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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [GB] "Och, scheiß Urlaub!" - Schottisches Tourtage



bubu
20.08.2003, 00:27
Region/Kontinent: Nordeuropa

Servus, ihr Lieben. :P
Ich bin schon ganz fleißig und arbeite am Tourenbericht. Ich habe mich entschieden, ihn schubweise "abzuliefern", sonst werdet ihr von meinen Worten tötlich erschlagen. Und das will ich ja nicht. :wink:

Viel Vergnügen beim Durchstöbern. Der Bericht ist übrigens unzensiert. Also, sollte Chris irgendwas dazu sagen - ICH habe Tagebuch geführt. Er kann sich bestimmt an einige Dinge nicht mehr so genau erinnern. *hüstel* :bg:

Sue. :D



Querfeldein und doch auf (Ab)Wegen

Stilblüten (alle Zitate so oder in abgewandelter Form):

· „Da läuft ein Reiskorn auf Pfoten.“ Chris beobachtet Käferkämpfe am Flughafen
· „Och, scheiß Urlaub!“ Chris aus dem Zelt heraus, mit Mücken drinnen überall
· „Was machen wir hier eigentlich? Wir müssen verrückt sein. Den nächsten Urlaub verbringen wir auf Mallorca – den ganzen Tag am Strand, besoffen.“
· „5 min kochen war echt ein Gag.“ Chris flucht über auf der Verpackung angegebene Kochzeit
· „Du bist so ziemlich das einzige Mädel, von der man diese Antwort hört.“ Chris zu Sue, es geht um kleingebröckelte Nacktschnecken im Abendessen
· „Dieses Zelt ist zu klein für uns beide.“ „Deswegen werde ich aber nicht rausgehen.“ Sue, Chris über Platz im Zelt
· „Sonne wird langsam langweilig auf Fotos.“ Chris über seine Fotografien und das Wetter
· „Das soll nun Urlaub sein?! Du musst mitten in der Nacht aufstehen (5 Uhr), um vor irgendwelchen Insekten und der Sonne zu flüchten.“ Chris
· „Wir sollten aufhören, die Momente zu zählen, in denen es ohne Mücken schöner wäre.“ „Ich zähle schon lange nicht mehr.“ Sue, Chris
· „Die Frau macht mich fertig.“ Chris über Sue
· „Ich hab jetzt auch nicht das letzte Reiskorn rausgekratzt. Da hat mir aus irgendwelchen Gründen die Geduld gefehlt.“ Chris über Aufwaschen zwischen Mücken
· „Ich glaube, ich schreibe ein Outdoor-Kochbuch.“ Chris (*hehe* Beschreibung, wie man Tomatenmark auf Fertiggerichten verteilt und die Nudeln anbrennen lässt.)
· „Wie schreibt man Shiel Bridge nochmal?“ „S.H.I.E.L. B.R.I.D. ... Dieses Wort ist viel zu lang.“ Matthias, Sue (versteht eh keiner *hehe*)
· „Du musst dein eigener Schatten sein.“ Sue
· „Ich habe das Gefühl, dass wir dem Schatten hinterherlaufen.“ Sue
· „Ach, wie habe ich ihn vermisst.“ „Was? Wen?“ „Den Farn.“ Sue, Chris, Sue
· “Guck mal, ein Frosch. Och wie süß...“ Sue andauernd (!!!)
· „Raupe, ich bin nicht dein Taxi.“ Chris zu einer Raupe, die gerade auf seinem Schuh herumklettert
· „Was heißt denn `Give Way´ ? Gib Gas?!“ „Nee, lass den anderen Vorfahrt.“ Sue, Chris
· „Ich habe heute schon den ganzen Tag die Macke.“ Chris (will Fotos ohne Himmel machen)
· „Jetzt wende ich auch schon die Frauenmethode an.“ Chris (stellt Rucksack auf Bank zum Aufhucken)
· „Die Frage bei diesen Zäunen ist immer: Sind wir drinnen oder draußen?“ Sue über Zäune in der Wildnis
· „Die sitzen jetzt bestimmt in ihren Wohnwagen und spielen Mensch-Ärger-Dich-Nicht.“ „Die Weicheier.“ Sue, Chris (es regnet und windelt und wir laufen durchnässt durch ein Tal)
· „Ich kann nicht sehen, wo ich lang laufe. Also, wenn ich im Matsch lande...“ Sue beim Regen
· „Achtung, ein Bach! ... Achtung, ein tiefer Bach!“ Chris warnt Sue
· „Wir verfehlen nicht den Pfad. Wir finden einen besseren.“ Chris über unsere Orientierung
· „Ich finde, dass es zu dritt ganz gut geklappt hat.“ „So hatte ich zwei Nächte ein Zelt für mich allein.“ Sue, Chris
· „So durcheinander bist du schon.“ „Naja, so kurz nach der Scheidung...Was erwartest du?!“ Sue, Chris
· „Chris, du Trottel!“ „Ich lasse mich scheiden!“ „Gut, denn das hatte ich schon die ganze Zeit vor. Hab mich nur nicht getraut.“ Sue, Chris, Sue





Tag 1 – Samstag, 2.8.03

-Wie Zugfahren auf höherer Ebene-
Mit den Turbulenzen der vergangenen Tage im Kopf und dem Gepäck für die folgenden Tage/Wochen im Rucksack mache ich mich auf den Weg Richtung Abenteuer. Es ist 11 Uhr. Gegen 15.30 Uhr bin ich mit Christian auf dem Altenburger Flughafen verabredet. Vorher kann ich meine Eltern noch dazu überreden, mir ein Schnitzel mit Pilzen zu gönnen. Wer weiß, wann ich wieder so gut essen kann...
Auf dem Flughafen verteilen wir unser Gepäck, damit keiner über 15 kg + 7 kg Handgepäck kommt. Nach langem, grammgenauem Umgepacke – unter den aufsichtigen Augen kopfschüttelnder Eltern – gehen wir zum Check-In. Und staunen nicht schlecht: Chris` Rucksack wiegt 14,9 kg und meiner bringt 13,5 kg auf die Waage.
Mein erster Flug (mit Ryanair). Fliegen ist gar nicht so schlimm, wie einem im Vorfeld immer eingeredet wird. „Und kau ja ein Bonbon, hörst du?!“ Es ist wie Zugfahren, nur eben auf einer höheren Ebene. Trotzdem bin ich ganz schön aufgeregt und froh, dass ein starker Mann (Chris) neben mir sitzt. Die Welt sieht von oben ... friedlich aus.
Unsere erste Nacht verbringen wir auf dem Londoner Flughafen. Während Chris kämpfende Käfer beobachtet und mein Buch komplett liest, wiege ich mich in den Schlaf und verpasse doch glatt den ersten Sonnenuntergang im fernen Land. Schlafen auf Flughäfen ist gar nicht so ungewöhnlich, sind wir doch nicht die Einzigen, die in der großen Halle Wärme und Geborgenheit suchen.


Tag des ersten Sonnenaufgangs – Sonntag, 3.8.03

- Auf in fremdartige Gefilde-
Unser Tag beginnt mit Waschen und Zähneputzen auf dem Flughafen. 9.50 Uhr geht unser Flieger nach Glasgow Prestwick (PIK). Direkt vom Glasgower Flughafen fahren wir mit dem Bus 1,5 Stunden in die schottische Großstadt.
In einem Outdoor-Laden rüsten wir uns mit Gaskartuschen aus und ich kaufe mir eine sonderangebotige Fliesjacke. Nicht, dass sie jetzt daran schuld wäre, aber vermutlich ist sie der Auslöser für Chris` Ärgernis. Wir merken nämlich, als wir gemütlich durch die Stadt und durch die Menschenmassen schlendern, dass unsere Rucksäcke ziemlich schwer sind. Okay, Chris seiner ist viel zu schwer – er trägt schließlich das Zelt und das Tarp und den Kocher und die Kartuschen und das Erste Hilfe Set...Und wir haben noch nicht mal unser Essen eingekauft!!!
Anschließend tuckern wir mit dem Bus etwa 4 Stunden nach Fort William. Wir sichten wolkenverhangene Berge, langgestreckte, saftig grüne Wiesen, auf denen Kühe, Schafe und Traeuma-Zottel grasen. Ein leichter Nieselregen vermittelt schottischen Charme und wilde, leicht zu überquerende Flüsse lassen unsere Füße zucken.
Bevor wir uns großartig in der Kleinstadt umsehen, suchen wir unsere Unterkunft für eine Nacht. Bed&Breakfast in „Janis Haus“ (so haben wir es genannt). Nach einem anstrengenden Aufstieg und Durchfragen finden wir es schließlich. Wir verteilen unser gesamtes Gepäck in der 9 oder 10m² großen Büchse und überlegen, was wir noch an Essen benötigen. Dann die erste wohlverdiente Dusche. Nur, da freue ich mich über fantasievoll gestaltete Strahlen, die vom Himmel auf mich herabbrausen, aber nix geschieht! Ich bekomme die Dusche nicht an. Ich hole Chris, aber er weiß auch nicht, wie das funktioniert. Also flitze ich leicht bekleidet zur Hausmama, die mir dann weismachen will, ich solle doch an der Schnur ziehen. So eine Schnur wie bei „Kevin allein zu Haus“ im Keller, wo die kleinen Lämpchen leuchten sollen, aber ein Sack Werkzeug von der Decke stürzt. Egal. Jedenfalls funktioniert auch die Warm-Kalt-Regelung nicht nach deutschen Vorstellungen. Entweder verbrenne ich mich oder ich erfriere. Ich weiß gar nicht, wie es Chris da ergeht...
Rosi und Shirkan haben nicht zu viel versprochen, als sie von Ft.W. schwärmten! Ich finde das Städtchen toll. Bei unserem späten Stadtbummel stellen wir fest, dass sogar die Läden sonntags ganz lange geöffnet haben (bis etwa 21 Uhr) und dass es von Outdoor-Läden nur so wimmelt dort. Chris hat die Idee, Fish&Chips zu essen. Und diese Idee ist einfach prima!!! Dann rufe ich noch schnell bei PaMa an – sie sollen sich ja keine Sorgen um mich machen.
Ein Spaziergang entlang der Küste und einige Kletterversuche an einer halb hohen Mauer runden den Abend freundlich ab. In unserer Unterkunft reden oder diskutieren wir uns in den Schlaf. Wohl etwas zu laut – die Hausmama klopft an unsere Tür. „Pscht, It`s too late.” Sie klingt ziemlich sauer. Dabei haben wir doch nur geredet...


