Zwei Gänge zum Anweichen und Entfernen der Patina der letzten zweieinhalb Wochen, und danach nochmal zwei Gänge, nur zum Vergnügen. Dazwischen, als Vorspeise sozusagen, ein schwedisches "Sauna-Paket": Lettöl und Chips. Und dann gibt's Abendessen:

http://img230.imageshack.us/img230/180/p1040705vk2.jpg

1. April, 18. Tag
Teusajaure–Vakkotavare (17 km)

http://img223.imageshack.us/img223/3234/p1040706up9.jpg
http://img223.imageshack.us/img223/5259/p1040716oy1.jpg[/img-r]Fast ist die Tour schon vorbei, ich kann es kaum glauben. Heute muss ich mich etwas sputen, denn ich möchte den Nachmittagsbus nach Gällivare erwischen. Ich könnte auch einen Tag später fahren, aber lieber als in Vakkotavare übernachte ich Gällivare, dann kann ich morgen noch Einkaufen gehen.

Gerade als ich aufbrechen will, kommt über den Teusajaure ein Pärchen mit Pulkas an: Joakim und Ylva-Li auf Langtour von Grövelsjön nach Kilpsjärvi (http://www.freehorizon.se/). Nach einer Pause bei den Hütten machen sich die beiden zu Fuß an den heftigen Anstieg. Ich bin echt froh, das ich aus der anderen Richtung gekommen bin.

Jetzt habe ich mich ein bißchen verquatscht, und muss wirklich sehen, dass ich loskomme. Es sind immerhin 17 km bis Vakkotavare, und bis zur Passhöhe sind 440 Höhenmeter Aufstieg zu bewältigen.

[img]http://img223.imageshack.us/img223/9601/p1040722sn3.jpg

Marianne zieht mit der Pulka los zum Eisfischen, und ich laufe im Turboschritt über den Teusajaure.

http://img223.imageshack.us/img223/9010/p1040725pi9.jpg

Mitten auf dem See beginnt der Stora Sjöfallet Nationalpark; solche Schilder sieht man gerne:D:

http://img223.imageshack.us/img223/8785/p1040727wk3.jpg[/img-l]
[img-r]http://img223.imageshack.us/img223/1710/p1040729mo3.jpg[/img-r]

Auch die Wintermarkierungen im Nationalpark sind dezent: Birkenstecken im norwegischen Stil.

[img]http://img223.imageshack.us/img223/7854/p1040747tp8.jpg

Der Winterweg entspricht weitestgehend dem Sommerweg. Auf etwa 700 m erreiche ich die Baumgrenze. Auch aus der Ferne ist das tief eingeschnittene Teusadalen, aus dem ich hinausgestiegen bin, ein beeindruckendender Anblick:

http://img223.imageshack.us/img223/3054/p1040736ty2.jpg

http://img223.imageshack.us/img223/1379/p1040750ib8.jpg[/img-l]Oben auf der Hochebene genieße ich die tief verschneite Weite im verschleierten Sonnenlicht. Ein herrlicher Abschluss einer wunderschönen Tour. Oben auf dem Pass mache ich eine kurze Pause, mit Fernblick auf die Bergketten von Stora Sjöfallet und Sarek. Dabei entdecke ich auch den Slugga, an dem vor 18 Tagen meine Tour begann.

[img]http://img223.imageshack.us/img223/3518/p1040760go7.jpg


http://img223.imageshack.us/img223/623/p1040732yx7.jpg[/img-l]Wie schon im Teusadalen erledige ich den Weg hinunter zur Straße lieber zu Fuß, Bis auf einige Scharmützel der Pulka mit dem Birkenwald verläuft der Abstieg ohne Probleme. Unten bleibt mir noch eine Dreiviertelstunde, bis der Bus kommt, gerade genug Zeit, um einen heißen Tee zu kochen und Ski und Stöcke reisefertig zu verpacken.

Im Bus treffe ich eine belgische Gruppe. Nicolas ist auf Langtour und hat für zehn Tage Besuch von seinen Freunden gehabt. Zusammen haben sie den Sarek durchquert. Nicolas bringt sie zum Zug und will dann von Ritsem aus weiter nach Abisko, Kilpisjärvi und gen Nordkapp ziehen. Die Belgier haben Zimmer in der eigentlich geschlossenen, ehemaligen Jugendherberge gebucht. Ich lasse mir die Handynummer der Besitzerin geben und organisiere mir auch ein günstiges Zimmer. Perfekt. So muss ich weder zelten noch dem ätzenden Hotel am Bahnhof mein Geld in den Rachen schmeißen.

