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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [SE] I Marsfjällets Skugga



Aelfstan
15.08.2008, 14:24
Land: Schweden
Reisezeit: August 2008
Region/Kontinent: Nordeuropa


I Marsfjällets Skugga

Nach längerer Pause (Rückenprobleme) sollten es wieder meine ersten zaghaften Versuche sein, mit Gewicht auf dem Rücken durch's Fjäll zu wandern. Geplant war eigentlich Sylarna / Helags, aber nach einem Blick auf die Wettervorhersage entschieden wir uns spontan noch ein paar Kilometerchen in Richtung Norden draufzulegen. Nach einiger Überlegung wurde das Marsfjäll als potenzieller Kandidat für eine weniger anspruchsvolle, aber landschaftlich abwechslungsreiche kleine Rundtour ausgemacht, der Vorrat an Mesost und Limpabröd aufgestockt und in Vilhelmina eine Fjällkarte erworben.
Startpunkt der Tour ist das kleine Örtchen Fatmomakke, südlich des Gebirgszuges. Der Weg führt von dort ohne größere Steigungen durch Hoch- und Bergwald, bis er kurz vor der Rasthütte Marsfjälls Katan das Kahlfjäll erreicht.

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Bergwald unterhalb des Marsfjälls


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Eine Birkenpilzmahlzeit


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Marsfjälls Katan

Von hier aus besteht die Möglichkeit, den Gipfelpunkt des Fjälls zu begehen, doch wir wollen es ruhig angehen lassen und wenden uns nach Norden. Etwas oberhalb der Hütte, am Djupbäcken, vor schöner Hintergrundkulisse, errichten wir unser Nachtlager. Ein kalter böiger Wind zerrt an unserem kleinen Tunnelzelt, doch das läßt sich davon nicht beeindrucken. Noch ein kleiner Ausflug zu einem in der Nähe liegenden Schneefeld und eine warme Mahlzeit, dann geht's ab in den Schlafsack.

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Waten am Djupbäcken

Am nächsten Tag, nach langem Ausschlafen geht es in gemütlichem Tempo weiter Richtung Blerikstugan. Am Wegesrand finden wir jede Menge Rentiergeweihe. Eins wandert in den Rucksack – wer weiß, vielleicht das Rohmaterial für einen Messergriff... Kurz vor der Hütte verlassen wir den Weg und machen einen Abstecher zu einer in der Karte verzeichneten prähistorischen Fundstätte (alter Opferplatz). Das Gelände ist mit Gesteinsblöcken und Geröll übersät und relativ mühsam zu begehen.

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Abstieg zum Bleriken


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Fundstück am Wegesrand

Die Geländebezeichnungen des umliegenden Terrains (Offerkullen, Offerskalet) regen meine Phantasie an – vor meinem geistigen Auge lassen trommelschlagende Rentierschamanen bunt gekleidete Zivilisationsmenschen auf großen Steinaltären langsam ausbluten. Diese imaginäre Opfergabe an die nordische Natur ähnelt in verblüffender Weise der etwa 300m über uns aufgetauchten Gruppe lärmender Tagestouristen, die völlig ohne Gepäck - die meisten haben nicht einmal einen Tagesrucksack dabei -, die Blerikhütte ansteuern. Was wollen diese Leute eigentlich so spät am Tag ohne Verpflegung und Schlafsäcke weitab von Wohnmobil und Satellitenfernseher? Wenig später lüftet sich dieses Geheimnis, als nach Ankunft der Gruppe an der Hütte ein Helikopter auftaucht, einen Teil der Gruppe an Bord nimmt und Richtung Kittelfjäll verschwindet. Dieser Vorgang wiederholt sich noch weitere vier Mal für den Rest der Gruppe. Die Schamanen in meiner Phantasie packen ihre Brandeisen und Schnitzmesser aus...
Leider finde ich an der prähistorischen Stätte nichts von Interesse. Etwas enttäuscht gehen wir ein Stück zurück und schlagen auf einer kleinen, malerischen Anhöhe das Lager auf.

