PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [NO][SE][FI] 80 Tage Nordskandinavien



Issoleie
13.11.2007, 22:13
Land: Norrwegen, Schweden und eine Ecke Finnland
Reisezeit: 4.7. - 25.9. 2007
Region/Kontinent: Nordeuropa
4.7.-25.9.2007
Kautokeino – Hemavan
Nordkalottleden und Kungsleden
Gemeinsam mit Tim

<iframe src="http://quikmaps.com/ext/46899?w=552&mh=483&t=1&ln=0&sn=1&zb=0&zs=0&d=1&it=0&icd=0&lat=67.65938637009882&lng=18.25927734375&zl=6&mt=2" frameborder="0" scrolling="no" width="554" height="508" marginwidth="0" marginheight="0"></iframe>


Reise für ein einfaches und bewussteres Leben –
oder: Ansturm gegen den westlichen industriellen Komfort und seinen lebensfernen Frevel
Ein Bericht


Vorwort

Für einige ist es wohl vergeudete Zeit im Wettlauf auf dem weiteren Berufsweg, andere halten unser Vorhaben schlicht für verrückt – wenngleich im zweifachen Sinne -, für mich ist es eine ganz und gar wunderschöne Notwendigkeit. Auszeit, Erholung, Ausstieg. Genuss in drei Monaten bloßem Naturerleben im ursprünglich freien und weitflächig unberührten Norden Skandinaviens. Eine körperliche Reise für die Seele.
Zuerst als nur nette Idee schnell wieder verworfen, blieb mir die Tour weiter im Gedächtnis, übte eine leise, doch zwingende Anziehung aus. Der Nordkalottleden in einem Zuge. Nach dem Schulabschluss. Über einen langen Zeitraum. Warum nicht? Wir hatten die nötige Zeit, Motivation und Liebe zum Wandern. Anfang des Jahres 2007 begannen die ersten genaueren Planungen und gingen fort und fort. Die Tour nahm immer mehr Gestalt an. Das Ergebnis: 80 Tage, Kautokeino, Norwegen bis Hemanvan, Schweden. Essenspakete, die letzten Ausrüstungsgegenstände und eine grobe Etappenplanung mit Tagen für Ruhe und Notfälle. Der Rest wird sich zeigen.

Was diese lange Reise jedoch sicher sein wird, ist ein Einschnitt. Als Abschluss von Altem und Beginn des Kommenden schreibe ich ihr eine ganz besondere Schlüsselfunktion zu, eine Schlüsselfunktion, die notwendig, aber ebenso gewollt ist. Was sich hierbei in mir und um mich verändern wird, ist bisher noch ungewiss, doch liebend gerne lass ich es auf mich zukommen. Keinen besseren Ort kann ich mir dafür wünschen als die freie Natur, in der alles kraftvoll ruht, wie sie auch jeden, der sich auf sie einlässt, kraftvoll in sich und ihr ruhen lässt. Was ich suche, ist das neu erblühende Leben; eine Sonne, die wärmt; Wind, der erfrischt; Erde für den weichen, festen Schritt.


4.7.
Berlin – Oslo
Raus

Bemerken, Vermerken, Organisieren, Realisieren. Abschließen. Auch wenn diese anstrengende Gewohnheit und das Viel an Dingen, die noch eben jenen Prozess durchlaufen mussten, mit dem heutigen Tag ein Ende finden sollte, war genau das einmal mehr unabdingbar. Ein letztes Treffen mit dem besten Freund, Abschied auch vom Vater. Erledigen, machen, organisieren zwischendurch: Nur nichts vergessen.
Sechs Uhr Abends gehen wir mit vollen Rucksäcken los. Der Ausrüstungsladen ist noch letztes Ziel vor der Abfahrt. Mückennetze müssen noch gekauft werden. Besonders da gilt wohl aber: Besser spät, als nie. Ungeplant wird auch noch ein Schuhladen angesteuert. Natürlich haben wir etwas vergessen. Wäre ja auch recht langweilig, alles glatt abzuwickeln. Auf der letzten Tour noch als herausragender Ausrüstungsgegenstand mit optimalen Gewicht, Preis und nutzen hoch gelobt, habe ich dieses Mal meine Furtschuhe schmählich im Schrank liegen gelassen. Nicht ohne Grund fühlten sie sich wohl eher zu Badelatschen denn Trekkingsandalen berufen. Ohne besonderes Feingefühl für die besonderen Einsatzbereiche der nächsten, gehe ich auch schon wenig später mit neuen Flipflops aus dem Laden. Alles erledigt also und wir können schließlich voll ausgestattet und mit gutem Gefühl den Flug antreten. Im bekannten Osloer Flughafen bieten dann Polsterbänke, die uns bisher unbekannt waren, unerwarteten Komfort. Bei Licht, Flughafenbetrieb samt Geräuschkulisse versuchen wir gegen Mitternacht Ruhe zu finden, was auch recht gut gelingt.


5.7.
Oslo – Alta
Alles bestens
(Der Titel, der Severin gewidmet ist)

Die Nacht war eine typische Flughafennacht und früh am Morgen geht es noch immer müde und schwer zur Maschine nach Alta. Die Aussicht auf die Landschaft unter uns lässt die kommende Tour noch freudiger erwarten, es schweift von Einem zum andern der Blick: schneebedeckte Flächen und Gipfel schimmern in der Sonne, sanfte Täler ziehen sich und immer wieder ist die Landschaft von den zahlreichen Flüssen und Seen durchbrochen; lange Fjorde, die die Küste zerreißen, in der Ferne das Meer, im Hintergrund gewaltig und schroff aufsteigend die Lofoten.
Freundlich erwartet uns der kleine Flughafen Altas, hell und warm scheint die Sonne auf uns, klar ist die Luft und frisch auch eine ständige leichte Brise. Die Umgebung mutet mit ihren vielen Hügeln wunderbar an und es geht uns reichlich gut. Schon fühlen wir, wie diese so freie Zeit bald beginnt, der Norden uns wieder packt, Zwar mit Unsicherheiten ob der morgigen Weiterreise, doch entspannt essen wir die Reste des letzten Tages, packen die Rucksäcke, die nun beim weiteren umherhieven deutlich ihr Gewicht spüren lassen.
Wie verabredet treffen wir uns nach kurzer Busfahrt durch die kleine, doch sich lang ziehende Stadt mit Severin, der für ein Jahr hier wohnt und arbeitet. Freundlichst willkommen geheißen und mit einem eigenen zur Verfügung gestellten Zimmer fühlen wir uns sofort wohl und erkunden nach kurzer Einweisung zu zweit die Fjordküste Altas. Breite geschwungene Hügel ziehen sich nach oben zu den Häusern, licht stehen die Bäume nicht weit vom Wasser. Wir genießen die Stille hier, sitzen lange auf den Steinen des Strandes und kommen langsam an.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146807342089385378"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20iAjicNaI/AAAAAAAAAxg/L09-_uWeqPE/s400/100_8227.jpg" /></a>

Schließlich aber geht es noch einmal weiter, die Küste wird erkundet und als das Freilichtmuseum am erreicht ist, ist dort für uns kein Weiterkommen mehr möglich. Also zurück, wobei wir uns noch kletternd an einem der steileren Hänge versuchen, die Beine schon einmal für die nächste Zeit anwärmen.
Durch die Stadt schließlich wieder an unserem Raum angekommen, treffen wir uns erneut mit Severin, der jetzt seine Arbeit beendet hat. Nach kurzer Zeit ist eine Tour für den Abend geplant und ein nettes Gespräch und die nötigen Besorgungen für den Abend später fahren wir mit dem Kleinbus über typisch norwegische Schotterstraßen mit Tempo achtzig von einem Schlagloch zum nächsten. Am Ziel angekommen, lassen wir das Auto am Waldrand stehen und beginnen gegen sieben Uhr abends unsere kleine Wanderung. Mit Kleidung, Essen und Brennholz im Gepäck laufen wir durch offene Krüppelbirkenwälder nach oben. Zwar ist es angenehm warm, die Sonne scheint noch immer kraftvoll, doch schon bald müssen wir uns mehr ankleiden. Wie gedacht haben unzählige Mücken wohl nur auf uns gewartet, umschwirren uns nun ständig geben einen Vorgeschmack auf die nächste Zeit.
Nach einstündiger und trotzdem schöner Wanderung, auf der wir über den erhaltenen Hinweis auf Furtschuhe dankbar waren, sind wir bei anhaltend angenehmen Wetter am Ziel des Abends: Mächtig und tosend stürzt vor uns ein Wasserfall hinab, dessen Sprühnebel von warmen Licht der Abendsonne golden beschienen werden.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146807823125722562"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20icjicNcI/AAAAAAAAAxw/bmkvqpHX59I/s400/100_8233.jpg" /></a>

Fasziniert und begeistert erkunden wir den oberen Teil des Falls, laufen über breite Felsplatten und blicken schließlich von der Abbruchkante hinab. Vom wunderschönen, idyllischen Tal weiter hinten im Rück müssen wir nach kurzer Zeit wieder aufbrechen, um zu unseren zurückgelassenen Sachen zu kommen. Wir richten uns gemütlich ein und schon bald brennt munter und mit viel Rauch ein Feuer auf dem Schneefeld. Bei Abendessen und Gespräch genießen wir diesen schönen und taghellen Abend, netzen die Schneeflächen für allerlei Unsinn und sind einfach froh, in der Natur zu sein. Erst um elf Uhr brechen wir schließlich auf.
Nach langer Autofahrt, auf der noch die ein oder andere sehenswerte Stelle angeschaut wird, kommen wir in der Wohnung an, organisieren noch das Wesentliche für die morgige Abreise und schlafen gegen zwei Uhr bei immer noch taghellem Licht und lauen Temperaturen ein.


Nun, soweit erst einmal. Ich hoffe, dass ich halbwegs schnell weiterkomme.
Allerdings wüsste ich doch vorher gern, ob an so einem langen Bericht überhaupt Interesse besteht. Sollte das nämlich nicht wirklich der Fall sein, dann spare ich eine Menge an Zeit. Sollte aber jemand hier gerne mitlesen, dann lohnt sich die Mühe. Versprochen habe ich es ja fast schon im Thread zu den Reisevorbereitungen, womit ich gleichfalls hier noch mal ein großes Dankeschön zu allen Helfern sende.
Beste Grüße
Flo

Bevor ich es vergesse: Hier gibt es wieder ein paar mehr Fotos, allerdings nur bis zu dem Tag, der auch im Reisebericht beschrieben wird. Man will ja nicht zu viel vorab verraten. <table style="width:194px;"><tr><td align="center" style="height:194px;background:url([url]<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/RznsbMI22RE/AAAAAAAAAgM/YT2ICvjaQKo/s160-c/80DaysScandinavia.jpg" width="160" height="160" style="margin:1px 0 0 4px;"></a></td></tr><tr><td style="text-align:center;font-family:arial,sans-serif;font-size:11px"><a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia" style="color:#4D4D4D;font-weight:bold;text-decoration:none;">80 Days Scandinavi<wbr></wbr>a</a></td></tr></table>

KuchenKabel
13.11.2007, 22:57
Ob so ein Bericht gewünscht ist? Ob so ein Bericht gewünscht ist??? Aber hallo! Dank diesen Berichten weiß ich immer wieder, warum ich für einen Rucksack oder für ein Zelt viel zu viel Geld ausgebe. Weil es das wert ist :bg:! Also schreib bitte weiter ;).

eumel66
14.11.2007, 07:44
Ich denke auch das es genug dankbare Leser gibt. Hau in die Tasten

Gruß Dirk

Susanne
14.11.2007, 07:51
Bin auch sehr gespannt auf den Bericht, also bitte weitermachen!!!
Gruß Susanne

Erny
14.11.2007, 09:20
Klar weiter machen. So ein Foum lebt davon.

Herzlichen Glückwunsch, dass ihr mal die Zeit hattet, 80 Tage raus konnten. Wer weiß, ob ihr euch so was jemals wieder leisten könnt.

Gruss

Erny

schnuffiwuffi
14.11.2007, 09:34
Auja auf alle Fälle weiter machen! Der Bericht vom letzten Jahr war schon super. Und ich schließe mich KuchenKabel: gerade über den Winter liest man doch gerne hochinfektiöse Reiseberichte um sich auf die kommende Saison vorfreuen zu können :bg:

Schnuffiwuffi

libero
14.11.2007, 09:38
aber absolut, reiseberichte sind super (vor allem wenn man arbeiten oder für die uni lernen müsste... :bg: )! und eine 80-tage-tour verlangt ja gradezu nach einem bericht!

hikingharry
14.11.2007, 09:58
Ich würde mich auch über einen Bericht freuen, so immer weiter zu lesen, und dabei von zukünftigen eigenen Touren träumen.
Herzlichen Glückwunsch, dass ihr mal die Zeit hattet, 80 Tage raus konntet. Wer weiß, ob ihr euch so was jemals wieder leisten könnt.
Diese Glückwünsche auch von mir. Diesen Zeitraum hat man wirklich nicht oft zur Verfügung.

Gruß hikingharry

carola_trekking
14.11.2007, 11:47
auf jeden Fall gibt es interessierte Leser für so einen Bericht - der Anfang hat schon mal starken Appetit auf mehr geweckt, sehr schön geschrieben!

Gast181203
14.11.2007, 11:55
Ich freu mich auch schon auf die nächsten Teile deines Berichts.
Danke für die Mühe!

/morena

kleinhirsch
14.11.2007, 15:03
Ai, verdammt. Da habe ich doch tatsächlich die Länderkürzel vergessen.
Da das offenbar neuerdings im Titel nicht mehr selbst zu bearbeiten ist, oder ich mich dafür zu dämlich anstelle, bitte ich, einen Mod das zu entschuldigen und nachzuholen... Sorry für den Mehraufwand.
Danach kann der Post hier wouhl gelöscht werden.
Danke vielmals
Flo

hallo,

das geht doch noch - hab ich aber in einen anderen thread (http://forum.outdoorseiten.net/showthread.php?p=304547#post304547) gepackt, damit es alle finden...

uli

Werner Hohn
14.11.2007, 16:22
Allerdings wüsste ich doch vorher gern, ob an so einem langen Bericht überhaupt Interesse besteht. Sollte das nämlich nicht wirklich der Fall sein, dann spare ich eine Menge an Zeit. Sollte aber jemand hier gerne mitlesen, dann lohnt sich die Mühe.
Mach mal! Dann habe ich mal wieder einen Grund mehr, mich ins Forum mit den Reiseberichten zu klicken.

Werner

MrLast
14.11.2007, 18:36
ja vielen dank für die Widmung!
Aber Hallo! Umbedingt weiterschreiben!

Ich freue michs schon rießig und bin gespannt, was Ihr alles erlebt hat in den darauffolgenden 80 Tagen.

LG,
s

Fjaellraev
14.11.2007, 19:26
Ai, verdammt. Da habe ich doch tatsächlich die Länderkürzel vergessen.
Da das offenbar neuerdings im Titel nicht mehr selbst zu bearbeiten ist, oder ich mich dafür zu dämlich anstelle, bitte ich, einen Mod das zu entschuldigen und nachzuholen... Sorry für den Mehraufwand.
Danach kann der Post hier wouhl gelöscht werden.
Danke vielmals
Flo

hallo,

das geht doch noch - hab ich aber in einen anderen thread (http://forum.outdoorseiten.net/showthread.php?p=304547#post304547) gepackt, damit es alle finden...

uli
Da es aber nicht ganz funktioniert, sprich es wird nur im ersten Post, aber nicht wirklich im Threadtitel geändert, habe ich es jetzt noch ganz gemacht.

Frue mich schon auf den weiteren Bericht, und habe dann hoffentlich mehr Zeit zum lesen als im Moment gerade...

Gruss
Henning

Issoleie
14.11.2007, 22:44
6.7. – 1.Tag
Kautokeino – Cunovuoppi
19km; 5h20; ca. 300m hoch, 283m runter
Neues

Früh nehmen wir den kleinen Bus nach Kautokeino, den wir nach der kurzen gestrigen Nach für einen erholsamen Schlaf nutzen. Gegen halb elf angekommen, machen wir uns auf die Suche nach dem Einstieg zum Nordkalottleden und nach einer Stunde Irrweg haben wir uns schließlich erfolgreich durchgefragt. Nicht das allein die Verkehrung von Nord und Süd Schuld hat, die zugegebener Maßen nicht der beste Start im Orientierungsbereich dieser Tour ist. Nein. Auch jetzt stehen wir vor einem unscheinbaren Schild mit dem Datum 1993.
<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146805246145344802"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20gGjicNSI/AAAAAAAAAwU/TF7AOvNDFG4/s400/100_8244.jpg" /></a>

Letztlich haben wir also sogar noch Glück gehabt, denn sicher sein kann man sich nie, dass man zum Beginn des Nordkalottledens gelangt, bevor man nicht genau hier steht. Trotzdem: Wirklich spektakulär kann man das hier nicht nennen; fast schade für diese doch besondere Tour. Auch wenn also leicht der Eindruck entsteht, man wolle verhindern, dass viele Wanderer diesen Weg nutzen, ist entgegen der vorigen Hinführung zum Startpunkt die eigentliche Route sehr gut markiert und so gehen wir froh und gespannt über auf den Pfaden. Sumpfig ist es hier schon anfangs und auch die schon verwitterten Birkenstämme, die behelfsweise auf den Wegen liegen, bieten keine große Trittsicherheit und so sinken wir häufig ein. Auch die immer wieder das Moor unterbrechenden Waldpassagen lassen uns kaum schneller vorankommen. Zum großen Verdruss begleiten uns jetzt auch anhaltend Mücken, unzählige Mücken, aggressive Mücken. Auf alle freien Körperstellen stürzen sie sich, Bewegung macht da keinen Unterschied, nur die eigene Unruhe wird vermehrt. Unerwartet wenige Wasserstellen zwingen uns zudem zu einem sparsameren Umgang mit unserem Trinken, als wir es gewohnt sind. Ich bin noch nicht richtig hier in der Natur angekommen und der Unannehmlichkeiten sind mir zu viele, auch wenn ich mich keinesfalls auf bloßen Spaziergang eingestellt hatte. Meine Stimmung ist gedrückt, kaum kann ich mir vorstellen, für drei Monate nichts anderes zu haben als das hier. Doch zu lang? Doch zu langweilig? Zu anstrengend? Ich bin mir unsicher, ob ich diese Tour wirklich will.
Durch waldiges Gebiet steigen wir auf, entscheiden uns trotz der Hitze für lange Kleidung gegen die Mücken und die Stimmung wird sofort besser, entspannter ist es jetzt. Nach der vorerst höchsten Stelle auf etwas 460Hm geht es erneut hinab in die sumpfigen Gegenden. Wohl dreißig Zentimeter steht das Wasser hoch. Vorsichtig auf jeden Grasbüschel tretend oder immer öfter auch rücksichtslos geradezu geht es dem Goaskovarri entgegen, von dessen Höhe wir uns erneut weniger Mücken und Morast erhoffen. Doch selbst am beginnenden Aufstieg durch den Wald bleibt beides wegbestimmend und erschöpft durch die schweren Bedingungen gewinnen wir nur langsam and Höhe, bis wir schließlich auf offene Hügelkuppen gelangen und mit sehr viel mehr Leichtigkeit und Frohmut wandern können.
Nach dem Gipfel wohl zu weit östlich gehalten, kommen wir ein gutes Stück unterhalb der angepeilten Abzweigung zum Etappenziel Cunovuoppi auf die Straße. Bis zur erhofften Stelle geht es also noch ein Stück weiter auf Asphalt; nicht schön, aber die Richtung stimmt. Schon von Weitem die Kohte der kleinen Samisiedlung um Blick, wandern wir erschöpft zwar doch zufrieden mit dem Tag und besonders den letzten Abschnitt sowie das anhaltend sonnige Wetter das letzte Stück bis zu den Häusern. Leider sind wir gezwungen, etwas weiter vom Wasser gegen sieben unser Lager aufzuschlagen, doch glücklich sind wir, nach diesem ersten Wandertag, der ein doch anstrengender war, eine geeignete Stelle gefunden zu haben.
Wie seit einiger Zeit schon geplant, scheide ich mir hier, an diesem Tag, der Neues einleitet, meine Haare zum ersten Mal seit über vier Jahren. Ich schaue ein wenig reumütig, doch auch befreit und froh auf das blonde Büschel Dreadlocks auf dem Boden. Es ist die Zeit der symbolträchtigen Ereignisse und sofort gehen wir zum Wasser und obwohl der Wind schnell abkühlt, ist es so warm, dass wir uns für ein längeres, unglaublich wohltuendes Bad nutzen. Wieder draußen, freuen nicht nur wir uns über die Wäsche, auch die Mücken sind zahlreich erschienen. Mit Handtüchern wedelnd, die Sachen halb angezogen, halb auf dem Arm, gehen wir also recht schnell wieder zum Zelt zurück. Mit einer warmen beenden wir den jetzt kühlen Abend, führen noch Gespräche im Zelt. Es war ein fordernder, ereignisreicher erster Wandertag, es war ein schöner.


7.7. – 2.Tag
Cunovuoppi – Dúl´ljaddasjokka
12km; 3h35; 314Hm hoch, 221Hm runter
Zwischen den Flüssen

Windig und bewölkt erwartet uns der zweite Wandertag am späten Morgen und nachdem wir noch eine Weile weitergeschlafen haben, bauen wir das Lager ab und erledigen unsere wenigen Tagesvorbereitungen. Tatsächlich funktioniert alles schon recht gut, kann und sollte aber auch noch im Verlauf der Tour verbessert werden. Wenn alles Routine ist und man nicht mehr nachdenken muss, wo was liegt und steckt und vergraben ist, dann hat man auch das nötige Maß an Sicherheit erreicht, um den meisten Situationen angemessen zu begegnen. Um also gleich weiterzumachen: Natürlich gibt es Müsli. Wir gehen diesen Tag also eher gemütlich an, der ohnehin ein sehr kurzer sein wird.
Ohne große Steigungen gehen wir durch Krüppelbirkenwälder auf breiten Wegen, die uns durch eine schöne, aber nicht spektakuläre Landschaft führen. Die Wirkung dieser Umgebung ist aber ungemindert stark. Einsam ist es hier, sehr einsam und ruhig. Genau das Richtige, um einzutauchen in dieses Nordskandinavien, diese ursprüngliche Natur.
Nur selten müssen wir durch morastige Passagen waten und kommen schnell voran. Immer wieder über seichte Fjellkuppen wandernd und beständig von einem kräftigen Wind umweht, lassen uns auch die Mücken am heutigen Tag größtenteils in Frieden. Das sie erwähnt werden, liegt aber nichtsdestotrotz daran, dass wir uns noch lange nicht an sie gewöhnt haben. Schließlich muss der erste tiefere Fluss gefurtet werden, was entsprechendes Schuhwerk verlangt. Auf der anderen Seite, beschließen wir, das kurze Stück bis zum nächsten breiteren Wasserlauf, den wir auf der Karte erkennen können, in Flipflops zu gehen. Das erweist sich zwar leichter als erwartet und gibt zudem doch ein recht kurios anmutendes Bild, wird jedoch auch durch die länger als gedachte Distanz durchaus mit der Zeit unangenehm. Halt hat man natürlich nicht, die harten Sträucher kratzen über die Haut und als wir dann den Sorrebassinjohka vor uns sehen, ist schnell klar, dass der ganze Spaß noch nicht einmal einen Nutzen hatte. Bequem kann der seichte Fluss auch mit normalen Wanderschuhen überquert werden. Direkt im Anschluss allerdings folgt das anspruchvollste Moor: etwa zwanzig Meter breit und Knietief verlangt es viel Geschick und Kraft und nicht zuletzt eine gewisse Freude am Matsch. Als sich zeigt, dass ich die sehr viel besseren Schritte gewählt habe, stehe ich schon auf der anderen Seite auf festem Grund und lache Tim entgegen, der mit beiden Beinen knietief und schuhlos im Schlamm steckt und keines herausbekommt. Als jedoch auch er schließlich aus dem Sumpf hinaus ist, freuen wir uns über den großen Spaß und können nur lachend vermuten, dass der wieder entdeckte Weg weiter links durchaus besser zu gehen gewesen wäre.Der Rest des Weges ist erneut von seichten Hügeln und offenen Flächen geprägt, über die wir dem letzten Anstieg des Tages entgegengehen. Auf der Kuppe der Hügelkette angelangt, bläst uns der Wind mit enormer Kraft entgegen. Herbstlich ist das Wetter. Unter uns ist nun das kleine verlassene Samidorf zu sehen, in dessen Nähe wir heute unser Zelt aufstellen wollen.
Nachdem wir die Gegend um die zwei Flüsse erkundet haben, entscheiden wir uns für einen Platz kurz hinter dem Dealljadasjohka und bauen auf.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146806319887168850"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20hFDicNVI/AAAAAAAAAw0/qZScP9zmAQA/s400/100_8257.jpg" /></a>
Solange ich nicht da liege, eine gute Routine... so professionell haben wir das immer gemacht

Nach kurzer Wäsche ruhen wir für eine Weile im Zelt, da es unaufhörlich stürmisch windet. Ausgeruht und bei ruhigerem Wetter schauen wir uns am Abend die Hütten der Sami an und finden ihre Lagerstätte unordentlich und verdreckt vor. Nicht lange hält uns dieser uncharmante Platz und schon bald gehen wir zurück, um das Abendbrot vorzubereiten. Da der Wind nachgelassen hat und die Sonne wärmend scheint, beschließen wir, länger die Natur im Freien zu genießen. Ich entzünde ein Feuer, was nicht nur die nun zahlreicher werdenden Mücken vertreibt, sondern auch angenehmer Ruhe- und zeremonieller Verbrennungsort meiner einstigen Haartracht wird. Gegen zehn Uhr suchen wir Schutz im Zelt; ja: Noch immer haben wir uns nicht an die Mücken gewöhnt und ihre Anzahl macht uns das nicht leichter. Ich schreibe und Tim ruht; recht bald auch schlafen wir ein.


8.7. – 3.Tag
Dúl´ljaddasjokka – Ráisjávri
17km; 4h; 327Hm hoch, 348Hm runter
Windwanderer

Neun Uhr lassen wir uns wecken. Wir haben uns noch nicht dafür entschieden, einfach irgendwann aufzuwachen und los zu wandern, da wir nicht erst am Mittag den Tag beginnen wollen. Auch dieser Morgen erwartet uns sonnig, der harte Wind hat aber ebenso wenig nachgelassen. Nach dem Abbau des Lagers beginnen wir unseren dritten Wandertag gut gelaunt und ausgeruht. In sanften Aufstiegen geht es hinauf zum Jeageloaivi, von dem aus wir die weite Hügellandschaft überblicken können. Mit sehr leichtem Schritt folgen wir dem Höhenzug nach Norden über das offene Fjell, auf das wir schon so sehnsüchtig gewartet haben. Flechten und kleines Strauchwerk bedecken den Boden, immer wieder entdecken wir schöne Rentiergeweihe und wäre es nicht ganz und gar unnütz, ich hätte schon lange eines dieser weich geformten, glatten Symbolträger mitgenommen. Von einer Kuppe über die nächste führt der Weg. Es geht uns fantastisch und wir haben uns schon mit großem Genuss an diese Einsamkeit, die wir hier gesucht haben, gewöhnt. Plötzlich aber durchzuckt es mich gewaltig und auch Tim ist erschreckt, als rot und wackelnd immer mehr ein uns entgegenkommender Wanderer sichtbar wird, so wenig hatten wir das gerade jetzt erwartet, so vollkommen waren wir schon abgetaucht. Nach erster englischsprachiger Verständigung wechseln wir auch schnell zum Deutschen, denn wie kaum anders zu erwarten, sind wir auf einen Landsmann getroffen, mit dem sich ganz wunderbar unterhalten lässt. Das Übliche wird besprochen und wir verabschieden uns mit den besten Grüßen. Zwar ist es nicht das was ich hier suche, ab und an ist ein Gespräch mit anderen Wanderern aber eine angenehme Erfrischung auf dem Weg, eine kleine Unterbrechung des gewohnten Rhythmus.
Froh und beschwingt kommen wir weiter schnell voran und erreichen schon bald den Rivkkö, auf dessen höchstem Punkt wir im Schutze des mannshohen Steinhaufens unsere Mittagspause ohne stürmischen Wind genießen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146806538930500962"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R20hRzicNWI/AAAAAAAAAw8/MaBkxVtVXr8/s400/100_8262.jpg" /></a>

Weiter unten im Nordwesten ist schon der lang in der Landschaft liegende Ráisjávri zu sehen, an dessen Ufer unser heutiges Lager sein soll. Leichte Hügel bestimmen die Gegend, die nun auch von mehr Gewässern durchzogen ist, in der Ferne sind schneebedeckte Bergketten zu erkennen. Uns geht es ganz und gar gut. Seit einer Weile habe ich es sogar doch noch geschafft, den Hüftgurt des zu kurzfristig gebraucht gekauften Rucksacks and den Körper zu pressen, wodurch es sich nun viel besser wandern lässt. Ich mache mir Hoffnungen, meine blutig gescheuerten und von Hämatomen besetzten Hüften in der nächsten Zeit zu schonen.
Recht leicht steigen wir zum See hinab und nachdem wir eine moorige Passage hinter uns gelassen haben, werden wir nun auch von den Mücken im anschließenden Waldteil am Ufer des Sees erwartet. Kurzzeitig verlieren wir den Weg und müssen uns auf eigene Faust durch die hohen Sträucher schlagen. Viel kann man hier aber nicht falsch machen und schon bald treffen wir in Seenähe wieder auf die Markierungen. Diesen noch eine Weile folgend, erreichen wir die Unterkunft des DNT and der Nordostspitze, die zwar erwartungsgemäß verschlossen ist, uns aber eine schöne Zeltmöglichkeit bietet.
Ein ganz wunderbarer Ort ist das hier. Klar, ruhig und sandig ist das Ufer des Ráisjávri, der nach dem Zeltaufbau für ein kaltes, erfrischendes Bad genutzt wird. Von den zahlreichen Mücken bei nun schwächerem Wind kapitulierend, suchen wir das Zelt auf. Dank der Größe lässt es sich hier doch sehr angenehm verweilen und so schreiben, spielen und entspannen wir bis zum Abend. Vor der Mahlzeit bereiten wir noch Bannocks für die nächsten zwei Tage zu, die wir am liebsten schon jetzt essen würden. Wie die Meisterköche hätten wir fast flambiertes Essen gehabt, mit Glück entzündet sich das Öl aber erst kurz nach dem letzten Fladen. Die Mücken gesellen sich ebenfalls zu uns und es wird eine recht bunte Runde. Das Abendessen wird gekocht und die Hände benutzt, um diese kleinen schwarzen Punkte wegzuwedeln oder nicht weniger häufig aus dem Topf zu fischen: Gerne würde ich auch noch auf dieser Tour meine vegetarische Ernährung beibehalten. Möglichst schnell erledigen wir den Rest vor der Nacht, nachdem wir im Schutz des Zeltes geschlafen haben und verschwinden dann wieder. Gegen zwölf Uhr finden wir Schlaf.


9.7. – 4.Tag
Ráisjávri – Nähe Gironjavrrit
16km; 4h10; 223Hm hoch, 115Hm runter
Mückenplagen

Wir lassen uns erneut um neun Uhr wecken und stehen ungewohnt schnell auf, da uns einsetzender Nieselregen befürchten lässt, das Zelt nass einpacken zu müssen. Viertel elf beginnen wir dann also den Wandertag bei guten Kräften. Der Himmel ist noch morgendlich bedeckt. Da aber kein Wind bläst, ist es trotzdem recht warm. Dem Ufer des Ráisjávri folgend, gelangen wir schnell zum Moor an dessen Nordseite, in dem wir auch heute wieder den nur spärlich markierten Weg verlieren. Die Passage ist anstrengend und wie gewöhnlich umschwärmen uns hunderte Mücken. Glücklicherweise aber ist auch der Weg bald wieder gefunden, der kurze Zeit später tiefen Buggyspuren folgt. Schon anfangs wollte ich diese Richtung einschlagen und beschließe, von nun an meinem Orientierungssinn und Instinkt in größerem Maße zu vertrauen.
Deutlich schöner wird auch die Landschaft erst, als wir das Moor verlassen und lichtere Hügel erreichen. Schnell jedoch sind wir in dichtem Wald, den wir für die nächste Zeit kaum verlassen. So rechte Freude will uns deshalb nicht packen und ereignislos wandern wir bei nun aufgeklartem Himmel. Es scheint nun zwar die Sonne, allein die feste und warme Kleidung müssen wir zum Schutz gegen die Mücken anbehalten. Wir ärgern uns zwar, keine Chemikalien gekauft zu haben, müssen aber dabei immer aufpassen, nicht in Frust zu verfallen, allzumal uns diese Plagegeister noch über einen Monat mehr oder weniger begleiten werden. Erfreut betreten wir jedoch im letzten Abschnitt des Tages das Fjell, haben wunderbare Ausblicke nach allen Seiten und ein kräftiger Wind bläst uns endlich in die Gesichter.
Gegen vier Uhr werfen wir die Rucksäcke ab und suchen uns einen Platz für das heutige Lager. Nachdem wir jedoch an dem Ufer des Gironjávrrit auf eindeutig zu viele Mücken gestoßen sind, entscheiden wir uns für einen dem Wind ausgesetzten, freien Zeltplatz links des Weges auf einer Hügelkuppe. Wir waren mit dem ersten einfach nicht glücklich geworden und als wir schließlich einen Ausflug in die Umgebung gemacht haben, die Aussicht genossen, fanden wir letztlich auch den nun gewählten. Ein ganz schönes Hin und Her ist das zwar heute, aber man will ja genießen. Und mit den Mücken sind wir immer noch nicht gut Freund. Die Titelwahl deutet ja schon darauf hin, dass dies momentan einfach einer der bestimmenden Faktoren für uns ist.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146808871097742866"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20jZjicNhI/AAAAAAAAAyc/TzA0IqjpovM/s400/100_8267.jpg" /></a>

Trotzdem sitzen wir noch eine Weile draußen und schauen in die grünen, teils sumpfigen Täler unter uns, bevor wir das Zelt aufbauen und uns hineinlegen.
Am frühen Abend beginnt es zu regnen, tief dunkel ist der Himmel und die Mücken suchen wie wir den Schutz des Zeltes. Als ich mich gerade frage, wie wir die Interessen der Mücken und die unsrigen vereinbaren können, starten wir eine letzte Großaktion „Keine Ruhe den Ruhestörer“, schütteln die Wände hin und her und mit einem Male kommen mir die lange Zeit vergessenen Schneeklappen an den Lüftern in den Sinn: Entspannung und mindestens der Ausgleich zum 1:1. Wir kochen im Zelt. In Ruhe. Da wir recht müde sind, schlafen wir schon gegen halb elf ein.


