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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [IT] Via Dei Monti Lariani



Der Waldläufer
29.11.2007, 15:49
Land: Italien
Reisezeit: 1.-4.10.2007
Region/Kontinent: Südeuropa
Sonntag, 30.September 2007 (Prolog):

Mit sorgenvollem Blick blicken Anne und ich durch Nebelschwaden hinauf zu den weißen Gipfeln der Berge, die das Val Bedretto (Schweiz) umgeben. Und auch ein Anruf beim Hüttenwirt der Capanna Cristallina bestätigt unsere Befürchtungen: Auf Höhen über 1500 Metern liegt ca. 50 cm Schnee, der die Wege ohne Schneeschuhe unbegehbar macht. Man kann es drehen und wenden wie man möchte, diesen Fehler haben wir uns selbst anzukreiden. So früh hatten wir einfach noch nicht mit Schnee gerechnet. Auch wenn viele Wanderer sogar später im Jahr noch schneefreie Wege hatten, beweist das ein Mal mehr, dass das Wetter keine Konstante ist, mit der man planen kann.

Uns bleibt nichts anderes übrig, als ein alternatives Ziel für unsere geplante Trekkingtour zu suchen. Zum Glück hatte ich kurz vor Abfahrt, als wir schon fast zu Türe draußen waren, einem Bauchgefühl folgend noch den „Walking in Italy“-Reiseführer von Lonely Planet eingepackt. Nur für den Fall der Fälle… Doch mehrtägige Zelttouren sind in den meisten europäischen Ländern nicht so einfach zu finden. Überall werden längere Touren nur mit Hütten- oder Pensionsunterkünften angeboten. Über die Möglichkeit von Zeltübernachtungen wird oftmals kein Wort verloren. Am großen Outdoor-Trend möchten halt so viele wie möglich verdienen.

Beim Durchblättern des Wanderführers stoße ich auf den Via Dei Monti Lariani, ein 125 km langer Wanderweg am westlichen Ufer des Comer Sees. Der Weg folgt zwischen 800 und 1000 Höhenmetern Pfaden, Fahrwegen sowie manchmal auch kleineren Straßen und dient als Verbindung kleiner Bergdörfer. Viele der Dörfer sind heutzutage verlassen, doch dienen ihre Almen auch heute noch in den Sommermonaten den Bauern der Küstendörfer für ihre Viehhaltung.

Wir beschließen, den Weg auszuprobieren und planen, am nächsten Tag nach Menaggio ins Tourismusbüro zu fahren, um Kartenmaterial und Infobroschüren über den Weg zu besorgen.


Montag, 1.Oktober 2007:

Da das Wetter immer noch nass und kalt ist, fällt es uns nicht schwer das Val Bedretto hinter uns zu lassen und zu versuchen, im milden Klima Italiens noch ein paar Sonnentage zu ergattern.

Am späten Vormittag erreichen wir Menaggio und finden nach kurzer Suche das Tourismusbüro. Vorrangig interessiert uns, wie es mit Zelten auf dem Via aussieht. Doch wissen wir noch nicht so genau, wie wir am geschicktesten diese Informationen einholen sollen, ohne gleich unsere Absichten bezüglich des Wildzeltens preiszugeben. Wie erwarten nicht besonders viel Verständnis von einer Institution, die dazu beitragen soll, den Tourismus in der Region zu Geld zu machen. Umso mehr sind wir überrascht, als uns die nette Mitarbeiterin des Tourismusbüros gleich fragt, ob wir denn auch ein Zelt dabei hätten, um bei den Streckenabschnitten flexibler zu sein. Am Wegrand fänden sich immer ein paar Plätze, auf denen man ein Zelt aufschlagen könne. Wir fragen nicht nach, ob dies in der Hauptsaison auch so locker gesehen wird. Über die Wasserversorgung bräuchten wir uns ebenfalls überhaupt keine Sorgen zu machen, da in regelmäßigen Abständen trinkwasserspendende Brunnen zu finden seien. Sie meint, dass wir es in vier Tage bis nach Sorico schaffen könnten, dem Ende des Via Dei Monti Lariani. Mit dem gesuchten Kartenmaterial und den gewünschten Antworten auf unsere Fragen als Beute verlassen wir das Tourismusbüro und fahren mit dem Auto nach Breglia, unseren auserkorenen Startpunkt.

Als gegen 13:00 Uhr die Rücksäcke gepackt und geschultert sind, stapfen Anne, ich und unser Hund Avari los und folgen einem Wegweiser, der ganz eindeutig „geradeaus“ zeigt. Schon nach einigen Minuten werden wir stutzig. Die Dame im Tourismusbüro hatte uns gesagt, dass Wegmarkierungen in regelmäßigen Abständen zu finden seien. Falls wir länger an keiner vorbeikämen, sollten wir lieber zurückgehen und die Abzweigungen überprüfen. So ganz passt die eingeschlagene Richtung auch nicht mit der geplanten Route überein. Und tatsächlich finden wir ca. 25 Meter rechts des Geradeauspfeils eine weitere Wegmarkierung. Auch der Lonely Planet deutete schon an, dass die Wegmarkierungen nicht die besten seien. Das kann ja heiter werden.