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Nedre und Övre Bleriken, im Hintergrund Borkafjället


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Bewohner des Landes

Am nächsten Tag machen wir uns nach einer kurzen Besichtigung der Blerikstugan auf den Rückweg. Doch da es eine Rundtour ist, führt dieser im weiten Bogen westlich von zwei kleineren Fjällerhebungen (Fiehteres und Klingere) vorbei nach Fatmomakke, so daß auch dieser Weg neu für uns ist. Nach der Karte ist dies, meiner Einschätzung nach, der weniger spektakuläre Teil der Tour, denn es gibt kaum größere Anstiege oder schroffe Felsformationen in der Nähe des Weges, dafür im letzten Teil viel Bergwald. Doch wie sehr sollte ich mich täuschen! Nach einem leichten Anstieg öffnet sich ein schöner Blick auf ein großes bewaldetes Tal, mit dem weit entfernten Borgafjällen als Hintergrund. Wir beobachten eine Gruppe weidender Rentiere und genießen bei ausgesprochen schönem Wetter die grandiose Umgebung. Leider wird unsere Begeisterung etwas gedämpft, als meine Begleiterin mit dem Fuß umknickt und nur noch humpelnd weitergehen kann.Von nun an ist Schneckentempo angesagt. Wir erreichen den Bergwald.

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Bergwald und namenloser kleiner See

Meine Stimmung hebt sich etwas, als plötzlich zwei Elche (Kuh und größeres Kalb) etwa 30m vor uns aus der Dickung brechen und in langen Sätzen fliehen. Der Weg führt vorbei an einer kleinen Einsiedelei, dessen stereotypisch gekleideter Bewohner (Latzhose und kariertes Hemd), nachdem er uns erst regungslos aus dem Türrahmen heraus betrachtet hat, wortlos die Tür vor der Nase zuschlägt, als ich ihm zuwinke. Ich vermute einen zivilisations- und touristenmüden Almöhi, meine Begleitung einen psychopathischen Axtmörder und Kinderzerstückeler, der uns ganz sicher verfolgen und umbringen wird. Ich muß ihr beipflichten, schließlich kennt man dieses Szenario ja aus unzähligen amerikanischen Horrorfilmen... Bei einsetzendem Nieselregen bauen wir unser Zelt an einem kleinen Bach, dem Oxbäcken, auf. Es regnet, zwar nicht besonders heftig, aber kontinuierlich die Nacht durch, es ist sehr mild und windstill. Mein kleiner Tunnel schwimmt in Kondens. Wir entscheiden uns am Morgen erst einmal abzuwarten und für ein opulentes zweites Frühstück. Und tatsächlich reißt der Himmel gegen Mittag auf und wir machen uns bei jetzt recht sonnigem Wetter auf nach Fatmomakke. Durch unser geringes Tempo gestaltet sich der Weg für mich zur Pilzjagd. Ein überreichliches Abendessen aus Birkenpilzen rundet die Tour ab.


Fjällkarta: AC4
Schwierigkeit der Tour: leicht bis mittel

Zelt: Wechsel White Nites ZG
Schlafsack: Yeti (Pl) GT 400 / Four Seasons Oregon 450
Isomatte: alte PE-Matte 1,2cm / EVA-Matte 1,5cm
Kocher: Markill Light Shot (Gas)
Rucksack: Vaude Profile 60 / Tatonka Atlas 65

November
15.08.2008, 17:55
Schön zu lesen und auch schöne Bilder, aber einige Fragen bleiben noch offen:

Hat es euch denn gefallen?
Wie kamst du mit deinen Rückenproblemen zurecht?
Was habt ihr sonst noch dort gemacht? (Ich bin eben neugierig) Ihr wart doch sicher nicht nur für eine Woche in Schweden?

Außerdem habe ich in meiner doch schon recht umfangreichen Fjällkartsammlung gesucht, um eure Tour auf der Karte nachverfolgen zu können, aber die AC4 war leider nicht dabei.
Nun weiß ich, daß man sich auf der Seite von lantmäteriet (http://www.lantmateriet.se/epidefault.aspx?id=55) auch alle Kartenausschnitte anschauen kann. Nur finde ich den Link nicht.
Kann da jemand helfen?

NRWStud
15.08.2008, 18:41
Sehr schöner Bericht und sehr schöne Fotos :-)
Macht Spaß zu lesen, nur gemäß der inoffiziellen Outdoorseiten.net Tradition fehlen mir noch von Fotos von Deinem Zelt in dieser wunderschönen Landschaft :bg:

Was ich aber auch noch fragen wollte, Du hast diese wundervollen Fotos und inmitten dieser schönen Landschaftsfotos zeigst du mir, wo ich gerade Hunger habe dies hier





http://img171.imageshack.us/img171/4117/p3fh1.jpg
Eine Birkenpilzmahlzeit



... da ist doch nicht nur die Packung "Champignons und Frühlingszwiebeln" drin :bg: Rezept dazu gern per PN. Vielen Dank

LG

Chris

Fjaellraev
15.08.2008, 20:16
Nun weiß ich, daß man sich auf der Seite von lantmäteriet (http://www.lantmateriet.se/epidefault.aspx?id=55) auch alle Kartenausschnitte anschauen kann. Nur finde ich den Link nicht.
Kann da jemand helfen?
Aber klar doch ;-)
http://butiken.metria.se/dkny/product_info.php?cPath=3_4742&products_id=27
www.lantmateriet.se -> Kartor -> Kartor och geografisk information -> Fjällkarta -> Digital Fjällkarta -> Köp eget utsnitt av Digital Fjällkarta
Ich nehme an, das ist die Seite die du meinst...

