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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [GR] Zagoria im Oktober 2008



Michael1983
06.11.2008, 13:39
Land: Griechenland
Reisezeit: 11. bis 19. Oktober 2008
Region/Kontinent: Südeuropa


Kalimera!
Vom 11. bis 19. Oktober 2008 haben wir – zwei Jungens aus dem Selfkant – eine Trekkingtour durch das Pindosgebirge im Nordwesten Griechenlands unternommen. Mit dem Flieger ging es zunächst von Köln nach Thessaloniki. Dort angekommen, folgten dann fünf Stunden Busfahrt, ehe wir im tiefsten Griechenland angekommen waren. Hier wollen wir nun mal einen kurzen Reiserückblick von einem ganz tollen Trip durch die griechische Bergwelt präsentieren. Bevor es jedoch losgeht, möchten wir uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei den Jungs von Pingutours bedanken, die uns durch ihren Beitrag in diesem Forum sowie den Infos auf ihrer Homepage erst auf diese geniale Tour aufmerksam gemacht haben. Jetzt aber genug der Einleitung….

Samstag, 11. Oktober 2008 (Endlich Urlaub!)
3.55 Uhr, der Wecker klingelt……..raus aus den Federn und rein in die Wanderklamotten. Schnell noch ein paar Kleinigkeiten zusammengekramt, die gepackten Rucksäcke ins Auto geladen und los ging’s Richtung Flughafen Köln / Bonn. Nach Monaten des Planens war er endlich da, der lang ersehnte Trekkingurlaub durch die Zagoria, einer wunderschönen Bergregion in Nordwestgriechenland nahe der albanischen Grenze.
Um 5.25 Uhr hatten wir die Kölsche Domstadt erreicht und machten uns auf die Suche nach einem Parkplatz. Das günstige Parkhaus für Langzeitparker hatte noch ganze 50 Plätze zu vergeben und so rollten wir guter Dinge dort hinein. Nachdem wir in den ersten Etagen die endlosen Reihen erfolglos abgesucht hatten, merkte ich doch einen leicht ansteigenden Puls. Mittlerweile war es 5.40 Uhr. Unser Flieger ging um 6.35 Uhr, Check in war bis 6.05 Uhr möglich. Nun gut, weiter ging die Suche. Als wir schließlich um 5.50 Uhr noch immer nichts gefunden hatten, beschlossen wir kurzerhand, doch das Nebenparkhaus aufzusuchen. Das bedeutete zwar mehr Gebühren, aber war immer noch besser als den Flieger zu verpassen. Vom Parkhaus hatten wir dann noch zehn Minuten Fußweg zum Schalter, wo sich uns eine kleine Schlange von acht Personen offenbarte. Das wäre auch nicht weiter schlimm gewesen, hätten nicht vier Holländer am Anfang der Schlange durch ihre Diskussionen mit dem Personal den kompletten Verkehr lahm gelegt. Letztlich wurden wir unsere Rucksäcke dann aber doch noch rechtzeitig quitt und konnten so etwas beruhigter den Sicherheitscheck ansteuern. Mein Puls wollte sich gerade wieder auf Normalfrequenz einstellen, als wir vor der Sicherheitsschleuse eine Menschenmasse von gut fünfzig Leuten erblickten. Es war 6.10 Uhr. Nun gut, was blieb uns anderes übrig?! Einfach anstellen und hoffen, dass wir schnell durchkommen. Jeder macht ja so schnell er kann, wird schon gut gehen. Solche Gedanken hegt der normale Flughafensicherheitsbedienstete scheinbar nicht. Jedenfalls liefen diese Herrschaften zumindest an diesem Morgen Gefahr, bei den Personenkontrollen in einen Tiefschlaf zu verfallen. So langsam ging das alles vor sich und die Zeit lief und lief und lief uns davon. Gegen 6.20 Uhr war es dann soweit: eine sympathische Stimme meldetet sich über Lautsprecher und bat einige Passagiere für den Flieger nach Thessaloniki, u.a. auch uns, sich doch bitte schleunigst zum Gate 50 zu begeben. Tja, somit hatten wir eigentlich keine Wahl mehr und mussten die etwa 15 Personen vor uns in der Schlange sowie den Menschen an der Kontrolle durch freundliche, zugleich aber auch deutliche Worte davon überzeugen, dass sie uns doch bitte vorbeilassen sollten. Dies klappte relativ gut und so erreichten wir nach einem letzten 50m – Sprint kurz vor 6.30 Uhr doch noch unser Gate. Und wir waren nicht einmal die Letzten! Wenige Minuten waren wir dann auch schon in der Luft und machten uns auf etwa 2 ½ Stunden Flugzeit gefasst. Um 10.02 Uhr (OEZ) landeten wir auf dem „Makedonia Airport“ in Thessaloniki. Das Gepäck ließ nicht lange auf sich warten und so standen wir schnell an der Bushaltestelle und warteten auf die Buslinie 78, die uns kurz darauf zum K.T.E.L. – Busbahnhof in die Stadt fuhr. Die Fahrt zu diesem Busbahnhof, von dem etliche Langstreckenbusse in alle möglichen Regionen Griechenlands fahren, dauerte etwa 45 Minuten. Am Busbahnhof besorgten wir uns dann Tickets nach Ioannina (Abfahrt 13.30 Uhr), einer Großstadt in der Region Epirus ganz im Nordwesten Griechenlands. Der gut klimatisierte Bus brachte uns dann in ca. 4 ½ Stunden nach Ioannina, wo wir uns nahe des dortigen Bushofes in einem kleinen Hotel einquartierten. Abends sind wir dann noch in die Stadt gegangen und erkundigten uns, wie spät der Bus nach Klidhoniá am nächsten Tag fährt, für uns der letzte Bus vor dem Einstieg in unsere Tour. Nach einer kleinen Runde durch den belebten Stadtkern von Ioannina, lagen wir dann schon zeitig in der Koje.

