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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [IS] Island 2008 (Laugavegur, Askja, Jökulsargljufur-NP)



Natide
29.09.2008, 11:53
Land: Reisebericht
Reisezeit: 25.07. - 12.08.2008
Region/Kontinent: Nordeuropa

http://www.natalie-timo.de/resources/Island+$C3$9Cbersichtskarte.JPG
Dass wir in diesem Jahr 2008 wieder nach Island fahren, stand schon lange fest. Aber dieses Mal wollten wir nicht mit dem Rad auf der Insel herumfahren, sondern wandern. In Schweden hat das sehr gut geklapptund auch der Transport von 2 Rucksäcken im Flugzeug einfacher und stressfreier ist, als der Transport von Rädern und 9 Taschen. Zudem wollten wir dieses Mal auch die Plätze sehen, die wir mit dem Rad nicht erreicht hatten, stand auch die Fortbewegungsart nicht zur Diskussion. Wandern war angesagt!
Dann die nächste Frage: Welche Tour machen wir?
In einem Outdoormagazin von 2005 waren einige Tourenvorschläge, die sich sehr interessant angehört haben und wir nahmen den Laugavegur und die Westfjorde in die engere Auswahl. Da aber der Transport in die Westfjorde sich dann doch als etwas problematisch herausstellte und auch die Reiseberichte nicht sehr überzeugend waren, suchten wir uns eine andere Alternative.
Timo wollte auch unbedingt die Askja sehen. Vor zwei Jahren sind auf der Bustour zum Mývatn zwei junge Deutsche mitten in der Wüste ausgestiegen und der Busfahrer fragte sie zweimal, ob sie hier wirklich aussteigen wollen. Und sie stiegen aus. Neugierig wie wir waren schauten wir auf unsere Karte und sahen, dass es absolut kein Wasser auf dem Weg zur Askja gibt, zumindest nicht auf der Tour, die die beiden vorzuhaben schienen. Also galt für uns nun: besser planen.
Informationen über den Laugavgur zu bekommen war kein Problem. Im Internet gibt es unzählige Reiseberichte und auch das Buch vom Conrad-Stein-Verlag „Island: Trekking Klassiker“ durfte bei der Planung nicht fehlen.
Nur von der Askja-Tour gab es kaum Informationen. Es gibt zwar einen offiziellen Askja-Trail, aber keine Wander-Karten. Nur der Arktis-Verlag konnte mir auf Anfrage eine Karte schicken, die er noch gar nicht in seinen Shop aufgenommen hatte. Dort bestellten wir übrigens auch alle anderen Karten.
Den offiziellen Askja-Trail wollten wir eigentlich nicht machen, da wir auf der Karte dann gesehen haben, dass das Wasser entlang des Wegs sehr knapp ist.
Timo nahm dann die individuelle Planung für die Askja-Tour anhand der Karte und auch der digitalen Karte am PC in Angriff. Diese digitale Route konnten wir dann auch in unser neues GPS überspielen und vor Ort nutzen.
Ich nahm mir den altmodischeren Teil vor, las das Buch sowie Reiseberichte über die Touren. In dem Buch „Island: Trekking Klassiker“ waren dann sowohl der Fimmvörđuháls, als auch der Laugavegur und die Tour im Jökulsárgljúfur-Nationalpark beschrieben.
Der Fimmvörđuháls ist der Weg von Skógar nach Þórsmörk und geht nahtlos in den Laugavegur über. Diese beiden Touren standen dann schon fest. Zusammen sind sie ca. 80km lang. Timos Askja-Tour war ca.115km lang. Desweiteren war in dem Büchlein aber auch noch die Tour im Jökulsárgljúfur-Nationalpark sehr interessant und wir beschlossen, diese Tour ebenfalls zu machen, falls wir nach den anderen beiden Touren noch Zeit hatten. Wie lange wir für die geplanten 200km brauchen werden, war ungewiss, da die Wegbeschaffenheit, die Kondition und auch das Wetter noch zu beachten waren. Zudem wussten wir, dass der Bus von Landmannalaugar (dem Zielpunkt des Laugavegur) nur dienstags, donnerstags und sonntags Richtung Mývatn (also unserem Startpunkt für die Askja-Tour) fährt. Sollten wir z.B. donnerstags mittags in Landmannalaugar ankommen, müssten wir drei Tage auf den Bus warten. Diese Zeit musste natürlich in die Planung mit einbezogen werden. Im Januar ergab es sich dann, dass wir nicht nur zu zweit nach Island fahren werden:
Hier im Forum stießen wir auf eine Anzeige, in der jemand einen Trekkingpartner für Island suchte. Wir beschlossen die Person anzuschreiben, da wir gerne mal nicht nur zu zweit gehen würden, weil es zu dritt oder mehr einfach lustiger ist. Ilona antwortete uns. Nach einigen Mails bezüglich der Planung (wie wir uns den Urlaub vorgestellt hatten) trafen wir uns mit ihr, um uns persönlich kennenzulernen und zu sehen, ob ein gemeinsamer Urlaub funktionieren würde. Ilona war schon zweimal auf Island, hatte jedoch geführte Touren gemacht, aber sie macht regelmäßig Wanderungen und somit sollte es kein Problem sein. Beim ersten Treffen schauten wir uns Islandbilder ihrer Urlaube dort an und lernten uns kennen. Am nächsten Tag kam dann die Mail von ihr, dass sie es sich vorstellen könnte mit uns die Tour zu machen und auch wir waren der Meinung, dass es passen würde. So trafen wir uns noch einmal, um die Tour fix zu machen und einiges andere zu besprechen.
Geplant waren nun:
1) Laugavegur von Skógar nach Landmannalaugar
2) Askja
3) Wenn Zeit ist, die Querung des Jökulsárgljúfur-Nationalparks
