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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [FR, AD, ES] Pyrenäen - Zwei Schüler treten ein wenig aus...



pfadfinder
16.08.2008, 15:13
Reiseregion: Pyrenäen [F, And, Esp]
Reisezeit: 20.7.08 – 2.8.08
Reiseroute: Hamburg-Bremen per Auto; Bremen-Girona (Esp) per Flieger; Girona-Puigcerda (Esp) per Anhalter; Puigcerda-Espot (Esp) zu Fuß; Espot-Toulouse (F) per Anhalter; Toulouse-HH/Bonn per Zug.

Vorweg: Der eine (18) hatte 4 Monate mit einer Bänderdehnung flach gelegen, der andere (18) ebenso wenig trainiert. Die alpine Erfahrung der beiden war stark begrenzt. Die Ausrüstung bestand aus Trekkingequipment mit Zelt und Nahrung für 11Tage. Der Kompass ist kaputt gegangen, das kartenmaterial bestand aus häufig ungenauem und teilweise fehlerhaftem Kartenwerk von Rando Edition im Maßstab 1 : 50 000. Es wurde jeder Tag in einem Notizbuch während der Tour festgehalten. Wir kennen uns beide aus der Schule und haben bisher nur eine 1-wöchige Vogesen-Tour zusammen gemacht. Als Kamera haben wir eine Pentax Digi-Knipse dabei, keins der Bilder ist in irgendeiner Weise nachbearbeitet.


Tag 1 - 21.7.08

Das durchdringende Piepen des Weckers. Es ist 3.45h. Es dauert nicht lange, bis wir hellwach sind. Schnell packen wir unsere Schlafsäcke zusammen und stopfen den Kuchen und die Banane, welche unser Bremer Gastgeber uns als Frühstück bereitgelegt hat, in die Taschen der Regenjacken und machen uns auf den Weg zur nächsten Haltestelle. Von dort aus fährt uns die Straßenbahn um 4.21h mit einmaligem Umsteigen zum Flughafen. Das Ryanair-Terminal, welches nicht mehr als eine Wellblechhalle ist, zeichnet sich durch nicht viel mehr als Pappwände, Menschenschlangen und unmotiviertes Personal aus.
Um Gewicht zu sparen, deklarieren wir fast die gesamte Kleidung, sowie Zelt und Schlafsack, die mit Paketband zusammengeschnürt werden, als Handgepäck.
Nach langem Warten startet endlich unser Flieger nach Girona. Da wir pünktlich um 8.40h landen und ein wenig geschlafen haben, sind wir heiß darauf, zu unserem Tourenstartpunkt Puigcerda weiter zu reisen. Da der Bus erst abends fährt und uns nicht nach Stadtaufenthalt ist, entschließen wir uns, unser Glück beim Trampen zu versuchen. Da wir jedoch noch Benzin oder Gas für den Kocher bekommen müssen, fragen wir uns in Girona mithilfe unseres eher schwachen Schulspanisch durch. Da Lennarts Spanisch noch viel begrenzter ist als das von Rouven, er dennoch meistens das reden übernimmt, setzt ihm eine Kassiererin das Wort „Gazolinera“(Tankstelle) in den Kopf und ab jetzt wird nicht mehr nach „Gazolina“ (Benzin), sondern nach „Gazolinera“ gefagt: Erst nach etwa einer Stunde wird uns wirklich klar, dass wir mehrere Taxifahrer und einige Passanten gefragt haben, ob wir ihnen einen Teil ihrer Tankstelle aus dem Kofferraum abkaufen können, oder ob sie ein bisschen Tankstelle aus ihrem Ersatzkanister für ein paar Euros abgeben würden – wir bräuchten die Tankstelle zum Kochen in den Bergen…
Es endet damit, dass ein verwunderlich offener, aufdringlicher und dennoch freundlicher Afrikaner uns bis zu einer Tankstelle bringt, währenddessen wir streng darauf achten, unsere Portemonnaies und Wertgegenstände im Auge zu behalten. Unser Misstrauen ist unangebracht, wie sich später herausstellt, wir haben uns einem vorurteilgeprägten Trugbild leiten lassen: Da wir kein Benzin in PET-Flaschen abfüllen dürfen und keiner anscheinend einen Ersatzkanister im Kofferraum hat, übersetzt der Afrikaner für uns und wir müssen einen Kunststoffkanister kaufen, den er uns mit 3l (da besteht er drauf) Benzin füllt. All das ist natürlich völlig unideal – was sollen wir mit einem Kanister? – Was sollen wir mit einem mit Benzinresten gefüllten Kanister machen, wenn wir mitten in der Stadt das 95er Bleifrei in unsere Flaschen gefüllt haben?
Wir bezahlen also Benzin und Kanister und verlassen den Afrikaner. Von nun an rennen wir mit 3l Benzin in einem 5l-kanister durch die Pyrenäen und erfreuen uns an dem Gewackel, dem Packmaß, dem Gewicht und der Tatsache, dass wir jetzt Brennstoff für 4Wochen haben!
Jetzt aber raus aus der Stadt – wir gehen bis zum ersten Kreisel in Richtung Nord-Westen und halten den Daumen raus.

