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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [NO] Skitour in Vassbotndalen (Finnmark)



bv
27.01.2008, 15:51
Land: Norwegen
Reisezeit: Januar
Region/Kontinent: Nordeuropa

Hallo,
winterliche Gruesse aus Norwegen.

Kati, die Hunde und ich waren die letzten drei Tage auf Skitour. Alles verlief anders als geplant.Trotzdem hatten wir eine super "kjempefin" Tour. Die Tage werden merklich låenger (9h-15.30h), obwohl die Sonne bei uns immer noch nicht angekommen ist. Die ruht sich gerade in Kautekeino aus. Ich stelle jetzt erstmal den ersten Teil des Berichtes und die Bilder rein. Weitere Infos unter http://www.friluftsliv.de


Endlich war es soweit. Die erste "längere" Skitour des Jahres stand vor der Tür. Gemeinsam mit Kati und unseren Hunden wollte ich von Talvik nach Langfjordbotn gehen. Gestartet werden sollte im Vassbotndalen. Von dort aus weiter über das Tverrfjellet bis ins Bognelvdalen (bei Langfjordbotn)oder wenn noch genügend Zeit ist, direkt über die Berge zurück nach Hause. Für die rund 40 km hatten wir drei Tage Zeit.

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Los gehts

Da es jetzt Ende Januar noch sehr früh in der "Saison" ist, sind die Scooterloipen noch nicht markiert und so muss mann sich halt seine eigene Wege suchen. Die letzten Tage hatten wir einen relativ starken Westwind in der Region, jedoch sagte der Wetterbericht für die nächsten Tage Wetterbesserung voraus. Gesagt getan. Am Donnerstag Mittag waren wir mit gepackten Pulken in Talvik startbereit.

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Soviel Zeit muss sein: Ersteinmal die Aussicht genießen

Unseren Plan nach wollten wir auf dem gefrorenen Vassbotnelva dem Tal folgen und somit allmählich auf die Hochebene gelangen. Nach einem Gespräch mit einem Skiläufer aus dem Dorf wurde dieser jedoch verworfen, da das Eis teilweise nicht tragfähig sein soll. Er riet uns stattdessen, dem Tal gute 8 Kilometer zu folgen und dann auf der südlichen Seite über einen steilen Hang die restlichen 250 Höhenmeter zur Hochebene zu meistern.

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Der Hochebene entgegen

Dankbar für den Rat machten wir uns auf den Weg. Einen Forstweg folgent fuhren wir die ersten 6 Kilometer ins Tal. Wir kamen auf der glatten Piste gut voran. Die Hunde hatten keine Probleme mit den ca. 25 Kilo schweren Pulken und wir glitten nur so dahin. .....

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Eyk ist schon oben

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Áksoalggecohkka

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Alle da

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Blick Richtung Altafjord

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Abends gabs dann Nordlicht satt


So, dass wars erstmal!

Hilsen!
Ben

Coenig
27.01.2008, 16:25
Nach +3°C und Regen im Oberharz fällt mein Neid auf Dich noch größer aus als gewöhnlich. Tolle Winterbilder, vor allem die Norddlichtphotos...

Jaerven
27.01.2008, 18:33
Hallo Ben,
schöne Bilder... Du wirst auch immer mehr zum Norrländer wie es aussieht ;-)

Peter

Susanne
28.01.2008, 07:55
Hei Ben,

tolle Bilder. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Im Bognelvdalen war ich mal auf superkurzer Sommertour zum "Bubbelen". Super Gegend dort oben.

Gruß Susanne

Lotta
28.01.2008, 16:30
Sehr sehr schöne Bilder! Besonders gefällt mir die Symbiose Mensch-Hund, kommt auf den Fotos klasse raus. Ein blonder Hovawart und ein Deutsch Draathaar?