2006 sind wir mit der IcelandAir ganz günstig geflogen, doch diese Fluggesellschaft hat so drastisch die Preise erhöht, dass wir nicht eingesehen haben 600€ pro Person für einen Flug zu bezahlen. IcelandExpress dagegen war zwar auch noch teurer, als der Flug 2006, aber mit 385€ pro Person günstiger als IcelandAir.
Ilona buchte am nächsten Tag die Flüge, Timo trug die Touren in der digitalen Karte ein, ich bestellte die Papierkarten und suchte die benötigten Busverbindungen in Island.
An Ausrüstung mussten wir nichts mehr kaufen, es war alles vorhanden und getestet, nur die Packlisten mussten nochmal überarbeitet werden, da einiges zuhause blieb und dafür anderes (wie Sandheringe) mitkommen musste.
Unser neues (drittes) Zelt (Wechsel „Forum 4 2“) ist ein 2-Personen-Zelt und Ilona hatte kein 1-Personen Zelt. Ein Studienkollege von Timo hatte ein Wechsel „Pathfinder“ zuhause, welches er eh nie benutzt und er erklärte sich bereit, dieses Zelt an Ilona zu verleihen.
Wir trafen uns dann mit Ilona ein weiteres Mal, denn das Zelt war neu und die Nähte mussten noch nachträglich mit Silikon (Sil-Net) abgedichtet werden. Zudem sollte Ilona auch noch ein bisschen Zeit haben das Zelt selbst zu testen, bevor es nach Island ging.
Am 19.07.2008 war dann das Abschlusstreffen mit Einkaufen des Proviants und Klären der letzten Unklarheiten. Alles prima. Es kann losgehen.
25.07.08
Abflug von Frankfurt/Hahn nach Keflavík
Busfahrt von Keflavík nach Skogár
Am 25.07.2008 um 7.30Uhr geht es endlich los. Meine Mutter hatte sich angeboten Timo, Ilona und mich zum Flughafen zu fahren. Gegen 8.15Uhr sind wir bei Ilona in Speyer und gegen 10Uhr schon am Flughafen. Wir trinken noch einen Kaffee und checken ein. Nun kommt die Stunde der Wahrheit. Wie schwer sind die Rucksäcke?
Ilona: 12,6kg
Timo: 12,0kg
Natalie: 15,2kg
Klar ist meiner der schwerste, da ich 4kg Essen und 1l Wasser (Fanta) im Rucksack habe. Aber er wird leichter werden auf der Tour. Proviant wie Brot, Käse, Kekse und auch Brennstoff kaufen wir in Skógar, das laden die anderen beiden noch zu. Das passt schon alles.
Um 13.30Uhr hebt die Maschine der IcelandExpress dann Richtung Island ab. Endlich.
Es ist bei so einer individuellen Reise immer die Frage, ob es alles so klappt, wie wir uns das vorgestellt haben. Ein bisschen Aufregung und Spannung schwingt da natürlich mit.
Zu unserem Erstaunen gibt es auf diesem Flug weder etwas zu trinken noch zu essen gratis. Alles muss extra bezahlt werden. Das versteh wer will und das bei einem 3,5 Stunden Flug. Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir uns Proviant mitgenommen.
Während des Flugs (ich sitze am Fenster) rätseln wir über die Flugroute des Piloten, denn unter uns ist Land und das sieht auch noch aus wie Schottland. Wieso sollte er über Großbritannien fliegen? Wir schalten das GPS ein und schauen, ob er wirklich richtig fliegt. Tatsächlich. Wir sind über Schottland und biegen nun nach Westen Richtung Island ab. Komische Route, aber wir landen tatsächlich um 14.45Uhr Ortszeit (-2h) in Keflavík.
Unser Gepäck kommt heil an. Als erstes holen und tauschen wir Geld. Man kann zwar überall mit Kreditkarte zahlen, aber wir wollen trotzdem Bargeld haben. Danach suchen wir den Flybus, der uns ans BSI-Terminal (Busstation) in Reykjavík bringt und von dort aus geht es dann weiter mit einem anderen Bus nach Skógar. Um 19.45Uhr kommen wir planmäßig dort an.
Der Zeltplatz ist direkt vor dem Wasserfall, dem Skógarfoss, wunderschön gelegen, aber auch ziemlich voll. Der Platz hat eine Hütte mit Toiletten, Geschirr-Spüle und zwei Tische mit Bänken. Wir suchen uns ein windgeschütztes Plätzchen für unsere Zelte und während Ilona und ich die Zelte aufbauen, geht Timo auf die Suche nach Gas, Brot, Keksen, etc. Ein paar Meter von dem Zeltplatz entfernt gibt es in einem Restaurant einen kleinen Supermarkt, aber da bekommt Timo weder Gas noch Brot. Wie er dort von anderen Leuten mitbekommen hat, soll es erst morgen wieder Gas geben. Später gehen wir nochmal los und schauen, ob es in dem Ort noch einen anderen Supermarkt oder eine Tankstelle gibt. Aber Fehlanzeige. In der Zwischenzeit hat es angefangen zu regnen. Timo schickt Ilona und mich zurück, er selbst geht noch zum Museum und Schwimmbad, um dort nach Gas zu schauen. Ilona und ich gehen ein weiteres Mal an dem Supermarkt vorbei. Da er mittlerweile geschlossen hat, nehmen wir den Hintereingang und fragen nach Gas. Aber der Typ versteht gar nichts und meint, wir sollen an der Tankstelle Gas holen. Er hat sowas nicht. Ich glaube, er meinte, dass wir große Campinggas-Behälter füllen wollen und nicht nur eine kleine Kartusche. Aber egal. Er hat kein Gas und wir gehen. Auch Timo kommt erfolglos zurück. Was nun?
Nach einigem Hin-und Her entschließen wir uns dafür, dass einer von uns am nächsten Morgen mit dem Bus um 7.55 Uhr nach Hella zurückfährt und dort an der Tankstelle Gas holt. Timo wird es machen.
Der Regen hat noch zugenommen und wir kriechen um 21.45Uhr in die Schlafsäcke.