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Schon nach kurzer Zeit werden wir von einem Künstler in einem Minivan mitgenommen, der uns zunächst einmal aus der Stadt herausbringt, sodass wir nun an einem Halteplatz einer Schnellstraße problemlos eine neue Mitfahrgelegenheit finden können. Nachdem wir erst von einem deutschstämmigen Auswanderer und dann von einem Studenten mitgenommen werden, stehen wir ca. eine Stunde am Ortsausgang eines ziemlich verschlafenen Nestes.
Dann endlich werden wir erlöst: Neben uns hält ein klappriger Landrover, aus dem ein junger Mann mit Gesundheitslatschen und grüner Hose steigt. Er macht Platz für uns, drückt seine Heckscheibe zurück in die Halterung und wir steigen ein. An der nächsten Tankstelle erklärt er uns in gebrochenem Englisch, dass er ebenfalls nach Puigcerda möchte „to look for his grandmother“. Da er sich an der Tankstelle bereits den zweiten Joint drehte, und auf der Fahrt drei weitere folgen sollten, sind wir uns bis heute nicht sicher, ob die Großmutter wirklich existiert hat, er sich um seine Großmutter kümmern wollte, oder ob er wirklich nach ihr gesucht hat.
Lennart überfällt auf der Fahrt schnell eine starke Müdigkeit, wobei wir nicht genau sagen können, ob es am anstrengenden Tag lag, dem Schlafmangel, oder ob ihn die permanent vorbeiziehenden Dope-Wolken niederstreckten, welche durch das hin und herklappernde Heckfenster nach draußen verschwanden…
Dieser Umstand, der aggressive Fahrstil und der immer wieder kehrende laute Wortschwall unseres Fahrers lässt uns froh sein, als er uns heil am Campingplatz in Puiscerda absetzt – wie dankbar waren wir diesem Mann!
Nach einer warmen Malzeit am Ufer eines naheliegenden Baches machen wir uns auf den Weg in die Pyrenäen – noch bevor der verschmähte Bus in Girona (150km entfernt) überhaupt losgefahren ist.

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Die Trekkingstöcke erweisen sich aufgrund der starken Steigung, des felsigen Untergrundes und der Hitze von Anfang an als nützlich. 3h später kommen wir erschöpft an einer Schutzhütte an – das heiße Wetter, der permanente Höhengewinn und die schweren Rucksäcke (~ 18 und 22kg) nach diesem ereignisreichen Tag haben uns schnell aus der Puste gebracht.

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Wir mischen zwei Tütensuppen, breiten unsere Schlafsäcke aus, hängen unsere Socken auf und schlafen zufrieden, aber geschafft ein.



Tag 2 - 22.7.08

Als wir in der düsteren Schutzhütte „La Faixa“ aufwachen, brennt draußen bereits die Sonne heiß vom wolkenlosen Himmel.
Nachdem und aufgefallen ist, dass wir das Milchpulver zu Hause vergessen haben, improvisieren wir ein kurzes aber reichhaltiges Frühstück: Kaffee + Müsli-Cornflakes-Mischung mit Icetee.
Beim Zusammenpacken hält ein alter uns bereits bekannter Landrover. Unsere Trampgelegenheit in grüner Hose, Gesundheitslatschen und diesmal einem weißen Hemd steigt aus und begrüßt uns fröhlich und ein wenig verträumt. Während er einen Joint raucht, erfahren wir, dass die Suche nach seiner Großmutter noch nicht abgeschlossen ist und heute im Wald Pilze gesammelt werden. – Wir fragen nicht, ob die Pilze geraucht werden sollen und verabschieden uns.

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Wir folgen dem schmalen GR11 durch eine mediterran-bewaldete Gebirgslandschaft und gewinnen erneut an Höhe bis zur Portella de Engorgs, die bereits auf 2700m zwischen schroffen Felsen liegt.

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Während des Aufstieges begegnen wir zwei bayrischen Studenten, die ebenfalls mit Rucksack und Zelt auf dem GR11 unterwegs sind. Sie machen einen sympathischen Eindruck und wir gehen ein Stück weit gemeinsam. Ärgerlicherweise verlieren wir die Wegmarkierungen kurz hinter der Portella und nach einem Blick auf dem Kompass wird uns klar, dass wir deutlich zu weit südl. absteigen. Wir entschließen uns, nicht umzukehren, sondern schlagen uns in nördl. Richtung an einem Berghang entlang durch Schotter und Gestrüpp; ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen mit den schweren Rucksäcken, da der Hang zu unserer Linken steil abfällt und hin und wieder einer von uns auf dem Schotter den halt verliert und ein gutes Stück weiter unten erst zum Stehen kommt.
Als wir den GR11 in einem Flusstal wiederfinden, trennen wir uns von unseren bayrischen Mitwanderern, da wir eine Mittagspause nötig haben.
Wir essen, schlafen ein wenig und machen uns dann auf den Weg ins Tal des Riu d’Engait, wobei der GR11 wieder unzureichend ausgeschildert ist. Im Tal biegen wir in nördl. Richtung ab und folgen dem GR107 noch etwa eine halbe Stunde bis wir an ein grünes Flussplateau kommen und beschließen, hier die Nacht zu verbringen.

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Noch bis spät in die Dunkelheit sitzen wir am Lagerfeuer, welches mit getrockneten Pferdeäpfeln und Kuhfladen befeuert wird. Nach einigen Bechern Pfefferminztee überfällt uns dann doch irgendwann die Müdigkeit und wir legen uns unter freiem Himmel zu Bett.