Die Hunde hatten keine Probleme mit den ca. 25 Kilo schweren PulkenBeide ziehen gleich viel Gewicht? Haben die beiden schnell Schneeklumpen im Fell/an den Pfoten?

lg Lotta + Labrador Finja

MrLast
28.01.2008, 21:01
Superneid!
War ein Jahr in Alta und weiß daher genau, von was Du sprichst.
War jetzt drei Wochen oben, hab aber nicht so viel draußen gemacht.
Liegt bei Euch immer noch so wenig Schnee, wie Anfang Januar?

Lieben Gruß,
Severin

bv
29.01.2008, 11:02
Hei, hei,
Erst mal danke fuer die feedbacks!

@Peter
Hallo, schøn mal wieder was von dir zu høren!:p

@Lotte
Jo, du hast recht. Ein Hovawart und ein DD. Eyk (Hovawart) zieht wie ein Ochse. Seine Pulka war ca 30kg schwer und das ist unter guten Schneeverhaeltnissen absolut kein Problem. Manchmal trainieren wir ihn mit im Huskygespann und da geht er voll ab. Natuerlich nicht so ausdauernt, aber die ersten 15 -20 km ist er gleichwertig. Anouks Pulka war ca. 23kg. schwer. Natuerlich kann man beide Hunde nicht mit nem Schlittenhund vergleichen. Ihnen fehlt dann in letzter Instanz doch ein ausgepraegter "Will to Go"". Nicht destotrotz sind beide hervorragente Tourenbegleiter. Ach so, Eyk haben wir einfach die Haare an den Pfoten abgeschnitten. Nun hat er nicht mehr so haeufig Klumpen an den Pfoten.
Mit den Hunden auf Tour zu sein bereichtert das "Outdoorleben" ungemein. Im Fruehjahr werden noch zwei Alaskans dazustossen.

@Severin
Nun schneit es endlich seit Tagen. Bei uns sind nun 40cm Neuschnee dazu gekommen. Zeit wirds ja. Was hast du in Alta gemacht? Uns gefaellts ihr so gut, dass wir noch ein Jahr verlaengert haben und wohl erst im Sommer 2009 zurueckkommen.


Gruss!
Ben

Onyx
29.01.2008, 11:30
Da keimt der Neid. Schöne Bilder, und eine tolle Landschaft. :D

Lotta
29.01.2008, 22:44
Respekt, da hast du ja zwei richtige Powerpakete ;-) und bald sogar ne richtige Rasselbande...

lg Lotta

Marty
30.01.2008, 01:52
ohhh das klingt klasse und sieht super aus...spitzen Fotos.

Ich werd grün vor Neid - würde mein Labbi-Mix auch gern bissl was ziehen lassen...aber bei den "Schnee"verhältnissen.:grrr:

Luki
30.01.2008, 14:06
Bittttttte mehr Bilder ;-)

Luki

bv
01.02.2008, 16:06
Hei,

so nun gehts weiter...

...Die Hunde hatten keine Probleme mit den ca. 25 Kilo schweren Pulken und wir glitten nur so dahin. Nach gut einer Stunde gemütlichen Skilaufens erreichten wir das Ende des Forstweges. Inzwischen hatte der Wind zugenommen. Schneefahnen wirbelten über den Boden und kleine Eiskristalle zwickten im Gesicht. Wir verließen den Weg und hielten Kurs gen Westen. Das Vorwärtskommen war gar nicht so einfach. Der von den Bergen verblasene Schnee sammelte sich im Tal zu einer 30cm hohen Pulverschneedecke. Zusätzlich erschwerten die engstehenden Birken das Vorwärtskommen. Die Hunde, die bis jetzt bravourös gezogen hatten, mussten sich umso mehr ins Zeug legen. Nach einer halben Stunde erreichten wir endlich den Abzweig zum Plateau, der nach Aussage des Einheimischen der beste Weg (auch mit Hund und Pulka) sein sollte. Jetzt gegen 14 Uhr setzte die Dämmerung ein und es wurde merklich dunkler.

