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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [NO] Solo durch die Hardangervidda



sarek2007
30.09.2008, 20:13
Land: Norwegen, Hardangervidda
Reisezeit: 9.9.08 - 21.9.08
Region/Kontinent: Nordeuropa

Dies ist mein Reisebericht einer Solotour durch die Hardangervidda von Finse nach Odda. Ursprünglich hatte ich den Trip mit meinem Bruder geplant, der musste aber leider 1 Woche vorher absagen, da er beruflich unabkömmlich war. Nachdem ich aber die Wochen zuvor mit diversen Vorbereitungen verbracht hatte, wollte ich meinen Urlaub aber nicht sausen lassen und habe mich zur Solotour entschlossen. Die Packliste musste ich noch umarbeiten, um weiteres Gewicht einzusparen, so z.B. den kleinen Trangia besorgen.

Di 9.9.08 Stuttgart-Finse

Nach dem Aufstehen, bin ich relativ nervös. Habe ich alle Dinge eingepackt? Immer wieder gehe ich meine Packliste durch und überlege, wo ich was am Vortag verstaut habe. Nun ja, schließlich muss ich los, scheint aber auch alles an Bord zu sein. Um 7:27 sitze ich im Zug von Stuttgart nach Frankfurt. Den Check-In erledige ich gleich noch am Fernbahnhof. Die Lufthansa ist mal wieder kulant: Trotz 25kg Rucksackgewicht muss ich kein Aufpreis wegen Übergepäck zahlen. Mit dem Handgepäck hab ich meinen Rucksack schon um ein paar Kilo erleichtert. Von der wenigen Schlepperei des Rucksacks bin ich allerdings schon ins Schwitzen gekommen. Im Flieger sitze ich zunächst alleine in einer 3er Sitzreihe und habe vor allem keine schreienden Kinder in der Nähe.

Als ich um 13:00 Uhr in Oslo ankomme, muss ich ein paar Dinge erledigen. NOK’s sind schnell geholt. Ich muss allerdings noch Spiritus besorgen, den DNT Schlüssel holen und meinen Rucksackschutz und ein Hemd loswerden, das Extrakilo will ich nicht mitschleppen. Am Flughafen erfahre ich, dass die Gepäckaufbewahrung für 10 Tage NOK450 kostet. Das erscheint mir zu viel und so will ich mein Glück am Bahnhof versuchen. Ich nehme den FlytoGet für NOK160, da ich keine Zeit verlieren will und mein Reisefieber mir Eile gebietet. Die Gepäckaufbewahrung am Bahnhof ist allerdings auch nicht billiger. Alle Schließfächer werden nach 7 Tagen geöffnet. Der Mann am Schalter meint, ich müsse 40 Kronen für 10 Tage pro Tag zahlen und könne das Packerl danach am Schalter wieder abholen. Dumm gelaufen, so viel ist mir der kleine Beutel nu wirklich nicht wert. Ich rufe im Anker Hostel an. Für die Rückfahrt habe ich dort ein Zimmer reserviert. Die Aufbewahrung ist kostenlos. Also kommt der Rucksack ins Schließfach am Bahnhof und ich mache mich auf den Weg. Der führt mich zunächst in das Kaufhaus Byporten, besser gesagt in das G-Sport. Dort versorge ich mich mit 2l Spiritus (FinFyr), obwohl 1l eigentlich ausreichend sein sollte aber sicher ist sicher. In Finse will ich aber 0.5l zurücklassen. Danach geht’s zum Anker Hostel. Ich lege meinen Beutel in den Lockerroom, welcher schon extrem voll ist. Ob ich ihn auf dem Rückweg wieder sehe? Die Gegend und das Hostel machen nicht den besten Eindruck… Mehr davon am Ende der Tour.

In der Storgata ist auch das DNT-Büro. Die Mitgliedschaft und der Schlüssel für die Hütten sind schnell bezahlt. Die Idee der Mitgliedschaft ist mir erst 2 Tage zuvor gekommen. Für den Fall der Fälle kann ich jetzt auch in die Hütten ausweichen. Ich hole mir noch ein Sandwich und ein paar Getränke, lasse mein reserviertes Bahnticket noch Finse raus und setze mich um 15:30 an den Bahnsteig. Der Zug geht um 16:07. Da ich 2 Plätze gebucht hatte, kann ich meinen jetzt28kg schweren Rucksack neben mir platzieren. In der Unterführung vom Nationaltheater muss der Zug schon gleich mal 20 warten, da es Probleme mit den Signalen gibt. Ich dachte das hätte die DB für sich reserviert…

Die Zugfahrt ist recht unspektakulär. Endlose Wälder, die wenig Aussicht auf Seen und erste Berge erlauben. Bei Nesbyen versorge ich mich mit Pölse und Kartoffelbrei, welch ein leckeres Abendessen. Ab Geilo zeigt sich das Wetter von seiner bescheidenen Seite, es fängt an zu regnen. In Finse steige ich um 20:30Uhr aus. Nur ein Servicemann mit einem neuen Reifen für ein Quad verlässt ebenso die Bahn. Es wirkt schon gleich recht einsam hier oben. Ich schultere meinen Rucksack und laufe zur Finsehytta. Dort bekomme ich ein DoZi. Außer einer größeren Schulklasse ist nicht viel los. Nach einer warmen Dusche geselle ich mich zu einem französischem Pärchen, welche gerade einen Zwischenstopp bei ihrer Norway-in-a-Nutshell Tour sind. Wir tauschen uns ein wenig aus und nach 2 Bier für jeweils NOK65 begebe ich mich auf mein Zimmer. Die Wetteraussichten für den nächsten Tag sind schlecht. Es ist Regen bei 2° vorhergesagt. Ich will den nächsten Morgen abwarten und dann entscheiden, ob ich meinen Tourstart einen Tag nach hinten verlege. Ausreichend Zeit habe ich mitgebracht.


Mi 10.9. Finse

Die Überschrift besagt es schon. Die Vorhersage hatte Recht. Es regnet und ist kalt. Vom Blåisen ist nichts zu sehen. Ich stehe um 7:00 Uhr auf und entscheide meine Basis in Finse beizubehalten. Ich will nur mit leichtem Gepäck zum Blåisen laufen, ist der Gletscher doch schon seit Kindheitstagen ein Ziel von mir. Ich gehe runter zum Frühstücksbuffet und schlage mir den Bauch voll.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_10_0001.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148527&title=hardangervidda-2008&cat=25)


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Um 9:00 Uhr ziehe ich bei tiefhängenden Wolken los. Schön ist der Weg trotzdem. Nach mehreren Guck- und Fotopausen bin ich um 11:00 Uhr an der Gletscherzunge. Außer dem unteren Rand ist vom restlichen Gletscher leider nichts zu sehen, da er einen weißen Morgenrock trägt.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_10_0003.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148529&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Am Ende der Gletscherzunge ist der Hang sehr locker. Mehrfach sinke ich bis über den Knöchel im lockeren Geröll ein bei den Versuchen die unteren Gletscherspalten im Bild festzuhalten. Dann geht der Regen zunächst in Schneeregen und kurze Zeit später in leichten Schneefall über, liegen bleibt nichts aber gepaart mit dem Wind ist es nicht gerade gemütlich. Zu meinem Ärger habe ich die Handschuhe in der Hütte liegen lassen. Langsam werden die Hände jetzt zu Eisklötzen.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_10_0004.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148530&title=hardangervidda-2008&cat=25)


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_10_0005.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148531&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Nach 1h am Gletscher mache ich mich wieder auf den Rückweg. Etwa 300m unterhalb der Sommerbrücke macht eine Gruppe auf sich aufmerksam und winkt mich herbei. Ich laufe runter derweil mir der Gruppenälteste entgegenkommt. Er erklärt mir, dass sich ein Kind am Knie verletzt hat, Hilfe aber schon gerufen wurde. Warum die Mutter dann so eine Panik macht, wird mir nicht klar. Ich laufe querfeldein weiter, um wieder auf den Pfad zu stoßen. Zwischendurch komme ich nach einer Kuppe an einem sehr schönen Zeltplatz vorbei. Ebener Platz mit kleinem Bach, einfach perfekt. Ich will aber in der Finsehytta eine weitere Nacht verbringen.
Um 13:00 Uhr bin ich wieder in Finse. Der Notruf ging nicht in der DNT-Hütte ein. Später sehe ich aus dem Fenster, wie das Kind auf einer Bahre zum Bahnhof gefahren wird. Den Nachmittag lasse ich ruhig angehen, trotte zum Bahnhof, schaue mich um und mache Fotos.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_10_0006.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148532&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Etwas später prüfe ich noch das FinFyr auf seine Brennfähigkeit. Ich kannte bisher nur die Bezeichnung Rödspirit und will sicher gehen, dass ich auch warme Mahlzeiten und Tee zubereiten kann. Der Test ist erfolgreich. Im Laufe der Tour stellt sich heraus, dass FinFyr weniger rußt als normaler Brennspiritus. In der Hütte trifft später ein Norweger ein, der schon seit 4 Wochen im Fjell unterwegs ist. Sein Start war irgendwo in Trollheimen. Jetzt hat er noch eine Woche bis Haukeliseter. Respekt, auch wenn er „nur“ eine Hüttentour macht. Viel gesehen und erlebt hat er allemal. Das Abendessen wird um 19:00 Uhr serviert: 3 Gänge mit Suppe 2erlei Fleisch und verschiedenen Desserts, von denen der Norweger mir nur zu einem rät, da die anderen wohl etwas eigenwillig im Geschmack sind. Ich folge seinem Rat und der Karamellpudding mit Himbeersirup ist auch ganz ok. In der Hütte sind derweil noch 6 Radler eingetroffen. 2 Deutsche und 4 Norweger, die alle aus Geilo hochgekommen sind. Bei dem Wetter war das auch kein großes Vergnügen. Am Abend genehmige ich mir noch 2 Bier. Wer weiß wie lange es bis zum nächsten dauert.

Der Start der Tour kommt bald.

