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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [SE] Padjelantaleden (Text und Foto)



Keb
23.07.2003, 11:56
Land: Schweden
Region/Kontinent: Nordeuropa

Hab mal einige posts zusammengefügt, gruss ... Nam

Hallo!

Mittlerweile schon ein paar Tage zurück, bekomme ich es nun endlich auf die Reihe was zu schreiben.
Ich war Anfang Juli für 11 Tage auf Hüttentour im Padjelanta. Gegangen bin ich den Padjelantaleden von Kvikkjock nach Ritsem und hab so Schwein mit dem Wetter gehabt: Unterwegs nur zweimal etwas genieselt, nachts 2x etwas geregnet, ansonsten Sonne oder leicht bewölkt. Bis Staloluokta sehr wenig Leute unterwegs, danach mehr aber das Zimmer hatte ich immer noch für mich alleine. Und die Gegend ... einfach nur GEIL!! Teilweise hatte es noch Schneefelder auf dem Weg und vor allem oben auf der Hochebene hatte ich geniale Aussichten rüber nach Norwegen zu den schneebdeckten Bergen, und den Seen, und ... . Leider habe ich nur eine Herde Rentiere (etwa 100) gesehen, dafür aber bis auf 50m nah. Denn zu der Zeit war Rentiermarkierung und die Viecher abseits der Wege dafür zusammengetrieben.
Bis Tarraluopal war der Weg wegen vielen Steinen mühsam zu gehen, danach meist erdig flachgetreten. Und weil es auch fast den ganzen Juni so heiss war, gab es kaum mal eine Matschstelle. Und Waten?? Einige Flüsslein und Bäche waren ganz ausgetrocknet, bei anderen kam ich mit Steine balancieren übern den Fluss. Gerade 3x mussten die Hosen aus und die Sandalen an, aber auch dann ging das Wasser nicht über Wadenhöhe...
Fazit: Wunderschöne Tour, durch die meist kurzen (eine Etappe aber 24km) Etappen mit viel Zeit zum Geniessen und keine krass steilen oder langen Anstiege

Anja

Fotos gibts auf jeden Fall, die sind gerade zum Entwickeln. Bis die dann allerdings online sind, kann es dauern, denn ich ziehe gerade wiedermal um und fange meine Doktorarbeit an, wo ich auch erstmal sehen muss, wie das mit homepageplatz läuft...
Gelaufen bin ich alleine, aber ich habe ja schon vor 2 Jahren sowas in Nordschweden gemacht und konnte daher abschätzen was auf mich zu kam.
Geplant hatte ich, die Tour gemütlich zu gehen, also mit vielen Foto-, Mampf- und sonstwas Stops. So wollte ich Njunjes auslassen und dann jede Hütte nehmen (11-15km, 1x 18km, 1x 24km (würg)). Weil ich aber das mittags-Boot genommen habe und es sehr heiss war, bin ich schon in Njunjes geblieben und am nächsten Tag hatte ich auch keine Lust auf 19km bei 30C Hitze. Mit einem Ruhetag in Stalo (wo ich mich auf dem "Berg" hinter der Hütte rumgetrieben hab) waren das 11 Übernachtungen auf dem Leden (wobei Akka wirklich nciht sein musste, aber als Abschluss schön war).
Kosten: Flug Zürich-Arlanda 330Euro, Zug nach Murjek 465SEK (Studi), Bus nach Kvikkjokk 150SEK (etwa), Boot (nicht unbedingt nötig) 80SEK, Boot übern Akka 125SEk, Bus nach Gällivare 192SEK. 9SEK=1Euro.

Die Hütten waren bis auf Sammarlappa (aber auch nicht schlecht) in sehr gutem Zustand, wobei die Hütten im Nationalpark noch einen ganzen Tick schöner waren als die STF Hütten (Vorsaison, DJH STF 170SEK, Nationalpark 180SEK. Hauptsaisin 50SEK mehr)). Vor allem deren kleine 4er Hütten waren richtig schnucklig - und weil noch nicht soviel los war immer für mich alleine. Ok, das hiess auch, alleine Frischwasser holen und Dreckwasser wegbringen, dafür aber auch Schlafen ohne Ohrstöpsel :bg:

Viele Grüße
Anja

Hier kommt nun endlich der ausführliche Reisebericht, den habe ich folgendermaßen aufgeteilt:
1. Teil: Anreise - Kvikkjock - Sammarlappa
2. Teil: Sammarlappa - Staloluokta
3. Teil: Staloluokta - Ritsem - Gällivare

1.Juli Anreise leichter Regen

Morgens um 4 gehts los nach Zürich zum Flughafen. Das Flugzeug startet wegen mechanischer Probleme erst 1,5 Stunden später, aber so muß ich schon nicht so lange in Prag auf den Anschluß warten. Die Vorfreude beschert mir immer wieder feuchte Augen. Kurz nach 3 lande ich in Arlanda und nehme den Bus nach Uppsala, da es am Flughafen kein gescheites Brot zu kaufen gibt. Dort gehe ich einkaufen und finde mich auf Anhieb wieder zurecht. Alles ist noch so im Kopf von vor 2 Jahren. Nach einem recht üppigen Abendessen rolle ich zurück zum Bahnhof und warte auf den Zug. Und warte, und warte... Verdammt, macht Connex jetzt da weiter, wo Tagkompaniet aufgehört hat??? Mit fast einer Stunde Verspätung kommt endlich der Zug. Mann ist der voll! Im Liegewagen hatte ich ganz oben reserviert, da kann man sich reinhauen auch wenn die anderen noch sitzen. Das Abteil war voll mit einer Familie mit einem ganzen Haufen rumspringender Goofen – na toll. Noch außen aufm Gang bettelt mich der Vater an mit ihm zu tauschen, weil er im Nachbarabteil einen Platz hatte – na gut. Dort hatte ich leider das mittlere Bett, so daß ich mit Schlafen gehen warten mußte, bis alle schlafen gegangen sind, dabei war ich doch so müde... Zwei Schweden wollten auch den Padjelantaleden gehen, aber von Ritsem her, vielleicht treffe ich die wieder.

