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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [SE] [NO] Eine Kanutour auf und um den ungezähmten Rogen



Thrawn
09.09.2008, 14:58
Reisezeit: Ende August

Hallo,
Hier werde ich von unserer in der letzten Augustwoche begangenen Kanutour im Naturreservat Rogen berichten.

Tag I: Ein Abenteuer beginnt
Nach einem gemütlichem Frühstück in unserer luxuriösen Hütte in Bruksvallarna, brechen wir zu unserem Kanuverleih auf. Das Topsport in Funäsdalen ist ca. 10km entfernt und beherbergt auch ein normales Outdoor-Geschäft. Hier kann von Treibstoff für die Kocher, bis zur kompletten Bekleidung alles erworben werden.

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Da die geteerte Straße nach wenigen Kilometern in eine 25km Buckelpiste übergeht, fährt Mike (Topsport) die beiden Kanus und uns per Jeep zum Einsetzpunkt in Käringsjön. Hier begegnen uns die ersten Rentiere, die gemächlich auf der Straße umher tapsen. Laut Mike werden diese einmal im Jahr von ihrem Besitzer eingesammelt, um sie auf Krankheiten o.ä. zu überprüfen und Markierungen anzubringen. Ansonsten bewegen sie sich frei auf dem 1.800km² großen Gebiet des Rogen-Naturreservates umher. Wir sehen noch ein paar einheimische Jäger (Bier und Flinte bereits in der Hand) und einige Angler.

Nachdem wir die Kanus, Westen & Paddel die ca. 50m zum Wasser getragen haben, wird das Gepäck noch einer letzten Prüfung unterzogen (wasserdicht?) und dann geht es auch schon los.

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Das Wetter meint es gut mit uns, es ist nur leicht bewölkt. Das Seensystem läßt sich gemütlich befahren, die ersten Portagen werden locker hinter uns gebracht. Auch erste Versuche mit den beiden mitgeführten Angeln werden gewagt. Die entsprechenden Lizenzen konnten wir ebenfalls, samt Empfehlungen für gute Fischgründe und Würmer (mündlich und per Broschüre), bei Topsport erwerben.

Gegen frühem Abend kommen wir an der ersten Stugga an. Diese liegt in mitten eines Dreiecks aus den Seen Källsjön, Krattelsjön und Uthussjön. Neben einer guten Kanurutsche, gibt es hier einen ordentlichen Zeltplatz mit vollem Blick auf den See und eine Feuerstelle. Nun werden nochmal die Angeln ausgeworfen, das Zelt aufgestellt und Feuerholz zusammengetragen.

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Nach einer Weile fängt Fabian dann tatsächlich noch eine Äsche. Da wir vorher u.a. Zitronenkonzentrat besorgt haben, kann diese auch gleich würdig zubereitet werden...

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Nachdem wir den reichhaltigen Sternenhimmel bewundert haben (weder Licht- noch Lärmverschmutzung) geht es dann in die Kojen.

Tag II: Tour de Force nach Reva
Über Nacht regnet es leicht. Am Morgen ist es dann glücklicherweise einigermaßen trocken. Wir beschließen noch ein wenig im Seensystem zu verbleiben, um die von Mike empfohlenen Fischgebiete anzusteuern. Am Nachmittag finden wir dann eine interessante Hütte, die sich durch ihren Bewuchs (Moos, Pilze...) organisch in die Landschaft einfügt.

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Dort suchen wir auch prompt vor dem einsetzenden Nieselregen Schutz. Nachdem die ersten Schauer vorbei sind, starten wir weiter in Richtung Rogen.
Die auf der Karte eingezeichnete Wasserverbindung entpuppt sich immer mehr als äußerst steiniger Bach. Bald geht es nicht mehr weiter und die Sandalen müssen ausgepackt werden. Nach einer ausgiebigen Kneipkur geht es absolut nicht mehr weiter im Bachbett.

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Zu Fuß wird ein wilder Pfad zum Rogen begangen und nach und nach Gepäck und Kanus umgetragen.
Nach ein paar Kilometern auf der Hauptattraktion geht auch schon der Regen wieder loß und ein kalter Wind kommt auf. Die zuerst angestrebte Feuerstelle ist für uns durchnässte Paddler leider zu wenig und so beschließen wir nochmal 6 Kilometer auf dem See draufzupacken, um die Schutzhütten am Ende in Richtung Norwegen zu erreichen. Und tatsächlich rudern wir auch gleichzeitig dem guten Wetter hinterher.