26.07.08 Tag 1
Skógar – kurz vor Básar 23km
Timo und ich wachen um 4.30Uhr auf. Zuhause wäre jetzt 6.30Uhr, eine normale Aufsteh-Zeit. Da wir eh nicht mehr schlafen können, gehen wir zum noch menschenleeren Skógarfoss und machen ein paar Bilder. Es regnet seit letzter Nacht nicht mehr, aber es ist noch dämmrig. Gut, um halb 5 Uhr morgens nicht verwunderlich. Wir können bis fast ganz vor an den Wasserfall laufen, sind dann aber doch ziemlich nass geworden. Schon beeindruckend welche Kraft Wasser haben kann.
http://www.natalie-timo.de/resources/26.07.08+B06+Skogar.JPG
Als wir zurückgehen, kommt so langsam die Sonne über den Berg und Ilona aus ihrem Zelt gekrochen. Sie sieht noch sehr müde aus, also Ilona, nicht die Sonne ;-)
Gegen 6Uhr frühstücken wir: Müsli in der Tasse mit 2in1 Jacobs Kaffee. Um 7.55Uhr fährt der Bus mit Timo drin dann Richtung Hella ab. Ilona und ich liegen noch ein bisschen in unser Zelt, schauen uns die Karten der Touren an und reden. Um 9Uhr wollen wir dann nochmal los zu dem Restaurant, da es gestern hieß, dass um 8.30Uhr der Bus kommt, der Material für den Supermarkt bringt. Wir krabbeln aus dem Zelt und was sehen wir? Einen Irren, der direkt neben dem Wasserfall Thai-Chi oder sowas
macht. Das sieht so lustig aus, wie er da mit den Armen in der Luft herumfuchtelt. Und er hat natürlich auch den besten Platz: da, wo ihn alle sehen können. Peinlich.
Leider hat der Supermarkt noch geschlossen und so gehen wir zurück zum Zeltplatz und setzen uns an einen der Tische. Kurz darauf kommt ein Tscheche dazu und baut seinen Gaskocher auf. Ich frage ihn, woher er das Gas hat und er antwortet, dass er das in Reykjavík gekauft habe. Er hat auch die gleiche Tour vor wie wir, also werden wir uns wohl noch öfter begegnen. Ilona und ich bauen gegen 10.30Uhr die Zelte ab, packen die Rucksäcke und setzen uns wieder auf die Bank. Dort treffen wir ein Pärchen aus Saarbrücken. Sie kommen von Landmannalaugar und geben uns den Tipp, dass der Wind am Alftávatn richtig heftig ist und wir ein gutes Zelt brauchen. Das haben wir. Gegen 11Uhr gehe ich nochmals zum Supermarkt, er hat jetzt geöffnet, aber noch immer nicht mehr Ware als gestern in den Regalen. So hole ich drei Kaffee und gehe zurück zu Ilona. Sie freut sich tierisch über das heiße Getränk. Es ist zwar nicht kalt, aber sehr windig an diesem Morgen. Bei jedem ankommenden Auto oder Bus schauen wir, ob Timo aussteigt. Er hat sich um 9Uhr von unterwegs gemeldet und uns mitgeteilt, dass er Gas bekommen hätte. Wir hoffen, dass er vielleicht per Anhalter zurückfahren kann, aber er kommt erst wie geplant um 11.45Uhr mit dem Bus an. Per Anhalter fahren war nicht drin, erzählt er. Desweiteren hat er ein Pärchen im Bus kennengelernt. Sie hatten sich einen Toyota Yaris (einen Kleinwagen) gemietet. Mit diesem darf man allerdings nur auf der Ringstraße fahren, da das die einzige geteerte Straße ist. Ins Hochland darf man damit nicht fahren und das unterschreibt man auch mit dem Mietvertrag. Doch sie haben es trotzdem getan. Sie meinten, dass das Furten durch den ersten Fluss problemlos funktioniert hat. Im zweiten Fluss haben sie das Auto dann versenkt. Er war einfach zu tief. Nun sind sie eben mit dem Bus unterwegs. Das wird ein teurer Urlaub, denn wir können uns nicht vorstellen, dass das eine Versicherung zahlt.