2.Juli (Murjek) Kvikkjokk-Njunjes 13km, 5h, sonnig bocke warm

In Murjek springt ein ganzer Haufen Leute aus dem Zug, alle wollen nach Kvikkjokk. Die Busfahrt dorthin zieht sich, denn der Busfahrer spielt gleichzeitig auch noch Postbote. Endlich angekommen, trennen sich die Wege, der Großteil zieht Richtung Fjällstation, ich gehe zum Bootsanleger. Leider geht das Boot erst später als erwartet. Mit 5 anderen Wanderern werde ich vom supernetten Bootsführer bei Bobäcken abgesetzt. Bis ich mich endlich ausgekruschtelt hatte, war es halb 3, die anderen aus dem Blick verschwunden und ich hatte einige Gäste bekommen, die mich die nächsten 4 Tage ganz schön plagen sollte. Die Mücken und Sch(m)eißfliegen wuselten nur so um mich rum und es war bockeheiß, so 30C im Schatten. Verdammt, ich bin nach Schweden gekommen um der Hitze zu entkommen. Ziemlich triefend mache ich mich auf den Weg, nach dem ersten großen Fluß zuzel ich kräftig an meinem Wasser. Und irgendwann ist der Sack leer. Mit trockenen Bächen und aufgesprungener Erde habe ich nicht gerechnet. Fehler 1 und draus gelernt: beim Losgehen nix trinken. Fehler 2: nicht an jeder Stelle auffüllen. Glücklicherweise hatte ich noch die 250ml Wasser aus dem Zug dabei, die hatte ich als eiserne Notration mitgenommen. Und jetzt verbrauch ich die schon nach 2h auf Tour. Schlückchenweise geleert, komme ich mit ziemlich trockenem Mund zur zweiten Brücke, wo ich dann erstmal fast 1L getrunken habe. Eine längere Pause verleiden mir die Mücken, nach einer Weile ausruhen und trinken gehe ich weiter. Nun gehts besser mit dem Laufen, aber die stechende Zunft ist widerwärtig. Die Mücken sind gar nicht so schlimm, die wedelt man sich halt vom Kopf weg, aber die dummen Schmeißfliegen wird man nicht los, egal wieviel man wedelt und schlägt. Einen Stich fange ich mir am Schuhrand ein, die Schwellung wird größer als ein 5DM-Stück – arghhhh. Ziemlich fertig komme ich in Njunjes an. Fehler 3: glaube Büchern (9km) und nicht der Karte (13km).
Der Weg verläuft fast durchgehend im Wald, erst bei den Njunjes Hütten kommt man auf eine Wiese, danach wird der Weg steinig und zieht sich bis zur Hütte. Die Hütte liegt auf einer leichten Anhöhe, Frischwasser kommt durch einen Schlauch zur Hütte. Zeltmöglichkeiten sind auf dem Weg relativ rar.

3.Juli Njunjes-Tarrekaise 6km, 4h, sonnig warm (25C)

Aus den Fehlern gelernt und erstmal soviel wie möglich getrunken, gehe ich um halb 11 los. Weil ich so lange mein Schlafkonto wieder ausgeglichen habe, gehe ich nicht wie geplant nach Sammarlappa, sondern lasse mir auf dem Weg zur Tarrekaisehütte viel Zeit. Schon wieder ist es mächtig warm, aber immerhin kann ich den recht steinigen Aufstieg (wie auch der ganze Weg heute sehr steinig und mühsam ist) ungestört angehen. Bei jedem Bach der noch Wasser führt, trinke ich wenigstens eine Tasse. Diese an den Hüftgurt geklippt muß ich dazu gar nicht den Rucksack abnehmen und ich komme auch länger mit dem Platypus 1L aus. Oben auf der Höhe ist es schön windig, nach einer Pause dort komme ich gegen halb 1 wieder zum Fluß runter. Dort habe ich wieder die altbekannte Begleitung. An einem Bach mache ich eine lange Pause und die letzten 3km bis zur Hütte sollten eigentlich flott von der Hand gehen. Da es nun aber richtig um mich rum wuselt, mag ich auf dem Rest vom Weg nicht mehr stehenbleiben – ständig sind die Viecher da, alles Schlagen hilft nichts und die Chemie (Autan und Djungelolja) läßt auch nach. Total genervt und recht k.o. komme ich in Tarrekaise an und bleibe dort. Beim Hüttenwirt gönne ich mir eine See-kalte Cola und falle erstmal ins Bett. Nach etwas ausruhen, gehe ich im See baden. Das Wasser ist zwar recht kalt, aber bei der Hitze grad angenehm. Das Abtrocknen allerdings nicht, denn es artet in ein Rumgehupfe und Rumgeschlage aus und so schnell wie möglich trete ich den Rückzug in die Hütte an. Wieder lege ich mich für eine Weile ins Bett, bis ein Paar mit Tee zu bereiten beginnt. Sie kommen aus Bremerhaven und sind schon fast am Ende ihrer Tour, sie kommen von Ritsem. Nach einem längerem Skatspiel, gehe ich mit einigen Tips und Eindrücken für meinen weiteren Weg ins Bett.
Abgesehen von der Anhöhe verläuft der Weg im Wald, auch hier sind Zeltmöglichkeiten rar. Die Hütte ist schön gelegen und eingerichtet.