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An der Stugga gibt es dann auch Feuerholz, sowie Axt & Säge zu finden. Während das Lager eingerichtet wird nehme ich, da ohnehin bis auf die Knochen naß, noch ein kleines Bad im Rogen. Später gibt es dann leckere, kleine norw. Kartoffeln mit Leberwurst. Da die Stugga so schön trocken ist, quetschen wir uns dort einfach, mit einer Plane als Unterlage, auf dem Boden zusammen und verbringen eine geruhsame Nacht. Morgens trottet noch ein schüchternes Rentier um die Hütte, dass sich ein wenig am Gras labt.

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Tag III: Gipfelsturm und der Reiseverkehrsknotenpunkt Reva
Nach den Strapazen des Vortages soll dieser Tag ruhiger verlaufen. Wir verstauen unser Gepäck in der gut ausgestatten (Ofen, Pritschen, Notfall-Set) Stugga "Reva", die an einem Knotenpunkt mit landgebundenen Wanderwegen (u.a. Kungsleden) liegt. Hier begegnen wir abgekämpften Wanderern aus Franken (Bayern) und RLP, Norwegern, und einer riesigen dt. Kanuhgemeinschaft, die sich an die Röa wagen will. Nach den zuvor gelesenen Beschreibungen, soll dieser Zufluß zum gewaltigen Femund in Norwegen eine wirklich harte Tour sein. Doch diverse Anzeichen (komplett Neopren für alle Paddler) lassen eine gewisse Professionalität erkennen. Jedenfalls ist der Ansturm auf diesen Knotenpunkt von Land- und Seewegen, trotz der Zeit außerhalb der Hauptsaison Ende August, enorm - da war es ja auf dem Bohusleden einsamer!

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Um den Tag optimal zu nutzen, machen wir uns dann an den höchsten Berg der Gegend, den Bustvalen (1024m), der einen guten Panoramablick über das gesamte Gebiet liefern soll.

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Fabian findet beim Aufstieg das Stück eines Rentiergeweihs, welches er freundlicherweise Marko überlässt, der es übersehen hatte (lag zu seinen Füßen). Kurz vor dem Gipfel zieht ein fieser Nieselregen mit kalten Windböen heran und quält uns eine halbe Stunde, bis es wieder an den Abstieg geht.

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Der 360° Blick auf die verschiedenen Seen war atemberaubend und trotz Wolken & Regen definitiv sehenswert.
Zurück geht es dann wieder über steinige Pfäde und fast verfaulte Moorstege. An "unserer" Hütte treffen dann immer wieder Grüppchen der erwähnten Wanderer & Ruderer ein und schlagen ihre Lager in der Umgebung auf.

Tag IV: Der launische Rogen grollt
Nach der "Pause" sollen jetzt wieder ein paar "Seemeilen" gut gemacht werden. Doch nach vielleicht 4km auf dem Rogen kommt ein kräftiger Wind auf. Der Seegang nimmt stark zu, Wellen klatschen mit Wucht gegen das Boot. Der Rogen zeigt seine Zähne, nimmt an Fahrt auf. Schnell wird es uns zu gefährlich, wir landen an und legen die Boote auf den Kiel. Wir warten ein wenig am Ufer ab, der Wind lässt nicht nach, wird sogar stärker.

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So beginnen wir zu einer 2km entfernten Feuerstelle zu laufen.

Die omnipräsente Flechte verleiht der Landschaft einen ganz eigenen Charakter. Sie scheint am liebsten auf Steinen bzw. sehr steinigem Grund zu wachsen und so ist alles mit dem schwammigen und teilweise rutschigen Gewächs überzogen.

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Der Unterschied zu einem "normalen" dt. Mischwald ist enorm. Selbst die Wolken scheinen hier tiefer zu hängen und türmen sich in bizarren Mustern auf. Die spärlichen & verkrüppelten Bäume (hauptsächlich Nadelbäume, manchmal ein paar Birken) führen einen harten Kampf um Nährstoffe.

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Bei den umgestürzten Exemplaren sehen wir, dass die Wurzeln fast nur waagerecht wachsen, da sie anscheinend auf Grund der Felsen nicht in die Tiefe kommen.

Die Feuerstelle liegt schließlich direkt am Ufer und voll im Wind. Zwei größere Felsen um die Sitzgelegenheiten (Bänke) schirmen den Wind notdürftig ab. Hier kräftigen wir uns erstmal mit Linseneintopf und Tee. Wir lesen ein wenig und spazieren in der Gegend umher.