Grüße,
Tilman

sarek2007
30.09.2008, 20:17
Do 11.9. Finse – Skaltjörna ca 14km

Ich stehe um 7:30 auf und der erste Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Die Wolken hängen immer noch tief, es ist aber tatsächlich 2° wärmer, also schon immense 4°. Beim Frühstück sitze ich um 8 Uhr. Das Buffet in Finse lohnt einer lobenden Erwähnung, ist es doch reichlich gedeckt. Wem nach eingelegtem Fisch am Morgen ist, der wird hier glücklich. Ich halte mich eher konventionell an Schinken und Käse. Um 9:30 Uhr bin ich abmarschbereit. Eingepackt in voller Regenkleidung. Es kommt zwar nicht dicke runter, aber der Dauerniesel durchnässt einen schon nach kurzer Zeit ohne Schutz.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_11_0001.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148533&title=hardangervidda-2008&cat=25)


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Ich ziehe langsam los, muss ich doch erst mal meinen Rhythmus mit dem hohen Gewicht und den glatten Steinen finden. Der Weg zieht sich langsam hoch durch eine schöne, heute aber leider unwirtliche Landschaft.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_11_0003.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148535&title=hardangervidda-2008&cat=25)


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_11_0004.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148536&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Der Blick auf den Hardangerjökulen ist meist durch die tiefen Wolken verhindert. Um 13:00 mache ich während einer kurzen Regenpause Mittagsrast. Es ist kalt und windig, recht ungemütlich. Ich ziehe schnell mein schon verschwitztes T-Shirt aus und werfe den dicken Fleece über. Von innen bin ich mittlerweile auch schön nass geworden. Nach 30min ist zumindest die G1000 Jacke wieder einigermaßen trocken. Als der Regen wieder einsetzt, beende ich die Pause, obwohl ein längeres Ausruhen nicht schlecht gewesen wäre.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_11_0005.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148547&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Die Highlights des weiteren Verlaufs sind ein ausgedehntes Schneefeld, die Passhöhe bei 1400m und der kurze aber steile Abstieg zum See 1360. Am Ende des Sees wartet die erste Hürde auf mich. Wieder ein Schneefeld, das direkt am Seeufer ansteigt. Erst gilt es allerdings eine etwa 2m Schneemauer hochzuklettern, bevor das eigentliche Schneefeld gequert werden kann. Ich fluche im Anblick der Mauer, denn mit großem schwerem Rucksack ist das kein ganz einfaches Unterfangen. Ich haue mir eine erste Stufe in den Schnee und wuchte mich dann den Rest nach oben. Das war knapp, wäre mir der See bei einem Ausrutscher doch sehr nahe gekommen.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_11_0006.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148548&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Schließlich erreiche dann um 16:30 den Abstieg auf ca. 1150m. Dort unten hoffe ich einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Noch vor dem Zufluss zum See schnalle ich den Rucksack ab und erkunde die nähere Umgebung. Innerlich fluchend werde ich aber nicht fündig. Entweder sind nur kleine Hügel oder aber Sumpfflächen zu finden. Die reifen Heidelbeeren mitsamt der roten Färbung helfen mir nur wenig weiter, da meine Beine jetzt doch ziemlich müde sind. Nach 20min erfolgloser Suche gebe ich auf, sattle meinen Rucksack und ziehe weiter, in der Hoffnung, nach dem Bach bald einen Platz zu finden. Die Südost-Seite des Sees sieht allerdings aufgrund der Hanglage nicht viel versprechend aus. Nach kurzer Zeit werde ich in der Nähe eines kleinen Bachs doch fündig. Ein kleiner sandiger Hügel bietet gerade ausreichend waagrechten Platz für mein Zelt. Die Abspannung des Zelt ist nur suboptimal, da die Längsseiten des Ringstind nicht hochkommen wollen. So hängt das Außenzelt nur wenig über dem Innenzelt. Da ich jetzt aber richtig kraftlos bin, bereite ich mir erst mal mein Abendessen. Doppelpackung Elchtopf von Globi und einen Topf Tee. Noch Zähne putzen und um 21 Uhr liege ich im warmen Schlafsack. Ich bin müde aber sehr zufrieden, endlich in der Vidda angekommen zu ein. Nach wenigen Stunden wache ich auf und stelle entsetzt fest, dass mein Zelt von innen feucht wird und dies auch meinen Schlafsack betrifft. Ich trockne das Innenzelt, decke das Fußteil mit der Regenjacke ab und hoffe, dass es nicht viel schlimmer wird. Ein nasser Daunenschlafsack schon zu Beginn der Tour, das fängt ja gut an. Bleibt zu hoffen, dass die versprochene Wetterbesserung tatsächlich eintritt. In der Nacht frischt der Wind deutlich auf und das Zelt flattert schlecht abgespannt ordentlich im Wind.

Sandmanfive
30.09.2008, 22:10
Moin Tilman,

der Anfang ist schon mal vielversprechend! Weiter so!
Bin schon gespannt auf die Fortsetzung!



Die Gepäckaufbewahrung am Bahnhof ist allerdings auch nicht billiger. Alle Schließfächer werden nach 7 Tagen geöffnet. Der Mann am Schalter meint, ich müsse 40 Kronen für 10 Tage pro Tag zahlen und könne das Packerl danach am Schalter wieder abholen.

Wir mussten nur vorher den Namen, Dauer und Schliessfachnummer am Schalter angeben, damit die Sachen länger als sieben Tage im Fach liegen bleiben konnten.

Viele Grüße
David

casper
30.09.2008, 22:26
Ah, da isser, der versprochene Bericht :bg:
Fängt schon gut an! :popcorn:
Bin gespannt, wie´s weitergeht!!

Gruß,

Carsten

JochGrimm
30.09.2008, 23:28
Hi Tilman,

bin gespannt, wie es weitergeht! Also fleißig tippen:

1 Anmerkung: Es würde sich noch etwas leichter lesen, wenn du häufiger Absätze machen würdest (also vor allem der große Textblock vom Dienstag).

Gespannt wartend
Jürgen

sarek2007
30.09.2008, 23:53
Hi Tilman,

bin gespannt, wie es weitergeht! Also fleißig tippen:

1 Anmerkung: Es würde sich noch etwas leichter lesen, wenn du häufiger Absätze machen würdest (also vor allem der große Textblock vom Dienstag).

Gespannt wartend
Jürgen

schon geschehen!

gelöschter Nutzer
01.10.2008, 09:08
Mehr davon bitte :)

sarek2007
01.10.2008, 20:27
Fr 12.9. Skaltjörna – Kjeldebu ca. 12km

Um 7:00 klingelt mein Wecker, es regnet noch immer leicht und der Schlafsack ist noch feuchter geworden. Das fängt ja gut an. Ich bleibe noch eine halbe Stunde liegen bis der Regen doch aufhört. Der Blick nach draußen lässt mich hoffen, denn die Wolkendecke ist heute morgen etwa 100m weiter oben, so dass ich die gegenüberliegende Gletscherzunge Austra Leirbotnsskaka schon besser sehen kann. Zum ersten Mal kann ich auch Wolken sehen anstatt des Einheitsgrau. Sollte sich tatsächlich Wetterbesserung einstellen? Ich breite zunächst meinen Schlafsack im jetzt geöffneten Zelt aus, so dass der Wind zur Trocknung beitragen kann.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0001.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148550&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Dann mache ich mich nach kurzer Morgenwäsche ans Frühstück: 170g Schokomüsli, Instantkaffee und einen Pot Tee. Bis ich alles wieder im Rucksack verstaut habe ist es 10:30 Uhr. Ich beschließe eine Planänderung und will nach Kjeldebu laufen, um dort meine 7 Sachen zu trocknen. Ich treffe noch zwei Norweger, die die letzten verbliebenen Schafe eintreiben wollen. Sie fragen mich, ob ich welche gesehen hätte, ich verneine aber, was die beiden hoffnungsvoll stimmt, doch schon alle im Tal zu haben.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0002.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148551&title=hardangervidda-2008&cat=25)


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0003.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148552&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Obwohl der Weg laut Karte auf einer Höhe am See entlang gehen sollte, heißt es permanent kleine und größere Felsrücken zu überwinden. Irgendwie haben die Norweger die Eigenheit, die 5-10m immer oben rüber als außen herum zu gehen… Gegen 12 Uhr treffe ich Thorsten und Jo-Elke, die aus ihrer September-Tour einen Bericht für Outdoor stricken wollen. Nach einer Woche bin ich wohl der erste, der ihnen auf der Strecke begegnet. Es werden noch Fotos mit Gletscher im Rücken gemacht und dann geht es weiter. Immerhin haben die beiden noch einen recht weiten Weg bis Finse.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0004.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148553&title=hardangervidda-2008&cat=25)


An der Sommerbrücke über den Leiro mache ich Mittagsrast, es gibt Trekkingkekse, Beef Jerky und Schokolade. Am Gatter ist auch ein Hinweis, man solle doch nach dem 15.9. die beiden Besitzer benachrichtigen, falls man noch Schafe mit einer roten Markierung antrifft. Schaf auf norwegisch heißt „sau“. Daher kommt wohl auch die Bezeichnung „Pulloverschwein“, wie Tonja Körner im OutdoorHandbuch Hardangervidda die Schafe bezeichnet). Die Pause nutze ich auch dazu, meinen Füßen und den Schuhen Frischluft zu gönnen. Nach 45 min ist fast alles wieder von Schweiß getrocknet und mich mache mich auf das letzte Teilstück nach Kjeldebu.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0005.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148554&title=hardangervidda-2008&cat=25)


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0006.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148555&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Jetzt bekomme ich wieder das noch hohe Gewicht des Rucksacks zu spüren und schleppe mich den restlichen Tag dem Ziel entgegen. Immer wieder muss ich aufsteigen, obwohl der Sysenvatnet unten schon lange zu sehen ist. Kurz nach dem Abzweig Finse/Liseth/Kjeldebu treffe ich auf 2 Jäger die bis jetzt erfolglos auf der Suche nach Rype (Fjell-Schneehuhn) sind. Ich wünsche ihnen viel Erfolg und mache auf dem weiteren Weg.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0007.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148556&title=hardangervidda-2008&cat=25)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0008.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148557&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Laut Karte ist es nur noch 1 Stunde, ich brauche aber mit mehreren Verschnaufpausen 1.5h. Da es heute den ganzen Tag über trocken bleibt, zücke ich auch deutlich häufiger die Kamera. Endlich komme ich um 16:30 Uhr zur Brücke vor Kjeldebu und bin am Ende meiner Kräfte. Die rechte Wade schmerzt, da hat sich der Muskel verhärtet. Mit solchen Scherzen hatte ich schon im Vorfeld gerechnet. Das hiesige Gelände kann man zu Hause trotz schwerem Rucksack einfach nicht trainieren.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0009.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148558&title=hardangervidda-2008&cat=25)


An der Selbstversorgerhütte werde ich freundlich begrüßt. Bis jetzt sind schon zwei norwegische Gruppen (8+2) da. Ich werde gleich zum Abendessen eingeladen, lehne aber dankend ab, da ich unbedingt Gewicht loswerden will. Schließlich schleppe ich ja Verpflegung für 10 Tage mit. Am Abend geselle ich mich dann aber zu den beiden Gruppen. Die größere Gruppe macht häufiger Hüttentouren, wobei immer abwechselnd ein anderer die Route plant. Ich erfahre, dass auch der DNT solche (geführten) Touren anbietet.

Am Nachmittag erkunde ich die verschiedenen Hütten. Im Trockenraum breite ich dann meinen Schlafsack aus und wasche ich mich dann notdürftig im Vaskerom mit warmen Wasser. Bis zum Abend lege ich dann erst mal entspannt die Beine hoch. Schön gelegen sind die Hütten. Beim Entspannen reift der Gedanke, morgen einen Ruhetag einzulegen um ein wenig Kraft zu schöpfen und meiner Wade eine Pause zu gönnen. Durch die Versorgung mit den neusten Wetteraussichten per SMS, weiß ich auch, dass für die nächsten Tage schönes Wetter im Anmarsch ist.

sarek2007
01.10.2008, 20:29
https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0010.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148559&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Zum Abendessen gibt es bei mir die Sahnenudeln mit Hühnchen von Globi. Die Norweger bereiten sich standesgemäß Hackbällchen, Kartoffelbrei und Dosengemüse. Die Speisekammer in Kjeldebu ist reichhaltig gefüllt. Drinnen in der Hütte ist es dank Holzofen ziemlich warm. Zum Sonnenuntergang gibt es draußen ein schönes Farbenspiel. Die gegenüberliegenden Berge färben sich innerhalb weniger Minuten in ein sanftes Rot. Wir stürzen raus, um den Augenblick für die Nachwelt festzuhalten. Trotz mehrerer Versuche verwackeln mir leider die meisten Bilder; keine Zeit das Tripod im schon dunklen Zimmer zu suchen. Danach unterhalten wir uns noch eine Weile und ich genieße meinen obligatorischen Schluck Laphroaig. Um 22:00 Uhr gehe ich dann ins Bett. Dank Oropax bekomme ich auch nicht mehr mit, wie meine beiden Zimmergenossen die Fjellbirken weiter unten im Tal zu Brennholz verarbeiten…


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_12_0011.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148560&title=hardangervidda-2008&cat=25)

casper
01.10.2008, 21:38
:popcorn::popcorn::popcorn:
Hach, hört sich echt klasse an *Ungeduld zurückschieb*

Hast du irgendwo zufällig ne kleine Packliste herumliegen, die du mal posten könntest?

kawajan
02.10.2008, 12:15
Hey wie das wars schon , kann doch nicht sein , hab mich gerade soooo schön in die Widda geträumt .