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Lagerplatz

Nun Ende Januar ist die Mørketid bzw. Polarnacht "offiziell“ zu Ende, jedoch hat man trotzdem nur ca.5 Stunden Tageslicht zur Verfügung. Dafür zeigt sich der Himmel in den schönsten Farben. Der Aufstieg hatte es in sich. Mit den Skiern auf den Rücken und einer Hand an der Pulka stapften wir den Hügel hinauf. Immer wieder sanken wir knietief in dem Neuschnee ein. Wir versuchten Eyk und Anouk so gut wie möglich zu unterstützen. Mit der ganzen Ausrüstung und dem losen Schnee hatte so ein auf der Karte vermeintlich kleiner Anstieg es wirklich in sich. Nach gut einer Stunde und 200 Höhenmetern beschlossen wir für heute Schluss zu machen und das Lager einzurichten. Die restlichen Höhenmeter würden wir am nächsten Morgen meistern. Einen guten Lagerplatz zu finden war nicht schwer und nach einer Stunde lagen wir gemütlich in unseren Schlafsäcken und bereiteten uns einen wohlschmeckenden "Jegergryte" aus Hackfleisch und Kohlrabimus zu. Bei minus 10 Grad Außentemperatur war es gar nicht so kalt draußen. Langsam flaute auch der Wind ab. Nur ab und zu rüttelte es noch an der Zeltwand.

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Die Kueche

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Abends im Zelt

Am nächsten Morgen war früh aufstehen angesagt. Wir wollten früh los um das Tageslicht zu nutzen. Gegen 6 Uhr feuerte ich den Primus an um Schnee für das Frühstück und den Tee zu schmelzen. Aber wie das nun mal so ist mit den guten Vorsätzen, vor um 9 Uhr waren wir nicht startklar. Das Wetter war heute wunderbar. Wenig Wind, -10 Grand und die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zeigten sich an den Berggipfeln. Über Nacht hatte sich die lose Pulverschneedecke zu feinstem Bruchharsch verwandelt. Das machte das Vorwärtskommen nicht leichter. Die Hunde hatten erst einmal Pause. Sie sollten sich nicht zu stark verausgaben, und so zogen Kati und ich die Pulken die letzten 50 Höhenmeter Richtung Plateau hinauf.

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Und weiter gehts

Schweißgebadet kamen wir oben an und konnten unseren Augen nicht trauen: "Ingen snø"!!!! Kein Schnee hier oben. Der Wind der letzten Tage hatte den wenigen Schnee auf der Hochebene, wir haben zur Zeit einen sehr milden Winter hier oben, komplett weggeblasen. Ein Blick über den kommenden Streckenverlauf ließ auf den nächsten 10km nur einige Schneefelder zwischen großen Geröllfeldern erahnen. Dass der Wind so heftig sein würde hatten nicht mal die Norweger gedacht. Wie zum Hohn grüßten die schneebedeckten Gipfel der Langfjordbotnregion (hier liegt immer Schnee) aus der Ferne. Uns war beiden klar, dass wir die Strecke unter diesen Bedingungen nicht in den verbleibenden zwei Tagen schaffen würden. Außerdem wollten wir Sonnabend nicht zu spät zu Hause sein, da Marianne zum Femundsløpet aufbricht und noch etwas Hilfe mit den Huskies bräuchte. Nichtsdestotrotz. Wie sagt man: Der Weg ist das Ziel. Wir konnten uns glücklich schätzen hier draußen unterwegs zu sein. So beschlossen wir uns einen schönen Lagerplatz zu suchen, eine kleine Tour auf einen Berg in der Umgebung zu machen und am nächsten Tag zurück nach Talvik zu gehen.

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Auch, wenn die Tour anders verlaufen ist als geplant, hatten wir sehr schöne drei Tage. Eine wunderbare Natur, Nordlichter, Zelten, Skifahren!! Was will man mehr. Außerdem ist ja im Februar noch eine 14tägige Tour geplant. Und während ich das hier schrieb hat es einen guten halben Meter Neuschnee gegeben.

Viele Gruesse aus dem winterlichen Langfjordbotn.

Ben