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Ioannina und der Bergsee

Sonntag, 12.10.2008 (Die Tour geht los!)
Bevor unser Wecker uns um 8 Uhr aus dem Bett klingeln konnte, waren wir schon längst auf den Beinen. Die Sonnenstrahlen, aber wohl auch vielmehr die Vorfreude auf die bevorstehende Tour, hatten uns schon eher aus dem Bett befördert. Da der Bus nach Klidhoniá erst um 11.45 Uhr abfuhr, hatten wir noch etwas Zeit, um Ioannina („Ioanna“ gesprochen) zu besichtigen. Die Hauptstadt der Region Epirus liegt mitten im Pindosgebirge, eine Attraktion ist der zur Stadt gehörige Bergsee mit seiner Klosterinsel sowie eine alte Osmanische Festungsanlage am Ufer des Sees. Die Altstadt besteht aus vielen kleinen und engen Gassen sowie alten Gebäuden aus osmanischer Zeit. An diesem Morgen besichtigten wir eine alte Moschee innerhalb der Mauern der alten Festungsanlage und vertrieben uns die Zeit am sonnigen Seeufer. Wir kauften schließlich noch etwas Brot und Wasser für die ersten Wandertage ein und saßen dann schon zeitig um 11.15 Uhr am Bushof. Nach 45 Minuten Busfahrt hatten wir Klidhoniá erreicht. Direkt an der Bushaltestelle in Klidhoniá befindet sich eine EKO – Tankstelle, wo wir zunächst unsere Brennstoffflaschen auffüllten. Nach ein, zwei erfolglosen Gesprächsversuchen hatten wir dem ca. 82jährigen Tankwart mittels Zeichensprache unser Anliegen erklärt, worauf dieser unsere Flaschen füllte. Danach konnte es losgehen. Schräg gegenüber der Tankstelle bogen wir zunächst in eine Nebenstraße ein und machten uns mittels Karte und Kompass auf die Suche nach dem Pfad Richtung Pápigo. Unserem Wanderführer und auch anderen Reiseberichten war zu entnehmen, dass der Einstieg schwer zu finden sei, was wir auch bestätigen können. Aber, was wäre eine Wandertour ohne die Einwirkung des Zufalls? Während wir in dieser Nebenstraße im tiefsten Griechenland auf unsere Karte starten, ertönte hinter uns plötzlich eine Deutsche Stimme, die uns fragte, ob wir aus Deutschland kämen. Als wir uns umdrehten, konnten wir diese Stimme einem älteren Griechen zuordnen, der wohl gerade seinen Pkw in unserer Nähe geparkt hatte. Der gute Mann hatte wohl die großen Fragezeichen in unseren Gesichtern gesehen und aus unserer Unterhaltung heraus erfahren, dass wir aus Deutschland kommen. In diesem Moment fiel mir auch das Offenbacher Kennzeichen an seinem Pkw auf. Jedenfalls erklärten wir ihm, dass wir den Pfad nach Ano Klidhoniá suchten und so erklärte er uns den Weg. Zudem schilderte er uns auch, wie die Beschaffenheit des Weges aussah und wie viel Zeit man für die Strecke benötige. Wir bedankten uns daraufhin herzlichst bei ihm und machten uns auf den Weg. Von der Nebenstraße, auf die wir abgebogen waren, ging es noch etwa 400 – 500 m nach rechts in einen kleineren Weg hinein, an dessen Ende linksseitig ein Fußweg den Hang hinaufführte. Und so ging es bei strahlendem Sonnenschein und etwa 25 ° die ersten Meter bergan Richtung Ano Klidhoniá. Der erste Streckenteil war sehr gut beschaffen und verlief überwiegend auf Waldwegen mit wenig Geröll und teilweise Grasflächen. Nach etwa zwei Stunden hatten wir dann die Kapelle von Ano Klidhoniá erreicht, von der wir eine tolle Aussicht hinunter nach Klidhonia und das umliegende Tal hatten.