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Fabian und Marko entdecken auf einer Erkundungstour im "Inland" hinter einer Ansteigung einen recht windgeschützten See.

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An diesem schlagen wir dann auch das Zelt auf, da es auf dem Rogen unabänderlich stürmt. Jedenfalls wird es zu einem Kampf, die Heringe des Tunnels in den Boden zu bekommen. Zentimeter für Zentimeter muß ein halbwegs felsenfreier Steckplatz gefunden werden. Doch auch das ist irgendwann geschafft, wundersamerweise ohne einen der Heringe zu verbiegen.

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Es gibt keine Hinweise darauf, dass hier jemals ein Mensch gezeltet hat. Alles befindet sich in einem wildem, natürlichem Zustand, alle Baumskelette sind vollständig intakt.

Thrawn
09.09.2008, 14:58
Tag V: Am schönsten ist es immer noch draußen
Die Zeit wird knapp, wenn wir unsere geplante Route trotz der Zwangspause weiterhin beschreiten wollen. Wir müssen wieder auf dem See weiter, der bei erster Erkundung am Morgen noch weiße Schaumkronen trägt. Im unruhigen Wasser beginnen wir weiterzupaddeln, nach kurzer Zeit kommt wieder kräftigerer Wind auf. Die Wellen sind hart am Limit, wir kreuzen gegen den Wind, im Zick-Zack geht es um die Buchten. Mit tintenblauen Wellen nötigt der Rogen uns seinen Respekt ab. Teilweise hebt der Kanadier vorne ab, nur um wieder mit Wucht ins kalte Naß zu klatschen. Wir tanken wieder ein wenig Wasser, von dem wir sonst insgesamt erstaunlich wenig im Boot hatten.

Alle atmen auf, als es in die lange, windgeschützte Bucht zur nächsten Hütte geht.

Diese liegt am Fluß Bredan, der vom Bredasjön in Richtung Rogen fließt. Auch der See Bredatjärnen liegt hier in 1km Entfernung. Die Hütte ist ein Traum und wird die beste Unterkunft der ganzen Tour sein. Wie bei der Schutzhütte in der Nähe der geschlossenen Hütte "Reva", finden wir hier eine Axt und eine Säge vor. Aus bereitgestellten Stämmen sägen und hacken wir uns das Feuerholz zu recht. Weiterhin finden wir Töpfe, Gewürze und Streichhölzer, die von vorherigen "Kunden" zurückgelassen wurden. Es gibt hier auch seltsamerweise eine Steckdose, deren Funktion wir aber nicht weiter überprüfen können.

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Über dem Fluß neben der Hütte spannt sich eine kleine Brücke in gutem Zustand, von der man u.a. auf breite in der Strömung liegende Felsen herabsteigen kann. Diese ermöglichen z.B. eine komfortable Körperwäsche.
Mike beschrieb diese Gegend als "Rocky Mountains" und in der Tat gibt es hier keinen Mangel an Felsblöcken. Wir Folgen dem Fluß, der mehrere begleitende Pfade besitzt, bis zu den genannten Seen. Die Angeln werden hier ausführlich ausgeworfen und als Lohn fängt Marko im Fluß eine weitere Äsche.

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Unterwegs sehen wir auch wieder zahlreiche Ameisenhügel, die in der kargen Landschaft erstaunlich gut gedeihen. Diese sind auch immer reichlich bewachsen, man könnte fast meinen die Ameisen kultivieren diesen Bewuchs, um mehr Windstabilität zu erreichen...

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Nach Stunden kehren wir wieder zur Hütte zurück, wo wir auf dem Feuer in den vorhandenen (großen) Töpfen unsere Spaghetti Bolognese zubereiten. Wir stellen das Zelt auf und genießen noch die verbleibende Zeit in dieser exzellenten Unterkunft.

Tag VI: Abschied vom Rogen und zahlreiche Portagen
Jetzt geht es 2km quer über den Rogen. Hoffentlich hält sich die Naturgewalt zurück. Fernab vom Ufer zu kentern bedeutet hier Lebensgefahr. Das Wasser ist wieder unruhig, wenn auch nicht ganz so extrem wie die letzten Tage. Erleichterung als wir die Rogenstuggan umschiffen und in dem sehr ruhigen und seichten Fluß in Richtung Stor-Tandsjön einlaufen.

