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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Defintion: Ausgesetzt



kleinhirsch
23.07.2008, 18:19
Hallo,

bei Bergwanderwegen liest man häufig das Wort "ausgesetzt". Kann mir jemand als alpin Unerfahrenem sagen, was das Wort genau bedeutet? Gibt es eine offizielle Definition oder ist es auch nur ein vager Begriff wie "Trittsicherheit"?

Uli

SwissFlint
23.07.2008, 18:21
http://www.cosleyhouston.com/images/recent-images/04-08-alps-latham/DSCN8652.JPG

Also.. für mich heisst das, dass es mind. auf einer Seite runter geht ohne Geländer

eisvogel
23.07.2008, 21:06
Ausgesetzt ist es für mich, wenn es auf mindestens 2 Seiten ordentlich runtergeht.

Steile Wandkletterei fällt da in vielen Fällen nicht darunter.
Türme, Nadeln, Grate schon eher.

Der gute alte Becks hat es mal so formuliert (http://forum.outdoorseiten.net/showpost.php?p=190348&postcount=5).

Andreas L
23.07.2008, 21:16
Die meisten Menschen haben eine Art Messinstrument eingebaut, das "Ausgesetztheit" anzeigt. Es befindet sich im Unterleib, knapp unter dem Nabel und macht sich durch ein seltsames und sehr unangenehmes Ziehen rechts und links, vom Schritt kommend und bis in die Nierengegend reichend, bemerkbar.
Wenn man herausfinden will, ob man es selber auch hat, dann dürfte die Methode von Becks sehr geeignet sein.

Andreas

tille
24.07.2008, 00:02
@kleinhirsch:
Eine klare Definition, was ausgesetzt ist und was nicht, gibt es jedenfalls nicht. Ein ausgesetzter Weg ist zusätzlich zu den rein technischen Schwierigkeiten auch eine psychische Herausforderung durch den Tiefblick. Ab wann das für den einzelnen eine Rolle spielt, ist natürlich sehr unterschiedlich. Idealerweise passt sich der Autor seiner Zielgruppe an. Was im Wanderführer sehr ausgesetzt ist, wird im Hochtourenführer möglicherweise gar nicht erwähnt.

kleinhirsch
24.07.2008, 13:45
hallo und danke für die antworten.

so was habe ich mir schon gedacht, aber schön, es noch mal von allen bestätigt zu bekommen.

uli

Prachttaucher
24.07.2008, 14:58
Hänge mich mal hier mit dran mit einer Anfängerfrage,

kann man alleine durch Angaben auf der Karte die Schwierigkeit eines Weges erkennen. Konkreter Fall : ADAC-Karte Berchtesgadener Land 1:30000 - hier gab es Wege mit durchgezogener Linie (die sind wohl alle einfach zu gehen ?) und dann welche mit Punkten / K was wohl Klettersteig heißen soll. Auf der von uns begangenen Strecke über den Schneibstein (Etappe Stahlhaus bis Wasseralm) fand zumindest ich das auch für gut machbar - unter Klettersteig hätte ich mir etwas anderes vorgestellt. Die Etappe von Wimbachgrieshütte zur Blaueishütte ist m.W. gleich markiert - hier wurde uns von allen abgeraten.

Oder ist´s so, daß man sich als Anfänger für jede Etappe genau erkundigen muß. Also nicht Hauptsache durchgezogene Linie dann keine Probleme.

Gruß Florian

Freak
24.07.2008, 15:10
Sollte sowas nicht in der Legende der Karte stehen?

Prachttaucher
24.07.2008, 15:16
Hab die Karte zwar zu Hause, aber da steht eben Klettersteig, nicht mehr, keine weitere Klassifizierung

Onyx
24.07.2008, 15:49
Diese grobe Unterteilung Weg / Steig gibt es eigentlich auf allen mir bekannten Wanderkarten des Alpenraums. Die Schwierigkeit des Steiges kannst du wohl fast nur durch zusätzliche informationsquellen zb. Klettersteigführer ersehen. Hilfreich für einen ersten Eindruck können auch Quellen im Internet sein zum Beispiel www.klettersteig.de (http://www.klettersteig.de) ich persönlich würde aber noch ein gutes Buch kaufen weil jeder den Schwierigkeitsgrad unterschiedlich empfindet.

kleinhirsch
24.07.2008, 16:00
Oder ist´s so, daß man sich als Anfänger für jede Etappe genau erkundigen muß. Also nicht Hauptsache durchgezogene Linie dann keine Probleme.

komme auch gerade aus den alpen wieder. da habe ich mich halt auch mal mit diesen begriffen beschäftigt. meiner meinung nach werden die begriffe "ausgesetzt", "schwindelfrei" und "trittsicher" halt gerne und schnell verwendet, aber dem laien entzieht sich halt die erfahrung, dies einschätzen zu können. wir hatten in südtirol einen rother wanderführer dabei, der die touren auch noch in die 3 farben blau, rot und schwarz einteilte. auch das gibt nur eine grobe orientierung. die einschätzung ist halt sehr subjektiv, da jeder eigene schwachstellen hat. und wenn du einheimische fragst, die auf einem schmalen steig am fels langspringen, kannst du auch mal die antwort erhalten: "da müsst's euch schon ziemlich bedeppert anstellen, um hier h'runter zu falln" - auch wenn man selber anderes denken mag.