Habe heute Abend weitere Tage fertig...

bergzwerg61
16.08.2008, 17:38
ach, wenn doch schon Abend wäre ..
möchte doch wissen, wie es den "mit-Kanister-wandernden" weitergeht! ;-)

Rajiv
16.08.2008, 18:26
Ja, die einen ziehen mit 'nem Kühlschrank los und die anderen mit 'nem roten Kanister.:bg:

Mich würden noch einige Details bezüglich Kartenungenauigkeiten interessieren. Also wo es da die Probleme mit den Randokarten gab (auf meinen Touren stimmten die Karten eigentlich ganz gut und bin deshalb überrascht, daß es da Fehler auf den Karten gab).

Rajiv

Nicki
16.08.2008, 19:06
Die Nr. 21 Andorra - Cadi hat Fehler im Bereich Vall Incles- Vall Ransol (eigene Erfahrung). Die Nr. 7 stimmmt dort wohl (nach Ton Josten- Autor eines Führers)
Mal schauen wo Pfadfinder noch Probleme mit der Karte hatte...

Gruß FS

Werner Hohn
16.08.2008, 21:06
Oh je Pfadi, das sieht nicht gut aus. Südfrankreich, Andorra und SPANIEN und das auch noch im Sommer! Der Zwangsausschluss aus dem Camping Club - (in Worten Minus) 30° C ist wohl nicht mehr aufzuhalten.

Werner

pfadfinder
16.08.2008, 22:03
Tag 3 - 23.7.08

Nach einer durchwachsenen und ziemlich frischen Nacht brennt die Sonne wie am Vortag bereits heiß auf die taunassen Schlafsäcke. Zum Frühstück konsumieren wir exzessiv Sesamknäckebrot, welches wir mit zerlaufener Butter und warmem Nusspli bestrichen haben.
Gleich das erste Stück der heutigen Etappe kennt keine Gnade: Ein 600HM-Anstieg an einem mit Geröll übersäten Hang – währen unten im Tal Kühe und Pferde grasen, versucht Lennart verzweifelt den gegangenen Weg und die zukünftige Reiseroute auf der Karte nachzuvollziehen.

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In unserer Orientierungslosigkeit folgen wir dem erstbesten Weg, wohl wissend, dass wir eigentlich auf einen anderen Weg wechseln müssten, der laut Karte den unseren irgendwann kreuzt. Da uns die Sicht auf die vor uns liegende Gebirgslandschaft von steinigen Gipfelhängen verwehrt bleibt, können wir uns erst hinter dem Pic de la Menera wieder orientieren – die Portella Blanca d’Andorra haben wir verfehlt. Dies lag eigentlich nur daran, dass wir immer nach einem davon abgehenden Weg oder einem Schild gesucht haben, das den Abzweig zum HRP anzeigt. Die Karte der „Editional Alpina“ ist mit 1: 40 000 hier die bessere Wahl. Als wir dann beim Abstieg auf die Karte schauen, wird uns klar, dass wir uns viel zu weit westlich befinden und nun zur Estacio d’esqui de Pas de la Casa-Grau Roig absteigen müssen, um unsere über Soldeu geplante Route weiter zu verfolgen. Im Tal lassen wir uns gerne von zwei Spanierinnen ohne jegliche Fremdsprachenkenntnisse mitnehmen und kommen so auf dem schnellsten Wege nach Soldeu.
Dort kaufen wir noch ein riesiges staubtrockenes Baguette und machen uns dann auf in das nächste Dort Ransol, wo wir einer asphaltierten Straße im Tal des Riu de la Coma folgen, sodass wir eine gute Stunde später den Anstieg zur Refugie de Coms de Jan vor uns haben. Es geht ca. 250HM in 40min hinauf. Da wir uns bereit mehrmals auf dem Weg nach Ransol verlaufen haben – zwei Straßen sind gesperrt gewesen und der Wanderweg hat auf einer Baustelle geendet – sind wir bereits vor dem kurzen Anstieg relativ erschöpft. Die Hoffnung auf Baguette mit Butter und Salami jedoch motiviert uns:
Wir kommen gegen 20h an der Refugie de Coms de Jan am Ende unserer Kräfte an und genießen den wundervollen Geschmack von unserer Ja!-Samali auf trockenem Baguette, welches von Rouven wieder nicht sparsam mit ranziger Butter bestrichen wurde, während Lennart das Nachtlager in der Refugie hergerichtet hat.
Ich glaube, wir hätten endlos viel von diesem delikaten Fraß zu uns nehmen können, aber wir ließen dennoch in Stück Baguette für den nächsten Morgen übrig und legten uns noch im Hellen zu Bett.


Tag 4 - 24.7.08

Nachdem mitten in der Nacht noch zwei weitere Wanderer die zweite Kabine der Refugie aufgesucht haben und es in den Schlafsäcken eindeutig zu warm für diese Nacht war, wachen wir mit dem Sonnenaufgang zeitgleich auf und sind immernoch hundemüde…
Also schlafen wir bis etwa Neun Uhr weiter in der Hoffnung, dass Muskeln und Knochen sich ein wenig erholen. Dem ist leider nicht so: Rouvens Schulter schmerzt und Lennarts Beinmuskulatur ist völlig übersäuert. Steig in den Bewegungen packen wir dennoch zusammen und frühstücken das Reststück Baguette.
Heute solle eine kürzere Etappe gelaufen werden, obwohl diese gleich mit einem Anstieg von 2220m auf 2720m beginnt, da wir dem GRP in westl. Richtung über den Collada dels Meners (südl. des Pic de la Sarrera) folgen wollen, um die kommende Nacht auf dem Besali zu verbringen.
Der Anstieg zum Pass fällt uns überraschend leicht, da der Weg gut begehbar und gut ausgeschildert ist und heute die Sonne ab und zu von ein paar Wolken verdeckt wird.
Mit dem Weg kommen wir von einer alpinen Wald- und Wiesenlandschaft in eine Wüste Steinlandschaft, in der hin und wieder ein wenig Schnee vom Winter liegt. Oben angekommen genießen wir den atemberaubenden Ausblick, wobei auch ein paar Tiere wie Eidechsen, Raubvögel und ein Fuchs auftauchen.