4.Juli Tarrekaise-Sammarlappa 13km, 6h, sonnig warm (25C)

Sammarlappa bezieht seinen Namen von einem großen Stein, an dem man vorbeikommt, mit einer kleinen Höhle drin, denn auf Sami heißt „lappa“ soviel wie Mund und damit ist der Stein gemeint.
Etwas später als geplant, denn ich komme mal wieder nicht aus dem Bett, gehe ich um 7:40 los. Ein paar Mücken fliegen zwar, aber es ist richtig schön kühl. Viel schneller als erwartet kommt der Abzweiger nach Pieskehaure, kurz danach treffe ich Leute die mir mit „you’ve got lots of water in front of you“ schon gewaltig Respekt einflößen. Wie tief werden die folgenden Furten? Was mach ich wenn...? Bei dem aufgegabelten Flußlauf komme ich dann zu meiner ersten Furt auf dieser Tour, jedoch quere ich zunächst einige Geröllhäufen und ausgetrocknete Arme. Die „richtige“ Furt hatte dann so wenig Wasser, daß ich nur 10m zu durchqueren hatte und nur kurz stieg das Wasser über Knöchelhöhe auf Wadenhöhe. Aus dem folgendem Wiederanziehen mache ich gleich noch eine Pause und gehe gut gestärkt weiter. Etwa eine Stunde später komme ich an einen wunderschön gelegenen See (am „l“ von Padjelantaleden auf der BD10). Dort hats bestimmt Elche zur richtigen Tageszeit, in der Mittagshitze allerdings bestimmt nicht. Die Pause dort auf einem großen Stein ziehe ich bis der Schatten ausgeht. Die letzten 7km werde ich wieder übel geplagt und mit einmal Flasche füllen laufe ich bis kurz vor die Hütte. Dort halte ich es dann nicht mehr aus und mache noch am Ufer eine Minipause in dem bißchen Minischatten den ich finden kann. Allerdings halte ich es eingehüllt in den Poncho weil mich die Viecher wahnsinnig machen, nur solange aus bis meine Füße wieder halbwegs benutzbar werden. Wie bisher jeden Tag komme ich reichlich groggy in der Hütte an und pflege wieder, was mir die nächsten Tage zur Routine werden sollte: hinlegen, waschen, hinlegen, kochen, schlafen. Das Wasser im Fluß war deutlich kälter als im Tarraure und ich wasche nur schnell Schweiß und Chemie runter. Einen Teil vom Abend verbringe ich mit Geldzählen, denn ich hatte nicht mit der einen Übernachtung mehr gerechnet (den Zusatztag wollte ich eigentlich in Stalo verbringen), daß die Hütten im Nationalpark 10SEK mehr kosten und irgendwie hatte ich schon vor der Tour mehr Kronen ausgegeben als geplant. Um den Ruhetag zu retten mußte ich mir also etwas einfallen lassen. Leider hatte ich keine Kreditkarte, denn die STF Hütten nehmen auch diese. Im Nationalpark kann man in den Hütten wenn kein Hüttenwirt da ist, per Postgiro zahlen. Vielleicht geht das auch wenn der Wirt da ist? Das hat mich ziemlich belastet und ich entscheide, daß falls ich in Tarraluoppal nicht per Postgiro zahlen kann, die Tour abzubrechen, denn weil ich doch schon recht müde bin, brauche ich wohl schon irgendwo einen Ruhetag. Mal hoffen, daß das morgen klappt.
Größtenteils geht man durch lichten Wald und wenn es mehr geregnet hat, gibt es einige Watstellen (außer der einen kam ich überall mit Steineklettern trockenen Fußes rüber). Die Sammarlappahütte ist wirklich schön gelegen, allerdings doch schon etwas heruntergekommen. Über den Fluß in die jenseitige Pampa kann man hier mit Hilfe eines Bootes an einem Stahlseil gelangen.

5.Juli Sammarlappa-Tarraluoppal 15km, 8h, bewölkt und leichter Regen

Bereits um 7 gehe ich los und lasse die Mücken-verseuchte Hütte hinter mir, denn irgendwie sind die Mückennetze dort undicht. Nach etwas Chemie am Abend was alle Mücken im Raum tötet, sind am Morgen schon wieder zu viele drin. Ziemlich müde weil ich kaum geschlafen habe, erreiche ich die Nationalparksgrenze und mache dort Pause. Der Fluß dort bei der Brücke hat einen gewaltigen Abhang an seiner Außenseite ausgewaschen. Es gibt also doch noch Zeiten mit mehr Wasser als jetzt! Ab nun gehts durch Birkenwäldchen und Gestrüpp immer auf und ab und der Weg ist recht mühsam. Ein wenig spürt man nun schon von der großen Weite. Es wird immer windiger und kühler und zum ersten Mal muß ich Jacke und Mütze rauskramen. Aber es gibt immer noch Mücken, allerdings nicht mehr ganz so schlimm wie weiter unten. Etwa 5km vor den Hütten mache ich noch eine kurze Pause, danach geht es leichter, denn das Gelände ist nun offen und gut gehbar. Es fängt leicht an zu tröpfeln und ist recht kühl. Ich treffe zwei junge Leut, die mit demselben Bus nach Kvikkjokk gefahren und dann nach Stalo geflogen sind. Nach einem kurzen Schwatz gehe ich weiter und kurz vor der Hütte gibt es noch eine nasse Furt, denn bis dahin konnte ich wieder alle Bäche mit Schuhen queren. Nun probier ich etwas neues, denn ich ziehe eine Plastiktüte über die Schuhe. Eigentlich geht das wirklich gut und schnell, leider ist das Plastik recht leicht durchgestochen (vielleicht hilft da Tape auf der Unterseite?). Wenigstens habe ich nur etwa 1cm Wasser drin, so daß die Füße trocken bleiben. Bei den Hütten gibt es 6 Stück mit jeweils 6 Betten drin, da nur so wenig Leute unterwegs sind, habe ich ein ganzes Haus für mich allein. Die Hütten sind total schön eingerichtet, mit Gasofen und sogar Waschbecken, allerdings ohne fließend Wasser, auf dem Klo und im Waschraum. Allerdings gibt es nur nicht allzu warme Wolldecken, aber mit zwei Decken geht es. Recht bald kommt der Hüttenwirt vorbei und ich schaffe es, ihn zu überreden, daß ich ausnahmsweise per Postgiro bezahlen kann. Damit ist der Ruhetag und somit meine weitere Tour gerettet. Jetzt muß ich nur noch einen zweiten Wirt finden, so daß ich auch noch in Akka (was eigentlich nicht nötig ist) übernachten und mich an dem Bergmassiv satt sehen kann. Nachdem ich die Tage vorher immer gebadet habe, ist es mir hier zu kalt und zu weit zum Wasser runter, und ich wasche mich mit warmen Wasser und laß den Ofen auf voller Stufe laufen. Es wird immer windiger und eine Stunde nachdem ich ankam, fängt es richtig an zu regnen, 2h später kommt der Regen schon waagrecht und die Nacht durch regnet und windet es ziemlich. Ich war echt froh so früh losgegangen zu sein. Gespannt auf die nächsten beiden Tage, wo es auf die Hochebene geht, bin ich ziemlich sauer über das Wetter, gerade jetzt wo der erste Höhepunkt kommt, wieso nicht in dem blöden Tarradal mit den vielen verdammten Mücken, die es bei Regen und Wind bestimmt schwerer gehabt hätten???
Nachtrag zum 2.Juli: Fehler 3b: Glaube Schildern und nicht der Karte. Denn in Sammarlappa sind es auf dem Schild 13km bis Tarral., auf der Karte und in Tarral. (nach Sammarlappa) 15km...

