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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [GR] Wandern auf dem Corfu Trail



STEGI
07.05.2008, 19:56
Land: Griechenland
Reisezeit: Anfang August 2007
Region/Kontinent: Südeuropa

Wir waren im Sommer 2007 knapp 6 Wochen in Nordgriechenland mit unseren Rucksäcken und Zelt unterwegs. Die meisten Strecken – auch Hin- und Rückfahrt – haben Katharina und ich per Autostop zurückgelegt. Nach dem Start mit einer einwöchigen Wanderung auf Korfu führte uns unsere Reise durch Albanien aufs griechische Festland ins Lefki-Gebirge und über die Halbinsel Sithonia nach Samothraki. (An dieser Stelle vielen Dank an berni71 für diesen genialen Insel-Tipp!) Wer sich für den kompletten Reisebericht interessiert, findet diesen auf meiner Homepage (http://stegi.org/reisen_2007_griechenland.htm).

Dieser Reisebericht schildert ausschließlich und im Detail unsere Wanderwoche auf Korfu. Eine kurze Zusammenfassung für Eilige:

Wanderkarten für Korfu gibt es keine.
Der Corfu Trail führt über 200 Kilometer vom Süden der Insel nach Norden.
Der einzige Wanderführer zum Corfu Trail (auf Englisch) ist vergriffen, es gibt jedoch eine inoffizielle Textversion.
Der Corfu Trail wurde mit Mitteln der EU angelegt und seither wenig gepflegt.
Um dem Corfu Trail dennoch folgen zu können benötigt man Orientierungsvermögen.
Die Landschaft auf der Insel ist herrlich und auch im Hochsommer grün.
Die Strecke meidet die touristischen Schwerpunkte der Insel.
Es gibt wunderbare und gleichzeitig touristenleere Strände.
Hochsommer ist womöglich die falsche Jahreszeit zum Bewandern des Corfu Trails.
Vorab hatten wir uns im Internet über Wandermöglichkeiten auf Korfu informiert. Wir wollten auf Korfu im touristenfreien Landesinneren wandern und am Strand übernachten und stießen bei unserer Suche beim Netzwerk Weitwandern auf zwei Berichte (http://www.netzwerk-weitwandern.de/Wanderberichte_GR.htm) über den Courfu Trail. Zum Corfu Trail gibt es auch eine offizielle Seite (http://www.corfutrail.org/in-deutsch.html), die leider nur rare Informationen bereithält und darauf verweist, dass der einzige existierende Wanderführer (auf Englisch) vergriffen ist. Als wir nach unserer Fährfahrt von Ancona nach Igoumenitsa von ebendort nach Korfu übersetzen, haben wir lediglich einen Ausdruck der groben Verlaufskarte, die auf der offiziellen Corfu Trail-Seite zur Verfügung gestellt wird, sowie eine Kurzbeschreibung (http://www.corfu.at/component/option,com_alphacontent/section,4/cat,19/task,view/id,67/Itemid,91/) der einzelnen Tagesetappen im Reisegepäck.


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Überfahrt von Igoumenitsa nach Kerkyra