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Nach wenigen Minuten führt der Weg aus Breglia in einen wunderschönen Kastanienwald. Die Sonne scheint, die Bäume leuchten in goldenen Farben und auf dem Weg liegen getrocknete Kastanienblätter, die jeden Schritt mit einem sanften Geräusch vertonen. Wir sind sofort von dieser traumhaften Herbststimmung gefangen.

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Immer weiter hinauf schlängelt sich der Weg, von einem malerischen Bergdorf zum nächsten. Die rustikalen, teilweise bereits zerfallenen Steinhäuser, versprühen ihren ganz eigenen Charme. Begleitete uns nicht ein so strahlender Sonnenschein, könnten die ausgestorbenen Dörfer einem das eine oder andere Mal gewiss einen leichten Schauer über den Rücken jagen.

Leider verbringen wir relativ viel Zeit damit, Wegmarkierungen zu suchen, da diese an vielen Stellen, hauptsächlich Abzweigungen und Kreuzungen, fehlen oder äußerst versteckt angebracht sind. Doch kann auch dieser kleine Makel unseren Spaß an der tollen Tagesetappe nicht schmälern, denn allzu friedlich und ruhig lässt uns der Weg in der milden Herbstsonne dahin wandern. Die einzigen Lebewesen, die wir anfangs auf unserer Wanderung treffen, sind Kühe und Schweine, denen der Begriff „Massentierhaltung“ zum Glück gänzlich unbekannt sein dürfte.

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Als wir gerade an einem Brunnen eine Trinkpause einlegen, hören wir plötzlich einige Meter unter uns einen lauten Pfiff. „Da sucht wohl jemand seinen Hund“ vermuten wir. Doch einige Sekunden später wird uns durch lautes Glockengeläute und Getrampel klar, dass es wohl nicht nur ein Hund ist, der da den Befehl zum Kommen erhalten hat. Avari blickt sich ängstlich um. Als ihr Blick in Richtung Berg schweift, weiten sich ihre Augen in Panik. Ungefähr 20 Kühe stürzen bergab auf uns zu. Schnell verschwindet Avari hinter einem Steinhaus. Wenige Augenblicke später sind wir von Kühen umringt, die uns mit misstrauischem Blick beäugen. Doch der Durst ist dann wohl doch größer als die Vorsicht und nacheinander treten die Kühe an den Brunnen, um sich mit dem köstlichen Nass zu erfrischen.

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Nachdem die Kühe weitergezogen sind, traut sich auch Avari wieder aus ihrem Versteck hervor, und wir setzen unseren Weg fort. Wir beschließen, uns langsam einen schönen Lagerplatz zu suchen, da die Dämmerung auch schon einsetzt. Wir verlieren bei dem Dörfchen Bracco noch einmal kurz den Weg, da wieder einmal die Markierung an einer wichtigen Abzweigung hinter einem Busch versteckt angebracht ist.

Etwas oberhalb einer kleinen Kapelle namens S. Domenico finden wir einen geeigneten Zeltplatz, in dessen Nähe sich auch ein Brunnen befindet, mit herrlichem Blick auf den See. Wir schlagen unser Lager auf und genießen noch ein bisschen die Stille der Umgebung und die letzten Sonnenstrahlen auf unserer Haut, bevor wir das Abendessen zubereiten und uns anschließend in unsere Schlafsäcke kuscheln.

Beim Studieren der Karte wird uns schnell bewusst, dass wir es in den zwei Tagen und zwei halben Tagen niemals bis Sorico schaffen werden. Wir beschließen, einfach so weit zu laufen, wie wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit kommen.

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Tagesübersicht:
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Strecke: 8,53 km

Der Waldläufer
29.11.2007, 19:07
Dienstag, 2.Oktober 2007:

Der nächste Morgen begrüßt uns mit einem wolkenlosen Himmel und wir sehen der Sonne zu, wie sie sich immer weiter über den Comer See und die Berge ausbreitet.

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Nach einem gemütlichen Frühstück bauen wir in aller Ruhe das Zelt ab, packen die Rucksäcke und laufen los, dem Dorf „Piazzuco“ entgegen.

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Der Weg führt uns auf dünnen Pfaden entlang des Ufers von Dorf zu Dorf, manche wildromantisch und schön, andere heruntergekommen und dreckig.

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Die Landschaft, die wir durchwandern, ist für ein so kleines Gebiet äußerst abwechslungsreich: herbstlich erstrahlende Bäume, klare Gebirgsbäche, helle Birkenhaine und goldene, steppenähnliche Felder lassen uns einen Glücksmoment nach dem anderen erleben.

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Und immer wieder diese außergewöhnlichen Aussichten auf den See und die kontrastreiche Landschaft mit grün-goldenen Wäldern und schneebedeckten Bergen.