6.Juli Tarraluoppal-Tuottar 11km, 4½h, bewölkt, später sonnig

Prima geschlafen werde ich von Sonnenstrahlen, die sich durch die dichte Wolkendecke quälen, geweckt. Um 10 gehe ich los, es ist ziemlich kalt und recht windig. Der Rucksack fühlt sich zum ersten Mal leichter an, allerdings hat es mir bisher nie abends in den Schultern gezogen, und das ganz ohne Vorbereitung. Ich hatte schon üble Bedenken, denn das letzte Mal hat es mir mit weniger Rucksackgewicht gezogen und das nach 4 Wochen Interrail quasi als Vorbereitung mit einem schwereren Rucksack. Mit Mütze und Handschuhen begleitet mich ein leichter Nieselregen die ersten 2h beim Aufstieg. Dieser ist angenehm zu gehen weil nie sehr steil. Danach geht es sich oben genial auf einem meist steinlosen Weg mit leichtem Auf und Ab. Es gibt nur noch sehr niedrigen Bewuchs und das einzige was hier noch fliegen kann hat Federn, nämlich Bergdohlen und noch anderes Federvieh, was ich nicht bestimmen kann. Die Landschaft ist umwerfend mit vielen Seen, eingerahmt von Felsen. Die einzige nasse Furt führt zwischen der Verbindung zweier Seen hindurch, sie ist zwar etwas länger, aber bei dem Wasserstand harmlos. Das Furten mit Hose-runterziehen und Sandalen-anziehen ist mittlerweile schon fast Routine, wo ich mir keinen Kopf mehr drum mache. Das Wetter wird nun immer besser, ich quere ein Schneefeld und kann mich an den ganzen Seen, Schneeflecken, Hügeln und Bergen kaum satt sehen. Einen halben Film verschieße ich hier oben. Da hat sich die Quälerei durch die mückenverseuchte grüne Hölle Tarradalen wirklich gelohnt. Immer wieder bleibe ich stehen und schaue mich um. Bei soviel Schönheit und Weite kommen mir fast die Tränen, die Augen sind auf jeden Fall feucht. Gegen Ende zieht es sich etwas, gerade rechtzeitig bevor Negativgefühle aufkommen, erreiche ich die Tuottarhütten. Diese sind superschön oberhalb eines Sees gelegen, zu dem man leider zum Wasserholen runtersteigen muß. Den Nachmittag über scheint fast immer die Sonne und ich erkundschafte schonmal per Fernglas meinen Weg für morgen. Wieder habe ich eine 4er Hütte für mich allein, was allerdings heißt, daß ich auch selber das Wasser holen muß. Leider ist der See so flach, daß sich der Eimer nicht füllt und ich noch mal zur Hütte hoch muß um einen Schöpflöffel für das Wasser zu holen. Arghh. Noch lange genieße ich die Aussicht auf den See.