1. Tag: Akklimatisierung

Waren wir zwei Tage zuvor bei sehr frischen Temperaturen in Berlin losgetrampt, sind wir nun in der vollen Hitze angekommen. Und das, obwohl erst 9 Uhr ist! Uns macht das ganz schön zu schaffen, hinzu kommt unser Schlafdefizit, die letzten beiden Nächte auf der Hinfahrt waren kurz. Auch an die Wanderrucksäcke müssen wir uns bei dieser Hitze noch gewöhnen. Wir beschließen, uns erst einmal im Stadtpark, der Spianada, unter einem schattenspendenden Baum niederzulassen, uns an das Klima zu gewöhnen und alles weitere zu planen. In engen Gassen geht es bergauf durch Kerkyra, unterwegs besorgen wir unser Frühstück – hauptsächlich leckeres Obst. Die Entscheidung, die ersten Stunden auf Korfu im Schatten zu verbringen, ist richtig, denn es wird noch wärmer. Gegen Mittag begebe ich mich – ohne Rucksack! – in die Stadt, um Informationen über unseren Corfu Trail zu sammeln. Leider bin ich nicht wirklich erfolgreich, denn man bestätigt mir auch hier, dass der Wanderführer seit zwei Jahren vergriffen sei. Die Landkarten sind alle sehr oberflächlich und enthalten nicht mehr als die Autostraßen. Ich kaufe keine Karte, sondern nehme die kostenlose Inselkarte der Tourist Information, da auf dieser Karte zumindest die Bergzüge durch verschiedene Grüntöne zu erahnen sind. Fürs Mittagessen besorge ich Brot, fantastische Tomaten und herrlichen Feta. Anschließend beraten wir: Wollen wir mit den wenigen Informationen, die uns zur Verfügung stehen, eine Begehung des Corfu Trails wagen? Wir entscheiden uns dafür und zeichnen – anhand der groben Trail-Karte aus dem Internet und der kurzen Beschreibung – den ungefähren Weg in unsere Inselkarte. Fertig ist unsere selbst erstellte Wanderkarte! Da der Corfu Trail in 10 bis 12 Tagen zu begehen ist, wir aber wegen eines bereits terminierten Besuchs eines Freundes in Albanien nur 6 Tage Zeit haben, wollen wir Beginn und Ende des Trails weglassen.

Nachdem die Hitze am Nachmittag etwas nachgelassen hat, suchen wir den Busbahnhof auf und nehmen die Buslinie nach Kavos. Nach einer knappen Stunde steigen wir in Perivoli aus und begeben uns zu Fuß nach Ag. Varvara. Ein schöner Strand mit nur wenigen Touristen! Beim Wassernachfüllen im Strandmarkt erfahren wir, dass man ohne Probleme wild zelten könne. Abseits der Liegestühle lassen wir uns nieder und genießen ein herrliches Bad im Meer, eine kühle Dusche und anschließend unseren ersten Sonnenuntergang am Strand. Das Zelt bauen wir nicht auf, wir legen uns in unsere Schlafsäcke und Katharina bestimmt vorm Einschlafen noch die Sternbilder am Firmament.


2. Tag: Der Küstenlinie folgend

Die Nacht war kälter als vermutet, und da unser Strand erst am späten Vormittag von der Sonne erreicht wird, essen wir schnell einen Müsliriegel, packen unsere Sachen zusammen und laufen den Strand entlang. Bis auf eine kurze Steinpassage können wir barfuß laufen. Als wir Ag. Georgios – einen nicht gerade schönen Touristenort – erreichen, scheint die Sonne bereits mit voller Stärke. Da Müsli hier ein Vermögen kostet, begnügen wir uns mit Zwieback und Milch. Schnell noch eine Dusche am Touristenstrand, und weiter geht es am Strand entlang gen Norden. Der Sand der Dünen ist sehr heiß, also laufen wir weiter am Wasser entlang bis zum Cap Konsia, und weiter einen engen Küstenabschnitt bis zu der Stelle, an der die große Lagune mit dem Meer verbunden ist – wir entdecken erstmals ein Wegzeichen des Corfu Trails! Im Schatten eines Baumes neben dem kleinen Fischerhaus lassen wir uns zu einer kurzen Rast nieder und unterhalten uns mit dem Bewohner des Hauses, der als Gastarbeiter in Hamburg arbeitete und sich hier nun niedergelassen hat. Zwei Mädels aus Lausanne kommen uns entgegen, auch sie laufen mit ihren Rucksäcken der Küste entlang. Wir tauschen Informationen aus und wünschen den beiden einen angenehmen Reiseabschluss. Für uns geht es noch einen kleinen Abschnitt am Strand entlang, dann weicht der Sand einer Steilküste. Feigen, Brombeeren und Weintrauben am Wegesrand entschädigen jedoch, und unter schützenden Bäumen finden wir Platz für eine ausgedehnte Mittagspause.