Gruss
Henning

Aelfstan
16.08.2008, 10:09
Hat es euch denn gefallen?
Wie kamst du mit deinen Rückenproblemen zurecht?
Was habt ihr sonst noch dort gemacht? (Ich bin eben neugierig) Ihr wart doch sicher nicht nur für eine Woche in Schweden?


Ja, du bist sehr neugierig... Eigentlich bin ich immer etwas zurückhaltend, was die Verbreitung meines Privatlebens im Internet betrifft. Aber dies kann ich dir sagen: Gefallen hat mir die Tour sehr und auch mein Rücken hat einigermaßen mitgespielt. :D

@NRWStud: Du hast natürlich recht. Dann reiche ich hier mal ein Foto des Zeltes nach:

http://img206.imageshack.us/img206/2962/p34zd4.jpg

Zum Pilzgericht: Nein die Packung Kartoffelsnack ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht drin (sieht danach nicht mehr so lecker aus, auch wenn es ganz gut schmeckt), sondern das sind nur in Butter (natürlich extra saltat) angebratene Birkenpilze und Rotkappen, mit etwas Wasser aufgegossen (für den Kartoffelbrei).

November
16.08.2008, 10:39
@Aelfstan: Nun ja, ich wollte ganz bestimmt keine Einzelheiten aus deinem Privatleben erfahren. Aber die Rückenprobleme hast du ja gleich zu Anfang selber angesprochen und da wollte ich nur nachfragen, ob du die Tour vertragen hast.

Und bei meiner letzten Frage war das 'neugierig' vielleicht ein wenig unglücklich ausgedrückt. Ich habe mir nur gedacht, daß ihr zwar nur eine Woche gewandert seit, aber dann vielleicht dort noch etwas anderes, Kulturelles gemacht habt und das nun empfehlen oder auch davon abraten könnt.

Ich habe übrigens auch ein White Nites, wenn auch nur die TL-Version.


@Fjällräv:Ja, dann war es wohl das, obwohl ich den Ausschnitt etwas größer und auch leicht navigierbar in Erinnerung hatte. Aber ist schon in Ordnung so, schließlich soll man die Karten ja auch kaufen.

NRWStud
17.08.2008, 00:11
@NRWStud: Du hast natürlich recht. Dann reiche ich hier mal ein Foto des Zeltes nach:

http://img206.imageshack.us/img206/2962/p34zd4.jpg

Zum Pilzgericht: Nein die Packung Kartoffelsnack ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht drin (sieht danach nicht mehr so lecker aus, auch wenn es ganz gut schmeckt), sondern das sind nur in Butter (natürlich extra saltat) angebratene Birkenpilze und Rotkappen, mit etwas Wasser aufgegossen (für den Kartoffelbrei).

Dann bin ich jetzt auch zufrieden ;-) Habe das Zelt leider noch nicht sehr oft (eigentlich noch gar nicht) außerhalb von Katalogen in der Natur gesehen. Schaut gut aus.

Zum Pilzgericht: Wird Zeit das ich mich mal mit Pilze, Pilze suchen und zubereiten vertraut mache. Schaut wirklich sehr, sehr lecker aus. :D
Und außer der Hürde "Was sind das für Pilze, sind die genießbar und wie schmecken die wohl?!?" hört sich die Zubereitung (wenn man dann mal das Geheimnis der Pilze gelüftet hat ;-) ) eigentlich sehr leicht an.

LG

Chris

Aelfstan
17.08.2008, 09:25
@NRWStud: Ich bin kein besonderer Pilzkenner und du brauchst das eigentlich auch nicht zu sein, um dir eine leckere Pilzmahlzeit zu besorgen. Wenn du dich an ein paar ganz einfache Regeln hältst, kann dabei eigentlich nichts schief gehen:

1. Nur Röhrlinge nehmen (Unterseite der Pilze hat keine Lamemellen, sondern sieht aus wie eine Art Schwamm), damit schließt du schon einmal alle Giftpilze aus, deren Wirkung tödlich sein kann.
2. Nur Pilze nehmen, die keine bunten oder gefleckten Stiele haben. Damit schließt du den einzigen (schwach) giftigen Pilz aus, den du in der Kategorie "Röhrling" erwischen kannst. http://de.wikipedia.org/wiki/Satansr%C3%B6hrling
3. Pilze kochen oder braten, nicht roh verzehren. Manche Speisepilze sind roh schwach giftig.
4. Falls du dir bei einem Pilz unsicher bist, iß ihn nicht.