7.Juli Tuottar-Staloluokta 19km, 8h, bewölkt, etwas Sonne

Um halb 8 komme ich los, in kurzer Hose und mit Sandalen – obwohl es kalt (5C) und windig ist. Denn ich hatte den Weg per Fernglas und Karte ausgekundschaftet, und wußte daher, daß mich auf dem ersten km gleich zwei Watstellen erwarten – beim Zufluß vom See und beim Ausfluß. Diesmal hab ich noch Neoprensocken angezogen, denn ich hab keine Lust, mir für einen km die richtigen Schuhe anzuziehen. Also komme ich, kaum daß ich von den Hütten zum See heruntergestiegen bin, zur ersten Watstelle. Diese ist zwar recht lang, aber eher flach, doch das Wasser ist ziemlich kalt. Auf dem Weiterweg habe ich ruckzuck warme Füße, doch dann komme ich an ein kleines Schneefeld bei dem mir Schnee zwischen Socken und Sandale gelangt. Jetzt gibts Eisfüße und ich bin froh über die zweite Watstelle, bei der mir das Wasser an den Füßen richtig warm vorkommt, doch die Waden werden hier ziemlich kalt. Endlich kann ich mich richtig anziehen und komme zügig voran. Den Kierkevare-Rücken immer auf der Seite sehe ich schon bald das Tagesziel, den Virihaure. Allerdings noch in weiter Ferne. An einem kleinen See mache ich Pause, irgend jemand hat dort eine Steinplatte als Rückenlehne gegen einen Stein gelehnt, was superbequem ist. Der Weiterweg ist sehr schön und ich schaue mich immer wieder in alle Richtungen um, die Ausblicke ändern sich immer wieder. Bei der Brücke mache ich Pause und denke, daß ich ja bald da bin, es sind ja nur noch 7km. Beim Weiterweg werd ich allerdings in dem sich anschließenden Gestrüpp wieder durch Fliegerangriffe genervt, so daß ich kaum mal stehenbleiben kann. Es gibt allerdings eh kaum Steine zum sich draufsetzen. Irgendwann sehe ich einen See und denke, ich bin schon am Luoppal, also fast da, aber es kommt noch ein See und noch einer... und dann sehe ich endlich Staloluokta und bin am Luoppal. Leider geht es jetzt noch mal bergauf und ganz um den Luoppal herum. Allerdings hat man einen geilen Blick über Stalo und den Virihaure von dort oben und auch der kleine See ist superschön gelegen, ich glaube, ich würde eher dort zelten als in Stalo. Endlich bei der Brücke mit ziemlich matschen Füßen angekommen, werde ich durch einen Wegweiser verwirrt, Zelte und Klo nach links. Da ich keine Lust hatte, erst zur Hütte hochzugehen und dann die Wanderung aufs Klo anzutreten, bin ich direkt gegangen. Nach etwa 1km kam dann das Klo, dort habe ich dann gerafft, daß dies das Klo für die Zelter ist – arghhh. Zurück über die Brücke und dann zur Hütte rauf gings dann recht mühsam und in der Hütte habe ich mir mal wieder gleich ein freies Zimmer gesucht und ein Bett zum Reinfallen. Nach knapp 2h kommt der Hüttenwirt rein und sagt, daß in der Nacht die Rentiere zusammengetrieben und markiert würden. Sofort bin ich Feuer und Flamme, denn bisher habe ich nichts Vierbeiniges gesehen. Allerdings ist das 11km Richtung Norwegen entfernt und ich bin doch etwas zu fußlahm für weitere 22km an diesem Tag. Eine ganze Weile ringe ich mit mir, dann gibt einsetzender Regen den Ausschlag dazubleiben. Kaum habe ich mich entschieden, scheint wieder die Sonne... Aus dem Samidorf sind viele geflogen und ich hätte mitfliegen können, doch leider hatte ich ja das Geldproblem. Wirklich verdammt schade. Die Sami sind die ganze Nacht oben gewesen und haben dort gezetteltet. Ich habe wunderbar gepennt. Selbst für eine Elchschau hab ich mich nicht mehr aufraffen können, denn am Luoppal soll sich fast jeden Abend ein Elch rumtreiben, den man von Stalo aus sehen kann.

8.Juli Stalo-Unna Dijdder-Stalo 10km, 5h, sonnig, später bewölkt

Ruhetag! Der Hüttenwirt rät mir zu einer See-seing-tour auf den Hügel (knapp 300Hm) hinter den Hütten. Also kraxel ich bei geilstem Wetter mit einem super Blick auf die schneebedeckten Berge jenseits vom Virihaure den Berg nauf und folge einzelnen Pfadspuren. Der Ausblick von dort oben ist wirklich gigantisch, leider kommen nach einiger Zeit Wolken. An drei kleinen Seen komme ich vorbei und mache immer wieder Fernglas- und Fotopause. Endlich klappt auch das Beweisfoto mit dem Selbstauslöser. Bis zu dem ersten drei kleineren Seen gehe ich auf dem Bergrücken entlang, dann schlage ich mich bergab quer durchs Gestrüpp auf den Weg nach Arasluokta. Mal sehen, wie lang ich morgen bis hierher mit Gepäck brauche. Die 4km zurück nach Stalo lasse ich mir viel Zeit und schaue mir dort noch die Kirchenkate an, die sich kaum von der in Saltoluokta unterscheidet. Meine letzten verfügbaren Kronen (das Geld für die weiteren Hütten, Boot und Bus hatte ich schon zur Seite gelegt) gebe ich in dem Shop bei der Kirche aus, der ganz nett viel Sachen hat. Endlich habe ich wieder Brausetabletten! Mit einem bißchen getrocknetem Rentierfleisch und einer Postkarte komme ich zurück. Diese schreibe ich auch gleich, denn es gibt einen Briefkasten, der zweimal in der Woche geleert wird und eine Karte mit Stempel von Stalo ist eine feine Sache. Am Abend gehe ich in die Sauna am See. So mit richtig Holzgeruch ist ganz ungewohnt, dafür kann man sich wieder riechen. Der See ist so aufgewärmt auch nicht so kalt. Den Abend verbummel ich im Bett. Leider regnet es spät abends, so daß ich mir wieder das Elch-watching am Luoppal verkneife.

9.Juli Staloluokta-Arasluokta 12km, 4½h, Regen, dann bewölkt, später sonnig

Das erste Stück vom Anstieg kenne ich ja schon von gestern, ziemlich überrascht bin ich allerdings wie schnell ich die bekannten km hinter mir habe. An einem steilen Bohlenstück mit Querlatten passe ich nicht auf und stolpere über diese. Nach dem Ausflug auf die Bretter bei dem mir aber nichts passiert, gehe ich nun vorsichtiger, denn es fängt auch noch an zu regnen und die Bretter könnten rutschig werden. Es windet auch ziemlich und ist daher recht kühl, so daß ich mir mal wieder meine Handschuhe anziehe. Der Anstieg ist wirklich gut zu gehen, denn zwischendurch ist es immer wieder flach und es geht nie sehr lange aufwärts. Ich erreiche ein Plateau mit vielen Seen. Hier ist es superschön, immer wieder kommt ein See und zelten tut es sich bestimmt toll hier. Allerdings hat man vom Weg aus kaum Sicht auf den Virihaure. Endlich hört der Regen auf und nach einem kurzen aber knackigen Aufstieg erreiche ich den höchsten Punkt. Eine geile Aussicht belohnt die Mühen. An so einem Ort muß man einfach Pause machen, sogar den Vastenjaure kann ich sehen. Ich schieße Panoramafotos mit 7 Bildern nebeneinander, hier sieht man, wie sehr der Virihaure von richtig geil hohen Bergen eingerahmt ist. Auch Arasluokta kann ich schon erkennen und freue mich, daß ich schon bald da bin... Mal wieder zieht sich der Weg, denn der Abstieg ist stellenweise ganz schön mühsam, weil man immer wieder über steinige Felsplatten runterklettern muß. Hier bin ich echt froh, daß es schon weitgehend abgetrocknet hat, denn diese wären mit Matsch drauf ne fette Rutschbahn gewesen. Kurz vor Arasluokta weist mir dann die Sonne den Weg und ich genieße vor einer 4er Hütte, die ich mal wieder allein für mich habe, die Sonne. Nach dem üblichem Nickerchen und Essen spiele ich mit zwei Mädels aus Mainz aus der Nachbarhütte Uno.