Später folgen wir dem Corfu Trail, verlieren den Pfad aber wegen mangelnder Ausschilderung, verlaufen uns etwas. Doch die wenig befahrene Landstraße bringt uns nach Paramonas, vorbei an vielen voll behangenen Feigenbäumen, deren Last wir etwas erleichtern. Der Mini Market hat überhöhte Touristenpreise, sodass wir nur Brot und Wasser besorgen und auf bessere Einkaufsmöglichkeiten auf dem Weg zum Strand hoffen. Und tatsächlich – wir finden einen kleinen Laden. Der Besitzer, ein greiser Mann, erklärt uns, dass er bereits geschlossen habe. Er wolle uns aber eine Flasche Wein schenken. Wir verzichten, entdecken aber das reichhaltige Gemüseangebot hinter ihm und fragen, ob wir davon nicht etwas kaufen können. Er ist einverstanden. Aubergine, Zucchini, Tomaten, Paprika, Zwiebel, Kartoffel – wir zahlen pauschal zwei Euro und erhalten dazu noch einen Becher Oliven. Wir freuen uns auf das Abendessen! Der Strand ist nicht wirklich schön, aber wir werden keine Probleme bekommen, hier zu kochen und zu übernachten. Nach dem Bad im Meer gibt es Gemüse-Ratatouille, zum Nachtisch Weintrauben. Wir genießen wieder einen klaren Sternenhimmel und sehen zahlreiche Sternschnuppen fallen.


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Leider nicht überall zu sehen: Markierungen für den Corfu Trail


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Sonnenuntergang am Strand von Paramonas


3. Tag: Auf der Suche nach dem Trail im Landesinneren

Es ist sinnvoll, bereits vor der Mittagshitze einige Kilometer zurückzulegen, deswegen geht es wieder früh los. Während das Dorf noch schläft, verlassen wir den Strand und arbeiten uns die Dorfstraße bis zur Hauptstraße hoch. Glücklicherweise finden wir die Trail-Beschriftungen und folgen einem engen Pfad weiter bergauf. Im Schatten des Berges ist das sehr angenehm, nach vielleicht 350 Höhenmetern erreichen wir den Kamm und sind ab sofort der intensiven Sonne ausgesetzt. Wir steigen ab nach Ano Pavliana, machen unsere Besorgungen für das Mittagessen und kaufen eine Milch für sofort. Smalltalk mit den Griechen vorm Kafenion, und weiter geht es, den Berg hinab. Wir wundern uns über die Wegführung, finden auch keine weiteren Markierungen, aber das scheint ja normal zu sein. Jedoch was wir befürchtet haben, ist eingetreten: Wir nahmen in der Annahme, bereits Kato Pavliana passiert zu haben, den falschen Weg bergab. Also wieder zurück den Berg in der prallen Sonne hinauf. Auch wenn uns dieser unfreiwillige Umweg eine knappe Stunde Zeit gekostet hat, versuchen wir das gelassen zu nehmen. Wäre auch zu schön, wenn mit improvisierter Wanderkarte und mangelnder Markierung alles funktionieren würde!

Oben in Ano Pavliana sprechen wir einen Griechen an, der sich sehr redselig gibt. Er ist in England geboren, hat dort gelebt und ist erst vor eineinhalb Jahren ins Dorf gezogen. Von seinen netto 2000 Euro Rente lebe er jetzt wie ein König, erklärt er uns. Wir erfahren von ihm auch, weshalb es zwei Pavlianas gibt: Ein Erdbeben zerstörte einst das Dorf und führte zu einem Erdrutsch. Ein Teil des Dorfes wurde dann einfach im Tal wieder aufgebaut. Wir folgen dem richtigen Weg hinab nach Kato Pavliana. Kurz vorm Ort rasten wir, weil die Hitze sehr drückend wird, ich habe leichte Kopfschmerzen. Nach kurzer Erholung beschließen wir, bis zur Mittagspause noch ein paar Kilometer zu laufen. Aufmerksam halten wir nach Markierungen Ausschau, und wir werden belohnt. Am Ende des Ortes verlässt der Trail die Straße, die Markierung hierfür ist leicht zu übersehen. Wir steigen in ein ausgetrocknetes Flusstal hinab, genießen die Weintrauben und Feigen und legen schließlich vor Vouniatades unsere Matten unter einen großen Olivenbaum.