Timo trinkt nun auch seinen Kaffee, wir packen das von Timo mitgebrachte Zeug ein und um 12Uhr können wir endlich los. Wir fragen eine junge Frau, ob sie von uns drei ein Bild machen kann. Sie kann und wir kommen dadurch ins Gespräch. Sie ist Deutsche und will in dieselbe Richtung wie wir. Wir fragen sie, ob sie nicht Lust hätte mit uns zu kommen, denn alleine ist ja auch langweilig und sie nimmt das Angebot gerne an. Doch schon am Skógarfoss will sie unten noch einige Bilder machen und sie würde dann nachkommen. Wir sollen schon mal gehen. Tun wir auch, denn wir sind eh schon spät.
Für heute sind 12km bis nach dem Fimmvörđuháls-Pass geplant, der auf 1100m Höhe liegt, momentan befinden wir uns bei Null. Aber das sollte bis abends kein Problem sein. Denken wir.
Rechts vom Wasserfall gehen Stufen bis auf 60m hoch, die verlangen gleich schon ordentlich Puste. Von oben hat man einen herrlichen Blick bis zum Meer. Die Sonne scheint, am Wasserfall bilden sich Regenbogen, es ist einfach traumhaft schön.
http://www.natalie-timo.de/resources/26.07.08+B49+Fimmv$C3$B6rduhals.JPG
Der Weg führt uns nun weiter am Fluss entlang über grüne Flächen, an vielen kleineren Wasserfällen vorbei. Solch schöne kleine mehrstufige Fälle muss man bei uns in Deutschland lange suchen, wenn man sie denn überhaupt findet. Das einzige was diese Idylle stört sind die vielen Menschen. Der Skógarfoss ist ein beliebtes Ausflugsziel und viele Touristen nutzen die Zeit und steigen am Wasserfall entlang nach oben. Wir finden, dass der Skógarfoss nur der Abschluss dieser tollen Landschaft ist und nicht einmal der Höhepunkt an sich.
Danach wird es allerdings karger und grauer. Der Weg geht immer noch dem Fluss entlang, der sich mittlerweile unter uns in einer tiefen Schlucht befindet, jedoch ist das Grün nahezu verschwunden und ist einer steinigen Landschaft gewichen. Es geht dann auf eine Allradpiste, der wir einige Kilometer folgen. Es wird kälter und der Wind nimmt zu.
Endlich erblicken wir die eine der beiden Hütten am Pass. Auch Sofie, die junge Frau, die eigentlich mit uns gehen wollte, holt uns wieder ein. Wir machen gerade eine Jacke-Anzieh-Pause und sie erzählt uns, dass sie (bekleidet in T-Shirt und ¾ Hose) noch bis Þórsmörk laufen will, weil sie dort ein Zimmer gebucht hat. Oje, es ist mittlerweile 16.45Uhr und der Weg nach Þórsmörk ist noch ein Stück. Sie meinte, dass die Dame an der Touristen-Information gesagt hätte, dass es kein Problem wäre den Weg von Skogár nach Þórsmörk an einem Tag zu gehen. Das stimmt wohl, wenn man morgens zeitig los geht und einen Tagesrucksack hat. Sofie dagegen hatte einen großen Trekkingrucksack und ist erst um 12Uhr losgelaufen. Naja, nicht unser Problem. Sie läuft dann auch zügig weiter und ward nicht mehr gesehen.
Wir kommen bei der kleinen Schutzhütte an, an der man laut dem Buch „Island: Trekking-Klassiker“ auch zelten kann. Doch in der Hütte sind Leute, die die Hütte renovieren und darum ist sie geschlossen. Eine ebene Fläche zum Zelten ist da, aber bei Windstärke 11 echt indiskutabel.
Also gehen wir weiter. Nach der Hütte geht es kurz bergab auf ein Altschneefeld, das überquert werden muss.
http://www.natalie-timo.de/resources/26.07.08+B63+Fimmv$C3$B6rduhals.JPG