Tag des zweiten Sonnenaufgangs – Montag, 4.8.03

-Schottische Sitten und Wanderung zu dritt-
Der Tag beginnt mit Verschlafen. Oder formuliere ich es mal anders: Wir stehen anders auf, als wir es ursprünglich wollten. In einer minutenlanger Debatte, wer nun als erster unter die seltsam funktionierende Dusche springt, setzt Chris seinen Willen durch und ich muss duschen. Zum Frühstück gibt es scrambled und boiled eggs und englischen Tee. Dann brechen wir auf. Im Outdoor-Geschäft holen wir ein kleines Geschenk für den Sal und im Supermarkt viele große Geschenke für uns – ESSEN! Unser Haus auf dem Rücken wird dadurch unsagbar schwer. Für Chris ist dieser Moment vermutlich der Beginn einer dreitägig andauernden Phase der Qualen.
Dank Chris` gutmütigem Organisationstalent fahren wir mit dem Zug die schönste Strecke GBs ab. Sie führt von Fort William nach Mallaig, einem kleinen verschlafenen Fischerdörfchen, in dem Fähren an- und ablegen und Leute an alle erdenklich möglichen Orte transferiert werden. Auf dieser Fahrt kreuzen wir sogar die Harry Potter Brücke – wisst ihr, die, wo der Trabbi mit Harry und Ron drüberdüst?!
In Mallaig am „Bahnhof“ stellen wir uns samt Rucksack auf eine Waage. Fazit: Der Chris trägt 32 kg (ohne Wasser) und ich gerade mal 21 kg (ohne Wasser). Er tut mir unsagbar leid, aber mein Rucksack ist voll und mehr könnte ich auch nicht tragen.
Wir suchen die Fähre, die uns nach Inverie, unserem endgültigen Ziel, bringen soll. Dabei können wir sogar beobachten, wie sich die Leute auf den Inseln versorgen. Große Lebensmittelpakete und Postpäckchen werden auf das Boot gebracht und nachher wieder ausgeladen. Alle lächeln und freuen sich über die Ware und das schöne Wetter. Es ist heiß! Nix mit schottischem Regen und schottischem Wind! Nur Sonne und wenige Wolken am Himmel.
Gegen 15 Uhr haben wir eine Verabredung! Wir treffen auf Luna. Er wartet auf uns in Inverie, gezeichnet von seiner bisherigen Tour. Er freut sich über uns und das schöne Wetter, das wir mitbringen. So kann er seine Sachen, die total durchweicht waren, trocknen. Während die Jungs Erfahrungen austauschen und die weitere gemeinsame Route planen, wate ich im Atlantik, sehe mir Muscheln an, beobachte einen riesigen Krebs und streichle einen einheimischen Hund. Im Pub kaufe ich mir Zigaretten mit der Aufschrift „Smokers die younger“ und werde vom Inhaber gefragt, ob ich nicht lieber Eis-Cream kaufen wolle. Da wissen selbst die Jungs, wie er es meinte und lachen. Püh!
Die ersten Wanderschritte werden von einem Anstieg begrüßt. Wir fühlen uns alle gestärkt und motiviert und Matthias gibt uns einen Einblick in seine gesanglichen Stärken. Man, wie einsam muss er wohl die Tage gewesen sein...
Da ich an Wildtieren nicht vorbeilaufen kann, müssen wir eine Pause einlegen. Langsam nähere ich mich drei in der Wildnis lebenden Pferden und gebe nicht eher Ruhe, bis ich sie berühre. Unser weiterer Weg führt uns durch Moore und Wasseransammlungen zwischen hohen Grasbüscheln. Chris verliert durch sein Gewicht öfter sein Gleichgewicht und auch ich falle ständig in nicht sehbare Gruben. Das auch noch mit kurz gezippter Hose. Der Matthias ist diese Szenerie schon gewöhnt und schlängelt sich geschickter als wir durch die Landschaft.
Da der Abend schon naht, suchen wir einen netten Zeltplatz. Allerdings sind die meisten Stellen entweder feucht oder hügelig oder beides. Wir entscheiden uns für einen hügeligen Ort gleich neben einem Fluss mit Wasserfall. Zelte aufbauen, Gepäck in Sicherheit legen und BADEN. In schnellfließenden Gewässern ist Baden am angenehmsten und Wäsche waschen auch. Einige Menschen verlegen gern ihre Waschseife und machen sich dann bis zum nächsten Morgen Sorgen, wie sie zwei Wochen ohne Seife auskommen sollen. Nun denn, eigentlich hätte jeder die Seife in dem Moment verloren – und die Nerven! Wir werden nämlich, brav nach dem Baden, beim Abtrocknen, von tausenden, ach, zigtausenden Mücken attackiert. Wo die wohl alle plötzlich herkommen?! So mir nichts, dir nichts wuseln sie um uns rum. Diese Situation, in die wir da so einfach hineingeworfen werden, ist für alle neu. Matthias ist vorher noch keinen midgies begegnet, das Wetter war wohl zu unangenehm für diese Mistviecher. Und mehr als Wedeln und sich schnell fortbewegen können Chris und ich nicht tun, denn wir haben uns im Vorfeld keine Moskito- und Mückenschutznetze besorgt. Ein sehr sehr dummer Fehler! Wir lernen schon an diesem Abend, die Mücken zu hassen.
Aufgrund der Attacke und der Tatsache, dass sie uns ständig folgen, egal wohin wir gehen, beschließen die Jungs, dass heute Abend kein warmes Essen auf dem Tisch steht. Getrocknete Bananen, Schokolade, Vanille-Puffreis, Salami und Luft zum Atmen. Da hilft auch kein kurzes Schmollen meinerseits. Sie bleiben hart. Und alleine will ich mich auch nicht tot beißen lassen. Dieser Abend endet also mit dem Verkriechen ins Zelt und Gesprächen von einem Haus zum anderen. Diskussionen über Heirat, Mücken und Rauchen (Es gibt da wirklich kaum standfeste Gründe, so glaubt mir doch!) rauben einem den letzten Nerv.


Tag des dritten Sonnenaufgangs – Dienstag, 5.8.03

-Schmerzen und Hoffnung treiben voran-
Direkt von unserem hügeligen Zeltplatz aus kann man den kleineren Hügel erkennen, den wir an diesem Tag erklimmen wollen. Der Weg schlängelt sich anfangs durch ein Tal, dann aufwärts. Allerdings, so lernen wir im Verlauf des Tages, darfst du beim Anstieg nie glauben, dieser Hügel sei der letzte. Wenn du „oben“ ankommst, dann verbirgt sich dahinter der nächste Aufstieg, der nächste Hügel. So läuft das auch heute. Die Sonne knallt uns auf die Köpfe – ich habe nicht auf meine Mama gehört und die Sonnenlotion zu Hause gelassen. Chris hat schwer mit seinem Rucksack zu kämpfen. Aber die Schmerzen seines Rückens oder seiner Schulter scheinen ihn gut voranzutreiben. Wir machen viele Trink- und Esspausen, die sich im Laufe der Zeit zu Laberpausen entwickeln. Zu dritt verfällt man schnell in eine Art Gammelsucht.
Eine lang ausgedehnte Pause machen wir auf dem Gipfel. Mit Sicht auf einen kleinen Weiher ruhen wir uns aus und stellen uns vor, was wohl Rüdiger Nehberg in diesem Gebiet alles zu essen finden würde. Wir geben uns allerdings nur mit Müsliriegeln und Studentenfutter zufrieden.
Der Abstieg wird noch viel mühsamer als der Aufstieg. Von oben peilen wir unser abendliches Ziel an: Eine Halbinsel, hoffentlich mückenfrei und baden im Meer. Der Weg bis dorthin scheint von oben leicht begehbar und schnell zu erledigen. Aber das täuscht. Wir müssen uns durch Farnfelder und hohe Gräser kämpfen, immer wieder werden wir in die Knie gezwungen aufgrund versteckter Bäche und tiefer Gruben. Abstürzen können wir hier nicht, weil die Farne den Körper umschlingen, sobald man sich hineinwirft. Das haben wir oft genug unfreiwillig getestet. Die Szenerie, auf der Karte mit mickrigen 3km betitelt, dauert etwa 4 Stunden. Total erschöpft erreichen wir schließlich unsere Halbinsel.
Erst beim Zeltaufbauen registrieren wir, dass um uns herum kein Wind weht, sondern Mücken! Wir lassen uns dennoch nicht die Laune vermiesen und gehen im Meer baden. Die Jungs mit ihrem harten Kern eilen schnell ins Wasser und winzige Sekunden später sehe ich zwei dünne Striche an mir vorbeihuschen, die in Richtung Strand laufen. Gut, so habe ich die ganze Bucht für mich allein. Beim Planschen entdecken wir sogar eine Robbe. Lauter Möwen kreisen über dem Meer und vermitteln das wahre Gefühl von Freiheit!!!
Wir wollen so gemütlich auf dem Felsen hocken und kochen und angeln und reden und überhaupt. Aber selbst vor Gestein machen diese Terrorviecher keinen Halt. Selbst die herannahenden grauen Wolken können uns nicht erlösen und bringen sogar noch einige Regentropfen. So müssen wir uns also wieder in die Zelte verkriechen.
Wenig später geht Chris freiwillig da raus, zum Regen und zu den Mücken. Er kocht für uns Nudeln in Tomatensoße.
Wieder lange Gespräche und einige andere Vorfälle...


ENDE Teil 1...



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Shirkan
20.08.2003, 01:05
hi,

hört sich bis jetzt nicht schlecht an

wieso habt ihr aber schon in Ft.William in einem B&B übernachtet? ich hätte euch eine 1a zum Wildcampen-illegale Wiese in Ft.William Richtung glen Nevis empfehlen können, mit nem SPAR Markt der 3min entfernt ist

ihr habt euch gleich am 1.Tag Souvenirs gekauft? :o hehe, seid ihr nicht bei der Rückreise nochmal durch Ft.William gekommen?

das euch die Midges so geärgert haben, war aber abzusehen, alles was nördlich von Ft.William liegt ist doch total verseucht,
es ist einfach so schön feucht da oben

ich versteh nicht wieso Christian einen so schweren Rucksack hatte, wie lange mussten eure Lebensmittel reichen?

PS:
weißt du eigentlich dass ich meinen Reisebericht über meine Schottland-Tour vom letzten Jahr auch schrittweise aufschreiben und veröffentlichen wollte? --> ich hab bis jetzt grad mal 3 Tage fertig, du hast jetzt schon mehr respekt! ;)

bin auf die nächsten Tagebucheinträge gespannt

Menelaos
20.08.2003, 02:16
das euch die Midges so geärgert haben, war aber abzusehen, alles was nördlich von Ft.William liegt ist doch total verseucht,
es ist einfach so schön feucht da oben
Puhhh, jetzt weiss ich, warum ich Glück hatte, damals im Mai in Schottland gewesen zu sein ... arghhh ... die Viecher geben einem den Rest, aber so ganz ohne ist auch langweilig, oder? :bg:


ich versteh nicht wieso Christian einen so schweren Rucksack hatte, wie lange mussten eure Lebensmittel reichen?Tja, ich mein, betrachte mal die Packliste ... dann gehen Dir die Hosen runter ... *läster* :bg: :bg:

Sue, echt süß, genauso hab ich mir das gedacht bei Euch ... echt spitze, im Ernst. Hab grad den ganzen Bericht gelesen und hab mich teilweise echt schiefgelacht - *lechz* der 2. Teil bitte, dann morgen abend, oder?

Shirkan
20.08.2003, 08:57
hi,

was ich mich grade frage,

ihr wart doch am Atlantik bzw. offenes Meer,
habt ihr dort keinen Wind gehabt? normalerweise verkriechen sich doch die Teufelsbiester schon bei leichtem Wind

@Domi:
her mit der Packliste ! ;) :bg:
musste Christian für Sue ne Wasserpfeife schleppen oder was hatten die alles für Plunder bei ?

Thomas
20.08.2003, 09:52
Wir haben auf dem WHW meistens ein kleines, lediglich qualmendes Feuer gemacht und hatten während dieser Zeit Ruhe vor den Midges.
Auf Skye und den äußeren Hebriden haben wir die Biester gar nicht angetroffen.
32 kg sind in der Tat ein wenig viel. Wir sind, wenn wir mal wieder richtig gut einkaufen waren auf gut 20kg gekommen.

Der Bericht liest sich jedenfalls richtig klasse. Her mit dem zweiten Teil! :)

boehm22
20.08.2003, 09:58
Hi Sue,

köstlich . . .

ich will mehr, bitte schnell weiterschreiben.

Corton
20.08.2003, 10:15
Chris trägt 32 kg (ohne Wasser) und ich gerade mal 21 kg (ohne Wasser).
WOW - Respekt! Da habt Ihr Euch ja bestimmt ganz schon gequält...

Schottland würde mich auch mal reizen, kommt aber wohl nur zu einer mückenfreien Zeit in Frage. :wink:

Es macht wirklich Spaß, Deinen Bericht zu lesen. Freue mich auch schon auf den zweiten Teil. Wie viele Stunden hast Du denn bis jetzt schon mit Tippen verbracht? :wink:

Corton

Silke
20.08.2003, 10:34
Toller Bericht, Sue. Und so sitze ich hier ein wenig traurig in der Gegend rum, denn eigentlich hätte ich ja mitgesollt mit dem Matthias.
Schön, das es anscheinend eine richtig tolle Tour geworden ist.

Viele Grüße,

Silke

MaMa
20.08.2003, 12:12
Sehr schön! Mit jeder Zeile wurde mein Grinsen breiter :D

Martin *derMückenhasser*

bubu
20.08.2003, 13:43
@Shirkan
Wir sind leider nur einmal, also auf dem Hinweg, in Fort William vorbeigekommen. Deshalb haben wir dort schon Sals Geschenk geholt (keine Angst, das wog vielleicht 50-100g). Und das mit unserem Geschenk hast du ja verstanden - das war eben das Essen. Und das mussten wir für ca. 8-10 Tage vorkaufen.