Die Hitze ist am Strand besser zu ertragen als im Land. Immer noch etwas matt brechen wir am Nachmittag auf, um zunächst unsere vier großen Flaschen in Vouniatades von freundlichen Dorffrauen auffüllen zu lassen. Leider können sie uns nicht sagen, wo unser Weg weitergeht, aber nach mehreren Versuchen finden wir den Trail, der uns durch das im Sommer ausgetrocknete Mesongi-Tal nach Strogili geleiten soll. Die weitere Wegführung ist nicht eindeutig und eine Orientierung anhand der Berge ist aufgrund mangelhafter Wanderkarte nicht möglich, sodass wir mit Hilfe unseres Kompasses unseren eigenen Weg suchen. Das funktioniert ganz gut, und wir erreichen die Landstraße einen Kilometer nördlich von Strogili. Der Fußmarsch der Straße entlang wird uns einmal mehr mit vielen Weintrauben und Feigen versüßt. Am Ortseingang von Strogili entdecken wir wieder die Wegmarkierungen. Doch bevor es weitergeht, suchen wir einen Supermarkt auf. Sichtlich genervt zeigt sich die aus Kanada zugewanderte Kassiererin, als wir sie auf den Corfu Trail ansprechen – das passiere ihr häufiger, jedoch habe sie dazu keinerlei Informationen. Anscheinend würden viele Leute immer im Kreis durch den Ort laufen und keine Fortsetzung des Weges finden. Für uns kein Problem, wir wissen ja schließlich bereits, wo es weitergeht.

Wir sind recht platt und beratschlagen in einem Rohbau am Rande des Dorfes, ob wir noch den Anstieg nach Stavros bewältigen wollen. Wir entscheiden uns dafür, ruhen uns zunächst noch etwas aus, und ich schließe Freundschaft mit dem Esel, der an einem Olivenbaum angebunden ist. Wie gut könnte er uns doch beim Tragen unserer Lasten helfen! Erst um 20 Uhr brechen wir auf, und wir werden mit einem bezaubernden Aufstieg belohnt: Der Sonnenuntergang zwischen den Kiefern, Olivenbäumen und Zypressen ist fantastisch. Unsere Information, dass es hier mehr Zypressen als in der Toskana gebe, finden wir bestätigt. Die Berge werden von der untergehenden Sonne rot angestrahlt. Und von einem Berg hinab erklingt traditionelle Musik. Wir erreichen die ersten Häuser des Ortsteils Kamianata und verstehen, weshalb hier private Neubauten errichtet werden, denn die Aussicht hinunter nach Kerkyra, zum Meer auf beiden Seiten der Insel und nach Süden ist gigantisch. Wir folgen der Dorfstraße hinab, doch diese scheint sich über Kilometer hinzuziehen, und links wie rechts bebaut. Nachdem wir in einem Rohbau nicht zelten dürfen, bietet uns eine französisch-griechische Familie ihren Olivengarten an. Nach einem einfachen Essen – Tomatensoße mit Thunfisch und Zwiebeln sowie Brot – legen wir uns gleich schlafen, denn der nächste Tag wird wenig Möglichkeiten zur Entspannung bieten.