Geht problemlos, da der Schnee nicht gefroren und somit nicht arg glatt ist. Nach dem Schneefeld geht es wieder ein kleines Stück bergauf. Hier irgendwo muss die eigentliche Hütte stehen, an der man laut Buch nicht zelten kann. Kein Problem, vielleicht können wir ja auch drin übernachten. Es ist 17.30Uhr. Wir sehen die Hütte lange nicht. Dann entdecken wir sie doch links von uns ganz oben auf einem Hügel. Um hin zu kommen, müssten wir furten oder über ein unterspültes Schneefeld gehen. Beides wollen wir nicht, zudem scheint die Hütte auch geschlossen zu haben. Wir suchen in dem Lavafeld, in dem wir momentan stehen, nach einem ebenen und windgeschützten Platz zum Zelten, aber keine Chance. Der Wind ist einfach zu heftig. Da wir eigentlich auch nicht bei den Hütten, sondern ein Stück weiter an einem See übernachten wollten, bleiben Ilona und ich zurück und Timo geht über den nächsten Hügel, um zu sehen, wie weit es noch es ist und ob man dort zelten kann. Ich bin mittlerweile völlig fertig und Ilona und Timo haben mir auch schon etwas Ballast, wie Gas oder Nudeln, abgenommen, damit mein Rucksack etwas leichter wird. Gerade das Bergaufgehen macht mir sehr zu schaffen. Fehlende Kondition, ganz klar. Timo kommt zurück und meint, dass der See laut GPS rechts sein müsste, er ist aber links und es ist auch kein See, sondern nur sumpfige Landschaft. Also gehen wir weiter. Der Weg ändert sich kaum: bergab, über Altschneefeld, bergauf und wieder von vorne. Doch dann erreichen wir endlich die letzte Erhebung und das, was wir da sehen, verschlägt und beinahe die Sprache: vor uns liegt das Tal Þórsmörk mit seinen grünen Bergen und schneebedeckten Gipfeln. Ein traumhafter Ausblick!
http://www.natalie-timo.de/resources/26.07.08+B80+Fimmv$C3$B6rduhals.JPG
In dem geschützten Tal existiert eine grüne Vegetation aus Moosen, Farnen und lichtem Birkenwald. Benannt ist das Tal nach dem germanischen Gott Thor (isl. Þór).
Von nun an geht es bergab. Ilona zeigt mir, wie man auf schotterigem Weg sicher bergab geht, da ich durch meine Höhenangst ziemliche Probleme habe. Das Ganze wird auch durch Windstärke 11-12 ziemlich erschwert. Unten angekommen wird der Weg sehr schmal, rechts und links geht es abwärts. Dann stehen wir auf dem Hochplateau, wo nun eigentlich die nächste Hütte sein soll. Fehlanzeige. Hier gibt es gar keine Hütte. Also müssen wir wohl weiter. Das Plateau wäre zum Zelten perfekt, aber es gibt zum einen kein Wasser und zum anderen lässt es der Wind auch nicht zu. An dem Plateau ganz vorne geht es dann wieder steil abwärts. Unten sehen wir grüne Flächen und hoffen, dass es windgeschützt ist und wir endlich zelten können. Auf dem Weg nach unten kommt uns ein junger Mann entgegen, der nach der Vorwahl von Frankreich fragt. Sein Freund stehe da unten und habe extreme Knieschmerzen, sodass sie nicht mehr weiter können. Ich nenne ihm die Vorwahl und wir gehen weiter. Unten angekommen gehen wir zu dem Freund hin und fragen, ob alles in Ordnung sei. Ja, alles ok. Die beiden kommen aus Tschechien und er will jemanden anrufen, der anscheinend zurzeit in Frankreich ist. Ganz kapiert haben wir es nicht. Wir legen die Rucksäcke ab und stellen uns vor, denn wir werden wohl Nachbarn sein für diese Nacht. Timo geht los, um einen Bach zu suchen. Nach einer Weile kommt er zurück und meint, dass es weit und breit kein Wasser gäbe. Die beiden Tschechen bieten uns an ihr Wasser (jeder hat 3l) mitzubenutzen, aber wir lehnen dankend ab. Sie brauchen es ja selbst. Dann müssen wir wohl weiter. Ohne Wasser können wir hier nicht bleiben. Aber es ist ja noch hell und sogar die Sonne scheint noch. Es ist 21Uhr. Einer der beiden Jungs sagt, dass es ca. 2h dauert, bis wir ganz unten sind. Na dann los.