Nach fast drei Wochen in den Bergen wirkt Gällivare fast mondän. Das Beste: Es gibt Supermärkte, die bis acht Uhr auf haben. Und so kaufe ich reichlich frische Lebensmittel und lasse es mir dann in der Jugendherberge schmecken.


2. April, Abreise

Der "Weltstadteffekt" verpufft rasch, wie stets. Der Tag in Gällivare wird mir fast ein bißchen lang. Vormittags unterhalte ich mich, wie schon letzten Abend, mit Nicolas. Es ist einfach spannend, andere Langtourgeher zu treffen. Dann mache ich, während im Zimmer das Zelt für die Rückfahrt trocknet, nochmal Einkäufe, diesmal für Zuhause: Die von Göttergatte heiß geliebten Bostongurker, Tubenkaviar, Punschroller, ein Sixpack Norrlands Guld, Polarbröd und so weiter. Dann im Intersport noch etwas Skiwachs, um den Vorrat aufzufüllen. Die Pulka ist fast schwerer als bei der Anreise, als ich mich nachmittags zum Bahnhof aufmache. Bald sitze ich im Zug nach Boden, und zwei Stunden später im Nachtzug nach Stockholm. Und wie jedesmal kommt mir die Heimfahrt viel länger als die Hinfahrt vor. Und noch etwas ist wie in jedem Jahr: Ich sitze keine drei Stunden im Zug, als ich die Karten hervorhole, weil ich darüber nachdenke, was wohl der interessantere Weg von Teusajaure nach Ritsem ist. Durchs Teusadalen, oder [I]haute route, über die Südflanke des Kallaktjåkkå? Oder vielleicht gegen den Uhrzeigersinn? Nach der Tour ist vor der Tour.

across
25.01.2009, 20:13
ahhh....ohhhh....wuuuunderbar!
Vielen Dank für die schönen Minuten zum träumen!
:lol:

...die Abfahrt nach Teusajaure hat's in sich - "brant utförslöpa"... Ich bin zum Glück noch nie da runtergefahren.... raufgeschwitzt dafür schon ein paar Mal. Und ja, mein Avatar ist natürlich am selben Ort aufgenommen, selbes Jahr übrigens. Nur das Wetter war nicht so toll wie bei Deiner Tour...

shorst
26.01.2009, 11:41
Hej hej, sag mal welches Hotel meinst du denn in Gällivare was nicht so toll ist, etwas dieses http://www.hotelldundret.se/ ?
Wir müssen eine Nacht in Gällivare bleiben und da stellt sich gerade die Frage ob ne Stuga aufm Zeltplatz am Fluß oder dieses Hotel? horst

Sarekmaniac
26.01.2009, 13:50
Hej hej, sag mal welches Hotel meinst du denn in Gällivare was nicht so toll ist, etwas dieses http://www.hotelldundret.se/ ?
Wir müssen eine Nacht in Gällivare bleiben und da stellt sich gerade die Frage ob ne Stuga aufm Zeltplatz am Fluß oder dieses Hotel? horst

Also das Hotel Dundret meine ich nicht, sondern das Riesenteil direkt am Bahnhof.

Und das mit dem "ätzenden Hotel" korrigiere ich dann auch gleich: Also, eigentlich meine ich:

Das Hotel am Bahnhof, das bestimmt 100 Euro die Nacht kostet, wie viele Hotels, was ich generell ätzend finde, weil ich mein Geld nur einmal ausgeben kann, und dann lieber für was anderes.;-)

Der Zeltplatz am Fluss ist sehr nett. Müsste auch offen sein, wegen der Skootertouristen. Sicher bin ich aber nicht.

shorst
26.01.2009, 16:00
Der Zeltplatz hat offen, aber Hotel Dundret hat ne Sauna :bg:

Jaerven
26.01.2009, 16:11
Der Zeltplatz hat offen, aber Hotel Dundret hat ne Sauna
Ne Sauna hat der Zeltplatz auch....:bg:

Prachttaucher
27.01.2009, 17:48
:p Vielen Dank für diesen tollen Bericht.