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Intensive Abendsonne vor dem Aufstieg nach Kamianata


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Korfu: Angeblich mehr Zypressen als in der Toskana


4. Tag: Gipfelbesteigung und ein neuer Begleiter

In Anbetracht der unglaublichen Mittagshitze hatten wir den Wecker auf 5 Uhr gestellt. Das frühe Aufstehen gelingt uns allerdings nicht, wir bleiben noch eine Dreivierteilstunde liegen und brechen gegen 6.15 Uhr auf. Zunächst führt uns die links wie rechts bebaute Straße den Berg hinab aus Stavros hinaus. Wir erreichen einen Maultierpfad, der uns nach Ano Garouna geleitet. Eigentlich wollen wir hier unsere Frühstücksmilch besorgen, da der Ort aber keinen Supermarkt hat, steigen wir direkt am Ortseingang hinauf zum Agii Deka. Um 8:20 Uhr erreichen wir den zweithöchsten Berg der Insel und genießen den weiten Blick. Im verlassenen Klostergelände finden wir Markierungen des Corfu Trails und folgen dem Pfad den Berg hinab. In Aleochori treffen wir zufälligerweise auf einen Obst- und Gemüsehändler und belohnen uns mit einer Melone. Bis zur Mittagspause wollen wir noch Sinarades erreichen, und wir absolvieren diese Strecke unverhofft zu dritt: Am Ortsende von Aleochori gesellt sich ein junger Hund zu uns, der uns wie selbstverständlich als sein Rudel akzeptiert und von nun an begleiten will. Als wir später in Sinarades Pause einlegen, verschwindet unser neuer Begleiter, um dann aber immer wieder zu uns zurückzukehren. Und das, obwohl er von uns bislang nichts zu Essen oder zu Trinken erhalten hat.

Nach einer langen Mittagspause brechen wir erst nach 17 Uhr zur letzten Tagesetappe auf. Wir verlieren den Corfu Trail und stehen oberhalb der Klippen einer Steilküste mit einem herrlichen Blick auf das türkisfarbene Meer. Einen Klippenweg scheint es nicht zu geben, also versuchen wir querfeldein durch die Olivenbäume unser Glück. Und ohne dass wir es noch erwartet haben, stehen wir plötzlich wieder auf dem Trail. Immer noch dabei unser tierischer Freund, und nun endlich erbarmen wir uns angesichts der absoluten Trockenheit und geben ihm etwas zu Trinken. Wenige Kilometer weiter sehen wir hinter Pelekas Rauch aufsteigen – ein kleiner Waldbrand, wie wir am folgenden Tag erfahren. Nachdem uns der Weg zunächst in der prallen Sonne den Berg hinab führt, geht es anschließend im Schatten, jedoch in einer unglaublichen Schwüle, wieder hoch nach Pelekas. Diesen Touristenort müssen wir passieren, um zu einem der beiden Strände zu gelangen, die wir für unser Nachtlager geplant haben. Hatte uns bislang die Begleitung durch einen Hund amüsiert, wird sie zu einem Problem: Die Straße durch Pelekas und weiter hinab zum Strand Glifada ist stark befahren, und unser Hund hat größten Spaß daran, immer direkt vor die Autos zu springen und diese zu Bremsmanövern zu zwingen. Das zehrt an unseren Nerven. Vergeblich bemüht sich Katharina, ein Träger-T-Shirt als Leine einzusetzen. Je weiter wir Pelekas verlassen und dem Strand entgegenlaufen, desto schneller sind die Autos unterwegs. So gleicht es für uns einem Wunder, am Strand von einem unversehrten Hund freudig begrüßt zu werden – der sich dann auch gleich wieder verabschiedet, weil die Menschenmassen interessanter sind als wir. In der Hoffnung, dass sich irgendjemand des Hundes erbarmt und ihn mitnimmt, gehen wir schwimmen, sehen einen Löschhelikopter Wasser laden und kochen uns Pasta. Spaghetti in Meerwasser zu kochen stellt sich nicht als ideale Lösung heraus, weil das Wasser sehr salzig und am Sandstrand eben auch sehr sandig ist. Ohne Hund schlafen wir mit Blick auf die Milchstraße bald ein.