Mach schnell weiter , biiiiiiiiiiitte


Grüsslis

sarek2007
02.10.2008, 20:46
Sa 13.9. Kjeldebu


Die Norweger sind schon um 7 auf den Beinen. Ich habe aber keine Eile und bleibe noch eine halbe Stunde liegen. Die Wade ist trotz Votareneinsatz noch verhärtet, was aber nicht übermäßig stören soll, da ich ja einen Ruhetag einlege. Die Katzenwäsche erledige am kleinen See.
Auch die Einladung zum gemeinsamen Porridge-Frühstück habe ich schon am Vorabend dankend abgelehnt. Diesmal habe ich mich mit meinem eigenen Frühstück herausgeredet, welches ich essen müsste, um mein Rucksackgewicht zu verringern. Stimmt ja auch. Ich verrate aber nicht, dass ich Porridge seit meinen ersten Fjelltouren im zarten Kindesalter einfach nicht mehr essen will. Diese schleimigen Fäden… :kotz: dabei gibt es doch auch in Norwegen Müsli! Als ich in den Aufenthaltsraum komme, riecht es auch schon streng nach Zimt. Ausgerechnet Zimt! Hatte ich schon erwähnt, dass Zimt mein Herz und Magen auch nicht gerade höher springen lässt? Ansonsten bin ich beim Essen ja nicht zimperlich, die aber bei der Kombi Porridge mit Zimt müsste es schon sehr schlecht um mich bestimmt sein. Bei mir gibt es wieder bewährtes Schokomüsli.

Während die beiden Gruppen die Hütte klar macht, gesellt sich ein einzelner Jäger hinzu, der die Nacht in der anderen Hütte verbracht hat. Er meint, dass heute eine Jagdgruppe von 8 oder 9 eintreffen wird. Naja, die Hütte ist schließlich groß genug. In meiner sind es 4 Schlafzimmer mit jeweils bis zu 9 Betten. Die andere Hütte hat noch mal eine ähnliche Größe. Seine ersten Ausrüstungsgegenstände, die ich zu Gesicht bekomme, sind sein Gewehr und etliche Dosen Bier. Scheint ein lustiger Abend zu werden.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_13_0001.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148561&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Nach dem Frühstück wasche ich die Socken und verschwitzten T-Shirts. Der Komfort von warmen Wasser und Trockenraum will schließlich genutzt werden. Heute will ich mir ein wenig die Umgebung ansehen. Um halb 11 ziehe ich mit leichtem Tagesrucksack los, bewaffnet mit Fotoapparat, Fleece, Wasser und ein paar Mittagssnacks. Die dünne Wolkendecke verspricht einen schönen Tag. Ich laufe ein Stück flussaufwärts, erst dem kleinen Pfad auf der Südseite folgend, später dann querfeldein und biege dann nach Süden ab, um von dem 1200m hohen Berg die Aussicht zu genießen. Ich pflücke immer wieder eine Hand voll Blaubeeren und erfreue mich an der schönen Natur. Ohne schweres Gepäck fällt dies auch deutlich leichter.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_13_0002.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148562&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Um 12:00 Uhr bin ich am Gipfel und ich kann weit in alle Himmelsrichtungen blicken. Nur die Kuppe des Hardangerjökulen hüllt sich noch in dickere Wolken. Das erste Teilstück des Wegs nach Dyranut kann man ganz gut einsehen, auch den Anstieg: da freuen sich schon die Beine. Ich bleibe eine Stunde oben am Gipfel und lausche dem Wind und der Stille. Einfach herrlich und dank September natürlich keine Mücken, die meine Ruhe stören. Ich steige nach Westen wieder ab und stoße unten auf den Weg Kjeldebu-Dyranut.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_13_0004.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148564&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Kaum dass ich unten bin, lösen sich die restlichen Wolken auf. Dumm gelaufen, aber jetzt verspürt meine Wade keinen sonderlichen Anreiz mehr, wieder aufzusteigen, um die Kuppe des Gletschers im Bild festzuhalten. So gebe ich mich geschlagen und laufe zurück zu den Hütten, welche sich immer weiter füllen. Die Jagdgruppe ist schon fast vollzählig, wollen sie doch heute ihr 35jähriges Jagdjubiläum feiern.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_13_0005.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148565&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Den Nachmittag verbringe ich faulenzend auf der windgeschützten Veranda und genieße den wolkenlosen Himmel beim Blick gegen Westen. So lässt es sich im T-Shirt aushalten. So schön und lieblich kann die Vidda sein. Eine Dänin, Eva, kommt aus Richtung Finse an und bereitet sich erst mal eine Suppe auf ihren Trangia. Später sitzen wir zu zehnt auf der Veranda. Die Norweger trinken ihr Bier und erzählen, dass dieses Wochenende das schönste des ganzen Sommers werden soll. Recht so und noch ein Grund mehr, mir jetzt einen Schluck Whisky bei der schon tief stehenden Sonne zu gönnen.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_13_0006.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148566&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Währenddessen fängt man in der Küche schon früh an, das Abendessen zuzubereiten. Für 3 Stunden köchelt dann ein Wildfond. Um dem Jubiläum gerecht zu werden, verspeisen die Norweger heute Abend etliche Rype vom Vorjahr, dazu gibt es neben Kartoffeln, Rosenkohl und Preiselbeeren bei jedem gefundenen Schrotkorn nach einem lauten Skol einen kräftigen Schluck Cognac für jeden.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_13_0008.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148568&title=hardangervidda-2008&cat=25)


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_13_0009.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148569&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Vor dem Abendessen können wir noch einen faszinierenden Sonnenuntergang erleben. Erst hell, dann von gelb über orange bis zum Abendrot ist alles dabei. Schließlich geht auch noch der (Fast)Vollmond auf. Das hätte ich mir vor der Tour nicht erträumen lassen, selbst die Norweger staunen. Kurz nachdem die Sonne untergegangen ist, wird es empfindlich kühl. Mit -6° wird es auch die kälteste Nacht meiner Tour.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_13_0010.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148570&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Bei mir gibt es gegen 19:00 Pasta Siciliana mit Oliven. Die Einladung zum Rypeschmaus 2 Stunden später schlage ich diesmal aber nicht aus. Mit Eva verabrede ich, dass wir morgen zunächst zusammen nach Dyranut laufen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich mich von dort nach Haukeliseter begeben soll, um von da aus eine Hüttenrundtour mit wesentlich weniger Gepäck zu laufen. Ich will auf dem Teilstück nach Dyranut beurteilen, wie belastungsfähig meine Wade nach einem Ruhetag ist und dann entscheiden.
Nach einer angeregten Unterhaltung mit den Jägern (liegt es an Bier, Cognac und Whisky?) begebe ich mich um kurz vor Mitternacht ins Bett. Wenn ich den Bus von Dyranut nach Eidfjord bekommen will, müssen wir früh los.

Noch ein Wörtchen zum Örtchen: Wenn der Wind von Osten weht, muss man hart gesotten sein, da einem beim Öffnen des Klodeckels die guten Gerüche direkt in die Nase wehen und so manch Toilettenpapier nicht der Schwerkraft folgen will. :kapituliere:

sarek2007
03.10.2008, 01:58
So 14.9. Kjeldebu – Jenglenutane ca. 16km

Um 7:00 Uhr klingelt mein Wecker und der Blick aus dem Fenster verrät schönstes Geburtstagswetter. Es ist schon hell und die Sonne will im Osten schon bald über die Anhöhe kommen. Es ist noch alles gefroren und so ist die Morgenwäsche am See auch besonders erfrischend. Wieder in der Hütte setzte ich erst mal die Kontaktlinsen ein und bereite dann mein übliches Frühstück bestehend aus Müsli, Kaffee und einem Pot Tee, den ich dann abgekühlt in meine Trinkflasche fülle. Zwei Spätankömmlinge aus Finse stehen auch schon auf. Trotz des gestrigen 13 Stunden Laufs wollen sie heute weiter nach Rembesdalseter. Die Jubilare schlafen heute aus; ihr Jagdbeginn ist erst am Montag.


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Eva und ich haben um 8:45 die Rucksäcke gepackt und schlagen den Weg nach Dyranut ein. Just beim Aufbruch ziehen erste Schwaden des Morgennebels über die Bergrücken. Dadurch entsteht eine recht sonderbare, fast mystische Stimmung. Die stehenden Gewässer sind von einer dünnen Eisschicht überzogen.


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Der noch gefrorene Boden macht das Vorankommen über die kleinen Moorflächen richtig einfach. Das vorsichtige Tasten nach festem Untergrund kann fast vollständig entfallen. Das ermuntert Eva wohl auch, ein Höllentempo vorzulegen, dem ich nicht folgen will. Ich will zwar vor dem Bus in Dyranut sein aber wir haben ja auch ausreichend Zeit. Nach dem Ruhetag geht es meiner Wade heute schon wieder richtig gut und so lasse ich den Gedanken des Tourabbruchs auch bald in der nächsten Versenkung verschwinden. Schon nach kurzer Zeit übernehme ich dann die Führungsarbeit. Evas energyboost ist schon wieder dahin und so können wir zusammen weiter laufen.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_14_0003.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148574&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Durch diverse Fotopausen (und wie bei Frauen üblich mehrerer Entwässerungsgänge) haben wir ausreichend Zeit die wunderbare Morgenstimmung in uns aufzunehmen.


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Nach dem Abzweig zum Krossdalen zieht der Weg sich langsam hoch bevor es wieder in das Langatjöndalen hinab geht. Dort verfehle ich zunächst den steileren Aufstieg und folge dem Pfad im Tal zum Langatjörna. Nach kurzer Zeit vermisse ich allerdings die nächsten Markierungen und so drehen wir um. Über die letzte Markierung, die vermeintlich etwas abseits vom Pfad lag, hatte ich mich noch lustig über den Ort der des roten T’s gemacht. Bei der Rückkehr wird es dann klar, denn der Fels mit dem T hat den aufsteigenden Pfad verdeckt. Also wird es nichts aus dem schönen Tal, anstatt dessen stehen uns jetzt etwa 120 Hm bevor.

Mittlerweile hat sich der Nebel um uns herum geschlossen. Gepaart mit dem auffrischenden Wind wird es jetzt bei Pausen schnell kalt. Trotzdem kommen wir hochzu’s ins Schwitzen. Interessant, wie die Vegetation jetzt immer weiter abnimmt. Oben wehren sich nur noch Moose und Flechten gegen das raue Klima. Hier wird das Gelände auch deutlich flacher, so dass wir gut vorankommen und jetzt fast schon die Norwegerfjellgeschwindigkeit erreichen. Unglücklich erweist die meine Wahl der Kartentasche, die allzu gerne im Wind flattert, obwohl ich sie immer wieder unter einem Schultergurt fixiere. Da muss ich mir in Zukunft eine geschicktere Lösung einfallen lassen.


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Nach 3.5h erreichen wir Dyranut. Obwohl die Turisthytte noch bis zum 1.10. geöffnet hat, ist hier sehr wenig los. DCie wenigen Gäste sind jetzt auf der Jagd. Je näher wir unserem Zwischenziel gekommen sind, desto mehr haben wir von frischen Waffeln geschwärmt. Also entledigen wir uns unserer Rucksäcke und machen es uns in dem gelben DNT-Haus an einem Tisch gemütlich. Statt Waffeln entscheide ich mich erst mal für Bacon & Egg, einen Hamburger und 2 Kaffee, dann kommt noch eine Waffel oben drauf. Man gönnt sich ja sonst nichts.