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Bis auf knapp 1300 Meter führt der Weg. Am Scheitel des Kamms, der das Val Quaradella und das Val Dongana trennt, steht die Kirche S. Bernado. Von hier geht es 800 Höhenmeter hinunter. Meine Knie ächzen unter dem für sie anstrengenden Abstieg. Als Kind mochte ich bergab wesentlich lieber als bergauf, doch haben knapp 20 kg Gepäck und einige Entzündungen im Knie diese Einstellung von Grund auf geändert.

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Als wir aus der Ortschaft Piazze, einem total heruntergekommenen und dreckigen Loch, herauskommen, verlieren wir den Weg komplett. Kein Wegweiser, keine Markierung weit und breit. Es sieht so aus, als ob die Straßen saniert worden wären, vielleicht sind dabei auch die Markierungen irgendwie auf der Strecke geblieben.

So bleibt uns nichts anderes übrig, als der Asphaltstraße nach Garzeno zu folgen, die zwar nicht steil ist, dafür aber für uns den typischen, monotonen Trott einer Serpentinenstraße bedeutet. Nach Überquerung des Flusses Albano auf 487 Metern müssen wir dann bis Garzeno wieder auf 662 Meter hinauflaufen. Kein besonders schöner Streckenabschnitt, wie wir beide finden. Und dementsprechend zieht es sich dann auch gewaltig, bis wir endlich den Ortskern von Garzeno erreichen. Dort gönnen wir uns erstmal in einem Cafe eine Cola und einen Schokoriegel. Dem Auflauf auf dem Markplatz bei unserer Ankunft nach zu urteilen, scheint der Weg in den letzten Jahren nicht allzu oft begangen worden zu sein. Vielleicht ist der Alltag in diesem trostlosen Dorf für diese freundlichen Menschen aber auch nur so langweilig, dass die Ankunft zweier Wanderer schon einen Höhepunkt darstellt. Die halbstarken Jungs auf ihren Motorrädern vollführen Kunststücke, um uns – oder vielleicht auch nur meine Frau – zu beeindrucken. Die Bambini, die zu jung fürs Motorradfahren sind, versuchen es mit Fahrradkunststücken.

Wir brechen schnell wieder auf, denn die Dämmerung steht schon in den Startlöchern und wir sind weit davon entfernt, einen passenden Zeltplatz gefunden zu haben. Also steigen wir nochmal 200 Meter auf, bis wir in einigen hundert Metern Entfernung von dem verlassenen Dorf L’Avolo eine geeignete Stelle zum Aufbau unseres Zelts entdecken.

Bis wir uns häuslich eingerichtet haben und unser Abendessen einnehmen können, ist es bereits dunkel. Als sich plötzlich ein Auto dem Dorf nähert, überschlägt sich Annes Phantasie. Einbrecher, Schmuggler, Mörder, Schleuser, Polizei… alles scheint möglich zu sein. Anne schafft es, mir auch ein mulmiges Gefühl zu bereiten und wir löschen vorsichtshalber das Licht im Zelt. Durch die Dunkelheit beobachten wir, wie zwei Gestalten mit Taschenlampen um die Häuser streifen. Oh Mann, wie ich das hasse. Sobald man in der Natur ist, sieht man in jedem anderen Menschen, den man – vorzugsweise natürlich nachts – wahrnimmt, einen potenziellen Serienmörder. Wir sind durch die Sicherheit unserer eigenen vier Wände und die von den Medien geschürte Panik in dieser Hinsicht schon ziemlich gestört. Sicher sind die zwei Männer ganz normale Bauern aus der Umgebung, die nur etwas aus ihrer Hütte holen wollen. Diese Erkenntnis teile ich auch Anne mit. Trotzdem lasse ich vorsichtshalber das Licht aus.

Nach einer Viertelstunde wird der Motor des Autos wieder angelassen und die beiden Männer fahren den Weg zurück, auf dem sie gekommen waren. Zum Abschied betätigten sie zwei Mal kurz die Hupe. Ich komme mir selten dämlich vor.


Tagesübersicht:
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Strecke: 15,5 km

rumtreiberin
30.11.2007, 12:48
Klasse Bilder, sieht aus als hättet ihr genau den richtigen Zeitpunkt erwischt um die Herbststimmung einzufangen.

Der Waldläufer
30.11.2007, 14:21
Mittwoch, 3.Oktober 2007:

Im Licht der Sonne sind die beiden Serienkiller, denen wir gestern Nacht beinahe zum Opfer gefallen wären, nur noch eine blasse Erinnerung. Zum Frühstück kocht Anne im Trangia Fertig-Rührei, welches jedoch überraschend gut schmeckt. Wir können uns bei der morgendlichen Prozedur gemütlich Zeit lassen, da die Sonne ein bisschen braucht, bis sie das klatschnasse Zelt erreicht und trocknet.