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Grüne Insel: Abstieg vom Agii Deka


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Mit Hundebegleitung durch den Olivenhain


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Steilküste bei Sinarades


5. Tag: Zurück in den Süden Korfus

Wir schlafen etwas länger als sonst, und als wir um 8.30 Uhr aufstehen, joggen bereits erste Touristen der Brandung entlang. Der Hund liegt wieder neben uns – irgendwie hat er uns in der Nacht gefunden, obwohl wir weit von den Touristenanlagen entfernt liegen. Wir frühstücken gemeinsam mit dem Hund – die ihm angebotenen in Salzwasser gekochten Nudeln interessieren ihn nicht, aber der Zwieback scheint zu schmecken. Während wir unsere Sachen zusammenpacken, geht der Hund wieder auf Erkundungstour. Wir hoffen, ihn nun endlich abschütteln zu können. Die sanitären Anlagen nutzen wir zum Waschen unserer Kleidung und halten dann ein Auto an, um uns nach Pelekas hoch fahren zu lassen. Der Hund folgt uns nicht. Von Pelekas aus geht es dann weiter mit einem französischen Biologen-Paar zurück in den Süden der Insel. Uns war es in Pelekas zu touristisch geworden, und da wir für den Norden keine Besserung erhoffen und zudem eine Besteigung des Pantokrators im Hochsommer für unmöglich halten, wollen wir die bislang ausgelassenen ersten Etappen des Corfu Trails nachholen. Wir werden in Perivoli abgesetzt und wollen unsere Einkäufe erledigen – leider haben wir nicht daran gedacht, dass heute Sonntag ist! Also wollen wir unser Glück in einem größeren touristischeren Ort probieren und trampen weiter nach Kavos. Tatsächlich, der Supermarkt hier hat täglich geöffnet, und die Kassiererin klagt darüber, dass sie während der Saison Tag für Tag vom Vormittag bis in den späten Abend arbeiten müsse, dafür im Winter dann wieder ohne Arbeit sei. Die Schattenseiten des Tourismus.

Den Tag verbringen wir am Strand mit Sicht aufs Festland. Während Katharina ununterbrochen einen Brief schreibt, springe ich mehrfach ins Wasser und unterhalte mich mit einem Vermieter eines strandnahen Hauses. Er beklagt sich über die Manieren der neuen osteuropäischen Gäste, die das berüchtigte Auftreten der britischen Gäste weit in den Schatten stellten. Während wir uns über die Waldbrände unterhalten, füllt nicht weit von uns entfernt einer der riesigen Löschhubschrauber, die Russland den Griechen zur Verfügung gestellt hat, seine Wassertanks. Für den frühen Abend hat uns der Grieche Thanasis, der uns die letzte Trampstrecke mitgenommen hatte, auf einen Frappé in seiner Strandbar eingeladen. Wir unterhalten uns mit ihm und laufen dann später der zum Teil touristisch besiedelten Küste entlang zum Cap Kountouris. Während wir aus der Ferne die gedämpften Geräusche einer Disco vernehmen, versucht sich Katharina wiederum an den Sternbildern.