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Währenddessen checke ich diversen Glückwunsch-SMS und sende ein Lebenszeichen nach Deutschland. Den Akku lade ich auch gleich wieder auf. Eva ist auch am Telefon. Es folgt dann eine kurze Beratung über den weiteren Wegeverlauf. Schließlich entscheiden wir uns, in Richtung Hadlaskard weiterzulaufen. Ein paar Stunden bleiben uns ja noch. Eva überlegt, ob sie ihre Tour nicht in Röldal enden soll, anstatt nach Kinsarvik zu laufen. Sie muss allerdings schon Donnerstagabend in Bergen ihren Rückflug erreichen. Das wären jedenfalls recht stramme Lauftage.


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Um 14 Uhr geht’s weiter. Der Weg ist eigentlich unspektakulär. Allerdings hat sich der Nebel während unserer Pause komplett verzogen und so herrscht nun eitel Sonnenschein. Keine Wolke trübt den Himmel.


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Nach der Brücke im Bjoreidalen entledige ich mich meiner Jacke und laufe von da an quasi kurzärmelig weiter. Auf dem folgenden Anstieg kann ich beim Blick zurück nach Norden nun endlich den Hardangerjökulen in seiner vollen Pracht bestaunen. Je höher wir kommen, desto mehr strahlt die weiße Kappe.


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Um 17 Uhr entschließen wir uns, an einem Bach auf etwa 1300m einen geeigneten Platz für die 2 Zelte zu suchen. Die Karte verrät, dass auf dem weiteren Wegverlauf nur noch selten Bäche anzutreffen sind. Die Suche nach einem ebenen Platz ohne Sumpf zieht sich allerdings etwas hin. Ohne Rucksack laufe ich etwa 300m den Hang hoch und werde dann auf einer Geländestufe fündig. Das einzige Problem ist, dass der Rinnsal und mein Rucksack unten am Pfad sind. Also gehe ich wieder runter, teile Eva die freudige Nachricht mit und schleppe den jetzt doch wieder schweren Rucksack nach oben. Schnell sind die Zelte aufgebaut und der halbe Rucksackinhalt vor dem Zelt verteilt.


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Nach einem Müsliriegel mobilisiere ich noch mal meine letzten Energiereserven und laufe abermals runter zum Bach, diesmal mit Wassersack, Handtuch, Seife und frischen Socken bewaffnet. Die Wasserqualität ist zwar nicht überragend, da der Bach hier gerade erst aus dem Berg und den kleinen Sumpfflächen quellt, aber pur jedenfalls genießbar. Und zum Waschen eines verschwitzten Körpers allemal. Der prall gefüllte Wassersack verlängert meine Arme um gefühlte 20cm auf dem Rückweg zum Zelt.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/forum_09_14_0013.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148583&title=hardangervidda-2008&cat=500)


Während der Zubereitung des Abendessens kurz nach 7 verschwindet dann die Sonne hinter dem Bergrücken. Schnell wird es empfindlich kalt. Ich schwinge mich schnell in die lange Unterwäsche und werfe beide Fleecejacken (100+200), G1000 sowie Mütze und Handschuhe über: das reicht. Unterdessen geht Eva mit beiden Kameras noch auf den nahen Gipfel, um den Sonnenuntergang von oben zu betrachten. Da mein Elchtopf schon verzehrfertig ist, bleibe ich im Lager und widme mich meinem bis zum Rand gefüllten Topf. Bis Eva wieder unten ist, kämpfe ich mit den letzten Löffeln des Abendmahls. Das schon fast wieder kalte Fett bleibt jetzt so schön im Mund kleben. Der heiße Tee löst es dann wieder: lecker. Eva kocht sich ein schon in Dänemark selbst vorbereitetes Chili. Bei der Menge komme ich ins Staunen. Es ist nur etwa ein Viertel meines Topfs. Auf meine Frage, ob sie eine spezielle Fjelldiät geplant hat, schaut sie mich ein wenig erstaunt an. Na ja, nicht jeder (und vor allem nicht Frauen) kalkuliert mit mehr als 3000 kcal pro Tag.

Ab 20 Uhr bildet sich Reif auf den Zelten. Leider sackt das Außenzelt meines Ringstind in sich zusammen, obwohl ich es zuvor gut abgespannt hatte. Nachspannen hilft auch nicht und so kommen sich Innen- und Außenzelt wieder sehr nahe. Ich ahne schon, dass die Belüftung wieder nicht zum Besten gestellt ist. Etwas enttäuscht bin ich schon. Die sehr schöne Abendstimmung hilft allerdings darüber hinweg. Wir stoßen mit Whisky und Aspach auf meinen Geburtstag an und bestaunen den aufgehenden Vollmond. Mit Tripod gelingen mir auch ein paar brauchbare Fotos. Um 21 Uhr verkriechen wir uns in die Zelte. Ich schreibe noch Tagebuch und lasse so einen durchaus ungewöhnlichen Geburtstag noch mal Revue passieren.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/forum_09_14_0014.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148584&title=hardangervidda-2008&cat=500)


Eine Stunde später schlafe ich ein. Mehrfach werde ich wach und muss leider feststellen, dass sich im Innenzelt wieder massiv Kondens gebildet hat. Das untere Ende des Schlafsacks habe ich schon zuvor mit der Paclitejacke abgedeckt. Die Zeltwand trockne ich immer wieder mit meinem Handtuch, um so Schlimmeres zu verhindern. Durch den aufkommenden Wind flattert das Außenzelt auch ganz ordentlich im Wind. Mit meinen Nammatj 3GT hatte ich letztes Jahr keine solchen Probleme. Liegt wohl am dünnen Zeltstoff des Helsports, der bei Feuchtigkeit extrem an Spannung verliert.

Hat jemand schon ähnliche Erfahrungen mit dem Rinsgtind gemacht?

Komtur
03.10.2008, 10:23
Hat jemand schon ähnliche Erfahrungen mit dem Rinsgtind gemacht?

Am Anfang ja - hat ca. eine Woche gedauert, bis ich es perfekt abspannen konnte.
In den Ecken, sind Verbindungen zwischen Innen- und Aussenzelt. Die beim Aufbau immer ganz lockern. Dann erreicht das Aussenzelt seine maximale Größe/Länge.
Ich stecke erst an der linken Seite (wenn man vor dem Eingang steht) zwei Heringe halb in den Boden, dann schiebe ich das Gestänge ein, ziehe das Zelt an der rechten etwas Seite stramm und befestige es an Heringen. Dann werden die Heringe in der Mitte in den Boden gesteckt und danach werden die Heringe rechts und links noch mal etwas nachgespannt (rausziehen, mehr Spannung, wieder in den Boden). Nun kommen alle anderen Heringe (die man benötigt) in den Boden und es werden die Leinen gespannt.
Zum Schluss ziehe ich die Bänder in den Ecken (Verbindungen zwischen innen- und Aussenzelt) abwechselnd stramm.
Nun habe ich zwischen Aussen- und Innenzelt 10 bis 20cm Abstand.

Wenn es feucht wird, muss man noch mal etwas nachspannen.
Hängt das Zelt auf der linken Seite etwas durch, dann die Verbindungen in den Ecken zum Innenzelt lockern und Heringe neu setzen, oder aber die Leine vom Gestängebogen oben nach links etwas lockern und dann die drei Leinen rechts, welche das Ende hoch halten, etwas strammer ziehen. Dadurch wird der Stoff auf der linken Seite gestrafft.

Hört sich etwas kompliziert an, aber man muss sich nur mal ansehen, welche Leinen was spannen.

Ach ja .... sehr schöner Bericht und interessante Fotos! :D

Gruß

Dirk

Sandmanfive
03.10.2008, 12:44
Bist Du Dir sicher das Dyranut eine DNT-Hütte ist?
Ich dachte immer das wäre eine private Hütte.

gruß
david

Waldwichtel
06.10.2008, 19:39
Bist Du Dir sicher das Dyranut eine DNT-Hütte ist?
Ich dachte immer das wäre eine private Hütte.


Das ist sie auch (http://www.visiteidfjord.no/default.asp?hm=6&um=4&s=g&sideid=674) ;-)

paddel
07.10.2008, 04:39
Sehr schöner Bericht, bin gespannt wie es weiter geht. :D

sarek2007
08.10.2008, 22:34
Am Anfang ja - hat ca. eine Woche gedauert, bis ich es perfekt abspannen konnte.
In den Ecken, sind Verbindungen zwischen Innen- und Aussenzelt. Die beim Aufbau immer ganz lockern. Dann erreicht das Aussenzelt seine maximale Größe/Länge.
Ich stecke erst an der linken Seite (wenn man vor dem Eingang steht) zwei Heringe halb in den Boden, dann schiebe ich das Gestänge ein, ziehe das Zelt an der rechten etwas Seite stramm und befestige es an Heringen. Dann werden die Heringe in der Mitte in den Boden gesteckt und danach werden die Heringe rechts und links noch mal etwas nachgespannt (rausziehen, mehr Spannung, wieder in den Boden). Nun kommen alle anderen Heringe (die man benötigt) in den Boden und es werden die Leinen gespannt.
Zum Schluss ziehe ich die Bänder in den Ecken (Verbindungen zwischen innen- und Aussenzelt) abwechselnd stramm.
Nun habe ich zwischen Aussen- und Innenzelt 10 bis 20cm Abstand.

Wenn es feucht wird, muss man noch mal etwas nachspannen.
Hängt das Zelt auf der linken Seite etwas durch, dann die Verbindungen in den Ecken zum Innenzelt lockern und Heringe neu setzen, oder aber die Leine vom Gestängebogen oben nach links etwas lockern und dann die drei Leinen rechts, welche das Ende hoch halten, etwas strammer ziehen. Dadurch wird der Stoff auf der linken Seite gestrafft.

Hört sich etwas kompliziert an, aber man muss sich nur mal ansehen, welche Leinen was spannen.

Ach ja .... sehr schöner Bericht und interessante Fotos! :D

Gruß

Dirk

Hallo Dirk,
danke für die Anleitung. Ich hatte die Ecken zum Innenzelt nicht gelockert und konnte somit die Heringe auch nicht mehr gescheit setzen. Beim nächstem Mal wird das Zelt bestimmt auch bei Abkühlung wie eine 1 stehen.:corton:
Gruß,
Tilman

sarek2007
08.10.2008, 22:54
Mo 15.9. Jenglenutane – Hadlaskard ca 23km

In der Nacht hat der Wind aufgefrischt und um 7 Uhr ist es bewölkt aber trocken. Im Zelt hat es 2°C, draußen ist noch alles gefroren. Der Kondensregen im Zelt hat leider die ganze Nacht angedauert, so dass ich jetzt erst mal meinen feuchten Schlafsack im Zelt zum Trocknen ausbreite, was dank des Windes auch ganz gut gelingt. Das Frühstück ist recht bald in aller Routine bereitet und ich stopfe mir mal wieder meinen Magen mit Müsli. Die knapp 200g wollen vor allem gegen Ende nicht mehr so recht flutschen aber für heute gewinne ich den Kampf. Es ist gar nicht so einfach, die ganzen Kalorien (ich hatte im Vorfeld mit 3400kcal kalkuliert) zu sich zu nehmen, die während des Tages wieder verbrannt werden.