Der Weg führt uns über eine Wiese und über ausgetrocknete Bachbetten immer weiter ins Tal. Später wird er schmaler und auch das Absteigen mit einem Seil wird notwendig. Rückwärts ist es am einfachsten, erklärt mir Ilona und es ist auch wirklich kein Problem, trotz Rucksack. Weiter geht es auf einem sehr schmalen Weg immer am Hang entlang, rechts Fels, links Abgrund. Hilfe! Und dann kommt er: der Grat, von dem ich schon Wochen zuvor zuhause Alpträume hatte. Links ist Fels, rechts Abgrund und vor mir ein Stück Fels, ca.30m lang und 20cm breit und rechts und links geht es abwärts. Das ist echt zu viel für mich. Mir egal, aber da kann ich sicher nicht drüber laufen. Ich klammer mich an den Felsen, der noch links von mir ist und kann keinen Schritt mehr machen. Höhenangst ist was Furchtbares. Timo geht über den Grat, Ilona ist schon drüben, legt seinen Rucksack ab, holt meinen, bringt ihn rüber und kommt wieder zurück. Er nimmt meine Hand und in einem schnellen Tempo zieht er mich über den Grat, sodass ich gar nicht nach unten schauen kann und alles ganz schnell vorbei ist. Jetzt erst mal hinsitzen und was trinken. An diesem Punkt schwöre ich mir, dass ich an meiner Höhenangst unbedingt arbeiten will. Das geht so nicht weiter.
Wir setzen die Rucksäcke wieder auf und gehen weiter. Der Weg hat auf dem restlichen Stück immerhin zumindest an einer Seite Fels und bei schwierigen Passagen ein Seil. Also machbar.
Es wird mittlerweile dämmrig und am Himmel erscheinen ganz komische Wolken. Sie sehen aus wie Ufos und sind mehrschichtig. Sehr seltsam, aber im Sonnenuntergang wunderschön.
http://www.natalie-timo.de/resources/26.07.08+B88+Fimmv$C3$B6rduhals.JPG
Auf dem ganzen Stück, das wir seit der Hütte gelaufen sind, halten wir immer wieder Ausschau nach Sofie. Denn dieses Stück ganz alleine zu gehen, ist nicht gerade ungefährlich. Aber wir sehen sie nicht wieder. Ist auch ein gutes Zeichen, denn dann ist ihr wenigstens nichts passiert.
Endlich geht es etwas steiler bergab und wir kommen unter die Baumgrenze. Es kann nicht mehr weit sein. Kurz darauf stehen wir an einem Fluss mit einem Zeltplatz und einer Hütte. Schon beim Abstieg haben wir uns nach geeigneten Plätzen zum Übernachten umgeschaut. Bei der Hütte Básar ist sehr viel los, aber wir finden einen sehr schönen Platz ein Stück von der Hütte entfernt auf einem kleinen, mit Gras bewachsenen und von Bäumen geschützten Plateau. Der Platz reicht gerade für unsere Zelte und Wasser ist auch nicht weit. Es ist 22.30Uhr und fast dunkel.
An der Stelle, an der der Weg an der Hütte endet, steht ein Wegweiser mit dem Namen des Fimmvörđuháls und zusätzlich hängt an diesem Wegweiser ein Blatt Papier, auf dem steht, dass die Hütten geschlossen haben. Super. In Skógar hing dieser Hinweis nicht.
Wir bauen die Zelte auf und kochen noch eine Kleinigkeit, denn gegessen haben wir den ganzen Tag fast nichts. Timo und Ilona gehen sich dann am Fluss waschen. Ich spar mir das und bevorzuge eine Katzenwäsche vor dem Zelt.
Die Leute bei der Hütte fangen auf einmal an zu singen und zu grölen und wir hoffen nur, dass das nicht die ganze Nacht so geht. Aber schlagartig um 0.00Uhr ist Ruhe. Wie wir später erfahren sind die Ruhezeiten auf Zeltplätzen zwischen 23.30 / 0Uhr und 7.30 / 8Uhr und die Isländer scheinen sich sehr genau daran zu halten.

Das war der erste Tag.

Moltebaer
29.09.2008, 20:03
Der Wasserfall und die Wolken über der Kuppe sehen schon klasse aus!
Die Orte, die ihr erwähnt kann ich leider nicht auf der Karte finden, nur dieses 'Hella'. Könnt ihr vielleicht den groben Tourverlauf einzeichnen?


Desweiteren hat er ein Pärchen im Bus kennengelernt. Sie hatten sich einen Toyota Yaris (einen Kleinwagen) gemietet. Mit diesem darf man allerdings nur auf der Ringstraße fahren, da das die einzige geteerte Straße ist. Ins Hochland darf man damit nicht fahren und das unterschreibt man auch mit dem Mietvertrag. Doch sie haben es trotzdem getan. Sie meinten, dass das Furten durch den ersten Fluss problemlos funktioniert hat. Im zweiten Fluss haben sie das Auto dann versenkt. Er war einfach zu tief. Nun sind sie eben mit dem Bus unterwegs. Das wird ein teurer Urlaub, denn wir können uns nicht vorstellen, dass das eine Versicherung zahlt.Hoffentlich bekommen die auch noch ne Strafe aufgebrummt, dafür daß ihr Karren nun ins isländische Ökosystem sabbert :roll: :motz:

BigKahuna
29.09.2008, 20:52
Für den Verlauf des Laugavegur guckst Du hier (http://gpsies.com/map.do?fileId=zvpubbwzfeezrjmb). Oben rechts in der Karte befindet sich ein Drop-Down-Menu in dem man den Kartentyp wählen kann. Ich empfehle die Einstellung "Erde" (entspricht Google Earth).