Als "nur-Sommerzelter" dumm gefragt : Kann mir nur schwer vorstellen, wie man bei diesen tiefen Temperaturen zelten kann - gibt´s hier nicht irgendwo Grenztemperaturen, wo man´s einfach nicht mehr schafft sich ausreichend warm zu halten ? Hättest Du noch Reserven gehabt für mehr Minusgrade ? So etwas wie Feuer anmachen wird ja nicht gehen, mangels Holz.

Gruß Florian

Sarekmaniac
27.01.2009, 21:53
:p Vielen Dank für diesen tollen Bericht.
Als "nur-Sommerzelter" dumm gefragt : Kann mir nur schwer vorstellen, wie man bei diesen tiefen Temperaturen zelten kann - gibt´s hier nicht irgendwo Grenztemperaturen, wo man´s einfach nicht mehr schafft sich ausreichend warm zu halten ? Hättest Du noch Reserven gehabt für mehr Minusgrade?

Eine Grenztemperatur gibt es bestimmt. Und mit der Ausrüstung, die ich mit hatte (ziemlich wenig Kleidung), habe ich auf dieser Tour meine "persönliche Grenztemperatur" erreicht. Groß Reserven hatte ich definitiv nicht mehr. Damit will ich nicht sagen, dass ich bei fünf Grad weniger erfroren wäre. Aber es wäre mit Sicherheit sehr unschön geworden. Ich habe tatsächlich nicht gefroren, d.h. mich nie unterkühlt gefühlt, aber es war einfach körperlich anstrengend. Der Körper arbeitet irgendwie die ganze Zeit auf Hochtouren, auch nachts.

Ein Überschlafsack wäre wirklich was Feines gewesen:bg:

Aber das Zelten besteht ja nicht nur daraus, sich in einen ausreichend dicken Schlafsack zu legen. Alles wird aufwändiger bei Kälte: Zeltaufbau, Zeltabbau, Umziehen, die feuchten Socken am Körper trocknen. Den eiskalten Kocher aus Metall handhaben. Dann Kochen, dauert im Winter eh länger, und wenn es so kalt ist, dauert jeder Liter Wasser noch mal 10 Minuten länger. Ab minus 28, 30 Grad fängt Petroleum an zu gefrieren. Das ist mir schon passiert. Drei Liter "Petroleumeis" in den Brennstofflaschen:bg:. Das darf man dann alles im Schlafsack auftauen. Diesmal hatte ich das Problem nicht, da ich Benzin mithatte. Die üblichen Rituale bei "normalen Minusgraden": Tagebuch schreiben, lesen, eine Runde ums Zelt spazieren, um Bilder zu machen oder Polarlichter anzuschauen - alles fällt aus. Man kocht, isst, trinkt, und legt sich in den Schlafsack.

Was man zum Thema Kälte noch sagen muss: Der Wind spielt eine sehr große Rolle. Ich hatte auf dieser Tour praktisch völlige Windstille, außerdem tagsüber Sonne, die so spät im März schon ordentlich wärmt, das hat das Ganze, vor allem tagsüber, gut erträglich gemacht.

Das schlimmste Wetter bei einer Wintertour, an das ich mich erinnern kann, war gar nicht so kalt: etwa -16, -17 Grad, aber dazu 14-17 Sekundenmeter Wind (etwa Windstärke 5-6). Das ganze unablässig drei Tage lang und zwei Nächte im Zelt. Immer über der Baumgrenze und keine Hütte weit und breit. Ich habe mir dabei leichte Erfrierungen im Gesicht und eine Bindehautreizung zugezogen.