Erst als wir um 9:45 Uhr loslaufen, fällt mir wieder ein, dass Eva heute Geburtstag hat. Nach den besten Glückwünschen ziehen wir los. Immerhin steht uns heute eine recht lange Etappe bevor, da wir bis Hadlaskard kommen wollen. Ich habe erst mal genug von nassen Schlafsäcken und Eva will ja anschließend weiter nach Litlos.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/forum_09_15_0001.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148585&title=hardangervidda-2008&cat=500)


Zurück auf dem Pfad geht es noch kurz hoch und dann ein ganzes Stück fast eben ohne Schwierigkeiten weiter. Wir steifen heute einen halben Tag den flachen Ostteil der Vidda, ohne das ständige Auf und Ab der ersten Tage. Hier ist die Landschaft im Vergleich zu den Bergen im Westen oder am Hardangerjökulen feminin, wie es ein Norweger ausdrückte und imo auch nicht ganz so reizvoll. Trotzdem ergeben sich immer wieder nette Blicke in die von Schnee und Kälte geprägte Natur. Auf wenigen Metern wechselt der Bewuchs von Gras über Moose bis hin zur kargen Steinen, je nach dem wie lange der Schnee bis in den Sommer liegen bleibt.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/forum_09_15_0004.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148588&title=hardangervidda-2008&cat=500)


Um 12:00 machen wir an der Schutzhütte Langavasshallet Mittagsrast. Die kleine Hütte ist offen aber nicht sonderlich einladend, da sich zuvor schon Schafe darin vergnügt haben. Es riecht streng nach Schafkot und die Matratzen wären nicht mehr zu gebrauchen. Da hat wohl jemand nach einem Aufenthalt die Tür nicht mehr hinter sich verschlossen. Im Windschutz der Hütte verzehre ich heute Trekkingkekse und Pemmikan, Eva kocht sich ihr obligatorisches Süppchen. Während der Pause haben wir eine schöne Aussicht auf das breite Silabudalen, in dem der Eitro mäandert und schon so manch einen Weg gebahnt hat.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/forum_09_15_0003.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148587&title=hardangervidda-2008&cat=500)


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/forum_09_15_0002.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148586&title=hardangervidda-2008&cat=500)


Nach 45min brechen wir wieder frisch gestärkt auf und durchqueren zunächst das Tal. Die Watstelle bereitet bei dem niedrigen Wasserstand keine Probleme und so können wir bequem von Stein zu Stein hüpfen. Kurz darauf melden sich bei Eva zum ersten Mal die schmerzenden Beine. Es scheint wohl eine Überreizung von Bändern oder Muskeln zu sein. Sie fackelt nicht lange und greift zu einem mir nicht bekannten dänischen Pharmazeutikum. Danach kommt die Sonne jetzt vollends raus und so fallen Stück für Stück die Hüllen. Zunächst entledige ich mich des 100er Fleece, dann der Handschuhe und Mütze bis ich schließlich auch noch die Jacke ausziehe. Nachdem wir auf der anderen Talseite wieder aufsteigen, erreichen wir auf 1320m die in der Karte verzeichnete „Fahrstraße“. Im Vorfeld bin ich gespannt, welche Vehikel es so weit in die Hochebene schaffen. Die Spur verrät, es ist ein Traktor.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_15_0007.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148592&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Es ist jetzt schon 15:30Uhr und ich mache mir langsam Sorgen, ob wir unser selbst gestecktes Ziel heute erreichen können. Evas Tempo hat deutlich nachgelassen, die Beine schmerzen noch immer obwohl sie es nicht recht zugeben will. So komme ich zu ziemlich vielen Fotopausen und versuche immer wieder den Nordmannslagen im Süden zu orten. Trotz seiner Größe ist er allerdings hinter den Hügeln versteckt. Beim Blick zurück kann man bis zum Ostrand der Hardangervidda sehen.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/forum_09_15_0006.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148590&title=hardangervidda-2008&cat=500)


Der Weg zieht sich jetzt, was wohl auch an meinen schwindenden Kräften und der Vorstellung von weiteren 3-4 Laufstunden liegt. Die Landschaft wird aber wieder interessanter je näher wir den Bergen kommen, die die 2 Seen umschließen. An diesen bieten sich immer wieder herrliche Zeltplätze mit schöner Kulisse, die wir aber alle links liegen lassen.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_15_0008.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148593&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Meiner Hochrechnung nach werden wir Hadlaskard immer noch vor der Dunkelheit erreichen. Nach dem 2. See können wir schließlich in das Veigdalen von Hadlaskard hinabblicken. Sehr schön wie der Fluss in der Sumpflandschaft seine Bahnen zieht. Das erinnert schon fast ein wenig an das Rapaselet. Auf den letzten Kilometern setzt das große Warten auf den ersten Anblick des Harteigen ein. Nach jeder Felsnase steigt meine Hoffnung genauso wie meine Kräfte weiter schwinden. In den letzten 2 Stunden haben wir nur noch sehr kurze Pausen gemacht und jetzt ist mein Akku am Ende. Schnell werfe ich meinen Rucksack ab und suche nach meinem Traubenzucker, der sich leider tief unten im Rucksack versteckt. Nach 4 Esslöffeln kann ich dann recht bald wieder einen klaren Gedanken fassen. Länger hätte ich nicht warten sollen, eigentlich leichtsinnig fast völlig unterzuckert, nur noch ans Ziel kommen zu wollen.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_15_0009.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148594&title=hardangervidda-2008&cat=25)


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_15_0010.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148595&title=hardangervidda-2008&cat=25)


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_15_0011.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148596&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Dann endlich zeigt sich der Harteigen doch in der schon untergehenden Sonne. Ein erhabener Berg und von Nordost vielleicht der schönste Anblick. Die nächsten beiden Tage wird mich dieser Berg in seinen Bann ziehen. 250m unter uns liegt jetzt Hadlaskard. Den Abstieg verfehle ich allerdings zunächst, da ich einem Schafspfad nach Süden folge. Nach kurzer Zeit werde ich stutzig, da mal wieder die rotes T’s fehlen. Bei der letzten Markierung finden wir den absteigenden Pfad. Jetzt heißt es sich noch mal konzentrieren, um mit dem Ziel vor Augen, nicht ins Rutschen zu geraten. Beim Absteigen verliere ich Eva aus den Augen. Sie ist jetzt ziemlich fertig und lässt es langsamer angehen. Ich erreiche um 19:20Uhr die Hütten und checke erst mal ein. Ein paar Jäger sind auch da aber auch noch einige freie Zimmer. Während ich mir mit einer heißen Schokolade die Hütten anschaue, kommt eine halbe Stunde nach mir auch Eva an, schwer gezeichnet von der langen Etappe aber auch glücklich, endlich da zu sein.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_15_0012.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148597&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Hadlaskard, auf 1000m gelegen und ganzjährig geöffnet (ohne Schlüssel), ist ein zentraler Knotenpunkt. Hier treffen die Wege aus Stavali, Hedlo, Dyranut, Sandhaug, Litlos und Torehytten zusammen. Beim Eintrag in das Hüttenbuch sehe ich auch, dass Hadlaskard ganz gut besucht wird. Seit Anfang des Jahres bin ich Besucher 1279.
Wie ich später erfahre, sollte auch das Tal bei Hadlaskard einmal in einen großen Stausee verwandelt werden. Gut, dass man sich für den Erhalt der Natur entschieden hat. Hier ist die Vidda besonders artenreich.

Unter Mühen bereite ich mir in der Küche mein Abendessen, ungarischer Reistopf. Erst da bemerke ich ein weiteres Pärchen, die kommen aus den USA – auch recht ungewöhnlich. Sie sind heute aus Fossli in 9h hergelaufen und wollen morgen weiter nach Torehytten. Da wird man sich wohl noch ein paar Mal über den Weg laufen. Auf ihre Frage, erkläre ich noch ein paar Hüttenregeln und komme mir schon fast wie ein alter Hüttenwanderer vor, dabei ist es doch erst mein 3. Hüttenaufenthalt.

Eva und ich lassen ihren Geburtstag noch bei einem Whisky ausklingen. Sie wird in den nächsten Tagen doch wieder ihren ursprünglichen Plan verfolgen und nach Kinsarvik laufen. Heute Abend kann sie kaum noch aufstehen. Der ganze Bewegungsapparat schmerzt. Vor der Bettruhe versorge ich sie noch mit Diclophenac-Pillen von denen ich reichlich eingepackt habe. Schließlich war ich bis 1 Woche vor der Tour noch in physiotherapeutischer Behandlung aufgrund einer dämlichen Fußverletzung. Um 22 Uhr gehe ich in mein Zimmer und falle nach dem Zähneputzen bald in einen tiefen Schlaf.

sarek2007
10.10.2008, 00:32
:popcorn::popcorn::popcorn:
Hach, hört sich echt klasse an *Ungeduld zurückschieb*

Hast du irgendwo zufällig ne kleine Packliste herumliegen, die du mal posten könntest?

Das war meine Packliste. Konzipiert für eine 10 Tage im Zelt.

sarek2007
13.10.2008, 22:27
Di 16.9. Hadlaskard – Torehytten ca 13km

Ich wache auf als es noch dunkel ist. Die ersten Jäger machen sich gerade auf die Socken, dann schlafe ich noch bis kurz vor 8. Nach kurzer Morgenwäsche frühstücke ich gemütlich, packe meine 7 Sachen und bin 10:45Uhr abmarschbereit. Sonderlich weit ist die heutige Strecke ja nicht. So habe ich unterwegs genug Zeit, die wunderschöne Landschaft zu genießen. Eva und ich tauschen noch Adressen aus und verabschieden uns dann. Etwas Melancholie ist mit dabei. Schon komisch wie man sich in 2 Tagen aneinander gewöhnen kann.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_16_0001.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148598&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Die heutige Etappe steht ganz im Zeichen des Harteigens. Immer wieder wird er hinter Kuppen hervorschauen oder sich in seiner vollen Pracht zeigen. Für mich ist es der schönste Abschnitt der ganzen Hardangervidda: sehr abwechslungsreich, lieblich, schroff, steil, unterschiedlichste Vegetationszonen, tolle Fischgründe und das Ganze auf gerade mal 13km.


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_16_0002.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148615&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Direkt nach der Hütte geht es über die Sommerbrücke. Den Veig könnte man bei dem niedrigen Wasserstand wohl auch an einigen Stellen durchwaten. Von dem anschließenden Sumpfgebiet ist auf dem leicht ansteigenden Pfad kaum etwas wahrzunehmen. Ich komme gut voran, mache aber immer wieder kleine Pausen. Die Umgebung ist einfach zu schön, um durchzuhetzen.


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Hier bekomme ich zum ersten Mal fast flächendeckend die rote Herbstfärbung der kleinen Sträucher zu Gesicht. Am Wegesrand warten die reifen Heidelbeeren auf ein Erbarmen. Umso mehr Grund, mich immer wieder zu bücken und mir eine Handvoll zu genehmigen. Kurz vor dem Viersdalen streifen 3 Jäger durch die Sträucher, wahrscheinlich auf der Suche nach Schneehühnern. Ich hoffe nur, dass sie mich im Ernstfall sehen wenn sie in Eile mit Schrot um sich schießen.


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Um kurz vor 13 Uhr mache ich am Viersdölo gegenüber von den privaten Hütten meine Mittagsrast. Der Bach führt wenig Wasser, so dass ich ohne mein Watsystem rüber komme. Dies ist der einzige Berührungspunkt mit meiner letzten Hardangervidda-Tour vor 4 Jahren Wir sind damals vom Harteigen über Kristofferbu und das Grönodalen nach Litlos gelaufen. Heute sitze ich in der Sonne und lasse meine durchschwitzten Sachen trocknen. An dem Bach ist einfach sehr idyllisch. Ein paar Tage in der Hütte verbringen, die Angel auswerfen oder einfach die 200 verschiedenen Blumenarten zählen. Ach ja, das wär was.