10.7. – 5.Tag
Gironjávrrit – Nedrefosshytta
15km; 4h18; 206Hm hoch, 588Hm runter
Fallende Wasser

Zur gewohnten Zeit wachen wir auf, lassen uns jedoch mit dem Aufstehen Zeit, da es die Nacht hindurch geregnet hat und das Zelt so noch kurz trocknen kann. Jedenfalls ist das unsere offizielle Begründung. Der Tag wird nicht lang sein und wir haben die Zeit. Schließlich packen wir trotzdem nass ein und beginnen die Wanderung bei typisch skandinavischem, rauen Wetter. Der Himmel ist bedeckt und die tief hängenden Wolken umschließen die Berge, kühler Wind weht über das Fjell. Über Hügel geht es Ruchtung Westnordwest, immer wieder treten wir auf sumpfigen Untergrund, nasse Sträucher streifen die Beine.
Nach einer Zeit im Fjell unterschreiten wir wieder die Baumgrenze, steigen langsam hinab über steinbesetzte Wege, was durch die noch immer sehr schweren Rucksäcke allerdings schwerer als erwartet ist. Das Reisadalen liegt nun vor uns. Der Abstieg wird steiler, der Wald dichter, je näher wir diesem üppig grünen Tal kommen. Leichter Nieselregen setzt ein und wir nehmen den Weg zum Imofossen – natürlich. Die Rucksäcke lassen wir zurück und klettern schnell auf die letzte Felsplatte: Der Blick kann nicht ablassen von den zwei mächtigen Wasserfällen vor und unter uns, die sich rauschend in einem Becken vereinigen und eine so anziehende Gewalt ausstrahlen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146809090141074978"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R20jmTicNiI/AAAAAAAAAyo/-GrttMszAt0/s400/100_8274.jpg" /></a>

Nachdem wir alle Blickwinkel und Felsvorsprünge erkundet haben, sitzen wir fasziniert und innerlich aufgewühlt, selbst energiegeladen, auf den Felsen uns ruhen aus, wissen, dass solche Eindrücke einen prägenden Teil der Tour darstellen.
Schon bald, doch nach kurzen steilen und anstrengenden Anstiegen, gelangen wir wieder auf den Weg, der auf weichem Boden nahe dem rauschenden Hauptstrom das Reisadalen entlangführt. Der Regen beginnt nun, stärker zu werden und die Nedrefosshytta ist noch weiter entfernt als vermutet. Der Weg zieht sich und ist mit seinen Steinpassagen bei der Nässe teilweise schwer zu gehen. Wir wollen jetzt nur noch ankommen. Die Hängebrücke über den Fluss kommt endlich in Sicht und wir sehen zu, schnell anzukommen. Daran liegt es wohl auch, dass wir mit viel Mühe und Straucheln das davor liegende, steile Geröllfeld überqueren – des Weges sind wir uns hier nicht gewiss, wollen jetzt aber auch nicht mehr lange danach suchen. Auf der anderen Flussseite ist auch gleich die Hütte erreicht, während es mittlerweile schwer zu regnen begonnen hat.
Wir bauen schnell das Zelt auf, das leider, nachdem es nass eingepackt wurde, auch von innen feucht ist. Am seichten Ufer des breiten Flusses gehen wir baden. Genauer rennen wir zum Wasser und versuchen in einem wohl unglaublich seltsam anmutenden Akt, alle Gliedmaßen möglichst viel und stark zu schütteln. Alles ist so trocken als möglich im Zelt verstaut und auch wir sehen zu, so schnell, wie man es eben im noch nassen Zustand schafft, hineinzuflüchten. Zwar sind wir jetzt trocken, allein die Mücken waren in der Zeit nicht faul: Mit grob gezählten dreiundvierzig Stichen auf Tims Rücken, ebenso vernünftig vielen sowie einem zugeschwollenen Auge sehen wir schon recht kurios aus. Die anschließende Ruhe im Zelt haben wir uns verdient, spielen und widmen uns der Lektüre.
Erst gegen halb zehn bereiten wir das Abendmahl unter dem Vordach der Hütte, wo wir entspannter sitzen können. Allerdings essen wir, nachdem alles wieder etwas umständlich zurückgeräumt wurde, gemütlich im Zelt, das uns immer lieber wird. Recht bald legen wir uns auch heute schlafen. Wir sind müde. Die Mücken und der Regen erlauben wenig Entspannung während des Tages. Wir müssen versuchen, mit den Dingen, wie sie eben sind, zurechtzukommen und ihnen das ebenso Spannende und Erfahrenswerte abzugewinnen.

MrLast
14.11.2007, 22:46
wir warten schon alle ganz gespannt!
gibt es heute noch was neues? :ignore:

bergzwerg61
15.11.2007, 21:55
suchen wir das Zelt auf. Dank der Größe lässt es sich hier doch sehr angenehm verweilen und so...

Mit was für einem Zelt seid ihr denn unterwegs gewesen?
Und wie geht's weiter????

MrLast
15.11.2007, 23:26
ach, das werden feinen tage hier mit eurem bericht!

Issoleie
17.11.2007, 11:51
Mit was für einem Zelt seid ihr denn unterwegs gewesen?


Wir hatten auch dieses Mal wieder mein geliebtes Hilleberg Kaitum mit. Ich finds ideal für zwei Personen in Skandinavien auf längeren Touren mit dem Rucksack.
Ich hatte es mir damals gekauft, als es 2006 "neu"/offiziell herauskam (gab es ja schon davor). Nachdem ich ewig auf genau so ein Zelt gewartet habe, bin ich jetzt auch vollauf glücklich damit. Mal schauen, wahrscheinlich kommts sogar mit auf Solotour.
Falls ich da noch mehr zu sagen soll, enfach nachfragen.
Beste Grüße
Flo

Issoleie
17.11.2007, 17:08
11. 7. – 6.Tag
Nedrefosshytta – Saraelv
27km, 6h40; 140Hm hoch, 188Hm runter
Waldwanderer

Der Morgen erwartet uns freundlicher als gedacht und so können wir ohne viel Hektik das Lager abbauen. Als wir uns dem Zelt zuwenden, stellen wir geschockt fest, dass sich zwischen den beiden Wänden ganze Schwärme Mücken niedergelassen haben – wir schätzen über tausend -, die wir vor dem Einpacken ausschütteln. Wir beginnen den Wandertag entlang des Reisadalen mit Ziel Siemma. Recht eintönig wird uns bald der Weg. Dichter Wald, üppig grün bewachsener Boden und weiche Wege, die einen immer wieder kurz über steile Hügel führen. Wir passieren häufig gemütlich anmutende Raststellen und treffen nach etwa vier Kilometern auf eine offene Hütte, die bei dem schlechten gestrigen Wetter der ideale Übernachtungsplatz gewesen wäre. Wunderschön breiten sich weite Farnwiesen vor uns aus, bis zu den Oberschenkeln durchnässen sie uns, teilweise steckt man ganz im Grün. Auch die Sicht auf den Boden ist hier nicht frei, häufig lassen einen Steine und Wurzeln straucheln. Recht viel Freude bereitet uns diese Landschaft jedoch nicht. Wenngleich auch das Reisadalen malerisch zwischen den steilen Bergkämmen liegt, die Gegend jeden Naturbeobachter begeistern muss, zieht es uns doch möglichst schnell in das Fjell. Also beschließen wir, die heutige Tagesetappe auszudehnen und mindestens bis Saraelv zu wandern.

Möglichst zügig gehen wir über immer wieder unangenehme Wege, oft aber auch über flache und weiche, voran. Später als erwartet erreichen wir Siemma, wo wir gegen vier Uhr unsere große Pause machen. Tim treibt es mal wieder dazu, etwas zu machen, bei dem es den meisten Menschen schwer fallen dürfte, den recht eigentlichen Sinn darin zu entdecken. Friedlich und ruhig liegt am diesseitigen Ufer das kleine Ruderboot. Nicht lange. Natürlich gibt es gar keine andere Möglichkeit für Tim, als es für eine Probefahrt zu nutzen. Die doch eher geringe Größe hält ihn nicht ab, ebenso wenig das Vorhandensein nur eines Ruders. Die Venezianer schaffen das schließlich auch und so steht er aufrecht in der Schale, stößt ab und noch ehe er einen ernsthaften Versuch des Vorankommens machen konnte, liegt er auch schon im Wasser. Ich jedenfalls hatte damit meinen Spaß und da es ihn nicht davon abhalten kann, es ein zweites Mal zu versuchen, kann es so schlimm nicht sein. Dieses Mal gelingt es auch, hat aber natürlich keine weiteren Konsequenzen für unser Weiterkommen. Ja, der Zweck in einiges von Tims Vorhaben ist manchmal ein sehr verborgener. Da die Schuhe ohnehin immer nass sind, geht es auch wie zuvor weiter. Eher ereignislos geht es weiter, unverändert bleibt der Weg und nur der prachtvolle Molesfossen auf der anderen Flussseite ist ein willkommener Höhepunkt. Sind wir jetzt noch gut bei Kräften, werden die Schritte am Ende der Etappe schwerer. Über einen kurzen Teil Schotterstraße müssen wir noch und sehen schließlich doch eher als erwartet den Häuserverbund Saraelv. Der mutet zwar eher skuril an, wirkt wenig lebendig und ohne Charme, nichtsdestotrotz fragen wir aber im einzig heimisch wirkenden Haus nach der Erlaubnis, am Flussufer unser Zelt aufstellen zu dürfen. Diese erhalten, bauen wir am Schluss der Wanderung erst gegen dreiviertel acht unser Lager auf.

Das kühle Wasser des Flusses ist uns noch von gestern in guter Erinnerung – Tim weiß sogar schon, wie es sich heute gibt – und so nutzen wir auch heute wieder die Ankunftswärme sofort für ein Bad. Erfrischt kochen wir das Abendessen und gehen auch heute wieder für den Verzehr in das Zelt. Nun, wenigstens haben wir jetzt schon unsere Routinen. Eine Apsis des weggeklappt und die Sonne scheint direkt auf die Schlafplätze. Wir haben es genossen, heute so lange zu wandern und gut gelaunt wird der Rest des Abends erschöpft doch entspannt bei den üblichen Zelttätigkeiten verbracht. Zum ersten Mal haben wir auch Kontakt nach Hause. Das erste Paket sei in Ritsem angekommen, so hören wir. Für Kvikkjokk ist das verschickte allerdings noch unterwegs und in Ammarnäs konnte es laut Post gar nicht zugestellt werden. Noch machen wir uns darüber jedoch keine Sorgen, sondern schlafen schnell ein.


12.7. – 7.Tag
Saraelv – Kopmajoki
33km; 8h45; 1033Hm rauf, 388Hm runter
Fjellwanderer

Als wir etwas matschig im stark erhitzten Zelt aufwachen, wissen wir schon, dass wir einen anstrengenden Tag vor uns haben. Im Verlauf wollen wir allerdings erst entscheiden, ob wir im Fjell zelten, oder bis zur finnischen Kopmajoki durchlaufen. Das Wetter ist angenehm, die Sonne schein immer wieder zwischen den Wolken hervor.

Schnell gelangen wir auf der Straße zum anstrengendsten Aufstieg des heutigen Tages, dem ich etwas beunruhigt entgegensehe, da meine Achillessehne schon jetzt schmerzt. Durch Wald und auf erdigen, jedoch steinbesetzten Wegen gewinnen wir rasch an Höhe, unsere Sachen aber sind nass. Kaum kann man durchatmen, ständig geht es steil bergauf. Nachdem wir jedoch ein flacheres Stück erreich haben, sehen wir nach kurzer Zeit vor uns den Wald lichter werden und dahinter ist auch schon das Fjell zu erkennen. Noch geht es aber weiter bergauf und auch die so ersehnten offenen Flächen der Höhe ändern daran nichts. Fünfhundert Meter sind wir nun schon in die Höhe gestiegen. Endlich schweift unser Blick ungehindert über die Landschaft, ein kühler kräftiger Wind bläst in die Gesichter, leicht scheint dazu die Sonne. Sogar mückenfreie Zeit haben wir jetzt, wenngleich sich die meisten in Fliegen verwandelt zu haben scheinen, um bei dem Wind besser landen zu können. Uns stört hier aber gerade gar nichts und wir saugen diese schönen Augenblicke voll auf.

Zwar wird der Weg jetzt auch leichter, immer wieder müssen wir jedoch über Hügel und Bergrücken, die viel Kraft kosten, was besonders nach dem schon langen gestrigen Tag zu spüren ist. Doch wir sind froh, endlich im hohen Fjell wandern zu können, unter uns ziehen sich tiefe Taleinschnitte entlang, wir blicken auf leicht von Schnee bedeckte Bergkämme. Auch wenn wir wissen, dass dies mit sehr viel Anstrengung verbunden ist, beschließen wir, noch heute bis nach Finnland hineinzuwandern, um dort in der frei zugänglichen Hütte während eines Ruhetages entspannen zu können. Wir haben nun einen guten Wanderrhythmus erreicht, sind voll angekommen und schrecken uns also trotz der schweren nicht ob der Distanz.

Der weitere Verlauf des Weges ist hingegen kaum anders: Immer wieder müssen wir kurze Anstiege hinauf, der Weg an den Hängen belastet die Fußgelenke. Mit müden Beinen und schmerzenden Füßen gehen wir weiter, bis am Abend der Somájávri auftaucht, daneben die norwegische Hütte kurz vor der Grenze zu erkennen ist. Umständlich wird noch der Zufluss zum See überquert, was glücklicherweise ohne Schuhwechsel gerade noch möglich ist. Die letzten Hügel werden überschritten und Rauch steigt uns aus dem Schornstein des Häuschens entgegen, der heimische Duft von Feuer dringt in unsere Gemüter. Allerdings, wir wollen weiter. Ein gutes Stück ist noch zu gehen und wir hoffen, auf leere Betten in der finnischen Hütte zu treffen. Leichter Regen fällt herab, die Wolken hängen dunkel und tief über den Bergen, diffuses, halbdunkles Licht lässt die Landschaft unwirtlich und schroff, fast bedrohlich erscheinen. Endlich erblicken wir die Kopmajoki. Noch zwei Flüsse müssen wir queren, der Regen ist stark geworden.

Als wir gegen halb zehn die vier kleinen Hütten erreichen und kurz in jede geschaut haben, können wir nicht weiter mehr, als in tiefer, unglaublicher Freude völlig erschöpft auf die Holzpritschen zu fallen. Von der Hüfte abwärts schmerzt alles, doch noch einmal rappeln wir uns kurz nach der Ankunft auf, um uns im nahe liegenden Fluss erfrischend zu waschen. Draußen ist es noch ungemütlicher und kalt geworden und wir sitzen ruhig in der Hütte, genießen ihre Gemütlichkeit. Das Abendessen, normalerweise runder Abschluss des Tages, müssen wir uns am Ende eher hinunter zwingen, zu erschöpft ist der Körper noch. Sofort nach der Mahlzeit fallen wir in den verdienten Schlaf.


13.7. – 8.Tag
Ruhetag in der Kopmajoki
Fleißige Ruhe

Nach unruhigem, doch lang gezogenem Schlaf wachen wir auf, noch immer vollkommen glücklich über die Hütte. Um unsere Zufriedenheit zu erklären, sollten einige Worte über die kleine Anlage hier gesagt sein. Auf einer kleinen Anhöhe zwischen Hügeln gelegen und von breiten, flachen Flüssen umgeben, stehen vier kleine Häuser. Dicht oberhalb dicht beieinander sind die zwei kleinsten zu finden. Ein Abfallraum mit Mülltrennung, direkt daneben eine einfache Toilette. Kurz unterhalb ein Schuppen, zweigeteilt. Darin alles voll Holz nebst Verarbeitungswerkzeug, kleine Dinge für die Hütte dazu. Die Unterkunft selbst so sauber wie die drei anderen Häuschen. Man betritt einen schmalen, breiten Vorraum, durch den man zum Hauptraum gelangt. Dort finden sich neben den beiden zweistöckigen Holzpritschen, auf denen bis zu sechs Mann übernachten können, ein kleiner Ofen sowie ein Gasherd. Zwei kleine Fenster erhellen den etwa vierzehn Quadratmeter großen Raum, der ganz in Holz gehalten ist. Kurz: Alles übertrifft unsere Erwartungen.

Hier also lassen wir gemütlich unseren Ruhetag beginnen. Der Morgen ist noch immer regnerisch und stark treibt der Wind über die Hügel, die Wolken verdunkeln die Landschaft. Wir haben es also recht gut getroffen, heute die Pause zu machen. Nach dem Frühstück beginnen wir, unsere ganze Kleidung zu waschen. Im Ofen wird ein Feuer entfacht und in warmer, feuchter Luft entspannen wir bei Lektüre, Spiel und Gesprächen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146809644191856210"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20kGjicNlI/AAAAAAAAAzA/zzKDo5NkjOw/s400/100_8283.jpg" /></a>

Der Himmel klart gegen Mittag auf, immer wieder geben die Wolken der Sonne Platz, die warm hinunter scheint. Allerdings ist es leider zu ungemütlich, um draußen zu sitzen, schnell kühlt der Wind aus. So vergeht angenehm der weitere Tag. Aufgrund des schönen Aufenthalts und unserer Füße, denen es wohl auch gut täte, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir noch den morgigen Tag hier verbringen, sorglos, mit einem warmen Feuer und zur Regeneration.

Auch der Abend vergeht größtenteils ereignislos gemütlich. Das Wetter scheint sich überwiegend sonnig stabilisiert zu haben, der Wind weht weiter kräftig. Es schaut der Jüngste einer Kleinfamilie zu uns hinein, scheint jedoch leicht verunsichert und nach Absprache mit den Eltern gehen sie schließlich weiter. Wir beklagen uns nicht, bereiten Abendessen und lassen ruhig den Tag ausklingen. Die Wäsche ist vollständig frisch, die Füße weitestgehend behandelt und der Körper ausgeruht. Wir haben viel gegessen und schauen dem Kommenden froh entgegen.


14.7. – 9.Tag
Ruhetag in der Kopmajoki
Bonuspunkte

Tatsächlich bleiben wir einen weiteren Tag. Wir haben uns in der kurzen Zeit, die wir in der Hütte verbracht haben, schon so an sie gewöhnt, dass wir heute kein Bedürfnis verspüren, weiterzulaufen. Letztlich ist vieles so besser – sagen wir uns jedenfalls: Der Körper erholt sich vollständig, wir sparen durch den kleinen Gasherd enorm Spiritus, werden den Halti an einem Montag besteigen, an dem wohl weniger Menschen zu erwarten sind, genießen außerdem vielleicht zum letzten Mal häuslichen Komfort.

Zwar schlafen wir wieder länger aus, sind danach aber durchaus geschäftig. Bei gutem Wetter hacken wir Holz und füllen vollständig den Vorrat in der Hütte. Im Anschluss wird lange für die nächsten Tage gebacken, der Abwasch gemacht, genäht, viele Kleinigkeiten. Recht schnell vergeht der Tag, doch ich hadere ein wenig damit, den Sonnenschein draußen nicht richtig zu nutzen. Zwar kann man sich über das Wetter wirklich nicht beschweren, allein es weht keine Brise die die Mücken vertriebe. In Kilpisjärvi wird sicher Mückenmittel gekauft.

Weitere Zeit vertreibende Tätigkeiten folgen bis zum Abend, wir erledigen Kleinigkeiten für die morgige Wiederaufnahme der Wanderung, planen, überlegen. Der Tag klingt mit netten Gesprächen aus. Hat man sich an die viele Bewegung erst einmal gewöhnt, fehlt sie einem schnell, wenn man sie nicht mehr hat. Ein Tag wie dieser kann dann immer leicht eher zu einer Belastung werden. Noch geht es uns aber gut und wir haben das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ohnehin ist diese Tour keine, auf der wir in irgendeiner Weise zügig vorankommen müssten. Letztlich haben wir hier auch so viel Zeit, nicht jeden Tag viel erleben zu müssen. Noch immer scheint ungehindert die Sonne und wir freuen uns, morgen wieder zu laufen.


15.7. – 10.Tag
Kopmajoki – Pihtsujärvii
12,5km; 3h; 261 Hm rauf, 263 Hm runter
Ein leichter Tag

Wir haben gut geschlafen und könnten es auch noch gerne länger, wollen aber heute den Tag früher als den letzten beginnen, da wir ja endlich wieder wandern. Also packen wir unsere Rucksäcke, säubern die Hütte und lassen sie mehr zufrieden als reumütig gegen viertel elf hinter uns.

In angenehmen Anstiegen gehen wir nach Nordwest. Warm scheint die Sonne von dem grob bewölkten Himmel, kein Wind weht. Zum ersten Mal laufen wir in T-Shirts, da die Mücken zwar vorhanden, allerdings wenig aggressiv sind. Eine wahre Freude ist es, die Luft zu spüren. Ich habe auch nach den zwei Ruhetagen noch beunruhigend starke Schmerzen in der linken Achillessehne, hoffe, dass sie sich bald bessern und bange um den weiteren Tourverlauf. Selbst die stabilisierende Binde scheint kaum zu helfen. Sonst aber geht es uns wunderbar, wir haben keine Probleme mehr, den Rucksack zu tragen, der nun auch leichter ist, die Füße haben sich gut erholt und wir genießen das Wandern in vollen Zügen.

In Regensachen kleidend und zurück verbringen wir die Pause. Der Weg ist nun, wie erwartet, von viel Geröll geprägt, leicht abfallende Bergrücken bestimmen die Landschaft und weit kann der Blick leider nicht schweifen. Das Laufen fällt uns recht leicht und wir kommen ohne Anstrengung und sehr gemütlich bei netten Gesprächen schnell voran, blicken bald schon auf das Südende des Pihtsujärvi, zu dem wir noch hinunter wollen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146809790220744290"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20kPDicNmI/AAAAAAAAAzI/O84Lzkm_o1Q/s400/100_8287.jpg" /></a>

Nachdem wir einen unerwarteten Bogen um die letzte Hügelkuppe hinter uns gebracht haben und nach kurzem freien Lauf auch die Markierungen wieder sehen, liegt nicht weit unter uns die Hütte am See.

Schon jetzt sehen wir mehr Menschen als erhofft, doch wie befürchtet. Das Zelt müssen wir ebenfalls nahe einem anderen, allerdings an einem wunderschönen Platz aufbauen. Geräuschvoll und klar fließt hier das Wasser von den Höhen in den kühlen See, der mit seinem Steinstrand zum Verweilen lädt. Eine Weile also sitzen wir und ruhen, beobachten die Stille. Es ist noch früher Nachmittag, immer wieder kommt die Sonne hinter den dicken Wolken hervor. Bei der Ankunft noch hatten wir uns nach dem in der Karte verzeichneten Flugzeuglandeplatz umgesehen, werden jetzt belehrt, als über die Hügel eine kleine Maschine geknattert kommt und nach einer Schleife auf dem See landet. Neben uns macht der Pilot fest, doch auch als er aussteigt, eine Holzplanke zum Ufer schleppt, zu den beiden Seeenden fährt und sofort wieder abfliegt, ist uns die Absicht des ganzen Gebarens noch nicht klar, eher noch seltsamer kommt es uns vor. Wir haben Angst, lange Zeit nur in der Natur zu sein…

Ruhig verläuft der weitere Nachmittag, die Wolken ballen sich immer dichter, es wird kühler und wie schon Tim länger vor mir, suche auch ich das Zelt auf. Eine Wäsche bei Tim und ein volles Bad meinerseits runden auch heute wieder belebend ab. Als wir zum Abendessen hinausgehen, donnerst es einmal, doch bedrohlicher wird das Wetter nicht. Viel zu lange benötigt heute das Essen und als wir den Topf heben, höhnt uns schwarz und klebrig der heruntergefallene und vergessene Dichtungsring des Brennerdeckels entgegen. Für diese Panne die richtige Lösung zu finden, verschieben wir auf morgen und genießen vorerst die doch noch warme Mahlzeit, während Tim aus dem Fluchen so schnell jedoch nicht herauskommt. Für die kommende Halti-Besteigung hoffen wir auf klareren Himmel und schöne Aussicht und beenden den angenehmen Tag mit kurzem Gespräch.

Sapmi
19.11.2007, 10:12
Hei,
danke für Bericht und Bilder. Bitte mehr!
Freue mich schon auf die Fortsetzung. :bg:

Issoleie
25.11.2007, 21:36
So, weiter geht es, nachdem ich doch mehr als erwartet zu tun hatte.
Ich hoffe, der Anfang sitzt noch ein wenig im Gedächtnis und der Anschluss kann gefunden werden. Zum Überblick: Die Tour war entspannt! Soll reichen:D


16.7. – 11.Tag
Pihtsujärvi – Kuonjarjoki
20km; 4h45; 414Hm hoch, 316Hm runter
Resozialisierung

Leichter Nieselregen ist am frühen Morgen, noch vor dem Aufstehen, zu hören. Dichte Wolken bedecken grau den Himmel, hängen tief über dem See. Wahrlich schwer fällt uns der Beschluss, die Tour in Richtung Kilpisjärvi fortzusetzen und nicht den Halti, immerhin höchster Berg Finnlands, zu besteigen. Als wir aufbrechen, lösen sich die Wolken zunehmend auf, öfter scheint die Sonne hinunter. Schon bereue ich unsere Entscheidung, allein im Norden, wo der Berg liegt, ist bleibt weiterhin schwer verhangen, was mich doch versöhnt.

Gen Süden auf steinigen Wegen immer wieder über kleinere Geröllfelder gehen wir, stark weht der Wind, hält uns die Mücken vom Leibe und unterstreicht eindrucksvoll die Wildheit der Landschaft und des Wetters hier im Norden. Bald schon haben wir unsere Zeltnachbarn von gestern überholt und ab dem Mittag kommen uns immer wieder kleinere und größere Gruppen Wanderer entgegen. Zu viele für unseren Geschmack. Die Ferien haben begonnen. Wir haben uns schon an die Einsamkeit der ersten Tage gewöhnt, die Weite, in der alles nur auf einen selbst zurückkommt und man so intensiv Teil wird dieser Natur. Doch fast haben wir es auf diesem Abschnitt nicht anders erwartet und ohnehin wird es in Kilpisjärvi notwendig und unvermeidbar sein, unter mehr Menschen zu kommen.

Der Weg führt uns durch das schöne Tal des Kuopmegasjohka, das grün und wasserreich in der sonst so steinigen Umgebung liegt. Diesem bis zum Ende gemütlich folgend, erreichen wir den Meekonjärvi, an dessen Hütten wir länger pausieren. Weit nach Westen zieht sich von hier aus ein Tal, in dem sich ein See an den anderen reiht, durch kleine Zuflüsse miteinander verbunden. Nicht umsonst ist in dieser Gegend wohl jeder Finne mit einer Angel ausgestattet.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146809876120090226"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20kUDicNnI/AAAAAAAAAzQ/TX2wbY0eL1I/s400/100_8294.jpg" /></a>

Weiter müssen wir jedoch, steigen über angenehme Anstiege auf. Meine Achillessehne aber ist zu stark zu spüren, ich muss mit der Schuhschnürung experimentieren, bin wieder ob der anhaltenden Schmerzen von Zweifeln befangen. Nachdem ich jedoch herausgefunden habe, dass weniger Druck der empfindlichen Stelle gut bekommt, kann ich die nächsten Tage doch ruhiger erwarten. Keine Flüsse durchziehen die Landschaft, durch die wir nun gehen, der Boden aber ist feucht, von Pfützen und Rinnsalen bedeckt: Ja, wir müssen wohl doch in Finnland sein.

Weiter als erwartet steigen wir auf, bis am Ende die Kuonjarjoki erscheint, die wir gegen fünf Uhr erreichen. Noch ist keiner in der geräumigen Hütte, doch schon bald nach uns betreten auch zwei doch eher seltsam anmutende Finnen den Raum. Die zwei älteren, recht verschrobenen Männer lassen uns per Radio an ihrer Landeskultur teilhaben und anhaltend dudelt die russisch geprägte Volksmusik durch den Raum. Wir merken, dass wir einen anderen Begriff von Wandern und dem Leben in der Natur haben, bleiben aber trotzdem. Gegen Abend kommen noch Vater und Sohn an, ebenfalls finnisch. Platz genug ist hier bei weitem, eigentlich weiß ich nicht recht, was uns in diesem hotelartig anmutenden Raum noch hält. Wir kochen Abendessen, baden im Fluss und beenden nach Lektüre recht früh den Abend, um die schon schlafenden Mitbewohner nicht zu stören.


17.7. – 12.Tag
Kuonjarjoki – Saanajärvi Windschutz
27km; 6h15; 463Hm hoch, 623HMrunter
Bestes Gelingen

Erst geräuschvolles Schnarchen, dann die Aktivitäten von zwei der Hüttenbewohner wecken mich gegen sechs Uhr auf, ich bin hellwach. Da aber Tim noch wenig motiviert ist, aufzustehen, lege auch ich mich wieder hin und finde noch ein wenig Schlaf. Trotzdem stehen wir früher als gewöhnlich auf, die Etappe heute ist etwas länger und in Kilpisjärvi muss noch einiges organisiert und geschafft, zudem ein schöner Zeltplatz für einen zweitägigen Aufenthalt gefunden werden.

Zügig also packen wir und zügig auch ist unser Schritt. Noch ist es recht kühl, der Himmel lose bedeckt. Wie die Tage zuvor geht es über steinbesetzte Wege, doch auch während des Anstiegs zu Beginn kommen wir schnell voran. Neben einigen anderen Begegnungen macht uns die mit vier Ukrainern gleich zu Anfang besondere Freude. Kurz unterhalten wir uns mit den ersten dreien, al von hinten ein schon älterer Bärtiger vorbeiläuft, in den Händen einen Glockenbesetzten Stuhl. Ihr Projekt, wird uns gesagt. In drei Monaten mit dem Stuhl zum Ozean…

Locker kommen wir voran. Das Wetter wird angenehmer, immer wieder scheint warm die Sonne auf uns, der Wind geht ruhig. Unter uns liegt die Saarijärvi-Hütte und wir beschließen, ohne Pause noch bis zu ihr durchzulaufen. Schon nach zwei Stunden ist sie erreicht, der Tag ist noch jung und wir sind guten Mutes, noch genug Zeit in Kilpis zu haben.

Allein der weitere Weg ist anstrengender. Kleine Hügel müssen auf unwegsamen Pfaden überlaufen werden. Schon den Saana im Blick und den Kilpisjärvi bald auch unter uns, zieht sich der Weg länger als erwartet. Wir wandern nun durch idyllische, ruhige, offene Wäldchen, die sich grün um einen See ziehen; grün sind auch die Hänge. Erdige, doch noch immer steinbesetzte Wege überschreiten wir. Die Sonne scheint jetzt warm und dauerhaft und zum ersten Mal auf der Tour können wir für längere Zeit in T-Shirts laufen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146810245487277714"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20kpjicNpI/AAAAAAAAAzk/nBUYx22cBXU/s400/100_8297.jpg" /></a>

Endlich erreichen wir auch die Häuser Kilpisjärvis, dieser so nördlichen Stadt Finnlands nahe dem Dreiländereck. Er geht jetzt also wieder los, der Aufenthalt in der Zivilisation. Zuerst schauen wir in der Touristeninformation vorbei und fragen nach einer Internetmöglichkeit, deren Vorhandensein uns im westlichen Stadtteil angegeben wird. Froh darüber geht es weiter in die Kaufhalle. Wie erwartet sind die Preise unglaublich hoch, doch das Nötige wird – wenn auch eher spartanisch – nachgekauft und das Unnötige gönnen wir uns für die nächsten Zwei Tage. Der Einführungsteil der Tour liegt hinter uns, wir sind schon eine Weile hier unterwegs und beschließen, die Essensration pro Tag um hundert Gramm zu erhöhen. Richtig so. Zum Glück können wir zusammen mit den übrigen Norwegischen Kronen bezahlen und kommen mit gut sechzig Euro schließlich äußerst knapp an unser Limit. Mein Verdacht, der sich über den Tag gefunden hat, bestätigt sich hier: In Finnland ticken die Uhren anders. Macht ja aber rein gar nichts. Die Sonne geht ja immer noch gleich auf und unter.

Alles also geschafft, was wir schaffen wollten, machen wir uns an den letzten anstrengenden Aufstieg zum Saanajärvi, an dem wir einen schönen Lagerplatz zu finden hoffen. Die Rucksäcke sind schwerer und warm scheint die Sonne auf uns. Da wir außerdem beim Einkauf so gefräßig waren, tragen wir abwechselnd einen Einkaufsbeutel in der Hand. Strafe muss sein und so macht der letzte Teil doch zu schaffen. Die Kilometer des Tages sind zu spüren und so wir schließlich froh, den See vor uns, am Fuße des Saana, liegen zu sehen.

Erfolgreich testen wir das neu erworbene Mückenmittel, liegen genießend zum ersten Mal ohne viel Kleidung auf dem Fjellboden, lassen die Sonne an die Haut. Es geht uns fantastisch. Bis zum Abend sind wir hiervon nicht wegzukriegen, zu angenehm ist die Zeit. Erinnerungen an den letzten Sommer in Jotunheimen werden wach, wir sind bester Dinge, erfreuen uns am gemütlichen Friluftsliv. Im kühlen See nehmen wir ein Bad, kochen die Abendmahlzeit. Mühsam wird das neu gekaufte Essen für die nächsten Tage portioniert, leicht und mit Freude das zusätzliche verzehrt. Es ist schon spät und müde fallen wir um Mitternacht in den verdienten Schlaf.


18.7. – 13.Tag
Basislager am Saanajärvi
Glück und Unglück

Tief hängen die Wolken über dem See, umhüllen schwer den Gipfel des Saaana. Niesel tippelte bis zum Morgen auf unser Zelt. Als wir aufwachen, sind wir enttäuscht, denn, so scheint es, wieder wird eine Gipfelbesteigung von schlechtem Wetter verhindert. Faul liegen wir weiter im Zelt, haben jedoch Glück, heute noch anderes erledigen zu wollen und so also nicht den Tag über nur herumzuliegen.

Also bleiben wir nicht träge. Gegen Mittag brechen wir zum nördlichen Teil Kilpisjärvis auf. Über steinige Wege, die durch die Nässe nur schwer zu begehen sind, gelangen wir zur Rasthütte am gegenüberliegenden Ufer unseres Sees. Auch wenn keine Pritschen vorhanden sind, denken wir schon über verschiedene Möglichkeiten für den heutigen und morgigen Tag nach, erwägen, hier die Nacht zu verbringen. Erst einmal müssen wir jedoch weiter. Ähnlich bleiben die Pfade, über Hügelkuppen gehen wir von Wolken dicht umhüllt entlang am Fuße des Saana. Wir aus einer finsteren Welt fliegen vor uns Raben, groß wie Greifvögel, krächzend auf, beobachten uns von den felsigen Hängen, sitzen auf dem Wegpfeiler. Durch den Nebel gehen wir, benötigen länger als gedacht für die Strecke. Als wir aber an die Wegkreuze treffen, an der über Treppen der Aufstieg zum Berg beginnt, ist auch der weitere Teil ein leichter. Holzdielen überdecken den Boden und führen komfortabel hinab, schnellen Schritts gelangen wir bald zu den Häusern.

Der erhoffte Internetzugang kann hier von uns genutzt werden. E-Mails werden nach Hause verschickt, notwendige Organisationen meinerseits sind aber leider nicht möglich. Wir sitzen gemütlich im warmen Raum der Touristenhütte, während es um uns nach gekochter Speise riecht. Wir sind zufrieden, doch als wir bemerken, dass der Akku unseres Mobiltelefons fast vollständig erschöpft ist – unbemerkt war es wohl bei nächtlicher Kälte die ganze Zeit an -, müssen wir uns die weitere Planung noch einmal überlegen. Wir beschließen also, morgen in der Frühe noch einmal hierher zu kommen; vorbei führt der weitere Weg auf dem Nordkalottleden ohnehin fast. Sollte es, wie in der Station vorausgesagt, dann tatsächlich klareres Wetter sein, werden wir einen Tag länger verweilen und den Saana schließlich doch noch besteigen.

Im Ganzen doch mit einem guten Gefühl, gehen wir zurück. Der Wind hat zugenommen, leichter Nieselregen geht herab. Schneller erscheint uns nun die Strecke, vielleicht aber beeilen wir uns auch nur ob des schlechten Wetters so sehr. Nur etwa einhundert Meter weit reicht die Sicht, rau und schroff begegnet uns die Natur des Nordens gerade. Unsere Hosen sind Nass und nach kurzer Rast in bekannter Hütte gehen wir eilig zurück zum Zelt. Unbekannt erscheint uns nun für eine Weile die Landschaft in diesen veränderten Bedingungen, eine Weile sind wir uns des eigentlich klaren Weges unsicher.

Der erhoffte sichere Platz in der Schutzhütte nahe des Zeltes ist aber doch bald erreicht, allerdings leider auch schon belegt. Zwar ist für uns noch immer genug freie Fläche, doch zuvor wollen wir noch beim Zelt vorbeischauen. Es hat zu strömen begonnen und schnell gehen wir den kurzen Rest bis zu unserem Lager weiter. Von der Seite peitscht der Wind gegen die Zeltwand unseres Tunnels, schräg steht tapfer die kleine Festung, vom kraftvollen Ansturm des Wetters gebogen, die Heringe der Sturmleinen and der Windseite herausgerissen. Leicht geängstigt tun wir das Mögliche zur Verstärkung gegen die harten Böen im ohnehin schnellen Wind. Steine sind schließlich herangeschleppt, das Zelt gesichert und im Vertrauen auf die Stärke des geliebten Unterschlupfes sitzen wir im Innern. Die Wände flattern ununterbrochen, beständig wird die eine Seite gegen uns gedrückt, Wind streift auf der anderen meinen Rücken. Wir lehnen das Angebot der Wanderer im Schutzhaus ab, die noch einmal zu uns kommen, und verbringen die weitere Zeit bei Essen im Zelt, wollen sehen, wie sich die Lage entwickelt und fühlen uns langsam immer sicherer, finden sogar Freude an dem Ganzen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146810374336296610"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20kxDicNqI/AAAAAAAAAzs/czZBU7GLEGE/s400/100_8299.jpg" /></a>

Gegen fünf Uhr angekommen, stürmt es ungemildert bis hinein in den Abend, lässt erst etwas nach, als wir im Zelt das Abendessen bereiten. Gemütlich noch vergeht der Rest des Tages, auch wenn es draußen weiter unfreundlich bleibt. Die nächsten Etappen werden mit allen Eventualitäten und Möglichkeiten geplant. Nachdem auch noch das letzte Zusatzessen, das uns die zwei Tage beglückt hat, vernichtet ist und unsere Bäuche völlig überfüllt sind, legen wir uns gegen elf Uhr in die Betten, in denen wir zwar schon die ganze Zeit waren, die uns jetzt aber warm und angenehm in den Schlaf geleiten sollen. Bei weiteren Gesprächen, während draußen noch immer der Wind sein munteres Spiel treibt, lassen wir den Abend verklingen.


19.7.; - 14.Tag
Basislager am Saanajärvi
Bessere Aussicht

Der Blick aus dem Zelt lässt uns den Tag froh beginnen. Lockere Bewölkung erlaubt es der Sonne immer wieder, hinunter zu scheinen, der Luftdruck ist gestiegen. Nur der starke Wind hat sich vom Vortag hinübergerettet, die Temperatur ist erneut mit nur etwa zehn Grad Celsius recht kühl. Der Aufstieg zum Saana aber ist uns sicher. In aller Ruhe frühstücken wir im Zelt, planen noch den heutigen Tag.

Zuerst führt uns der Weg zur gestrigen Bergstation. Viel angenehmer ist es, heute dorthin zu laufen, wenn auch nicht weniger lang. Zeit allerdings haben wir ja bekanntlich auf der Reise und so ist es wunderschön, das Stück zu laufen, am Ende schon weit nach Norwegen und Schweden schauen zu können. Von der Technik profitieren wir dann aber auch am heutigen Tag wieder, als wir schließlich bei Tee in dem Haus sitzen. Heute wird also das Mobiltelefon aufgeladen und erneut überprüfen wir unseren E-Maileingang. Dadurch erfahren wir auch, dass das zweite Paket, jenes nach Kvikkjokk, angekommen ist. Allein das letzte bleibt noch verschollen und so schreiben wir der dortigen Station, um Genaueres in Erfahrung zu bringen. Nachdem alles erfolgreich abgeschlossen ist, beginnen wir den Aufstieg zum Saana.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146817443852465842"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20rMjicNrI/AAAAAAAAAz0/pkzu_Jtl1dw/s400/100_8301.jpg" /></a>

Über die bekannten Bohlenstiege von den Häusern Kilpisjärvis aus gelangen wir zu den uns schon gestern etwas unpassend anmutenden Treppen den Berg hinauf, die so gar nicht zu dem Wandergefühl hier im Norden passen. Zusammen mit etlichen Tagesausflüglern steigen wir hinauf, schnell geht es auf den komfortablen Holzstufen. Der Schritt ist so ganz ohne Rucksack und dem Ebenen Tritt leicht und wir überholen etliche Wanderer. Schon jetzt kann man in die Landschaft blicken, die häufig sonnenbeschienen unter uns liegt. Bald verlassen wir die Stufen, weiter führt der restliche Weg zu unserer Freude über Fels und auf unwegsameren Pfaden. Froh sind wir auch, von der etwas späteren Besteigung zu profitieren; recht zügig am Gipfel angekommen, können wir gemütlich und eher ungestört gegen drei Uhr länger pausieren, genießen den weiten und schönen weiten Blick über die Berge der drei sich treffenden Länder des Nordens. Rechte Ruhe haben wir um uns und auch das Gemüt wird ruhig und klar, hier oben fühlen wir uns frei und nehmen so viel der Eindrücke auf, wie wir können. Ein Greifvogel zieht langsam seine Kreise über der Ebene, wir sitzen an der steil abfallenden Ostkante des heiligen samischen Berges und lassen uns von der Ursprünglichkeit der hiesigen Natur einfangen. Kalt bläst uns schließlich der Wind beim Abstieg entgegen, raschen Schritts gehen wir abseits der Stufen über grasige nur von wenigen Steinen besetzte Hänge und orientieren uns in Richtung unseres weiteren Weges zum Zelt.

Dieses erreichen wir zufrieden und voll von Eindrücken. Das Wetter ist weiterhin stabil und so wurden erneut einige Zelte einer Gruppe nicht weit von uns aufgestellt, die wir schon von vorher kannten. Allerdings suchen wir jetzt wieder mehr Einsamkeit zu finden und bauen unser Lager ab. Provisorisch werden die Rucksäcke gepackt und wir gehen zurück zu der Hütte am gegenüberliegenden Ufer, die wir nun schon häufig besucht haben und schließlich als Nachtquartier nutzen wollen. Als wir die Tür öffnen, liegt schon ein Rucksack in der Ecke, wenig nur freuen wir uns. Als jedoch ein Schwede herein tritt und wir schnell und locker in Gespräche verfallen – viel besser, als das mit den Finnen die Tage zuvor möglich war -, ist der restliche Abend ein schöner. Viel verbleibt nicht mehr, erst gegen halb sieben kamen wir an. Wir gönnen uns ein Extraessen, das wir uns von einem Ruhetag vorziehen, der sicher ob des längeren Aufenthalts hier in Kilpis ausfallen wird. Bis zum nicht lange danach folgenden Abendessen erledigen wir noch einige Kleinigkeiten, genießen die Häuslichkeit der feuererwämten Hütte. Nach einigen weiteren Gesprächen mit dem netten Schweden beenden wir zur gewohnten Zeit am späten Abend den Tag.


20.7. – 15.Tag
Saanajärvi – Kuohkimajärvi
14km; 3h35; 330Hm hoch, 522Hm runter
Finnland, auf Wiedersehen

Schon lange vor uns verlässt der Schwede die Hütte, in der wir einmal mehr gemütlich ausschlafen. Die Rucksäcke schließlich zum Abmarsch bereit, brechen wir viertel elf auf den nun schon einige Male begangenen Wegen in Richtung Kilpisjärvi auf. Heute aber biegen wir in den Mallu-Nationalpark ein. Sehr idyllisch und unberührt ist die Gegend, bekannt auch für die vielen verschiedenen Insekten- und Vogelarten. Warm scheint die Sonne vom auch heute wieder überwiegend blauen Himmel, der Wind aber bläst, wie gewöhnlich, uns ebenso kalt entgegen. Die Bäume aber bieten ausreichend Schutz und so ist das Wandern eine Freude. Das wieder erhöhte Gewicht der Rucksäcke merken wir zwar, der Weg ist jedoch noch leicht und so kommen wir ohne Anstrengung zügig voran.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5136875526405456978"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R0nZEy7LhFI/AAAAAAAAAk0/4JkNO7jg0F4/s400/100_8309.jpg" /></a>

Nur kurz überqueren wir die große Straße und nach der Brücke, die den Zufluss des Siilasjärvi in den Kilpisjärvi überspannt, beginnt der Aufstieg. Nicht zu steil führt der Weg an den Berghängen entlang, schnell auch sind wir über der Baumgrenze und blicken das unter uns liegende Tal entlang. Ich freue mich über die mückenfreie Zeit und laufe trotz Kühle die Luft frei an mich lassend im T-Shirt – einer der seltenen Tage bisher, an denen es möglich ist. Der Himmel allerdings zieht sich immer mehr zu, herbstlich ist es nun auch heute wieder schon im Juli. Vorbei an noch vom zweiten Weltkrieg zurückgelassene Stahlkonstruktionen erreichen wir auf steinigen Wegen den Kitsiputous. Leich kommt der Wasserfall von den Felsen hinunter, eignet sich bei schönerem Wetter zur Dusche und es müssen wohl Trolle und andere Waldbewohner leise in den Nächten die Erfrischung genießen. Wir verzichten, zu belebt ist es auch heute wieder und Wolken bedecken den Himmel.

Der folgende sanfte Abstieg ist unangenehm. Auf schmalen, mit größeren Steinen besetzten Pfaden ist eine freie Wegwahl kaum möglich, die Schritte müssen genommen werden, wie sie kommen. Jedoch sind wir hier wieder weitgehend allein unterwegs, die Wanderer, die zur Tagesmitte auf einen stoßen, sind nun entweder schon passiert, oder hinter uns zurückgeblieben. Der am Ende erreichte Grenzzaun, an dem der Weg entlangführt, ist wenig schön, doch nicht lange und wir biegen das kurze Stück zur Kuohkimajärvi-Hütte ab, die ruhig und leicht versteckt am See liegt.

Nachdem wir ohne Hast angekommen sind, hacken wir Feuerholz und heizen den Ofen. Schnell ist es angenehm warm, die Sachen hängen an Wänden und auf den Leinen, die Schuhe stehen am Feuer. Im See baden wir, nutzen heute auch den Luxus, aufgewärmtes Wasser für eine gründliche Seifenwäsche nutzen zu können. Zurück in der Hütte kommen nach kurzer Zeit zwei weitere Wanderer an, die sich jedoch nach einem Spaziergang dafür entscheiden, lieber im Zelt zu schlafen. Uns soll es recht sein und bis zum Abend organisieren wir noch Dies und Jenes. Gegen halb acht dann gehen wir den kurzen Weg zum Dreiländereck, das zwar in seiner gesamten Erscheinung recht unspektakulär und sogar unattraktiv aussieht, ob seiner Geschichte aber ein sehenswerter Ort ist. Wir sind aber froh, erst jetzt hier zu sein, denn allein sind wir, können in Ruhe eine Weile verbleiben.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146817989313312482"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R20rsTicNuI/AAAAAAAAA0M/HKn75qiEjNM/s400/100_8314.jpg" /></a>

Schließlich wieder zurück, kochen wir Abendessen. Schon ungewöhnlich schläfrig ist uns, einigermaßen unaktiv plätschert das Ende des Tages dahin. Müde lesen wir, als plötzlich gegen halb elf ein Wanderer die Hütte betritt. Ja, schlafen wolle er hier, auch weitere noch mit ihm und sogleich treten seine Frau und der beiden zwei kleine Kinder ebenfalls durch Türe. Wenige Worte werden nur gewechselt. Wir räumen natürlich die Holzpritschen für die Familie, klauben die herumliegenden Sachen ein wenig zusammen und schlafen auf dem Boden, der gerade Platz für uns bietet. Während sich die Hütte mit Schlafgeräuschen füllt, bin ich auf den morgigen Tag gespannt.

Fjaellraev
25.11.2007, 22:28
Macht echt Spass den Bericht zu lesen, besonders natürlich jetzt wo ihr in für mich bekannte Regionen kommt ;-)
Wieso habt ihr euch denn in der Kuohkimajärvi-Hütte auf den Boden verzogen? Die Pritsche bietet doch Platz für 6 Personen... Naja ich habe ja auf der letzten Tour auch eine Nacht unter dem Tisch gelegen ;-) Aber da war wirklich nur Platz für eine Person auf der Pritsche.

Gruss
Henning

Issoleie
26.11.2007, 20:07
Naja, auf den Boden sind wir gegangen, weil auf den Pritschen diese ekelhaften Matrazen lagen und wir dann keine Lust mehr hatten, die noch umzuräumen. Außerdem haben die dann noch ihr Abendessen gehalten und ohnehin war uns das alles ein wenig zu bunt. Gekuschelt wird nur zu zweit.
Naja, dass man die Strecke von Kauto nach Kilpis nicht läuft, ist schon verständlich. Muss man auch nicht, würde ich sagen. Aber sehr schön einsam ist es dort schon. Wenn man nicht gerade den Juli als Zeitraum wählt, ist das da wirklich ganz nett. Es gibt halt weniger hohe Berge, es ist aber nicht minder abwechslungsreich. Den Halti zum Beispiel würde ich gerne noch mal mitnehmen und Finnland war ohnehin wirklich schön und wild. Wer Bäume mag, der findet auch am Reisadalen großen gefallen und ich werde mir das wohl auch noch mal anschauen. Eine leichte Etappe ist es bis auf wenige Ausnahmen insgesamt schon, allerdings eher für den Körper als etwa für die Schuhe.
Naja, jetzt geht es ersteinmal weiter und ich denke, einigen werden die kommenden Gegenden bekannter sein. Es ist zwar ein bekannter Weg, aber nicht jeder kennt ihn halt an einem Stück.
Ich hoffe, es macht noch Spaß.
Beste Grüße
Flo

Fjaellraev
26.11.2007, 20:29
Ich glaube Matrazen gab es da letztes Jahr im September nicht, sonst hätte ich die wegen unseres frühen Aufbruchs sicher in Erwägung gezogen (etwas weniger zu packen).
Das Teilstück von Kautokeino bis Kilpisjärvi kommt bei mir sicher auch irgendwann noch dran, genauso wie die Teile des Abschnitts nördlich von Ritsem die noch fehlen.
Aber die 80 Tage am Stück fehlen mir halt, und ich kenne so viele Ecken in denen ich mich gerne rumtreibe...
Auf jeden Fall Respekt dass ihr die Sache durchgezogen habt, und hoffentlich schaffst du das auch mit deinem lebhaften Bericht :D

Gruss
Henning

Issoleie
26.11.2007, 20:29
21.7. – 16.Tag
Kuohkimajärvi – Gappohytta
12km; 3h20; 358Hm hoch, 179Hm runter
Viel zu sehen

Nur kurze Zeit vor uns steht die Familie auf, doch schon zuvor war der Schlaf vom Summen der Mücken gestört. Nicht etwa, dass sie stechen würden, nein, sie schlafen ja auch noch halb, wollen wohl aber unbedingt ihre absolute Überlegenheit demonstrieren, indem sie ständig über einen hinweg fliegen und ständig Angriffsbereitschaft ausstrahlen. Sie haben es geschafft. Zwar ist auch der heutige Morgen unkompliziert, im Ganzen habe ich jedoch genug von den Hütten, in denen ich auch nie so gut wie im Zelt die Nacht verbringe und freue mich schon, ab jetzt die eigene Behausung wieder häufiger zu nutzen.

Auch heute hängen dicht und grau die Wolken, leichter Nieselregen fällt auf uns herab, als wir die Wanderung beginnen. Bald vorbei am Dreiländereck gehen wir gemütlich und langsam am Südufer des Goldajav´ri auf breiten matschigen Wegen. Nur kurz ist die heutige Tagesstrecke, doch die erste Pause wird nicht ausgedehnt, zu ungemütlich ist es bei nur acht Grad Celsius, kräftigem Wind ich leichtem Regen dazu. Den Wald verlassen wir recht schnell, für die nächsten Tage geht es zu unserer Freude wieder über das weite Fjell. Nicht zu lang ist der Anstieg und von Berghängen blicken wir bald schon in lange Täler. Trotz des Wetters ist das Gemüt leicht und leicht auch der Schritt. Wunderschön wild es hier, der graue Himmel, der Wind unterstreicht den Eindruck. Über viele Hügelkuppen, die norwegisch steil und gerade überwunden werden, gehen wir voran, haben körperlich keine nennenswerten Probleme mehr; selbst meine Achillessehne fühlt sich nun deutlich besser an. Schon die zwei Deutschen und zwei Schweizer, die wir bisher heute getroffen haben, schienen uns recht viel auf einer Etappe, auf der wir Einsamkeit erhoffen, als wir aber weiter vor uns eine Gruppe von etwa fünfundzwanzig sehen, bleiben wir stutzig stehen. Bald haben wir sie überholt, in unserem Alter oder jünger sind sie und als wir auch die Gappohütten vor uns erblicken, staunen wir erneut ungläubig.

Am malerischen Zusammenschluss einiger Flussbecken kurz unterhalb der Häuschen angekommen, geht ein Mann auf uns zu, mit dem wir länger ins Gespräch verfallen; ein Finne, mit dem sich munter sprechen lässt. Er führe eine fünfunddreißigköpfige Gruppe, die eine Tour anlässlich ihrer Konfirmation mache und er berichtet uns, während unsere Gesichter wohl immer trauriger blicken, dass sie hier unten ihre Zelte aufschlagen wollten. Kurz pausieren wir, wobei die Priesterin der Gruppe doch einigermaßen verwundert zu uns als Tim etwas laut und gestisch unterstützend ruft: „Don´t listen to the devil, I´m the only messiha“; so seine Überlegung für die für nachher angekündigte Predigt.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146818337205663506"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20sAjicNxI/AAAAAAAAA0o/CYihoBMfS-k/s400/100_8344.jpg" /></a>

Wir haben wenig Lust auf Ferienlageratmosphäre und da wir bei den vorhin vermuteten Wanderern selbigen Reisezweck und gleichen Übernachtungswunsch an diesem traumhaften Platz vermuten, gehen wir ein wenig weiter, um kurz oberhalb der Häuser das Lager aufzuschlagen. Die Schlucht des Flusses erkunden wir noch, während es leise zu nieseln beginnt. Nachdem das Wetter aber nicht besser wird, gehen wir in das Zelt, um bei Lektüre und Aufzeichnungen bis zum Abend zu ruhen. Ein wenig unzufrieden bin ich mit solch kurzen Tagesetappen, bei denen man schon am frühen Nachmittag die Wanderung beendet. Gerade bei solchem Wetter ist dann die Motivation gering, die Zeit vor dem Zelt zu verbringen. So vergeht der Tag, der noch mit schmackhaftem Abendessen bei nach wie vor schlechtem Wetter gegen halb zwölf ein Ende findet.


22.7. – 17.Tag
Gappohytty – Rostahytta
19km; 4h15; 398Hm hoch, 650Hm runter
Wasserwelten

Bei feinem Nieselregen wachen wir auf, öfter scheint auch die Sonne durch die Wolken. Schaut man in den Himmel, so bietet er alles Erdenkliche. Blaue Flecken sind immer wieder zu entdecken, schleierig liegen leichte Wolken tief auf den Hängen, Regenschauer sind weiter zu erkennen, Gipfel in dichte Schwärze gehüllt. Hart wehr der Wind, als wir aufbrechen. Es begleitet uns ein Regenbogen, parallel zu ihm führt unser Weg gen Südwesten hinauf in die Berge. Stärker wird nun auch der Regen, das Wetter ist rau und faszinierend und eher erleben wir es, als uns davon das Gemüte trüben zu lassen. Schon die Nacht über waren es nur vier Grad Celsius und noch immer ist es kalt.

Immer wieder ist der Boden auf weiten Flächen morastig, zahlreiche kleine Flüsse durchziehen die Hänge. Erneut begegnen wir mehr Wanderern als erwartet, haben alle acht aber schon nach einer Stunde hinter uns gelassen und einen freien, einsamen Weg vor uns, der durch die unwirtliche Landschaft führt.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146818466054682402"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20sIDicNyI/AAAAAAAAA0w/Rt98GxcAjaY/s400/100_8348.jpg" /></a>

Recht spaßig ist der obere breite Teil des Njärrejokko zu überqueren, was mit etwas Geschick auch ohne Gamaschen gelingt. Durch schroffe Gerölllandformationen geht es weiter hinauf, schnell jedoch kommen wir voran, sind gut auf. Noch immer ist das Wetter nicht besser und unsere stündlichen Pausen fallen nur höchstens zehn Minuten aus. Freudig aber muss man einfach bei den Eindrücken sein, Tage wie dieser lassen die Tour ein tieferes, intensiveres Erleben werden.

Auf etwa eintausend Höhenmetern haben wir den höchsten Punkt des Tages erreicht, weiter werden wir nunmehr abwärts durch das Isdalen gehen, das schon bald mit seinen grünen Bergflanken vor uns liegt.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5137228645731632338"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R0saPC7LhNI/AAAAAAAAAmM/hGPPc6L5dLc/s400/100_8352.jpg" /></a>

Immer wieder müssen größere und kleinere Flüsse durchquert werden, noch immer sind wir schnell unterwegs. Das Wetter bessert sich nun sogar unerwartet; als wir die Hänge des Tales entlanglaufen, hat es zu regnen aufgehört. Wir genießen bei der ersten langen Pause gegen viertel drei die ab und zu durch die Wolken scheinenden Sonnenstrahlen und sind von diesem schönen Tag begeistert. Etwas gemütlicher ist auch der weitere Weg auf weicheren Wegen, häufig wasserdurchtränkt. Über die letzten Hügel und in einer Kurve nach Osten und die Rostahytta liegt vor uns. Kurz ist das letzte Wegstück und am diesseitigen Ufer, den mächtigen Rostaelva bei der Seite, schlagen wir ein paar hundert Meter hinter den Hütten unser Lager gegen halb fünf auf.

Nachdem das Zelt eingeräumt ist, finden wir eine der bei der starken Strömung sehr wenigen Stellen, die zum Bade laden und erfrischt und zufrieden genießen wir anschließend die Wärme der Schlafsäcke, lesen, schreiben und ruhen. Nicht nur wie meist Tim, auch mich beschleicht heute der Schlaf nach der Wanderung und bis viertel neun wachen wir nicht auf. Hernach, wach und bei Kräften, kochen wir gemütlich unser Abendessen vor dem Zelt, blicken auf den Fluss und das Rostadalen hinunter, während der Himmel immer mehr aufklart. Erneut sind wir von der schwachen Leistung unseres Kochers unschön erstaunt, der fast dreimal so lange benötigt, wie es normal wäre. Der fest geschmolzene Dichtungsring wurde zwar schon vollständig entfernt und der Brenner durch geklopft, allein die Leistung lässt noch immer stark zu wünschen übrig. Da er dabei aber auch weniger Spiritus verbrennt, sind wir nicht in großer Unruhe und haben trotzdem unser Essen. Das aber lässt heute ebenfalls keine große Freude aufkommen. Einige wenige Suppen mussten wir leider zuvor aussortieren, weitere wurden wohl bei der dann doch zu komplexen Planung der Reise vergessen und so muss die Polenta heute pur gegessen werden. Nicht einmal der Hunger ist es bei mir, nur der Verstand lässt mich meine Schüssel leeren, denn Stärkung ist immer notwendig. Nach der Mahlzeit gehen wir ein wenig das gegenüber liegende Ufer hinunter, genießen den schönen Ausblick und das gute Wetter. Unsere Wanderung besingen wir, ruhig auf einer Felsplatte sitzend, zu der Melodie von „San Francisco“. Der kurze Rest des weit vorangeschrittenen Abends wird mit Gesprächen verbracht. Ein vollständig wundervoller Tag.


23.7. – 18.Tag
Rostahytty – Cievcasjávri
21km; 4h45; 630Hm hoch, 399Hm runter
Mehr als erwartet

Trüb ist es, der Himmel wieder Wolken verhangen. Zu unserem Erstaunen aber weht heute kein Wind und so gehen wir in T-Shirts halb elf dem langen Aufstieg entgegen, Steil führt der Weg die Hänge hinauf, stark schwitzen wir und pusten, kommen aber trotzdem recht flott voran. Kurz verlieren wir den Weg, finden ihn dann aber nach einem Bogen an vermuteter Stelle bald wieder. Immer weiter gehen wir aufwärts, nur selten gibt es einen flachen Teil. Weit kann man hier nicht blicken, Hügel und Hänge reihen sich aneinander. Erneut überholen wir die von gestern bekannten Wanderer, auch die andere Gruppe ist schnell hinter uns. Kurz den vor dem Gassajaggejavrit, direkt auf dem Weg und darum, treffen wir auf eine Rentierherde von wohl dreihundert Tieren, die wir wohl nicht mehr so nahe gesehen hätten, wären wir hinter den Mitwanderern unterwegs gewesen. Teilweise kommen wir auf zwanzig Meter heran, doch die Herde ist nun eher bestrebt, ruhigere Hänge zu erreichen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146819316458207074"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20s5jicN2I/AAAAAAAAA1U/WlRNRcdA6hQ/s400/100_8370.jpg" /></a>

Über Blockfelder geht es weiter und als wir nach den beiden Seen in der Nähe erneut aufsteigen, merken wir schnell, die Karte ungenau gelesen zu haben. Mit einem weiteren Anstieg hatten wir nicht gerechnet, müssen jetzt jedoch bis auf eintausendfünfzig Höhenmeter. Wenig weiter über steinige Wege erblicken wir unter uns die Deartahütten.

Ungemein steil ist zuerst der Abstieg, läuft schließlich aber flach aus und die Umgebung ist nun auch wieder grüner. An den Hütten lockt die Sonne, die vom aufgeklarten Himmel scheint, zu einer längeren Pause und ihre Wärme tut gut auf der Haut. Beenden wollen wir die heutige Wanderung hier aber noch nicht. Um die morgige Etappe zu verkürzen, gehen wir noch einige Kilometer weiter. Dich vorbei an den Seen- und Flussverbänden über kleine Hügel und gewundene Pfade gehen wir noch munter fort. Kurz vor dem großen Cievcasjávri finden wir einige hundert Meter rechts des Weges gegen halb fünf eine traumhaften Zeltplatz.

Auf anschließende Entspannung bei Sonnenschein freuen wir uns schon, nutzen den kalten See sofort für ein Bad. Wieder hinaus aber haben sich die Wolken am Himmel ihren Platz schon gesucht, schnell wird es bei immer noch kühlen Temperaturen um die zehn Grad Celsius und unzähligen Mücken ungemütlich. Also bauen wir das Zelt auf und ruhen einmal mehr bis zum Abend aus. Vor dem Zelt wird noch gekocht, dann aber gehen wir, verscheucht, hinein, um erst gegen zehn Uhr zu essen.


24.7. – 19.Tag
Cievcasjávri – Ole Nergord-bua
24km; 5h20; 562Hm hoch, 906Hm runter
Talfahrt

Als wir zur gewohnten Zeit aus dem Zelt steigen, laufen einmal mehr am etwas entfernt vorbeiführenden Weg die uns bekannten Wanderer schon entlang. Auch wir brechen bald auf. Noch anfangs über die kleinen Hügel, die schon gestern den Tagesabschluss gebildet haben, gehen wir bald in T-Shirts und schwitzend hinauf, dem Jalguhas-Gipfel entgegen. In muntere Gespräche vertieft und schnell in flacherem Gelände, sind wir auch heute wieder sehr flott unterwegs, haben viel Freude am Wandern.

Am Hang des Stuorra Nam´na stehend, blicken wir auf das wasserreiche Skaktardalen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5137229135357904194"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R0sari7LhUI/AAAAAAAAAnI/S0aehV4uHgo/s400/100_8376.jpg" /></a>

Weit zieht es sich quer zu uns nach beiden Seiten, die Berge verlieren sich im Dunst. Hinab müssen wir zu unserem Missfallen, denn schon auf der anderen Seite baut sich vor uns steil der Hang auf, über den nun weiter unser Weg führt und manchmal wäre man fast froh, nicht so weit in dieser Landschaft schauen zu können. Weniger mit leichtem Schritt geht es jetzt aufwärts, zuerst noch auf erdigen Pfaden. Zwischen den beiden Jar´ta Geschwistern, die wortlos uns grüßen, schon weniger anstrengend, doch über Geröllfelder. Der Wind frischt hier oben auf und kühlt uns an diesem doch eher milden Tag angenehm die von der Anstrengung verschwitzten Körper.

Weiter noch als gedacht laufen wir den Hang entlang, Mücken strapazieren unsere Nerven und schon recht erschöpft sind wir, als steil das Dividalen unter uns auftaucht. Bewaldet sind seine Hänge, üppig grünt es überall und breit fließt der Strom auf seinem Grunde. Shcnell zwar sind die Bäume erreicht, allein, der Kräfte zehrende harte Abstieg ist noch nicht beendet. Waldwege führen uns zuerst durch Krüppelbirkenhaine, später gehen wir durch urigen Nadelwald. Beeren sind am Wegesrand zu finden, sind aber noch nicht reif und so mpssen wir auch die verlockenden Moltebeeren stehen lassen. Ab und an bricht die Sonne durch die Wolken und nachdem wir die Dividalhytta passiert haben und den Fluss erreicht, ist der Großteil geschafft. Entspannter können wir den kurzen Rest der heutigen Etappe fortsetzen.

Recht froh sind wir, nach kurzem Irrweg die Schutzhütte Ole Nergord zu erreichen, doch wenig einladend präsentiert sie sich. Zwar den Charme einer kleinen Waldhütte besitzt sie, etwas muchig und dreckig, voll von zurückgelassenen Gegenständen wollen wir aber kaum hier verweilen. Eine Zeltmöglichkeit ist aber nicht zufrieden stellend zu finden und wir beschließen schnell, den hier geplanten Ruhetag nach hinten zu verschieben und machen es uns mit einem Feuer im Ofen schließlich noch recht angenehm. Kleine Dinge werden erledigt, der Fluss auch heute zu einem Bade genutzt und die müden Glieder können für heute entspannen. Viel tun wir nicht mehr, ein wenig früher als gewöhnlich gehen wir zu Bett.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5137229238437119314"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R0saxi7LhVI/AAAAAAAAAnQ/rqvKO38FDkE/s400/100_8377.jpg" /></a>


25.7. – 20.Tag
Ole Nergord-bua – Vuomahytty
15km; 3h40; 494Hm hoch, 89Hm runter
Waldwäsche

Am Morgen verlassen wir zur angewöhnten Zeit die Hütte, um wieder auf den Nordkalottleden zu gelangen, den wir gestern etwas seitlich liegen gelassen haben, verlassen auch recht bald das Dividalen über seine steilen Hänge im Osten. Bei doch angenehmen Temperaturen um die vierzehn Grad Celsius und Windstille wandern wir kurz bekleidet, zum ersten Mal auch mit nur knielangen Hosen und Tim mutet doch recht seltsam an, hat er doch noch die Gamaschen dazu angezogen.

Durch Wald führen die Wege entlang des Anjavasselva, der schmal und donnernd unter uns fließt. Je länger wir wandern, desto dichter wird das Grün. Die Nach über hat es geregnet und jeder unsanft gestoßene Baum, jeder zur Seite geschubste Strauch antwortet mit einem Nässeschauer. Schlammig ist der Boden, immer wieder geht es auch über Bohlenstiege. Schnell ist hier nicht voranzukommen, auch unsere Beine sind von den letzten Tagen schwer, der Kopf ein wenig müde. Viel Freude will nicht richtig bei uns aufkommen, Waldetappen sind uns nicht die liebsten. Zur kleineren Aufheiterung aber sehen wir die erst fast schon reifen Blaubeeren, probieren jedoch nur wenig und schauen mit Zuversicht auf die nicht mehr zu fern liegenden Tage der Ernte.

Vollständig vom Gesträuch durchnässt und auch von den aggressiver werdenden Mücken in den Pausen geplagt, überschreiten wir schließlich, um den Hang des Blofjellet biegend, die Baumgrenze. Weit ist es jetzt nicht mehr bis zu den Hütten, viel weiter aber könnte ich auch kaum, zu sehr schmerzt der Sehen- und Muskelstrang vor dem Schienbein. Jeder Schritt kostet jetzt, da der Körper sich auf die nahe Ruhe einstellt, viel Überwindung und ich bin froh, dass die Vuomahytta schnell erreicht ist. Wir haben genug von der heutigen Etappe und schmeißen an diesem schönen Fleck unsere Rucksäcke ab.

Schnell gehen wir zum See hinunter, nehmen ein kurzes, sehr wohltuendes Bad. Erst dann ruhen wir vor den Hütten, suchen uns schließlich näher am See ein von einem Hügel von den der Anlage getrennt einen Zeltplatz, an dem sich mit Vergnügen auch der morgige Ruhetag verbringen lassen wird. Die dichte Wolkendecke ist aufgerissen, warm und schön scheint nun die Sonne auf uns. Wir nutzen den Moment und waschen unsere Kleidung für die nächsten Tage. Damit fertig und zum Sonnetanken bereitet, verdecken erneut schwere Wolken den Himmel; rechtes Glück scheint uns nicht gegeben. Von der Kühle nach längerer Zeit dann doch gegen sechs Uhr in das Zelt vertrieben, fängt es auch kurze Zeit später zu regnen an. Rasch muss die Wäsche hineingeholt werden, die Zeit wird dann trocken und bequem im Zelt verbracht. Bis zum Abend hört es nicht auf und nichts Besseres bleibt uns, als zu lesen, zu schreiben und wieder zu lesen, den Tag recht träge zu verbringen. Eine kurze Regenpause nutzen wir zum Kochen, müssen aber mittendrin erneut fliehen; stark kommt es jetzt vom Himmel hinunter. Sehr müde beenden wir schon kurz nach zehn Uhr den Tag.

hikingharry
26.11.2007, 23:21
Vielen Dank für die ausführlichen Beschreibungen. 2003 bin ich ja auch diesen Weg gegangen, zumindest den Nordteil ziemlich gleich wie ihr. Es tut gut wieder mal was davon zu lesen. Interessant, wie sich so manche Erlebnisse ähneln, zB. die ersten Blaubeeren im Anjavassdalen, oder die Nässe dort, oder auch das eher schechte Wetter und das schlechte Wetter auf dem Weg zur Gappohytta.

In offenen Hütten zu schlafen haben wir dann auch aufgegeben als dann in der Kuohkimajärvi-Hütte ein Wanderer um 23:30 reinkommt und ungerührt kocht, und dann noch ca. 2 Stunden Schuhe putzt - dieses Geräusch lies mich einfach nicht einschlafen.

Aber ich schweife ab.

Nochmals danke, und ich freue mich wenns weiter geht.

Gruß hikingharry

Issoleie
28.11.2007, 19:17
So, fünf weitere kurze Tage sind fertig.
Hikingharry, dein einer Beitrag damals im Trekkingforum hatte mich ja auch den Entschluss fester fassen lassen, dass ich die Tour in einem Rutsch machen will. Naja, ist ja am Ende auch noch ein bisschen länger geworden. Aber darauf, wie allen in späteren Jahren ist, freue ich mich auch schon. Tim und ich haben auch schon beschlossen, dass immer wieder mal zu machen, dann aber wohl nur den Nordkalottleden und in strafferem Schritt, sofern die Beine dann nicht schon zu lahm sind, denn das nächste Mal die Wanderung in einem Rutsch wird ja noch ein paar Jährchen dauern.



26.7. – 21.Tag
Ruhetag bei der Vuomahytta
Liegelänge

Nieselregen geht am Morgen auf das Zelt nieder, schon jetzt ist abzusehen, dass der Ruhetag sicher zu ruhig werden wird. Wir beginnen also unsere Pflicht zu erfüllen und schlafen bis kurz nach zehn Uhr. Auch das Frühstück wird im Zelt verputzt, es wird sich ganz dem Tag gemäß verhalten. Besser wird es auch nicht. Froh sind wir zwar über die Gemütlichkeit des Kaitums, allein die Dauer des Aufenthalts verdirbt bald jede gute Laune. Träge widmen wir uns der Lektüre, essen und liegen, liegen.

Nicht aber von Dauer ist der Regen, ab und zu gehen wir hinaus, die von gestern nassen Kleider auf die Leine zu hängen, nut, um nach einer nicht zu Langen-Weile beim Geräusche der ersten auf das Zelt tippenden Tropfen hinaus zu springen und sie erneut ins Trockene zu legen. Ohnehin hat das alles Wenig Sinn, hält uns aber auf Trab. So geht es den Tag über, Vieles passiert einfach nicht und wir haben auch keine große Lust, einen Spaziergang im Regen zu machen, allzumal mein Schienbein noch schmerzt. Wir planen die nächsten Etappen, berechnen auch die wohl noch anfallenden Kosten. Ein kleines, spaßiges Liedprojekt wird begonnen, soll aber erst am Ende der Tour abgeschlossen werden. So vergeht, schwer ist´s zu glauben – tatsächlich ein Tag. Noch am Nachmittag fragen wir in den belegten Hütten danach, unsere Wäsche trocknen zu dürfen, denn recht will es anders nicht gelingen. Froh sind wir über die zwar eher höfliche denn freundliche Erlaubnis, das Ergebnis aber ist das Gleiche und stellt uns zufrieden. Erneut im Zelt müssen wir kochen, beenden zu gewohnter Zeit einen Tag, der durchaus ganz und gar unspannend war.


27.7. – 22.Tag
Vuomahytta – Gaskashytta
17km; 3h50; 331Hm hoch, 492Hm runter
Sonnenkinder

Früh wache ich auf und der Blick aus dem Zelt zeigt einen erneut bedeckten Himmel. Anders aber, als um neun der Wecke klingelt. Schon spürt man immer wieder die Sonne den Schlafraum erwärmen und tatsächlich, draußen sind die Wolken aufgelockert, blaue Flecken immer wieder zu sehen. Wir holen unsere Kleidung aus der Hütte, deren Bewohner uns nun auch zugewandter ist. In der anderen sehen wir die seit Tagen mit uns laufende Gruppe der vier Norweger.

In kurzer Hose und T-Shirt laufen wir los, auch heute verwende ich wieder keine Trekkingstöcker, auch wenn das wohl meinem Schienbein vor drei Tagen zum Verhängnis wurde. Zu leicht scheint aber heute die Etappe zu werden und sogar Tim verzichtet zum ersten Mal auf die Gehhilfen. Bei schönstem Wetter und guten Mutes gehen wir entlang der grünen Talflanken über steinbesetzte Wege angenehm sanft bergauf, neben uns den breiten Vuomajokka. Gemütlich und recht leicht ist uns das Wandern, Gespräche untermalen den lockeren Tag. Den Anstieg hinter uns, geht es nun länger über Geröllfelder, rauer wie auch sonst ist die Landschaft um die neunhundert Höhenmeter.

Schon ist vor uns der tiefe Einschnitt zu erkennen, den der Gaskasjokka auf seinem Weg in den Altevatn zieht. Kurz nach zwei Uhr können wir nicht mehr anders, schnell schon sind wir bisher vorangekommen, warm schein noch immer die Sonne vom blauen Himmel. Die Kleider müssen einfach weg, und wir liegen genussvoll eine Stunde auf dem grasigen Boden, freuen uns, nichts weiter. Dann aber geht es doch noch am frühen Nachmittag weiter. Recht bald auch sehen wir den großen See unter uns liegen, gehen den Gaskashütten, die weiter oben am Hang liegen, weiterhin mit gemütlichem Schritte entgegen. Gemäßigt absteigend erreichen wir wieder grüne, nasse Wiesen, zahlreicher und kräftig stehen die Birken hier, über flache Hügel führt der Pfad.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5137953743585379762"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R02ttS7LhbI/AAAAAAAAAow/kjQtLc0dvkw/s400/100_8384.jpg" /></a>

Nach kurzem Überlegen wählen wir schließlich doch einen Zeltplatz direkt am schnell fließenden Strom, wunderschön liegt er zwischen licht stehenden Bäumen. Einmal mehr haben wir das Gefühl, genau die richtige Entscheidung zu treffen. Auch wenn wir noch weiter können, bietet der Weg am Altevatn wohl kaum Zeltmöglichkeiten, an den Hütten wären wir nicht wirklich allein. Als sind wir vollauf zufrieden. Der Fluss bieten besten Ersatz für ein Spaßbad und immer wieder lassen wir uns von der Strömung eine Stück weit treiben, bis schließlich die Gliedmaßen immer weniger zu spüren sind. Weiterhin das fantastische Wetter nutzend, liegen wir zwei Stunden in der Sonne und ich entdecke, welch freies Gefühl es ist, ohne Kleidung in der Natur zu liegen und in vollen Zügen kosten wir das Leben hier aus, sind überglücklich über den ersten reinen Sonnentag. Tim packt es wieder einmal, nachdem nach der schönen Wetterlage schließlich doch Wolken den Himmel immer mehr dominieren und seinen ab und an aufwallenden Energieschüben folgend, baut er bis zu einem großen Stein mitten im Fluss einen Staudamm.

Wer ihn sieht, wird merken, dass er außer für Menschen, die einmal gerne auf einem Stein im Fluss sitzen möchten, wenig Sinn hat. Zwar kochen wir heute Abend vor dem Zelt, essen aber lieber in Ruhe im Innern, da die Mücken uns dann doch zu lästig sind und wir außerdem schwerlich gegen die Macht der Gewohnheit ankämpfen können. Bei Gesprächen und Lektüre geht auch dieser außerordentlich wundervolle Tag schließlich zu Ende und zufrieden schlafen wir ein.


28.7. – 23.Tag
Gaskashytta – Lai´revaggejokka
23km; 4h55; 526Hm hoch, 230Hm runter
Es wandelt sich immerzu alles

In kurzer Kleidung zwar beginnen wir die Wanderung, warm auch ist es, doch Wolken verhangen zeigt sich der Himmel. Darüber schon etwas enttäuscht, nachdem wir gestern so verwöhnt wurden, ist ähnlich unschön der Weg: Noch weit vom Ufer des Altevatn entfernt, müssen wir durch dichten Wald. Aufgeweicht und schlammig ist der Boden, wellig geht es voran, wenig Erfreuendes ist zu sehen und zu finden. Es will uns nicht so recht der Beginn des 23. Wandertages gefallen.

Die Bäume hinter uns gelassen und dem See nun näher, ist es zwar landschaftlich schöner und offener, schnell aber gelangen wir in die Häusersiedlung Slottmoberget. Viele Menschen begegnen uns hier und auch das trägt kaum zu unserem Wanderglücke bei. Blaue Flecken sind immer wieder über uns zu sehen, doch irgendwie ist es möglich, dass die Sonne fast nie zu uns hinunter scheint.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146820390200031154"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20t4DicN7I/AAAAAAAAA2A/L-1QlLvsTxk/s400/100_8389.jpg" /></a>

Wir gehen auf zivileren Wegen, bald auch auf der monotonen Straße nicht weit des Ufers durch die Häuser. Den Altevatn über seinen westlichen Staudamm überquert, geht es unterwartet weiter auf der Schotterstraße.

Aufsteigend wandelt sie sich immer mehr zu einem befahrenen, erdigen Weg und mal darauf, mal daneben kommen wir zügig voran. Üppig grün sind die Hänge am Salcasskardelva, über Hügel und sanfte Aufstiege folgen wir dem Lauf des Flusses. Wunderschön zieht sich hier die Landschaft in die Höhe, nun auch immer wieder sonnig beschienen. Länger liegen wir zur Pause auf der Wiese, kalt zwar bläst der Wind, zu idyllisch ist es jedoch, um nicht zu verweilen. Auch ist es hier wieder angenehmer, zu wandern, wir haben den Spaß zurückgefunden. Unerwartet müssen wir anspruchsvoll über den sich teilen Fluss, schmeißen selbst zur Tritthilfe Steine vor uns in das Wasser. Es führt der Weg die letzten Hänge hinauf und an den Ufern des Lai´revaggejokka finden wir, ideal gelegen, einen einsamen und ruhigen Zeltplatz.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146820725207480274"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20uLjicN9I/AAAAAAAAA2Q/bw5fJS9qtmE/s400/100_8394.jpg" /></a>

Ruhe aber haben wir gerade keine. Schon ist die zuvor bedrohlich herangerückte schwarze Wolkenwand über uns, Nieselregen fällt nieder und wird stärker und wir beeilen uns mit dem Lageraufbau. Alles noch gerade trocken untergebracht, nehmen wir noch während es regnet ein Bad im kleinen Seitenbecken des Flusses, um schließlich warm im Zelt zu ruhen. Zwar stabilisiert sich das Wetter und sogar die Sonne ist zu sehen, Tim aber schläft schon und ich vertiefe mich in Lektüre und die Aufzeichnungen. Zur Abendstunde bei warmem Lichte und einem in alle Richtungen verschiedenen Himmel essen wir gemütlich vor dem Zelt. Hinter den Bergrücken versteckt sich nun schläfrig die Sonne und als wir in die Betten steigen, fällt leicht der Regen nieder. Ein durchwachsener Tag endet und gespannt sind wir auf die kommenden.


29.7. – 24.Tag
Lai´revaggejokka – Njuoraeatnu
22km; 4h50; 471Hm hoch, 966Hm runter
Hallo, Schweden

Es wacht der Tag noch steif und kalt auf, zugezogen ist noch immer das Haupt. Auch wir gehen müde los, richtig frisch sind wir nicht. Noch ein wenig müssen wir aufsteigen, weite Hänge ziehen sich in die Ferne, sehr frei ist es hier, zu laufen. Auf den offenen Flächen bläst uns der Wind stark in die Gesichter, nur langsam wird uns besser. Die Ebene ist offen und die Richtung ist auch ohne Markierungen, dort lang, wo es einen hinzieht, leicht zu finden.

Hinunter gehen wir zum Rik´sujokka, doch anstatt eine Brücke vorzufinden, wie sie eingezeichnet ist, liegt breit und nur von herausragenden Steinen durchbrochen der Fluss unter uns. Mit Hilfe der Stöcke und geschickter Wegwahl gelange ich trockenen Fußes hinüber, Tim furtet. Zu nass sind ohnehin schon meist seine Schuhe im Innern. Nur dafür führte der Weg hinab, sofort müssen wir, beim Kartenstudium unbeachtet gelassen, wieder in die Höhe, scharf vorbei an den Bergen rechts von uns. Zwar sind wir deshalb nicht besonders froh, da wir noch immer nicht bei vollen Kräften sind. Allein, der aufklarende Himmel und der immer häufiger werdende Sonnenschein lässt nun das Gemüt recht leicht und die Schritte fester werden.

Über die letzten Kuppen und vor uns liegen die Berge Schwedens im blauen Dunst. Wunderschön ist von hier die Landschaft zu überblicken, weit fliegt die Seele. Hinab aber müssen wir erneut, bald schon liegt lang der Torneträsk zwischen den Hängen, bewaldet sind die Flächen. Durch dichte Flora führen uns jetzt die Pfade, erdig weich sind sie angenehm zu gehen. Die norwegische Lappjordhytta erreicht, überqueren wir schnell die Grenze: Die nächste Zeit werden wir in Schweden wandern.

Weiter gehen wir über Hügel, kommen zu den Ufern des Tonetresk und auch zu der nächsten Hütte, der schwedischen Polnostugan, lassen aber auch diese hinter uns. Der schmale Weg führt uns durch diese Landschaft fort, es scheint die Sonne durch die Bäume auf uns herab, feinster Nieselregen bedeckt die Haut. Unsicher sind wir, in dieser Hügellandschaft tatsächlich einen Lagerplatz zu finden. Das geplante Ende der heutigen Tagesetappe erreichen wir und überqueren den gewaltigen Njuoraeatnu und auf der anderen Seite angelangt, finden wir die erhoffte Möglichkeit am Fuße der Brücke, wohl der einzige Zeltplatz in der weiteren Umgebung.

Die Unterkunft steht und nach kurzem Bade und anschließender Pause gehen wir ein Stück nur zurück zum Hang: Die ersten Blaubeeren warten darauf, gesammelt zu werden. Kalt zwar bläst der Wind, die Sonne aber scheint weiter hinab und so genießen wir das doch noch bessere Wetter und gehen erst spät in das Zelt. Wir ruhen noch ein wenig, bevor wir in den letzten Sonnenstrahlen des Abends essen und den Tag ruhig abschließen.


30.7. – 25.Tag
Njuoraeatnu – Nissonjohka
19km; 3h20; 380Hm hoch; 360Hm runter
4,5km; 55 min; 30Hm hoch, 0Hm runter
Überführungsetappe

Recht zügig bauen wir das Lager bei Sonnenschein ab. Kalt ist es jedoch trotzdem, als wir durch den Wald gehen. Selbst in den Bäumen ist er zu spüren und auf den offenen Kuppen bläst uns der Wind hart entgegen. Bald schon erreichen wir die E10 nach Abisko, bleiben aber bei der besonders von mir durchgesetzten Entscheidung, nicht per Anhalter zum vorläufigen Tagesziel zu gelangen, sondern den Fußpfad zu nehmen und unserer bisherigen Fortbewegungsart treu zu bleiben.

Breite und feste Waldwege führen ein gutes Stück oberhalb des Tornetresk entlang, häufig gehen wir über Bohlenstiege, die meist unnötig über eigentlich gute Pfade führen. Wir ziehen die Kilometer runter, mit schnellen, großen Schritten und relativ Rucksäcken geht es voran. Zwar ist der Weg sehr angenehm, aber auch wenig spektakulär, erinnert eher an einen Wochenendausflug und so ist es kein großes Versäumnis, eilend die Etappe hinter uns zu bringen. Wir laufen nun nicht um des Laufens Willen denn eher, um am Ziel anzukommen und den nächsten Teil unserer Tour zu erreichen. Nur zwei Pausen und gute drei Stunden später überqueren wir schon die Schlucht vor Abisko und erreichen die Touristenstation.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5137954258981455394"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R02uLS7LhiI/AAAAAAAAAps/SMgO2U9Lb9w/s400/100_8404.jpg" /></a>

Von halb drei bis halb sieben chronologisch: Geld abheben; Trangia-Brenner kaufen; kein Internet finden, da der einzige Computer außer Betrieb ist; nach Ost-Abisko laufen; kompliziert etliche Hotels vergeblich nach Internet abklappern; wenigstens Strom für die Akkus bekommen; viel Essen kaufen; endlich fertig sein.

Wir schultern die Rucksäcke und sind von den Erledigungen in der Stadt angestrengter als nach einem langen Marsch. Doch wir haben es geschafft und beginnen nun, auf dem Kungsleden weiterzulaufen, in den wir auch sogleich einbiegen. Die ganze Zeit hatte ich mich schon auf das Holztor gefreut, das am Anfang zu passieren ist, einfach, um einmal einen würdigeren Einstieg zu durchschreiten, als er uns am Nordkalottleden vorgesetzt wurde. Hier aber, auf dem östlichen Einstieg, für den sich wohl keiner zu interessieren scheint, gibt es auch das Tor nicht und so trotten wir auf breiten und schlammigen Wegen einsam den leichten Anstieg hinauf, während es zu regnen beginnt. Zwar haben wir das meiste erfolgreich erledigt, ein fader Beigeschmack aber bleibt trotzdem, da Tim von zu Hause wichtige Nachrichten bekommen hat und ich meine wichtigen Organisationen für das nächste Jahr, die ich zu erledigen hatte, nicht geschafft habe. Das zudem besser erwartete Wetter trägt nicht zur Freude bei, im Ganzen aber versuchen wir, positiver Stimmung zu sein.

Bis zum Rastplatz am Nissonjohka wollen wir noch gehen und nach knapp einer Stunde sind wir dann auch endlich da. Schon stehen aber Zelte bei dem Schutzhaus und dessen Umgebung: Es erfüllen sich gleich zu Beginn die Erwartungen an den Kungsleden und wir sind deshalb nicht glücklicher. Auf einer Wiese finden wir einen dann jedoch einen recht netten Lagerplatz, der zwar eher an einen Campingplatz denn an freie Natur erinnert, doch trotzdem halbwegs zu den anderen Zelten durch Bäume und Sträucher verdeckt ist. Nachdem also das Zelt steht, gehen wir wie gewöhnlich ins Wasser. Das Problem ist hier nur, dass nicht alles wie gewöhnlich möglich ist. Als ich gerade noch wie mich Gott erschuf im Flusse stehe, kommen auch prompt zwei Frauen vorbeispaziert. Für mich ist das wohl weniger unangenehm als für die beiden und so beschließe ich, mir vom Betrieb auf dem Kungsleden mein Leben hier nicht anders biegen zu lassen. Das gesamte Essen muss schließlich noch verteilt und portioniert werden und erst spät bereiten wir die Abendmahlzeit zu. Die beiden hier sitzenden Dänen haben schon unter dem Schutzdach ein Feuer entzündet und während es erneut zu nieseln beginnt, schwatzen wir kurz mit den beiden. Selbst aber reden wir lange miteinander, während wir am Feuer sitzend die Mahlzeit in aller Ruhe essen. Wir beenden den Tag mit Brot und Käse aus Abisko, das Körper und Seele gut tut.

Issoleie
30.11.2007, 13:45
31.7. – 26.Tag
Nissonhohka – Rádunjärga
20km; 4h45; 509Hm hoch, 117Hm runter
Viel

Von der Sonne erhitzt ist am Morgen das Zelt, erfreut wir. Ich leichten Kleidern beginnen wir den Tag, schwer aber drücken uns jetzt die Rucksäcke, neu Beladen, auf die Körper. Zwar werden sie den Rest der Tour nicht mehr so schwer wie jetzt sein, recht trösten tut uns das bei dem Gewicht aber gerade nicht. Immerzu springt jetzt meine Hüftgurtschnalle auf, ich muss den Großteil der Last auf die Schultern verteilen. Also geht es eher schwerfällig auf breiten, ausgetretenen Wegen sanft bergauf, die vielen Schritte der Wanderer lassen zahlreich Steine auf den Pfaden des Kungsleden hervorschauen und unangenehm sind die Schritte zu setzen. Über zwanzig Wanderer zählen wir in der ersten halben Stunde. Die Menge übersteigt selbst unsere pessimistischsten Erwartungen. Recht betrübt ist also unser Gemüt und am Pfad bis zur Abiskojaurestugorna finden wir wenig Freude. Als wir jedoch am Wegesrand sitzen und ein wenig Ausruhen, können wir bald nicht mehr anders, als lange zu lachen. Hinter uns kommen drei Frauen angerannt. Sportlich bekleidet, auf dem Rücken nur ein kleiner Tagesrucksack, an den Füßen Laufschuhe. Die Richtungen hier sind zwar sehr eindeutig, was sie aber nicht daran hinter, gefühlte zehn Minuten an dem Wegweiser zu stehen und genauestens die Karte zu studieren. Die Hütte am See ist wohl ihr Ziel und den sie biegen die kurze Abzweigung zur Brücke ab. In geordnetem Gleichschritt joggen sie in einer Reihe, fast kann man sie nicht auseinanderhalten. Schon sind sie vor dem nächsten Hindernis angelangt und lange überlegen sie, wie und ob sie wohl über die Brücke gehen wollen. Schließlich entscheidet sich ihre Führerin und wagemutig läuft sie voran. Auf der anderen Seite angelangt, folgen auch schon, wie kleine Gnome auf einem Marsch dahineilend, die beiden Freundinnen. Wir haben genug und ohne die Karte zu studieren, ohne hintereinander zu laufen, setzen wir die Wanderung fort, noch immer lachend, zu seltsam hat das Ganze angemutet. Das ist wohl das Erlebnis des Kungsledens, auf dem sich viele Wanderer tummeln und die Begegnungen mit anderen aufgenommen werden müssen, wie sie kommen.

Bald wird der Wald lichter. Die Hänge des Gárdennvárri steigen wir auf, merken hier besonders die Last auf den Rücken. Wolken überdecken jetzt dich den Himmel, kühl bläst der Wind. Zwar wirkt alles wenig gastlich, der Blick zurück ist aber imposant. Lang müssen wir noch gehen, lang erscheint mir der heutige Tag. Zwischendurch angenehm ruhig – und fast ist man versucht, es einsam zu nennen –, treffen wir bald wieder zahlreich auf andere Wanderer, deren Wege sich zur Tagesmitte mit dem unseren Kreuzen. Zwar überholen wir auch etliche, allein für den heutigen Lagerplatz erwarten wir wieder wenig Ruhe, was umso bedauerlicher wäre, da wir am morgigen Tag nicht planen, weiterzulaufen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5138610023178143282"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R1ACly7LhjI/AAAAAAAAAqU/x3DkNDh5lSk/s400/100_8410.jpg" /></a>

Den höchsten Punkt des Tages erreicht, schauen wir hinunter auf einen weiten Seenverbund, der sich nach Osten und Süden zieht. Weit ist der Weg nun nicht mehr, doch schon erschöpft vom Tage, sind wir froh, bald anzukommen. Mehrere Möglichkeiten haben wir nun, alle aber scheinen gerade nicht sehr verlockend. Nahe den Seen, am flachen Ufer ist weit ab des Weges eine Furt, an der wir das Zelt aufstellen können. Von dort leuchtet aber schon orange ein anderes, der Weg ist weit und rechte Lust haben wir darauf nicht. Also versuchen wir unser Glück und gehen noch ein wenig bis zu der in der Karte eingezeichneten Schutzhütte am Rádunjávri weiter und freuen uns, sie schließlich zu erreichen. Zwar ist auch sie abseits des Weges, doch auch hier steht schon ein Zelt und so gehen wir noch bis zum Seeufer, um gegen fünf Uhr schließlich das Lager aufzuschlagen.

Die ersten Regentropfen fallen und als wir nach einem kurzen Bade im Zelt liegen und das zusätzliche Essen genießen, das noch übrig ist, fängt es schon stärker an. Bis zum Abend hört es nicht mehr auf und so gehen wir in die Hütte, um dort zu kochen und sehr viel entspannter den Abend verbringen zu können. Wie erwartet, ist sie voll. Fünf Wanderer sitzen im ofengeheizten Raum. Als sie schließlich etwas Platz gemacht haben und zwei von ihnen erst einmal hinausgehen, setzen auch wir uns. Die gekauften Tütengerichte schrecken mich aber. Nur eine Sorte hatte es in Abisko gegeben und freudig hatten wir für acht Abende zugegriffen. Nun stelle ich fest, dass es nicht vegetarisch ist und lange fluche ich, ringe und zwinge es mir – aussortiert werden die wenigen Fleischstücken – hinunter. Lange werde ich meinen Ärger nicht mehr los und die Aussicht auf weitere Abendessen wie dieses, lässt mich mit viel Gram die kommenden Tage erwarten. Ein wenig plauschen wir mit den drei Finnen, lange dann mit den zwei wiedergekehrten jungen Schweden. Dem Hauptredner merkt man an, dass er sechs Jahre in den USA verbrachte. Es ist ein munteres und unterhaltsames Gespräch, das von der Begeisterungsfähigkeit geprägt ist, die Amerikaner im Dialog so auszeichnet. Die gefühlte Statistik lässt die Phrasen „O I´m so jealous“ und „This is amazing“ in harte Konkurrenz für die häufigste Verwendung treten. Schließlich erst halb elf im Zelt, freuen wir uns erneut über das Zusatzessen und gehen schlafen, zufrieden gestellt, dass einige der vielen Begegnungen hier auch schöne sein können.


1.8. – 27.Tag
Ruhetag bei der Rádunjärga
Bunte Runde

Regen fällt auf unser Zelt, manchmal wird es von der Sonne gewärmt. Dick kleben teils die Wolken an den Bergen, blau auch ziehen sich weite Flächen. Ohne Eile beginnen wir den Tag. Nach dem Frühstück packen wir die Rücksäcke, lassen das Zelt stehen und gehen in die einige hundert Meter entfernte Hütte. Noch sind die Finnen da, die jedoch bald aufbrechen und wir schnell allein im Raum sind. Doch wir sind tätig. Alle Kleider werden gewaschen und in den kräftigen Wind gehängt, wir pflegen die Körper ein wenig und schenken natürlich den Füßen besondere Aufmerksamkeit. Denen macht das Wandern aber jetzt schon gar nichts mehr aus, der gesamte Körper hat sich auf das Unterwegssein eingestellt. Auch das Gemüt hat sich schon lange entfaltet und es ist ein leichtes und freies Gefühl, nicht, nachdem man angekommen ist, schon wieder an die Abreise denken zu müssen. Es kann jetzt immer so weitergehen.

Nachdem auch sehr spät die beiden Schweden aufgestanden sind, haben wir das beruhigende Gefühl, die diejenigen mit dem längsten Schlaf auf Tour zu sein und es wird, wie erwartet, schnell lebhaft in der Hütte. Viel unterhalten wir uns, viel müssen wir aber auch das ganze gekaufte Essen sortieren. Bis zum frühen Nachmittag vergeht so kurzweilig der Tag, voll von allerlei Dingen hängt und steht alles im Innern, während draußen nun beständiger Nieselregen eingesetzt hat. Zwei deutsche Mädchen ergänzen bald das muntere Treiben und länger als die Schweden, die schließlich weiterziehen, verweilen sie noch bei Gesprächen. Noch immer machen wir uns aber tiefe Gedanken. Schon als sie hinein gekommen sind und wir nach ihrer Herkunft gefragt haben, wir die Gegenfrage ebenfalls beantwortet haben, wurde uns, ohne sich über die tief greifenden Folgen bewusst zu sein, schlicht entgegnet: „Hört man.“ Wir sind im Selbstzweifel, ich überlege, meine Studienpläne zu verwerfen. Immer haben wir die hochdeutsche Sprache gepflegt und hier in Schweden wird einem nun banal entgegnet, man höre, dass wir aus Berlin kommen. Nach keinen vollen zwei Minuten. Wir können es noch immer nicht recht glauben. Ist doch auch komisch, wa?

Als auch sie jedoch fort sind, ist der Tag schon weit vorangeschritten, vieles bleibt uns nicht mehr, was zu tun ist. Für die nächsten vielen Tage sägen und hacken wir Holz, entspannen sonst, mal wieder an einem verregneten Ruhetag fast zu träge. Reichlich haben wir schon gegessen, wohl zum ersten Mal auf der Tour schmerzt der Bauch ein wenig. Das Abendbrot gibt besonders Tim den Rest und nachdem wir heute jeder unsere verschiedene Mahlzeit aufgegessen haben – das fleischhaltige Gericht isst nur Tim – gehen wir zum späten Abend in das vertraute Zelt und schlafen bald ein.


2.8. – 28.Tag
Rádnunjärgärga – Aliseatnu
16km; 3h20; 214Hm hoch, 148Hm runter
Königliches Wandern

Schon sitze ich draußen in der Sonne und im Wind, als auch Tim aus dem Zelt kriecht. Der Morgen kommt zwar freundlich daher, scheint aber nicht so schön, uns noch einen Tag hier zu behalten. Mich zieht es auch noch einmal weiter, zwar haben wir noch reichlich überschüssige Ruhetage, doch bei besserer Gelegenheit wollen wir sie erst nutzen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5138610139142260306"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R1ACsi7LhlI/AAAAAAAAAqk/XXo9un89gNc/s400/100_8414.jpg" /></a>

Der Wintermarkierung am Ufer folgend, erreichen wir schnell wieder den Sommerweg und bequem, ohne große Anstrengung geht es über komfortabel breite Wege und häufig auch über Bohlenstiege. Das Grußwort „hej“ hat erneut beste Chancen, den Wettbewerb für das am meisten benutzte Wort des Tages zu gewinnen. Doch die Flut an Wanderern ebbt ab und schließlich doch recht allein, gehen wir ohne Eile und genießen den Sonnenschein.

Zur Etappenmitte erreichen wir die große Alesjauresturgorna und nach längerer Pause kurz dahinter steigen wir nun an den Hängen des Alistales sanft aufwärts. Noch haben wir bei der Hütte vom kommenden nächtlichen Regen gehört und auch die Wolken verdichten sich schon. Den Aufstieg hinter uns, blicken wir auf den weit verzweigten Fluss des Tales hinab und diesem möglichst nahe gekommen, biegen wir vom Wege ab.

Schon wird der eben schon bemerkte Nieselregen kräftiger und an den Ufern des Stromes, durch Hügelkuppen vom Sommerweg abgeschirmt, bauen wir das Zelt auf. Wie immer nehmen wir sofort ein Bad und sind wieder einmal gezwungen, bis zum Abend im Zelt zu ruhen, der Regen hört nicht auf. Wir sind deshalb ein wenig verdrossen. Die Wanderung war kurz und wir merken, ein wenig zu viel Zeit zu haben, zu kurze Etappen. Ist das Wetter dann unfreundlich, liegen wir zu lange im Zelt herum. Die Wanderung heute war zwar schön und leicht, doch so recht zufrieden sind wir mit dem Tag im Ganzen nicht. Vier Wochen sind wir jetzt schon unterwegs. Das Leben hier ist uns schon so vertraut, doch gerne würden wir noch mehr von der Natur in uns aufnehmen können.


3.8. – 29.Tag
Aliseatnu – kurz hinter Sälkasstugorna
17km; 3h45; 342Hm hoch, 417Hm runter
Alles Passet

Wir lassen uns am Morgen Zeit, wollen noch warten, ob der starke Wind nachlässt und man so das eigentlich schöne Wetter genießen könnte. Recht bald aber entscheiden wir doch, aufzubrechen, es lädt zum Wandern ein. Schnell wieder auf dem steinigen Weg, beginnen wir den Aufstieg zum Tjäktjapass. Angenehm geht es immer wieder auf flacheren Stücken voran, nach einer knappen Stunde erreichen wir die Stugan am Hang und biegen kurz zu ihr ab. Zwar können wir ein wenig pausieren, den erhofften Tausch der Tütengerichte aber nicht erledigen.

Der größte Teil bis zum Pass ist schon geschafft, schon liegt unter uns im Rücken das gestern durchwanderte Alistal im Sonnenschein, vor uns nur noch ein kurzer steiler Aufstieg, an dessen Ende auch schon die Schutzhütte des Tjäktja zu sehen ist. Oben dann mit unerwartet wenig Anstrengung angelangt, liegt vor uns das weite Tjäktjavagge. Grün sind die Flächen, hohe Berghänge rahmen den sich breit teilenden Fluss ein, der durch das Tal fließt, Schattenspiele treiben über das Gemälde. Länger genießen wir die Aussicht, noch sind die anderen Wanderer nicht hier oben angelangt und Ruhe ist um und in uns.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146820961430681570"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R20uZTicN-I/AAAAAAAAA2Y/3FQa5AVaciE/s400/100_8428.jpg" /></a>

So schnell und leicht der Anstieg war, geht es auch wieder hinab. Von vorne bläst ununterbrochen kräftig der kalte Wind, immer wieder versteckt sich die Sonne, immer wieder lacht sie aber auch in unsere Gesichter. Freundlich ist der Weg durch das Tal über seichte Hügel, das Wandern ein Genuss. Die Menschen aber werden nun zahlreicher und wir sehen auch die beiden deutschen Mädchen wieder und grüßen im Vorbeigehen. Ja, das ist hier schon alles ein bisschen anders auf dem Kungsleden.

Bald sind die Sälkashütten erreicht. Unser Glück können wir jett kaum fassen, als wir die übrigen Fleischgerichte umtauschen können und durch ihren Preis noch zusätzliches Essen dazu geholt werden kann. Mit leichtem Herzen und beschwingten Schritten geht es noch kurz weiter, die Einsamkeit wollen wir suchen, soweit sie hier möglich ist.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146821395222378498"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20uyjicOAI/AAAAAAAAA2o/Jezp2lVWoBE/s400/100_8436.jpg" /></a>

Schließlich legen wir, ein wenig hinter einem Hügel versteckt, die Rucksäcke am Flussufer nieder. Idyllisch wie die Landschaft ringsumher ist auch der Lagerplatz. Nach kurzer Ruhe bauen wir auf, nehmen ein Bad und sonnen uns. Nicht lange aber und dicke Wolken ziehen über die Bergrücken, schnell wird es ungemütlich. Also verbringen wir noch eine gute Stunde im Innern des Zeltes. Der Abend aber ist wieder klar, wir genießen die Landschaft und das Essen. Schon erstaunlich ist es, wie schnell sich die Gemütslage hier draußen wandelt, wie ein Tag so verschieden vom nächsten ist und sie sich doch alle ähneln. Schön findet der heutige ein Ende.


4.8. – 30.Tag
Nähe Sälkasstugan – Gearbiljohka
19km; 4h20; 499Hm hoch, 328 Hm runter
Die Schöne und das Biest

Wärmend scheint die Sonne auf das Zelt. Als wir jedoch aufstehen und die Wanderung beginnen, bläst einmal mehr der Wind uns kalt entgegen. Noch eine Weile folgen wir dem malerischen, grünen Tjäktjavagge, verlassen dann aber den Kungsleden nach nur wenigen Tagen wieder und sind nicht unglücklich, ihn erst in Kvikkjook erneut zu betreten. Nach Westen biegen wir also ein, die schroffe Landschaft Norwegens ist unser Ziel. Am Hang entlang geht es stetig bergauf, während wir dem Lauf des Flusses folgen, der vor uns aus den Höhen hinabrauscht. Schnell ist zu merken, dass wir nun auf weniger frequentierten Wegen laufen. Durchnässt ist der Boden, auf dem schmal und ohne Bohlenstiege der Pfad entlangführt, seltener sehen wir Markierungen. Über zwanzig Wanderer am Tag werden wir jetzt auch nicht mehr zählen und froh darüber laufen wir durch den schönen Einschnitt, den der Fluss in die Berge zieht.

Dem Wasser also folgend, geht es weiter über grüne Hänge, anstrengender ist die Wegführung im Vergleich zu den letzten Tagen. Mein Unterbewusstsein gelüstet es nach einer Abkühlung bei dem warmen Wetter und unerwartet liege ich auch schon im Bach. Mit nasser Kleidung und einem guten Teil dieses Flusslaufs noch immer im Schuh muss es nun also weitergehen.

Den höchsten Punkt erreichen wir und verlassen über eine Kuppe das Tal. Plötzlich liegt eine andere Landschaft vor uns. Unwirtlich türmen sich die Felsen, Steinbrocken bedecken den Boden, über eine kahle Hochebene schweift unser Blick, wird auch rasant der Wind getrieben. Fast bedrohlich wirkt die Szene und leicht kann man davor zurückschrecken, die nächsten zehn Tage durch diese Gegend zu wandern.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146821584200939538"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20u9jicOBI/AAAAAAAAA20/VI76AmwmvYw/s400/100_8442.jpg" /></a>

Überraschend angenehm aber ist der weitere Wegverlauf. Möglichst werden die Hügel umlaufen und wir sind bei guten Kräften. Mit Freude geht es voran und wir erreichen bald auch die Weggabelung vor der Hukejaurestugan. Dahin willen wir jetzt aber nicht, nach Nordwesten gehen wir weiter und nach kurzer Zeit erreichen wir die Brücke über den Gearbilijohka, an der unser heutiges Lager mit mehr Hoffnung als Gewissheit geplant ist. Auf der anderen Seite finden wir gleich am Fluss aber tatsächlich schnell einen Platz und bauen bald das Zelt auf, dicke Quellwolken kommen schon über die Berge näher. Ein kurzes Bad nehmen wir wieder im eiskalten Wasser und suchen bei stürmischem Wetter die Warmen Ruheplatze auf, die wir bis zum Ende des Tages nicht mehr verlassen.

Issoleie
01.12.2007, 13:51
5.8. – 31. Tag
Gearbiljohka – Nordwestufer Gautelisvatnet
23km; 5h; 489Hm hoch, 575Hm runter
Wilder Wechsel

Windig und kühl begrüßt uns der Morgen am heutigen Tage, zugezogen breitet sich der Himmel über die Steinlandschaft. Über Hügelkuppen führt uns der Weg immer auf und ab, Geröll und nasse Wege sind der Schritte Grund. Mit ruhigem Rhythmus laufen wir, wollen uns Zeit lassen, um die reine Wanderzeit weiter in den Nachmittag hineinzuziehen. Auch der Wind wird bald gemütlicher, und freundlicher wirkt nun die Umgebung auf uns, immer wieder blicken wir auf große Seen hinab, die zu beiden Seiten liegen.

Schon weit sind wir gelaufen, als Tim auf einmal schreckerstarrt stehen bleibt. Die Zeltstangen sind irgendwo aus den Stecktaschen des Rucksacks gefallen. Uns bleibt keine andere Wahl, wir schultern ab und während ich bei den Rucksäcken warte, geht es für Tim im Laufschritt den Weg zurück. Leichter Nieselregen setzt ein. Als ich gerade die Rucksäcke zu schützen versuche, sehe ich in den Augenwinkeln das Gestänge von einem Felsen aus triumphierend in die Höhe gestreckt. Kaum fünf Minuten waren vergangen, seitdem Tim losgelaufen war und wir verdanken diesen glücklichen Ausgang wohl einzig dem Sinn eines Menschen, dass gewisse Dinge nicht so sind, wie sie sein sollten. Ebenso leicht hätten wir doch schon weit weg sein können, als Tim an die Seite seines Rucksacks greift.

Mit Erleichterung in der Brust geht es froh weiter. Schon wollen wir länger Pause machen, schon scheint gerade die Sonne, da sind am Berghang über uns Rentiere – in schnellem Trab überqueren sie die Fläche – zu sehen. Unerwartet und innerhalb eines kurzen Momentes nur stellt sich ein großes Tier auf unseren Weg. Gewaltig prangt sein Geweih, stark ist sein Körper und drohend gesenkt hält es den Kopf. Es schnaubt, demonstriert die Unerschrockenheit und Drohung und kommt leicht auf uns zu. Völlig unerwartet und ungewohnt verängstigt uns doch dieses Verhalten, nie haben wir vorher gesehen, wie energisch ein Leittier seine Herde gegen Menschen verteidigt. Wir weichen mit einigem Respekt auf die steilen Felsen links hinter uns zurück, weniger, um uns zu schützen denn um keine Bedrohung darzustellen. Als die Herde am Hang vorüber ist, zieht auch der Große ab, nur aber, damit sich kurz darauf Gleiches wiederholt: Ein zweiter steht nun ebenso vor uns. Bald aber ist der Weg dann frei und den Sonnenschein können wir in Ruhe genießen.

Im Nu schwingt das Wetter um. Schell sind plötzlich die eben noch über den Bergen hängenden Wolken über dem See und uns, dort, wo vor wenigen Minuten noch weit der blaue Himmel zu sehen war. Regen geht kräftig nieder. Bald ist der Himmel aber wieder frei, bald regnet es erneut, auch zusammen ist dieses Wetterspiel zu bewundern. Hell glänzen die nassen Hänge im Lichtschein, während dunkel drohend die Wolken weite große Flächen beschatten. Der Weg geht voran wie zuvor, ist aber trotz der kurzen Steigungen und Abstiege, der Geröllfelder angenehm zu laufen, auch wenn mein Knie vom gestrigen Sturz in den Bach noch immer stark schmerzt.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146821919208388658"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20vRDicODI/AAAAAAAAA3E/E6x0qCpLGGg/s400/100_8450.jpg" /></a>

Die Gautelishytta, am Seeufer gelegen, lassen wir hinter uns, da wir heute noch weiter wollen. Also geht es wieder die steilen Hänge hinauf, die den See umschließen. Nicht lange und am gegenüberliegenden Ufer ist der Staudamm im Nordwesten zu erkennen, daneben die Wiesen, die uns heute Lagerplatz sein sollen. Länger als erwartet zieht sich der Weg und das Ziel scheint noch weit entfernt zu sein und wir sind etwas bedrückt. Doch es geht weiter recht leicht voran und hat man im Norden erst einmal die Zuflüsse überquert, folgt nur noch seichtes Gelände. Bald hat man den Staudamm erreicht und läuft auf der Schotterstraße, die hier eine Weile zusammen mit dem Nordkalottleden verläuft. Bis zum Ufer des Gautelisvatnet gehen wir noch, suchen uns einen Zeltplatz, während gerade einige Boote am Steinstrand anlegen und auf Hänger gehoben werden.

Wir bauen auf und genießen dann noch lange die tolle Aussicht. Auch der Himmel ist wieder klar und nachdem wir ein Bad genommen haben, scheint auch die Sonne warm auf unsere Haut. Nun, der Wahrheit gerecht zu werden: Tim liegt wie gewöhnlich dick eingepackt auf dem Gras, während ich die Kleider neben mir liegen habe. Doch bei Temperaturen von nur dreizehn Grad Celsius und jetzt aufgefrischtem Wind gehen wir vor dem Abendessen doch noch einmal in das Zelt, kriechen in die warmen Schlafsäcke. Noch kühler wird es draußen, als die Sonne hinter den Hängen verschwindet. Entspannt genießen wir als Abschluss dieses ereignis- und abwechslungsreichen Tages das Abendmahl im Essensraum.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146822082417145922"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20vajicOEI/AAAAAAAAA3M/iZTu7Nis-Gk/s400/100_8458.jpg" /></a>


6.8. – 32.Tag
Norwestufer Gautelisvatnet – Kjordavatnet
20km; 4h50; 498Hm hoch, 765 Hm runter
Viel geboten

Schnell verlassen wir die Straße und gehen dem Bergen im Westen entgegen. Nicht lange gehen wir auf den steinigen Pfaden, als wir am Övre Kjörisvatnet zwar Steinmännchen folgen, aber nicht der eigentlichen Route. Zu spät merken wir unseren Fehler und müssen nun auf eigene Faust die korrekte Richtung einschlagen, kommen schließlich auch ohne große Probleme wieder auf den markierten Weg. Wir merken, dass wir sogar mit selbstständiger Orientierung durchaus bessere Wege wählen, als die offiziellen durch die Landschaft führen, wie wir es nun schon ein paar Mal erlebt haben. Noch liegt der höchste Punkt vor uns. Endlos grau zieht sich über uns der Himmel, es beginnt zu regnen und ich habe nicht den Eindruck, dass es irgendwann wieder freundlicher werden könnte. Durch die schroffe Landschaft geht es fort, fast schon ist man verleitet, die Motivation und Kraft nicht mehr aufrecht zu erhalten. Die Skoaddejávrihytta bietet uns willkommene Rastmöglichkeit und unerwartet zeigen sich jetzt auch hellere graue Flecken am Himmel.

Immer wieder ist der Regen nun auch unterbrochen und das Gemüte wird ein wenig leichter. Anstrengend müssen wir aber über zahlreiche Hügel und durch unwegsames Gelände, nur langsam kommen wir voran. Schließlich jedoch ist auch die letzte Erhebung hinter uns und wir blicken hinab. Unglaublich steil fällt hier die Felswand zum Rárkkajávri hinab. Mühsam ist jeder Schritt und die kleinen Sprünge lassen schnell die Knie schmerzen. Felsbrocken versperren den Weg, kleine Kiesel verlangen ein hohes Maß an Trittsicherheit und Balance, sollte man doch einmal straucheln. Nicht weniger Kräfte zehrend ist dieses Wegstück als die vergangene Strecke und wir sind froh, als wir endlich unten angelangt sind. Eine umso schönere Belohnung erwartet uns hier. Schnell sitzen wir am Rand der Schotterstraße, der wir nun folgen werden, neben uns weite Strauchfelder mit reifen Blaubeeren, die sich am Hang entlang ziehen. Es scheint nun sogar die Sonne und wir lassen es uns mit den ersten wirklich schmackhaften Beeren auf der Tour recht lange gut gehen.

Mit vollen Mägen geht es noch leichteren Schritts weiter auf der Straße, vor uns bald den Kjordavatnet im Blick. Zwar dachten wir uns dessen Ufer weniger steil, finden letztlich aber doch noch einen schönen Zeltplatz und bauen das Lager auf. Die noch immer warm herab scheinenden Strahlen der Sonne genießen wir, baden heute erst später. Hartnäckig aber hält sich dann eine Wolke, als ob sie uns die Freude nicht gönne. Nach den bisherigen Erfahrungen können wir uns jetzt nun sicher sein: Es gibt sie tatsächlich, die Verschwörungswolke. Auch heute gehen wir also noch kurz in das Zelt, bevor wir das Abendbrot bereiten.


7.8. – 33.Tag
Kjordavatnet – Wasserfall hinter dem Filtinden
15km; 3h20; 503Hm hoch, 253Hm runter
Gute Entscheidungen

Nach einmal wollen wir weiter. Den Ruhetag verschieben wir, nicht wirklich schön und einsam ist der Lagerplatz neben der Schotterstraße, kräftig bläst auch der Wind. Also folgen wir dem Fahrweg und kommen schnell voran, obwohl die Beine von den letzten Tagen schwer sind. Und auch das Gemüte einmal ein keiner Weise beansprucht sein und sich der völligen Entspannung hingeben sollte. Es scheint die Sonne ungehindert auf uns, am Sitasjaure gehen wir entlang, der riesig neben uns liegt, schwatzen viel und pausieren erst bei den Hütten nach langer Zeit.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5138981766300648242"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R1FUsF-PQzI/AAAAAAAAAsE/XlMMChGGfOQ/s400/100_8460.jpg" /></a>

Aufwärts geht es hernach, der helle See liegt immer tiefer unter uns und mühsam besteigen wir die Hänge auf den steil aufwärts führenden Pfaden. Doch froh sind wir, nachdem wir beschlossen haben, die heutige Etappe nicht zu lang zu ziehen, sondern das schöne Wetter für einen ruhigen Tag zu nutzen. Ohne Eile gelangen wir zu den felsigen Regionen in der Höhe, es kühlt der Wind die Haut. Den höchsten Punkt überschritten und noch kurz weiter gewandert, liegt vor uns breit und flach ein Wasserlauf. Unerwartet hoch über den Seen, die wir zum Zelten ausgesucht hatten, rauscht hier das Wasser über Steinplateaus hinab, um schließlich ruhig weiter zu fließen. Grün sind die Ufer, eben, bilden sie Lagerplätze, die man sich schöner nicht denken kann. Nicht anders können wir, als hier zu verweilen. Nachdem wir die Gegend erkundet haben, ist auch zu erkennen, dass hier auch tatsächlich das geplante Etappenende sein muss und die Karte doch einigermaßen in die Irre führt.

Lange liegen wir in der Sonne, genießen die idyllische Lage und angenehme Ruhe. Schon geraume Zeit entspannen wir, als zwei Wanderer ankommen. Schon die letzten beiden Tage haben wir sie immer aus dem Zelt heraus an uns vorbeilaufen sehen, oder sind am Morgen selbst an ihnen vorüber. Nun unterhalten wir uns also nett und lange mit ihnen und auch sie beschließen bald, dieses malerische Plätzchen für das Lager zu wählen. Auch wir schlagen bald unser Zelt auf, sitzen aber weiterhin draußen. Kurz gehen wir noch spazieren, blicken in die untergehende Sonne, die sich langsam in den Bergen zur Ruhe legt und auch wir gehen in aller Ruhe nach dem sehr späten Abendessen zufrieden schlafen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146822241330935906"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R20vjzicOGI/AAAAAAAAA3c/l4m8QW2tPFE/s400/100_8465.jpg" /></a>


8.8. – 34.Tag
Ruhetag am Wasserfall hinter dem Filtinden
Windchill

Heute ist ein schöner Tag! Im erhitzten Zelt wachen wir auf. Blau streckt sich der Himmel und gemütlich steigen wir aus den Betten. Schon am Morgen erledigen wir das Notwendige und reinigen die Kleidung, spannen zum Zeichen des Ruhetags die Wäscheleine und es erhält das Lager einen Schein von Häuslichkeit und dem Leben in der freien Natur.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146822490439039106"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R20vyTicOII/AAAAAAAAA3s/ksfj9HY4xfc/s400/100_8478.jpg" /></a>

Der Verlauf des Tages gibt dem wissenschaftlich ausgetretenen Begriff Windchill eine neue und selbstverständlichere Bedeutung. Zwar schon am Anfang der Tour praktiziert, nun aber in vollendeter Form zelebriert, eröffnet sich eine vollkommen neue Dimension des Wortes: Vollkommen entspannt liegen wir lange in der Sonne, lassen es uns gut gehen, während der kühle Wind hart über die nackten Körper weht. Doch wir ruhen nicht nur. Über den Fluss bauen wir für die nächsten Wanderer einige Trittmöglichkeiten, um einigen das Furten zu ersparen. Sicherlich ist das Ganze noch entwicklungsfähig und unsere Fertigkeiten auszubauen, zu genau wollten wir es im eiskalten Wasser aber auch nicht nehmen und für ein ausreichendes Maß an Bewegung hat es auch gesorgt. Doch schon wird auf den Wiesen Wettkampgerät bereitgestellt, die Arena gezeichnet. Die Spiele sind eröffnet. Wie zwei junge Sportler, die direkt aus der Antike herbeigeholt wurden, stehen wir nackt in den Bergen, jeder Grashalm wartet gespannt auf die Wettkämpfe, das Wasser tost vor Begeisterung und die Sonne leuchtet die Szene hell aus. Der erste Speer wird geschleudert. Es folgen weitere, immer mehr steigern sich Athleten, jeder Wurf übertrifft den vorigen. Der Diskus fliegt, und als er weit entfernt den Boden trifft, ist die Erde von der Wucht getroffen. Beim Kugelstoßen erbebt die Erde von der Wucht und Stärke, die die Arme der beiden entfesseln. Was für ein Spektakel. Es muss kaum erwähnt und soll hier auch nicht hervorgehoben werden, doch wie von den Experten nicht anders erwartet unterliegt der muskelgestählte Timotheus gleich zweifach in jeder Disziplin dem wettkampfstarken Sohn des Mars, der sich in überragender Verfassung befindet.

Bei Speis und Trank ruhen die Athleten. Regionale Spezialitäten, wie die bei allen beliebte Blaubeersuppe werden dankend entgegengenommen. Wir strecken müde die Glieder von uns und verleben auf angenehmste Weise den schönen Tag. Allein, es zieht uns weiter und der Trägheit wollen wir heute nicht einzig frönen. Zu schön ist der Tag und die Mischung aus Aktivität und Ruhe einfach wunderbar. Also brechen wir gegen Abend noch einmal zu einem Spaziergange auf, den nächsten Gipfel zum Ziel. Einer folgt dem andern und schnell sind wir zweihundert Höhenmeter über dem Lager.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146822679417600146"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R20v9TicOJI/AAAAAAAAA34/k1MzW0RZ7Po/s400/100_8480.jpg" /></a>

Nicht nur die beeindruckende Aussicht trägt zur Freude bei, unerwartet haben wir auch Empfang über das Mobiltelefon und können Nachrichten von zu Hause empfangen. Wieder unten, ist es zwar schon recht kühl, als sich die Sonne immer mehr zum Schlafen nieder begibt, den wunderschönen Tag runden wir mit Abendessen aber trotzdem draußen ab. Besser kann ich mir einen Geburtstag nicht vorstellen. Rötlich schimmern die Gipfel.


9.8. – 35.Tag
Ruhetag am Wasserfall hinter dem Filtinden
Fortbildung

Erneut wachen wir im warmen Zelt auf, doch ich habe ein ungutes Gefühl, überdenke ich den noch jungen heutigen Tag. Noch einmal wollen wir an diesem schönen Platze ruhen, dem Körper etwa zur Hälfte der Tour die benötigte Erholung in vollem Umfang gewähren. Doch ich bin mir unsicher, ob auch das Gemüt einen weiteren eher träge verbrachten Tag genießen kann. Ähnlich wie der vorige kündigt sich auch dieser an und die Wiederholung der Ereignisse droht, uns eher mit Schwermut zu überschatten.

Schon früh haben wir auf den Luftdruck geschaut, lose hängen Wolken. Der Wind bläst gewohnt stark, als sich schnell der Himmel verfinstert. Wir suchen das Zelt auf, liegen, fast froh über die veränderte Situation, auf den Schlafplätzen. Regen setzt ein und hält an, hört auch gar nicht wieder auf. So verbleiben wir im Schutz des Zeltes, der Tag wird ganz der Lektüre gewidmet. Wir unterbrechen nur für kurzes Spiel und Essen.

Nichts weiter geschieht. Ein unspektakulärer, doch auf seine Art durchaus angenehmer Tag geht schließlich mit Gesprächen zu Ende.

Werner Hohn
20.12.2007, 21:38
Hallo? Ist hier noch jemand? :(

Werner

Issoleie
21.12.2007, 20:01
Ai!

Ja, ich bin noch am tippen.
Allerdings hatten andere Dinge gerade Priorität.
Ab morgen geht es dann weiter. Dann aber zügig.
Aber ab jetzt flaut das Ganze eh ab:D

Schön jedenfalls zu wissen, das noch jemand mitliest.
Ist ja shcon ein Stückel geworden.

Also, versprochen, morgen dann.

hikingharry
22.12.2007, 12:28
Schön jedenfalls zu wissen, das noch jemand mitliest.
Ich habe auch immer mitgelesen, und freue mich auch schon, wenn es weitergeht.

Gruß hikingharry

pepe-hh
22.12.2007, 12:49
Bitte weitermachen !

Issoleie
22.12.2007, 17:01
So weiter geht es endlich.
Aber es hat ja zu der vielen Ruhe auf der Tour gepasst, auch mal gerade hier zu stoppen. Mein Rechner ist abgeschmiert, deswegen leider die Zwangspause.
Mal schauen, vielleicht kann ich demnächst auch mal mehr als fünf Tage posten, die werden jetzt nicht mehr so lang. Aber überschütten will ich euch ja auch nicht.

Leider sind es manchmal ein wenig Fotos...
Hier poste ich aber eh immer nur etwa eins pro Tag, gibt ja im Webalbum noch ein paar mehr. Speziell am Ende wird es da noch mal deutlich anders sein als hier. Also ab und zu vorbeischauen; lohnt sich.
Jedenfalls viel Spaß weiterhin.




10.8. – 36.Tag
Wasserfall hinter dem Filtinden – Kobtojaure (Süden)
25km; 5h20; 541Hm hoch, 749Hm runter
Wolkig Wandern

Schon während der Nacht mussten wir Steine heranschleppen, um das Zelt zu befestigen und in Ruhe weiterschlafen zu können und auch jetzt wollen wir kaum aus den Schlafsäcken steigen, so ungemütlich ist noch immer das Wetter. Die Luft ist kalt und zusätzlich bläst der Wind, treibt immer wieder die tief hängenden Wolken zu uns, die uns neblig umhüllen und die Landschaft mit feinem Nieselregen überziehen. Erst etwas später packen wir, gehen schließlich so warm angezogen wie nie los. Leicht ist der Weg, schnell auch kommen wir voran und lassen uns die Zeit bei vielen Gesprächen kurz werden. Die Beine sind ausgeruht, das Gewicht des Rucksacks belastet kaum mehr und recht beschwingt geht es trotz des schlechten Wetters mit guter Laune voran.
Den Bangvatnet lassen wir hinter uns. Es geht nun über einen sumpfigen Hang, um uns ist die Landschaft in Wolken gekleidet.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146804189583389970"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R20fJDicNRI/AAAAAAAAAwE/4avdnRfvPTI/s400/100_8484.jpg" /></a>

Aufwärts gehen wir, aber nicht weit und wir sind auch schon am nächsten der sich lang dahin streckenden Seen. Wieder am Ufer am Ufer, führt uns der Weg durch nasse Wiesen und über kleine Zuflüsse. Zwischenzeitlich unterbrochen, fällt jetzt wieder Nieselregen hinab und so sehen wir mit Freude, dass die Paurohütte belebt ist. Bekannte Gesichter sehen wir in den warmen Räumen, werden herzlich empfangen und die wohl tuende Gemütlichkeit kosten wir aus, verbleiben bei munteren Gesprächen mit den beiden Dänen der letzten Tage für eine längere Zeit. Die Wärme hier tut uns gut, die Ruhe belebt zusätzlich, hatten wir doch auf der ganzen Strecke bis hierher erst eine Pause.
Mit Grüßen gehen wir fort. Schon bald ist die angekündigte Bootsstelle erreicht und schließlich auch aufwändig überquert. Dass es nicht einfach ist, mit nur einem wirklich funktionierenden Ruder vorwärts zu kommen, während die Strömung in eine andere Richtung drückt, merken wir schnell und sind erleichtert, doch ohne zu große Probleme auf der anderen Seite angelangt zu sein. Den Bovrojávri über seine Landzunge überquert, folgen wir an seinem südlichen Ufer der Schleife zurück um den See. Oberhalb des Wassers gehen wir über die Hänge, verlassen bald den Weg und wählen eigenständig wohl kaum einen schlechteren, der auf gleicher Höhe bleibend die ständigen Kuppen umgeht. Das südliche Ende des Kobtojaure sehen wir schon, seinen flach auslaufenden Ufern gehen wir nun abwärts entgegen. Idyllisch an einem Sandstrand liegt die Rasenfläche, auf der wir das Zelt aufbauen.
Erst gegen sieben Uhr sind wir heute angekommen, den Rhythmus des Tages haben wir genossen. Aus den Wolken kommend, liegt nun aufgeklart und ruhig der Himmel über uns, leicht ist das Gemüt. Zwar ist das Wasser kalt, als wir uns baden und auch die Lufttemperatur liegt bei nur etwa acht Grad Celsius, doch im Zelt machen wir es uns gemütlich. Ein Festmahl scheint das Abendessen zu später Stunde und bald danach schlafen wir ein.