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Die Kapelle von Ano Klidhoniá

Ich glaube, es ist nicht übertrieben, wenn man Ano Klidhoniá mit einem Geisterdorf vergleicht. Wir sahen viele verlassene, teils baufällige oder eingestürzte Häuser. Wenige Häuser machten einen bewohnbaren Eindruck. Unser Weg führte uns dann am schönen Gasthaus „Zagoria“ vorbei, wo wir beschlossen, auf eine kleine Erfrischung einzukehren. Der Sohn des Hauses war sehr freundlich und so entstand ein nettes Gespräch (auf Englisch). Wir erzählten ihm von unserer geplanten Tour und er gab uns noch einige Tipps und Infos für die nächsten Etappen mit auf den Weg. Er erzählte uns auch, dass in Ano Klidhoniá wohl gerade mal sieben Menschen lebten.

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Blick auf das Astraka - Massiv aus östlicher Richtung

Nach unserem Kurzaufenthalt ging es dann weiter nach Pápigo. Es ging immer wieder rauf und runter durch viel bewaldetes Gebiet und den ein oder anderen Geröllhang. Am Wegesrand entdeckten wir sehr viele Patronenhülsen von Schrotmunition, so dass wir uns nicht wunderten, als uns zwei Griechen mit einem Pickup entgegenkamen, auf dessen Motorhaube ein augenscheinlich frisch geschossenes Wildschwein lag. Generell kann man sagen, dass wir an all den Tagen immer wieder Jägern begegnet sind und auch viele Schüsse in der Umgebung vernommen haben. Ob das Jagen in diesem Ausmaß innerhalb des Nationalparks erlaubt ist, bezweifele ich aber. Unser Aufenthalt in Ano Klidhoniá war ca. zwei Stunden her, da passierten wir die ersten Häuser von Pápigo, einem schönen Bergdorf mit vielen kleinen und engen Gassen mit Kopfsteinpflaster. Wir passierten einige Baustellen, überall wurden die Wege neu gepflastert. Auf direktem Wege ging es durch den Ort weiter Richtung Mikro Pápigo, was wir daher auch schnell erreichten. In Mikro Pápigo warteten am zentralen Parkplatz, an dem unser Weg vorbeiführte, fünf Griechen, die uns, schon von weitem wild gestikulierend, zunächst auf Griechisch ansprachen. Als sie merkten, dass wir sie nicht verstanden, erklärten sie uns schließlich auf Englisch ihr Anliegen. Letztlich wollten sie uns nur den Weg und die Laufzeit zur Astraka Berghütte erklären, welche auf der Passhöhe oberhalb von Mikro Pápigo liegt. Wir dankten abermals im freundlichsten Englisch und suchten uns unseren Weg durch den Ort. Am Ortsende fanden wir schließlich ein Schild, welches drei Stunden für den Anstieg zur Berghütte verkündete. Bis zur Berghütte wollten wir sowieso nicht mehr laufen, sondern uns stattdessen ein Plätzchen für unser Zelt hinter Mikro Pápigo suchen. Das fanden wir schließlich auch nahe einer Quelle und so hatten wir um 19.15 Uhr die erste Etappe hinter uns gebracht.