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Anstatt dessen ziehe ich 45min später wieder weiter just als die beiden Amerikaner Andy und Caroline erscheinen. Nach wenigen 100m stellt die breite aber flache Watstelle am Sandhaugo auch keine Hürde dar. Meine Stiefel tauchen nur bis zum Knöchel ins Wasser. Kurz danach hat man auf der Höhe von Fljana einen schönen Blick nach Norden auf den Hardangerjökulen (wenn das Wetter mitspielt). Mein Verdacht auf Mobilfunkkontakt bestätigt sich und so kann ich die guten Nachrichten aus der Heimat vernehmen. Bis Donnerstag soll es bei bis zu 5° trocken bleiben. Für Freitag wird allerdings ein Wetterumschwung vorhergesagt. Nur noch 2° und Regen evtl. auch Schnee. An einem strahlenden Tag wie heute kaum vorstellbar.


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Im Gröndalen kann man schon von weitem den Wasserfall des Sandhaugos hören, der sich in einen kurzen Canyon stürzt. Je näher ich komme, desto mehr bin ich von der nur 200m langen und max. 20m breiten Schlucht fasziniert. An der Nordseite steigt man recht steil auf. Bei Regen kann ein aufgeweichter Hang den Weg recht anspruchsvoll machen. Ein Fehltritt wäre hier nicht ratsam. Am oberen Ende der Schlucht angekommen, lege ich den Rucksack ab und überlege nicht lange bevor ich den Wasserfall quere. Bei Niedrigwasser kann man völlig ohne Risiko den Wasserfall von der Südseite anschauen. Von der Umgebung bin ich einfach begeistert. Ein Nachteil, wenn man alleine unterwegs ist. So muss ich halt alles in Bildern für die Daheimgebliebenen festhalten.


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Der anschließende steile Aufstieg am Nedstra Soltjörni lässt sich heute auch sehr gut gehen. Bei Nässe hätte er es in sich. Unten am See kann ich den Pfad erkennen, der direkt in die schmale Schlucht zum Östra Soltjörni führt. Ich steige aber bis auf knapp 1400m auf und werde bei fast wolkenlosem Himmel mit einer schönen Aussicht auf den Harteigen belohnt. Ein kleiner Schneeschmelztümpel ist noch vom Eis der letzten Nächte überzogen: gehender und nahender Winter.


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Es geht dann nur noch ein wenig bergab und erreiche die Torehytten um kurz nach 4. Es ist noch keiner da und so habe ich freie Auswahl. Die letzten Übernachtungsgäste waren vor 3 Tagen hier. Die Saison nähert sich hier oben dem Ende. Nach der ersten Inspektion der beiden Hütten, mache ich geh ich runter zum See. Jetzt ist Baden angesagt. Andy und Caroline, die auch gerade ankommen, schauen mich noch etwas ungläubig an, müssen aber zugeben, dass die Nachmittagssonne einladend ist. Das Vollbad ist sehr erfrischend. Rein, raus, wenig Seife und das ganze noch mal von vorne. Beim hastigen untertauchen im noch flachen Wasser strapaziere ich mein linkes Knie, welches seit dem letzten Winter durch einen Sturz beim Skifahren etwas lädiert ist. Hoffentlich hält es die nächsten Tage. Später werfe ich mir 2 Dolo-Extra ein. Sicher ist sicher. Nach dem kalten See ist die noch wärmende Sonne eine richtige Wohltat. Ich habe auch noch frische Wäsche und so fühle ich mich fast wie frisch geboren.


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In der Hütte übernehme ich das Anheizen des Ofens. Bald wird die Sonne hinter den Bergen verschwinden und noch ist es drinnen kälter als draußen. Zwei Eimer Wasser schleppe ich auch noch vom See nach oben, bevor ich es mir vor der Hütte bequem mache und den Anblick des Harteigens und der näheren Umgebung bewundere. Die Torehytten sind einfach wunderbar gelegen. Nach einer Weile mache ich mich ans beliebte Wäschewaschen, Socken und Unnerbuxen, die ich dann über dem Ofen trockne.


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Als es in der Hütte gerade warm wird, gesellt sich noch ein Fjordnorweger hinzu. Er ist heute oberhalb von Lofthus aufgebrochen und hat den weiten Weg in nur 10h bewältigt. Respektabel, vor allem bei seinen geschätzten 70 Jahren. Andy und Caroline setzten beim Abendessen auf Bewährtes (und Bekanntes): Meatballs. Die restliche Speisekammer ist ihnen etwas suspekt. Auf mein Anraten probieren sie dann doch Rekeost auf Knäckebrot. Ok, ich erzähle ihnen, dass man Rekeost gegessen haben muss, wenn man zu Hause erzählen will, dass man in Norwegen war. Ich mache mich über eine Tüte Beef Stroganoff her. Während des Sonnenuntergangs gehe ich immer wieder raus, um Fotos zu machen. Die Nullgradgrenze ist schon um 7 Uhr erreicht.


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Am Abend unterhalten wir uns über Erlebtes und die Vidda. Vom Norweger erfahre ich, dass es dieses Jahr nur wenig Rype gibt und dass die Rentiere sich jetzt wohl eher im Südwesten oder gar in der südlich angrenzenden Telemark aufhalten. Die Amis sind enttäuscht, da sie ihr weiterer Weg über Stavali und Kinsarvik führen wird. In meiner Richtung sollten die Chancen größer sein; leider habe ich die nächsten Tage aber doch keine zu Gesicht bekommen. Beiläufig erwähnt der alte Fjellhase auch noch, dass mein weiterer Wegeverlauf recht steinig werden wird. Wie Recht er behalten sollte.
Um 22 Uhr, als die Anderen schon in den Betten liegen (Fotos und Whisky haben mich aufgehalten), breite ich mein noch feuchtes Zelt im Aufenthaltsraum aus. Wer weiß, ob ich es in diesem Urlaub noch mal benutzen werde.


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cast
16.10.2008, 11:26
Wann geht es weiter?
Schöner Bericht.

Mika Hautamaeki
16.10.2008, 14:53
Genau, wann geht´s weiter, ich bin doch so gespannt....:nomail:

sarek2007
16.10.2008, 23:03
Mi 17.9. Torehytten – Tyssevassbu ca 21km

Wie schon üblich stehe ich um 7 Uhr auf. Die Anderen in der Hütte regen sich auch schon. Nach dem Frühstück verarzte ich noch meine Hüfte. Der Tankaverschluss des Saumschnürzugs meiner Jacke hat unter dem stramm sitzenden Hüftgurt ganze Arbeit geleistet und einige Scheuerstellen hinterlassen. Der Hüftgurt ist gerade so breit wie die Jackentasche hoch ist und so bleibt mir die Wahl zwischen Scheuerstellen unten oder Druckstellen oben. Auch wenn ich G1000 für das richtige Material im Fjell halte, so ist die Tasche der TelemarkII nicht für den Hüftgurt geeignet. Hätte ich eigentlich vom Vorjahr wissen müssen. Jetzt bleiben mir nur noch Kompressen und wohl auch ein paar Narben.


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Um 9Uhr ziehe ich los nachdem Andy und Caroline in Richtung Stavali aufgebrochen sind. Es ist trocken aber die Wolken wollen den Gipfel des Harteigen nicht immer geben. Der Norweger erwartet gegen 11Uhr ein Aufklaren und will dann den Gipfel besteigen. Auch wenn die Aussicht sicherlich umwerfend ist, muss ich passen. Der heutige Weg nach Tyssevassbu wird in den Karten mit immerhin 6h Laufzeit angegeben und viel Reserve nach hinten habe ich auch nicht. Meine Ruhetage habe ich schon am Anfang aufgebraucht.


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Es ist noch frisch und so laufe ich mit Mütze und Handschuhen los, welche ich aber bald wieder ausziehe. Am Ausfluss des Sees wartet gleich die erste kleine Kletterstelle auf mich. Es sind nur ein paar Meter abwärts aber ich muss die Hände zu Hilfe nehmen. An dem Bach endet auch die Schlucht, die ich schon am Vortag von der anderen Seite gesehen hatte. Nach gut einem Kilometer zweigt mein Weg nach SO ab. Am Fuße des Harteigens kann ich unseren Zeltplatz von vor 4 Jahren wieder erkennen. Viele ebene Stellen mit Wasserversorgung gibt es dort nicht.


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Direkt nach dem Abzweig verliert sich der Weg und so muss ich des Öfteren nach der nächsten Markierungen Ausschau halten. Oft begangen ist der Weg wohl nicht. Die Landschaft wird wie prophezeit immer steiniger. Es geht bis auf knapp 1500m in die Felsregion hinauf, dann fällt der Weg zum Grotbotnen wieder ab. Dort mache ich um 11:30Uhr windgeschützt für eine halben Stunde Pause und blicke direkt auf einen kleinen Wasserfall. Jetzt kommt auch immer wieder die Sonne raus. So lässt es sich aushalten derweil meine schon wieder verschwitzten Klamotten trocknen.


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Die anschließende Furt stellt kein Problem dar. Wieder komme ich nur knöcheltief durch den Bach. Den Markierungen folgend steige ich bis auf etwa 1400m. Beim Blick zurück taucht auch immer wieder der Harteigen auf. Nur Rentiere kann ich in dem unübersichtlichen Gelände keine entdecken. Bei schlechtem Wetter könnte hier der Kompass zum Einsatz kommen. Die Steinhaufen und kleinen roten T’s sind auf Stein und Fels oftmals nur schwer zu erkennen. Nicht gerade ein Streckenabschnitt für Fjellanfänger. Dies sei erwähnt, da die Hardangervidda hier im Forum oft als anfängertauglich bezeichnet wird. Trifft für den größten Teil sicherlich auch zu, vor allem dort wo man im Wesentlichen nur den ausgetretenen Pfaden folgen muss. Hier im Südwesten der Vidda sollte ein gutes Orientierungsvermögen und der sichere Umgang mit Karte und Kompass allerdings mitgebracht werden. Jetzt, Mitte September, ist es hier auch sehr einsam. Bis zum Ende meiner Tour werde ich niemandem mehr begegnen.


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Um 14 Uhr treffe ich auf den Weg der von Litlos nach Tyssevassbu führt. Bislang liege ich gut in der Zeit. Die Laufzeiten in den Turkarts (bis hier werden 4h veranschlagt) sind jetzt für mich ein ganz guter Anhaltswert auch wenn ich nicht das Ziel habe, die Zeiten einzuhalten oder gar zu „schlagen“. Der Alltagsstress wird früh genug wieder kommen. Ich mache meine zweite längere Pause direkt nach der kleinen heute unbedeutenden Watstelle. Im Windschutz kann ich das jetzt schöne Wetter und die Sonne genießen.