PS: "Karre versenken" meint sicherlich nicht, dass der Mietwagen für immer und ewig auf dem Grund des Flusses vergammelt. Selbst wenn ein Wagen in einer Furt absäuft, wird diese natürlich beräumt, damit sie für andere Fahrzeuge passierbar bleibt.

barleybreeder
29.09.2008, 21:55
Waren die 4 Kilo an Nahrung alles was ihr mit auf Tour hattet? Klingt alles sehr minimalistisch....:-?
Das reicht ja gerade mal 2-3 Tage!:o

Die Hütte auf dem Fimmförduhals hätte eigentlich offen sein müssen. Sieht man aber auch nicht wenn man direkt davor steht.
Bei Sturm (wir hatten sowas auf dem Kamm) wirds aber dort recht ungemütlich im Zelt...

Natide
30.09.2008, 07:47
Hallo,

ja, 4kg waren das, was wir von zuhause mitgenommen hatten. Vor Ort kam dann noch etwas Schokolade, ein paar Kekse und Gas dazu. Also so viel hatten wir nicht mit.
Es ist aber nicht wenig gewesen, sondern einfach leichte Lebensmittel wie Fadennudeln, Kartoffelpüree zum Anrühren mit Wasser, Couscous, Tütensuppen und einen Schinken. Wir essen sehr wenig auf den Touren und abends eine Portion Kartoffelpüree mit einer Tütensuppe und anschließend noch eine pure Suppe hat uns gereicht.
Verstehen zwar die wenigsten, da die meisten einfach sehr viel mehr Hunger haben, aber wir essen immer so wenig. EInfach weil kein Hunger da ist.
Die Gepäckliste sowie die Liste der Nahrungsmittel, die wir dabei hatten für die erste Tour, könnt ihr auf unserer Homepage am Ende des ganzen Reiseberichts finden, falls ihr vorab gucken wollt :grins:

barleybreeder
30.09.2008, 08:17
Boah da klingt für mich nach Hungerkünstler :o.....ich brauche mindestens 700g Futter pro Tag, sonst gehe ich nach 3 Tagen am Stock!

Und die Quelle in Landmannalaugar scheint ja wieder schön heiß zu sein?
Als wir da waren hatte sei so ca. 70°C und man konnte den halben Tag drin verbringen. :bg:

Durch das letzte Erdbeben soll sie sich ja etwas abgekühlt haben. Schön zu hören das das Wasser anscheinend wieder etwas wärmer ist.

Übrigens sehr umfangreicher, ausführlicher Reisebericht, aber ein bischen Meckern muss ich trotzdem....ich dachte eigentlich Zelten "am Weg" wäre nicht so gerne gesehen...;-)

Natide
30.09.2008, 08:38
Hast den ganzen Bericht schon gelesen? :D
Ja, die Quelle in Landmannalaugar hat so Badewannentemperatur. Sehr angenehm. Zumindest bis zum Punkt, als die Touribusse angerollt waren und der Wasserspiegel um 50cm gestiegen ist :ignore:

Zelten am Weg? Hm... es hat niemanden gestört, es kam auch niemand vorbei zum Meckern und wir haben die Plätze natürlich so verlassen, wie wir sie angetroffen haben.

barleybreeder
30.09.2008, 09:03
Zelten am Weg? Hm... es hat niemanden gestört, es kam auch niemand vorbei zum Meckern und wir haben die Plätze natürlich so verlassen, wie wir sie angetroffen haben.

http://www.forum.islandreise.info/viewtopic.php?t=602 ;-)
Das nächste Mal!

rotfuxx
14.01.2014, 00:43
Vielen Dank für den Bericht.