11.8. – 37.Tag
Kobtojaure – Seenplatte nach Röysvatn
18km; 5h; 506Hm hoch, 487 Hm runter
Schlafwandler

Warm scheint die Sonne auf das Zelt, etwas dämmrig ist uns und so bleiben wir wieder ein wenig länger liegen. Die Sachen gepackt, geht es recht langsam vorwärts. Zwar haben wir bald den Weg wieder erreicht, der aber ist so schlecht markiert, dass die Suche nach dem Verlauf mühselig ist und so gehen wir nach einer Weile wieder mit eigener Richtung. Unerklärlich matt ist aber auch der Körper, schwer die Glieder und der Kopf. Nicht nur ich fühle mich unwohl, auch bei Tim ist es kaum anders und so geht es ohne viel Freude am Ufer des Skuogejávrre entlang. Nach der gestrigen anstrengenden Etappe hat sich der Körper gerade bei diesem schönen wohl schon ganz auf eine gemütliche Etappe eingestellt, die gemütlich gelaufen werden kann.
Den Seen hinter uns gelassen, geht es aufwärts, steiniger wird die Umgebung und wir fühlen zwar zum Teil die Kräfte zurückkommen, die Strecke aber erscheint uns weit länger, als die Karte vermuten ließ. Eher schweigsam geht es über die Hänge, schroffer wird mit der Höhe auch die Landschaft. Steil geht das letzte Stück zur Röysvatnhütte, die wir erst halb fünf erreichen.
Schon über den nun leichteren Weg erfreut, werden wir schnell enttäuscht. Anstrengend geht es über riesige Felsvorsprünge und -erhebungen auf und ab, kaum kommt man hier voran. Nicht allzu weit voran, wie der Vogel fliegt, und der Weg wird dann doch leichter. Offene Hänge führen uns abwärts, der erhoffte Seenverbund aber bleibt eher unkenntlich, nicht so nahe wie erwartet kommen wir dem Wasser. Nachdem ein Wegsweiser uns auf die kaum zu glaubende Strecke von nur zwei Kilometern seit der Hütte in geschlagenen fünfzig Minuten aufmerksam gemacht hat, haben wir keine Lust mehr und biegen ab, schlagen erschöpft das Zelt etwas abseits des Weges auf. Vom Tag haben wir genug.
Noch schnell waschen wir uns im lauen Flusslauf, um schließlich schnell in die Schlafsäcke zu verschwinden und den Rest des Tages zu ruhen. Tim nutzt die Zeit zum Schlafen, was er nun schon längere Zeit nicht mehr so häufig macht. Selbst mir fallen heute die Augen zu. Spät wieder erwacht, fühlen wir uns schon besser, der Körper hat wieder mehr Kraft, im Kopf ist das drückende Gefühl von Müdigkeit verschwunden. Der Abend ist schon alt, als wir das Abendessen kochen und uns dann nicht lange danach erneut in die Betten legen.


12.8. – 38.Tag
Seenplatte nach Roysvatn – Njallajävre
24km; 5h20; 611Hm hoch, 713Hm runter
Beerenstark

Schon als ich aufwache, merke ich, dass ich wieder vollständig fit bin, wie es auch Tim für den heutigen anstrengenden Tag ist. Wir fühlen uns fantastisch. Über Hügel geht es los, recht angenehm ist der Weg. Dem Zufluss des Sorgojávrre steigen wir abwärts entgegen, nicht lange aber und weite Blaubeerfelder lassen uns die Rucksäcke ablegen und die Sammeltüten füllen. Begeistert von dem Fund geht es mit guter Laune weiter. Der Fluss muss durchwatet werden und anschließend führt der Weg erneut den anderen Uferhang hinauf.
Bedeckt ist der Himmel, nur leicht geht der Wind und die Temperatur ist mild. Bei diesem guten Wanderwetter sind auch die sich lang ziehenden, von vielen Schneisen durchzogenen Anstiege weniger ermüdend, das Laufen eine recht Freude. Schon liegt der nächste Fluss breit vor uns. Am anderen Ufer sind schon zwei Männer zu sehen, die sich die Füße trocknen. So richtig will ich es aber nicht einsehen, muss aber dann doch nach engagiertem Versuch mitten auf dem Fluss – ein Stein ist mir Boden genug – die Schuhe wechseln. Länger plaudern wir mit den beiden, seit einigen Tagen mal wieder in der Muttersprache. Dunkle, unschöne Erinnerungen werden wieder wach, als unsere geliebte Heimatstadt einmal mehr richtig erraten wird. Man hört es.
Zwar schlagen auch sie unsere Richtung ein, mit schnellerem Schritt aber sind wir bald wieder allein unterwegs, gehen dem letzten großen Anstieg noch immer mit guten Kräften entgegen. Auch dieser ist unerwartet leicht zu bewältigen, bei munteren Gesprächen vergeht schnell die Zeit. Dem höchsten Punkt erreicht und lange am Hang des Skájdevárre entlang, kommen wir aber jetzt nur schleppend und mühselig voran. Versöhnt sind wir jedoch schnell mit diesem Teil der Etappe, als wir erneut Blaubeersträucher sehen, die voll am Wege stehen und auch Moltebeeren gibt es zum zweiten Mal in Fülle. Natürlich verweilen wir einmal mehr für lange Zeit und wollen gar nicht so genau wissen, wie viel wir jetzt schon verdrückt haben; keine guten Vermutungen haben wir, denken wir an unsere Mägen.
Hinab zum Tagesziel wandern wir, doch es zieht sich der Weg zum Valldajohko. Endlich den Fluss erreicht, furten wir zum dritten Mal an diesem Tag. Diesmal aber falsch, Karte und Markierungen nicht richtig beachtet. Wir erwarten deshalb noch weitere Furten und gehen, die Markierungen nun wieder gefunden, in Flipflops durch hartes Gestrüpp. Die harten Sträucher zerkratzen die Waden und erneut kommt uns der Weg viel zu weit vor. Als wir uns am Njallajávrre vermuten, werfen wir etwas genervt die Rucksäcke ab. Schell hat sich der wundervolle Tag gewandelt. Wir wissen nicht wirklich, an welcher Stelle wir uns befinden, ein schöner Zeltplatz ist auch nicht zu sehen und so rechtes Vergnügen war der lange Weg mit den leichten Schuhen auch nicht. Die Weggabelung für die weitere Strecke ist nicht in Sicht und so gehen wir – fester besohlt und ohne Rucksäcke – in beide Richtungen, um uns über die Lage im Klaren zu sein. Die unmarkierte, doch scheinbar richtige Gabelung nach Ritsem ist schließlich auch gefunden und auch ein besserer Zeltplatz entdeckt, auf dem wir nun erst gegen halb acht das Lager aufbauen.
Etwas erschöpft, im Ganzen aber sehr zufrieden und froh, liegen wir nach dem Bade noch eine Weile im Warmen, um wieder erst spät zum Kochen hinauszugehen. Die Luft ist nun aber unangenehm kalt, die Myriaden von Stechfliegen sind anstrengend und wie gewöhnlich gehen wir zum Essen wieder in das Zelt, wo wir ruhig den Tag beenden.


13.8. – 39.Tag
Basislager am Njallajávrre
Mehr als erhofft

Nicht nur stabil hat sich die Wetterlage gehalten, sonnig wird das Zelt beschienen und die Entscheidung fällt leicht, heute, wie schon überlegt, hier zu bleiben und aktiv zu entspannen. Ruhig den Tag beginnend, liege ich schon vor dem Zelt und genieße die schöne Luft, während Tim noch ausschläft. Mit dem Frühstück lassen wir uns Zeit. Schließlich packen wir ein wenig Essen ein, haken die Wasserflaschen an die Hosen und machen uns auf den Weg. Hellemobotn ist heute unser Ausflugsziel, von dessen schöner Lage wie von den zwei oft getroffenen Niederländern schon gehört haben.
Recht einfach und seicht ist anfangs führt anfangs der Pfad über die freien Flächen des Fjells. Zwischen bergen liegend, durchziehen immer wieder immer wieder Flüsse und Seen die Landschaft. Wir reden viel während der angenehmen Wanderung, immer wieder bleiben wir auch stehen, um die zahlreich stehenden Blaubeeren zu pflücken. Ein wenig steigen wir auf und weite, flache Felsplatten liegen vor uns, eine karge, aber freundliche Szene. Eine rechte Freude ist der sonnige Tag und die Wanderung, der Schritt nicht nur wegen des fehlenden Rucksackgewichts leicht.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146803558223197410"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R20ekTicNOI/AAAAAAAAAvo/bcXfk20eCEM/s400/100_8491.jpg" /></a>

Schon sehen wir die Hänge vor uns jäh abfallen, Schluchten ziehen sich gewaltig und schroff in die verschiedenen Richtungen, schmale Klüfte mit hinunterstürzenden Wänden, die den Grund in Schatten hüllen. Zwischen großen Steinbrocken steigen wir abwärts, lichter Wald nimmt uns auf, gleich abgelöst von erneuten Steinhängen. Immer weiter hinunter geht es. Zwar gehen wir länger als erwartet, auf einer Kuppe sitzend ist der Lohn aber reichlich, als wir in das Tal Hellemobotns schauen. Der Fjord ist zwar leider nicht zu sehen, die steilen, hohen Berge, die blau im Hintergrund liegen und von zeitenloser Freiheit erzählen, die tiefe, raue Schlucht und der grüne Talgrund, alles hier ist Eindruck genug.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5146804009194763522"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R20e-jicNQI/AAAAAAAAAv8/ZC5l2s2qoI8/s400/100_8495.jpg" /></a>

So schön der Weg war, ist er nun auch zurück. Mit Tüten, voll von Beeren, kommen wir am Zelt an. Bedeckter ist jetzt aber der Himmel, der Wind hat aufgefrischt, doch noch lange liegen wir draußen, erheischen noch einige Sonnenstrahlen, genießen das Leben. Gegen halb sieben suchen wir schließlich doch die Wärme des Zeltes auf. Ein schöner Tag vergeht.


14.8. – 40.Tag
Njallajávrre – Rautojaure
17km; 3h40; 243Hm hoch, 322Hm runter
Es muss ja nicht immer schön sein

Kaum sieht man etwas, mitten in Wolkenschleiern stehen wir mit dem Zelt. Als wir jedoch den Tag beginnen, ist der Himmel zwar grau, die Sicht aber gut und der feine Nieselregen verzogen. Recht wenig angenehm ist der Weg über viele Hügelkuppen, nass sind die Sträucher, die die Beine streifen. Wenig erwarte ich von der Etappe und blicke eher der kommenden Hütte am Ziel entgegen, was das Wandern allerdings nur zusätzlich erschwert.
Besser wird es zwar kaum, wir betreten jetzt auch noch Wälder, die, noch vom nächtlichen Regen tropfend, uns vollständig durchnässen. Die Zeit vergeht jetzt aber deutlich leichter. Wir sprechen viel über unser beider Leben, über das, was wir haben und hoffen, dankbar besitzen und mit noch mehr Dank liebend gern begegnen würden. Wir sind froh über die Dinge, wie sie sind. Mit der Distanz, die eine solche Tour ermöglicht, betrachten wir alles, sind uns auch der Bedeutung der Reise für uns bewusst. Es wandelt sich ein trister Tag zu einem wichtigen, der würdig und schön die erste Hälfte der Tour abschließt.
Letztlich doch recht schnell bei der Rasthütte angelangt, können wir uns über zurückgelassene Nudeln freuen. Ein wenig lächeln wir, wissen wir doch, dass sie von den zwei zuvor getroffenen Deutschen sind, die für acht Tage etwa dreißig Kilogramm getragen haben – klar, dass da Essen übrig bleibt. Um etwas für den Hüttenaufenthalt für spätere Gäste zu machen, bereiten wir allein mit der Säge etliches Feuerholz. Schließlich ist auch noch das Wetter schöner geworden. Immer wieder ist die Sonne zu sehen, leichter Wind treibt die zahlreichen Fliegen fort und wir genießen draußen den netten Platz am Rautojaure. Der See ist flach und lau, bald aber wird es draußen zu kühl und wir ziehen uns in die Hütte zurück. Drinnen versuchen wir uns dann and der Zubereitung von Blaubeermus, der wir schon seit gestern entgegenfiebern. Leider fehlt aber die nötige Süße und ist nicht wirklich zu genießen. Schade, es wegzukippen. Zum Glück aber habe ich die kluge Idee, es mit der Polenta zu vermengen. Jetzt haben wir noch mehr davon, besser schmeckt es auch nicht. Eine tolle Idee, die ich da hatte. Trotzdem satt, beenden wir den Tag.



ps. gibt gerade ein paar Probleme mit den Fotos von vorher, da ich die alle nochmal neu und größer hochlade. Wird aber dann auch bald wieder alles fein sein.

winni
22.12.2007, 17:32
wirklich eine tolle idee, das blaubeerzeug mit der polenta zu vermengen:grrr:
das war das eklichste gericht der ganzen tour:kotz:

Issoleie
22.12.2007, 23:51
Naja, Polenta pur ist auch nicht der Knaller, da können hier bestimmt noch andere zustimmen...

Von der letzten Tour wissen wir aber: Polenta pur schmeckt immer noch besser, als mit Spriritus vermengt.

Eine andere Empfehlung: Mars (oder das Schwedische Pendant Japp oder so) eignet sich keinesfalls dazu, es an Stellen mit hohem Druck oder Sonneneinstrahlung zu verstauen. (Es sei denn, man hat Freude daran, an Plastik rumzunuckeln)

Für Trinker: Brausetabletten schmecken nicht. Auch nicht, wenn man viele verschiedene Sorten hat. So manigfaltig wie das Wasser im Norden geht es eh mit keinem gemachten Gebräu.

An Müslifreunde: Dort oben ist auch Früchtemüsli und alles Ähnliche nichts anderes als eine Packung Haferflocken. Irgendwelche Streußel, die man nicht identifizieren kann, ändern daran auch nichts.

Für Buddhisten und andere, die an Reinkarnation glauben, und eigentlich eh für alle: Mücken im Essen sind doof.

Für Faulenzer: Ein Topf wäscht sich über Nacht nicht von selbst. Glaubt uns, wir haben es Wochen, Monate versucht.

Das sollte jeder selbst ausprobieren: ab 400g Schokolade pro Tag reduziert sich das Verlangen nach Süßem drastisch. Unbedingt einen Tag mit Nüssen dazwischenschieben.

Für Geizkragen und arme Schüler, auch Leute, die Wochenlang auf Sparflamme gegessen haben: Es ist absoluter Blödsinn, statt 400g Nudeln 1000g für weniger Geld zu kaufen, da die generell bescheiden schmecken und man sie ohnehin nicht alle schafft, wenn man sie kocht, um ein 400g-Gericht zu ersetzen.

Augen offen halten: In Skandinavien wird man einfach keine vegetarischen Fertiggerichte in den Bergen finden. Vegetarier, seid doch nicht so naiv.

Für Naturfreunde: Pilze sind EIGENTLICH etwas Feines...

Für Träumer: Eine Essensliste ist das Spaßigste, was man machen kann. Es gibt nur eine bessere Art von Kopfkino. Meister in den fernöstlichen Meditationspraktiken schaffen da vielleicht noch mehr rauszuholen, als bloße Vorfreude.

Issoleie
25.12.2007, 12:35
15.8. – 41.Tag
Ruhetag in der Rautojaurehütte
Halbzeitpause

Wie die erste Hälfte der Tour verlief, so wird auch der Beginn der zweiten entspannt und ohne Hast gestaltet. Das Wetter ist, wie erwartet, schön und wir können vor der Hütte sitzen, über den See und auf die Wälder blicken, uns sogar einmal wieder sonnen.
Das Gewöhnliche erledigen wir am Ruhetag: Wäschewaschen, Ausrüstung pflegen und ausbessern, ruhen. Die bisherigen Etappen vollziehen wir auf den Karten noch einmal nach, sprechen auch erneut viel über Pläne für daheim. Wenig ist tatsächlich zu erledigen und so können wir wieder lange lesen und noch mehr essen, da Manches noch von den Tagen bis heute übrig ist, wir auch noch Nudeln von gestern haben.
Langsam, unspektakulär, doch angenehm vergeht der Tag und zeitig beenden wir ihn. Gerade wollen wir das Abendbrot zubereiten, als – mir ahnte es schon – Schritte und Stimmen zu hören sind, gleich auch die Türe aufgeht. Drei Wanderer stehen draußen, wollen auch keinen Zeltplatz finden und richten so ebenfalls in der Hütte ihre Betten ein. Da liegen wir nun alle in einem Raum, der eigentlich für zwei gedacht ist, und so wird es recht eng. Wir erwarten nichts Gutes für die Nacht und kochen – eigentlich noch immer vollkommen satt vom vielen Essen – und versuchen, schon gegen halb zehn zu schlafen. Morgen soll es früh losgehen.


16.8. – 42.Tag
Rautojaure – Vaisaluokta
13km; 3h; 218Hm hoch, 222Hm runter
Das Anstrengenste überstehen

Um fünf Uhr klingelt der Wecker. Kaum war der Schlaf erholsam, unruhig bin ich immer wieder aufgewacht, lag zwischen beiden nächtlichen Reichen lange Zeit. Die Rucksäcke sind schon gepackt und nur noch den Rest müssen wir erledigen, frühstücken schnell draußen und gehen los. Unerwartet trocken sind die Pflanzen des Waldes, auch Regen bleibt am Morgen aus, auch wenn der Himmel bedeckt ist. Doch ich fühle mich miserabel. Noch vollkommen müdeist der Kopf, schwer, schwach der Körper. Mein Magen rumort unaufhörlich, die ganze Zeit kämpfe ich gegen die Übelkeit an und auch Tim hat Probleme. Am liebsten würde ich mich jetzt hinsetzen und den Rest des Tages nicht wieder aufstehen. Ich zwinge mich weiter.
Zügig kommen wir aber voran, liegen in der Zeitkalkulation und werden das Boot nach Ritsem erreichen. Der Weg führt durch dichten Wald, manchmal sind offene Moorflächen auf Bolenstiegen zu überqueren. Über kleine Hügel und zahlreiche Bächlein geht es eher schweigsam voran. Nieselregen setzt bald ein und schnell sind die Sträucher feucht. Die Hosen kleben bald durchnässt an der Haut, Wasser dringt von oben in die Schuhe. Wir gönnen uns nur eine Pause, in der wir aber nur kurz die Rucksäcke absetzen und selber stehen bleiben. Länger soll das hier einfach alles nicht dauern. Darf es auch nicht, denn meine Kräfte schwinden nun schnell und ich habe das Gefühl, momentan den schlimmsten Teil der Tour bestehen zu müssen.
Es geht mir einfach nicht besser, doch Tim erholt sich zum Glück langsam. Beide aber sind wir froh, endlich die Hütten von Vaisaluokta zu erreichen, nur aber, um sofort in ein weiteres Stimmungstief geschleudert zu werden. Aufgrund des offenbar zu starken Windes fällt die morgendliche Fähre aus. Nett werden wir aber in der Unterkunft aufgenommen und können uns bei einem entzündeten Feuer langsam erholen, wärmen und uns beraten. So richtig wollen wir uns aber nicht entscheiden, wir schieben es ein wenig hinaus. Nachdem alle Möglichkeiten durchgegangen sind, wird also erst einmal um noch übrige Nüsse gepokert. Gegen halb zwölf tun wir dann aber das einzig Richtige. Nahe den Hütten wird das Zelt aufgebaut, als der starke Regen für einen Moment nachlässt. Mit leerem Rucksack geht Tim zur nächsten Bootsanlegestelle nach Akka, um dort auf die Fähre am frühen Nachmittag zu hoffen – sicher können wir uns nicht sein. Der Wind hat aber gedreht und ist nun schwächer: die einzig gute Nachricht am heutigen Tage. Ich erwarte seine Wiederkunft am Abend und lege mich, noch immer vollkommen von dem schweren Magen-Darm-Virus geschwächt, in den Schlafsack. Ruhe brauche ich jetzt, versuche, mich langsam zu erholen, lerne jedoch auch die örtlichen Toiletten immer besser kennen. Tims Engagement ist gerade jetzt fantastisch und ich hoffe, dass es sich auszahlt.
Halb neun ist er zur großen Erleichterung wieder da. Es lautet der Botenbericht: Unspektakulär führte der Weg bis Akka durch den Wald, schnell war er gelaufen und musste noch länger auf die Fähre warten. In Ritsem muten die Häuser eher uncharmant an, für die An- und Abreise zweckmäßig, zum längeren Verweilen aber zu unattraktiv. Das Paket aber wurde erfolgreich abgeholt und auch zusätzliches Essen gekauft. Auf der Veranda musste die Zeit totgeschlagen werden, zahlreiche Gespräche mit anderen Wanderern, darunter viele Deutsche, halfen dabei.
Schnell bereiten wir das Abendessen zu und sogar ich kann zum ersten Mal am Tag wieder etwas Vernünftiges essen. Wir sind beide völlig müde und schlafen sofort ein, ohne zu wissen, wie es morgen weitergehen soll.


17.8. – 43.Tag
Vaisaluokta – Korsojaure
10km; 2h25; 418Hm hoch, 81 Hm runter
Zum Besseren

In aller Ruhe schlafen wir aus. Noch immer bin ich sehr erschöpft, schwer sind Kopf und auch Glieder müde. Doch im Ganzen ist mir besser als gestern und wir beschließen, bis zum Mittag den ohnehin verregneten Tag im Zelt zu verbringen. Erst dann, je nachdem, wie ich mich erhole, wollen wir beschließen, wie wir die nächsten Tage planen wollen. Also liegen wir in den Schlafsäcken, unterhalten uns und essen ein wenig. Der tags zuvor erhaltene Nachschub wird noch einmal freudig begutachtet und sortiert – voller Tüten und Packunken ist bald der Vorraum.
Als schließlich die Zeit naht, haben wir uns schon recht dafür entschieden, heute noch einige Kilometer zu laufen. Ich meine, mich kräftig genug dafür zu fühlen. Auch die Hoffnung auf einen Tag in der Korsojaureschutzhütte ist Motivation genug, den eher ungemütlichen Platz zwischen den hiesigen Häusern zu verlassen und die Schönheit des Fjells zu erreichen. Den Zwischenraum im Zelt von hunderten Fliegen besetzt und das unstabile Wetter als weiteres Hindernis, bringen wir schließlich die Sachen in einen Schuppen und packen dort. Medizin für den Magen, beste Grüße und den Hinweis auf einen angenehmeren Weg von der netten Hüttenverantwortlichen im sonst auch schwer gewichtigen Gepäck, geht es los.
Am Strand also entlang, nicht im Wald, gehen wir gemütlichen Schritts, lassen uns Zeit, um besonders mich nicht zu überfordern. Bald aber biegen wir nach Süden ein, durchqueren kurz den letzten Zipfel der Siedlung und steigen schließlich steil aufwärts. Der Pfad verläuft jetzt durch den Wald und ist ausgetreten, doch breit und gut zu begehen. Es ist deutlich, dass wir wieder auf einem hoch frequentierten Wanderweg unterwegs sind. Angenehm ist das Wetter, lau die Luft, ab und zu sind lichte Flecken über uns. Zwar ist der Aufstieg anstrengend, stark schwitzen wir, doch ebenso schön ist es auch, wieder zu wandern und die klare Luft einzuatmen und auf dem Körper zu spüren. Wunderbar liegt unter uns im Rücken lang gezogen der Akkajaure, erfrischend geht leichter Nieselregen auf uns nieder und über dem See breitet sich ein Regenbogen.
Schon weit oben, wird der Hang endliche flacher, leicht der Weg an den kleinen Seen rechter Hand. Doch ich merke schon die Erschöpfung, habe wir wohl zu viel zugemutet. Schwer sind jetzt die Schritte. Wenngleich wir gut vorankommen, kommt die Zeit mir lang vor. Den letzten und größten See hinter uns und eine Kuppe überquert, sehen wir die Schutzhütte. Näher kommend sind auch einige Wanderer zu erkennen und schon bangen wir um den so nötigen Schlafplatz auf den Pritschen.
Angekommen, wird Tim eines schon gestern bekannt gewordenen Australiers gewahr, der in der Hütte sein Gepäck liegen hat und mit dem wir auch sogleich länger reden. Die vier anderen Ankömmlinge schlagen ihre Zelte auf und so können wir doch den Schlafplatz in dem Häuschen einrichten, froh ob des Komforts und der baldigen Feuerwärme. Nachdem wir alles bereitet haben, liege ich auch schon matt auf der Pritsche, innerlich ist mir kalt. Wir ruhen bis in den Abend und haben schließlich sogar die Hütte allein. Der Australier, hier, um bei zwei Weinflaschen und einigem Bier (das auch Tim dankbar entgegennimmt) über Frauen nachzudenken, beschließt, das alles lieber in der frischen Luft zu tun. Gute Idee denken wir und schlafen bald zufrieden ein.


18.8. – 44.Tag
Ruhetag in der Korsojaurehütte
Bergauf ohne zu laufen

Schon zur gewohnten Wanderzeit sind wir munter und beginnen, ohne jedoch viel zu tun, den Tag. Nach der Nacht fühle ich mich deutlich besser, die Kräfte kehren zurück und auch mein Magen stabilisiert sich, der allerdings langsamer als erhofft. Das auch noch, wo es hier keine Toilette gibt. Wir reden und lesen viel an diesem durchweg verregneten Tag. Das Zelt haben wir zwar in der Nähe aufgestellt, falls wir anderen, die des Schutzes nun eher bedürfen, den Platz überlassen sollten, trotzdem machen wir es uns in der Hütte gemütlich, die ich erst einmal gründlich säubere, um es ein wenig schöner zu haben.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5147870939200633298"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R3DpWDicOdI/AAAAAAAAA_0/788lW_sjWXo/s400/100_8497.jpg" /></a>

Die über den Tag vorbeikommenden Wanderer scheinen aber uns, den Rastschutz oder die Kombination von beidem eher unattraktiv zu finden und so bleiben wir bis auf eine kurzzeitig verweilende fünfköpfige Gruppe, die meist französisch redet, sonst aber nicht genau zuzuordnen ist, ungestört. Wir verstehen viel und fühlen und dagegen sprachlich so abgegrenzt, dass der ein oder andere Spaß über die Reisenden munter die Zeit vertreibt. Bis zum späten Abend ändert sich an der alleinigen Hüttennutzung nichts und so essen wir gemütlich die Mahlzeit und bauen schließlich auch das Zelt ab, um bald auf den Pritschen einzuschlafen.


19.8. – 45.Tag
Korsojaurehütte – Loddejokkostugan
26km; 5h30; 325Hm hoch, 624Hm runter
Positive Wendungen

Es piept, wie gewohnt, um neun die Uhr, auf sie gedrückt, hört sie heute aber ungewöhnlich nicht mehr auf: Totalausfall. Natürlich ärgern wir uns, versuchen, der Situation aber trotzdem das Beste abzugewinnen. Als wir über die Hügelflächen am See laufen, angenehm, fröhlich und leicht über die Wege dahin, munter miteinander reden und auch dem bedeckten Himmel schönes abgewinnen, da ist es, als ob ein ganz neues und wunderbares Gefühl des Wanderns über uns kommt – zeitlos und frei.
Die Kamera verrät uns aber trotzdem ab und an die Uhrzeit und so ist es nicht nur der Eindruck. Tatsächlich kommen wir schnell und bei besten Kräften voran, erreichen schon bald die Kutjaurestugan und auch am frühen Nachmittag die einige Kilometer entfernten Flüsse. Immer neben uns in der Ferne liegt malerisch das Akkamassiv und die Berge des Sarek.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5147871102409390562"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R3DpfjicOeI/AAAAAAAAA_8/y8SE0zHb-bs/s400/100_8501.jpg" /></a>

Kaum können wir ablassen, zu wiederholen, wie schon dieser Tag doch ist. Eine längere Pause machen wir bei den breiten Flüssen, holen als Versuch die Uhr hinaus und klatschen ab: funktioniert! Noch eine Weile unterhalten wir uns nett mit zwei deutschen Wanderern, die wie wir pausieren, und gehen schließlich mit noch zusätzlich verbessertet Laune weiter. Immer hatte ich schon Probleme mit meiner Hüftgurtschnalle, die beim Wandern unregelmäßig periodisch, dann aber ständig aufsprang und selbst das Problem scheint sich heute mit der neuen Ersatzschnalle zu erledigen. Jetzt kann selbst der einsetzende Regen unsere Gemüter nicht ein Bisschen trüben, es ist einfach alles zu schön.
Kaum anstrengender als bisher ist uns der folgende längere Anstieg und den höchsten Punkt erreicht, blicken wir auf sich weit durch die Täler ziehende Seen, von Regenschleiern verhangen. Noch ein letztes Mal pausieren wir, genießen bei doch noch besserem Wetter die Aussicht, lauschen der Stille. Von voller Zufriedenheit ist die Seele erfüllt. Noch das letzte Wegstück gehen wir sanft und entspannt entlang des Hanges. Ein wenig wieder steiler abgestiegen, sind wir bei der Loddejokkostugan, die wie die anderen Hütten des Nationalparks von einer kleinen Samifamilie geführt wird. Ich bekomme hier sogar freundlicherweise Medizin für meinen Magen, der bis jetzt noch nicht wirklich ruhig ist. Grüßend gehen wir noch ein Stück weiter. Gewaltig strömt der Fluss unter der Brücke und am gegenüberliegenden Ufer suchen wir uns einen Zeltplatz.
Wir entspannen noch, bauen schließlich auf und das hart abfallende Ufer hinunter, um vor dem Zelt noch die Frische eines Bades auszukosten, das uns jetzt bei langsam kühleren Temperaturen schon deutlich schwerer fällt als noch im ersten Teil der Tour. Zu dem tiefen Temperaturen fängt es auch erneut dauerhaft an zu regnen, sodass wir für den Rest des noch kurzen Tages im Zelt bleiben und ihn dort beenden.

Issoleie
27.12.2007, 15:37
20.8. – 46.Tag
Loddejokkostugan – Seenplatte am Dijddervágge
19km; 4h10; 640Hm hoch, 547Hm runter
Weiter im Genuss

Unerfüllt bleibt die Hoffnung auf verbesserte Wetterlage, grau und dich bedecken Wolken den Himmel. Erst etwas später brechen wir auf. Die gestern noch ehrfurchtsvoll von der anderen Seite betrachtete Wand vor uns stellt sich am Beginn der Wanderung als sehr angenehmer Anstieg heraus. Die Flächen sind weit, offenes Fjell zieht sich in die Ferne. Bei munteren Unterhaltungen kommen wir leicht voran, auch heute froh über das neu entdeckte Wandergefühl. Nicht mehr die Pausen stündlich setzend sind die Laufintervalle länger. Man gelangt zu einem ruhigen, beständigen Rhythmus, der von der Landschaft zusammen mit dem Körper und Gemüt vorgegeben wird und in den man viel freier eintauchen kann.
So ist also der Weg wunderbar. Auch heute regnet es wieder, doch auch heute stören wir uns daran nicht, lassen uns auch die verhangenen Täler gefallen, die sich in zahlreichen Schattierungen verlieren. Schnell sind wir am Miellädno, dessen Einmündung in den riesigen Virihaure wir bei einer Pause vom Hang aus bewundern. Auch die gehäufter auftauchenden Wanderer können dem Genuss keinen Abbruch tun.
Der hügelige Pfad zur Samisiedlung Arasluokta ist zwar anspruchsvoller und Sträucher durchnässen die Hosen, doch bald schon sind wir auch dort angelangt und verweilen länger, lassen den Regen vorbeiziehen. Auch der weitere Weg hinauf ist kräftezehrender, doch im Moment fällt das Wandern uns im Allgemeinen zu leicht, als dass wir damit Probleme hätten. Aufsteigend wird man mit fantastischen Aussichten auf im Fels liegende kleine Seen belohnt, im Hintergrund zieht sich der Virihaure und die Berge Norwegens ragen am Horizont empor. Der Himmel ist aufgeklart und die Sonne scheint auf die weite Landschaft. Bald haben wir den Seenverbund am Pfad erreicht und suchen uns einen gemütlichen Zeltplatz.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5148659216023304722"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R3O2RzicOhI/AAAAAAAABAs/MHH25IiJn8E/s400/100_8533.jpg" /></a>

Noch lange genießen wir in Ruhe das schöne Wetter, wenngleich auch die Sonne in den letzten Tagen schon spürbar an Kraft verloren hat. Viel reden wir, machen auch noch zwei Ausflüge in die Umgebung und bauen erst am Abend das Lager auf. Einfach zu wunderbar ist der heutige Tag und seit langem können und wollen wir wieder unter dem freien Himmel das Abendessen genießen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5148658855246051826"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R3O18zicOfI/AAAAAAAABAc/OLoBbDAj01w/s400/100_8530.jpg" /></a>

Allein, den frommen Wunsch von den Lippen, scheidet die Sonne hinter den Bergrücken von uns. War es eben noch frisch, ist es sofort kalt und so beenden wir den Tag doch mit Essen im Zelt und anschließenden Gesprächen.