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Nach 30min schultere ich meinen Rucksack, der mal wieder schwerer geworden ist, obwohl ich mir einige Snacks genehmigt habe... Das folgende Teilstück wird sehr steinig. Je höher es geht, desto geringer wird auch die verbleibende Vegetation. An einigen Nordhängen muss ich noch recht große Schneefelder queren. Eine Spur kann man so gut wie nie erkennen und so erahne ich auf der anderen Seite oftmals nur den fortführenden Weg. Am Ende der Sommersaison sind mir die Schneefelder etwas suspekt. Hat vielleicht ein Bach den Schnee untergraben? Hin und wieder ziehen sich auch Brüche durch den Schnee. Da nehme ich doch lieber Umwege in Kauf. Oberhalb der kleinen Seen ziehen sich einige lange Schneefelder bis runter zum Wasser. Da der Schnee ziemlich hart ist, muss ich bei jedem Schritt auf einen sicheren Stand achten, was sehr ermüdend ist. Ausrutschen wäre hier keine gute Idee. Zwischen den Schneefeldern gibt es Geröll und Fels. Zweimal steige ich fälschlicher auf kleine Hügel, da oben Steinmännchen thronen. Die wurden aber wohl eher als Gipfelmale errichtet. Die ganze Anstrengung umsonst…


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Ca. 3 km vor Tyssevassbu habe ich auf einer „regulären“ Anhöhe gute Sicht nach Norden und so packe ich mal wieder mein Telefon aus. Uns siehe da, ich habe Kontakt. Die Wettervorhersage verheißt für Freitag immer noch Regen bei etwa 2°C. In dem felsigen Gelände und mit Steilabstieg ins Skjeggedal für wahr keine guten Aussichten. Bei schönem Wetter wie heute hat die karge Landschaft einen gewissen Charme, allerdings nicht zu vergleichen mit den lieblichen Gegenden der Vortag. Bei Nebel und Regen ist der Abschnitt sicherlich ätzend.


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Das letzte Teilstück ist beschwerlich auch weil meine Kräfte schwinden. Um 16:30Uhr erreiche ich endlich Tyssevassbu. Wie zu erwarten, bin ich alleine. Die letzten Gäste waren hier vor 6 Tagen. Reichlich erschöpft mache ich mich über die Speisekammer her und stopfe mir erst mal ein paar Ecken Schmelzkäse rein. Beim Studieren des Hüttenbuchs stelle ich später fest, dass sich schon Andere zuvor über die abgelaufenen Verfallsdaten einiger Lebensmittel beklagt hatten. Super, mein Käse war schon im Januar fällig. Gestärkt hole ich mir am kleinen See 2 Eimer Wasser und heize schließlich die Hütte ein, nachdem ich eine Weile erfolglos nach Holz gesucht hatte. Hier ist so Manches anders. Geheizt wird mit Strom auch elektisches Licht ist vorhanden. Unweit von den Hütten endet eine Hochspannungsleitung, die hinab zum Ringedalsvatnet führt. Die Annehmlichkeiten der Zivilisation zerstören ein wenig die Eindrücke der unberührten Natur und Einsamkeit. Über Mittelwelle des Hüttenradios empfange ich auch ein schwaches Signal des Deutschlandfunks und lasse mich mit allerhand Nachrichten berieseln. Von Börsencrash und Ähnlichem ist die Rede. Will irgendwie nicht ins Fjell passen.
Der Blick nach Südwesten lässt für morgen schon mal eine ebenso steinige Etappe erahnen.


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Nach dem Abendessen reduziere ich mein Rucksackgewicht. Ich lege meine Kopien der Karten zu dem Lesematerial und fülle einen guten halben Liter meines Spiritus in eine alte Colaflasche (gut beschriftet). Durch die Hüttenübernachtungen war mein Verbrauch minimal und mir verbleibt immer noch reichlich Brennstoff für den Rest der Tour. Nach Whisky und Hüttenbucheintrag lege ich mich um 22 Uhr ins Bett. War doch ein anstrengender Tag.


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Sandmanfive
12.10.2009, 00:04
Sag mal fehlen hier nicht noch ein paar Tage des Reiseberichtes?;-)

sarek2007
05.04.2011, 22:21
nach langer Zeit, will ich den Bericht doch noch zu Ende bringen. Ich beschränke mich aber im wesentlichen auf die Bilder. Falls Interesse besteht, schreibe ich vlt. noch ein wenig mehr...

Mi 17.9. Tyssevassbu - Skjeggedal ca 21km

Der Weg führt mich von der Hütte Tyssevassbu über die Trolltunga am Ringedalsvatnet nach Sjeggedal. Von dort lasse ich mich vnn einem Taxi nach Odda bringen


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zwischen all dem Fels und Stein verschafft sich die Natur auch noch ihr Recht

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0002.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148634&title=hardangervidda-2008&cat=25)


Auf dem Weg zur Trolltunga gab es noch 2 etwas heikle Stellen. Die erste war nach einer halben Stunde Laufzeit ein ca 5m tief im Fels eingeschnittener Bach, der mir doch einiges Kopfzerbrechen bereitete. Der einzige Abstieg führt eine fußbreite Kante. Mit großem Rucksack kein ungefährliches Unterfangen, da die Gegend jetzt Mitte September auch noch menschenleer ist.
Die zweite Stelle ist nach einer weiteren Laufstunde ein brüchiges Schneefeld, das ich lieber am oberen Ende mit kleiner Kletterei umgehe.


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da ist sie endlich, die Trolltunga

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0007.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148638&title=hardangervidda-2008&cat=25)


https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0008.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148639&title=hardangervidda-2008&cat=25)


etwas ernüchternd ist der Anblick von der anderen Seite

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0009.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148640&title=hardangervidda-2008&cat=25)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0010.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148641&title=hardangervidda-2008&cat=25)

ein Blick zurück: der Weg ging durch die Felsen

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0011.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148642&title=hardangervidda-2008&cat=25)

Blick nach Südosten an das Ende des Ringedalen

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https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0014.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148644&title=hardangervidda-2008&cat=25)

Blick nach Westen: es geht abwärts und das Ende der Tour naht.

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die ersten Bäume tragen bereits ihr Herbstkleid

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beim Abstieg wird die Vegetation üppiger

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0017.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148647&title=hardangervidda-2008&cat=25)

Für die Magelibanen war die Saison schon zu Ende. Oben hatte ich mir noch überlegt, ob ich über die Stufen absteigen sollte. Das etwas leichtsinnige Unterfangen habe ich aber ganz schnell wieder sein lassen und bin durch den Wald abgestiegen.

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https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0019.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148649&title=hardangervidda-2008&cat=25)

In Odda verbringe ich dann noch den ganzen nächsten Tag und fahre dann mit dem Bus nach Oslo.
Ob sich Odda als Endpunkt eignet, muss jeder für sich entscheiden. Die Trolltunga ist jedenfalls sehenswert. Odda ist leider nicht besonders schön. Fjordfeeling kommt da eher wenig auf. Beim nächsten mal würde ich wohl den klassischen Ausstieg über Haukeliseter wählen. Abgesehen von einer sehr schönen Wegstrecke hat dort auch eher die Gelegenheit, sich langsam an die Zivilisation wieder zu gewöhnen. Etwas Wehmut ist doch am Ende einer Tour immer mit dabei...

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/25/forum_09_18_0020.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=148650&title=hardangervidda-2008&cat=25)

Gismo834
06.04.2011, 13:42
Vielen Dank. Ich bin im September auch in der Gegend. Dein Bericht wird mir bei der Planung sehr behilflich sein.
Insbesondere der Ausstieg mit Rückreise nach Oslo war mir noch nicht ganz klar.
Aber scheint ja von Haukalitseter gut möglich

sarek2007
06.04.2011, 19:44
Vielen Dank. Ich bin im September auch in der Gegend. Dein Bericht wird mir bei der Planung sehr behilflich sein.
Insbesondere der Ausstieg mit Rückreise nach Oslo war mir noch nicht ganz klar.
Aber scheint ja von Haukalitseter gut möglich

Von Haukeliseter kommt man in ca 6 Stunden mit Nor-Way (http://www.nor-way.no/) nach Oslo. Der Bus kommt aus Bergen und fährt über Utne und Odda, so dass auch die westlichen Ausstiege zum Fjord mit dem Bus abgedeckt sind.

Gismo834
06.04.2011, 22:05
Aah ok Danke. Dann bin ich ja relativ flexibel bei der Planung.

Antracis
06.04.2011, 23:43
Vielen Dank für die Vervollständigung! Dein Bericht war einer der ersten, die ich nach Anmeldung in diesem Forum verschlungen habe, auch wegen dem schön geschriebenen Text. Hab dann immer auf eine Fortsetzung gehofft und des Öfteren daran gedacht ( Zuletzt, als Du in der Outdoor erwähnt wurdest. :bg: ).
Hätte also gegen mehr Text auch nix einzuwenden, merke aber ja gerade selber, was für ne Arbeit das ist.

Also auf jeden Fall vielen Dank, die Vidda sieht mich bestimmt auch noch. ;-)

Gruß
Sascha

Zwimon
07.04.2011, 08:52
Von Haukeliseter kommt man in ca 6 Stunden mit Nor-Way (http://www.nor-way.no/) nach Oslo. Der Bus kommt aus Bergen und fährt über Utne und Odda, so dass auch die westlichen Ausstiege zum Fjord mit dem Bus abgedeckt sind.

So sieht es aus, hab ich letztes Jahr auch gemacht. In Haukeli gibt es auch Duschen usw. bevor man sich den 5h Ritt gen Oslo gönnt. Aber das Beste ist, dass wenn man neu in den DNT eintritt, einen Gutschein für eine Freifahrt mit dem Bus bekommt.

Sehe gerade, dass sie das geändert haben, gibt jetzt nur noch ne 50% Ermäßigung (http://www.huettenwandern.de/bus-hilfe-2011.htm)

sarek2007
20.07.2011, 21:21
Vielen Dank für die Vervollständigung! Dein Bericht war einer der ersten, die ich nach Anmeldung in diesem Forum verschlungen habe, auch wegen dem schön geschriebenen Text. Hab dann immer auf eine Fortsetzung gehofft und des Öfteren daran gedacht ( Zuletzt, als Du in der Outdoor erwähnt wurdest. :bg: ).

;-)



Hätte also gegen mehr Text auch nix einzuwenden, merke aber ja gerade selber, was für ne Arbeit das ist.


vor allem, wenn die zeitliche Lücke so groß geworden ist. Ich werde es bei dem Niedergeschriebenen belassen.
Gruß,
Tilman

Ghame
21.07.2011, 10:53
Toller Bericht und schöne Fotos! Alle Achtung für den Mut, so eine Tour ganz allein zu machen!

sarek2007
21.07.2011, 23:42
Danke!

Das mit dem Mut ist relativ. Ich konnte schon ganz gut einschätzen, worauf ich mich einlasse. Ohne ausreichende Erfahrung dort oben würde ich aber niemanden zu einer Solotour raten. Man sollte schon einschätzen können, ab wann man leichtsinnig handelt. Neu war für mich jedenfalls, alleine durch die Landschaft zu schreiten. Insofern gehörte ein klein wenig Mut dazu, die Tour auch durchzuziehen, wobei ich im Vorfeld keine großen Zweifel hatte, dass mich die Einsamkeit übermannen würde. Insgesamt war es eine tolle Erfahrung, auch weil ich abends auf den Hütten immer wieder Anschluss gefunden habe.

Ende August geht es wieder los, diesmal allerdings mit einer Angel "bewaffnet", also eher auf norwegische Art...

Mika Hautamaeki
22.07.2011, 08:56
Von mir auch nochmal vielen Dank für die Beendigung. Ist ein sehr guter Bericht, einer tollen Tour!

sarek2007
18.05.2016, 23:27
So, war ein wenig Arbeit. Jetzt sind die Fotos aber wieder da.

Trumpfass
19.05.2016, 02:23
Super, danke für den reupload. Tolle Fotos und super Infos, die Tour klingt genial und motiviert uns noch mehr! :)

Dogmann
19.05.2016, 09:46
Einfach Klasse!

codenascher
19.05.2016, 20:39
Sehr schöner Reisebericht! Vielen Dank für den reupload der Bilder (wodurch natürlich überhaupt erst die Aufmerksamkeit auf den Bericht gefallen ist).

sarek2007
29.05.2016, 17:35
Vielen Dank für die netten Rückmeldungen.