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Der Abstieg ist auf dem ersten Stück besonders steil, relativiert sich jedoch mit abnehmender Höhe. An einem kleinen ebenen Plateau, das durch Blumenwiesen, kleine Bäche und vereinzelte Kiefernbäume charakterisiert ist, machen wir eine ausgedehnte und entspannende Mittagspause.

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Der Himmel bezieht sich zunehmend und nach Mittagessen, einem Nickerchen und Kaffee steigen wir weiter im Tal des Riu de la Sarrera ab bis wir auf eine asphaltierte Straße und einen Parkplatz treffen. Kurz darauf geht rechter Hand ein gut markierter Wanderpfad hinauf zum Besali.
Da die gelaufene Tagesstrecke recht kurz war, überstehen wir den finalen Anstieg dieses Tages recht gut, bauen das Zelt auf einem ebenen Stück Golfrasen auf und kochen reichlich Couscous mit „Sommergemüse“ und „Tomate-Mozarella“ von Knorr aus der Tüte.


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Bald darauf wird ein Lagerfeuer entzündet und wir kochen Pfefferminztee, bevor wir beginnen, uns gegenseitig aus dem „Café der toten Philosophen“ von v. Hösle vorzulesen. Wie gewohnt kritisieren wir die Auffassungen des modernen Philosophen scharf, haben aber dennoch viel Freude daran, dem interessanten und teilweise absurd-humorvollen Schreibstil des Autors zu folgen und uns mit den angesprochenen Themen auseinanderzusetzen, während der nächste Tee aufgegossen wird – bzw. der alte Teebeutel zum dritten Mal wieder aufgekocht wird. Bis spät in die Nacht wir der Abend genossen, an dem der Nachthimmel immer weiter aufreißt bis ein klarer Sternenhimmel zum Vorschein kommt.
Als sich der Tau auf unserem Golfrasen niederlegt, kriechen wir zufrieden ins Zelt, ohne Pläne für den nächsten Tag gemacht zu haben.


Tag 5 - 25.7.08

Dieser Tag ist schnell zusammengefasst: Wir schlafen aus, frühstücken und beschließen, heute nicht weiter zu gehen – wir haben uns in das kleine ebene Golfrasenplateau verliebt. Den Benzinkanister, der sich in der Sonne immer wieder bedrohlich aufbläht und nachts arg zusammenzieht, wir in einem Erdloch mit Wasser und Blattabdeckung verstaut.
Es wird immer wieder geschlafen, diskutiert, gelesen und dann wieder geschlafen. Zwischendurch gewittert es.

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Wir beschließen dann den Fortlauf unserer Wanderroute und lassen den Tag wie Tags zuvor enden: Tee, diesmal mit Kiefernnadeln, weil die Teebeutel knapp werden. Lagerfeuer. „Café der toten Philosophen“. Tee. Schlafen.


Tag 6 - 26.7.08

Wir stehen früh auf und freuen uns wieder auf Icetee mit Cornflakes. Da jedoch vom Iceteepulver nicht mehr viel übrig ist, weicht Lennart auf weißes Cappuccinopulver aus – eine unangenehme Mischung, die uns jedoch nicht davon abhält, motiviert in Richtung Port de Boet abzusteigen. Der Weg ist schlecht markiert, doch das Tal übersichtlich, sodass wir mithilfe der Karte kaum Probleme haben. Gleich am ersten Bach trinken wir uns mit frischem Quellwasser voll – ein Ritual, das wir an den kommenden Tagen wiederholen werden; denn bis auf den ersten Tag haben wir täglich geschätzte 30-35°C Spitze im Schatten – das sind Nordtiere nicht gewohnt und so läuft und bei fast allen Anstiegen auf dieser Tour ununterbrochen der Schweiß in die Augen…

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Etwas schockiert sind wir an diesem Tag, als wir später unterhalb der Portella de Rat auf Autoschlangen und laufende Lifte treffen und (übersetzt) dem „Almrock-Projekt“ lauschen dürfen…
Dennoch freuen wir uns über einen jungen Mann, der mit kompletter Quechua-Ausrüstung unterwegs ist und uns erzählt, er sei schon 30Tage unterwegs – 10 weitere würden folgen, bis er in den Ostpyrenäen seinen Zielort erreicht habe. Wir versuchen, uns noch spontan ein paar Sprachkenntnisse zu vermitteln, bevor wir weiterziehen und genießen dabei den Blick auf das von ihm sogenannte „mer de nuage“ auf der anderen Seite der Portella de Rat.

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Der Abstieg in den dichten Nebel ist unangenehm, die Steine nass, Lennart schmerzen nach dem Abstieg dann auch bald die Knie. Eine geheimnisvolle Stimmung bereitet das Nebelmeer dennoch.

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Zwischendurch kommen wir dann auf eine äußerst beschissene Idee: Aus Hamburg haben wir 2 Beutel Götterspeise im Rucksack – wir rühren sie in heißes Wasser…bis uns auffällt, dass der Zucker fehlt!
Schnell ein wenig Iceteepulver hinein und dann trinken wir unsere absolut flüssige aggressiv-saure Götterspeise aus dem Alutopf…

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Nach dieser ermunternden Pause sind wir dann auch schon bald im Tal des Ruisseau de Rat ab und machen uns an den harten Anstieg zum Pic Roja bzw. der Port de Boet. Wieder gehen wir durch Nebel, Wolken und Geröllfelder.