21.8. – 47.Tag
Seenplatte im Dijddervágge – Staddajokkostugorna
18km; 3h50; 318Hm hoch, 298Hm runter
Seichte Landschaften

Zum ersten Male gab es nächtens Frost und auch der Morgen ist noch immer klar und kühl. Noch ist die Sonne am Morgen kraftlos, während sie langsam höher steigt, doch durchgängig blau zieht sich der Himmel über uns und der Landschaft. Mit guter Laune gehen wir los. Schnell erreichen wie die Samisiedlung Staloluokta. Wir entscheiden, die heutige Etappe kürzer zu gestalten und gehen entspannt weiter, nachdem wir länger bei den Hütten verweilt haben.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5148659374937094690"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R3O2bDicOiI/AAAAAAAABA0/x6qCXF6hpvM/s400/100_8537.jpg" /></a>

Der Weg ist anstrengender, als erwartet. Ständig geht es über kleine Hügel, auch der Sonnenschein drückt sogar ein wenig, wenngleich die Luft frisch ist. Die Landschaft aber ist wunderschön. Weich ziehen sich Seen und Flüsse durch grüne Flächen, von hellem Gras sind die sumpfigen Ufer bewachsen. Ruhiger ist es hier und gleichfalls sind auch die Wanderer weniger, nachdem wir den eigentlichen Padjelantaleden verlassen haben. Wir folgen dem Tal des Stálojokko, der jedoch weiter entfernt fließt und uns mit einem Mangel an Wasser wandern lässt. Flache, idyllische Wiesen erreicht, ist auch die Stugan am Fluss nicht mehr weit. Die Hütten aber lassen wir seitlich liegen und suchen uns an gegenüberliegendem Ufer einen Lagerplatz.
Seit längerer Zeit haben wir wieder Lust auf mehr Blaubeeren, die auch schnell gepflückt sund und mit Milch in der Sonne liegend genossen werden. Noch zwei Wanderer kommen an uns vorbei, mit denen wir länger reden. Wir sitzen noch draußen, gegen sieben aber verhüllt sich die Sonne hinter Schleierwolken und so bauen wir das Zelt auf und verschwinden. Beim Abendessen lassen wir es uns wie gewöhnlich in den Schlafsäcken liegend gut gehen und schließen einen erneut schönen Tag ab.


22.8. – 48.Tag
Staddajokkostugorna – Varvvekjávrre
25km; 4h45; 400Hm hoch; 288Hm runter
Stille

Bei bewölktem Himmel, doch recht warmen Temperaturen beginnen wir den Wandertag. Imposant rauscht der Staddajohkko über Steinstufen neben uns herunter und wie folgen anfangs seinem Lauf. Schnell überholen wir zwei gestern schon getroffene Wanderer und reden eine Weile Deutsch mit ihnen, woran der Schwede sichtlich Freude hat. Wir hoffen, in ein paar Jahren unsererseits in der Landessprache mit ihnen sprechen zu können. Dann aber geht es einsam die Hänge hinauf. Angenehm ist der Weg, weit die Flächen der bald erreichten Höhen des Gajlavagge. Ständig gehen wir über morastige Wiesen, Rinnsale kommen von den Hängen, kleine Pfützen bedecken den Boden. Ich fühle mich etwas matter als die vergangenen Tage, doch die Ruhe der Etappe ist ein wahrer Genuss und das Wandern uns eine Freude.
Sich weit verzweigende und ausdehnende Flüsse sind unter uns zu sehen und schnell und munter unterhaltend kommen wir voran. Die Landschaft wirkt etwas rauer als die vergangenen Tage, keinem Menschen begegnen wir. Über Hügelkuppen führt der Weg an Sümpfen und Seen vorbei und nachdem wir drei Brücken überquert haben, suchen wir uns einen am größeren Varvvekjávrre einen Lagerplatz.
Wir bauen das Zelt auf und da der Himmel von dickeren Wolken überzogen ist, bereiten wir auch schnell für die nächsten Tage Bannocks. Noch eine Weile sitzen wir, doch schon wird es kühler und ungemütlicher. Leicht fallen ab und an Tropfen und wir beschließen, drinnen in aller Ruhe noch zu ruhen, zu lesen und reden. So vergeht der Tag...


23.8. – 49.Tag
Varvvekjávrre – Vistekjávrre
20km; 4h30; 564Hm hoch; 414 Hm runter
Weiter so

Der frühe Morgen zeigt sich freundlich, doch schon als wir aufstehen, ist es typisch nordisch, wie auch der gestrige Abend es schon ankündigte und die von Westen kommenden Wolken ahnen ließen. Wie auch am Tag zuvor ist der erste Teil des Weges. Immer wieder geht es über kleine Hügel, vorbei an den zahlreichen Seen- und Sumpfflächen. Bei Unerhaltungen kommen wir gut voran und als der Pieskehazre unter uns liegt und wir den Abstieg beginnen, können wir uns auch über Blaubeeren freuen, weiter unten über Moltebeeren. Schnell sind wir auch bei den Hütten und plaudern während der Pause eine Weile mit dem Stugvärd, tauschen einige Kleinigkeiten aus.
Wieder frisch, geht es mit nach wie vor guten Kräften weiter. Anstrengender wird der Weg, doch zum Glück können wir auf einem „neueren“ Pfad die in der Karte eingezeichnete Furt umgehen, auf die wir bei dem kalten Wetter nur wenig Lust haben. Auch der lange folgende Anstieg ist zwar fordernd, doch angenehm und wir schon weit vorangekommen pausieren wir erst zum zweiten Male. Leichter Regen setzt ein, als wir weitergehen und die Wand im Westen schon gesehen, wird es auch bald kräftiger. Also ziehen wir – etwas umsonst, denn schon bald hört es wieder auf – die Regensachen an und es ist nicht genau zu sagen, ob auch eventuell die gestaute Luft, die generelle Angst oder schließlich die schlechte Sicht das Folgende hervorruft. Denn plötzlich, ich weise eben darauf hin, brüllt Tim in Panik „Das ist ein Bär“ und will schon die Beine in die Hand nehmen, als ich lauthals zu lachen beginne. Zwar ungewohnt ist der Anblick hier in der Einsamkeit, letztlich kommt uns aber doch nur ein Wanderer mit dunkler, weiter Regenkleidung entgegengestapft, der ob unseres Gelächters scheinbar etwas verwirrt ist. Mit guter Laune geht es noch einige Zeit durch unwirtliche, schroffe Steinlandschaften, als wir bald den Vistekjávrre unter uns sehen. Schon beginnt starker Regen und am Ostufer suchen wir schnell einen Zeltplatz und bauen auf.
Froh liegen wir gemütlich im Trockenen und beschäftigen uns gewohnt, ruhen, während es nicht aufhört, vom Himmel zu kommen. So geht es bis zum Abend und nach dem Essen beenden wir mit Gesprächen den Tag.



24.8. – 50.Tag
Vistekjávrre – Kurajaure
15km; 3h35; 466Hm hoch; 419Hm runter
Nordisch...

Die Nacht hindurch hat es weiter geregnet und es scheint zwar ab und zu die Sonne auf das Zelt, als wir noch eine Weile in den Betten liegen, sofort fängt aber auch der nächste Schauer an. Wir können uns Zeit lassen und packen im Trockenen. Irgendwann aber müssen wir dann doch weiter, im Regen wird das noch stehende Außenzelt eingepackt und in schützenden Sachen geht es los.
Kurz müssen wir hinab, um anschließend den Vajmokbákte zu besteigen. Erneut ist der Anstieg nicht so schwer, wie wir es erwarteten und auch nach einigen Wandertagen sind wir bei guten Kräften. Über steinige Wege geht es aufwärts auf den höchsten Punkt der Tour – zumindest nach der Höhenmessung sind wir hier knapp über dem Tjäktjapass des Kungsledens, trotzdem aber noch auf moderaten rund 1310 Höhenmetern. Nicht mehr ganz so rau trott uns das Wetter nun entgegen und steil steigen wir zu den Hütten nahe dem See unter uns hinab. Freundlich werden wir vom Stugvärd begrüßt, der uns wohl schon erwartet hat und sofort lädt er uns für die Pause in sein kleines, einzeln stehendes Haus ein. Lange reden wir miteinander, erfahren einiges über die Tätigkeit als Hüttenwart, die uns in den letzten Tagen ohnehin schon immer mehr interessiert hat. Privates wird ebenso ausgetauscht wie Tourinformationen und sogar die Reste eines eigens gebackenen Kuchen bietet uns der nette und sehr lockere Mann an, auch zwei Brötchen bekommen wir noch mit auf den Weg und freudig verabschieden wir uns.
Als wir weitergehen, wird das Wetter erneut schlechter, der Weg aber weniger anstrengend. Anfangs noch über steinige Pfade leicht ansteigend, laufen wir bald schnell über einige vor uns liegende Bolenstiege. Nur kurz pausieren wir einmal, versuchen aber, doch eher schnell das Tagesziel zu erreichen. Über die letzten Hügelkuppen müssen wir noch, schon liegt vor uns die Kurajaurehütte. Kaum können wir glauben, dass dieses große Gebäude mit Schuppen und Toilette die eingezeichnete Schutzhütte ist. Als wir dann aber zwei andere Wanderer kurz vor uns eintreten sehen, sind wir schon jetzt gespannt. Glücklich dann über den unerwarteten Komfort kommen auch wir an, sehen schon das viele zurückgelassene Essen und plaudern munter mit den beiden jungen Schweden. Einmal mehr können wir uns sogar in Deutsch mit der einen unterhalten, deren Mutter eine Landsfrau von uns ist und ihre Sprache gut an ihre nette und offene Tochter weitergegeben hat. So ist auch dieses Treffen ein schönes und wir sind zufrieden, als wir mit vollen Mägen, schließlich wieder allein in der Hütte, auf den Bänken liegen. Zwar ist es uns eher unlieb, zwölf Grad Celsius im Innern lassen uns dann aber doch ein kleines Feuerchen entfachen, allzumal der Schuppen sehr voll ist. Entspannt sitzen wir also, lesen viel und genießen den Schutz des langsam wärmer werdenden Raumes. Angenehm verläuft der kurze Rest des Tages und zum Abschluss sitzen wir bei Kerzenschein am Tische, freuen uns über das reichliche Abendbrot und sind mit allem sehr zufrieden.

Issoleie
29.12.2007, 13:02
25.8. – 51.Tag
Ruhetag in der Kurajaureschutzhütte
Häusliche Ruhe

Ungemütlich wie gestern ist das Wetter. Hart pfeift der Wind über das Haus, Regen prasselt auf das Dach und die Temperatur ist gering. Wir lassen uns mit dem Aufstehen Zeit, kaum wollen wir aus den Betten steigen. Mehr noch aber müssen wir tun und so ziehen wir die Regensachen an und waschen mit starren Fingern die Kleider im eiskalten Fluss. Zurück in der Hütte feuern wir auch heute ein und nach kurzer Zeit der Ruhe werden wir auch mit einem ungewissen Blick von einem der zwei hereinkommenden Wanderer dafür gestraft. Länger als uns lieb ist bleiben die beiden und die Zeit ist eher unangenehm, da sie im besonderen Maße ungesprächig und abweisend sind.
Wieder allein, essen auch wir die Mittagsmahlzeit, nachdem wir eben nur zugeschaut haben. Da nichts Weiteres zu tun ist, arbeiten wir unser kleines Liedprojekt aus, lesen viel und freuen uns auch heute, ein wenig mehr Schutz bei dem schlechten Wetter zu haben. Erneut essen wir spät und gemütlich, um auch heute wieder mit zu vollen Mägen in den Betten zu liegen und zufrieden einzuschlafen.


26.8. – 52.Tag
Ruhetag in der Kurajaureschutzhütte
Gästehaus

Wir waren bisher einfach zu schnell unterwegs, haben die Tour in der groben Planung zu lange angesetzt. Um nicht am Ende noch mehr Zeit übrig zu haben, werden wir noch einen weiteren ruhigen Tag hier verbringen, was uns jedoch eher unrecht ist und zu träge. Wie zuvor steigen wir zu entspannter Stunde aus den Betten, kaum etwas haben wir heute zu erledigen. Das Wetter ist zwar deutlich schöner, allerdings noch immer so kalt, dass wir uns zu einem Bade nicht durchringen können. Also bleiben wir in der Hütte, lesen auch heute viel, schwatzen. Schon früh ist ein Wanderer zu sehen, geht aber unerwartet weiter. Die nächsten beiden sind aber so klug und bleiben eine Weile in dieser schönen Hütte. Wie hier auf dem Padjelantaleden kaum anders möglich, wird sich auf Deutsch unterhalten, diesmal allerdings mit Schweizern.
Zu zweit in der Hütte, braten wir uns Bannocks und bereiten das Mittagessen und erstaunlich schnell vergeht die Zeit, ohne, dass wir viel erledigen. Gerade wasche ich mir die Haare, als die nächsten kommen. Natürlich. Deutsche. Zwei ältere Männer. Bis zum Abend plaudern wir über verschiedenes, wobei ich mich jedoch immer mehr in Gedanken verliere und kaum mehr zuhöre. Ich bin hier draußen einfach nicht daran interessiert, welche Casinos in China eröffnet werden und wie viel Felder sinnlos zu Ölgewinnung für Autos genutzt werden. Abstand zu gewinnen, darunter verstehe ich wohl etwas anderes als diese beiden. Schließlich bauen wir auch unser Zelt vor der Hütte auf, um ein wenig allein sein zu können. Zwar sind wir bis zum Abendessen noch bei den Deutschen, gehen danach aber sofort nach draußen und können etwas entspannter miteinander reden, während sich der Tag dem Ende neigt.


27.8. – 53.Tag
Kurajaure – Nunjesstugan
19km; 4h20; 145Hm hoch; 707Hm runter
Waldig feucht

Bei Nieselregen wachen wir auf, packen in aller Ruhe die Rucksäcke in der Hütte, in der wir nach kurzer Zeit – die Deutschen gehen – wieder alleine sind. Etwas freundlicher zeigt sich das Wetter dann, als wir uns auf den Weg machen. Weit können wir über das Fjell hinweg nach Osten blicken, wo sich tiefer die Berge in den Wolken verlieren. Das Licht spielt in den Schleiern und zwischen den dunklen Schattierungen sind hell scheinend Hänge beleuchtet. Über steinige Passagen und kleine Hügel geht es mit vielen Gesprächen voran.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5149361786773584434"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R3Y1QzicOjI/AAAAAAAABBs/0_PnQ8MHCVg/s400/100_8554.jpg" /></a>

Nicht lange aber und das Tarradalen liegt mit seinen südlichen Ausläufern vor uns. Satt grün sind die Flächen, lang ziehen sich die Wasser auf dem Grund. Wir müssen viel hinab, haben schon bald den Wald erreicht, während nun beständig Nieselregen auf uns fällt und auch die Bäume und Sträucher nässt. Nachdem die Brücke über den Tarrajokko überquert ist, wird auch der Boden feucht. Zahlreich durchziehen Bäche die Hänge, Pfützen und Sümpfe sind auf und neben den Pfaden. Noch die vielen schönen letzten Etappen im Kopf, stören wir uns auch hieran gerade nicht, nehmen den heutigen Tag als Abwechslung an.
Die Tarrakausestugan hinter uns, wird der Weg steiniger. Schwerer fallen nun die Tropfen unaufhörlich, das leise Rascheln der Bäume, vom Regen getroffen, umgibt uns. Etwas anstrengender ist uns das Wandern jetzt, doch recht zügig kommen wir voran und erreichen auch schon zu früher Stunde die Nunjeshütte. Über die eigens für den Winterweg angelegte Brücke überqueren wir den Fluss und finden auf der anderen Seite einen idealen Zeltplatz. Schnell nutzen wir die momentane Regenpause und bauen auf, liegen bald in den Schlafsäcken und ruhen. Eine Weile ist das Wetter noch gut, schon aber fallen erneut die Tropfen vom Himmel herab und es will bis zum Abend nicht enden. Wir bleiben also im Zelt und beenden den Tag nach dem Abendessen recht schnell und müde.


28.8. – 54.Tag
Nunjestugan – Kvikkjokk – Seen nahe Livkojohko
13km; 2h20; 96Hm hoch; 207Hm runter / 3km; 50min.; 271Hm hoch; 0Hm runter
Gut geschafft

Etwas früher stehen wir auf und packen auch zügig die Rucksäcke; genug Zeit soll bis zum Boot nach Kvikkjokk bleiben. Der Morgen ist sonnig und frohen Mutes gehen wir munter plaudernd über leichte Waldwege, die uns an Familienausflüge im Harz zurückdenken lassen. Recht viel Spaß haben wir, gering ist das Gewicht auf dem Rücken und frei die Schritte.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5149362031586720322"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R3Y1fDicOkI/AAAAAAAABB0/DQADvd9XzTc/s400/100_8555.jpg" /></a>

Viel schneller als erwartet erreichen wir den Bootssteg. Schon viele Rucksäcke stehen an die Bäume gelehnt, zu Paaren daneben die Trekkingstöcke. Acht Deutsche fahren bald mit uns auf dem Fluss, der breit und ruhig zwischen den bewaldeten Hängen liegt.
Wir haben jetzt den Nordkalottleden beendet. Kvikkjokk erreichen wir gegen viertel drei, verabreden uns mit dem Bootsmann für sechs Uhr zur Weiterfahrt und haben also genug Zeit für unsere Erledigungen. Zuerst führt uns der Weg zur Fjellstation, wo wir unser Paket erhalten. Alles eingepackt, geht es weiter zum kleinen Shop und nach langem Hin und Her zwischen den beiden Plätzen, deren Angebot uns die Entscheidung nicht leicht macht, haben wir schließlich doch alles beisammen. Von den häufigen Läufen haben wir am Ende die Nase voll und so setzen wir uns bald an einen Rastplatz. Genug Zeit bleibt uns noch und da Kvikkjokk sonst nicht viel Spektakuläres bereithält, schauen wir uns die schöne Stabkirche gleich neben unseren Bänken an, die allerdings eher von außen zu entzücken weiß. Von neben uns pausierenden Deutschen erfahren wir, dass wir leider die ganzen Tage schon unwissend an zahlreichen genießbaren Pilzen vorbeigelaufen sind und so hoffen wir, in der nächsten Zeit unseren Proviant mit etwas Frischen aus der Natur ergänzen zu können.
Schließlich aber geht es noch einmal auf dem Fluss weiter nach Süden, während wir nett mit dem Bootsmann von vorhin reden. Als wir anlegen, liegt nun der Kungsleden wieder vor uns. Den Hinweis erhalten, gehen wir noch heute weiter. Durch dichten, urigen Nadelwald geht es steil aufwärts. Zwar hat sich der Himmel zugezogen und die Luft ist kühl, doch unter der Anstrengung des Weges und mit dem neuen hohen Rucksackgewicht schwitzen wir stark. Den angegebenen Flusslauf erreicht, der uns empfohlen wurde, ist kaum eine geeignete Zeltmöglichkeit zu finden. Da es aber schon spät ist und ich mich gesundheitlich erneut nicht gut fühle, bauen wir trotzdem das Lager auf. Seit längerer Zeit waschen wir uns einmal wieder im Fluss und gehen endlich viertel acht in die Schlafsäcke. Gleich das Erfahrene ausprobierend wird das Abendessen mit Pilzen verfeinert und mit Extraessen aus Kvikkjokk anschließend abgerundet.


29.8. – 55.Tag
Seen nahe Livkojohko – „Brücke“ am Goabddábakte
15km; 5h45; 600Hm hoch; 227Hm runter
Höhen und Tiefen

Mit weißem Frost ist das Zelt überzogen, das Wasser im Topf gefroren. Über Nacht hat sich meine Gesundheit für eine ausgewachsene Erkältung entschieden und auch der Kopf und die Glieder fühlen sich angegriffen an. Schon sehr früh sind wir wach und entscheiden, unseren Rhytymus an den der Natur anzugleichen und die Tage ein wenig eher zu beginnen. Weiter soll es auch gehen, so fit fühle ich mich und der Sonnenschein lädt dazu ein.
Anfangs noch steil aufwärts durch den dichten Wald, führt der Weg bald gemächlicher in die Höhe, lichter wird auch der Baumbewuchs, Krüppelbirken stehen gespenstisch schwarz, ein andermal idyllisch auf den Hängen. Der Boden ist goldbraun gefärbt, wunderschön zieht sich die Szenerie in die Weite, wo sie von Bergen beschlossen wird, deren schroffe dunkle Felsen von Schnee angehaucht sind. Zwar ist der stetige Anstieg anstrengend, die Landschaft und die Einsamkeit aber bereiten große Freude.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5149362924939917954"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R3Y2TDicOoI/AAAAAAAABCY/v4gDsPCD7QM/s400/100_8565.jpg" /></a>

Die Tsielekjokkostugan erreichen wir am frühen Nachmittag. Da sie sich als Schutzhütte anstatt der erwarteten Fjellstation herausstellt, nutzen wir die Gelegenheit und lassen im kleinen Raum den Regen vorüberziehen. Noch jung ist der Tag und das heutige Lager ein wenig weiter geplant. Also brechen wir wieder auf, gehen erneut nach oben, während die Bäume immer spärlicher werden und weite Fjellflächen die Landschaft bestimmen. Heute scheinen wir sogar Glück mit dem Wetter zu haben, denn nur fein fällt der Nieselregen und es lässt sich sogar die Sonne ab und an wieder blicken.
Steiler wird jetzt der Anstieg, doch die vorhin eingenommene Tablette lässt mich bei einigermaßen guten Kräften den Weg bewältigen. Oben auf der schönen Ebene angekommen, zieht sich die Wanderung dann doch in die Länge, schwerer sind schon die Beine. Ohne Pause geht es fort, bis wir schließlich den Flusslauf am Fuße des Goabddábakte erreichen. Schnell ist der ideale Lagerplatz gefunden und das Zelt aufgebaut.
Kurz liegen wir, um dann recht bald in erholsamen Schlaf zu fallen, der meinem Körper gerade nur gut tun kann und Tims Naturell ja ohnehin entspricht. Bis zum Abend wird dann noch gesprochen, die nächsten Tage angeschaut und etwas gelesen, während draußen beständig Graupelschauer niedergehen, bald auch Schnee fällt. Keinen einigen Menschen haben wir heute gesehen und froh über dieses Gefühl beenden wir nach sehr reichlichem Abendessen den Tag. Vollständig abgeschlossen wird er aber mit dem großen Ärgernis, dass die Uhr wieder und diesmal endgültig die Funktion aufgibt.

Issoleie
01.01.2008, 16:55
30.8. – 56.Tag
Ruhetag am Goabddábakte
Regeneration

Erneut ist der Morgen schön und klar und auch das Zelt wieder vereist, das Öl gefroren. Zwar stehen wir schon auf und beginnen die Betten zu packen, entscheiden und aber schnell wieder um. Der richtige Entschluss ist es für die Genesung, die Krankenstation des Hotel Hilleberg aufzusuchen und die Kräfte mit der Zeit wiederkehren zu lassen.
Also liegen wir im Zelt, unterhalten uns, lesen, oder sind in unsere Gedanken versunken. Allerdings bin ich einfach nicht in der Lage, überhaupt viel mehr zu machen, also große Teile des Tages einfach nur da zu liegen und nichts zu tun. Doch zum Mittag braten wir heute Bannocks, während draußen auf einmal recht viel los ist. Eine dänische Wandergruppe lagert für eine längere Zeit hier, um dann unseren Hausberg zu besteigen, auch zwei weitere Wanderer pausieren nicht weit entfernt am Fluss. Die Temperatur von etwa sechs Grad Celsius lässt uns dann aber ohnehin schnell wieder die Schlafsäcke aufsuchen, wir ruhen und nicken ein.
Draußen hat sich der Himmel wieder zugezogen, lange schneit es, doch liegen bleibt noch nichts. So plätschert der Tag dahin, während ich darauf hoffe, recht bald wieder gesund zu werden. Schon heute beschließen wir jedoch, auch morgen hier zu bleiben, zu elend fühle ich mich, um mir vorstellen zu können, mich morgen wieder anzustrengen.


31.8. – 57.Tag
Ruhetag am Goabddabákte
Alles wiederholt sich

[Tagesverlauf:] s.o.
[spektakulärer Zusatz:] Mir geht es besser, auch das Wetter ist schön. Längerer Mittagsschlaf und ein warmes Essen tun gut, die Ruhe lässt die Kräfte zurückkehren.


1.9. – 58. Tag
Goabddábakte – Árdnávágge
20km; 410Hm hoch; 530Hm runter (Angaben ohne Gewähr wie folgende)
Herbsttag

Der Morgen schon verkündet einen wundervollen, idealen Wandertag im skandinavischen Herbst. Kühl und trocken ist die Luft, klar der Blick. Lose stehen Quellwolken am Himmel, häufig bescheint aber die Sonne warm das bunte Fjell, das sich gerade im Übergang der Jahreszeiten in mannigfachen Farben in die Ferne zieht. Bester Laune stehen wir auf und beginnen den Tag, das Gemüt ist gar leicht und voller Drang zu laufen der Körper. Da ich mich auch wieder gesundheitlich sehr viel besser fühle – von der Krankheit ist nur noch die Erkältung geblieben –, geht es also heute endlich weiter.
Aus dem Fjell steigen wir bald hinab zu den vereinzelt stehenden Bäumen, den Gras bewachsenen, weichen Böden. Recht idyllisch und friedlich ist die Landschaft, kaum ist man auf einer geringeren Höhe. Viel reden wir, den Kopf voller Ideen und Projekte, Hoffnungen voller Begeisterung. Den nach einer Weile erreichten Rentierzaun vor uns, erinnert uns dessen Überwindung eher an einen Militäreinsatz denn an eine Wanderung im Fjell. Das abgesperrte Gebiet betreten, lassen wir uns jedoch nicht schrecken und pausieren ungeachtet der Gefahren an der folgenden malerischen Raststelle am See, genießen den Sonnenschein und sammeln für den Abend und als kleine Zwischenmahlzeit Pilze.
Dichter ist nun der Wald, immer wieder aber führt der Weg auf Bolenstiegen über offene Sumpfflächen. Graupelschauer erinnern kurzzeitig an die Jahreszeit, Blaubeeren an das entspannte, reiche Leben in der Natur. Überwiegend steinbesetzt und verwurzelt sind die weiterführenden Pfade zum Thiggelvas, dessen schönes Ufer schnell erreicht ist. Sehr angenehm ist uns aber erneut das Wandern, ohne Zeitmessung bemerken wir wieder das viel freiere Gefühl während des Tages. Durch wildes Gestrüpp geht es weiter, bis vor uns der letzte Anstieg des Tages als breiter Hang vor uns liegt.
Eher sanft geht es dem Fjell entgegen, der Wald wird lichter. Weit ziehen sich hinter uns die Seen, die wir nun überblicken können, im Hintergrund sind noch die Berge des heutigen Morgens zu sehen. Den letzten steilen Teil überwunden und über die Kuppe gegangen, liegt das Árdnávágge steinig und rau vor uns, die Ebene von Wasserläufen durchzogen. Nicht mehr weit gehen wir und suchen uns schließlich einen schönen Zeltplatz neben den Flüssen, um den ich schon ein wenig gebangt habe, als diese schroffe, unwirtliche Gegend vor uns erschien.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5150536258576113618"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R3phcD8y39I/AAAAAAAABDQ/jUZMdONx6y4/s400/100_8587.jpg" /></a>

Zu wunderbar war und ist der Tag, um sofort in die Schlafsäcke zu steigen. Wir lassen uns noch eine Weile von der Sonne bescheinen und die Stille des Fjell lassen wir in die Seelen ein, die klare Luft und das freie Gefühl. Erst als Wolken ihre Schatten auf uns werfen, wird es ohne Bewegung zu kühl und so gehen wir schließlich in das Zelt. Mit Pilzen, die wir noch vom Morgen haben, bereichern wir erneut die abendliche Mahlzeit und sind es für diesen Tag vollkommen zufrieden.


2.9. – 59.Tag
Árdnávágge – Brücke über den Liiggá
20km; 270Hm hoch; 470Hm runter
Ein anderer Herbsttag

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5150536490504347618"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R3phpj8y3-I/AAAAAAAABDc/Yzj9S86l9Q0/s400/100_8589.jpg" /></a>

Weiß ist das Fjell am Morgen und noch immer schneit es kräftig. Rechten Spaß haben wir noch daran, als wir aber die Wanderung beginnen, ist auch die zusätzliche Belastung zu spüren. Hart werden die Flocken vom starken Wind in die Gesichter getrieben. Der Tritt ist unsicherer, rutschig sind die Steine und der Boden bei Neuschnee von etwa sechs Zentimetern nur schwer vorherzusehen. Doch eingepackt geht es den Hang der Bergkette hinauf, der sich zwar lang zieht, insgesamt aber doch angenehm zu ersteigen ist. Wir sind in dieser Höhe mitten in den Wolken, die Sicht ist stark eingeschränkt, einzig weiße Flächen sind ringsum zu sehen und so können wir nur anhand der Steigung schätzen, wie weit wir schon vorangekommen sind, haben aber ohnehin kaum Lust, lange zu pausieren.
Die Kuppe aber schließlich überwunden und den letzten Hügel hinauf, ist klarer die unter uns liegende Seenplatte zu sehen. Die tieferen Regionen sind vollkommen schneefrei und so sind wir auch bald aus dem Weiß hinausgetreten, nun zwischen Sträuchern und Bäumen, die bald dichter werden. Froh sind wir dann doch darüber, der weitere Weg aber ist nicht minder anstrengend. Der Schnee ist hier unten beständiger Nieselregen, die Schuhe schnell durchnässt. In meine Finger, die nur mit unzureichenden Handschuhen geschützt waren, kehrt erst ganz langsam wieder Gefühl. Unerklärlich start schmerzt auch mein Knie, das Laufen ist eher eine Überwindung. Trotzdem gehen wir noch ein Stück, der Tag ist noch nicht alt und nicht zu lang soll auch der morgige Weg werden. Über kleine Hügel, vorbei an einigen Seen führt der schmale Pfad, junge Bäume hängen hinein.
An geplanter Stelle, der Brücke über den Bärtek, finden wir einen Zeltplatz, der zwar nicht besonders günstig liegt, für heute aber genügen soll. Im Regen bauen wir auf und sind glücklich, bald im trockenen Schlafsack auszuruhen und auch ein wenig zu schlafen. Sehr spät erst gibt es Abendessen mit gesammelten Pilzen. Draußen regnet es unaufhörlich.


3.9. – 60.Tag
Ruhetag am Liiggá
Ein rechtes Elend

Ich wache auf und kann es kaum fassen. Wieder bin ich krank. Unerklärlicherweise habe ich erneut einen Magen-Darm-Virus; ist es von den Pilzen, dem Seewasser – ich weiß es nicht. Schnell fällt einmal mehr die Entscheidung, hier zu bleiben. Eine andere Möglichkeit ist nicht zu erkennen. Ich fluche mir selbst allerlei entgegen, verstehe meinen Körper nicht mehr. Ganz und gar zuwider ist es mir, heute nur im Bett zu liegen, zumal nur eine Tagesetappe weiter die nächste Ruhe geplant war und wir momentan einfach nicht vorankommen.
Wie es kommt müssen wir es aber nehmen und so schlafen wir aus. Schon am Morgen muss ich mich übergeben, häufiger mich in die Büsche hocken. Vollkommen matt dämmre ich vor mich hin, schlafe viel, wie auch Tim es hält, der zwar nicht meinen Zustand, natürlich aber leider die Situation teilt. Er unterstützt, wo er kann und bei einem der Gänge zum Wasser fällt dann auch auf, dass wir noch gar nicht so weit gekommen sind, wie wir zuvor vermutet hatten. Der Bärtek ist noch ein Stück entfernt, doch viel weiter werden wir es bei der nächsten Etappe trotzdem nicht haben.
Nur sehr langsam geht es mir besser, ich esse so gut wie nichts. Wir warten ab, lesen zwischen den Ruheperioden. Es zieht sich der Tag dahin, die Wetterlage hat sich stabilisiert und nur noch die dichte Wolkendecke ist vom anfänglichen Regen geblieben. Zu Abend isst Tim dieses Mal alleine, ich will kein Risiko eingehen und hoffe. Für morgen ist nur zu hoffen, dass wir bis zur geplanten Schutzhütte weiterlaufen können.

Issoleie
02.01.2008, 16:29
4.9. – 61.Tag
Liiggá – Rasthütte hinter Jäkkvik
17km; 620Hm hoch; 400Hm runter
…mit bestem Ausgang

Dreimal muss sich Tim in der Nacht übergeben, selbst seinen Pferdemagen hat es dieses Mal ausgeklinkt. Wir wollen bis zum Morgen abwarten und dann das Weitere beschließen. Zu gewohnter Zeit dann wieder wach, geht es mir gut und selbst Tim hat sich recht ordentlich erholt. Es soll also endlich bis zur nächsten Schutzhütte hinter Jäkkvik gewandert werden.