Ich gebe ja zu: Wir sind eindeutig verfressen gewesen. Ich habe schon gehofft, dass ich total abgemagert zurückkomme, aber wahrscheinlich wiege ich heute mehr als vor der Tour. :bg: Wir haben eben Urlaub gemacht und keinen Survival-Trip oder so.

sue.
Jaja, ich tippe ja gleich weiter...

bubu
20.08.2003, 15:20
Tag des vierten Sonnenaufgangs – Mittwoch, 6.8.03

-Anstrengender Ruhetag-
Spät nach dem Sonnenaufgang gehe ich wieder im Meer baden. Chris suhlt sich noch im Schlafsack und Matthias wuselt im Zelt rum. Beim Zähneputzen mit Salzwasser merke ich, dass die Flut die Ebbe ablöst. Ständig muss ich meine Sachen umräumen, weil sie gerade im Begriff sind, auf das Meer hinaus zu treiben.
Nach dem Frühstück wandern wir total unmotiviert los und beschließen, heute einen Pseudo-Ruhetag einzulegen. Wir wollen bis zu einer Bothy (so heißen die schutzhüttenähnlichen Unterkünfte dort) laufen und dort den ganzen Abend essen. Teils führt uns der Weg direkt am Strand entlang, teils oberhalb davon. Wieder trügt uns der Schein und anstatt gemächlich zu wandern, müssen wir uns durch einen Wald kämpfen, in dem es vor Mücken nur so wimmelt. Einige Stücke müssen wir sogar klettern, was mit Rucksack gar nicht so einfach ist.
In einer lang ausgedehnten Pause träumen wir schon von Pizzatalern und Eierkuchen und genießen dabei den Blick über das Meer (über Loch Huorn) und auf die angrenzenden Berge.
Langsam nähern wir uns unserer Unterkunft, vermutlich die Hütte „Barrisdale“, aber das ist etwas ungewiss. Sie soll die beste Bothy hier in der Nähe sein – zwei große Schlafkojen, ein Bad mit WC und den ganzen Tag fließendes Wasser aus einem Hahn (es fließt wirklich den ganzen Tag: von 7 Uhr morgens bis 23.30 Uhr abends!) und eine Küche, in der sogar Essen zu finden ist. Trekker werden gebeten, etwas Essen zu hinterlassen, vermutlich für hungrige Wanderer in Not. Wir hinterlassen zwei oder drei Tüten Reis, der uns zu schwer ist und auch nicht besonders lecker schmeckt. Aber wer in Not ist, der nimmt alles zu sich.
Nachdem wir unsere Sachen im Haus verteilt haben, gehen wir, natürlich, was sonst, baden. Ein langsam sich schlängelndes Flüsschen führt fast an dem Haus vorbei. Zeit zum Baden und Sachen waschen haben wir genug. Ich verstehe nur nicht, warum die Jungs andauernd so schnell aus dem Wasser springen.
Sauber geputzt und wohl duftend verlagern wir unseren Abend in die Küche. Vermutlich fühlen sich die anderen Leute (ein älteres Ehepaar, ein Mann und noch ein paar andere) von uns etwas eingeengt. Zu dritt breiten wir uns und unsere Mahlzeiten auf dem Tisch aus. Chris, begehrter Eierkuchenbäcker, beweist sein Talent jetzt auch noch im Pizzataler formen. Globi-Lunch, verbunden mit Chris` Bratkünsten, muss man probieren!!! Naja, abgesehen von einigem Angebrannten, aber das will Chris mir nicht glauben.
Wenn jemand gute Englischkenntnisse besitzt und diese auch in der Praxis anwenden kann, dann darf er sich einer interessanten Unterhaltung mit Einheimischen unterziehen. Matthias und Chris verständigen sich mit einem Engländer über Mücken, Zecken und Schottland. Ich höre aufmerksam zu und plane grausame Racheakte gegen meine Englischlehrerin. Die soll erst mal jemand für ein halbes Jahrhundert in ein englischsprachiges Land schicken. Nicht, dass sie die Sprache nicht beherrscht, aber ihr fehlt die Praxis. Genau wie mir!
Erst versuchen mich die Jungs vom Rauchen abzubringen und dann treiben sie mich mit einem gemeinen Hinterhalt beinahe dazu, die halbe Schachtel zu leeren. Von wegen Andrea und so...! Aber glaubwürdig klingt diese Geschichte schon. Trotzdem gemein, dass sie mich veräppelt haben.
Vor dem Schlafengehen spielen wir noch eine Weile Karten und Chris missbraucht Matthias und mich zu seltsamen Fotoaufnahmen. Irgend so ein Effekt mit der Belichtung.


Tag des fünften Sonnenaufgangs - Donnerstag, 7.8.03

-Nach der Plage bekommen wir ein gottseliges Geschenk-
Ausgeruht geht es in den heutigen Tag. Unsere Nacht ist mückenfrei gewesen und im Allgemeinen auch sehr gemütlich. Frühstück im Bett und mein eines Paar Socken verschwindet spurlos. Matthias öffnet sich etwas vor Fremden: Er rennt im Tanga durch die Bothy, wäscht in der Küche sein Geschirr auf und merkt nicht, dass hinter ihm die ältere englische Dame sitzt. Aber vermutlich sind sie unsere Freizügigkeit schon vom letzten Abend gewöhnt gewesen...
Der alpenähnliche Pfad führt uns am Arm des Loch Huorns entlang. Nach einem zügigen Marsch durch die Sonne machen wir eine mückenfreie Pause an einem Fluss mit Wasserfall. Eigentlich wollen wir nur ein paar Minütchen pausieren, aber aufgrund Lunas beabsichtigtem Ungeschick verschiebt sich unser Weitergehen um einiges. Matthias beschließt nämlich kurzerhand, samt Klamotten in den Fluss zu fallen und eine Runde zu schwimmen. Ich höre es nur Platschen und Lachen und sehe, dass er im Wasser liegt. Chris, weltbekannter Naturfotograf, nutzt die Minuten, in denen Matthias antrocknen will, um das Wasser zu fotografieren. Ich habe Angst, dass er samt dem Fotoapparat auch noch in diese Brühe rutscht.
Wir wollen gerade losgehen, da treffen wir auf zwei Wanderer. Und anstatt sie einfach nur nett zu grüßen, verfallen Chris und Matthias in irgendwelche seltsamen Spekulationen, die mich auf die Palme bringen. Sie meinen, dies wären deutsche Wanderer, weil sie Globetrotter-Packriemen bei sich tragen und lauter solche eindeutigen Indizien. Männer! Das Laufen wird somit von einem munteren Streitgespräch über Vorurteile begleitet.
Nach einem netten Anstieg erreichen wir das Dorf Kinloch Huorn. Ein Dorf, ausgestattet mit sieben Häusern. Wir beschließen, mitten auf der Straße ein Picknick zu veranstalten. Nur blöd, dass wir jedes Mal, wenn Autos vorbeifahren, unseren Kram beiseite räumen müssen. Sie sehen uns ganz schön mitleidig an, weil wir da so sitzen mit unseren Isomatten und dem ganzen Essen.
Gestärkt beginnen wir die heutige letzte Etappe und stoßen schon nach einigen Metern auf ein Telefon. Was das für ein Haus ist, wissen wir auch nicht – sieht aus, wie ein privates Häuschen, das für die Öffentlichkeit gemacht wurde. Jedenfalls funktioniert das Telefon, was mir am wichtigsten ist. Das Gespräch mit meiner Mama motiviert mich und die Worte meiner lieben Oma begleiten uns den ganzen Abend: „Versau dir nicht dein Leben!“ Das muss im Vorfeld schon geklärt werden, wenn man mit zwei männlichen Begleitern mitten in der Wildnis unterwegs ist.
Diese Stärke und Motivation von außen brauchen wir für den steilen Anstieg. Beinahe senkrecht verläuft der Pfad, der direkt an einer unschönen Stromleitung vorbeiführt.
Pause am Wasserfall. Jeder geht seinen Aufgaben nach. Chris ruht sich in der Mitte aus, Matthias sucht sich seinen Weg Fluss abwärts und ich gehe nach oben zur Quelle alles Schönen und zapfe frisches Wasser. Wieder verfallen wir in unsere Faulheit und lachen, anstatt zu laufen. Der restliche Aufstieg wird die reinste Feierorgie. Wir kommen nur zentimeterweise voran und ständig fällt den beiden ein neuer (dummer) Spruch ein. Die Sonne mag uns wohl den Rest geben. Oben angekommen plagt uns der totale Austicker und heimliche Beobachter mögen sich wohl fragen, von welchem Planeten wir kommen und ob wir in friedlicher Absicht auf der Erde seien. Dort machen wir wieder Pause und sehen auf die Karte. Kurzerhand beschließen wir, auf der Hochebene in etwa 300m Höhe zu campen. Dort schlagen wir unsere Zelte auf und schon kommen die tatsächlichen Plagegeister der Natur – Mücken!!! Voller Panik räumen wir unsere Sachen ins Zelt. Da erst merke ich, dass sich eine Zecke festgesetzt hat an mir. Ich hätte gern einen der beiden um Hilfe gebeten, aber die Stelle, welche sich die Zecke ausgesucht hat, ist tabu. Auch Matthias sichtet zwei kleine Krabbler an seinem Bein, die sich gerade festbeißen wollen. Zecken sollen hier ziemlich gefährlich sein.
Trotz den Mücken gehen wir wieder im naheliegenden Bächlein baden. Umgeben von hungrigen und aggressiven Insekten entsteht ein richtiger Thrill beim Waschen. In einem geschützten Bad kann sich jeder wohlfühlen...
Wieder kocht Chris draußen zwischen den Plagegeistern Spätzle. Zusammengekrümmt, in einem Zelt voller Sachen, isst es sich auch gut.
In dieser Nacht passiert uns das beste, was uns hätte passieren können!!! WIND. In mitternächtlicher Frühe wachen wir von dem „Sturm“ auf. Chris überlegt, ob er in Unterhose rausrennen soll, um seine Unterhosen zu retten, die wir über das Zelt gehangen haben. Aber er geht dann doch raus und verkündet uns dabei, dass lauter Sterne am Himmel zu sehen seien. Matthias läuft noch mit einer Taschenlampe runter zum Bach, um seine Stirnlampe zu finden. Dann genießen wir nur noch. Diese Nacht ist ein wahres Geschenk - von wem auch immer.

ENDE Teil 2...

LuNAtiC
20.08.2003, 15:41
hoffentlich wollt ihr nicht auch noch meine 12seiten(20 tage) abgetippt bekommen :bg:

bubu
20.08.2003, 15:45
Doch. Mit allen Details. :wink:

Findus
20.08.2003, 16:53
@bubu: Klasse Bericht, schreib ganz schnell mehr und fahr bald wieder in Urlaub :bg:

Lisa

drops
20.08.2003, 16:55
@ bubu
das tagebuch ist viel zu schön um in der versenkung des forums zu verschwinden...

bubu
20.08.2003, 19:22
Liebsten Dank für eure Lobe. :P *ganzdollfreu*

Ich will nur, dass Chris auf mich stolz ist, wenn er wieder zurück ist. Er wird sich zwar im Bericht nicht wiederfinden, aber egal. :bg:

sue, die schon wieder einen ganzen Tag abgetippt hat.

gi
20.08.2003, 19:48
Aber vermutlich sind sie unsere Freizügigkeit schon vom letzten Abend gewöhnt gewesen...

Hä?



Ich will nur, dass Chris auf mich stolz ist, wenn er wieder zurück ist.

Hä???



Diese Nacht ist ein wahres Geschenk - von wem auch immer.

HÄ?????

Ich bin ja mal gespannt, wie das weitergeht! *g*
Ich hab auf jeden Fall mal mein Buch bei Seite gelegt ;)

Liebe Grüsse
-- Fz

Greg
20.08.2003, 22:02
:D

SPITZE :D


:D :D :D ich muß wir vorm schlafen erstmal das Grinsen wieder aus dem Gesicht schneiden :D :D :D


Gregor

Shirkan
21.08.2003, 15:11
ich will mmmmeeeeeeehhhhhrrrr :grrr: :grrr: :grrr: 8)


super bislang, http://www.rdot.de/phpBB2/images/smiles/daumen.gif http://www.rdot.de/phpBB2/images/smiles/daumen.gif
ich weiß nicht wessen tagebuch ich lieber mag, deines oder Lunas,

aber eigentlich würde ich nur Luna kaufen,
die Ansichten einer Frau zu lesen, machen mich irgendwann nämlich immer verrückt ;)

bubu
21.08.2003, 18:45
Och, Luna und mein Tagebuch könnten sich ab und an auch mal überschneiden... :wink: :bg:

Och, ihr seid ja so lieb. Danke!