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Hell wird es erst wieder, als wir durch die Port de Boet schauen. Wir entspannen dort oben, halten die Füße ins Wasser und betrachten unseren blätternden Sonnenbrand von den ersten zwei Tagen – 25er Schutz war wohl zu wenig gewesen…

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Es wird noch ein paar hundert Meter weit abgestiegen und dann errichten wir das Zelt, machen Lagerfeuer und lesen uns gegenseitig vor. Rouven verweigert an diesem Abend zum ersten Mal das wunderbare Couscousgericht, das sein Partner mit Liebe und Raffinesse zubereitet hat – wie immer mit Sommergemüse und Tomate-Mozarella, einem Stückchen Butter und einer guten Prise Salz…

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Doch auch Rouven wird an diesem Abend noch satt und wir kriechen recht früh zu Bett, am darauffolgenden Tag soll ein harter Anstieg bevor stehen.


Tag 7 - 27.7.08

Auf zum Pica d’Estats! Lennarts knie schmerzt beim restlichen Abstieg zur Refugi de Vallferrera, der vorerst noch erledigt werden muss, nur noch wenig, wahrscheinlich haben Nussplie und ranzige Butter Wunder bewirkt.
An der Refugie de entsorgen wir unseren angesammelten Müll und nachdem uns die Karte wieder einmal einige Meter falsch gelenkt hat (wir waren unaufmerksam und sind nach Karte gelaufen und haben die Schilder ignoriert – die Karte lässt Straße und Wanderwege an anderen Stellen zusammentreffen als in der Realität), beginnen wir den Anstieg von rund 1300HM.
Bereits nach dem ersten Kilometer wundern wir uns nicht, dass uns im Tal massenhaft Touristen (mit ihren Quechua-Zelten) begegnen; es ist wunderschön!


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Und auch Lennart darf noch ein wenig in den Felsen spielen – abzubringen war er davon nicht.
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Doch es sollte noch ein aufreibender Tag werden. Nachdem Lennart seine Socken in einem See gewaschen hat und wir wieder einmal endlos viel Schokolade gefuttert haben, bemerkt er, dass das Ersatzpaar Socken wohl in Hamburg geblieben ist – oder dass es irgendwo auf der bisherigen Reiseroute verschütt‘ gegangen sein muss.
Rouvens Ersatzsocken müssen herhalten – doch glücklich wird sein Partner mit diesen nicht wirklich. Während wir einige Zeit am See vertrödelt haben, sind zunehmend Wolken aufgezogen und als wir den finalen Anstieg zum Sattel westl. des Pica d’Estats erreichen, rät Lennart dazu, abzuwarten, ob nicht noch ein Gewitter hinter den Wolken auftaucht. Wir legen uns also am Hang auf unsere Isomatten und warten ab – nicken zeitweise ein wenig ein. Nachdem es ein wenig genieselt hat und einige Wolkenwände vorbeigezogen sind, wird der Himmel etwas freundlicher und wir gehen weiter.
Am Nord- und Südhang des Picas liegt noch Schnee vom Winter. Dennoch ärgert sich Lennart, dass er überredet wurde, Grödel mitzunehmen – wenn dann doch gleich mit Eispickel und Seil, aber testweise probieren wir die Grödel im Schnee aus: Eine äußerst bescheidene Wirkung, die die vier Stahlzacken im groben Schnee haben. Aber jetzt haben wir immerhin ein Bild davon bekommen, wie wenig man mit Grödeln anfangen kann. Am Sattel angekommen tut es Lennart im Herzen weh, dass ein Spitzer Stein auf dem Geröllfeld ihm einen tiefen Schnitt ins Schuhleder gerissen hat. So ganz zufrieden sind wir mit Aussicht und Wetter auch nicht, schon der Sattel auf rund 2900-3000 m hängt arg in den Wolken.

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Mit erhöhter Vorsicht stapfen wir durch die steilen am Rand ca. 4m-tiefen Schneefelder am Nordhang zur Weggabelung, an der sich GR (XY) und Gipfelaufstieg trennen. Ob es der Anstieg, das Wasser, das wir unten am See tranken oder die Höhe gewesen ist, wissen wir nicht, aber Rouven geht es von nun an für den Rest des Tages ziemlich schlecht und wir entschließen uns zusammen mit der Wetterlage gegen den finalen Aufstieg zum Pica d’Estats.

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Anstatt dessen beginnen wir den Abstieg nach Norden. Es ist nicht ganz einfach, sich im Gewirr aus Schnee, Geröll, Felsen und Wolken zurecht zu finden, gerade, da einige Zeichen noch vom Schnee verdeckt sind und das Tageslicht immer weiter abnimmt.