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Auch heute wieder verdeckt kein Wölkchen den strahlend blauen Himmel und so können wir ungetrübt die wunderschöne Aussicht aus unserem Zelt genießen.

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Bei der heutigen Strecke ist es erneut oftmals nicht einfach, den teilweise schlecht platzierten Wegmarkierungen zu folgen. Auch die Karte aus dem Tourismusbüro „Strada Di Pietra 1:30.000“ weist des Öfteren ganz erhebliche Fehler oder Mängel auf. So oft wie auf dieser Tour mussten wir bisher noch nie stehen bleiben und Wegmarkierungen suchen oder gar zurücklaufen, um die richtige Route wieder zu finden. Positiv ist zu vermerken, dass die Wegmarkierungen in der Tat in regelmäßigen Abständen angebracht sind, so dass man relativ rasch merkt, wenn man vom richtigen Weg abgekommen ist.
Nach dem nicht ganz so schönen Abschluss der gestrigen Etappe verläuft der Weg jetzt wieder durch schöne Landschaftsteile mit dem typischen Charme der urigen Bergdörfer, die in diesen Tagen gelegentlich nicht mehr als Ruinen sind.

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Unsere Mittagsrast machen wir auf einer Wiese mit einem tollen Ausblick auf das darunter liegende Val Dongana.

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Nach kurzer Zeit taucht ein alter Hirte mit drei Kühen auf, der sich sogleich zu uns gesellt. Er wirkt etwas enttäuscht, als er feststellt, dass wir kein Italienisch sprechen. Merklich hatte er sich auf eine kleine Unterhaltung gefreut, die seinen Tagesablauf etwas auflockern würde. So bleibt uns nicht viel mehr zu tun, als mit ihm unsere Müsliriegel zu teilen und mit ein paar Brocken Italienisch die Schönheit seiner Heimat zu loben. Schon nach wenigen Sätzen scheint der alte Mann vergessen zu haben, dass wir seiner Sprache nicht mächtig sind, und plappert vergnügt darauf los, ungeachtet unserer Gesten, die ihn auffordern, doch wenigstens langsam zu sprechen. Ich glaube, für ihn war es schön, überhaupt mal wieder mit oder besser zu anderen Menschen sprechen zu können. Sichtlich beeindruckt mustert Avari des Mannes Hütehund, der blitzschnell den Hang rauf und runter saust und dabei die Kühe auf Kommando seines Herrchens immer wieder mit lautem Gebell auf die gewünschten Grasflecke treibt. Avari entschließt sich aber dann doch, lieber ihre verdiente Mittagspause in der Sonne im Gras liegend zu verbringen.

Die folgende Strecke führt uns in eine neue Landschaftsform. Die Wälder werden immer dunkler und dichter. Immer wieder kreuzen vergnügt vor sich hin plätschernde Bäche unseren Weg. Farne und Büsche breiten sich so dicht über dem Waldboden aus, so dass man fast den Eindruck gewinnen könnte, durch Regenwald zu laufen.

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Am späten Nachmittag ist der Himmel bereits etwas zugezogen, als wir zur schönen alten Ponte Bodangheno über den wilden Fluss S. Jorio gelangen.

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Nach einem erneuten Aufstieg erreichen wir die Abzweigung zum Rifugio Vincino und wir überlegen, ob wir dorthin aufsteigen sollen, da wir davon ausgehen, in der Nähe des Rifugios sicher einen Zeltplatz zu finden. Doch schrecken uns die knapp vierhundert Höhenmeter Umweg im Auf- und Abstieg auf Grund unserer Müdigkeit all zu sehr ab. Und so laufen wir weiter auf dem Via Dei Monti Lariani in Richtung Dosso Del Liro, unserem erklärten Ziel. Wieder folgt ein steiles Stück bergab, welches in unserer müden Verfassung besonders anstrengend zu bewältigen ist. Am Ende des Abstiegs erwarten uns der Torrente (Fluss) Liro und die darüber führende Ponte Vincino.

Die Wildheit dieses Abschnittes ist atemberaubend. Doch diese Wildheit bringt auch einen gravierenden Nachteil mit sich: wir können weit und breit keinen geeigneten Zeltplatz finden. Auch lässt die nahende Dunkelheit kaum Zeit, die Landschaft gebührend zu bewundern. Und so eilen wir weiter auf der Suche nach einem Platz für die Nacht.

Oberhalb eines namenlosen Dörfchens finden wir eine Stelle, auf der geradeso unser Zelt Platz findet. Wir sind nicht mehr besonders anspruchsvoll und so schlagen wir vorsichtig zwischen einigen Dornensträuchern unser Lager auf.

Tagesübersicht:
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Strecke: 14,7 km

Der Waldläufer
30.11.2007, 15:18
Donnerstag, 4.Oktober 2007:

Wie es sich bereits am Vorabend angekündigt hatte, fallen jetzt dicke Regentropfen auf unser Zelt. Aus der Karte ersehen wir, dass es bis Dosso Del Liro nicht mehr weit ist. Als der Regen etwas nachlässt, packen wir zusammen, werfen unsere Regenklamotten über und ziehen los. Es ist erstaunlich, wie anders diese Landschaft im Grau wirkt.