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Sonnenuntergang am Astraka - Aufstiegsweg

Schnell bauten wir in der Dämmerung noch unser Zelt auf und schmissen den Kocher an. Als unsere Nudeln fertig waren, war es bereits zappenduster. Um 20.15 Uhr lagen wir schließlich schon im Schlafsack und freuten uns auf unsere erste Nacht in freier Wildbahn. Die Nacht in unseren Sommerschlafsäcken war jedoch sehr frisch, so dass wir uns glücklich schätzten, auch Thermounterwäsche mit dabei gehabt zu haben. Während der Nacht hörte man immer wieder Hundegebell in der Ferne, ansonsten war es sehr ruhig.

Montag, 13.10.2008 (2. Wandertag)
Kalt war es am nächsten Morgen, als wir aus unserem Zelt gekrochen kamen. Das Tal lag noch komplett im Schatten des Astraka – Gipfels und so dauerte es einige Zeit, bis wir wieder auf Betriebstemperatur kamen. Nach einem guten Müsli – Frühstück ging es dann aber wieder und so bauten wir unser Zelt schnell wieder ab. An der Quelle konnten wir die morgendliche Körperpflege erledigen und unser Kochgeschirr spülen, so dass wir um 8.50 Uhr wieder „on the road“ waren. Der morgendliche Anstieg hinauf zur Astraka – Berghütte war mit seinen ca. 900 Höhenmetern wohl die erste richtige Anstrengung des Urlaubs. Daher konnten wir uns letztlich doch glücklich schätzen, dies im Schatten der Berge tun zu können, in der Sonne wäre es wohl noch etwas wärmer geworden. Der Pfad nach oben war sehr gut markiert (roter Diamant oder Hüttenumriss) und schlängelte sich über unzählige Serpentinen, bespickt mit wenig Steinen, Geröll und Wurzelwerk, den Hang hinauf. Wir passierten auch noch zwei weitere Quellen.

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Langsam blickte die Sonne über den Astraka

Etwa auf der Hälfte des Anstieges kam uns ein älterer Grieche entgegen, der uns freundlich grüßte und auf Englisch erklärte, dass die Berghütte an diesem Tage geschlossen sei. Das war aber nicht weiter schlimm, da wir eh nicht vorhatten, dort einzukehren. Einige Höhenmeter weiter kam uns ein weiterer Grieche mit drei vollbepackten Mulis von der Hütte entgegen und grüßte freundlich. Bei so mancher Passage fragt man sich, wie so ein Tier den Berg dort hinunter kommt. Um 11.10 Uhr erreichten wir schließlich bei wärmendem Sonnenschein die Terrasse der Berghütte, wo uns drei kläffende Hunde begrüßten.

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Die Astraka - Berghütte

Die Chefin erklärte uns, dass sie an diesem Tag schließen würden, eine Erfrischung hatte man aber doch noch für uns da, so dass wir eine kleine Pause einlegen konnten und uns in die wohltuende Sonne auf die Terrasse setzten. Von dort hatten wir zur einen Seite eine tolle Aussicht zurück ins Tal und den von uns absolvierten Anstieg. Auf der anderen Seite konnten wir auch schon in das vor uns liegende Hochtal mit seinen Sumpfgebieten hinabschauen.

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Blick in das Hochtal nördlich der Astraka - Berghütte

Von der Hütte aus folgten wir schließlich roten Markierungen hinunter in das Hochtal. Unser nächstes Ziel war der Bergsee Dhrakólimni (Drachensee), welcher etwa 1 h 15 von der Hütte entfernt war. Der Anstieg zum See verlief über weite Grasflächen, wobei der Weg nur hin und wieder über kurze Geröllflächen verlief. Um 13.15 Uhr erreichten wir in der Mittagssonne schließlich den Dhrakólimni, welcher sehr idyllisch zwischen einigen Grashügeln lag.

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Der Bergsee Dhrakolimni (Drachensee) nördlich der Astraka - Berghütte

Nördlich des Sees stiegen wir einen kleinen Hang hinauf, oben angelangt erwartete uns eine atemberaubende Aussicht auf die Aöós – Schlucht im Norden sowie auf das Gamila – Massiv.