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Nachdem es anfing zu regnen, wir nur äußerst langsam voran kamen und ab und zu eine Rutschpartie im Schnee erlebt haben, verlassen Rouven irgendwann die Kräfte. Er bekommt Bauchschmerzen und wir befürchten, dass er die nächsten zwei Tage zumindest mit Fieber im Schlafsack verbringen wird. Lennart übernimmt den Großteil seines Gepäcks und kurz bevor es dunkel wird, taucht im Nebel vor uns endlich die Refuge de l’Etang du Pinet auf.
Dort erwarten uns sogleich ein paar Tageswanderer, die den Abstieg auf den nächsten Tag verschoben haben und Shisha-rauchend auf der Terasse sitzen. Lennart schleimt sich sogleich mit einem Stück Schokolade ein und darf dann gnädiger weise auch ein wenig entspannenden Rauch einatmen…
Wir bestellen zwei Omletts à 7€ bei den Küchenchefs und werden noch freundlichst und gut bekocht. Jedoch müssen wir uns schon öfters rechtfertigen, weshalb wir nicht sonst wo geschlafen haben und noch so spät abgestiegen sind, es sei „un peu dangereux, non?!“. Der Hüttenchef ist verwundert, dass wir lieber auf der Wiese zelten, anstatt seine Gastfreundschaft teuer zu bezahlen, aber nachdem wir jeder einen Euro auf das Omlett aufgerechnet bekommen haben, haben wir auch kein schlechtes gewissen mehr, den von Kühen vollgeschissenen Golfrasen vor der Hütte zu gebrauchen. Auch von den verwunderten Blicken der anderen Hüttengäste lassen wir uns nicht irritieren und bleiben beim Zelten.

http://img292.imageshack.us/img292/1248/imgp0213df1.jpg (http://imageshack.us)

Außerdem werden wir hoffnungsvoll, was Rouvens Zustand anbelangt: Die Bauchschmerzen verschwinden und der Kopf wird klarer. Wir planen also ein frühes Aufstehen und legen uns im penetranten Gestank der Kuhfladen zu Bett...

@Werner: Heiß war's, ich geb' Dir Recht...wenn Du allerdings in solch heißen Gefilden aklimatisiert bist, ist die Kälte wenigstens kein Samtbett mehr.

Nicki
17.08.2008, 10:30
Da sitze ich natürlich vorm PC und verfolge eure Tour- sehr schön, auch gute Fotos.


oder einem Schild gesucht haben, das den Abzweig zum HRP anzeigt.
So etwas sucht man meist vergebens.....

Gruß FS

Randonneur
17.08.2008, 11:51
Der Bericht gefaellt mir. Ueberlegene Planung bis ins letzte Detail und dem Zufall oder der Improvisation keine Chance. So muss Reisen sein.

Beim naechsten Mal kann man vielleicht zusaetzlich zu dem Benzinkannister noch genuegend lokale Spezialitaeten mitnehmen. Die Gegend ist fuer besonders gute Wuerste und Terinen bekannt. Wenn man statt der Baguette eine lokale Brotvariante waehlt hilft das auch.

Wanderer86
18.08.2008, 14:53
Toller Bericht und tolle Bilder. Bin grad am Überlegen nächstes Jahr nicht mal für 1-2 Wochen die Pyrenäen zu besuchen.

Viele Grüße
Matthias

barleybreeder
18.08.2008, 15:18
Wir planen also ein frühes Aufstehen und legen uns im penetranten Gestank der Kuhfladen zu Bett...



Sehr schön Pfadi, klingt nach echtem Abenteuer. Bin schon gespannt wies weitergeht...:grins:

Eure Essenszusammenstellung finde ich echt experimentell...... http://www.cosgan.de/images/smilie/froehlich/a020.gif

pfadfinder
18.08.2008, 19:15
So, setze mich gleich wieder ran...Kann ja mal kurz auflisten, was in Pfadis Küche gegessen wird:
-Couscous mit 2 versch. (meistens unterschiedlichen) Tütensuppenpulvern verfeinert + Salz, evtl. Butter.
-Nudeln "-"
-Spaghetteria Nudelzeugs von Knorr ist das glaube ich
-YumYum-ähnliches von Rewe
-Griesbrei von "Süßer Moment"
-GÖTTERSPEISE!!!(leider ohne Zucker)
-Tütensuppen
-Schokocappuccino
-Icetee
-Tee
-Salami+Knäckebrot, optional mit Butter und Baguette
-Nusspli
-Cornflakes-Müsli-Mischung mir Milchpulver/Icetee
-Schokolade, Kekse, Müsliriegel, etc.

Und ich glaube, damit endet die Liste auch schon;-)
Eines Tages fiel uns auf, dass wir uns zu 80% von Zucker oder Stärke ernähren...

LG

pfadfinder
18.08.2008, 23:28
Tag 8 - 28.7.08

Würde ich Ahnung vom Photographieren haben und eine entsprechende Kamera, hätte ich aus dem Panorama, das sich uns bietet, als wir am nächsten Morgen recht früh aufwachen, sicherlich etwas gemacht:

http://img411.imageshack.us/img411/1255/imgp0220fz2.jpg (http://imageshack.us)

Wir schleppen Zelt, Schlafsäcke, Frühstück und Kocher auf diese Anhöhe und genießen das Spektakel noch ein wenig, bevor wir uns beim Hüttenpersonal verabschieden, unsere Sachen Packen und unwillig den Abstieg nach XY-Artigue antreten.
Unten angekommen sind wir ein wenig schockiert, als wir unsere geplante Route genauer ins Auge fassen: Es soll auf dem HRP mind. 1300HM (? habe gerade keine Karte zur Hand – Nicki, Du bist gefragt;-)) zügig bergauf gehen, sodass wir mittags spätestens die Portella de l’Artigue erreichen - denn im Dorf wird uns von einer Einheimischen ein heftiges Gewitter für den Nachmittag prophezeit.

http://img177.imageshack.us/img177/6109/imgp0226qs5.jpg (http://imageshack.us)

Noch ist es jedoch enorm heiß, definitiv der heißeste Tag unserer Tour. Wieder lassen wir uns mit gut eineinhalb Liter Wasser vollaufen und steigen dann auf. So wird die uns umgebende Landschaft beginnend mit einer grünen Idylle, als die man das Tal de l’Artigue bezeichnen kann, schnell trockener und felsiger – wir treten mit zunehmender Höhe in eine kargere Landschaft ein. Trotz des gestrigen Tages sind wir beide gut bei Kräften und mit einigen Trinkpausen fällt uns der Aufstieg bis zu den finalen Geröllfeldern sehr leicht, solange zumindest, wie das Bachwasser, in dem wir Shirt-Ärmel und Hut getränkt haben unsere Körper kühlt.