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Hier finden sich auch viele Boots-Häuser und bald kommen die ersten Portagen auf uns zu. Wir gleiten durch Wasserpflanzen und sichten einen Biberbau. Leider zeigt sich keins der Pelztiere, dafür erhalten wir aber während der 6-7 Tage fast eine Überdosis an Rentieren. Es folgt eine unbequeme Portage zur Hütte beim Tandesjön. Es sind zwar nur ein paar hundert Meter, allerdings auf dem typischen Bodenbelag des Rogen-Gebietes. Hauptsächlich kantige Steine die in alle möglichen Richtungen abstehen und daher stets große Aufmerksamkeit benötigen, da sonst ein Umknicken, Abrutschen oder Stolpern zwangsläufig folgen. Ich würde es keinem wünschen hier mit Turnschuhen langgehen zu müssen...

An der unattraktiven Hütte ohne Zeltplatz oder besonders schöne Aussicht, verbringen wir dann eine Suppenpause, bevor wir den anliegenden See der Länge nach queren. Dort erwarten uns eine kleine Kröte, eine große Kröte und eine knackige 7-800m lange Portage auf den beschriebenen Bergziegen-Wegen. Die Hütte am Öster-Vigarna ist schon besser, aber auch nicht das gelbe vom Ei. Vielleicht sind wir durch unsere tollen bisherigen Unterkünfte einfach zu verwöhnt.

Aber wir wollen ohnehin weiter. Und so geht es bis zur Hütte bei Käringsjövallen. Diese ist wahrlich kein Schmuckstück. Handwerklich nicht so gekonnt errichtet wie ihre Schwestern, auf einem ungeraden Terrain ohne Zeltplatz hingeklatscht.

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Hier treffen wir wieder auf Landsmänner, ein dt. Pärchen, welches mit eigenem Kanu angereist ist und eine gute Woche auf dem Rogen verbringen will. Wir empfehlen an unserem Startpunkt (Käringsjön) zu beginnen, da sie dort mit dem Auto fast bis ans Wasser kommen. Es ist schon Abend und sie müssten sonst noch Kanu und Gepäck jeweils 1km bis zum Ufer schleppen und dann ohnehin gleich einen Zeltplatz suchen.

Nachdem wir bei der Hütte gespeist haben, bringen wir Kanus und Ausrüstung zu den Bootshäusern, wo wir dann auch einen ebenen (für alle bis auf Marko) Zeltplatz finden.

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(v.l. Elmar, Marko, Felix a.k.a. Thrawn, Fabian)

Über Nacht zieht es nochmal an, so kalt war es noch nie, doch die Schlafsäcke erfüllen alle ihre Aufgaben.

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Tag VII: Ein letztes Frühstück im Naturreservat
Am Morgen kommt die Sonne raus, wir Frühstücken nochmal in Ruhe, wer will wäscht sich auf dem Steg. Ein einheimiches Rentner-Ehepaar schleppt ein motorbetriebens Boot heran (laut Broschüre verboten im Naturschutzgebiet) und verschwindet auf dem See.

Wir Fragen bei Topsport an, ob sie uns auch 2 Stunden früher abholen können, was kein Problem darstellt. So um 1130-1200 haben wir alle Sachen die 1km Portage entlang geschleppt und auch schon bald trifft der Jeep samt Kanu-Anhänger ein. Die Fahrerin berichtet uns, dass es in Funäsdalen um die 0°C gehabt haben soll. Können wir kaum glauben, Frost oder Rauhreif gab es bei uns jedenfalls nicht. Die Tour klingt langsam aus, beim Topsport werfen nochmal zwei Experten einen kritischen aber stillschweigenden Blick auf die beanspruchten Kanus und dann geht es auch schon auf zum nächsten Ziel, Oslo.

Zur Reise:
Wir sind die 2000km (eine Richtung) mit dem Auto gefahren. Erst ging es quer durch Deutschland, in Puttgarden per Fähre nach Rodby, dann durch Dänemark und nochmal per Fähre von Helsingor nach Helsingborg. Es folgte eine Fahrt durch Schweden - Norwegen - Schweden. Der Rückweg gestaltete sich weitgehend gleich, nur besuchten wir noch Oslo für einen Tag. Wir fuhren etwas weniger als 24 Stunden.

In Skandinavien lässt es sich sehr angenehm fahren. Die Schweden und Norweger sind in der Regel nicht aggressiv und allgemein hat es niemand besonders eilig. Natürlich überdehnen auch die Einheimischen auf den abgelegeneren Strecken das Tempolimit gerne um 10-20km/h, trotzdem rast hier keiner. Maut konnten wir immer per Karte bezahlen.