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Die tolle Aussicht am Dhrakolimni

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Ein Blick in die Aöós - Schlucht

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Die Ausläufer vom Mount Gamila

Nach einer wohltuenden Pause samt Fotoshooting ging es dann wieder zurück ins Hochtal, wo wir uns zunächst auf die Suche nach einer Quelle machten, um unsere Camelbaks nochmal aufzufüllen. Laut Karte sollten sich in diesem Hochtal etliche Quellen befinden, welche wir jedoch schon auf dem Hinweg vergeblich gesucht hatten. Schließlich fanden wir jedoch eine Quelle und tankten erstmal ordentlich Wasser nach.

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Der Blick zurück ins Hochtal

Über einen langen, steinigen Anstieg ging es aus diesem Tal dann wieder heraus. Der nächste Abschnitt bestand aus einem riesigen Weideland. Grasflächen soweit das Auge reicht, nur eingegrenzt vom Astrakamassiv im Westen und dem Gamilamassiv im Osten. Auch wenn wir unsere Markierung (gelber Punkt auf blauem Rechteck) nach einiger Zeit verloren hatten, schlugen wir doch die richtige Richtung ein und fanden so auch unser bestimmtes Ziel für diesen Tag, eine Quelle nahe des Rombózi – Reservoirs. In Sichtweite hatte sich auch ein Schäfer mit seiner Herde niedergelassen, was uns bis auf die kläffenden Hunde jedoch nicht großartig interessierte. Auf solche sollte man nämlich Acht geben und sich daher besser von jeglichen Herden fernhalten. Da die Hunde uns jedoch in Ruhe ließen und weiterhin in der Ferne weilten, konnten wir unbesorgt unser Lager aufschlagen.

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Unser Zeltplatz nahe des Rombózi - Reservoirs (gleich geht die Sonne auf)

Um 18 Uhr schlugen wir dort unser Zelt auf. Da es auf dieser Grasebene sehr windig war, musste erst ein kleiner Windschutz aus Steinen für unseren Kocher gebaut werden, ehe wir mit der Zubereitung des Abendessens beginnen konnten. Dies war aber ganz schnell geschehen und so gab es noch vor Sonnenuntergang etwas zu beißen. Spülen und Waschen wurde dann schnell an der Quelle erledigt und danach verzogen wir uns auch schon wieder zeitig in unser mobiles Heim.

Dienstag, 14.10.2008 (3. Wandertag)
Als ich morgens aus dem Zelt gekrabbelt kam, zeugten die leuchtenden Berggipfel im Osten vom bereits eingesetzten Sonnenaufgang. Als die Sonne dann endlich hinter den Gipfel hervorschaute, wurde es auch auf unserer Seite wieder warm und ein toller Tag mit wolkenlosem Himmel erwartete uns. Nach Frühstück, Zeltabbau und einigem Kramen ging es um 9.40 Uhr los. Die ersten beiden Stunden zogen wir weiterhin noch über grasgrüne Flächen, umgeben von steinigen Hängen.

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Wunderschöne Weideflächen im Hochtal zwischen Astraka und Gamila

Man hatte das Gefühl, gleich kommt Winnetou um die Ecke geritten. Eine solche Ruhe wie dort oben in diesen Hochtälern habe ich wohl selten vernommen. Hätte man das Zirpen der Grillen hier und da nicht gehört, es wäre totenstill gewesen. Nach den Grasflächen durchquerten wir ein ausgetrocknetes Flussbett und stiegen schließlich entlang einer Schlucht stetig bergan. An einer Abzweigung erwartete uns dann noch einmal ein steiniger Anstieg heraus aus der schattigen Schlucht wieder hinauf auf ein sonniges Hochplateau. Nach diesem Anstieg hielten wir uns weiter südlich Richtung Tsepolovo, unserem Tagesziel, und passierten dabei wieder etliche Wiesen, welche jedoch immer mehr mit herausragenden Felsen und großen Geröllsteinen versehen waren. Gegen Mittag hatten wir dann einen Hang erreicht, von dem wir Tsepolovo in der Ferne erblicken konnten. Und so begannen wir nach einer Pause mit dem Abstieg.