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Als wir die Geröllfelder, die es noch auf dem Weg zur Portella de l’Artigue zu überwinden gilt, erreicht haben, macht uns die Hitze zu schaffen. Erneut geschätzte 30-35°C im Schatten – ein Schatten, der eigentlich nur fiktiv ist, denn in der uns umgebenden Geröllwüste, in der wir uns kleiner denn je vorkommen, gibt es nicht das kleinste Fleckchen Schatten. In der Karte ist ein Fluss bis zum Sattelpunkt zwar eingezeichnet, dieser verläuft jedoch unerreichbar unterhalb des Felsmeeres. Und voran geht es auch sehr mühsam. Zwar haben wir mächtig viel Spaß daran, vor Fels zu Fels zu klettern (wobei wohl ein falscher Tritt auch unangenehm enden kann, wenn unter einem viele meterdick Felsbrocken aufgeschichtet sind), doch dauert es unerwartet lange, bis die Strecke überwunden ist. Zudem kommen wir erneut ins Zweifeln, ob die 25er Sonnenlotion die ausreichende Wahl war.

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Dennoch lässt die Motivation zwischen den Felsblöcken keinesfalls nach (die Markierung bis hier oben ist auch sehr angenehm gewesen) und das letzte Stück des Anstieges verläuft wieder über verdorrtes Gestrüpp. Wir gönnen uns vorher noch eine kleine Verschnaufpause und konsumieren wie gewohnt warme Schokolade. –Übrigens sind wir immer wieder überrascht, wie gut Schoko&Keks und Moser Roth von Aldi im Vergleich zur Milka die heißen Temperaturen überstehen!-
Es werden noch ein paar Fotos geschossen, dann gehen wir weiter.

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(dieses Bild gibt es leider nicht ohne Käfer auf der Linse...)

Plötzlich wird Lennart jedoch nervös: Hinter dem Sattel tritt auf einmal eine dunkle Wolkenwand hervor – was dahinter kommt, wissen wir natürlich nicht. Er treibt seinen Partner an, sich zu beeilen, oben auf dem Sattel schon im Gewitter zu stehen, sei unerwünscht. Als nach etwa 10-15min im Stress jedoch die Portella erreicht wird, entspannt die die Lage. Der dunkelgrauen Wolke über dem Sattel folgen auf der Westseite lockerere Cumulus-Wolken, die auch die Temperatur schnell angenehmer werden lassen.

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Dennoch begeben wir uns zügig zum Abstieg – ein unangenehmes Unterfangen, da es durch die felsige Landschaft steil herunter geht, sodass der Rucksack und kleine Sprünge unsere Knie wieder belasten. So wünschen wir uns bald, noch ewig aufzusteigen – lieber zumindest als hungrig und mit leerer Trinkflasche den Abstieg zu vollziehen, denn der Fluss auf der Westseite des Sattels führt kein erkennbares Wasser. Und auch unsere Oberschenkel melden sich nach etwa der Hälfte der Strecke…

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Doch auch dies ist bald überstanden und wir kochen im darauf folgenden Tal reichhaltiges pikantes Mittagessen: Couscous mit „Sommergemüse“ und „Tomate-Mozarella“ von Knorr und für Rouven Penne mit „Napoli-Soße“ ebenfalls von Knorr.
Etwas enttäuscht sind wir vom Wettergott, als sich die eben noch so bedrohlich scheinenden Wolken beim Mittag weites gehend verziehen und wir wieder in der prallen Sonne essen müssen.

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Bald gehen wir zwar gestärkt und getränkt weiter unseren Weg, doch hat der bisherige Tagesverlauf Folgen für den Rest der Tour. Wir reflektieren die in den letzten Tagen gegangene Route und uns fällt einmal mehr auf, dass die Streckenwahl durch das radikale Rauf und Runter kräftetechnisch betrachtet ziemlich ungünstig war und wir müssen uns eingestehen, dass wir Geröllfelder und harte Abstiege satt haben. Zudem hat sich Lennarts chronisch leicht entzündetes Nagelbett orangefarben mehr als sonst verdickt, sodass er sich ein wenig Sorgen macht, ob es auch heute wie gewohnt im Laufe der Nacht und nach ein paar Tropfen Desinfektionsalkohol wieder abschwillt.
Gerne hätten wir mal wieder ein entspanntes Wegstück, welches weniger stark die Knochen belastet und bei dem wir auch einmal weniger konzentriert auf den Weg achten müssen – ein Wegstück soll her, bei dem wir mal wieder plaudern und entspannen können.
Und da wir dennoch Lust haben weiter zu gehen, entscheiden wir uns gegen eine Übernachtung am See (mitunter, weil wir dort nicht alleine gewesen wären) und werden die Schotterstraße, die von der Staumauer des Sees aus in Richtung des Touristendorfes Tavascan führt, weitergehen.