@Franzl seine Fragen

Freizügigkeit: Ich saß am Abend zuvor etwas leichter bekleidet in der Küche. Chris meinte, die Briten reagieren auf sowas nicht gerade tolerant. Er hat mich nur vorgewarnt, falls mich jemand schief angucken sollte. Damit ich wüsste, warum... :roll:
stolzer Chris: Naja, nachdem ich schon Andrea enttäuscht habe, weil der Rennsteig-Bericht von Ostern noch immer nicht fertig ist, wollte ich wenigstens Chris erfreuen. Nix weiter. :D
geschenkte Nacht: Öh, ja, hmm, naja, ein schöner Abend eben. Ich weiß nicht, worauf sich deine Frage bezieht. :-? Kann sein, das darin mein starker Glaube an das Schicksal zum Ausdruck kommt. Sal hat mal dazu gemeint, dass man, wenn man an das Schicksal glaubt, sich vermutlich der Verantwortung und den Konsequenzen seines Handelns entziehen will. Ja.

Ansonsten dürfte alles klar sein, gelle?! :bg:

eure sue.

LuNAtiC
21.08.2003, 18:53
um nochmal auf das geschenk zu kommen.... in dieser nacht als ich nur mit der unterhose bekleidet nochmal pieseln bin, wurde ich mit mindestens 200 der 780 stiche "beschenkt".... also nicht nachmachen :bg:

bubu
21.08.2003, 19:07
Tag des sechsten Sonnenaufgangs – Freitag, 8.8.03

-Der Punkt, an dem einem alles egal ist-
8.15 Uhr klingelt der Wecker. Der Wind hat über Nacht unsere Klamotten getrocknet. Jetzt werden sie wieder in dem muffigen Rucksack eingesperrt. Essen, Zelte einräumen, lange knuddeln und Gruppenfoto machen – wir trennen uns nämlich heute von Matthias. Hier verabschieden sich unsere bisher befreundeten Wege. Entweder, weil wir nicht gehen wollen oder aus anderen Gründen – jedenfalls kommen wir erst gegen 12 Uhr los. Chris und ich stapfen dem sonnigen Tag entgegen, Matthias will noch eine Weile auf der Hochebene hocken bleiben. Wir haben das Gefühl, dass heute der wärmste Tag auf Erden ist und in dieser Region spenden auch kaum Bäume Schatten. Deshalb sind wir meist unser eigener Schatten.
Wir laufen durch ein langgestrecktes, von der hiesigen Mittagssonne geflutetes Tal. Kinloch Huorn Forest. Ein forest ohne Bäume ist wie ein Baby ohne Eltern. Forest wird bei denen sicher durch vereinzelt herumstehende Bäume definiert. Sie sehen aus, als seien sie die Übriggebliebenen, einsam, den Geräuschen des Windes und des Wassers lauschend. Sie erinnern an verwundete Soldaten, die man zurückgelassen hat, weil sie die Gesunden nur aufhalten würden. Dieser Ort hat eine traurige Aura.
Wie dumm, ausgerechnet vom Höchststand der Sonne an diesem Ort begleitet zu werden. Wir nehmen uns vor, die nächsten Tage früher loszumachen, um einerseits von der Hitze nicht erschlagen zu werden und andererseits mehr zu sehen und zu schaffen.
Das leichte Wechselspiel führt zu Verwirrungen: Entweder Wind (angenehm) oder kein Wind (anstrengend). Zu einem Zeitpunkt, zu dem wir das Gefühl nicht loswerden, der Wind mag unser ständiger Begleiter für die nahe Zukunft sein, planen wir eine Pause. Wir setzen uns gemütlich in ein schattiges Eckchen und bumm, nee, Stille! Der Wind stoppt, die Mücken kommen. Es ist also schon so weit gekommen, dass sie uns unsere Pausen richtig nett vermiesen. Eilig stopfen wir einen Müsliriegel in uns hinein und treten weiter in den Kampf mit der Sonne.
Wo uns eben noch ein überschaubarer Pfad durch die Wildnis begleitet, verliert er sich nun in einem nicht enden wollenden Geflecht aus Gras, Steinen und Matsch. Aufgrund der Anstrengung, mehr verursacht durch die Hitze als durch das Laufen, beschließen wir, eine weitere Pause einzulegen. Diesmal gönnt uns jemand eine mückenfreie Zeit und so dehnen wir die Pause etwas länger aus. Am Bach, im Schatten unter einem Baum, der ganz allein dort steht, bewegt der Wind unsere Haare und trocknet die Tränen, die wir wegen der Hitze weinen. Wir bemerken unseren Sonnenbrand und betrachten unsere abgetapeten Füße. Die Sonne wandert und verscheucht den Schatten minutiös. Wir müssen immer nachrücken. Und dauernd zucken wir zusammen, weil die Flieger wieder ein Manöver veranstalten. Das passiert in dieser Region dauernd. Jets düsen über unsere Köpfe hinweg, meist zu dritt.
Nach anstrengenden Auf- und Abstiegen auf gut geschottertem oder begrastem Pfad und Wegen, die ab und an durch Wälder führen, erreichen wir wieder einen Fluss, an dem wir – gemeinsam mit Mücken – pausieren. Schnell ein gestelltes Foto, wie ich bepackt über eine Brücke laufe und dann weiter.
Auf unserem weiteren Weg treffen wir auf Traeuma-Zottel, die uns unglaubwürdig und voller Achtung anstarren. Ein Mann fährt mit einem Traktor lautstark über die Felder und wir haben das Gefühl, wieder nahe der Zivilisation zu sein. Die Hitze macht uns total kaputt und der Sonnenbrand ist schlimmer als jedes Fuß- oder Schulterproblem. Wir müssen melancholisch feststellen: Entweder Sonne (während des Laufens) oder Mücken (während der Pausen). Schweren Herzens entscheiden wir uns für die Sonne, obwohl unsere Arme für einen Arzt sicher erschreckend rot aussehen.
Sehr erschöpft und gestresst kommen wir an einer Häuseransiedlung am Loch Huorn an. Arnisdale. Die ganze Zeit, als wir durch Glen Arnisdale liefen, haben wir uns erhofft, dass dort ein Pub sei. Wir umgehen extra ein anderes Dorf, um schnellstmöglich nach Arnisdale zu gelangen. Aber dort ist kein Pub. Später soll sich herausstellen, dass in dem Nachbardorf, das wir umgangen sind, solch eine Bar ist.
Alles, was wir vorfinden, ist ein mystisches kleines Fischerdorf. Es wirkt verlassen, aber hier wohnen recht viele Menschen, die wir auch fast alle zu Gesicht bekommen. Wir bauen ein vorübergehendes Lager neben der Straße auf. Chris, total begeistert von den alten Gräbern auf dem Friedhof, wird beim Fotografieren als „bad boy“ beschimpft, von einem kleinen Jungen. Ich habe zwar „Popeye“ verstanden, aber Chris` Variante klingt glaubwürdiger.
Eine freundliche Dame gibt uns auf unseren Wunsch hin Trinkwasser und warnt uns vor den Mücken. Diese Wasservorräte reichen bis morgen früh oder Mittag.
Das Zelt schlagen wir am algenreichen Meer auf. Wieder begrüßen uns die Mücken höchstpersönlich und scheuen sich nicht davor, uns näher zu kommen. Es gibt Tomatennudeln. Die Schafe um uns herum kommen immer näher an das Zelt heran und mähen sich gegenseitig voll. Später können wir uns dazu durchringen, im Meer aufzuwaschen. Gerade seife ich den Topf ein und will ihn anschließend ausspülen, da ist mein kleines Aufwaschbecken verschwunden. Im Nichts aufgelöst. Vermutlich Ebbe. Chris will seinen Topf von Wasser befreien und wirft ihn dabei aus Versehen mit Schwung ins Meer. Wem auch immer sei Dank fliegt der nicht so weit und wir kommen noch gut an ihn heran.
Im Zelt stelle ich fest, dass ich den Punkt erreicht habe, an dem mir alles egal ist. Die Hitze, das Gestinker, die Schafscheißhäufchen, der Sonnenbrand, das Gras und der Dreck im Zelt, die Mücken, das dreckige Geschirr, der Müll im Rucksack, dieses viel zu kleine Zelt für zwei erwachsene Personen. Nach dieser Feststellung gönnen wir uns einen Waldfruchtee und lauschen den Möwen, die ihre Kreise über dem Meer ziehen. 21 Uhr beschließen wir, schlafen zu gehen, um morgen ganz früh aufzustehen. Zähneputzen lassen wir, weil es draußen vor Mücken abartig wimmelt.


ENDE Teil 3...

Christian J.
24.08.2003, 17:18
@sue: genial! Der Bericht ist ja ech klasse, die Zitatesammlung genial. Prima, ich lach mich krank.


Tja, ich mein, betrachte mal die Packliste ... dann gehen Dir die Hosen runter ... *läster* :bg: :bg:


So, ich muss ohl mla was klarstellen: mein einziges unnötiges Ausrüstungsstück war das Tarp (Mückensammelplatz- nur ein mnla benutzt). Die Fotoausrüstung war reichlich [incl. Stativ], aber nicht unnötig)

Und wenn noch eine über meine Liste lästert veröffentliche ich Details aus der Liste einer beliebigen Mitreisenden. :bg: :bg:
Da dürfte sich dann einiges bzgl. unseres Gresamtgepäckgewichts erklären (Stichworte wie PLÜSCHTIER und 2. Regenjacke)

Ich hatte übrigens noch ein paar Tage Urlaub in der wunderschönen Fränkischen Schweiz mit Outdoorsportarten wie Bouldern, Kajakfahren, Wandern, Mountainbikefahren und Extrembiergartenrumsitzen [quasi täglich])

Christian
(wann kommt endlich der Rest des Berichtes)

LuNAtiC
24.08.2003, 17:28
(wann kommt endlich der Rest des Berichtes)
da warte ich auch sehnlichst drauf...
da kann sich nämlich im vergleich mein "logbuch" verstecken :o

chris: ich will endlich deine bilder sehn

Christian J.
24.08.2003, 17:33
Die Bilder gehen übermorgen in die Entwicklung. Morgen muss ich erstmal Wäsche waschen etc. :cry:

Flachlandtiroler
24.08.2003, 18:46
Die Bilder gehen übermorgen in die Entwicklung. Morgen muss ich erstmal Wäsche waschen etc. :cry:
"Jeden Tag _EINE_ gute Tat" :bg:
SCNR, Martin

jasper
30.08.2003, 03:13
Die Bilder gehen übermorgen in die Entwicklung. Morgen muss ich erstmal Wäsche waschen etc.

Huhh, das hab ich zum Glück schon heute hinter mich gebracht. War allerdings mit sehr viel Überwindung verbunden.

Super Bericht!!! Ich kann leider nur mit fünf Tagen dienen. Danach hatte ich keine Lust mehr zu schreiben :wink:

MfG,

Jasper

Scotlandfan
30.08.2003, 03:30
Also erstmal muss ich natürlich auch mal die Sue für den gelungenen Bericht loben. Also: *lob*!!! :D

Ich hab mir extra ne "Anabelle in Schottland"-Homepage eingerichtet. Über meine letzten beiden Urlaube dort hab ich schon einiges geschrieben. Meine 3 Mitreisenden und ich planen für dieses Jahr, wann immer wir entlang des West Highland Way und auch später Gelegenheit dazu haben, über die letzten paar Tage zu schreiben. So als Info für Familie und Freunde "Ja, wir leben noch und es sind noch alle Körperteile dran". Billiger als SMS an jeden. Ich weiß z.B., dass die Jugendherberge in Crianlarich einen Internetzugang für die Gäste hat (nebst dem geilsten Trockenraum der Welt!). Schaumer ma.

alfi
10.09.2003, 09:23
Hi bubu,

hat sehr viel Spass gemacht, deinen detaillierten Bericht zu lesen. Aber fehlt da nicht was? Vielleicht habe ich auch was übersehen? Mich würde nämlich interessieren, ob du jetzt genug von Outdoor hast, oder ob's jetzt erst richtig los geht?

Alfons

bubu
10.09.2003, 17:41
*ausderhinterstenallerhintereneckenhervortrau*
Da fehlt schon noch ein Teil, ganz recht! Bin ja fast schon dabei, weiter zu tippen. :bg:

Thomas
12.09.2003, 18:13
Hehe, der Bericht ist einfach süß. :)

Freue mich schon auf die Fortsetzung.

eisvogel
21.09.2003, 22:03
Im höchsten Grade amüssant, ja schon richtiggehend spannend! :D

Fortsetzung... folgt...?

Bitte, bitte, bitte,... :P

Shirkan
21.09.2003, 22:25
hi,

ja genau !

Lasst uns hier mal kräftig Druck machen!


mfg
Sebastian

PS: aber keine Hungerstreiks anfangen :bg:

eisvogel
21.09.2003, 22:57
Druck machen?

OK!

bubu, bubu, bubu, bubu, bubu, bubu, bubu, bubu, bubu, ... ! ! !

(Das ganze wurde eben unter frenetischem Beifall und unter Zuhilfenahme altschottischer Jubelchöre lautstark skandiert!!!!!) Das Dorf bebt und Bernhard wird bald in den Hungerstreik treten!
Weiß bubu was das bedeutet?
Kennt bubu das Ausmaß dieser schrecklichen Drohung??
Wir alle warten gespannt was bubu sagen wird...!

:D :D :D

Shirkan
21.09.2003, 23:41
Das Dorf bebt und Bernhard wird bald in den Hungerstreik treten!
Weiß bubu was das bedeutet?

:D :D :D

LoL

Bubu weiß nichts davon, sieht ist momentan relativ selten online (glaube wegen ihrer Studienarbeit)
deshalb wirst du wahrscheinlich deinen Hungerstreik nicht überleben! :bg:

drops
22.09.2003, 08:14
drops auch in hungertreik tritt...
wenn sie dann mal wieder online kommt hat sie das halbe forum auf dem gewissen ... :lol:

bubu
24.09.2003, 18:44
*hehe* Nix mit Hungerstreik! :bg: Ihr müsst euch in Geduld üben. Aber der Shirkan hat schon recht - ich bin ziemlich beschäftigt zur Zeit und wenn ich mal "Freizeit" im Überfluss besitze, dann lese ich oder schlafe ich oder trinke ich Tee (ich war nämlich die Woche über krank :ill: - aber ich hatte ja einen prima Pfleger :wink: *lalala*).
Ich vergesse den Bericht nicht, aber es kann seine Zeit dauern...Tut mir leid.

sue. :P

boehm22
08.11.2003, 17:46
Hi,

wo bleibt denn der nächste Teil - nun beginnt ja schon langsam das Vergessen :lol:

LuNAtiC
09.11.2003, 16:31
vergiss es rosi.. sue ist zu faul :cry:

boehm22
09.11.2003, 16:40
oooch, schade :cry:

Christian J.
26.12.2003, 18:24
uuuppps, jetzt hab ich den Thread aus Versehen wieder nach vorne geholt. Ich wollte damit aber gar nix sagen... :wink: :wink: :wink:

jasper
27.12.2003, 00:31
:bg: :bg: :bg:

Das muss ja wirklich ein Versehen gewesen sein! Aber mir geht es ja auch oft so, man passt einen Moment nicht auf und dann ist es schon geschehen! :wink:

MfG,

Jasper

bubu
06.03.2004, 14:42
Das passiert, wenn man ein wenig Zeit und Muße hat und entdeckt, dass es eine eigene Kategorie für Reiseberichte gibt im Forum:



Tag des siebten Sonnenaufgangs – Samstag, 9.8.03


-Geschichten für das Forum schreiben oder einer muss immer leiden-

Mitten in der Nacht, um genau zu sein 5 Uhr in der Früh, schellt unser Wecker. Wir müssen aufstehen, um rechtzeitig vor den Mücken zu fliehen und bevor die Sonne sich reckt, einen kleinen Teil unserer Strecke zu schaffen. Wir freuen uns schon beim Aufstehen auf eine lange Mittagspause.
Doch bevor es losgeht, verteilen wir aus Versehen noch etwas Wasser im Zelt. Chris schmeißt den Wassersack um und die leckere Flüssigkeit gräbt sich in meinen Schlafsack. Dann spiele ich den Tollpatsch: Die Cornflakes-Packung hat ein Loch und lauter kleine braune Körner kullern herum. Nun sieht unser Zelt aus wie eine Bühne, auf der sich eben noch tausend schnuckelige Hasen tummelten, die ihre Geschäfte nicht zurückhalten konnten.
Die Mückenplage ist trotz der angenehmen Morgenstille wieder so extrem, dass wir beschließen, unsere Zähne und den restlichen Körper in der Mittagspause zu säubern.
Für eine verlassene Gegend wie hier ist die Straße, auf der wir gehen, sehr befahren. Das Wetter stimmt uns heiter – die Sonne lacht, aber nicht zu laut, weil der Himmel mit Wolken übersäht ist und ab und an weht Wind.
Unsere erste Pause machen wir unter einer Felswand (Creag a´ Chaise). Von dort aus beobachten wir, wie die Autos an den „Passing Places to Permit Overtaking“ vorbeisausen. Chris macht auf seiner Fotoexkursion eine bemerkenswerte Entdeckung, während ich in aller Ruhe, unter der Felswand, Käse mit Brot verspeise: Er entdeckt ein Schild, auf dem steht in etwa: Vorsicht Steinschlag! Wir lachen nur, blicken an dem Baby-Felsen empor und essen weiter.
Eine zweite Pause halten wir an einem Fluss im Wald ab. Wunderschönes Plätzchen zum Relaxen und Waschen. Und was wäre ein wunderschönes Plätzchen ohne unsere Freunde?! Freunde sind immer bei einem und so wundern wir uns gar nicht erst, dass sie auch an diesem Ort schwirren – Mücken.
Der Weg führt uns weiter am Loch Huorn entlang – wir oben, Wasser unten. Wir genießen den Ausblick auf die um uns liegenden Berge, die sich weit durch das Land erstrecken, und reden nebenher über Gott und unsere Welt. Hüben und drüben wachsen fremdartige Gräser, die sich im Wind wiegen und in diesen Sekunden wünsche ich mir einen ahnungsvollen Fachmann herbei, der uns über die Flora dieser Gegend aufklärt. Denn nichts ist schlimmer als Unwissenheit!
Eine dritte Pause machen wir mitten auf der Straße. Vorbeifahrende Autos und deren Insassen grüßen uns warmherzig. Für mich ist es noch immer ungewöhnlich, dass der Beifahrer nicht aus dem Fenster gucken kann, weil er fahren muss.
Nicht richtig einschätzen können wir das Wetter. In Deutschland hätte es längst zu regnen begonnen, alles weist darauf hin – Wind, graue, dicke Wolken, zunehmende Luftfeuchte. Doch noch brauchen wir die Regenkleidung, nicht auspacken.
Weil wir nur auf der Straße laufen, beginnen die Füße zu schmerzen. Der öde Asphalt lässt uns nicht nur schneller vorankommen, nein, er birgt auch eine gewisse Gefahr in sich, den Abend mit dem Abbinden von Blasen zu verbringen. Aber wir hätten es auch anders haben können, denn eine Frau (mit zwei Kindern plus Hund) fragt uns, ob sie uns nicht bis zum nächsten Ort transferieren soll. Wir lehnen dankend ab, weil wir uns unser Abendbrot ehrenvoll verdienen wollen.
Chris entdeckt in der Pause eine Zecke an seinem Bein und brennt sie fachmännisch mit dem Feuerzeug heraus, bevor er weiter daran herumfriemelt.
Auf unserem weiteren Weg entdecken wir ein altes Gemäuer, was wohl aus der Eisenzeit stammt. Bei einer kurzen Rast spüren wir das heilige Flair dieses Ortes, das uns Kraft und Hoffnung gibt. Obwohl dieser Platz so einladend wirkt und uns beinahe drängt, unser Zelt hier aufzuschlagen, beschreiten wir den für uns bestimmten Weg weiter. Mit der Hoffnung, die eingezeichnete Bothy zu finden.
Der Weg liegt keineswegs abseits der Zivilisation. Vielmehr tangiert er diese direkt – er führt durch eine Häuseransiedlung, die wie ein Hippiedorf wirkt. Freundliche Menschen, die stetig grüßen, ein Gefühl von Unabhängigkeit und Abgeschiedenheit, unordentliche Gärten, verschrobene Häuser.
Wir wollen unsere Hoffnung bestätigen lassen und fragen nach, ob es die Bothy nach ihrer Meinung gibt. Dann die bittere Wahrheit – sie bezweifeln es. Somit finden wir uns mit einer weiteren mückenreichen Nacht ab, wir sind schließlich in der Wildnis, wo uns kein Luxus geschenkt wird. Zu unserer tollen Stimmung kommt ein sich gemächlich weiter zuziehender Himmel hinzu. Vorsichtshalber ziehen wir unsere Regenkleidung an, wobei wir uns ein bisschen lächerlich vorkommen und unsere Laune wieder steigt. Wenn man Chris in diesem Aufzug in dieser Gegend betrachtet, kann man nur fröhlich und lustig werden: Er schaut aus wie ein kleiner Reinhold Messner, kurz davor, den „Kili“ zu besteigen. Mit Gamaschen und Wanderstiefeln bewaffnet, laufen wir schließlich weiter.
Nach einem anstrengenden Anstieg und der Reue, Regenkleidung zu tragen, bietet sich uns ein romantisches Panorama. Wir blicken auf entfernt nahe Hügel, die uns mächtig anstarren. Aufgrund der Bodenfeuchte scheinen sich jedoch hier auch die Mücken zu vermehren. Beute. Hier sind sie Beute, Opfer, genau wie wir. Denn hier gibt es Frösche! Zahlreiche kleine quakende Geschöpfe springen uns über die Füße, auf der Jagd nach saftigem Fleisch.
Schafe rennen vor unseren Augen. Von weitem erblicken wir eine Hütte. Vermutlich ein Schafstall oder gar ein Wohnhaus? Aber mitten hier draußen in der freien Natur? Kügelchen von der verdauten Nahrung der Schafe zeigen uns den Weg und führen uns wie Hänsel und Gretel einem unbestimmten Ziel näher.
Einen Meter vor der Hütte, während Chris unter eigensinnigen Geräuschen die Tür aufstößt, lese ich ein Wort an der blauen Tür. Ein Wort mit so viel Bedeutung für uns in diesen Augenblicken: B.O.T.H.Y. ! Ich könnte weinen! Das bedeutet mir so viel – eine Nacht ohne Mücken. Natürlich denke ich gleich an Chris` versprochene Worte. Sei unsere Übernachtungsstätte eine annehmbare Bothy, so legen wir einen Ruhetag ein. Also! Morgen bis mittags schlafen, mückenfrei, gemütlich.
Unseren Abend verbringen wir selig mit dem Essen, Lachen und Hüttenbucheintragen. Chris sucht mit der Taschenlampe seine Taschenlampe, das Essen blubbert auf dem Kocher (es gibt Reis mit Fleisch und Pizzataler) und wir diskutieren mal wieder über die Rollenverteilung von Mann und Frau. Denn während Chris in der Begleitung abertausender Mücken im kalten Flusswasser das dreckige Geschirr spült, sitze ich in der behaglichen Hütte und schreibe verträumt Tagebuch, damit das Forum unsere Geschichten lesen kann.



ENDE Teil 4... :D

Andreas
06.03.2004, 16:00
Hallo Bubu,

Erst einmal kompliment, super Bericht.

Habe diesen Thread das erste mal gestern abend gelesen und war echt enttäuscht das das Ende fehlte aber Du hast es ja tatsächlich doch noch geschaft den letzten Teileurer Reise niederzuschreiben. Muß zugeben, hätte nach dieser Zeit nicht mehr damit gerechnet.