10.Juli Arasluokta-Laddejakka 13km, 6h, wolkig, dann sonnig

Mit gehörig Respekt vor dem heutigem Anstieg stehe ich recht früh auf. Nach dem Klogang mit Blick auf die wolkenverhangenen Berge entscheide ich mich für eine weitere Stunde im Bett. Um 10 gehts dann endlich los und der erste Anstieg bringt mich schon gut ins Schwitzen. Vielleicht sollte ich wirklich mal genauer auf die Karte schauen, denn eigentlich ist das schon ganz gut zu erkennen, ich aber dachte, daß es einfach nur flach um den Hügel rumgeht...naja. Oben von dem Hügel hat man eine geniale Sicht zurück auf den Virihaure und bis zu der großen Brücke geht es ganz nett dahin. Nach dieser gehts dann richtig hoch, daher mache ich noch eine Pause. An dem folgenden Anstieg, der eigentlich nur 300Hm sind, nibbel ich ganz schön ab und schleiche den Berg rauf. Nach fast 2h bin ich dann endlich an dem Punkt wo ein Trampelpfad vom eigentlichen Leden abgeht, dies ist dann auch der höchste Punkt. Wieder quere ich vorsichtig ein Schneefeld und mache dann die verdiente Pause. Nach einer ganzen Weile kann ich mich endlich wieder aufraffen. Jetzt geht es leicht abwärts und ich quere mehrere Matschstellen, Schneefelder und Bäche. Dank der Trockenheit ist dieser Wegabschnitt nicht allzu übel und ich kann mir das Schuhe-ausziehen sparen. Kurz nachdem ich einen Blick auf den Vastenjaure erhasche und über eine Kuppe komme nach der es nur noch bergab geht, höre ich ein Klimpern neben mir. Rentiere! Geil! Eine ganze Herde mit etwa 100 Viechern ist jenseits vom Fluß. Sofort setze ich mich auf den nächsten Stein und ziehe Foto und Fernglas. Total geil. Nachdem ich bis hierher schon nirgends Rentiere gesehen habe, habe ich nicht mehr damit gerechnet, da die Viecher abseits der Wanderwege zur Markierung zusammengetrieben werden. Die Tiere kommen immer näher, so bis auf 50m kommen sie heran, ich habe den Eindruck, daß sie genau da, wo ich bin, den Fluß queren wollten. Jetzt bemerken sie mich wohl doch, denn sie springen fort und queren den Fluß weiter oben. Wo sie nun außer Sicht sind, pack ich wieder zusamm und will losgehen, doch dann höre ich es wieder klimpern. Die ganze Herde springt auf einem Schneefeld rum, wo sie sich dann zur Abkühlung hinfläzen. Einfach nur schön. Der Abstieg weiter nach Laddejakk zieht sich noch etwas, um 4 bin ich dann endlich bei bestem Wetter da. Da es an der Hütte nur eine stehende Pfütze als Trinkwasser gibt, steige ich einen steilen Hügel quer durchs Gestrüpp runter zum Fluß zum dringend benötigtem Bad. Das Wasser kommt mir irgendwie verdammt eisig vor. Aber oben an der Hütte ist mir schon wieder warm. Von dort hat man eine schöne Sicht auf ein paar Berge vom Sarek und auf den Vastenjaure. Ziemlich früh gehe ich ins Bett, denn morgen wirds superheftig...

11.Juli Laddejakka-Kisuris 24km, 10h, sonnig warm

M O R D
Um viertel nach 5 falle ich aus dem Bett, weil es im Nachbarzimmer kruschtelt. Da mein Wecker aber sowieso 15min später klingeln würde, kann ich auch gleich aufstehen. Blauer Himmel und Sonnenschein erwarten mich beim Klogang und noch liegt der erste Anstieg im Schatten. Also beeile ich mich und gehe um halb 7 diesen an. Nordisch knackig direkt in der Falllinie geht es hinauf und daß ich nicht total schwitze, liegt daran, daß es ziemlich windet. Nach diesem kurzem wüstem Stück geht es nur noch leicht bergan, bis ich einen ausgedehnten Rentierzaun erreiche. Nach diesem komme ich an einen Fluß über dem noch Schnee liegt. Beim Queren ist mir gut unwohl, denn ich muß über einige kleinere Spalten und höre die ganze Zeit das Rauschen vom Fluß unter mir. Vorsichtig zügig taste ich mich zur anderen Seite. Kurz vor Ende bemerke ich ein paar Spuren die seitlich vom direkten Weg abgehen. Diesen folge ich und habe wieder Steine unter den Füßen. Ein Blick zurück zeigt mir, daß ich wirklich Schwein gehabt habe, daß ich den Spuren gefolgt bin, denn auf direktem Weg wäre ich wahrscheinlich durch die Eisschicht 1m runter auf die Steine gebrochen. Puuuuuuh! Anschließend geht sich der Weg total traumhaft und ich genieße die Aussicht in alle Richtungen. An der sehr langen Brücke über den Vuojatädno mache ich mit den Mainzern, die mich mittlerweile eingeholt haben, Pause und einige coole Fotos mit mir auf der Brücke. Die ist schon heftig lang. Um 12 gehts dann weiter und es wird immer wärmer. Mit ständigem Blick auf das Akkamassiv geht es nun auf einer Art Damm entlang. Dies ist ziemlich mühsam und nervig, denn kaum bin ich den steilen sandigen Aufstieg auf den Damm rauf, geht es schon wieder steil runter und bei jedem Anstieg tut mir die Wade so weh, daß ich nur mit quer aufgesetztem Fuß hochkomme. Jetzt wird auch das Gestrüpp wieder mehr und mit Luftangriffen ist wieder zu rechnen. Nun ist es schon richtig heiß und leider geht es ab der 3. Brücke zwar flach aber auch baumlos dahin. Etwa 3km vor Kisuris steige ich wieder auf einen Wall und suche jeden Schatten der Bäume. Und der Wall zieht sich.... zwar ist es auf diesem flach, aber ich kann nicht mehr, mag nicht mehr, die Füße tun weh. Immer wieder bleibe ich im Schatten stehen, brauche dann aber doch noch eine kleine Pause. Weiter schleppe ich mich, schaue nicht nach rechts und links und starre kurz vor mich auf den Boden. Wann kommt endlich die verdammte Hütte?? Nach einer mir so vorkommenden Ewigkeit sehe ich ein Zelt und denke, hurra, jetzt bin ich da! Doch es geht nochmal einen kleinen Abhang runter und die 10m Gegenansteig tun so richtig weg. Dann bin ich endlich da. An der Hütte kommen mir vor Erschöpfung die Tränen und im Zimmer werfe ich mich so wie ich bin auf den Boden, die Haxen hoch aufs Bett und heule eine ganze Weile. So kaputt, bzw. mit soviel „du mußt“ gelaufen, war ich noch nie. Anschließend gewaschen penne ich erstmal 2h, danach bin ich dann wieder unter den Lebenden. Und das Beste – ich kann wieder mit Postgiro bezahlen, d.h. ich kann mir noch eine Nacht in Akka leisten, muß morgen also nicht aufs Schiff rennen, sondern kann ganz relaxt den Weg um Akka-Massiv angehen. Geil! Abends bekomme ich von den Mainzern noch etwas geräucherten Fisch und Fladenbrot ab, doch ich esse nicht viel, obwohl es lecker ist, denn selbst von meiner Pastaria hab ich nur ein Drittel gegessen.