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Die letzten knapp fünf Kilometer wandern wir fast eben dahin, bis wir gegen Mittag die Kirche in Dosso Del Liro erreichen. Wir sind sehr überrascht, wie klein und ausgestorben diese „Stadt“ doch ist. Wir haben einen netten Marktplatz mit Straßencafé und Geschäften erwartet, doch davon ist hier weit und breit nichts zu entdecken. Beim Blick auf den Busfahrplan stellen wir fest, dass der nächste Bus erst spät am Nachmittag fahren wird. Da wir jedoch heute noch Südtirol und unsere gebuchte Pension erreichen müssen, können wir uns das zeitlich einfach nicht leisten. Unser Alternativplan, einfach mit einem Taxi zurückzufahren, löst sich auf Grund der fehlenden Taxis fürs Erste in Luft auf.

Ich rufe die nette Dame im Tourismusbüro an und frage sie, ob sie uns ein Taxi nach Dosso Del Liro bestellen könnte. Leider sei dies nicht möglich, teilt sie mir mit, aber sie könne mir die Telefonnummer eines Taxiunternehmens geben. Ob da jemand Deutsch spricht, frage ich sie, doch sie verneint. Das kann ja lustig werden…

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Wie befürchtet gerät der Anruf zur Katastrophe. „Bon Giorno, signore, Taxi, Dosso Del Liro, a Menaggio! “ Ein italienischer Wortschwall ergießt sich über mich. Ich wiederhole meine klar gefasste Ansage. Keine Reaktion. Plötzlich wieder eine undefinierbare Maschinengewehrattacke italienischer Wörter. Ich gebe auf und lege das Mobiltelefon verzweifelt beiseite. Das Städtchen ist wie ausgestorben. Niemand ist da, der gerade in sein Auto steigt und zufällig nach Menaggio oder auch nur zur Küste hinunter fährt. Ich gehe zu dem nächstgelegenen Haus und betätige die Klingel. Auf dem Balkon taucht eine ältere Frau im typischen Alte-Frau-Arbeitskittel auf. Wieder das gleiche Spielchen. Die Dame schüttelt immer nur den Kopf. Ich zeige ihr mein Handy, damit sie weiß, dass ihr nicht einmal Kosten entstehen würde. Doch sie lässt sich nicht erweichen und schüttelt weiter den Kopf. Sie dreht sich um und ruft etwas in die Wohnung hinein. Einen kurzen Augenblick kommt ein ebenso alter Mann vor die Tür und ich versuche erneut, ihm mit ein paar eingestaubten Lateinkenntnissen und entfernt italienisch klingenden Fremdwörtern mein Anliegen näher zu bringen. Er scheint zu verstehen, ruft etwas zu seiner Frau zum Balkon hoch. Jetzt lacht sie und nickt mit dem Kopf. Auch sie hat verstanden. Ich frage mich, was die Frau vorher dachte, was ich möchte. Ihre Telefonnummer abstauben?!

Kurz darauf stehe ich neben dem Mann und höre zu, wie er in Lichtgeschwindigkeit dem Taxifahrer Anweisungen gibt. Ein paar Brocken kann ich aufschnappen, darunter „carniculo“, was so viel heißt wie Hündchen. Ich hoffe, dass Avari diese Demütigung nicht mitbekommen hat. Außerdem höre ich das Wort „Tedeschi“, Deutsche. Danach ein herzliches Lachen. Ich werde etwas misstrauisch und befürchte, dass es sich bei dem Mann evtl. um einen Deutschen-Hasser handelt. Hoffentlich werden jetzt keine zwanzig Pizzen mit Hündchen zu uns geliefert…

Doch meine Sorge sollte unbegründet sein. Nachdem wir uns vielmals bei dem Mann bedankt hatten und wir ungefähr ein halbe Stunde gewartet hatten, kommt das ersehnte Taxi, das uns zum Wucherpreis von 60 Euro zurück nach Menaggio bringt.

Im Taxi sehen wir dem Regen zu, wie er unaufhörlich auf dem See kleine Kreise wirft. In Gedanken lassen wir die letzten Tage Revue passieren und sind uns einig, dass wir bei Gelegenheit den Weg irgendwann einmal komplett laufen werden.

Tagesübersicht:
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Strecke: 4,73 km

Gesamtstrecke: 43,46 km (von 125 km)

Trackübersicht:
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Trackübersicht auf Google Earth (http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/ViaDeiMontiLariani.kmz)

prunella
30.11.2007, 21:50
Schöner Bericht!
Da werde ich daran erinnert, dass wir die Via Dei Monti Lariani auch noch immer nicht fertig gelaufen sind. Vor etwa 15 jahren haben wir die Etappen 1-4 gemacht und mussten dann abbrechen. Der letzte Teil, von Dosso del Liro nach Sorico fehlt uns noch.
Es ist tatsächlich eine tolle Gegend. Wir haben immer wieder gestaunt, wie einsam, verlassen, abgelegen die Dörfchen sind, obwohl man sich nur wenige Kilometer von der so touristischen und lärmigen Küste entfernt befindet.