Sobald ich die Fotos fertig habe, werde ich auch mal meine Tagesberichte aus Chile (Patagonien) reinsetzen

Andreas (dersichwünschtauchsogutschreibenzukönnen)

bubu
06.03.2004, 16:11
Ich will in den Urlaub!!!!!! :shock:



Tag des achten Sonnenaufgangs – Sonntag, 10.8.03


-Wo ist „Alter Tobi“?-

Wie Gott es befohlen hat, folgen wir seinem Rat und legen am siebenten Tag der Woche einen Ruhetag ein. Wir stehen unvermeidlich früh auf – elf Uhr. Draußen blökt etwas, was wie ein erwachsenes Schaf klingen will. Hört sich an, als würde ein Mensch versuchen, Tiergeräusche nachzuahmen.
Chris brutzelt schon die zweite Packung Eierkuchen und freut sich einen Ast, dass sie ihm so gut gelingen. Berechtigt! Den Beruf des Eierkuchenbäckers hat er ja vom Forum schon verpasst bekommen. Wir haben zusätzlich, weil Zeit, Schokolade kleingebröselt und Chris verteilt sie in der Teigware. An dieser Stelle kommt die brennende Idee zustande, ein Outdoor-Kochbuch zu schreiben. Die komplizierte Beschreibung, wie man Tomatenmark gleichmäßig und kontrolliert auf Fertiggerichte schmiert.
Wenn ich aus dem Fenster blicke, tut sich mir ein Bild auf, das nicht mal van Gogh hätte besser malen können. Das sind die Highlands, wie ich sie mir erträumt hatte. Schön geformte Hügel, pflanzenbewachsen und schäfchenstandhaft. Die Sonne, die alles in einem Licht erscheinen lässt, das Optimismus verbreitet.
Optimistisch gehen wir auch an unsere Tagesaufgabe heran: Waschen! Es ist nahezu alles perfekt. Die Sonne erlaubt uns ein angenehmes Bad und der Wind hilft uns beim Trocknen der nun duftend gezauberten Wäsche. Wir spannen vor dem Haus eine Rebschnur zwischen unsere Trekkingstöcke und hängen darauf die nasse Wäsche. Sagenhafte dreizig Minuten später sind die meisten Kleidungsstücke vollständig getrocknet!
Am Fluss waschen wir auch noch das restliche Geschirr auf und bestaunen Chris` Pfanne. Die bleibt wohl eine ewige Erinnerung an die leckeren Pfannkuchen-Stunden. Chris will sie sich nach der nächsten Tour an die Wand nageln.
Das ist schon eigenartig. Wir sind von dieser Tour noch gar nicht zurück, stecken quasi noch inmitten eines nicht enden wollenden Abenteuers – und dennoch schwirren in unseren Köpfen schon zahlreiche Ideen für neue Ausflüge herum. Es gibt auf dieser Welt, auf diesem Kontinent noch so viel zu entdecken, dass man sich gar nicht recht entscheiden will und kann, wohin man zuerst reist. Aber wir genießen jeden Augenblick – selbst den winzigen Moment, in dem die Sonne über die Berge blickt oder das Schaf Mäh! blökt.
Christian macht sich am späten Nachmittag auf, um unsere (Ruhe)Tagesstätte und deren Umgebung zu fotografieren. Er hat eine Ski-Hose oder so etwas an und trägt über den Trekkingstiefeln Gamaschen. Ich sehe von weitem nur seinen Kopf, er hockt nämlich mitsamt der Fotoausrüstung im dichten Gras, inmitten all der Häufchen der Schafe. Und er pfeift. Pfeifen...ein Zeichen, dass es uns gut geht. Wir sind satt (haben frühzeitig geabendbrotet: Käsenudeln mit Milchpulver), sauber, die Wäsche wedelt noch immer im seichten Wind, hier draußen sind deswegen auch keine Mücken, und wir spüren ein Freiheitsgefühl, mit dem man gar nicht recht umzugehen weiß, weil es so fremdartig ist.
Ich verfasse einen englischsprachigen Eintrag in das Hüttenbuch: „Giraffe meets ant“, das sagt schon alles. Ich gewöhne es mir an, in jedes Hüttenbuch eine Kurzgeschichte bzw. einen Dramenausschnitt zu schreiben, irgendwohin muss man schließlich mit all den Fantastereien, die einem hier draußen in der freien Wildbahn in den Sinn kommen. Manchmal ist es wie eine Sucht, das Schreiben!
Die Aussage, Sonntage seien heilig, kann ich heute nicht abstreiten. Eigentlich ist jeder Tag heilig, aber dieser heute besonders. Es ist so ein „Ich-sage-dir-danke-für-alles“ – Tag. Danke, dass es dich gibt, danke, dass es die Sonne gibt, danke für die Schafe, die Luft zum Atmen...einfach für alles. Es ist dieses Glücksgefühl, was man selten im Alltag verspürt.
In meinen Überlegungen unterbrochen entdecke ich eine menschliche Gestalt, die sich der Bothy nähert. Es ist ungewohnt, etwas Bewegliches, was kein Schaf und kein sich im Wind wiegendes Gras ist, zu erspähen. Er scheint weiterzulaufen. Nein, sie kommt näher. Er will hier schlafen. Oder? Moment. Augen zusammenkneifen. Mann? Frau? Beides? Es sind drei Leute. Zwei Männer und eine Frau, die mutig hinterher stapft. Sie nisten sich bei uns ein.
Während ich draußen die Frische genieße, wuseln alle im Haus herum. In der oberen Etage. Ich hoffe nur, dass sie nicht nachgibt und das ganze Hüttchen zusammenbricht. Sind ja doch einige Kilos, die dort oben lagern. Es ist eh kein leichtes Spiel, mit dem Gepäck die Leiter heraufzukommen, die ins obere Geschoss führt. Knirsch, knarr.
Beim Einnehmen des zweiten Abendbrotes komme ich mir endlich wie ein waschechter Hobbit vor. Aber nicht wie ein fauler Hobbit! Heute vielleicht, aber nur heute. Wir sind heute nur bis zum Bach gelaufen. Das sind etwa 15m bis hin. Wenn man dann noch bedenkt, wie oft wir zum Bach gelaufen sind...man mag bestimmt auf einen halben oder gar ganzen Kilometer kommen!!!
Also ein richtiger Hobbit-Tag – fehlt nur noch „Alter Tobi“ und die Sache wäre perfekt.
So ein Ruhetag verführt dazu, dumme Gedanken zusammenzuspinnen und über bestimmte Dinge des Lebens nachzudenken. Und wenn man in solchen Situationen keinen Stift und keinen Zettel bei sich trägt, wird man verrückt.
Wir unterhalten uns noch ein wenig mit den Fremden und gehen bald schlafen.



ENDE Teil 5...




@Andreas
Ist ja noch gar nicht fertig...Wir waren zwei Wochen unterwegs. Es kann sich also noch eine Weile hinziehen. :bg:

bubu
06.03.2004, 17:53
Nachschub!!!! *fleißigsei* :bg:



Tag des neunten Sonnenaufgangs – Montag, 11.8.03


-Qualvoller Weg in die Zivilisation-

Aufstehen, gemütlich frühstücken, merken, dass die eigenen Cornflakes alle sind. So kann ein Tag beginnen, der heimlich verspricht, spannend zu werden. In der Gesellschaft von ein paar tanzenden Mückenfreunden brechen wir auf, kehren unserer Zweitagesstätte den vollbepackten Rücken zu. Die Sicht ist hervorragend, wir können das ganze Tal überblicken. Und obwohl die Sicht so gut ist, verfolgen wir einen Weg durch einen Wald, der plötzlich und ganz unverhofft im Nichts endet. Deshalb müssen wir uns durch das Gestrüpp kämpfen und nebenher noch einen Aufstieg bewältigen.
An einer alten Ruinen rasten wir. Unwissend, dass wir gleich einen gefährlichen Weg beschreiten müssen. Erfahrenen oder sogar Chris mag dieser Weg leicht begehbar, nahezu lächerlich vorkommen, aber ich hatte – im Nachhinein betrachtet – sehr viel Angst und musste innerlich mutig sein.
Es folgt also dieser Anstieg von 110m auf etwa 460m. Allerdings verläuft der Weg nicht senkrecht und schön gleichförmig nach oben, sondern wir folgen ihm seitlich auf einem Hügelrücken. Ich meine, wir haben unseren Weg verloren, aber in Chris` Augen verlieren wir ja nie den richtigen Pfad, sondern finden höchstens einen noch besseren (siehe auch Zitatsammlung). Weit unter uns schlängelt sich der Fluss, der sich seinen Weg durch das Tal bahnt. Mir kommen Worte aus dem Herrn der Ringe in den Sinn: Geht nur um einiges fehl und die Gemeinschaft wird scheitern, so in der Art. So fühle ich mich auch gerade. Nur ein Fehltritt und schwupp, der schweigsame Weg verwandelt sich in eine blumige Rutschbahn und dann folgt der langatmige Sturz in die Tiefe und schließlich der nette Aufprall im Flussbett. Stille! Solche Gedanken kreisen einem in diesen Momenten im Kopf herum. Und dabei soll man sich noch konzentrieren können! Halt suchen können wir nur im Moos und in den wilden Pflanzen, deren Namen ich gar nicht mehr wissen will in diesen Augenblicken. Am besten funktioniert das Vorankommen, wenn man die Trekkingstöcke ablegt und auf allen Vieren kriecht.
Dann noch die brennende Idee: Ein Foto von jedem in dieser traumhaften Stellung! Da uns eine Stelle des Hanges sehr gut gefällt, weil der Weg dort besonders gefährlich wirkt, vollführen wir erst noch einen mühseligen Platzwechsel. Immer mit bedachten Blicken und mit Respekt vor dem Flussbett unten in der Tiefe des Abgrunds.
Oben stoßen wir wieder auf den eigentlichen Pfad. Ich schreie meine Entdeckung freudig Christian entgegen, der aufgrund seines massigen Gepäcks oder eines anderen undurchschaubaren Grundes nicht auf allen Vieren kriecht und somit langsamer vorwärts kommt. Die letzten Meter verlaufen durch sonniges Gebiet auf einer Art Hochebene. Steinig, grasbewachsen, Bächlein, die unseren Weg kreuzen, sichtbare Wildspuren.
Auf dem „Gipfel“ machen wir eine wohlverdiente Pause mit Sicht auf einen Bergsee, der ungelogen eine rechteckige Form trägt. Und während wir darüber sinnieren, ob der See unecht und angelegt oder echt und naturgegeben ist, verspeisen wir unseren gesamten Vorrat an Müsliriegeln.
Dieses Gebiet, so scheint es, hat einen ganz anderen Charakter als bisher gewohnte Gegenden.
Aber die Umgegend ist uns beim Abstieg ziemlich egal. Mir zumindest. Denn dieser Abstieg ist heftig! Die Knie schmerzen und der Kopf auch, weil die Sonne jetzt grausam auf uns prallt und wir scheinbar dem Schatten hinterherlaufen oder er vor uns wegläuft. Meine Füße und Chris` Schultern tun weh. Eine Pause an einem Bach mildert ein wenig die Pein, obwohl sie eher, aufgrund der Mückenfreinde (kein Schreibfehler!), zum Albtraum statt zur Erholung tendiert.
Nach wenigen Stunden erreichen wir Shiel Bridge, das eigentliche Ende unserer geplanten Tour. Dort stoßen wir direkt auf eine Mülltonne und können somit unseren ganzen Kram entsorgen – nein Chris, Finn fliegt nicht in die Tonne!!! Im ortseigenen Super-Tante-Emma-Markt stocken wir unseren Essvorrat auf: Nudeln, Suppe, Müsliriegel, Käse, Käse, Käse, Knäckebrot, Apfelkuchen. Dabei wird der Hunger nicht unbedingt kleiner.
Dann begeben wir uns auf die Suche nach einem Telefon und einer Info. Dabei stoßen wir auf ein Hotel, in dem wir nachfragen, wann und wo denn der Bus von hier abfährt. Der Mann faselt irgendwas auf Englisch, dem ich nicht länger folgen kann. Allerdings, so habe ich verstanden, meint der Mann, der Bus halte überall, man müsse nur die Hand herausstrecken und dann stoppt der Bus. Wir können dieser Erklärung nicht so recht Glauben schenken und wollen bis Freitag abwarten, was uns das Schicksal so beschert.
Der Weg zum Zeltplatz zieht sich über ein bis zwei Kilometer und bietet nur Asphalt. Wir tragen Gamaschen, bei Hitze! Und so ausgerüstet erreichen wir den Zeltplatz und stehen zwischen Dauercampern und Menschen mit Auto im Schlepptau inmitten der englischen Zivilisation.
Mückenfrei bauen wir unser Zelt auf. Und wieder die perfekte Rollenverteilung: Chris kocht unser Abendessen und ich gehe duschen. Dann die gerechte Strafe für mich – während Chris ins Bad geht, hält der Wind inne und die Mücken nahen sogleich. Und somit sitze ich inmitten des unsauberen Geschirrs und werde zerbissen. Aber was ist das schon gegen die Qualen, die Chris bisher erleiden musste!!!