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Die Wegmarkierung nach Tsepolovo

Jedoch wurde der Weg immer undeutlicher und so verloren wir nach einiger Zeit unsere Wegmarkierung (gelber Punkt auf blauem Rechteck). Da wir die Stadt jedoch bereits in weiter Ferne sehen konnten, schlugen wir auf gut Glück die südliche Richtung ein, was sich jedoch als fataler Fehler herausstellen sollte.

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Der Weg hinunter nach Tsepolovo

Nach einer halben Stunde hatten wir eine Felskante erreicht, an der es nur noch steil bergab ging und unser Abstieg somit beendet war. Tja, daher blieb uns nichts anderes übrig, als die ganzen Höhenmeter wieder steil bergan zurückzulaufen und zu versuchen, die Markierung wieder zu finden. Schweißgebadet kamen wir schließlich ziemlich ausgepowert auf dem alten Weg aus, die Markierung fanden wir jedoch nicht wieder. Daher versuchten wir unser Glück auf der anderen Seite dieser Anhöhe und liefen dort einen Hang querfeldein hinunter. Nach diesem mühseligem Abstieg erreichten wir schließlich einen Brunnen, durch den wir uns wieder orientieren konnten und somit auch einen Schotterweg fanden, der uns dann in einer Stunde nach Tsepolovo führte.
Als wir um 15 Uhr in dem kleinen, gemütlichen Bergdorf ankamen, zeigte sich uns ein Bild, das wir in den darauf folgenden Tagen noch häufiger sehen sollten: die Straßen waren leer gefegt, alle Lokale, Geschäfte und Restaurants waren geschlossen und weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. So etwas nennt man dann wohl „griechische Siesta“. Schnell fanden wir eine schöne kleine Pension oberhalb des Dorfplatzes, wo wir uns erstmal eine wohltuende Dusche gönnten. Am späteren Nachmittag machten wir dann einen Rundgang durch den Ort, der genau wie die bisherigen Dörfer durch viele kleine und enge Gassen und Sträßchen geprägt war. Am Abend kochte der Herbergsvater noch ein sehr leckeres einheimisches Gericht für uns, natürlich wurde griechischer Wein  dazu gereicht, und danach stand auch schon wieder Matratzenhorchen an.

Mittwoch, 15.10.2008 (4. Wandertag)
Um 9 Uhr morgens machten wir uns auf den Weg. Die Etappe startete sofort mit einem mühevollen Anstieg aus dem Tal von Tsepolovo heraus über steinige, von sehr viel Geröll bespickte Wege (rote Markierung). Es war schon sehr ätzend zu laufen und da es noch sehr früh war, musste man auf den feuchten Steinen auch aufpassen, dass man nicht abrutschte. Nach diesem ersten Anstieg ging es kurz auf einer Jeeppiste weiter, ehe die nächsten, nicht weniger anstrengenden Höhenmeter bergan folgten. Nach dieser kleinen Bergtour erreichten wir schließlich die wenig befahrene Straße nach Vradheto, deren Verlauf wir schließlich nach Norden folgten. Auf diesem Stück sahen wir auch wieder besonders viele Jäger, die mit ihren Hunden die umliegende Prärie durchstreiften. Nach 45 Minuten erreichten wir den Ort Vradheto, den wir jedoch links liegen ließen und weiter in Richtung Beloi – Aussicht weiterwanderten. Diese Aussicht war unser erstes Tagesziel, wo uns ein super Ausblick hinunter in die Vikos – Schlucht erwartete, der tiefsten Schlucht der Welt. Stetig, aber dennoch gemütlich, ging es bergan und so erreichten wir nach einer halben Stunde die beiden Aussichtspunkte von Beloi. Das war natürlich wieder genau das Richtige für ein ausgeprägtes Fotoshooting und eine längere Pause.

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Blick auf die Vikos - Schlucht

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Die Beloi - Aussicht

Von der Beloi – Aussicht stiefelten wir denselben Weg wieder zurück nach Vradheto und folgten dort schließlich den „Skala“ – Holzschildern. Diese führten uns schließlich zur Skala Vradheto, einer in die Felswand gebauten Pflastertreppe, die sich ins Tal hinunterschlängelt.