Gruss prunella

aitrob
30.11.2007, 21:51
Klingt nach einer schönen Tour. Kommt auf jeden Fall auf meine Liste der schnell von hier erreichbaren Touren, die ich noch machen möchte!

Bela

Bergbaumi
14.04.2009, 10:40
Am vergangenen Osterwochenende (10.04. - 12.04.09) haben wir uns auch auf die Via Dei Monti Lariani begeben.

Auslöser war Waldläufers Reisebericht, der vor einiger Zeit auch noch mit Bildern versehen war. Auf Waldläufers Website gibt es ja zum Glück noch welche ;-).

10.04.09 :

Am Freitag früh geht es von München los - über Bregenz und Lugano an den Comer See (die etwas kürzeren, aber kleineren Passstraßen waren noch gesperrt). In Menaggio verursacht die geänderte Straßenführung, die weder der Karte, noch dem tomtom bekannt ist, einiges Kopfzerbrechen, doch am Ende erreichen wir sicher den nagelneu geteerten Parkplatz in Breglia. Dieser Ausgangspunkt erschien für die geplanten 3,5 Tage Tour als ideal, zumal er in angenehmer Höhe über NN den sinnlosen und nervigen Aufstieg auf einer Teerstraße vermeidet.

Nach einer kurzen Phase der Ratlosigkeit - wo den nun der Via dei Monti Lariani eigentlich losgeht - wagen wir uns in die winzigen teilweise kaum mannsbreiten Gässchen und spähen vorsichtig um die Ecken. Die vielen "Attenzione con Cane" Schilder machen uns vorsichtig. Aber kein Fiffi weit und breit.

Wir lassen es ruhig angehen und erreichen nach einigen malerischen, einigen gespenstischen und einigen unglaublich dreckigen Dörfchen den sehr sauberen und malerischen Ort Treccione. Kurz dahinter schlagen wir unser Zelt mit Seeblick auf und lassen den Tag gemütlich ausklingen.

Die Sicht ist den Tag über teilweise sehr dunstig und der Himmel bedeckt, doch insgesamt haben wir ein nettes Wanderwetter. Die Beschilderung ist entgegen unserer Erwartung recht ordentlich und läßt bisher keine Fragen offen. Man kann an vielen Passagen sehen, dass teilweise nagelneue Schilder angebracht wurden.

11.04.09

Nach einer entspannten Nacht im kuschligen Daunenbett füllen wir unsere Wasservorräte an einem Brunnnen kurz hinter Treccione auf.

(Aufgrund unserer bisherigen südalpinen Erfahrungen am Gardasee gingen wir davon aus, wenig Möglichkeiten zum Wasserauffüllen zu erhalten. Zumindest für die Osterzeit ist das so nicht richtig. Es gibt reichlich vom Schmelzwasser gespeiste Bäche. Allerdings haben wir alles gefiltert, da die Bäche zumeist durch Kuhweiden führen, oder aber durch die angesprochenen Dörfer, die oft wirklich reinste Müllhalden waren. Außerdem gibt es dort oben keine Kanalisation und oft auch keine Transportwege, was die Frage aufwirft, was die Bewohner mit ihren Stoffwechselhinterlassenschaften anstellen? Wie auch immer - Wasser wurde gefiltert.)

Wir ziehen also nach dem Frühstück weiter - das Wetter bleibt ein bißchen diesig, die Sicht auf den See ist oft teilweise gar nicht möglich, weil Dunst im Tal hängt. Zum Wandern sind Temperatur und Luftfeuchte allerdings ideal. Wir folgen dem Pfad, der teilweise unter Unmengen von altem Herbstlaub verborgen ist und kreuzen an zwei Stellen Lawinenabgänge, die sich bis tief ins Seetal ziehen. Insbesondere beim zweiten haben sich die Schnee- und Eismassen mit Urgewalten tief ins Erdreich gefräst und Bäume wie Streichhölzer entwurzelt. Der ganze Abgang ist mit Schlamm und Dreck überzogen und sieht in der graubraunen Umgebung ziemlich düster aus. Zumal die Bäume noch keine Blätter tragen, allenfalls ganz junge Knospen sind hier und da zu sehen. Etwas weiter im Frühjahr oder - wie bei Waldläufer - im Herbst sieht das alles bestimmt deutlich netter und weniger düster aus.