Schön, dass der Bericht auch nach 8 Jahren noch interessant ist. Mittlerweile sind meine Touren deutlich gewichtsreduziert und die Angel ist seitdem immer mit dabei. Ausschlaggebend war die Jagdgruppe in Kjeldebu, die mich mit großen Augen angeschaut hatte, weil ich ohne Angel durchs Fjell zog.

Die Vorfreude steigt auf die diesjährige Tour ins Øvre-Dividal :grins:

Trumpfass
13.06.2016, 15:03
Hi Tilman,

du hast geschrieben die Strecke Tyssevassbu - Skjeggedal sei 21km lang gewesen, auf ut.no und in allen Guides lese ich aber, dass allein der Weg vom Tal zur Trolltunga 22km sein sollen. Stimmt da deine Angabe nicht ganz, oder bist du einen anderen Weg gelaufen? :)

Siehe: http://www.ut.no/tur/2.4895/

Danke & Cheers,
Alex

sarek2007
13.06.2016, 19:49
Hallo Alex,

Die von Dir verlinkte Tour zur Trolltunga soll insgesamt 22km lang (hin+zurück) sein.

Von Tyssevassbu bis Skjeggedal sind es lt. UT sogar nur 17km (6+11km).
Ich halte die Angaben von UT für diese Strecke für etwas zu "optimitisch", da ich schon beim Nachmessen auf der 1:50000er Karte auf die 17km komme. Dabei sind die vielen Schlenker des Pfades noch nicht nicht mit eingerechnet. Ob es jetzt 18,19,20 oder gar 21km sind kann ich auch nur schätzen.

Die Zeitangaben sind auf der Karte für Tyssevassbu-Skjeggedal mit 8h großzügig bemessen. Ich habe dafür inklusive aller Pausen und längerem Fotostop an der Trolltunga 6.5h gebraucht.
In die entgegengesetzte Richtung muss man aufgrund der vielen Höhenmeter einiges dazu addieren (lt. UT 9.5h)

Gruß
Tilman

Trumpfass
13.06.2016, 20:16
Ohje, die ganze Planung bis tief in die Nacht scheint mich schon blind zu machen :lol: Hin und zurück, das erklärts! Ich danke dir :)

sarek2007
14.07.2016, 20:59
Gerade entdeckt: Es gibt mittlerweile einen Shuttle (http://www.oddataxi.no/en_GB/?) zur Trolltunga von Odda nach Skjeggedal.

hochers
25.07.2016, 07:44
Hi Tilman,

danke für den super Bericht! Mich wundert es, dass du deine Angel nicht dabei hattest. Lohnt es sich auf der Strecke deiner Meinung nach nicht oder war es wegen dem Gewicht?

Grüße Jo

sarek2007
26.07.2016, 22:53
Das ist für mich heute nicht mehr nachvollziehbar. Letztendlich war es die norwegische Jagdgruppe in Kjeldebu, die mich wieder auf den Geschmack gebracht hat. Die hatten mich etwas unglaubwürdig angeschaut, als ich ihre Frage verneinen musste, ob ich denn eine Angel dabei hätte. Und das obwohl ich in der Jugend schon viel Ausdauer beim Angeln hatte. Damals jedoch noch mit bescheidenem Erfolg. :D

Seit 2010 ziehe ich nicht mehr ohne Angel ins Fjell und plane heute meine Touren mit reichlich Zeit für's Angeln. Das Rucksackgewickt ist deutlich abgespeckt, so dass die Angel immer Platz findet. Trotzdem mache ich jetzt weniger Strecke mit Rucksack, dafür umso mehr an den Seen am Nachmittag,so dass es am Abend Forellen gibt. 🎣
In 2.5 Wochen geht's wieder los. Diesmal ins Øvre Dividalen und Narvikfjell :grins:

Die Hardangervidda bietet einige großartige Gewässer. Die verschiedenen verfügbaren Angelkarten decken allerdings nicht das gesamte Gebiet ab, da sich einige Flüsse und Seen in Privatbesitz befinden.

Gruß,
Tilman

sarek2007
14.09.2016, 19:15
Gerade entdeckt: Es gibt mittlerweile einen Shuttle (http://www.oddataxi.no/en_GB/?) zur Trolltunga von Odda nach Skjeggedal.

Bin froh, dass es vor 8 Jahren noch nicht so zu ging. Heute wollte ich mir diesen Massenandrang nicht mehr antun, genauso wenig wie Preikestolen.

Erschreckend, was mittlerweile an der Trolltunga abgeht :o
https://www.nrk.no/hordaland/formidabel-okning-i-trolltunga-turismen-1.13102229


Dann bleiben Unfälle nicht aus :ignore: :(
https://www.nrk.no/hordaland/her-er-alle-rode-kors-sine-oppdrag-til-trolltunga-i-2016-1.13120573

Und zu Recht Diskussionen :motz: :grrr:
https://www.nrk.no/hordaland/det-er-ikkje-lov-a-hindre-dette-1.13110434

https://www.nrk.no/hordaland/villrein-kan-stoppe-turisthytte-pa-trolltunga-1.13130100

Mal sehen wie es sich weiter entwickelt :roll:

Norwegen hat ja zum Glück noch viele spektakuläre Gegenden, die für den Massentourismus unerreichbar sind. Gut so. :bg:

sarek2007
01.08.2017, 22:58
Auch das noch! Jetzt wurde eine Straße (https://www.youtube.com/watch?v=KuhlfEs_bmU) nach oben gebaut. :o:o
Parken auf 840m. Einfach nur pervers! :motz::motz::grrr::grrr::grrr:

Leute, bitte unterstützt diesen Wahnsinn nicht!

Trumpfass
09.08.2017, 01:40
Boah, das letzte, was die bei mir letztes Jahr extrem verdreckte Trolltunga brauchte, war eine Straße. Unfassbar :(
Als wir da letztes Jahr ankamen und uns einen Zeltplatz suchen wollten, war der nähere Radius um die Trolltunga eine Mischung aus Mienenfeld menschlicher Exkremente und Müllresten, das war echt traurig. Von der leave no trace Regel haben diese Touris noch nie was gehört. :roll:
Also, nicht falsch verstehen, der Blick aufs Fjord ist unfassbar schön, aber der Massentourismus suckt einfach nur und die Touris sind auch noch unfassbar dumm. Beispiel: die Leute die da warten Klatschen und Jubeln, wenn jemand auf der Trolltunga einen Handstand oder ein Rad macht oder ein Typ seine Freundin auf den Arm nimmt und anfängt zu hüpfen. Ich mein, gehts noch? Da fragt man sich echt, wie blöd die Leute eigentlich sein können...
Aber am Ende des Tages werden die Norweger da halt entweder Posten aufstellen (und Eintritt verlangen), oder es gleich wie die Isländer (beim Strand von Vik) machen und das Ding zeitweise absperren.

Aber wie gesagt, einen Hardangervidda-Trek dort Enden zu lassen ist meines Erachtens trotzdem eine gute Idee. Der Blick auf den Fjord ist beim richtigem Wetter unbezahlbar: http://yourshot.nationalgeographic.com/photos/10268186/

Cheers,
Alex

fcelch
09.08.2017, 08:31
Naja, ist kein Fjord, es ist ein See. Trotzdem schön.

Antracis
09.08.2017, 10:51
Seit 2010 ziehe ich nicht mehr ohne Angel ins Fjell und plane heute meine Touren mit reichlich Zeit für's Angeln. Das Rucksackgewickt ist deutlich abgespeckt, so dass die Angel immer Platz findet. Trotzdem mache ich jetzt weniger Strecke mit Rucksack, dafür umso mehr an den Seen am Nachmittag, so dass es am Abend Forellen gibt. 


Dieses Mal war auch definitiv unsere letzte Tour ohne Angel, nachdem ich die Fische teilweise fast beim Schwimmen im See hätte fangen können. :o:bg:

Wir werden das Thema aber nächsten Monat mit Fischereischein und Neuanschaffung von Eqipment definitiv angehen. ( Mein letztes Mal Angeln war glaube ich mit 14 Jahren - zwar damals recht erfolgreich, aber doch schon länger her.
:bg:
Sehe ich das richtig, dass Fliegenfischen dort in Seen und Flüssen am erfolgversprechensten ist ?

Spannend finde ich zumindest, dass ich das auch über unsere bevorzugten Gegenden im Norden Schottlands gelesen habe, dann könnte man das sogar in mehreren Ländern mal probieren.

Gruß
Sascha

sarek2007
09.08.2017, 23:15
Dieses Mal war auch definitiv unsere letzte Tour ohne Angel, nachdem ich die Fische teilweise fast beim Schwimmen im See hätte fangen können. :o:bg:

Wir werden das Thema aber nächsten Monat mit Fischereischein und Neuanschaffung von Eqipment definitiv angehen. ( Mein letztes Mal Angeln war glaube ich mit 14 Jahren - zwar damals recht erfolgreich, aber doch schon länger her.
:bg:
Sehe ich das richtig, dass Fliegenfischen dort in Seen und Flüssen am erfolgversprechensten ist ?

Spannend finde ich zumindest, dass ich das auch über unsere bevorzugten Gegenden im Norden Schottlands gelesen habe, dann könnte man das sogar in mehreren Ländern mal probieren.

Gruß
Sascha

Hallo Sascha

ja mach das unbedingt! Angeln ist wie Radfahren. Man verlernt es nicht :D und es verlangt Ausdauer :grins: Gibt den Touren auch noch einen weiteren Reiz. Ich wähle unsere Routen mittlerweile anhand von vielversprechenden Gewässern aus. Der Austausch von Informationen mit den norwegischen Anglern war auch immer Gold wert. Alleine dafür lohnt die Übernachtung in den Hütten.

Fliege oder Spinnfischen hat beides seine Vorzüge.
Bei Flüssen liegt die Fliege wohl eindeutig vorne.
Bei Wind sind Blinker im Vorteil.

Ich fische dort oben nur mit Blinkern und Spinnern und kann mich nicht beklagen :bg:

Irgendwann werde ich mich auch noch am Fliegenfischen probieren aber aller Anfang ist schwer.

Am Freitag geht's ab nach Tromsø und am Samstag gleich ins Øvre Dividalen für 6 Tage über die Rostahytta Richtung schwedische Grenze und über die Dærtahytta wieder zurück ins Rostadalen. Hoffentlich beissen die Fische und nicht die Bremsen. Freue mich schon wie Bolle.
Gruß,
Tilman

Trumpfass
10.08.2017, 02:17
Haha, really Tilman? Wie geil, du konntest mir hier ja letztes Jahr schon so genial bei der N-S-Querung der Hardangervidda helfen und jetzt das:
Ich werde Anfang September in Kilpisjärvi ebenfalls durchs Øvre Dividalen Richtung Innset oder bis Abisko wandern. Da freue ich mich jetzt schon auf deinen Bericht und/oder deine Last-Minute-Tipps! Bin echt gespannt was du zu berichten haben wirst. Ich wünsche dir auf jeden Fall riesig viel Spaß und gutes Wetter. :)

cheers,
Alex

dingsbums
10.08.2017, 09:43
Ich werde Anfang September in Kilpisjärvi ebenfalls durchs Øvre Dividalen Richtung Innset oder bis Abisko wandern.
Wenn dir eine dicke Frau, gefolgt von einem netten Mann, entgegenkommt, dann sag mal mehr als nur 'Hej'. Holger und ich wandern dieses Jahr von Abisko nach Norden auf dem Nordkalottleden, Start auch Anfang September. :D Ich kann es kaum noch erwarten, freue mich riesig.

Trumpfass
10.08.2017, 15:51
Wird gemacht, ich werde die Augen offen halten. :)