ENDE Teil 6...






Mit freundlichen Grüßen,
sue. :bg:

Christian J.
06.03.2004, 18:58
einfach nur goil, der Bericht. War schon 'ne lustige Tour.


Und falls sich jemand über die Gamaschen wundert: Das war querfeldein der Nassgrass- und Zeckenschutz. Auf Wegen hatten wir die nicht dran. Das ging mit meinen Gore-Gamaschen trotz Hitze ganz gut. Wenn ihr mal richtig was zu lachen haben wollt, dann schreib ich mal meine Erkenntnissse bzgl. Ausrüstung auf... Insider kennen die Zahl, die manche Menschen in 2 Wochen Schottland auf dem Rücken schleppen. :bg:

Christian
(sich auf die Fortsetzung freuend)

Speedwurm
13.05.2004, 15:40
Hi,

wann kommt die Fortsetzung?? :cry:

Heiko (wartend :wink: )

bubu
16.05.2004, 19:36
Wenn die Abi-Prüfungen vorbei sind, widme ich mich wieder wichtigeren Dingen. :wink:


sue

Christian J.
13.06.2005, 18:12
Wenn die Abi-Prüfungen vorbei sind, widme ich mich wieder wichtigeren Dingen. :wink:


sue


ööööhmmmm! :bg:

jasper
13.06.2005, 18:48
ööööhmmmm!

Das Leben stellt einen immer wieder vor neue Pruefungen! :bg:

Wuddl_
25.07.2005, 17:50
hmmm...
ein sehr schöner bericht... und eigendlcih könnt es ja weiter gehen... die ABI - Prüfungen sind ja vorbei ;)

Nitrox
01.08.2005, 22:16
Einfach nur klasse der Bericht :wohoo: .Fliege am 15.8. nach Schottland und habe jetzt schon die richtige Stimmung. Bilder wären noch super !!!! :bg:

fanaticTRX
02.08.2005, 20:46
Wenn ich das so lese mit den Midges, kommen Erinnerungen auf - egal, auf nach SCO (Fähre 5.8.05, Letterewe ich komme)!

froschkönig
12.08.2005, 12:56
hab nun also grad 3 wochen schottland ganz ohne mücken hinter mir, geht also auch ohne...
fotos hier: http://loman.deviant.li/gallery/0511/index.html

bubu
14.02.2006, 18:24
Ooh je, es ist echt schon eine Weile her - aber ich habe es einst versprochen und will mich nun daran halten. Jetzt sind nicht nur die Abi-Prüfungen vorbei, sondern ich habe derweil schon vielen anderen Blödsinn verzapft... :bg:
In den folgenden Tagen werde ich den Bericht beenden. An einigen Stellen in meinem Tagebuch konnte ich mich nicht mehr recht erinnern und lasse die Tatsachen einfach so im Raum stehen. Wenn ihr Details wissen wollt, müssen wir auf Chris warten, bis er wieder kommt oder vielleicht kommt die Erinnerung allmählich wieder. Es macht jedenfalls Spaß, die Tour gedanklich durchzugehen und in Erinnerungen zu schwelgen. :P

Bitte schööööööööön:




Tag des zehnten Sonnenaufgangs – Dienstag, 12.8.03



-Den Frauen hinter her – den Boden begutachtend zur Mäusehütte-

Ein neuer Morgen. Wir erwachen zum ersten Mal seit vielen Tagen nicht in einer romantischen, verlassenen Gegend, sondern inmitten Bier trinkender, grillender Menschen, die eine ähnliche und doch so verschiedene Vorstellung haben von Urlaub wie wir. Christian nutzt die Chance und verschwindet unter die Dusche. Ich richte derweil unser Frühstück aus unergründlichen Aspekten im Zelt an – Cornflakes und mehr oder weniger frische Apfelkuchenstücke. Wir genießen die Gaben und machen uns dann auf, unsere Ausrüstung zusammenzuräumen. Unser Ziel ist die Begehung eines kleinen Rundgangs, mit Ausgangs- und Zielpunkt Zeltplatz.
Im Tal treffen wir auf die (an)sehenswerten schottischen Zottelrinder, auf Schafe, Kühe und Pferde. Die Gegend erinnert an die zahlreichen Familienurlaube in Österreich und der alpine Charakter lässt das Herzchen unermesslich hoch hüpfen. Während des Gehens streiten wir ein bisschen über meinen geplanten Norwegenaufenthalt (der nie wirklich stattfand, höchstens in meinem Kopf) und lernen uns mehr und mehr kennen. Wir sinnieren über die Zaun-Problematik (siehe Zitatesammlung) und Chris betet den Himmel an, er solle doch bitte blau bleiben für ein optimales Foto.
Eine deutsche Frauenwandergruppe (Wirklich, da waren nur Frauen dabei!) holt uns bei einer Müsliriegelpause ein. Aber wir folgen wenig später ihren Spuren durch alpines Gelände, in der Hoffnung, sie bald einholen zu können. Aber der Vorteil des wenigen Gepäcks der wandernden Frauen lässt sie nahezu über die Berge fliegen, während wir mehr den Boden mit all seinen entzückenden Steinen und der Flora begutachten (müssen), denn die um uns liegenden Hügel. Auf dem Gipfel (dem höchsten Punkt im Tal) holen wir sie dann doch noch ein. In einer langen, ausgiebigen Pause verspeisen wir Hauptnahrungsmittel Riegel, Knäcke (mit nur 28 kcal pro Stück) und Käse. Die bekannte Ruhe des Gipfels, die können wir nicht genießen, denn die gibt es nicht, wegen der Frauen, die laut plaudernd gestikulieren und ihren Gemeinsinn ausleben. Chris macht deshalb Fotos ohne Himmel und mein Lieblingsbild von uns beiden, mit Selbstauslöser.
Bald steigen wir zu unserer angestrebten Bothy ab. Der Weg führt uns durch matschiges Gelände und die sich gebildeten Bäche führen ölige Brühe – kein Trinkwasser, aber Ungewissheit über die Bildung dieser schimmernden Schicht (Weiß jemand, was das sein könnte?). Am Nachmittag erreichen wir die Hütte, die laut Hüttenbuch bekannt ist für das Wärmen kalter Mäusebäuche. Viele Leute haben eingetragen, sie hätten Mäuse gehört in der Nacht oder kleine Schwänzchen hinter dem Schrank verschwinden sehen.
Viele Mücken begrüßen uns, weil es schon wieder fast windstill ist. Aber wir huschen in den Unterschlupf und schauen durch das Fenster nach draußen und lachen die Mücken aus und strecken ihnen die Zunge entgegen.
Ich sitze auf dem Dachboden und schreibe Tagebuch, während Chris sich das Hüttenbuch anschaut und dabei öfter auflacht. Ich freue mich über seine Glücklichkeit.
Wir schauen beide auf, als sich von draußen Stimmen nähern. Ich nehme deutsche Wortfetzen wahr und schließe lächelnd daraus, dass es sich um Deutsche handeln könnte. Sie betreten wenig später die Hütte und sehen Chris über dem Buch sitzen. Eine fast fließend englische Unterhaltung wird entfacht, bis die zwei fremden Jungs fragen, woher Chris kommt. „Germany“ – alle lachen. Und ich hab´s gewusst, denn nur Deutsche sagen M.I.T.C.H.E.S, obwohl es M.I.E.T.C.H.I.E.S ausgesprochen wird.
Chris und ich gehen später noch Wasser holen. Der Bach ist etwa 100 m von unserem Haus entfernt. Chris läuft in Trekkingstiefeln und Gamaschen und ich im Gegensatz in Sandalen (Aber hé, ich trage eine lange Hose!). Dummheit muss bestraft werden! Der Weg zum Bach sieht – wie alle schottischen Wiesen und Hügel – auf den ersten Blick befestigt und trocken aus. Moose und Gräser begleiten uns zum Bach. Ab und an versinkt Chris und es quietscht merkwürdig. Ich weiche diesen berührten Stellen dann aus und erfreue mich an meinen trockenen Füßen. Bis zu dem Punkt, an dem ich mich auf einen großen Stein hieven will. Ich rutsche widerwillig ab, blicke zu Chris, der mein Glucksen gehört hat und die Augen verdreht. „Guck lieber nicht hin“, sage ich noch schützend. Ich merke, dass mein Fuß nass und schwer ist, sehe dann aus Neugierde aber doch hin – Matsch! Matsch und vereinzelt Gras! Ich bestehe darauf, die leckere Pampe am Bach abzuspülen, aber ohne Hilfe kann ich den dicken Matschstreifen nicht überqueren, der am Bach entlanggeht. Huckeback und zu zweit erreichen wir die andere Seite, um dort unsere Füße zu säubern und Trinkwasser aufzufüllen. Ich mache mich allein auf den Rückweg (nachdem wir zusammen den Matschstreifen überqueren, was noch lustiger ist als auf dem Hinweg). Chris will noch etwas fotografieren.
Etwas erschöpft, mit Wasser bepackt und mit nassem zweiten Fuß erreiche ich die Hütte. Zum Abendessen gibt es Getreidekörner mit Käsesuppe und Pilzen. Danach liegen wir noch auf dem Dachboden und lesen Hüttenbücher, schreiben Kurzgeschichten und futtern Rispinos von Uncle Bens. Im Hintergrund knabbert eine Maus an etwas herum – es bleibt nicht nur eine Maus. Wir freuen uns auf diese Gesellschaft und schlafen selig ein.



ENDE Teil 7...