12.Juli Kisuris-Akka 13km, 5h, wolkig, etwas nieseln

Morgens schifft es ziemlich, so daß ich noch eine ganze Weile im Bett bleibe. Ich bin echt froh, daß ich nicht loslaufen muß um das Schiff zu kriegen. Gegen Mittag wird es besser und ich breche auf. Leider sind die Berge total wolkenverhangen und immer wieder nieselt es. Kurz nach den Brücken verlasse ich den Padjelanta, durchquere den Sarek und gehe dann im Stora Sjöfallet NP weiter – alles auf wenigen hundert Metern. Der Weg ist nun meist flach und nur selten liegen Steine auf diesem rum. Bei der Halbzeit-Brücke gibt es ein paar Bänke und Tische und ich mache Pause. Danach geht der Weg ähnlich weiter, mir ist langweilig. Nichts zu sehen, immer denselben Dreck vor den Füßen und dasselbe Gebüsch auf den Seiten. Bei Aussicht auf Akka Berg und See hat dieser Weg allerdings bestimmt seine Reize, doch mit Wolken ab 900Hm... Nach der letzten Brücke, dies ist nochmal eine cool heftige Hängebrück,e wird der Weg sehr steinig. Nach einer kleinen Weile obwohl es nicht mehr weit ist, erreiche ich die Akkahütte. Den Wasserschlauch mißbrauche ich als Dusche, jetzt kommt auch der Badeanzug, den ich für die restlichen Tage bis zum Heimflug mitgenommen habe, zum Einsatz, denn so ganz in Sichtweite der Hütte... Nach einem Uno-Spiel mit den Mainzern und ein bisschen Klamottenwaschen gehe ich mit der Aussicht auf lange Ausschlafen ins Bett, denn morgen will ich erst das Schiff um kurz vor 3 nehmen.

13.Juli Akka-Gällivare 2km in nullkommanix

Lange bleibe ich im Bett liegen, denn wozu soll ich auch aufstehen? Akka ist immer noch fett in den Wolken und packen kann ich auch später. Irgendwann schaff ich es dann doch das Bett zu verlassen und zwänge etwas Müsli in mich rein. Danach schwatze ich noch mit den Mainzern, denn die haben sich den geplanten Ausflug Richtung Akka-Gletscher bei der nicht-vorhandenen Aussicht verkniffen. Zum Schiff gehe ich recht früh los, sie begleiten mich noch und eigentlich wollte ich mir Zeit lassen. Doch nach etwa 20min bin ich schon da und nun sehe ich so richtig, was mit dem Akka los ist: Wo ist das ganze Wasser? Der Wasserspiegel liegt bestimmt 20m unter Normal – in dem kleinem Cafe Änonjalme erfahre ich den Grund. Der Staudamm bei Suorva mußte repariert werden, dazu wurde sehr viel Wasser abgelassen, jetzt hat der See schon wieder ziemlich Wasser. Ich fand ihn in diesem Zustand ziemlich deprimierend, mit so viel braunem Ufer. In dem Cafe bekomme ich nochmal geräucherten Saibling und Butterbrot ab, es schmeckt mir super. Die Bootsfahrt mit dem großen Schiff verläuft wegen der mangelnden Aussicht ziemlich unspektakulär. Mit dem Bus verlasse ich das Fjäll, nicht immer bleiben die Augen trocken und bei Kebnats erinnere ich mich an meine schöne Tour von vor 2 Jahren. Der sich anschließende Zivilisationsstreß in Gällivare mit Zimmer und Verkehrsverbindungen suchen, schlaucht mich ziemlich, auch die Fahrt nach Stockholm geht nicht reibungslos ab – aber egal. In Jokkmokk habe ich mal wieder das Fjäll- und Samimuseum besucht und das leckere Rentierfleisch gegessen.


FAZIT

Nach der Tour dachte ich aus zwei Gründen diese Tour nie wieder zu machen: wegen der grünen Hölle Tarradalen und wegen dem 24km Stück. Mit ein bisschen Abstand denke ich dasselbe für eine Hüttentour zum gleichen Zeitpunkt. Eine Zelttour (wo man die 24km verkürzen kann) jedoch oder eine Hüttentour über Kutjaure nach Vaisaluokta (was aus 24+15km 18+19km macht) zu einem späteren Zeitpunkt (wenn die Mücken schon der erste Frost gekillt hat), macht dies dann wirklich zu einer Traumtour. Praktisch kein Regen unterwegs, wenig Leute, super Aussichten und keine gesundheitlichen Probleme haben die Tour fast optimal gemacht und mit jedem km unter den Füßen wächst die Erfahrung und das Selbstvertrauen eine lange Tour alleine machen zu können. Jeder Tropfen Schweiß war es wert für das Erlebnis Tuottar-Hochebene und das Stück entlang von Virihaure und Vastenjaure. Und Tarradalen – Augen zu und durch!

Mittlerweile habe ich es endlich auf die Reihe bekommen, mal den Scanner anzuwerfen...

Auf dem Weg von Tarrekaise nach Saammarlappa:
http://img219.echo.cx/img219/9264/tarreksaammar3mc.jpg (http://www.imageshack.us)

Auf der Hochebende bei Tuottar:
http://img219.echo.cx/img219/8448/panoramatuottarklein6le.jpg (http://www.imageshack.us)

Trollblumen
http://img219.echo.cx/img219/2120/trollblumen8qs.jpg (http://www.imageshack.us)

Die Samikirche in Staloluokta:
http://img219.echo.cx/img219/6131/saltoluoktakirche2hg.jpg (http://www.imageshack.us)

Blick auf den See bei Staloluokta, hinten schon die norweg. Berge:

http://img219.echo.cx/img219/4797/panoramasaltoklein1dm.jpg (http://www.imageshack.us)

Unten die Hütten von Arasluokta
http://img219.echo.cx/img219/1395/arasluokta0fd.jpg (http://www.imageshack.us)

Findus
23.07.2003, 17:13
Wow, das hört sich ja richtig gut an. :o Gibts auch Fotos?

*hoff*,

Lisa

bubu
23.07.2003, 17:38
Das hört sich ja beinahe so an, als wärest du allein unterwegs gewesen. :D Respekt!

boehm22
23.07.2003, 19:49
Hi Anja,

das hört sich aber echt gut an.
Nun will ich aber noch mehr wissen:
Welche Tages-Etappen hattest Du? Also in/bei welchen Hütten hast Du übernachtet?
Wie viele Tage warst Du auf dem Leden unterwegs?
Wie hast Du die Anreise gemacht? Was hat die Anreise gekostet?

Viele neugierige Fragen, aber ich will auch auf den Padjelanta.

Erzähl doch noch mehr.

alfi
26.07.2003, 18:47
Hi Anja,

vielleicht kannst du mir noch schnell zwei Fragen beantworten - ich fahre nämlich morgen Nacht. Gibt es heuer wenig Mücken? Und nehmen die Schweden auch Euro (ich weiß, dass es Kreditkarten ... gibt, aber Euro wären einfacher)?

Ich hoffe, du schaust heute noch mal hier rein
Alfons

Keb
27.07.2003, 21:48
@ Alfi

Ob das noch reicht...?
In den Tälern mit viel Grünzeug hatte es schon einige Mücken gehabt, aber es waren jetzt keine Schwärme mit Tausenden Viechern... Trotzdem war es schon recht nervig, manche Pause luftdicht unterm Poncho verkrochen verbringen zu müssen. Beim Laufen hat Djungelolja und Auton gelangt.
Euro nehmen die in der Pampa mit Sicherheit nicht (nocht nicht - es steht eine Euro-einführungs-umfrage an). Wie das mit Stockholm ausschaut weiss ich nicht. STF hütten nehmen auch Kreditkarte (zumindest aufm Padjelantaleden).

Viel Spass, grüß die Elche
Anja

boehm22
06.03.2004, 22:38
Hi Anja,

ich bin begeistert. Vielen Dank für den schönen Reisebericht.

(wie gut, daß ich den Thread in dieses Forum geschoben hab - und somit Dich an den Bericht erinnern konnte :wink: )

Fjellwanderer
07.03.2004, 17:00
Hallo,


Danke für den Bericht.

Der Padjelanta ist meine zweite Heimat. Dort kenne fast jeden Stein.

Hast Du eine Webseite, wo der Bericht in Verbindung mit den Bildern zusehen ist?

Ansonnsten, wenn Du Vergleiche ziehen willst, hier meine Erfahrungen im Padjelanta, zwischen 1995 und 1999
http://www.wildnis-des-nordens.de/
Dort unter 68grad_nord.


Thomas

Fjaellraev
07.03.2004, 17:59
Hallo Anja
Danke für den genialen Bericht. Meine Tour in der Region führte vor 3 Jahren in der Gegenrichtung und ab Stalo habe ich die Kurve über Pieskehaure genommen. So war ich weniger im Tarradalen unterwegs, mich haben damals im Tal weniger die Mücken gestört, als der nach 10 Tagen fehlende Weitblick. Ich habe eine gemischte Hütten und Zelttour gemacht, das Wetter war nicht gerade überzeugend, so dass ich gerne in den Hütten geblieben bin...
Meine längste Tagesetappe gab es wohl auch auf der Tour: Vaimok-Njunjes 28km. Aber ich habe an dem Tag lieber noch die 6km drangehängt, statt am nächsten Morgen zu hetzen um das Boot in Bobäcken zu erreichen.
Übrigens das Boot braucht man meines Wissens wirklich, denn in Kvikkjokk gibt es keine Brücke über den Gamajahka, und der ist doch zu reissend zum furten.

Gruss
Henning

Keb
11.03.2004, 10:04
@ Fjellwanderer

Sobald ich die Bilder gescannt habe, suche ich mir irgendwo nen freien kostenlosen Platz im Web (hier am Lehrstuhl gibts leider keinen privaten Platz :cry: ). Kann sich nur noch um Wochen handeln :)

Anja