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Die spektakuläre Skala Vradheto

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Die Skala Vradheto von der gegenüberliegenden Seite fotografiert

Nach diesem weiteren Highlight erreichten wir über eine Piste Kapesovo und wenig später auch Koukouli. Beide Orte waren sehr schön, aber auch ausgestorben zu dieser Tageszeit. Nach einer kleinen Pause in Koukouli folgten wir dann einem Pfad (rote Markierung), der sich durch ein kleines Waldgebiet hinunter nach Kipi schlängelte. Kurz vor Kipi überquerten wir erstmals eine der für die Zagoria typischen Bogenbrücken.

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Die Kontodhimos Bogenbrücke zwischen Koukouli und Kipi

In Kipi machten wir schließlich Rast in einem Lokal, wo wir auch unsere Trinkwasservorräte auffüllen konnten. Nun stellte sich auch wieder die Frage des Tages: Wo stellen wir unser Zelt auf? Im Tal bei Kipi, schon klar, aber nur wo? Wir verließen den Ort in westliche Richtung und stiegen kurz darauf hinab in das ausgetrocknete Flussbett.

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Eine der typischen Bogenbrücken der Zagoria nahe Kipi

Dort war ein weiterer Wanderweg in Richtung Vitsa markiert (roter Diamant). Da der Pfad teilweise komplett zugewuchert war, suchten wir uns unseren Weg durch das trockene Flussbett. Nach einer Weile stießen wir dann wieder auf den markierten Pfad und fanden auch schnell ein gutes Plätzchen am Wegesrand, an dem wir das Zelt aufbauen konnten.

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Das ausgetrocknete Flussbett bei Kipi

Wir befanden uns quasi am Anfang der Vikos – Schlucht, unterhalb von Koukouli. Als wir nach dem Essen im Zelt lagen, vernahmen wir immer wieder Stimmen und Hundelaute aus dem höher gelegenen Ort, sollten dann aber für den Rest der Nacht nicht gestört werden.

Donnerstag, 16.10.2008 (5. Wandertag)
Feucht war es, als wir am Morgen um 8 Uhr aufstanden. Unser Außenzelt war schon gut getränkt von diesem feuchten Kellerklima, was am Morgen in dieser Schlucht herrschte. Gerade einmal 100 m reichte unsere Sicht, dichte Nebelwände verhinderten tiefere Einblicke in den weiteren Verlauf der Schlucht.

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Dichter Nebel am Morgen in der Vikos - Schlucht

Diese nasse Kälte ließen wir aber schnell hinter uns. Nach Zeltabbau und Frühstück hatten wir auch den Nebel schnell hinter uns gelassen. Um 9 Uhr gestartet, erreichten wir die Skala Vitsa, welche jedoch nicht ganz so spektakulär wie die Skala Vradheto ist.

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Bogenbrücke unmittelbar an der Skala Vitsa

Um 10.30 Uhr erreichten wir Vitsa und stapften munter weiter Richtung Ano Vitsa und Monodhéndhri. Die Straßen waren leer gefegt. Wie schon in Papingo sahen wir jedoch wieder sehr viele Pflasterarbeiten in beiden Dörfern. In den Orten hielten wir uns nicht lange auf, lediglich das Freilicht – Theater in Monodhéndhri schauten wir uns etwas näher an, bevor es wieder hinab in die Schlucht ging.

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Hinweisschild in Monodhendhri

Der Abstieg über viel Stein und Geröll war eine sehr rutschige Angelegenheit und daher auch sehr anstregend. Der Weg hinunter lag noch im Schatten und war daher sehr feucht. Die Schlucht erreichten wir schließlich um 12.30 Uhr. Die ersten Kilometer durch die Schlucht verlangten uns weiterhin einiges ab, ging es doch die ganze Zeit schräg am Hang entlang. Hin und wieder stiegen wir auch in das ausgetrocknete Flussbett hinab, wo wir an ein, zwei Stellen richtig kraxeln und klettern mussten, um auf dem markierten Pfad zu bleiben. Erinnerungen an den Torrent de Parreis in der Serra Tramuntana kamen auf  Der mittlere Abschnitt der Schlucht war hingegen sehr gut zu wandern, durch moosige Wäldchen und kleine Grasflächen.

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In der Vikos - Schlucht

Dafür erwartete uns am Ende noch einmal eine Wahnsinnssteigung. „…the relentless, zigzagging ascent through sparse Jerusalem sage shrubs is a killer…”, stand in unserem Reiseführer und trifft den Nagel auf den Kopf. Aber auch diese letzte Steigung hatten wir letztlich gemeistert und erreichten Pápigo schließlich um 17.30 Uhr. Wir gönnten uns ein Päuschen am Ortseingang, Papigo war ausgestorben, wen wundert’s? Später fanden wir eine schöne Wiese hinter Pápigo auf dem Weg nach Klidhoniá, wo wir das letzte Mal unser Zelt aufschlugen.