Nitrox
15.02.2006, 19:02
:bg: Schön das es weiter geht !!!! cool

boehm22
15.02.2006, 19:34
Hi bubu,

sehr schön - da muß ich glatt nochmal von vorne lesen. :D

bubu
17.02.2006, 12:35
Tag des elften Sonnenaufgangs – Mittwoch, 13.8.03



-Schottisches Wetter – unser großer Tag mit dem Regengott-

Mitten in der Nacht, gegen drei Uhr, wachen wir von wilden Geräuschen auf. Draußen wütet der Gott des Regens. Regentropfen prasseln auf das Wellblech dicht über unseren Köpfen und der Wind droht es zu zerreißen. Neugierig stürzen wir die Holzleiter herunter, um uns von der Wirklichkeit dieser Geräusche zu überzeugen. Wir bemerken, dass sich in der Hütte alles viel dramatischer und wilder anhört als es draußen wirklich ist. Zwar weht ein stürmischer Wind und die dicken Regentropfen befeuchten die vor uns liegenden Wiesen – aber von „Unwetter“ keine Spur. Schottisch eben.
Müde kuscheln wir uns wieder in die Schlafsäcke. Am Morgen sieht ein heimlicher Beobachter nur noch unsere Nasen. Wir wollen nicht aufstehen und verkriechen uns noch mehr. Ein Blick in die Wildnis draußen verrät uns, dass uns dieses Wetter auch genau das sagen will: Bleibt liegen! Dennoch rappeln wir uns auf und beginnen den Tag mit Müsli und Cornflakes. Wir sinnieren über Menschen, die bei diesem Wetter in ihren Wohnwagen sitzen und Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen.
Als wir losgehen, nieselt es und der Wind fegt anmutig durch das Tal. Regenhosen und Gamaschen sollen die Feuchtigkeit von unseren Leibern halten.
Zunächst stapfen wir durch nasses Moos, vorbei an einer Jugendherberge mitten in der Wildnis, hinein in das sich anschließende Tal. Über unseren Köpfen braut sich eine dichte Wolkendecke zusammen, gegen die die Sonnenstrahlen keine Chance haben. „Wo komm` all die grauen Wolken he-her. Ich weiß nicht, warum ich lebe, nur dass ich am Leben bi-hin.“, singe ich vor mich hin und genieße die Dunkelheit und die bezaubernde Atmosphäre.
Es ist schwer, zu gehen. Ich trotte gemütlich tropfend hinter Chris her, der den bestmöglichen Weg zu finden weiß. Mein Sichtfeld ist durch die Kapuze und die nasse Brille so dermaßen eingeschränkt, dass ich einfach nur blind hinter Chris herlaufen muss – und Gefahr laufe, im Matschloch zu landen. Langsam und vom Regen und Sturm gepeitscht wandern wir durch das wolkenverhangene Tal. Ab und an lacht uns die Sonne an und der Regen lässt sich unterdrücken. Wer weiß, was die da oben treiben?!
Eine Passüberquerung würde laut Plan anstehen. Wir beschließen, sie noch heute zu meistern und irgendwo im Tal zu übernachten. Schon ziehen wieder neue Regenwolken auf – und der Wind hält inne. Das freut...nicht lange. Die Mücken tauche auf! Wir hatten sie schon ganz vergessen. Es ist traurig, dass wir an diesem schönen Ort nicht pausieren können, weil wir nur am Wedeln sind.
Beim Aufstieg stolpern wir über ein Reh, das tot an der Seite liegt. Scheint, als sei es den Hang hinuntergestürzt – „Er ist in den Schatten gestürzt“, brummele ich vor mich her und versuche, theatralisch zu wirken.
Beim Klettern verlieren wir wieder den Pfad und erleichtern uns den Anstieg damit keineswegs. Beinahe senkrecht stehen wir in der gras- und moosbewachsenen Wand. Links und rechts von uns tauchen rettende Gesteinsformationen auf, auf die wir uns stellen, um ein wenig Halt zu finden.
Oben angekommen werden wir, wie so oft, mit einer wahnsinnig tollen Aussicht auf das gesamte Tal beloht. Alpines Gelände, versehen mit grünen, bewachsenen Flächen.
Nun gilt es, einen geeigneten Zeltplatz für den Abend und die Nacht zu finden. Wir finden eine ebene Fläche, auf der wir ganz schnell unser Zelt aufschlagen. Es beginnt wieder zu regnen, und während Chris das Zelt sichert, verstaue ich das Gepäck im Innenraum, mache es mir drinnen einigermaßen gemütlich und warte. Dann warten wir beide – bis fünf Uhr. Dann gibt es den Fünf-Uhr-Tee und leckere warme Suppe aus dem Shiel Bridger Markt.
Es hört sich an, als lägen wir an einer stark befahrenen Straße. LKWs und PKWs bahnen sich ihren Weg durch die Highlands. Ungeduldige Fahrer hupen und überfahren ab und an einen Fußgänger. Kinder werfen ihre Spielbälle in das Gedränge und kichern am Straßenrand. Bei einem Blick nach draußen ist da aber irgendwie nur ein großer Wasserfall – „nur“. Zu unserer Freude! Ein Wasserfall und um uns herum Gras, das vom Wind gewogen wird, und lauter grüne Hügel, deren Köpfchen in Wolken gebettet sind.
Gleich wollen wir spielen. Vorher kocht Chris noch ein paar Nudeln. Er hängt mit dem halben Körper im Zelt und mit der anderen Hälfte außerhalb des Zeltes. Der Wind und der Nieselregen säuseln ihm ums Haar. Es passiert, was passieren muss. Ein zarter Windhauch säuselt auch um die Nudeln im Topf auf dem Kocher und eine sich anschließende Böe erfasst den Kocher und reißt den Topf mit den fast fertigen Nudeln zu Boden. Nun klebt etwa die Hälfte unseres Essens am und vor dem Zelt. Wir kratzen den Großteil wieder auf, sie schmecken sehr lecker. Nebenher versuchen wir zu identifizieren, welche Art Erde an den Nudeln klebt und wie man den Geschmack beschreiben kann. Das beste Gewürz ist nun mal Gras mit Dreck!
Nach diesem angenehmen Schmaus spielen wir Bilder raten und Personen erraten. Chris` Bilder muss erst einmal jemand entkusseln können. Dann schlüpfen wir noch in die Rolle von Pinocchio, Kurt Tucholsky, Werther, John Lennon, Sue und einem Schaf und der Abend endet mit einem müden Gute-Nacht. Die Einsamkeit vermittelt uns den Eindruck eines nie enden wollenden Urlaubs.




ENDE Teil 8...

bubu
20.02.2006, 19:19
So, nun also der letzte Teil des Berichts. :D




Tag des zwölften Sonnenaufgangs – Donnerstag, 14.8.03



-Nur noch wenige Schritte oder wie wir uns am letzten Wandertag überarbeiten-

Wie so oft in den schottischen Highlands werden wir auch an diesem Morgen von zwei blökenden Schafen wachgerüttelt – und von Chris` Handy. Die Nacht hat trotz Regen und Wind unser Zelt verschont. Wir befinden uns noch auf dem gleichen Hügel wie gestern am Abend beim Einschlafen. Jedoch weht kein Windchen und die Mücken tanzen (uns wieder auf der Nase herum). So essen wir unsere Cornflakes in gewohnter Weise im Zeltinneren.
Anschließend werden auf engstem Raum die Rucksäcke gepackt und mit Mücken um den Kopf herum auch das Zelt zusammengeräumt. Nach nur ein paar Gehmetern erreichen wir den Wasserfall, der uns die ganze Nacht im Schlaf wog. Chris stellt sein Stativ auf und beginnt, ein Foto zu machen. Nach etwas einer halben Stunde drückt er auf den Auslöser und nickt zufrieden. Er meint wohl, er sei jetzt fertig, denke ich und freue mich, dass es jetzt weitergehen kann, obwohl es sehr amüsant ist, Chris beim Fotografieren zu beobachten.
Auf dem Weg nach Shiel Bridge, der sich undramatisch durch das Tal aus den Highlands windet, werten wir unsere Tour aus. Sehr spaßig, aber ohne weiteren Kommentar.
Aufgrund eines hübschen schottischen Zottel-Rindes mitten auf dem Weg umgehen wir den Pfad weiträumig. Gegen ein Uhr erreichen wir zweitmalig in unserem Leben den Zeltplatz in Shiel Bridge.
Zelt aufbauen, duschen, Klamotten waschen. Unsinnig, ich wasche Sachen, die ich nicht mehr zum Anziehen brauche, obwohl zu Hause die Waschmaschine wartet. Zum Abendessen gibt es für jeden zwei Tüten Suppe und später Nudeln mit ganz viel Cheddar. Ich bin verliebt in diesen Käse.
Wir unterhalten uns noch über Nettigkeiten der Schweiz und Schlechtigkeiten von Österreich, kochen kurz vor Mitternacht Suppe (Chris kocht und isst nur aus Gruppenzwang) und summen uns gegenseitig in den Schlaf.





Tag des dreizehnten Sonnenaufgangs – Freitag, 15.8.03


-Die abstoßende Großstadt-

Wir stehen früh auf. Während Chris unser Zelt abbaut und den ganzen Kram auf dem Tisch auf der Wiese verteilt, unterhalte ich mich mit unserer deutschen Nachbarin, die Kulturwissenschaften studiert. Wir teilen die Sachen auf unsere Rucksäcke auf und brechen auf. Wir laufen noch ca. 1,5 km bis zur „Bushaltestelle“. Auf dem Weg treffen wir zwei österreichische Wanderer, die auf die Insel Skye wollen.
Nach britischer Sitte bestellen wir unseren Bus – neben die Straße stellen, die Hand raushalten, sobald der CityLink in Sichtweite ist, dann hält er und der Fahrer steigt aus (!) und räumt unser Gepäck in den Buskofferraum. In Fort William müssen wir unerwartet umsteigen, denn die Busfahrer scheinen sehr spontan zu sein und machen den Eindruck, als haben sie selbst keine Ahnung vom Busplan, wenn denn einer existiere.
Nach dem Hin- und Herladen fahren wir mit dem Bus nach Glasgow (6 Stunden Fahrt). In Glasgow laufen wir noch durch die Stadt, weil wir so viel Zeit haben, eh der Flieger geht. Die Großstadt gefällt Chris, mir jedoch missfällt sie. Ich fühle mich überfordert, was nach zehn Tagen Einsamkeit kein Wunder zu sein scheint. Der Kontrast ist so extrem, dass er mir Angst macht und ich beginne, die große Stadt regelrecht abstoßend zu finden.
Wir haben Lust auf Fish&Ships. Der Verkäufer ist kurz vor dem Zusammenpacken und so bekommen wir unsere Speise vergünstigt. Mit freudigem Gesicht tollen wir durch die Straßen und futtern unser Essen – flutsch. Da rutschen mir die Ships aus der Hand und liegen vor mir auf dem Fußweg verteilt. Sogar von einer fremden Frau ernten wir mitleidige Blicke. Wir setzen uns vor die Kirche auf den Friedhof, um dort in Ruhe zu essen. Da werden wir aber nach nur fünf Minuten verjagt, weil der Pförtner die Türen schließen möchte. Der Abend naht.
Redend und ruhend gammeln wir auf einem großen Platz herum, bis wir von ein paar kleinen (!) Kindern angeredet werden, ob wir denn Drogen hätten. Auch nach einem Nein lassen sie uns nicht in Ruhe und stören unseren Frieden. Wir ziehen traurig von dannen, weil uns der Platz gut gefallen hatte.
Ein Bus fährt uns am späten Abend kurz vor Mitternacht zum Flughafen, wo wir die Nacht hindurch bleiben und warten.






Tag des vierzehnten Sonnenaufgangs – Samstag, 16.8.03


-Kein Gate will uns mitnehmen-

Gegen Mittag geht der Flieger nach London. Dort essen wir letztmalig britische Sandwich, die nur bis 16.8. haltbar sind.
Auf unserer Boarding Card steht, wir müssen zum Gate 3I – wir erkennen die zweite Ziffer als Trennlinie und fahren mit dem Zug zum Gate 3. Ich kaufe mir eine heiße Schokolade, möchte sie dort trinken, aber der Verkäufer gibt mir nur einen Mitnehm-Becher. Ich ärgere mich kurz und ahne noch nicht, dass es besser so ist. Wir setzen uns also vor das Gate 3 und warten auf unseren Flieger. Wir wundern uns, dass zwanzig Minuten vor dem Abflug noch immer keine Menschenseele da ist, um uns zu begrüßen oder um mit uns zu fliegen. Chris geht sich mit seinem besseren Englisch erkundigen und kommt nach wenigen Sekunden eilig zurück gerannt. Er hat erfahren, dass wir zum Gate 31 müssen (3I). Wir fahren eilig zum Gate 31. Am Bildschirm steht jetzt aber, dass er von Gate 34 fliegt. „Last Calling. Final Calling“. Wir rennen zum anderen Gate und stellen fest, dass Ryanair auf uns gewartet hat. Ein Mann hängt am Telefon und sagt, als er uns erblickt, „Okay, they are here now.“.
Mit Adrenalin im Blut setzen wir uns auf unsere Plätze und schauen uns zufrieden lächelnd an. Als der Flieger abhebt kuschele ich mich in meinen Sitz und irgendwie auch ein Stück an Chris.




ENDE

derMac
20.02.2006, 20:03
ENDE
:cry:

Mac

Nitrox
20.02.2006, 22:21
:( ENDE!
Naja muße ja mal so kommen,

Danke bubu für diesen tollen Bericht
:bg:

JR
21.02.2006, 03:05
wirklich sehr geiler bericht in gutem stil :)

eine riesen freude das zu lesen :) ich freue mich immer mehr auf meinen eigenen trip (naja, in kanpp 10 tagen gehts los)

grüße

Jo

Christian J.
23.02.2006, 21:05
GROSSARTIG!

Ach war das damals eine tolle Reise!
Und Sue verdient für diesem Bericht mehr als nur einen Sonderapplaus!!! :D

Ich bin übrigens eben wieder aus Highlands angekommen und werde in ein paar Tagen meinen (Foto-)Bericht "Letterewe im sogenannnten Winter" hier präsentieren! :-)

Christian

Shirkan
23.02.2006, 23:10
man ich hab auch total Bock auf ne Tour - aber Diplomarbeit geht vor :ill:

Bärnd
20.09.2006, 23:00
Ein sehr toller Bericht.
Du kannst ziemlich kurzweilig schreiben.
Grandios... ein paar Fotos, es war ja das ein oder andere Mal von Chris Fotoausrüstung die Rede, hätten das zu Deinem
Globus Dei :bg: machen können.
begeisterte Grüße und...
schönes Wetter
BÄRnd