So etwas wie Feuer anmachen wird ja nicht gehen, mangels Holz.
Richtig. Die meiste Wärme bei einem offenen Feuer verpufft eh nach oben. Um sich nahe genug ans Feuer legen zu können, bräuchte man außerdem andere weniger "feuergefährliche" Kleidung - Loden, Baumwolle, zumindest einen Baumwollüberzug für den Schlafsack. Feuermachen ist außerdem viel Arbeit, d.h. es kostet Kraft, selbst im Wald, wenn Holz herumliegt. Man bräuchte ein Beil. Mit einer leichten Tourenausrüstung, wie man sie auf Backcountry-Touren dabei hat, ist es am ökonomischsten, sich ins Zelt (=Windschutz) zurückzuziehen, sich in den Schlafsack zu legen und sich von innen zu wärmen: Also viel und heiß essen und trinken. Kurzzeitig könnte man den Benzinkocher als "Ofen" missbrauchen. Dass habe ich schon gemacht (aber eher bei Tauwetter, um das Innenzelt trocken zu kriegen). Aber ein Benzinkocher im Zelt ist keine Dauerlösung bei anhaltender Kälte. Nachts könnte man den sowieso nicht brennen lassen. Viel zu gefährlich. Wenn man ein Zelt beheizen will, muss es ein Lavvu mit Kanonenofen sein. Also nichts für meine 1,20 m lange Pulka.

Jaerven
29.01.2009, 21:19
Richtig. Die meiste Wärme bei einem offenen Feuer verpufft eh nach oben. Um sich nahe genug ans Feuer legen zu können, bräuchte man außerdem andere weniger "feuergefährliche" Kleidung - Loden, Baumwolle, zumindest einen Baumwollüberzug für den Schlafsack

Ich hab letztes Jahr schön im Schneesturm auf einem Rentierfell am Feuer gesessen und lecker Malt getrunken.
Das geht alles wenn man weiss wie :grins:
Der welcher das Feuerchen in einem Schneeloch da angezündet hatte war allerdings Kanadier. Und sass mitten in Lappland im Schneesturm plötzlich am Wegesrand. Seltsame Begegnung, aber lustig.


Ab minus 28, 30 Grad fängt Petroleum an zu gefrieren. Das ist mir schon passiert. Drei Liter "Petroleumeis" in den Brennstofflaschen

Dann hattest Du kein "richtiges" Petroleum mit.
Ich hab auch mal tauschen müssen, es gibt da Unterschiede.
Das schlechteste wird schon bei -18 Grad zu einerArt Wachs, das beste ist auch bei -42 Grad noch flüssig.

Blueface
29.01.2009, 21:34
Ein toller Bericht. Und sehr eindrucksvolle Fotos aus der Kälte - musste gleich mal die Heizung höher drehen :)

Vielen Dank!

Sarekmaniac
29.01.2009, 23:02
Dann hattest Du kein "richtiges" Petroleum mit.
Ich hab auch mal tauschen müssen, es gibt da Unterschiede.
Das schlechteste wird schon bei -18 Grad zu einer Art Wachs, das beste ist auch bei -42 Grad noch flüssig.

Das war irgendein Lampolje. Aus einem Dorfladen in Elga am Femundsee. Überlagert, vermute ich, oder miese Qualität. Wahrscheinlich beides.

Als es kalt wurde, hat es erst so Schlieren gezogen, dann war es eine Art Sulz, der immer fester wurde (aber nicht steinhart wie Eis). Morgens ging es, weil ich ja eine Flasche mit in den Schlafsack nehmen konnte. Abends war schwieriger, weil die Flaschen in der Pulka rumlagen.

Die interessanteste Erfahrung dabei: In der ersten kalten Nacht mit dem Fuselzeugs ist mir der volle Brennstofftank des Hiker komplett durchgefroren. Ich wusste nicht so recht was tun, und habe einfach mal vorgeheizt, wie immer (mit reichlich Spiritus). Was soll ich sagen: Der Brenner ist tadellos angesprungen. Der ist einfach schwerer und massiver wie MSR & Co. Wenn der einmal richtig heiß ist, frisst er wirklich alles.

@Järven: Wie war's eigentlich? schreib' mal ein paar Zeilen unter "Bin wieder da". oder hast Du schon?

Jaerven
30.01.2009, 10:52
Das war irgendein Lampolje. Aus einem Dorfladen in Elga am Femundsee.
Das ist der Punkt-
Lampenöl ist kein Petroleum, sondern Paraffin. Und das wird zu einer Art Wachs ab etwa -18 Grad.
Normales Petroleum geht bis ca -45 Grad, gutes Lysfotogen bis -60.
Emplehlenswert ist das Lysfotogen von Statoil, "Statoil Blå".
Da sollte sowas nicht passieren.