6. Tag: Traumstrände im Süden der Insel

Über Nacht hat es ein paar Tropfen geregnet. Wir hätten den Griechen lieber einen kräftigen Niederschlag gegönnt, auch wenn wir dann unser Zelt hätten aufbauen müssen. Während die Sonne über dem Festland aufgeht, ärgere ich mich mit meiner sonst eigentlich perfekten Reisekamera (Sony CyberShot, 150g) herum, die wegen kleiner Sandkörner das Objektiv nicht öffnen will. Also gibt es keine Sonnenaufgangsfotos, und die Kamera wird ab sofort in einem Socken aufbewahrt. Vier junge Engländer kommen am Strand entlang in Boxershorts und mit einer Flasche Bier in der Hand, auf direktem Weg von der Disco. Sie können sich zunächst nicht vorstellen, dass wir hier einfach unter freiem Himmel schliefen. Als ich auf die Frage, was wir denn essen, auf unseren Kocher und den Topf verweise, sind sie schwer beeindruckt. Vermutlich werden sie später nicht glauben, dass diese surrealistische Begegnung tatsächlich stattgefunden hat, sondern verbuchen dies unter Rauschauswirkungen. Wir packen unsere Sachen, machen in Kavos kleine Besorgungen und treffen am Ortsausgang auf den tatsächlichen Start des Corfu Trails! Dieser führt uns bergauf zum Südkap der Insel, dem Cap Asprocavos, mit dem verfallenen Kloster Arcoudila. Wir beschließen, nicht dem Corfu Trail weiter zu folgen, sondern direkt zum Strand am Cap Arcoudila abzusteigen. Eine richtige Entscheidung, denn dies ist der schönste Strand unserer gesamten Reise: Fantastischer sauberer Sandstrand, angenehmer Wellengang und außer uns nur ein Dutzend Menschen, verteilt über einen knappen Kilometer Strand. Allerdings ist es furchtbar heiß, und mangels schattiger Plätze errichten wir unser Außenzelt. Mit viel Lesen und Gesprächen verbringen wir einen sehr angenehmen Tag am Meer. Hin und wieder hüpfen wir ins Wasser, ich jogge den gesamten Strand an der Brandung entlang und zurück.

Wir bleiben länger als geplant, und erst am frühen Abend laufen wir weiter. Wir passieren das Cap Arcoudilis, folgen dem Strand Ag. Gordios Palaochoriou und erreichen gegen 20:30 Uhr Paleochori. Leider hat hier um diese Uhrzeit kein Geschäft mehr geöffnet, wir erfahren aber, dass wir im nahen Kritika noch eine Chance hätten. Die nutzen wir und besorgen Gemüse, Thunfisch und Zwieback für eine vollwertige Ernährung. Sehr nette Leute in diesem Ort, wir werden überall begrüßt und grüßen freudig zurück. Bei Einbrechen der Dämmerung folgen wir dem staubigen Weg zum Strand Gardenos. Der Strand ist menschenleer, hat aber Liegestühle, auf denen wir übernachten wollen. Wir kochen und genießen ein letztes Abendessen auf Korfu. Uns gefällt unser Leben auf der Insel, aber wir freuen uns auch auf unsere weiteren Reiseetappen. Auf Korfu haben wir keine einzige Schlange gesehen, was wir erwartet hatten. Doch als wir an diesem Abend in unsere Schlafsäcke kriechen, entdecke ich einen knapp 10 cm langen Skorpion, der von meiner Liege zur Böschung läuft. In der Hoffnung, dass dies der einzige Skorpion des Abends war, schlafen wir beruhigt ein.


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Unser Traumstrand


7. Tag: Abschied von Korfu

Morgens entdecken wir zahlreiche Tierspuren um unsere Schlafplätze herum, es sieht jedoch nicht nach Skorpionen aus. Wir genießen es noch einmal, barfuß am Strand entlang zu laufen. Bevor wir die Straße nach Vitalades ansteuern, duschen wir noch einmal und ich wasche mein T-Shirt. Auf dem Weg nach Vitalades probieren wir zu trampen. Leider fährt niemand weiter als bis zum nächsten Ort, und auch an der Inselhauptstraße haben wir keinen Erfolg. Also laufen wir nach Perivoli und nehmen den Bus nach Kerkyra. Wir besorgen uns Fährtickets ins albanische Saranda, verbringen unsere letzten Stunden auf der Insel wie zu Beginn in der Spianada und legen am Abend nach Passieren der Grenzkontrolle voller Erwartungen auf unsere kommenden Reisetage ab.