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Und wie erwartet genießen wir den sicheren Gang auf der unbefahrenen Schotterstraße – wir wären ihr an diesem Tag gerne endlos gefolgt. Zwischendurch mampfen wir eine Packung Kekse und trotten dann plaudernd in Richtung Tavascan. Dabei beschließen wir auch, nicht das nun von uns nördlich liegende Gipfelmeer zu durchqueren, sondern von Tavascan aus auf dem GR 11 Richtung Espot zu laufen, um dort dann entweder einzukaufen und durch den Nationalpark süd-westl. davon zu wandern um dann in Richtung Pica d’Aneto/ Vielha weiterzugehen und dann Richtung Toulouse zu trampen oder von Espot aus direkt die Heimreise zeitl. äußerst entspannt anzutreten.
Zwar würde es noch ausreichend Tageslicht geben und darauf, das Lager aufzuschlagen, haben wir eigentlich auch wenig Lust, doch fürchten wir, hinter den Plateaus „(Sorry)“ keinen vernünftigen Schlafplatz mehr zu finden. So kriechen wir irgendwann ein Stück weit durch’s Gebüsch, folgen einem Viehweg und pflanzen das HB Nallo 2 GT mitten darauf – obwohl wir schon besser gepflegte Rasenflächen hatten, und auch die kleinen Beißfliegen lassen uns keine Ruhe…
An diesem Abend durchforstet Rouven dann meinen Nahrungsbeutel und entdeckt die bisher verschmähte „Kaltschale“! Neugierig gießt er 500ml Quellwasser in den Alutopf, schüttet das Pulver mit den „naturechten getrockneten Apfelstücken“ hinein und rührt solange, bis die Gelatine das ganze zu einem dickflüssigen Etwas verzaubert hat. Wie gewohnt hält er sich genau ans Rezept und lässt die Frucht-Dickungsmittel-Zucker-Brühe exakt 10Min. im kühlen Schatten stehen.
Nebenbei kochen wir Tomatensuppe von Knorr mit Sesam-Knäckebrot-Croutons, um dann endlich das Highlight des Abends zu genießen…Lennart gibt ziemlich schnell auf und besteht darauf, die Kaltschale zu erhitzen, sodass er Rouven mit Vergnügen den Vortritt lässt. Nachdem dieses delikate Naturprodukt dann endlich verspeist ist, reflektieren wir noch ein wenig unser Schülerdasein und flüchten uns dann auch bald vor den Beißfliegen ins Zelt – ein wenig enttäuscht, dass das angekündigte Gewitter uns doch nicht ereilt hat...

barleybreeder
19.08.2008, 08:41
(dieses Bild gibt es leider nicht ohne Käfer auf der Linse...)



Ehrlich...hab für ne Sekunde am Bildschirm gekratzt. :bg:

Sehr hübsche Fotos....man darf sich nur nicht die Temperaturen vorstellen.
Ich glaub ich würde sterben bei über 30°c bergan latschen zu müssen! :sad:

Menelaos
19.08.2008, 08:57
Sehr netter und ausführlicher Bericht! Danke dafür ... erinnert mich doch an die "alten Zeiten" wo ich mich mit Träuma in den Pyrenäen rumgetrieben hab und der auch wegen der Hitze zusammengeklappt ist. *g*

Corton
19.08.2008, 11:15
Danke für den ausführlichen Bericht! Pyrenäen sind (bei entsprechender Wetterlage) im Hochsommer für meinen Geschmack grenzwertig - zumindest, wenn man sich intensiv sportlich betätigen will. Wir sind da im August mal mit den vollbepackten Rädern durch und es war tierisch heiß - fand ich echt abartig, Spaßfaktor gleich 0. :ill: Eigentlich wollten wir ja von Toulouse bis nach Granada (--> Pico Veleta, für jeden Radler ein Muss), haben aber schon in Lleida kurzerhand umgeplant ... und aufgrund der mörderischen Hitze den Zug nach Granada genommen. :grins:

pfadfinder
19.08.2008, 14:39
Grins...obwohl mir aufgefallen ist, dass dieses Jahr eine äußerst grüne Vegetation vor zu finden ist. Aber das passt ja zu der Aussage, der Winter sei nur schleppend abgetreten.
Schreibe nachher die restlichen Tage zu Ende.
@Corton: Du wirst sehen, wir haben auch gekürzt;-)

barleybreeder
19.08.2008, 14:47
wir haben auch gekürzt;-)

Zieht hier überhaupt noch mal einer durch...? :o

Freak
19.08.2008, 16:13
Nee, du bist der einzige Harte! :ignore: :bg:

Nicki
19.08.2008, 17:52
....es soll auf dem HRP mind. 1300HM (? habe gerade keine Karte zur Hand – Nicki, Du bist gefragt

Laut Karte ca.1340 m bis zum Port de L Artigue
Knapp an der Spaßgrenze- ab 1300 Höhenmeter Aufstieg ist es doch erst wirklich schön.:D
Runter bis zur Staumauer sind es bloß 440m.

Gruß FS

pfadfinder
19.08.2008, 17:56
Dank' Dir ;-) Ich glaube, die 440m haben uns aber mehr gegeben als die 1300:-D

barleybreeder
19.08.2008, 19:18
Nee, du bist der einzige Harte! :ignore: :bg:

(Mund-sehr-voll-nehm-Modus) Na warts mal ab......:o :bg: