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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [ES] Inseldurchquerung La Gomeras 10.-19.02.08



Der Waldläufer
01.04.2008, 16:33
Art der Tour: Trekking

Name des Tracks: k.A.
Kontinent: Afrika
Land: Spanien
Gebiet: La Gomera (Kanarische Inseln)
Art des Tracks: Streckentrack
Länge in km: 81,5
durchschnittliche Dauer in Tagen: frei wählbar, ca. 4-7
Teilstücke möglich: Ja
Anforderung an
- Trittsicherheit: Niedrig
- Kondition: Mittel
- Orientierungsvermögen: Niedrig - Mittel
Übernachtungsmöglichkeiten: da sich auf der Insel nur wenige ebene Stellen finden ist Wildzelten nur eingeschränkt möglich, Hotels, Apartments
Nahrung unterwegs zu beschaffen: Ja
Wasserverfügbarkeit: Außerhalb der Orte nur ganz vereinzelte Wasserquellen
Reservierung nötig: bei Übernachtungen in Apartments o.ä. v.a. in der Hauptsaison dringend zu empfehlen
Charakter/Kurzbeschreibung/Bemerkungen: keine feste Trekking-Tour, sondern frei erstellt; abwechslungsreich; Schluchten, Berge, Täler und Nebelwald
Weitere Informationen/Reservierungsmöglichkeiten: Wikipedia

Der gesamte Track für Google Earth (http://www.die-waldlaeufer.de/download/367222609/Gesamt.zip)

Der Waldläufer
01.04.2008, 16:36
Prolog:

Wild, einsam, warm - bei diesen Schlagworten in einem Artikel der Zeitschrift Outdoor wurden wir hellhörig. Klingt doch sehr vielversprechend als Winterflucht. Nach einigen Internet-Recherchen bzgl. Klima und genereller Trekkingtauglichkeit wurde dann auch prompt der Flug gebucht. Die Tourenplanung führte ich zu großen Teilen mit Google Earth und der digitalen Kompass Karte „La Gomera" durch. Auch hier im Forum fand ich einige Erfahrungsberichte früherer Reisenden und bekam hilfreiche Antworten auf meine Fragen, die sich natürlich vorrangig um die Wasserbeschaffung vor Ort drehten.

Anreise (10.2.08)

Am Sonntag, 10.02.08, ist es dann endlich soweit: Nachdem wir, d.h. meine Frau Anne und ich, zuerst von München nach Teneriffa geflogen sind, fahren wir anschließend dort mit dem Bus vom Flughafen zum Hafen der Touristenhochburg Los Christianos, von wo aus wir schließlich mit der Fähre nach San Sebastian de la Gomera übersetzen.

Auf der Fähre, dem Garajonay-Express, wird mir dann auch gleich mal so richtig schlecht. Die Fähre verfügt lediglich über Innensitzplätze, von denen es durch die dreckigen Scheiben nicht mal möglich ist, nach draußen zu sehen. So schließe ich einfach meine Augen und verbringe die 45-minütige Überfahrt damit, zu hoffen, dass das Elend bald ein Ende haben wird.

Mit wackligen Beinen wanke ich nach unserer Ankunft um 19:15 Uhr in San Sebastian nach draußen auf das Hafengelände. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, beruhigt sich mein Magen auch ziemlich schnell wieder und wir schlendern zufrieden bei angenehm milden Temperaturen durch die Dunkelheit Richtung „Innenstadt". Dort checken wir im Hotel „Torre Del Conde" ein und gehen noch im Restaurant gegenüber einen Happen essen. Bei einer leckeren Paella fällt uns der Urlaubseinstieg sehr leicht. Im Hotel packe ich noch unsere Rucksäcke, während Anne bereits selig vor sich hin schlummert.

Der Waldläufer
01.04.2008, 16:37
Tag 1 (11.2.08)

Am nächsten Morgen machen wir uns zunächst auf die Suche nach einer Gaskartusche. Obwohl ich mir dieses Unterfangen recht schwer vorgestellt hatte, werden wir bereits beim ersten Geschäft in der Seitenstraße hinter unserem Hotel fündig. Da es in dem Geschäft sogar Ventilkartuschen gibt, müssen wir nicht einmal wie befürchtet auf die ungeliebten Stechkartuschen ausweichen.

Anschließend lassen wir uns mit dem Taxi zum Ortsrand von San Sebastian fahren, da wir beide keine Lust haben, über doofe Asphaltstraßen ohne jeglichen landschaftlichen Reiz laufen zu müssen, während uns ein stinkendes Auto nach dem anderen überholt. Wir steigen also in das Taxi des ausschließlich Spanisch sprechenden Taxifahrers ein, zeigen ihm auf der Karte das gewünschte Ziel und nennen den gewünschten Ortsteil. „La Gallarda“. Der Fahrer nickt freudig, gibt Gas … und fährt erstmal in die komplett gegengesetzte Richtung los. Auf meine eilige Intervention bleibt er überrascht am Wegrand stehen und nimmt die Karte nochmal genauer in Augenschein. Als ich mit dem Finger in die gewünschte Richtung deute, schien ihm ein Licht aufzugehen. „Similar!“ lachte er. Anscheinend gibt es in der anderen Richtung eine Ortschaft, die so ähnlich klingt wie „La Gallarda“. Nachdem alle Unklarheiten beseitigt sind, fahren wir ohne weitere Probleme, aber mit einer Menge spanischer Erzählungen, von denen wir kein Wort verstehen, jedoch immer freundlich nicken, zu unserem Etappenstart.

Wir verabschieden uns von dem freundlichen Taxifahrer, der uns noch eine gute Reise wünscht. Als wir alleine sind, atmen wir erst mal tief durch und genießen den Blick über San Sebastian und die umliegende Landschaft. Voller Vorfreude schultern wir die Rucksäcke. Endlich wieder auf Tour!

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Die Sonne scheint zwar, doch sind am Himmel bereits einige düster wirkende Regenwolken zu sehen. Der Anfang des gelb-weiß markierten Wanderwegs liegt direkt vor uns. Wir laufen los und folgen dem kleinen Weg, der uns sanft steigend nach Nord-Westen in Richtung der Cuevas Blancas, der weißen Höhlen, bringt. Die Landschaft um uns herum ist voller Kakteen, Agaven, Aloe Vera und Euphorbien. Auch vereinzelte Palmen säumen unseren Weg.

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Immer wieder gleitet unser Blick nach Nord-Osten, wo der Teide eindrucksvoll über Teneriffa thront.

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Doch auch die Blicke über die wilde und schroffe Landschaft Gomeras begeistern uns.

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Da die Steigungen nicht besonders steil verlaufen, empfinden wir den Weg als sehr angenehm, vor allem, weil am ersten Tag einer Tour der Rucksack noch am schwersten ist und die Glieder noch nicht so an das Laufen gewöhnt sind.

Nach 2 ¾ Stunden machen wir auf einem Plateau der „Punta de la Vaca“ gemütlich in der Sonne Rast. Die Regenwolken haben sich zum Glück inzwischen schon verzogen.

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Als wir weiterlaufen dauert es nur gute 20 Minuten, bis wir den Anfang des Stangenpfads erreichen, der von der Hauptroute nach Nord-Osten abzweigt. Es ist faszinierend, wie rapide sich das Landschaftsbild verändert hat. Gerade eben noch, auf der Süd-Ostseite des Hochplateaus „Montana Ismael“, durch halbwüstenartige Bereiche mit Trockenpflanzen laufen wir jetzt auf der Nord-Westseite durch einen Kiefernwald.

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Der Stangenpfad selbst ist mäßig ausgesetzt und stellt für einigermaßen erfahrende Berggeher kein Problem dar. Tief unten zu unserer Linken verläuft der wilde Barranco (Schlucht) de Majona.

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Als wir den zu unserer Rechten liegenden Kamm überschreiten, ändert sich das Landschaftsbild wieder schlagartig: der Kiefernwald verschwindet und macht einem leuchtenden Palmenhain Platz.

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Wir beginnen langsam, nach einem geeigneten Zeltplatz Ausschau zu halten. Erst kurz vor den Cuevas Blancas werden wir fündig. Auf einem Plateau mit fantastischer Aussicht auf die Schlucht, das Meer und Teneriffa mit dem Teide, der immer wieder unseren Blick anzieht.

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Nachdem das Zelt aufgebaut ist, machen wir noch ohne Gepäck einen Spaziergang zu den weißen Höhlen und den verfallenen Hütten. In der Dämmerung machen die verfallenen Häuser einen gespenstischen Eindruck auf uns.

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Außerdem treibt uns der Hunger zu unserem Zelt zurück, wo wir es uns bei einem Tütenessen gemütlich machen. Während wir gesättigt schon bald am Einschlafen sind, beginnt es zu regnen. „Soll es sich ruhig heute Nacht ausregnen, dann haben wir morgen wieder strahlenden Sonnenschein“ sage ich zu Anne und versinke sogleich im Land der Träume.

Der Waldläufer
01.04.2008, 16:53
Tag 2 (12.2.08):

Als ich am Morgen aufwache, höre ich immer noch das kontinuierliche und monotone Trommeln des Regens auf unserem Zelt. Bei einem Blick aus dem Zelt zeigt sich die ganze Umgebung wolkenverhangen, aber nichtsdestotrotz faszinierend und geheimnisvoll, was vor allem an den vereinzelten Sonnenstrahlen liegt, welche immer wieder die Wolkenschicht durchdringen.

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Ehrlich gesagt hatte ich mir das Wetter auf den kanarischen Inseln doch etwas sonniger erhofft. Aber im Reiseführer stand ja, dass man im Februar bis zu zehn Regentagen rechnen müsse. Wir werden 11 ganze Tage auf Gomera sein. Als alter Wetterpessimist ist mir sofort klar, wann diesen Februar die zehn Regentage sein werden.

Der Zeltabbau erfolgt noch im Regen, doch kurze Zeit später schiebt die Sonne die Wolken immer weiter zur Seite und soll uns für den Rest des Tages weiter begleiten.

Wir laufen den Stangenpfad zu der Stelle, an der wir gestern Richtung Cuevas Blancas von der Hautroute abgebogen sind und kehren auf diese Richtung Norden zurück.

Wir haben fast kein Wasser mehr und unser Plan ist, unseren Vorrat bei der kleinen Siedlung „Enchereda“ wieder aufzustocken. Von weiten schon sehen wir Bauarbeiter auf dem Flachdach eines Gebäudes. Als wir schließlich dort ankommen, dürfen wir unsere Flaschen an einem Wasserschlauch auffüllen.

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Der weitere Weg führt uns den ganzen Tag auf einem Fahrweg entlang. Nicht sehr abwechslungsreich, aber immerhin doch auch regelmäßig mit schönen Blicken in die darunter liegenden Schluchten.

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Nach zehn Kilometern Tagesstrecke erreichen wir den Raso De Juel, den ich als eine Möglichkeit für unseren heutigen Zeltplatz auserkoren hatte. Die zweite Möglichkeit, die etwas weiter nördlich liegenden Riscos De Juel, sehen aus der Ferne durch steinigen Untergrund und wenige ebene Flächen nicht sehr erfolgsversprechend aus. Daher beschließen wir, hier zu bleiben. Wir übersteigen einen kleinen Hügel, um zum dahinter liegenden, langen Grat zu gelangen, und finden dort einen traumhaften, mit mehreren Kiefern umringten Zeltplatz.

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Da wir bereits gegen 16:00 Uhr mit dem Lager fertig sind, können wir es uns den restlichen Nachmittag gemütlich machen. Die meiste Zeit verbringen wir damit, zu lesen oder die atemberaubenden Ausblicke von unserem Grat auf die daneben liegenden Barrancos, den Playa Molino, das Meer und Teneriffa zu genießen und auf Bild zu bannen.

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Nachts regnet es wieder.

Der Waldläufer
01.04.2008, 16:59
Tag 3 (13.2.08):

Nach dem Aufwachen nutzt Anne eine Regenpause, um Fotos vom Sonnenaufgang zu machen.

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Während unseres Frühstücks und des Zeltabbaus nieselt es, doch als "Entschädigung“ bekommen wir einen Regenbogen von selten gesehener Intensität zu bestaunen.

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Unser heutiger Weg führt uns in ständigem Bergab zum Playa de la Caleta, an dem wir die Nacht verbringen wollen, da laut unseres Reiseführers das Wildzelten toleriert werde. Immer wieder bleiben wir am Wegrand stehen, um uns an den Blicken hinab auf das blau-grüne Meerwasser, schwarze Lavasandstrände und Steilküsten mit weißer Gischt zu erfreuen.

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Nach gut sieben Kilometern tauchen vor uns die Casas Del Palmar auf. Obwohl die Türen und Fenster offen stehen und Schilder auf den Verkauf von Bananen hinweisen, ist keine Menschenseele zu sehen oder zu hören. In der Nähe verlassener Häuser herrscht oftmals eine unheimliche Atmosphäre. Da dies auch hier der Fall ist, wandern wir schnell weiter.

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Das Wetter scheint heute nicht nur alle Jahreszeiten in einem Tag vereinen zu wollen, sondern dies auch noch mehrmals hintereinander. Fast minütlich wechseln sich Sonne und Regen, Hitze und Kälte, Wind und Stille ab. Wenn die Sonne ungehindert zu uns durchscheint, wird es in der Regenjacke schnell zu heiß. Wir kommen mit dem An- und Ausziehen der Jacke fast nicht nach, müssen ständig auf Schwitzen oder Frieren reagieren.

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Einen weiteren guten Kilometer hinter den Casas Del Palmar erreichen wir einen Aussichtspunkt, an dem zum ersten Mal der Playa de la Caleta in Sicht kommt. Durch das viele Schwitzen freuen wir uns inzwischen schon riesig auf ein erfrischendes Bad im Meer.

Am Strand angekommen müssen wir feststellen, dass das Meer leider zum Baden zu unruhig ist. So lassen wir uns zuerst einmal auf der Terrasse des kleinen Restaurants "Macondo" nieder und bestellen einen riesigen, frischen Salatteller zum Mittagessen. Frische Lebensmittel sind geschmacklich einfach unvergleichlich und durch kein Tütenessen der Welt zu ersetzen, so praktisch dieses auch sein mag.

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Bei der Restaurantinhaberin handelt es sich um eine Deutsche, die vor ca. einem Jahr nach La Gomera ausgewandert ist, um sich dort ihren Traum vom Aussteigen zu erfüllen. An unseren Rucksäcken erkennt sie scheinbar unsere Pläne von der Übernachtung am Strand und warnt uns vor der lokalen Polizei, die entgegen der Angaben in unserem Reiseführer sehr wohl etwas gegen Übernachtungen am Strand einzuwenden hat. Vor einiger Zeit habe ein Wanderer, der mit seinem Zelt am Playa de la Caleta erwischt worden ist, 400 Euro Strafe zahlen müssen. Ich bin zwar etwas skeptisch, ob die Ratschläge wirklich so ganz uneigennützig sind, aber da wir uns den Strand viel ruhiger und nicht so gut besucht vorgestellt hatten, hatten wir vorher sowieso schon unsere Pläne von der Zeltübernachtung gecancelt und wollten stattdessen weiter nach Hermigua laufen.

Die Wirtin bietet uns netterweise noch an, dass sie unser Gepäck nach der Arbeit mit nach Hermigua nehmen könne. Wir nehmen den Vorschlag dankend an und laufen unbeschwert die 2,5 km und je 200 Höhenmeter im Auf- und Abstieg nach Hermigua.

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Die Pension „Casa Creative“, bei der wir uns zur Gepäckübergabe verabredet hatten, ist bereits voll. Da sich die Ortschaft Hermigua ca. 4 km durch das Tal zieht, haben wir keine Lust, bei jeder Pension einzeln nachzufragen, ob ein Zimmer für die Nacht frei wäre, nur um dann evtl. weitergeschickt zu werden.

Glücklicherweise findet sich in der Nähe der Casa Creativa ein Büro des „Ecotural“, in dem uns eine englischsprechende Angestellte übers Telefon ein Zimmer in der Appartementanlage „Los Telares“ vermittelt.

Pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit kommt die Wirtin des "Macondo" mit unserem Gepäck an der "Casa Creativa" an. Jetzt, da wir uns um die Zimmersuche und unser Gepäck keine Gedanken mehr zu machen brauchen, können wir gemeinsam mit ihr einen entspannten Abend in der "Casa Creativa" und der "Bar Piloto" verbringen, wo wir auch ein hervorragendes Abendessen zu uns nehmen. Später werden wir von ihr noch zu unserem Appartement gefahren und bekommen dabei noch eine umfangreiche nächtliche Stadtbesichtigung Hermiguas, welches sich zu unserem Erstaunen noch viel mehr als angenommen in dem Tal ausdehnt.

Unser Zimmer ist absolut sauber und macht einen ordentlichen Eindruck. Außerdem ist es mit knapp 35 Euro pro Nacht auch nicht zu teuer.

Für morgen ist ein Ruhetag vorgesehen, an dem geplant ist, zum Baden zu gehen.

Der Waldläufer
01.04.2008, 17:03
Tag 4 (14.02.08):

Tja, es ist eigentlich nicht wirklich überraschend, dass sich über das ganze Tal dunkle Regenwolken ausbreiten, aus denen es ununterbrochen wie aus Eimern gießt. Wir sitzen am Frühstückstische und schauen traurig auf unsere vorbereiteten Badesachen.

Nach kurzer Beratschlagung beschließen wir, uns ein Mietauto zu nehmen und zu dem nicht weit entfernten Informationszentrum des "Garajonay"-Nationalparks zu fahren.

Mit einem alten Opel, der mit 20 Euro äußerst günstig war, fahren wir von Hermigua über Agulo zum Besucherzentrum, an dem wir auf einige Touristenbusse treffen.

Das Zentrum ist nett gemacht, aber relativ klein und bietet wenige Informationen über die Entstehungsgeschichte der Insel sowie deren Flora und Fauna, die wir nicht schon aus unserem Reiseführer kannten.

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Wir schauen uns noch ein bißchen in dem angegliederten Museum um und fahren dann wieder zurück nach Hermigua.

Es ist inzwischen schon Nachmittag, als wir in Hermigua ankommen. Das Wetter hat ein wenig aufgeklart und so spazieren wir, nachdem wir unseren Mietwagen wieder abgegeben hatten, noch ein wenig durch das Städtchen. (wobei uns eh nichts anderes übrig geblieben wäre, da wir anders nicht von der Mietwagenfirma zu unserem Appartement gekommen wären)

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Abends bereiten wir uns einen kulinarischen Gaumenschmaus der Extraklasse zu: gefriergetrocknetes Chili Con Carne mit Rohkost.

Während des Essens fällt Anne auf, dass wir heute vor zwölf Jahren zusammengekommen sind.

Wir sehen uns an, dann auf das Essen. Einen kurzen Augenblick später brechen wir beide in schallendes Gelächter aus.

Eigentlich sollte ich ja jetzt ein schlechtes Gewissen habe, dass ich Anne nicht in ein schickes Restaurant mit Candle-Light-Dinner ausführe, wo wir uns bei sanfter Musik tief in die Augen schauen. Aber ich weiß, dass Anne das hier alles mindestens genauso toll findet. Unter anderem dafür liebe ich sie so sehr.

derMac
01.04.2008, 17:04
Da sich bisher noch keiner gemeldet hat, fang ich mal an: Sehr informativ, tolle Bilder! Weiter so. :D

Mac

Der Waldläufer
01.04.2008, 17:07
So, ich muss jetzt los.

Wer inzwischen weiter lesen möchte, kann dies auf meiner Homepage (www.die-waldlaeufer.de) unter "Trekking-Touren" tun.

Viele Grüße!

Nicki
01.04.2008, 17:08
Da hatten wir ja richtig Glück mit dem Wetter.
Zwei fragen:
Gab es bei den weisen Höhlen Wasser?
Habt ihr die die Cuevas Blankas umrundet- den Weg gefunden oder war das Wetter zu schlecht.

Gruß Folko

Der Waldläufer
01.04.2008, 17:26
Da hatten wir ja richtig Glück mit dem Wetter.
Zwei fragen:
Gab es bei den weisen Höhlen Wasser?
Habt ihr die die Cuevas Blankas umrundet- den Weg gefunden oder war das Wetter zu schlecht.

Gruß Folko

Hi Folko!

Wasser bei den weißen Höhlen haben wir nicht gefunden. Wir hatten aber genügend mitgenommen, so dass wir erst in Enchereda wieder auftanken mussten.

Nein, wir haben die Cuevas nicht umrundet. Hatte aber nur damit zu tun, dass wir keine Lust hatten. Wir hatten das Zelt schon aufgebaut und sind nur mit den Tevas zu den Höhlen gelaufen. Als wir den Weg gesehen haben, der wirklich durch Gestein führte, wollten wir da nix riskieren.

Dir auch nochmal ausdrücklich vielen Dank für Deine Tipps!

paddel
01.04.2008, 18:22
Sehr schöner Bericht und tolle Bilder. Besonders der letzte Abschnitt hat es mir angetan :D

Weiter, bitte.

Der Waldläufer
01.04.2008, 19:47
Tag 5 (15.02.08):

Heute steht die kürzeste, aber auch steilste Etappe auf dem Programm: der Weg von Hermigua zum Campingplatz "La Vista" in El Cedro. Gegenüber gestern Abend hat sich das Wetter wieder deutlich verschlechtert. Alles um uns herum ist nass und grau. Doch wir wollen heute auf jeden Fall weiterlaufen. Auf einen weiteren Tag in Hermigua, an dem wir untätig herumsitzen und auf bessere Zeiten warten, haben wir beide keine Lust.

Also werden die Rucksäcke gepackt, das Frühstück eingenommen und dann geht es auch schon los. Der Weg ist schnell gefunden und führt uns über steile Treppenstufen und Fahrwege aus Hermigua hinaus.

Nach einer guten halben Stunde verlassen wir die Asphaltstraße und wechseln auf einen kleinen Trampelpfad. Es macht uns beiden Spaß, wieder zu laufen, besonders da wir die letzten Häuser Hermiguas nun endgültig hinter uns gelassen haben und stattdessen in ein grünes Dickicht eingetaucht sind. Wir werfen einen Abschiedsblick zurück nach Hermigua, bevor wir uns an den Aufstieg machen.

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Nach wenigen Minuten kommen uns zwei deutsche Wanderer entgegen, die über den selben Weg auf einer Tagestour nach El Cedro waren und nun umgekehrt sind. Sie warnen uns vor dem Weitergehen, da weiter oben der Weg durch die Nässe auf den Steinen extrem glatt und äußerst gefährlich sei.

Wir haben jedoch eigentlich keine andere Wahl, als diesen Weg nach oben zu nehmen. Nässe ist vorrangig beim Bergabgehen ein Problem und da wir den Weg nicht wieder zurückgehen müssen, entschließen wir uns, es auf jeden Fall so weit zu versuchen, bis mind. einer von uns ein Weitergehen als zu gefährlich erachtet.

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Den höchsten Wasserfall La Gomeras, der von El Cedro in die Tiefe stürzt, können wir auf Grund des Regens fast gar nicht sehen.

Wir bringen die insgesamt 620 Höhenmeter des heutigen Tages trotz der widrigen Bodenverhältnisse recht schnell hinter uns. Auf Grund des unaufhörlichen Regens halten wir auch die Pausen und Fotounterbrechungen nur sehr kurz.

Durch geschickte Wegführung in langen Serpentinen ist der Aufstieg, der von unten fast unvorstellbar steil gewirkt hat, trotz der rutschigen Steine die meiste Zeit über recht angenehm zu bewältigen.

Stellenweise jedoch ist der Weg jedoch nur einen halben Meter breit und daneben geht es fast senkrecht abfallend nach unten. Ich bin in der Tat heilfroh, dass wir diesen Weg nicht nach unten gehen müssen. Ich kann die Entscheidung zum Umkehren der beiden anderen Wanderer, die auch über diese Route wieder absteigen hätten müssen, sehr gut nachvollziehen.

Nach insgesamt etwas weniger als drei Stunden erreichen wir den Campingplatz "La Vista".

Draußen ist es inzwischen richtig kalt geworden, was durch die Nässe und den kalten Wind nur verschlimmert wird. Umso gemütlich ist da der mit einem Feuerofen beheizte Aufenthaltsraum des Campingplatzes. Wir lassen in der Nähe des Feuers unsere Klamotten trocknen und gönnen uns erstmal ein leckeres Mittagessen. Den restlichen Nachmittag verbringen wir damit, mit den anderen Gästen zu plaudern und zu lesen. Viele Gäste sind eh nicht da, außer uns nur noch ein irischer Tageswanderer, ein Franzose und ein deutsches Pärchen, die mit Biwacksäcken über die Insel laufen.

Besonders viel Redezeit nimmt der Franzose in Anspruch, der vor einigen Jahren seinem bürgerlichen Leben den Rücken gekehrt hat und nun als Aussteiger durch die Welt tingelt. Wenn es nach ihm ginge, müsste jeder Mensch es ihm gleich tun, alles stehen und liegen lassen und in die Natur ziehen. Außerdem sollten Schulen abgeschafft werden, da dort eh nur kapitalistische Grundwerte vermittelt werden. Die wahrhaft wichtige Lebensweisheiten erfährt man jedoch nur durch Meditation in der Natur. Nach einiger Zeit verfliegt der Unterhaltungswert seiner unreflektierten Ausführungen rasant und der "Krieger des Lichts", der mit seinen Gedanken die Regenwolken beiseite schieben will, ist nur noch nervig.

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Als es Abend wird nutzen Anne und ich eine Pause des eiskalten Regens, um die Open-Air-Duschen auszuprobieren. Das warme Wasser tut richtig gut. Wir beeilen uns dennoch, um der kalten Luft zu entkommen und in unser Zelt und die kuschligen Schlafsäcke zu fliehen.

Dort lesen wir noch ein bißchen, bis wir wieder sehr früh einschlafen.

Der Waldläufer
01.04.2008, 19:51
Tag 6 (16.2.08):

Leider hat der Krieger des Lichts versagt, denn immer noch verdecken dicke Wolken die Sonne. Aber wenigstens ist es trocken. Wir freuen uns beide sehr, den Campingplatz verlassen und weiterziehen zu können.

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Nach einem Frühstück mit Tüten-Rührei (muss das nächste Mal nicht mehr mit) und Brot packen wir zusammen und laufen los in Richtung des Garajonay-Nationalparks.

Es ist wieder einmal ein überwältigendes Gefühl, als wir in den Regenwald eintauchen. Ich würde mich nicht als spirituellen Menschen bezeichnen, aber wenn ich durch einen Wald laufe, habe ich das Gefühl, alles mit schärferen Sinnen wahrzunehmen. Den Blick langsam durch das grüne Blätterdach wandern zu lassen, die reine Luft, die nach Leben und Vergänglichkeit zugleich riecht, einzuatmen, und den vereinzelten Geräuschen zu lauschen, welche die unseren zivilisationsgeprägten Ohren so unvertraute Stille durchbrechen, versetzt mich immer wieder in Andacht und respektvolles Staunen.

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Mal gemütlich und eben, mal anstrengend und steil windet sich der Weg durch den Nationalpark, während wir die für heute anstehenden 536 Höhenmeter hinter uns bringen.

Da es zwischenzeitlich immer wieder regnet, schlüpfen wir in unsere Funktionsjacken. Obwohl es kalt ist, schwitzen wir ob der hohen Luftfeuchtigkeit gehörig. Dampfdurchlässigkeit oder Atmungsaktivität hin oder her, bisher habe ich noch keine Jacke erlebt, die ich bei großer Anstrengung nicht hätte öffnen müssen.

Nach gut zwei Stunden gelangen wir zu einem Aussichtspunkt, der seinem Namen heute alles andere als Ehre macht, wo wir eine kurze Pause einlegen.

Und auch auf dem restlichen Weg bis zum höchsten Punkt unserer heutigen Etappe bleibt uns ein Blick über die Insel verwehrt.

Stattdessen starren wir auf eine undurchdringliche Wolkenwand.

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Die Überlegung, ob wir den Gipfel des Garajonay besteigen sollen, der bei schönem Wetter atemberaubende Blicke auf die Insel gewähren soll, dauert nur kurz. So lassen wir den Weg zum Gipfel am Parkplatz "Contadero" links liegen und laufen weiter unserem angepeilten Etappenziel entgegen.

Als wir nach ca. 7,5 km Weg durch den Nationalpark diesen wieder verlassen, sind wir ein bißchen enttäuscht. Dies wird dadruch verstärkt, dass statt Lorbeerbäumen, Heidegewächsen und riesigen Farnen nun verbrannte und umzäunte Parzellen den Weg säumen.

Ich hatte mir für unseren heutigen Zeltplatz grob die Gegend südlich des Stausees "Las Cabecitas" herausgesucht. Doch durch den Nebel, der die Sicht auf einen Radius von ca. 15 Metern beschränkt, ist es unmöglich, einen geeigneten Zeltplatz oder einen Weg am See vorbei auszumachen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als auf gut Glück weiterzulaufen, um zu sehen, ob sich in der Nähe des Weges ein geeigneter Zeltplatz auftut.

An der nächsten Abzweigung verlassen wir den Hauptweg und folgen einem kleinen Fußpfad, der uns durch mehrere Büsche hindurchführt. Wenige Minuten später werden wir fündig und schlagen unser Zelt auf einer ausreichend großen Fläche zwischen den Sträuchern Kein besonders toller Platz, aber besser als gar nichts.

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Die Nacht über scheint der Regen überhaupt nicht mehr aufzuhören.

Der Waldläufer
01.04.2008, 19:54
Tag 7 (17.2.08):

Leider hat es überhaupt nichts genützt, dass wir unser Essen am Vorabend komplett aufgegessen haben, denn auch heute liegt alles wieder im dichten Nebel.

Wir brechen für unsere Verhältnisse recht früh zu unserem nächsten Ziel "Vallehermoso" auf.

Nach einer guten halben Stunde erreichen wir die ersten Häuser des Örtchens "El Cercado", das am heutigen Sonntag wie ausgestorben wirkt. Trotzdem finden wir eine geöffnete Bar, in der wir etwas Wasser kaufen.

Anschließen steigen wir den Wanderpfad nach "Las Hayas" hinab. Der Nebel ist so dicht, dass es den Eindruck erweckt, der Weg wäre beidseitig von Wänden umgrenzt, doch in Wahrheit geht es zu unserer Linken steil in die Tiefe.

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Wenn zwischendurch mal für wenige Augenblicke die Nebelwand aufreisst, lässt sich erahnen, welch atemberaubende Ausblicke sich hier bei freier Sicht auftäten.

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Für den Weg nach Las Hayas lassen wir uns eine gute Stunde Zeit, denn auch diese Nebellandschaft übt eine gewisse Faszination auf uns aus.

Etwas mehr als einen halben Kilometer hinter dem Zentrum von "Las Hayas" überschreiten wir erneut die Grenze des Garajonay Nationalparks und wandern weiter bis zum Rastplatz "Las Creces".

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Da sich jetzt auch ab und zu die Sonne blicken lässt, lernen wir noch ein anderes, freundlicheres Gesicht des Waldes kennen. Wild und ungezämt bleibt er dennoch.

Knapp 2 km nach dem Rastplatz verlassen wir den Nationalpark und lassen seine letzten Bäume hinter uns. Schlagartig tauchen wir wieder in eine andere Welt ein: Statt Nebel und Wolken empfangen uns nun Sonne und ein strahlend blauer Himmel. Auch die Temperaturen gehen wieder merklich nach oben.

Weit unten im Tal können wir bereits Vallehermoso erkennen, das im Schatten des Roque Cano, einer 652 Meter hohen, sehr auffälligen Felsformation, liegt.

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Nicht nur das Wetter, sondern auch die Fauna ändert sich bei unserem Abstieg wieder, so dass statt Bäumen nun Kakteen bei unserem Einzug nach Vallehermoso Spalier stehen.

Da wir auf Grund unserer gemächlichen Tagesetappen gut in der Zeit liegen, machen wir noch einmal richtig schön lange auf einem Steinplateau Pause und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen.

Bei dieser tollen Aussicht auf das Tal, den Roque Carno und das dahinter liegende Meer könnten wir wirklich den ganzen Tag hier liegen bleiben.

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Doch es hilft alles nichts. Wir brauchen ja auch noch eine Unterkuft für die Nacht und so nehmen wir den letzten Abschnitt des heutigen Tages in Angriff.

Gegen 16:15 Uhr und nach insgesamt knapp 1000 Höhenmetern im Abstieg erreichen wir den Stadtkern von Vallehermoso. In der Pension/Bar "Amaya" ergattern wir das letzte Zimmer. Es ist zwar klein, aber sauber, und genügt unseren Ansprüchen allemal.

Nach einer erfrischenden Dusche sehen wir uns ein bißchen in dem kleinen Städtchen mit dem zentralen Plaza um, das wir beide als äußerst charmant und friedlich empfinden. Wir finden ein hervorragendes Restaurant, in dem wir den Abend bei frischem Fisch und knackigem Salat ausklingen lassen.

Der Waldläufer
01.04.2008, 20:24
Tag 8 (18.2.08):

Wir entschließen uns, einen weiteren Tag in dem sympathischen Städtchen zu bleiben. Das Wetter ist klasse und einem gemütlichen Tag am Strand steht nichts mehr entgegen.

Wir brauchen etwas über eine Stunde für den Weg vom Plaza zum Strand. Auch hier ist sofort ersichtlich, warum La Gomera im Gegensatz zu seiner Nachbarin Teneriffa keine Touristenhochburg für Badeurlaub ist: Es gibt kaum sandige Abschnitte, so dass man seine Handtücher auf großen Steinen ausbreiten muss, was natürlich bei zwei Wochen Urlaub mit täglichem Strandbesuch etwas ungemütlich sein kann.

Am Playa De Vallehermoso befindet sich auch das "Castillo Del Mar", ein wirklich beeindruckender Veranstaltungsort für Konzert und andere Kulturevents im Stil einer mittelalterlichen Meeresburg. Früher handelte es sich bei der Örtlichkeit um eine Bananenverladestation.

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Das Meer ist heute ungefährlich, so dass wir auch ein paar Runden schwimmen können. Nichtsdestotrotz herrscht relativ starker Wellengang und wir fühlen uns wie in dem größten Wellenbad der Welt. Macht tierischen Spaß!

Passend zu dem faulen Tag lassen wir uns von zwei netten deutschen Mädels zurück nach Vallehermoso mitnehmen.

Abends gehen wir wieder Essen und lauschen anschließen beim Einschlafen dem Konzert hunderter Frösche, die vor unserem Fenster um die Wette quaken.

Der Waldläufer
01.04.2008, 20:27
Tag 9 (19.2.08):

Wir haben heute 700 Höhenmeter vor uns und da es vorausichtlich wieder sehr heiß werden dürft, entschließen wir uns zu einem frühen Start. Es ist kurz nach acht Uhr, als wir die Bar "Amaya" verlassen, um zu unserem endgültigen Ziel Alojera aufzubrechen.

Der Weg führt uns in südwestlicher Richtung immer weiter den "Montana Blanca" hinauf. Die Landschaft, durch die wir laufen, ist wunderschön. Das Rotbraun der Erde, das Grün der Pflanzen und das Blau des Himmels ergeben eine Farbsymphonie, an der man sich nicht satt sehen kann.

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Dummerweise stellen wir auf dem Weg fest, dass sich in Annes Trinkschlauch kleine, schwarze Punkte gebildet haben, vermutlich Schimmel oder Algen, und so müssen wir sparsamer sein, als wir dies geplant hatten.

Trotz der hohen Temperaturen und des Ausfalls von Annes Trinkvorrat fällt uns der Aufstieg nicht schwer und nach 2 1/2 Stunden haben wir den Sattel über Epina erreicht.

Wir werfen einen letzten Blick auf den Roque Carno, bevor wir die Bergseite wechseln und nach Epina absteigen.

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Da wir gut vorangekommen sind und uns der Gedanke des nahenden Endes unserer Trekkingtour nicht behagt, entschließen wir uns, anstatt von Epina direkt in westliche Richtung nach Alojera zu laufen, den Umweg nach Norden über Tazo zu nehmen.

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Der Höhenweg von Epina über Tazo nach Alojera wurde im Rother-Wanderführer recht positiv beschrieben. Diese Einschätzung bestätigt sich uns nicht. Je weiter nördlich wir kommen, desto uninteressanter und eintöniger wird die Landschaft.

Außerdem leistet sich die Kompass-Karte hier einen groben Schnitzer. Laut der Karte müsste der Höhenweg, auf dem wir laufen, geradewegs in einem Bogen nach Tazo führen. Wir folgen also dem großen Wanderweg, doch werde ich immer stutziger, je mehr Tazo deutlich links von uns zu sehen ist. Da jedoch noch kein Wanderweg vorher nach links abgebogen ist, denke ich, dass der Bogen wohl etwas ausufernder zu laufen ist, als es die Karte verheißt. Als dann auch noch unser Wanderweg plötzlich in eine große Straße mündet, die laut Karte gute 500 Meter rechts von uns verlaufen sollte, wird mir klar, dass die Karte an dieser Stelle einfach hinten und vorne falsch ist.

Wir laufen also zurück bis zu einem kleinen Trampelpfad, der vom großen Wanderweg nach Westen führt und versuchen dort unser Glück. Insgesamt hat uns der Kartenfehler eine Stunde gekostet, was - zusammen mit der fast schon hässlichen Landschaft - für etwas Frust bei uns sorgt.

Zufrieden auf der einen Seite und stinkig auf Kompass auf der anderen Seite (der Ruf hat sich leider bewahrheitet) stellen wir fest, dass uns der Trampelpfad tatsächlich genau nach Tazo führt.

Auch hinter Tazo zieht sich der Weg scheinbar endlos durch öde Landschaft bis nach Alojera. Diese Strecke würde ich echt keinem empfehlen.

Um 17:00 Uhr kommen wir endlich in Alojera an.

Zufällig treffen wir auf der Straße den Vermieter unseres Apartments. Eigentlich hatten wir ein Apartment direkt am Strand reserviert, doch der Vermieter erklärt uns auf spanisch, dass er es dummerweise zwei Mal belegt hat. Er bietet uns stattdessen ein Ferienhaus zum gleichen Preis an, das jedoch etwas außerhalb von Alojera liegt.

Anne ist zunächst etwas enttäuscht, da sie sich sehr auf den Strand und die Nähe zum Meer gefreut hatte, doch als wir das Haus sehen, sind wir beide begeistert.

Ein nettes gemütliches Steinhäuschen mit tollem Ausblick auf das Meer und Alojera. Es ist zwar 1,3 km Luftlinie vom Meer entfernt, doch spricht uns das Haus, seine abgeschiedene Lage und die Aussicht sehr an.

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Wir kaufen in einem Mini-Supermarkt noch ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage ein und fallen anschließend totmüde in unsere Betten.

Der Waldläufer
01.04.2008, 20:29
Epilog: Tage 10 - 13 (20.-23.2.08):

Man mag es kaum glauben, aber die nächsten Tage sollte es nicht ein einziges Mal richtig schönes Wetter haben.

Anstatt also wie geplant jeden Tag faul in der Sonne zu liegen, verbringen wir viel Zeit mit Lesen in der Casa Sola.

An einem Tag besuchen uns Martin (von www.outdoorfair.de) und sein Bekannter Klaus und wir versuchen, ein Video über das Wechsel Forum 42 zu drehen, was aber aufgrund des anhaltenden Regens sprichwörtlich ins Wasser fällt. (Es ist ja nicht so, dass wir es nicht versucht hätten. Evtl. werden wir noch ein paar Bilder zum "Making Of" veröffentlichen, denn diese Aktion hatte schon wirklich was surreales!)

Am vorletzten Tag unseres Aufenthalts fahren wir mit unserem Mietauto ins Valle Gran Rey und nehmen an einer Whale-/Dolphin-Watching-Tour teil. Einen Wal bekommen wir zwar nicht zu sehen, aber die Fleckendelphine, die unser Boot mehrere Minuten lang begleiten und auf den Bugwellen unseres Bootes reiten, sind ein absolut packendes und ergreifendes Erlebnis.

So oft ich auch mit dem Wetter auf unseren Reisen hadere (undankbarer Bengel, ich weiß), so viel Glück haben wir jedoch auch immer mit unseren Tierbegegnungen. Es ist fast ein bisschen unheimlich, denn keine drei Minuten bevor die Delphine zu unserem Boot kommen, stehen Anne und ich noch auf dem Aussichtsdeck, bis ich zu Anne meine, ob wir nicht mal zum Bug gehen und dort schauen wollen.

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Abends schauen wir uns gemeinsam mit Martin und Klaus noch ein bisschen Valle Gran Rey an, das uns jedoch insgesamt viel zu voll ist. In einem feinen Restaurant bei leckerem Essen verbringen wir noch gemeinsam einen gemütlichen und lustigen Abend, bevor sich dann unsere Wege wieder trennen.

An unserem letzten Tag - wie sollte es anders sein - kommt die Sonne raus und kein Wölkchen zeigt sich am Himmel. Für ein paar Stunden bekommen wir noch einmal zu sehen, wie schön La Gomera im Sonnenlich ist. Kaum zu glauben, dass auch dieser Urlaub schon wieder vorbei ist.

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Auf der Fahrt mit dem Mietauto zurück nach San Sebastian bietet sich uns auch noch einmal ein unvergessliches Bild des Teide auf Teneriffa, dessen schneebedecktes Haupt in der Sonne glitzert.

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paddel
02.04.2008, 07:35
Muß hier gerade nochmal mein Lob aussprechen. Finde das ist wirklich ein klasse Bericht, toll geschrieben, mit sehr schönen Bildern. :D

Das läßt doch tatsächlich die Frage aufkommen, ob man sich nicht auch mal südlicheren Gefilden zuwenden sollte???

Gruß
Regina

dooley242
05.04.2008, 16:47
Ist wirklich ein schöner Bericht, auch wenn es mich sonst eher nach Skandinavien zieht.
Aber die Bilder machen schon Lust auf mehr.

SwissFlint
05.04.2008, 18:21
Sehr schöner, informativer Bericht. Das befreit mich doch gleich wieder von einem Reiseziel *smile... da muss ich persönlich nämlich jetzt gar nie hin... diese Insel wäre absolut nix für mich...