Resümee

Für uns war unsere Woche auf Korfu ein gelungener Start in einen wunderbaren Sommerurlaub. Korfu ist zwar mancherorts deutlich vom Tourismus gezeichnet, bietet aber dennoch Möglichkeiten, über Stunden oder gar Tage hinweg diesem Trubel zu entfliehen. Und wo keine Touristen sind, sind die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit. Der Corfu Trail ist sicherlich nicht so beschildert, wie wir uns das gewünscht hatten, aber dennoch war es möglich, mit etwas Improvisationstalent den Weg zu finden. Im Hochsommer ist Wandern auf Korfu beschwerlich, im Frühjahr oder Herbst müsste das jedoch ideal sein – wenngleich man nur im Sommer überall Feigen und Weintrauben ernten kann. Wir schließen es nicht aus, noch einmal zum Wandern nach Korfu zurückzukehren und dann den gesamten Corfu Trail anzugehen. Im Nachhinein erhielten wir vom Corfu Trail Verein eine komplette Beschreibung des Trails auf Deutsch, so dürfte uns die Orientierung nun auch leichter fallen! (Wer diese Wegbeschreibung haben möchte, kann sie von mir bekommen.)

dooley242
07.05.2008, 20:35
Danke für den schönen Bericht.

Könnt Ihr griechisch oder kommt man wg, Tourismus auch mit englisch und deutsch weiter?

pepe-hh
07.05.2008, 22:48
Wunderschöne und scharfe Fotos für mich als Laien. Sag mir bitte dass es die Cam für unter 200 € gibt !!!

Aachener
08.05.2008, 08:19
Sehr schön! Ich hatte Corfu bisher immer als "zu touristisch" abgehakt. Aber wenn man Deinen Bericht liest, bekommt man ja richtig Lust, hinzureisen...

STEGI
08.05.2008, 11:40
Schön, dass der Bericht auf positive Resonanz stößt! Natürlich wird man es auf Korfu nicht komplett verhindern können, mit dem Massentourismus in Berührung zu kommen. Wer den Corfu Trail wandern will, sieht jedoch hauptsächlich die Landschaft und nicht hässliche Hotelanlagen! Und die Landschaft macht einen Besuch der Insel lohnenswert!

Wir sind ohne wirkliche Griechisch-Kenntnisse sehr gut zurecht gekommen. Natürlich empfiehlt es sich, die grundlegendsten Worte der Landessprache zu beherrschen, da freuen sich die Griechen immer sehr. Ansonsten kommt man mit Deutsch und Englisch gut zurecht, und ansonsten hat man ja Hände und Füße zum Gestikulieren.

Die Sony CyberShot kostet incl. Speicherkarte etwas über 200 Euro, eine etwas ältere Version ist vielleicht auch günstiger. Vorteile sind das geringe Gewicht, ein Zeiss-Objektiv und eine einfache Bedienung. Nachteile: Ist eben keine Spiegelreflex, und für Sony-Kameras gibt es spezielle Akkus, weshalb man bei längeren Touren ein Ladegerät (ca. 100g) mitnehmen muss.

Waldwichtel
08.05.2008, 22:36
Welche Sony hast du denn?

STEGI
09.05.2008, 10:05
Ich habe die DSC-W55 (http://www.sony.de/view/ShowProduct.action?product=DSC-W55&productsku=DSCW55S.CEE8&site=odw_de_DE&imageType=Main&category=DSC+W+Series) von Sony. Gibt es zum Beispiel hier (http://www.topvision-online.de/details.html?item=13376198764611f5df34921) bereits für deutlich unter 200 Euro - allerdings ohne Speicherkarte.

masurke
24.05.2010, 17:18
großartig!

danke für die beschreibung; ich suchte gerade nach einer schönen lastminute-aktion, fand korfu für 5 tage und stolperte über diesen bericht.
-> flug gebucht, morgen um 5:50 uhr gehts los. :D da werde ich die gleichen drei tage wandern gehen wie ihr..

by/e (//)/(()

mariodejaneiro
14.10.2011, 20:19
hey..hast du die beschreibung vom trail verein noch???
wäre super-.--
grüße mariodejaneiro;-)