Als Mitbringsel eignen sich z.B. Marmelade aus Moltebeeren oder Surströmming (fermentierter Fisch). Letzteren haben wir leider sein gelassen, da wir nicht wußten, wie gut er gekühlt werden muß.

In Oslo bietet das zentral gelegene Anker-Hostel preiswerte und geräumige Zimmer mit eigenem Bad + Dusche. 25€ pro Person sind bei dem benannten Komfort für eine teuere Stadt wie Oslo wirklich preiswert. Parkplätze in der Tiefgarage gibt es auch, für das Auto bezahlten wir 20€ für 24 Stunden.

Fazit:
Mit guter Ausrüstung und einigermaßen Kondition hat man sehr viel Spaß auf dem Rogen. Das Wetter ändert sich sehr schnell und so bleibt es nie lange schlecht (...den anderen Fall blenden wir jetzt mal aus ;-) ). Das Wasser ist klar und von guter Qualität, eine interessante Flora & Fauna laden zur Erforschung ein. Bei klarem Himmel gibt es Nachts einen unglaublich detailierten Sternenhimmel zu bewundern.

Für den Rogen und die umgebenden Seen braucht man keine großartigen Wildwasser-Fertigkeiten. Lediglich auf dem Rogen kann es bei Wind eng werden. Da sollte der lebensfrohe Paddler besser in Ufernähe bleiben und seine Grenzen kennen. Für die Portagen sollte es ein gutes Gepäck-Management geben, Rucksäcke sind hier sehr zu empfehlen.

Die raue Landschaft mit ihren Panoramen ist auf jeden Fall eine Reise wert!

barleybreeder
09.09.2008, 15:03
Super Bericht! Bestärkt mich dort weiterzumachen wo wir aufhören mussten...
Grandiose Gegend.

Mit welchem Material habt ihr geangelt und diese tollen Äschen gefangen? ;-)

Thrawn
09.09.2008, 15:09
Mit welchem Material habt ihr geangelt und diese tollen Äschen gefangen? ;-)

Hm, hatte es also doch einen Grund warum Wikipedia unter Esche nur Bäume ausgespuckt hat. :ignore: :bg:

Bei den beiden Fischen dürfte jeweils ein Blinker zum Einsatz gekommen sein. Würmer mögen die dort wohl nicht...

Prachttaucher
09.09.2008, 15:57
Klasse Bericht und sehr interessant für mich - war etwa zur gleichen Zeit per pedes in dem Gebiet unterwegs. Traf dort auf ein gut informiertes Paar, die wegen Windwarnung zunächst das Paddeln verschoben hatten. An der Rogenstugan konnte ich ordentliche Wellen heranrollen sehen. :bg: Gut daß ich meine Paddelwoche schon hinter mir habe, dachte ich da. Und ja, teilweise war´s durch den Nordwind etwas frisch. Sehr gemütlich mit dem richtigen Schlafsack.

Gruß Florian

P.S. Habe den Trubel an der Reva wohl verpaßt - bei mir war keiner dort.

P.P.S. War mit dem Regen auch zufrieden - öfters mal Nieselregen, aber kaum Dauerregen. Kenn´s von der Femundmarka aber auch anders - nach 4 Tagen Dauerregen hab ich dort schon mal aufgegeben.

Sapmi
10.09.2008, 13:01
Superschön! Vielen Dank. :D

Mika Hautamaeki
10.09.2008, 16:39
Sehr schöner Bericht. Die Fotos erinnern mich an meine Wandertour letztes Jahr dort. Mich interessiert wie teuer das Leihen der Kanus war. Vielleicht tausche ich meine Füße ja doch nochmal gegen ein Kanu aus.

Thrawn
10.09.2008, 20:17
Mich interessiert wie teuer das Leihen der Kanus war.

Für die 6 1/2 Tage hat das mit ausführlichem Briefing, Kaffee & Transport (wie beschrieben größtenteils auf mit Schlaglöchern versehenen Schotterpisten) nur ca. 95€ pro Person gekostet.

Mika Hautamaeki
11.09.2008, 09:51
Das ja echt günstig, vielen Dank!

Thrawn
11.09.2008, 10:22
Das ja echt günstig, vielen Dank!

Hier ist noch die Website vom Topsport Funäsdalen (http://www.topsport.se/eng/html/canoe.html)

Netter E-Mail und Telefon-Kontakt.

barleybreeder
11.09.2008, 10:45
Hier ist noch die Website vom Topsport Funäsdalen (http://www.topsport.se/eng/html/canoe.html)

Netter E-Mail und Telefon-Kontakt.


Kann ich so bestätigen!