OT:@Järven: Wie war's eigentlich? schreib' mal ein paar Zeilen unter "Bin wieder da". oder hast Du schon?
Nein, ich hab meine erste Tour abgebrochen ;-)

Sarekmaniac
30.01.2009, 11:09
Emplehlenswert ist das Lysfotogen von Statoil, "Statoil Blå".


Wenn ich die Wahl habe, kaufe ich das auch immer. Nur manchmal kann man es sich nicht aussuchen. Wie gesagt: der Hiker hat das Paraffindingsbums klein gekriegt.

OT:@Järven: Wie war's eigentlich? schreib' mal ein paar Zeilen unter "Bin wieder da". oder hast Du schon?
Nein, ich hab meine erste Tour abgebrochen ;-)
Oj, das ist aber schade:(. Aber der Winter ist ja noch lang;-)
[/OT]

Fjaellraev
28.02.2009, 20:30
Gestern kam endlich das Turist mit dem Bericht von Håkan und Annika :p Sie schreiben ja auch etwas von der Begegnung mit dir (Und lauter anderen Ausländern - keine Schweden...).
Die Geschichte mit den Hunden in Hukejaure hast du in deinem Bericht aber unterschlagen ;-) oder haben sie die etwas erfunden :ignore:

Gruss
Henning

Sarekmaniac
14.03.2009, 22:17
Gestern kam endlich das Turist mit dem Bericht von Håkan und Annika :p Sie schreiben ja auch etwas von der Begegnung mit dir (Und lauter anderen Ausländern - keine Schweden...).
Die Geschichte mit den Hunden in Hukejaure hast du in deinem Bericht aber unterschlagen ;-) oder haben sie die etwas erfunden :ignore:
Gruss
Henning


Nee, das stimmt schon mit dem Hund. Hukejaure werde ich auf ewig mit gelbem Schnee in Verbindung bringen. Das war schon eklig, der durfte überall herumlaufen und hat alles, wirklich alles markiert. Überall gelbe Hundepiss-Flecken im Schnee. Und dann meine Pulka. Ich habe mich ein bißchen mit Asser dem Hüttenwirt (=Hundebesitzer) behakelt. Genützt hat es nichts. Habe die Pulka hinterher oben auf einen großen Haufen geräumten Schnee geschoben.
Und Håkan und Annika: Also wir haben uns über Einiges unterhalten und sind zwei Tage zusammen rumgezogen, dass die ausgerechnet diese Geschichte berichtenswert finden... Jounalisten. :roll:

ZachX
05.08.2011, 09:44
Danke für diesen tollen Reisebericht.

Versuche mir als Anfänger auch immer gleich ein paar Tipps heraus zu lesen.

berlinbyebye
09.09.2012, 22:48
Ich habe das hier schon mindestens fünfmal gelesen.
Ich finde das immer wieder nur:

unglaublich! :o

Rhodan76
16.11.2014, 01:28
Immer wieder schade wenn die Fotos weg sind. Vielleicht lässt sich da ja noch mal was machen?

Sarekmaniac
29.11.2014, 11:15
Jupp.

Steht irgendwo auch mal auf meiner To-do-Liste.

Ich war halt blöd damals und habe Imageshack genutzt...:roll:

Rhodan76
29.11.2014, 11:42
Ja, dieses Imageshack gehört eigentlich verboten im Forum :roll:

Fjaellraev
30.11.2014, 18:48
Ja, dieses Imageshack gehört eigentlich verboten im Forum :roll:
Und was wäre damals besser gewesen? Die meisten kostenlosen Bilderhoster der Vergangenheit haben mittlerweile den Dienst eingestellt oder zumindest die Verzeichnisstruktur geändert, bei ImageShack sind zumindest einige Bilder immer noch da. Die Forumsgalerie war lange auch keine brauchbare Möglichkeit. Von daher muss man halt damit leben dass manche Bilder verschwinden. Und irgendwie darf das doch bei einem vergänglichen Medium wie dem Internet auch so sein. - Schade ist es aber trotzdem oft. ;-)

blauloke
30.11.2014, 19:25
Bei meinen beiden ersten Reiseberichten habe ich auch Imageshake verwendet. Momentan bin ich dabei die Fotos über unsere Galerie neu ein zu binden.