Freitag, 17.10.2008 (6. Wandertag)
Raus aus den Federn, ein letztes Mal Kocher anschmeißen und Zelt abbauen. Da war er nun, unser letzter Wandertag. Eigentlich hatten wir einen weiteren Tag in den Bergen eingeplant, jedoch waren wir in den letzten beiden Tagen so schnell, dass wir an diesem Freitag schon wieder unser Ziel Klidhoniá erreichen konnten. Um 9.45 Uhr ging es los Richtung Ano Klidhoniá. Ich glaube, nie zuvor habe ich mich so unwohl beim Wandern gefühlt wie an diesem Morgen. Überall um uns herum hörten wir Schüsse, ich nehme an, die Wildschweinjäger waren unterwegs. Das hätte uns noch gefehlt, am letzten Tag so einem vor die Flinte zu laufen. Daher war ich auch froh, als wir um 11 Uhr wieder im Gasthaus „Zagoria“ einkehrten. Natürlich erinnerte sich der Sohn des Hauses noch an uns, so dass er sich aufmerksam unseren Bericht der letzten Tage anhörte. Nach einer kleinen Erfrischung ging es dann weiter nach Klidhoniá. Auch diesen Abstieg schafften wir in Rekordzeit und erreichten das Dorf um 12.15 Uhr. Da der Bus nach Ioannina erst um 13.45 Uhr vorbeikam, gastierten wir noch in einer Taverne nahe der Haltestelle. In all den Tagen hatten wir – Gott sei Dank! – weder Schlangen noch Skorpione zu Gesicht bekommen. An diesem letzten Tage sollten wir sofort beides sehen. Zuerst stolperten wir über eine kleine kaputt gebissene Schlange am Wegesrand. In der Taverne schleppte der Wirt schließlich einen kleinen Skorpion aus dem Haus, der sich wohl in seinem Besen verfangen hatte. Ein Glück, dass wir so was nicht am ersten Tag gesehen hatten, sonst hätte ich mich das ein oder andere Mal in den Bergen wohl nicht ganz so entspannt zurücklehnen können. Der Bus nach Ioannina kam pünktlich und so erreichten wir schon am frühen Nachmittag das Städtchen am See. Im Hotel vom Anreisetag bekamen wir wieder dasselbe Zimmer und so verblieben uns bis zur Heimreise nach Deutschland noch 1 ½ Tage in Ioannina.
Samstags sind wir noch auf die Klosterinsel im See gefahren, was jedoch nicht ganz so spektaktulär war und haben uns die Stadt weiter angesehen. Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen der Heimreise, 4 ½ Stunden Busfahrt bis Thessaloniki, Transfer zum Flughafen usw….

Zurückblickend war unsere Tour durch die Zagoria ein wunderschöner Urlaub durch unberührte Natür. Trotz aller Anstrengung waren die Ruhe und Einsamkeit in den griechischen Bergen und Tälern sowie die Atmosphäre in den kleinen Bergdörfern ein unvergessliches Erlebnis. Tolle Berge, wunderschöne Täler, atemberaubende Ausblicke, all das bleiben wohl noch lange in unserer Erinnerung haften.

Werner Hohn
06.11.2008, 17:30
Oha, nach langer Durststrecke mal wieder ein Bericht aus Griechenland. Schön.

Werner

paddel
06.11.2008, 21:52
Freut mich auch immer wenn mal was anderes wie "die übliche Verdächtigen" hier bei den Reiseberichten auftaucht.
Wenn es noch ein paar Bilder gibt, freu ich mich noch mehr. :D

Reisefieber
17.11.2008, 16:47
Hallo Michael!

Mit Freude habe ich deinen unterhaltsamen Reisebericht gelesen. 2004 war ich in diesem Gebiet unterwegs und 2010 wird es wieder dorthin gehen. Dann stehen auch ein paar Radtouren am Programm. Also Schlangen und Skorpione, die muß ich auch nicht sehen.

Grüße aus Tirol, Reisefieber.