gleiches gilt imho auch für die markierung der wege auf karten. wir hatten stellen, die "gestrichelt"(teilweise markiert) dargestellt waren und andere stellen die "gepunktet" (nur für geübte) markiert waren, wo ich keinen schwierigkeitsunterschied gespürt habe. die dicken wege waren bei uns kein problem.

außerdem hängen schwierigkeiten ja auch stark vom wetter, von der jahreszeit, oder avielen anderen faktoren ab.

uli

Prachttaucher
24.07.2008, 17:58
...außerdem hängen schwierigkeiten ja auch stark vom wetter, von der jahreszeit, oder avielen anderen faktoren ab.
..uli

Kann ich bestätigen...:roll: nachdem wir die längste und schwierigste Etappe im Dauerregen gelaufen sind. Auch mit den Gehzeiten ist das sehr variabel - die auf den Schildern kamen ganz gut hin, die im Buch waren teilweise mehrere Stunden kürzer angegeben. Alles nicht so einfach, aber wenn das Wetter mitspielt ist´s super.

Gruß Florian

Becks
24.07.2008, 18:42
Moin,
hier noch einmal ein paar Hinweise/Tipps:

Die Schwierigkeits- und Zeitangaben beziehen sich immer auf günstige Bedingungen. Ungünstiges Wetter oder allgemein die Jahreszeit selber spielen jedoch sehr grosse Rollen. So kann aus einem harmlosen Pfad an einem Hang entlang ein unüberwindbares Hindernis darstellen, wenn z.B. in einer Rinne, die durchquert werden muss, noch Altschnee liegt. Gleiches gilt für Neuschnee, der schnell mal Wegspuren und Markierungen unsichtbar macht, oder Nebel, der die Orientierung erschwert.

Grobe Faustregel für die Zeit: pro 400 Hm rauf braucht man eine Stunde, pro 5 km horizontale Strecke ebenfalls 1 h. Man berechnet bei einer getrennt die Zeit für die einzelnen Komponenten bei einer tour, halbiert den kleineren der beiden Werte und addiert dann beides. Die zeit ist auch von der Gruppe abhängig, grössere Gruppen bewegen sich in der Regel lansamer als kleine. Für den Abstieg nimmt man etwa 600 HM/Stunde an.
Abweichung sind immer drin, so hatte ich schon dank sehr günstiger Schneelage bei einer Tour eine Abstiegsgeschwindigkeit zwischen 2500 und 3000 m/h. Zum Ausgleich haben wir am Obergabelhorn für 600m rauf 13h gebraucht.
Man muss sich zudem nicht wundern, wenn die angegebenen Zeiten Sprünge machen. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn man im Grenzgebiet zwischen den Ländern hin&her wechselt, denn jedes Land verwendet andere Ansätze zur Zeitberechnung. Ausserdem habe ich das gefühl, dass einige zeiten extra länger angegeben werden, als man real dafür braucht. Womöglich, um neugierige Touristen abzuschrecken :)


Markierungen: In der Schweiz werden Wege grundsätzlich in drei Farben markiert. Gelb (Fusswege, harmlos), weiss/rot/weiss (alpine Pfade) und Weiss/blau/weiss (hochalpine Wege). Allerdings ist die richtlinie sehr grob. ich hab schon weiss/blau/weisse erlebt, die dank Erderwärmung keinen Gletscherkontakt mehr erforderten, und damit ziemlich harmlos wurden. Genauere Infos dazu muss man jedoch aus dem Kartenmaterial entnehmen. Hinweise zu den Farbgebungen stehen übrigens bei den Schweizer Karten auf der Rückseite.
Für Details bezüglich Markierungen in Karten, hier noch ein Link:
http://www.swisstopo.admin.ch/internet/swisstopo/de/home/products/accessories/brochures.html
Dort sind z.B. Kartendarstellung und reale Bilder gegeneinander aufgelistet.


"Trittsicherheit" bedeutet, dass es durchaus Stellen geben kann, bei denen ein Ausrutscher weitreichende Folgen hat (z.B. Abflug über ein Geröllfeld).

Ausgesetzt sind normalerweise die Stellen, wo man mit mehr oder weniger viel Luft unter dem Hintern herumturnen darf. Wie man damit umgeht, ist jedoch von der Einzelperson abhängig.


Alex

Freak
24.07.2008, 19:33
Grobe Faustregel für die Zeit: pro 400 Hm rauf braucht man eine Stunde, pro 5 km horizontale Strecke ebenfalls 1 h. Man berechnet bei einer getrennt die Zeit für die einzelnen Komponenten bei einer tour, halbiert den kleineren der beiden Werte und addiert dann beides.

:nixda: Wie jetzt?

Kannst du das mal bitte an Hand eines Beispiels verdeutlichen.

tille
24.07.2008, 19:53
Ich würd sagen, wenn du eine Tour hast mit 10 km und 1600 hm, dann brauchst du theoretisch 2 Stunden für die Strecke und 4 Stunden für die Höhe. Jetzt nimmst die Hälfte des kleineren Wertes und addierst das zum größeren ==> 5 Stunden

Freak
24.07.2008, 19:54
Hab's verstanden. http://www.smileygarden.de/smilie/Zwinker/89.gif

Besten Dank.