Um die Mittagszeit verließ uns dann das Beschilderungsglück. An einer nicht näher bekannten Almwiese sehen wir das letzte rot-silberne Schild mit der drei in der Mitte. Der ausgetretene Pfad ist zu Ende, vor uns liegt eine Alm mit einigen Steinhäusern, viel Schrott und Müll und eine leicht ausgetretene Spur führt quer über die Almwiese. Der wir folgen. Gemäß Karte gibt es hier ohnehin nur den Via dei Monti Lariani und keinen anderen Weg.
Auf der anderen Seite der Wiese erwarten wir das nächste Schild. Das nicht kommt. Also gehen wir auf einem schmalen Weg weiter - denn es gibt ja nur den einen - und warten geduldig auf das nächste Schild. Fehlanzeige. Also wieder zurück auf die Almwiese und den Weg, ein Schild, eine Farbmarkierung, was auch immer, suchen. Doch unser zuvor gewählter Pfad bleibt der einzige. Da er geradewegs ins nächste Dörfchen zu führen scheint und der Weg ja alle Bergdörfer verbindet, folgen wir ihm weiter. Doch auch im nächsten Dorf gibt es nicht das geringste Anzeichen eines Schildes, Täfelchens etc.
Hm.
Lagebesprechung. Gemäß Karte folgt der Weg den Höhenlinien an dieser Stelle ohne nenneswerte Steigungen in die eine oder andere Richtung. Außerdem führt er definitiv duch diese Häusergruppen. Wir entschließen uns, die Häuser auf dem einzigen vorhandenen Pfad zu verlassen. Dieser entpuppt sich kurz darauf als eine Mischung aus Wildwechsel und Pfad (?) oder auch nicht. Das steile Gelände macht das Vorankommen nicht einfacher. Wir folgen dem vermeintlichem Pfad, Spur, Wechsel entlang einer Höhenlinie. Und siehe da, wir treffen auf Holzstufen im Fels, das ist wieder ein echter Weg. Der uns zu einem kleinen Steg über einen Wasserfall führt, wenn auch immer noch ohne irgendein Schild. Doch wie gesagt, gemäß Karte gibt es hier nur einen Weg. Also muss er es ja sein. Dummerweise gibt es direkt hinter dem Wasserfall weder Pfad noch Tritt, noch Steig und schon gar keinen Weg mehr. Gab es mal einen, so ist er unter den allgegenwärtigen Massen aus Herbstlaub versunken. Was tun?
Da wir zuvor von einem Vorsprung mit Aussicht gesehen haben, dass das nächste Dorf auf gleicher Höhe liegt, entschließen wir uns entlang der Höhenlinie querfeldein zu marschieren, auch wenn das angesichts des Geländes Nerven und Zeit kostet. Dieser Plan scheitert am nächsten Bach, der tief in den Felsen eingeschnitten ein unüberwindbares Hinderniss darstellt. Außerdem ließe der gegenüberliegende Hang nur mit Sicherungsgerät eine Querung zu. Sch...:grrr:
Die Karte verrät uns, dass dieser und der letzte Bach ein-, zweihundert Höhenmeter weiter unten zusammenfließen und der Via dei Monti Lariani eigentlich oberhalb des Zusammenflusses kreuzen sollte. Noch weiter oberhalb als wir es ohnehin schon sind, gibt das Gelände nicht her. Ergo: der offizielle Weg muss unter uns die beiden Bäche kreuzen. Entschluss: zurück zu Bach Nummer eins, am Ufer entlang nach unten, bis wir den echten Weg kreuzen oder an einem Ufer erkennen, dann weiter auf dem Weg. Gesagt, getan. Zurück zum Bach. Entlang des steilen Hanges zwischen Felsen und auf rutschigem Laub weiter. Nach unten. Unzählige Ausrutscher und zwei, drei Stürze auf den Allerwertesten später (der dicke Rucksack hat Schlimmeres verhindert) erreichen wir schließlich den Y-förmigen Zusammenfluss der beiden Bäche. Natürlich ohne den Weg gekreuzt zu haben. War ja irgendwie klar. :roll: Wie nun weiter?
Wir schaffen es, an einer Engstelle den Bach zu überqueren, wobei ich die Rucksäcke an das andere Ufer werfe, sonst wäre die Stelle nicht machbar gewesen. Querfeldein geht es weiter Richtung Norden und unter Ausnutzung der natürlichen Steighilfen auch wieder nach oben, bis wir schließlich das nächste Dörfchen erreichen.
Zerkratzt, müde, 600m Luflinie vom letzten Dorf und zweieinhalb Stunden nachdem wir den ersten Bach auf dem Steg überquert haben, erreichen wir die Häuser. Kocher an und erstmal Mahlzeit.
Als kleine Entschädigung zeigt sich nun auch endlich die Sonne und spendet uns Wärme und Enstpannnung.
Nach einer dreiviertel Stunde ist unser Tatendrang wieder zurückgekehrt und wir beginnnen erneut den Weg zu suchen. Ohne den schweren Rucksack kämmen wir die gesamte Häusergruppe, die angrenzenden Waldränder und die gesamte Alm nach einem Hinweis systematisch durch und entdecken tatsächlich - nichts! Einen Pfad gibt es natürlich schon, nur nicht den Pfad. Wir halten erneut Kriegsrat und beschließen, solange weiter entlang des Pfades zu wandern, bis wir auf irgendeine offizielle Wegmarkierung treffen. Wir erreichen schließlich ein wunderhübsches Dörfchen oberhalb der Stadt Pianello del Lario. Dort gibt es wieder keine Markierungen für den Via dei Monti Lariani, dafür einen eindeutig beschilderten Weg ins Tal. Fein.
Zu allem Überfluss setzt jetzt auch noch Regen ein.
Nachdem uns die Entscheidung so erleichtert wurde, schmeißen wir uns in schicke Regenmontur und nehmen wir den Pfad ins Tal, der bald auf einen Fahrweg trifft und nach Pianello del Lario führt. Das Städtchen erstaunt uns mit mittelalterlich anmutenden Gässchen und verwinkelten Hinterhöfen. Ein netter Eindruck, den wir so sonst sicherlich nie gewonnen hätten.