Bis jetzt bin ich damit ganz gut gefahren und habe mich noch nicht vergiftet. Sammle aber noch ein paar andere Pilzsorten, z.B. Parasolpilz, Pfifferling und Krause Glucke.

Mit dem Zelt bin ich übrigens sehr zufrieden. Stand sehr gut im Wind (die verschließbaren Lüfter waren da vorteilhaft), ist leicht, unkompliziert und hat ausreichend Platz für zwei. Bei entsprechender Witterung hat es allerdings (wie eigentlich alle Tunnel dieser Bauart) ein gewisses Belüftungsproblem.

NRWStud
17.08.2008, 13:22
@NRWStud: Ich bin kein besonderer Pilzkenner und du brauchst das eigentlich auch nicht zu sein, um dir eine leckere Pilzmahlzeit zu besorgen. Wenn du dich an ein paar ganz einfache Regeln hältst, kann dabei eigentlich nichts schief gehen:

1. Nur Röhrlinge nehmen (Unterseite der Pilze hat keine Lamemellen, sondern sieht aus wie eine Art Schwamm), damit schließt du schon einmal alle Giftpilze aus, deren Wirkung tödlich sein kann.
2. Nur Pilze nehmen, die keine bunten oder gefleckten Stiele haben. Damit schließt du den einzigen (schwach) giftigen Pilz aus, den du in der Kategorie "Röhrling" erwischen kannst. http://de.wikipedia.org/wiki/Satansr%C3%B6hrling
3. Pilze kochen oder braten, nicht roh verzehren. Manche Speisepilze sind roh schwach giftig.
4. Falls du dir bei einem Pilz unsicher bist, iß ihn nicht.

Bis jetzt bin ich damit ganz gut gefahren und habe mich noch nicht vergiftet. Sammle aber noch ein paar andere Pilzsorten, z.B. Parasolpilz, Pfifferling und Krause Glucke.

Mit dem Zelt bin ich übrigens sehr zufrieden. Stand sehr gut im Wind (die verschließbaren Lüfter waren da vorteilhaft), ist leicht, unkompliziert und hat ausreichend Platz für zwei. Bei entsprechender Witterung hat es allerdings (wie eigentlich alle Tunnel dieser Bauart) ein gewisses Belüftungsproblem.



Danke, danke, dann werd ich mal nächste Woche in die Wälder ziehen und schauen was ich da so alles finde :-) Deine Tipps sind ja schon mal etwas wonach ich gesucht habe, eigentlich ein sehr simples Schema. Dachte, dass man sich schon wirklich lange mit der Materie beschäftigen muss, damit man auch bloß nicht einen giftigen oder ungenießbaren Pilz erwischt. Nächste Woche bin ich auch bei meinem Großvater, der kann mir dann vielleicht auch noch mal eine kleine Exkursion geben, wobei er selbst aber auch schon seit zig Jahren nicht mehr Pilze suchen gewesen ist.

Mein nächstes Zelt wird auch ein Tunnel, leider kein Wechsel-Tent sondern wahrscheinlich ein Lightwave t2 trek xt.

Bist Du mit deinen Erdnägeln/Heringen immer bei der Tour gut zurecht gekommen oder hast du Dir mal in weiser Voraussicht mal andere als die Standardheringe besorgt?!?

LG

Chris

Aelfstan
17.08.2008, 14:28
Bist Du mit deinen Erdnägeln/Heringen immer bei der Tour gut zurecht gekommen oder hast du Dir mal in weiser Voraussicht mal andere als die Standardheringe besorgt?!?


Mit den beiliegenden Heringen des White Nites (sind richtige Aluheringe, nicht nur Erdnägel!!!) bin ich sehr zufrieden: geringes Gewicht, gute Haltbarkeit in verschiedensten Böden und relativ schlecht zu verbiegen. Ich hab auch sonst eigentlich immer nur die Standarderdnägel verwendet und bin damit zurecht gekommen. Selten mal habe ich mir ein paar Stahlnägel (Rockpins) für besonders harte Böden gewünscht, ging aber auch so.

Sapmi
20.08.2008, 12:00
Schöner Bericht und tolle Fotos, danke.:D

(am besten gefällt mir das Bild "Bewohner des Landes" ;-) )