Eine letzte Überraschung steht uns noch bevor, als wir den Bus nach Menaggio zurück nehmen. Beim Besteigen des Busses frage ich den Fahrer nach zwei Tickets. Er verweist mich in gebrochenem Englisch auf den "next stop". Also gut denke ich mir, dann kauf ich die Tickets halt nachher. Wir schon einen Grund geben. Außerdem kenne ich das auch aus anderen Ländern, dass die Fahrer bei einer besseren Gelegnehit erst kassieren. Meistens fährt man damit auch nicht unbedingt schlechter. Umso mehr staune ich, als er mir an der nächsten Haltestelle bedeutet auszusteigen, auf eine Bar am Straßenrand zeigt und "Tickets, Tickets!" ruft. Verunsichert, ob der Bus mit meiner Frau und dem Gepäck auch auf mich wartet, verlasse ich den Bus und betrete die Kneipe/Bar, in der mich einheimische Rentner wie ein Ufo anstarren. Darauf gefasst, dass mich der Barkeeper für einen völlig verblödeten Deutschen hält , frage ich ihn nach zwei Fahrkarten. Er zückt tatsächlich ein dickes Lederbuch entnimmt ihm zwei vorgedruckte Fahrkarten und kassiert lächerliche 2,70€. "Ciao" und ab nach draußen in den wartenden Bus. Der Fahrer entwertet die Tickets und es geht weiter. Wieder was gelernt: Fahrkarten gibts in der Kneipe.:cool:
In Menaggio nehmen wir den Bus nach Breglia (Fahrkarten habe ich - nach mehrmaligem Nachfragen - diesmal direkt beim Busunternehmen in einem ufficio in der Wartungshalle für die Busse gekauft.) und verbringen die Nacht auf einem Campingplatz am See.

12.04.09

Wir verlassen den lago di Como und fahren nach Luzern - nach der etwas mißglückten Erfahrung mit dem Via dei Monto Lariani steht uns der Sinn nach etwas Kultur und dem Flair der schönen Altstadt. So klingt die Reise zwar anders aus als geplant aber nichts desto trotz wunderschön.

Fazit:

Woran es nun gelgen hat, dass wir den Weg nicht gefunden haben, mag mehrere Gründe haben. Ich halte mich eigentlich für einen ganz passablen und erfahrenen Orientierer. Auch ohne GPS. Sogesehen hat diese Erfahrung ganz schön an meinem Ego genagt ;-).
Nicht ganz unschuldig ist sicherlich das viele Laub, dass den Weg oft nur sehr schwer erkennbar oder gar nicht erkennbar gemacht hat. Vermutlich ist das ab der Jahresmitte kein Problem mehr.
Tatsächlich vermuten wir aber, dass einige Schilder evtl. entfernt wurden, um hinterher neue und vollständige Hinweise anzubringen. Gerade unsere Anfangsstrecke ab Breglia war hervorragend und neu ausgeschildert, bis plötzlich gar nichts mehr kam. (Übrigens waren die Schilder meist nur für den Weg von Süd nach Nord erkennbar, da z.B. nur einseitig am Baum angebracht. Aus der anderen Richtung dürfte die Beschilderung sehr unzulänglich sein.) Erfahren werden wir es vermutlich nie.
Die Landschaft gibt an Ostern leider noch nicht viel her, da die meisten Bäume noch kein Laub tragen und entsprechend düster und grau wirken, insbesondere, wenn das Wetter ein bißchen trübe ist. Späteres Frühjahr oder Herbst sind mit Sicherheit empfehlenswerter, weil grüner bzw. bunter.
Unser Fazit heißt: wenn man über manche Müll- und Schrottberge mitten in den Bergen hinwegsehen kann und die richtige Jahreszeit wählt, ist der Via dei Monit Lariani bestimmt ein toller Wanderweg mit einem ganz eigenen Flair. Vorausgesetzt man findet den Weg.;-) Wir werden uns das Ganze mit Sicherheit noch einmal im Herbst antun und dann hoffentlich mehr Glück mit dem Weg haben.


Bilder folgen noch ...