Bei Nieselregen bauen wir das Lager ab und gehen los. Unangenehm sind die steinigen Waldwege, häufig führen sie über kleine Hügel, Bäume hängen dicht darauf und streifen uns. Stabil und trocken ist aber schon nach kurzer Zeit das Wetter, gut auch kommen wir voran. Die Wanderung ist zwar eher Mittel, Strecke hinter uns zu lassen, aber doch nicht bloße Qual. Bald schon sind wir in Vuonatviken. Größer als erwartet ist die Siedlung. Die zwei folgenden Bootsüberfahrten bestellen wir und setzen uns an den Steg.

Wir müssen nicht lange warten und werden über den Riebnes gefahren. Windig und wellig ist es auf dem See, es hüpft das Boot auf und ab. Schon sind aber blaue Flecken im Westen zu erkennen, die langsam zu uns ziehen. Am anderen Ufer bezahlen wir und machen uns auf den Weg über die Bergkuppe, die die beiden Boote trennt. Reichlich Zeit haben wir und können gemächlich den Anstieg beginnen. Durch lichten Wald geht es gemäßigt nach oben, immer wieder drehen wir uns um und schauen auf die langen Seen und weiß beschneiten Berge. Nicht minder schön ist es aber, als wir das Fjell erreichen.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5150895850418003954"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R3uofD8y3_I/AAAAAAAABD8/-XQ8nkOOhbw/s400/100_8599.jpg" /></a>

In den buntesten Farben leuchtet der Boden, weit schweift der Blick. Nicht lange aber und wir müssen erneut hinab, schon liegen unter uns die Wälder. Stark schmerzt wieder beim Abstieg mein Knie und ich bin froh, als wir den See endlich erreichen.
Eine Stunde bleibt und noch, die aber nicht zu fade wird. Blau ist jetzt der Himmel über uns, wir genießen die Sonne, sitzen gemütlich am Steg. Mit hohem Tempo sehen wir schließlich das Boot für die letzte Überfahrt auf uns zusteuern, sind auch unerwartet schnell dann in Jäkkvik. Allein, die Technik lässt sich der Bootsmann etwas kosten. Weit über den Kalkulationen liegt der Preis und übersteigt auch unsere letzten Reserven. Wir bitten, schnell Geld abheben zu dürfen und zahlen dann anschließend, froh, keine weiteren Unwägbarkeiten mehr bis zum Ende der Tour zu haben. Das letzte Stück noch müssen wir durch Wald bergauf. Matschig zwar sind die Wege, wir kommen aber gut voran. Einzig Tim ist am Ende dann doch deutlich erschöpft und wir beide sind glücklich, die Schutzhütte durch die Bäume zu sehen.

Nicht viel habe ich erwartet. Was wir nun aber vorfinden, übersteigt selbst die vorigen Träumereien noch und steigert unsere Freude. Unglaublich groß ist das Haupthaus, das zur Überraschung sogar einen Herd besitzt. Idyllisch ist auch der Rastplatz davor mit Feuerstelle und Bänken zwischen wenigen Birken. Hier sitzen wir in der Sonne, genießen, sind mit allem zufrieden. Die Betten am Abend bereitet, schrecken und Geräusche noch einmal auf. Der im Unterholz vermutete Elch stellt sich dann als kleiner Vierbeiner im Haus heraus und so packen wir alle Gegenstände sowie uns selbst auf Bänke, schlafen schließlich nach Gesprächen selig ein.

5.9. – 62.Tag
Ruhetag in der Rasthütte hinter Jäkkvikk
Fünf-Sterne-Erholung

Früh wie schon seit längerer Zeit wachen wir auf. Nur Kleinigkeiten sind heute zu tun, vorwiegend wollen wir uns nach den letzten Tagen einmal richtig auskurieren. Die Hütte ist kalt und da reichlich Holz vorhanden ist, heizen wir den Raum, um ohne zu frieren, die Schlafsäcke verlassen zu können. So richtig warm will es in dem großen Raum aber nicht werden und es bleibt ein wenig ungemütlich.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5150896232670093330"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R3uo1T8y4BI/AAAAAAAABEM/6csH-2uagU8/s400/100_8602.jpg" /></a>

Zur zeitigen Mittagsstunde besucht uns ein Deutscher, mit dem wir einige Zeit über die Wege reden, das Wetter: die üblichen Gespräche zwischen Wanderern. Als er schließlich weiterzieht, bereiten wir unser Tourbrot zu, das zum größten Genuss heute frisch gegessen wird. Nicht lange danach und Tim beginnt sich schlechter zu fühlen. Den Magen-Darm-Virus hat er offensichtlich noch nicht auskuriert und so legt er sich ins Bett und ruht, immer wieder von Toilettengängen unterbrochen.

Kaum ändert sich daran etwas, ich vertreibe mir die Zeit mit Lektüre und ordne und erledige Dies und Das, unterhalte mich mit Tim. Erneut bekommen wir am Nachmittag dann Gesellschaft. Jäger betreten mir ihren Gewähren den Raum, bei denen einem doch für einen kurzen Moment anders wird. Die vier scheinen aber ganz nette Zeitgenossen zu sein und auch der Hund sitzt bald zutraulich neben mir. Wenige Worte werden aber nur gewechselt, da die Sprachbarriere doch zu hinderlich ist. Wir erfahren aber von einem heute erst Gesichteten Bären in der Nähe; Tim horcht auf, ich schmunzle.

Den Rest des Tages verbringen wir weiter ruhig, Tim wird nicht fitter und auch ich bleibe aufgrund des ungemütlichen Wetters im Haus. Gründlich kann ich mich am Nachmittag mit feuergewärmtem Wasser waschen, habe aber sonst auch nichts Rechtes zu tun und so vergeht mit ein wenig bedrückter, doch nicht schlechter Stimmung der Tag. Ich esse das Abendbrot allein.


6.9. – 63.Tag
Ruhetag in der Schutzhütte hinter Jäkkvik
Ein ganz normaler Ruhetag

Nachdem wir aufwachen, bleiben wir noch länger liegen, dösen, reden. Wir haben die Zeit, die Hütte ist luxuriös und Tim geht es noch nicht vollständig gut, sodass wir einen weiteren Tag hier bleiben werden. Wir sind noch in den Betten, als draußen ein Wanderer zu sehen ist. Offenbar will er uns aber nicht stören und so bleiben wir allein.

Auch heute genieße ich zum Frühstück das Müsli angebraten, allerdings wieder nicht gemeinsam mit Tim, dessen Magen noch immer grummelt. Kleinigkeiten sind zu tun – wenn überhaupt –, während es draußen kräftig windet, immer wieder auch finster die Wolken vorüberziehen. Aufregendes hat der Tag nicht zu bieten, erfüllt aber seinen Zweck, dass die Gesundheit wieder zu Tim findet und wir erholt die nächsten Etappen angehen können. Allerdings wird uns heute deutlicher als schon zuvor bewusst, dass sich in der letzten Zeit die Tour doch etwas dahinschleppte, immer wieder von Krankheiten und zu viel Ruhe durchzogen war. Auch der letzte Teil wird für unseren Geschmack wohl fast zu gemächlich werden, zu viele Tage bleiben uns noch bis zum Flug, zu wenig Strecke. Wir planen also soweit möglich, wollen aber größtenteils abwarten, wie sich das Weitere dann schließlich, wenn es soweit ist, darstellen wird.

Auch heute gibt es wieder reichlich Essen, viel Lektüre und einige Gespräche. Ruhig und leise vergeht ein weiterer Tag, ein typischer Ruhetag. Angenehm aber nicht erfüllend.


7.9. – 64.Tag
Schutzhütte bei Jäkkvik – Badasjokkoschutzhütte
26km; 300Hm hoch; 500Hm runter
Spätsommer

Schon gestern haben wir die Hütte gesäubert und so kommen wir zeitig los. Schön ist das Wetter, immer wieder scheint die Sonne zwischen den Wolken hindurch, angenehm sind die Temperaturen. Guten Mutes gehen wir voran, freuen uns, wieder zu wandern und genießen die herbstlich farbenreiche Landschaft, über die weit der Blick schweift.

Kurz die Fjellkuppe am Anfang passiert, betreten wir bald wieder ursprünglichen Wald im Pieljekaise Nationalpark. Schmal sind die Pfade, steinbesetzt und schon spüre ich bei nur leichten Abstiegen mein Knie, mit dem ich wohl bis zum Ende der Tour nicht mehr Freund werde, aber hoffe, doch recht anständig einen Bund zum beiderseitigen Wohlergehen abzuschließen und weitestgehend gut die letzten Wandertage zu überstehen. Nicht lange müssen wir laufen und erreichen die Hütte des Nationalparks, die wir zu einer angenehmen Pause länger nutzen und uns über zurückgelassenen Kakao recht großartig freuen.
Immer bunter werden die Wälder, je mehr wir absteigen. Idyllisch liegen ruhige Seen zwischen den Bäumen und Gräser, spiegeln den blauen Himmel. Golden schimmern die Hänge, beschienen von der Sonne ist die Landschaft ein unvergleichliches Gemälde. Viel genießen wir heute die Stille und Großartigkeit der nordischen Natur.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5150897057303814226"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R3uplT8y4FI/AAAAAAAABEw/I0JwKa-Je3M/s400/100_8614.jpg" /></a>

Über breite, ausgefahrene Wege, die an heimatliche Gefilde erinnern, führt der letzte Teil nach Adolfström, das eher verlassen und still daliegt, vereinzelt die Häuser stehen. Gemütlich geht danach es am Seeufer entlang, munter sind jetzt die Gespräche. Wir haben keine Eile, die längere Wanderzeit des heutigen Tages ist uns angenehm, die Distanz genau richtig. Einige Bäume passiert, die harmonisch platzierte Feriensiedlung Bäverholch hinter und gelassen und über seichte Wege und Wiesen am Fluss spaziert, die Sonnenwärme genossen und wir erreichen die Schutzhütte am Badasjokko gegen sechs Uhr.

Schön und ausreichend ist die kleine Raum. Wir erledigen das Nötigste, richten uns ein und widmen uns bis zu Abend der Lektüre. Bei Kerzenschein und kleinem Feuer lassen wir ruhig den Tag ausklingen.


8.9. – 65.Tag
Badasjokkoschutzhütte – Vuoruojuhka Brücke
18km; 400Hm hoch; 110Hm runter
Kurzweil

Zeitig kommen wir auch heute wieder los, beginnen den Aufstieg in das Fjell. Auf ausgefahrenen Wegen gehen wir noch durch den Wald, der schnell lichter und immer farbgewaltiger wird.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5150897817513025666"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R3uqRj8y4II/AAAAAAAABFM/LVRHj5JBjAs/s400/100_8623.jpg" /></a>

Recht angenehm geht es bergauf und als wir die baumlosen Flächen erreichen, ist das Terrain flach; nur noch über seichte Wellen geht es weiter. Wunderschön ist auch hier die Landschaft, voll zeigt sich der Herbst. Wolkenverhangen ist der Himmel, die Luft aber mild. Feurigrot das Fjell, die Bergkuppen vom Schnee weiß bestäubt. Wir gehen sehr gemütlich, haben viel Zeit und wenig Strecke zu laufen.

Spürbar rückt Berlin in den Gedanken näher, einige Gespräche sind von den kommenden Ungewissheiten und auch von dem Neuengeprägt, was uns dort wieder erwarten wird. Immer wieder genießen wir aber auch nur die hier erfahrbare Natur, tauchen ab, verfangen uns in Gedanken, die langsam durch den Kopf treiben und sich mit der Ruhe um uns verbinden. Zu wenige Tage scheinen nur noch übrig zu sein, um die Augenblicke hier nicht auszukosten, den Nordwind tief einzuatmen, den Blick schweifen zu lassen und die Seele schweben.

Der Tag ist noch jung, als wir die Sjnultjiehütte erreichen. Neben Schuppen und Toilette steht hell und frisch ein gerade erst erbauter Rastschutz, die Holzspäne sind noch zu sehen und Innen der letzte Schliff noch nicht beendet. Heute aber ist Samstag und die Bauarbeiter nicht anwesend, allein können wir den schönen Raum nutzen. Ein genauerer Blick auf die Karte, die nächsten zwei Tage überschlagen und wir entscheiden, hier zu bleiben. Schon ist das Feuerholz gehackt, liegt im Ofen, als dieser entsetzlich zu qualmen beginnt. Nachgeschaut, fällt auf, dass der Abzug zum Ofenrohr noch zugestanzt ist. Auch Wasser gibt es erst in einiger Entfernung, ein Eimer ist nicht vorhanden und die Gründe, noch hier zu bleiben, reduzieren sich gegen null.

Also schultern wir noch einmal die Rucksäcke, die letzten Kilometer gehen wir noch weiter. Der Weg bleibt breit und von Geländewagen zerfahren, recht eben geht es voran. Wir sind froh, weiterhin stabiles Wetter zu haben und gehen plaudernd über die Fjelllandschaft, vorbei an großen Seen und kleinen bunt gefärbten Sträuchern, die endlos den Boden bedecken. Die Brücke über den Vuoruojuhka erreichen wir schließlich nach nicht allzu langer Zeit, noch ist es früher Nachmittag. Die Umgebung erkundet, bauen wir das Lager am diesseitigen Ufer auf, haben direkt neben uns den breiten, ruhigen Fluss. Im Zelt ruhen wir, lesen, reden, während der Tag dahinplätschert. Eine spätere Ankunft am Tagesziel ist mir weitaus lieber, recht eingeschränkt fühle ich mich durch die feste Planung, die besonders der fixierten Abreise geschuldet ist. Die kommende Zeit aber lassen wir uns dadurch sicher trotzdem nicht drückend werden und genießen, was und wie wir es haben.

Issoleie
04.01.2008, 20:35
9.9. – 66.Tag
Vuoruojuhka Brücke – Stor-Bissitj
20km; 360Hm hoch; 430 Hm runter
Eintauchen im Kahlfjell

Nieselregen fällt leicht auf das Zelt und so bleiben wir noch eine Weile liegen, bis das Wetter stabiler wird. Aufgebrochen, ist das Wandern eine Freude. Weit und farbig sind die Flächen, Täler ziehen sich zwischen den Hängen, vereinzelt stehen Bäume. Recht mild sind die Temperaturen, oft scheint wärmend die Sonne und nur der Wind bläst kühl in die Gesichter. Über seichte Hügel geht es auf breiten Wegen der Geländewagenspur folgend sehr leicht voran.

Bald schon erreichen wir den größeren Anstieg der heutigen Etappe, die uns auf das Björkfjället führt. Die kahle Ebene liegt unglaublich ruhig vor uns. Zwischen Berlin und der nordischen Natur schweifen heute die Gedanken, doch zu ergreifend ist die Landschaft und Einsamkeit, um nicht bald tief und ganz einzutauchen.

Schon weit gekommen, treffen wir auf Tageswanderer und schon ist auch die größere Nähe zur Zivilisation zu spüren. Nicht weit von uns knattert ein Motorrad über die Hänge, im Hintergrund ist Hubschraubergeräusch zu hören. Abgestiegen und in den Wald hineingetreten, treffen wir bald schon auf einen kleinen Parkplatz, zahlreich sind nun auch die Wegweiser. Da wir aber hier nicht mehr dem Kungsleden folgen, sind wir darüber doch teilweise froh, zumal es hier weit verzweigte Pfade gibt. Noch ein Stück geht es durch die losen Bäume auf schmalen Wegen und wir erreichen schließlich unser Tagesziel am Stor-Bissitj.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5151705082386112658"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R36Iej8y4JI/AAAAAAAABFs/m_b6RfR6ULE/s400/100_8640.jpg" /></a>

Eine Weile sitzen wir noch am plätschernden Bach, lauschen der Stille, lassen die Seele baumeln. Letztlich aber bauen wir auf, um die Wärme der Schlafsäcke aufzusuchen, reden viel, lesen auch und lassen den Tag enden.


10.9. – 67.Tag
Stor-Bissitj – Ammarnäs – Näsbergstjärn
16km; 420Hm hoch; 310Hm runter
Besser geht´s nicht

Erstaunlich früh werden wir wach, liegen aber noch länger, um den Tagesrhythmus angenehmer zu gestalten. Der Morgen ist verhangen und noch kühl. Nicht weit ist der Weg nach Ammarnäs und ohne Eile gehen wir los. Durch Wald und Morast führen die teils heimlichen, dann wieder ausgetretenen Pfade. Einige Gedanken treiben sich schon im Kopfe umher, was der heutige Tag wohl für wegweisende Erkenntnisse für den letzten Teil der Tour birgt.

Schnell erreichen wir die Straße, der wir bis zum belebten Teil des Städtchens folgen. Vorbei am hier so berühmten Kartoffelberg, der tatsächlich ungemein interessant anmutet, und der Kirche gelangen wir zum STF-Haus. Freundlich wird uns das Paket hier übergeben und wir haben sogar die Möglichkeit, kurz das Internet zu nutzen. In aller Ruhe begutachten wir schließlich den Nachschub, der freudige Überraschungen bereithält. So erfahren wir auch beim Kartenstudium, dass der nördlich Bogen über dem Hauptweg nach Hemavan kostenlose Hütten bereithält. Froh über alles geht es weiter zur Kaufhalle, wo noch der Rest geholt wird, auch gönnen wir uns hier wieder Extraessen. Wohlige Laute entlockt uns der Schokokuchen, der kulinarische Höhepunkt der Tour, und wie wir so in höchster Bewegung auf den Stühlen vor dem Laden sitzen, werden wir schon etwas schief angeschaut. Keiner hier kann wohl nachvollziehen, was nach solch langer Zeit der gleichen sparsamen Kost dieser Kuchen in uns auslöst.

Vollkommen zufrieden und überglücklich, dass in Ammarnäs alles so gut geklappt und die Erwartungen noch übertroffen hat, die nächsten Tage bis zum Ende der Tour wohl auch sehr komfortable werden, brechen wir noch einmal auf, um einen Zeltplatz abseits der Häuser zu suchen und die morgige Etappe ein wenig zu verkürzen. Es ist noch früher Nachmittag, milder sind die Temperaturen und die Tropfen, die vom Himmel fallen, sind kaum einmal als Nieselregen zu bezeichnen. Die Rucksäcke sind schwer und der Aufstieg zum Näsberget recht anstrengend. Lang ist der Weg bis zum Windschutz aber nicht mehr und die Beine noch frisch.

Angekommen, präsentiert sich der Platz sehr idyllisch.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5151705318609313954"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R36IsT8y4KI/AAAAAAAABF0/UWLMP7MFLq0/s400/100_8645.jpg" /></a>

Am See gelegen und von gold-gelben Bäumen umschlossen, ist das Lager der passende Abschluss der heutigen schönen Etappe. Wir sitzen noch länger unter dem Holzdach, organisieren noch einmal genauer das erhaltene Essen. Erst später bauen wir das Zelt auf und ruhen schließlich noch eine Weile im Warmen, das Gemüt noch immer strahlend.


11.9. – 68.Tag
Näsbergstjärn – Räfallsstugan
17km; 390Hm hoch; 610Hm runter
Einfachheit und Luxus

Recht entspannt können wir die Rucksäcke im Windschutz packen, während draußen der Boden und auch das Zelt vom nächtlichen Regen nass sind. Das Wetter ist aber stabil freundlich, als wir die heutige Etappe beginnen und mit der Zuversicht loslaufen, am Abend in einer Hütte anzukommen. So beunruhigen uns auch der verhangene Himmel und die Schauer in der Ferne nicht. Guten Mutes können wir auch heute wandern, sind froh ob der kommenden letzten Tage, die sehr wahrscheinlich die Tour in schöner Weise abschließen werden.

So sind wir in Gedanken versunken, genießen die Stille der Landschaft. Durch lockeren Wald geht es bergauf, wobei das höhere Gewicht der Rucksäcke doch zu spüren ist. Bald schon erreichen wir das freie Fjell des Stuorajobba-Höhenzugs. Der Blick schweift weit über die farbenreichen Täler, imposant ragen die Gipfel der Ammarfjället im Westen empor. Wir haben Glück mit der Wetterlage, es scheint sogar ab und zu die Sonne angenehm auf uns. Zügig kommen wir voran und den höchsten Punkt des Tages erreicht, ist auch der weitere Weg eher leicht.

Die letzten flachen Fjellflächen überquert, geht es bergab in das Tal des Vindelälven. Wir haben wenig Freude am Abstieg, lieber sind uns die Wege, wenn sie in die Höhe führen. Zwar sind wir schon gewöhnt daran, doch die Schnallen der Rucksackhüftgurte springen nun aller paar Schritte auf und so ist das letzte Stück Wegs doch eher ein Ankommen-Wollen denn der Genuss der schönen Wälder, des langen Tals. Letztlich aber ist auch dies geschafft, als wir den breiten Fluss über seine Holzbrücke überqueren.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5151705589192253618"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R36I8D8y4LI/AAAAAAAABF8/CRd3_GtkCKA/s400/100_8649.jpg" /></a>

Gleich sind wir auch bei der Räfallsstugan, die anmutet wie ein Ferienhaus und innen fast gleichen Komfort bietet. An nichts mangelt es hier und bald sitzen wir in der Wärme gemütlich beim Pokerspiel, trinken Tee und lassen uns die Zeit ganz und gar gut sein. Dem häuslichen Luxus sind wir zwar auch abends bei Kerzenschein zugetan, haben aber schon das Zelt vor der Hütte aufgebaut und nächtigen dort.


12.9. – 69.Tag
Ruhetag in der Räfallsstugan
Ferienlager

Schon kurz nach sechs Uhr werde ich wach, Tim hat schon die ganze Nacht kaum geschlafen. Gestriger Kaffee und Schwarzer Tee haben ihre Wirkung wohl getan und führten bei ihm zu allerlei Gedanken in der Dunkelheit. Auch ich stehe schließlich bald auf, nachdem er schon in der Hütte ist. In aller Ruhe lassen wir den Morgen beginnen. Mit feuererwärmtem Wasser waschen wir uns, frühstücken erst später. Länger vertreiben wir uns die Zeit mit Karten- und Würfelspiel, sind dann aber recht fleißig. Wasser wird in Menge geholt, die Kleider noch das letzte Mal gewaschen und zu guter Letzt der Holzvorrat in dem Haus aufgestockt. Für das eigene Wohlbefinden wird einiges an Essen zubereitet, wir lassen es uns gut gehen.

Schon sind wir vollkommen zufrieden, haben einen angenehmen Tagesrhythmus, als wir am frühen Nachmittag Schritten gewahr werden. Aus dem Fenster geschaut, zählen wir einen Wanderer nach dem anderen und bald kommt auch der Führer der Gruppe zu uns hinein. Scheint ein ganz harter Kerl zu sein, der Gute, doch nachdem er gehört hat, dass wir schon über sechzig Tage unterwegs sind, ist er auf einmal gar nicht mehr so redefreudig. Wenigstens erfahren wir, dass er eine Ausbildungsklasse leitet, die die verschlossenen Kabinen des Hauses nutzen will, später auch noch der zweite Teil folgen soll. Wir machen Platz, ziehen uns in eine kleine Ecke zurück. Noch recht ruhig ist es, mit den zwei weiteren Zimmern genügend Platz vorhanden. Als aber schließlich die anderen das Haus erreichen, wird das Treiben hier bunt und bunter. Gelächter, Gesang, ein Hin und Her.

Das Wetter ist immer wieder von Schauern bestimmt und so bleiben wir, obwohl uns das alles ein wenig zu viel ist. Erneut spielen wir eine Zeit, reden. Mit den anderen kommen wir aber trotz Altersnähe kaum ins Gespräch und so wird die gesamte Situation eher ungemütlich, wenn auch nicht verklemmt. Auf unserem Trangia bereiten wir noch das Abendessen, gehen danach aber doch eher schnell in das Zelt, um ein wenig Ruhe zu haben und den Tag entspannt und allein ausklingen zu lassen, doch froh, den weiteren Ruhetag morgen wieder zu zweit sein zu werden.


13.9. – 70.Tag
Ruhetag in der Räfallsstugan
Völlerei

Zeitiger als wir es gedacht hatten, bricht die große Gruppe auf und so müssen wir nicht allzu lange im Zelt verweilen und ausschlafen, um in aller Ruhe den Tag in der Hütte zu beginnen. Freundlich scheint immer wieder die Sonne, wir genießen und sind bester Laune. Viel ist einmal mehr nicht zu tun.

Der noch vom kurzen Einheizen warme Ofen wird für käseüberbackene Brotscheiben zum Brunch genutzt, verfeinert mit gefundenem Tomatenmark. Es lässt sich der Tag recht gut an. Kurz gehen wir noch spazieren, spielen ein Weilchen und schon geht es weiter mit der ungezügelten Fresslust. Das Mittagsmahl ist reichlich, da wir in einem Schrank noch einmal etwas von der Gruppe Zurückgelassenes finden. Ja, wir sind uns schon sicher: Dieser Tag ist ganz dem Essen gewidmet. Frische Bannocks, die übliche Tagesportion. Unsere Bäuche sind gefüllt und rund. Der Höhepunkt dieser Triebverfallenheit aber kommt zum Schluss. Auch auf dieser Tour darf sie natürlich nicht fehlen, aufgespart haben wir sie uns mit Bedacht bis heute: die Essensliste. Alles, worauf wir Lust haben, daheim wieder zu essen, zu probieren und schlemmen, wird aufgeschrieben. Wild ist die Mischung, bunt, wie es kommt, wird ein Jedes festgehalten und in den kommenden Tagen ergänzt und sortiert.

Recht faul vergeht der letzte Teil des Tages. Holz haben wir gehackt, Wasser geholt. Vieles aber können wir ohne Eile noch morgen erledigen, da die nächste Etappe eine viel zu kurze sein wird. Bis in die Nacht sitzen wir sehr gemütlich bei Kerzenschein am Tische, lange Gespräche ergänzen die ruhige, tiefe Stimmung.

Issoleie
06.01.2008, 16:46
14.9. – 71.Tag
Räfallsstugan – Vitnjul
8km; 140Hm hoch; 60Hm runter
Mehr Lümmeln denn Laufen

Nachdem wir wach sind, liegen wir noch länger im Zelt, reden ein wenig, lassen die Träume langsam davongleiten. Die Hütte ist schnell gesäubert, die Rucksäcke gepackt und zu angenehmer Stunde beginnen wir die heutige kurze Wanderung. Dem Lauf des Vindelälven folgen wir durch schönen, lockeren Herbstwald. Die Bäume sind gelb, morastig und hügelig die Wege. Nass sind die Gräser und auf den feuchten Bolenstiegen müssen wir doch genauer auf die Schritte achten. Wie schon die letzten Tage sind die Temperaturen mit etwa acht Grad Celsius erstaunlich mild. Die Strecke bietet zwar wenig Höhepunkte, ist aber mit dem breiten Fluss bei der Seite, dem Tal und in dieser Jahreszeit eine schöne.

Wir reden viel, einmal mehr geistern allerlei Pläne durch unsere Köpfe, so manches spinnen wir aus. Die Zeit vergeht recht schnell und angenehm, schon haben wir den Großteil der Etappe hinter uns gelassen, erreichen bald auch am noch jungen Nachmittag die kleine Vitnjulhütte.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5152389549849239778"><img src="http://lh6.google.com/Marks.Florian/R4D2_z8y4OI/AAAAAAAABGw/SRF9FAznkYc/s400/100_8656.jpg" /></a>

Gemütlich sitzen wir im Innern, während draußen beständiger Nieselregen begonnen hat. Mit Tee und Essen lassen wir es uns aber trotzdem ganz und gar gut gehen, wärmen mit einem kleinen Feuer die Hütte einmal durch, spielen und reden. Allein das unaufhörlich schlechte Wetter betrübt ein wenig, da wir noch das Zelt aufbauen und dort schlafen wollen. Vor dem Haus finden wir einen guten Platz und gehen schließlich recht bald nach dem Abendessen schlafen und beschließen diesen unspektakulär netten Tag.


15.9. – 72.Tag
Vitnjul – Dalavardo
20km; 160Hm hoch; 90Hm runter
Ab ins Warme

Zwar war die Nacht sternenklar, der Himmel ist am Morgen aber wieder verhangen. Droh, dass es trocken ist, beginnen wir die Etappe. Recht viel reden wir einmal mehr miteinander, während wir gut vorankommen. Auch heute geht es wieder auf den breiten Geländewagenspuren entlang über nur kleine Erhebungen und dem Flusslauf folgend.

Einiges haben wir schon geschafft, als Nieselregen einsetzt. Nicht so stark, dass wir Regenbekleidung anziehen doch aber genug, um Gräser, Steine und Bolenstiege zu befeuchten. Die Tritte sind unsicher auf dem rutschigen Boden, bald schon falle ich in einen kleinen Flusslauf, durchnässt sind Hose und Pullover. Mit wenig Freude geht es nun weiter. Das Wetter trübt die Gemüter, die ewig gleiche Landschaft reizt nur wenig. Stumm gehen wir vor uns hin.
Mit Glück können wir eine zweite Pause ohne Regen einlegen, doch schon bald darauf beginnt es noch kräftiger als zuvor vom Himmel zu kommen. Ich bin ohnehin nass und Tim auch wenig motiviert und so geht es in normaler Kleidung weiter, die nun immer feuchter wird. Wir legen Schlecht-Wetter-Tempo ein und ziehen den Rest bis zur Dalavardohütte durch. Nur die gewisse Aussicht auf die Wärme und Trockenheit am Tagesende lässt uns den letzten Teil so unklug und auch unschön gestalten.

Als wir aber am Ziel ankommen, steht keine Hütte vor uns. Ein wahres Haus mit Nebenanlagen prangt auf dem großen Platz. Zweistöckig wirkt es doch recht kurios in dieser einsamen Natur, die noch teils ganz frischen Schuppen irritieren uns zusätzlich. Es ist aber keiner da und über reichlich zurückgelassenes Essen können wir uns ebenfalls freuen, denn sogar frisches Obst und recht anständiges Brot – beides noch vor dem Verfall – finden wir hier. Die nötigen und nützlichen Dinge tun wir gleich und sitzen bald bei warmem Tee und Feuer gemütlich am Tisch, spielen ein wenig und essen. Sehr angenehm vergeht der Tag hier, doch gegen den frühen Abend werden wir von Motorgeräuschen aufgeschreckt. Ein Bauarbeiter, dessen Werk wir schon während des Tages gesehen hatten, kommt angebraust. Widererwarten geht er aber sofort in den abgeschlossenen Raum, ohne auch nur zu grüßen, und lässt sich auch nicht mehr blicken. Da auch wir den offenbar zurückgezogenen Mann nicht stören wollen, bauen wir noch das Zelt auf, essen Abendbrot und gehen recht bald schlafen.


16.9. – 73.Tag
Ruhetag in der Dalavardo
Angenehm?

Wie schon gestern überlegt, bleiben wir den Tag über in der Hütte. Das Wetter sieht eher unfreundlich aus und lädt nicht wirklich zum Wandern. Trotzdem ist uns die viele Ruhe nicht wirklich recht, der Abklang der Tour zu träge. Das Haus ist zwar schön, wir sitzen auch gemütlich bei Essen, Spiel und Gespräch, doch lieber würden wir noch laufen. Fast zu komfortabel und luxuriös ist das Leben in den Hütten hier gerade, die Bäuche sogar schon dick.

Ala auch noch der Himmel aufklart, grämen wir uns noch mehr, vertreiben uns aber schließlich mit dem Liedprojekt du Diesem und Jenem ganz nett die Zeit. Der Arbeiter ist schon in der frühen Dämmerung abgefahren und so sind wir allein hier, erledigen ein wenig für das Hüttenleben. Nachdem wir zu Abend gegessen haben, sitzen wir noch lange in tiefe Gespräche versunken mit Kerzenschein am Tisch. Es geht uns noch recht gut damit uns so suchen wir erst spät das Zelt auf.


17.9. – 74.Tag
Ruhetag in der Dalavardo
Dann ist es halt so

Früh schon wach, liegen wir noch eine Weile im Zelt. Im Trockenen abgebaut und in der Hütte die Rucksäcke gepackt, warten wir noch ab, wie sich die undurchdringliche Wolkenwand im Süden verhält. Langsam zieht der Nieselregen zu uns, Schneeflocken mischen sich unter. Immer ungemütlicher wird das Wetter. Nicht gerade leicht fällt uns der erst spät gefasste Entschluss, auch heute noch hier zu bleiben. Wenigstens aber können wir uns damit versöhnen, da es zum Wandern ohnehin nicht schön ist und durch den weiteren Ruhetag die nächsten Etappen doch eher straffer angegangen werden können, ohne noch einmal zu pausieren.

Also sind wir mit der Entscheidung zufrieden und gestalten den Tag wie den vorigen. Essen, Spiel und Gespräch vertreiben die Zeit irgendwie.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5152389588503945458"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/R4D3CD8y4PI/AAAAAAAABG4/QGkoJANxbtE/s400/100_8658.jpg" /></a>

Der Tag verläuft ruhig. Nachdem wir uns noch mit einigen Plänen für zu Haus beschäftigt haben, gehen wir früh zu bett.


18.9. – 75.Tag
Dalavardo – Skidbäcksstugan
15km; 210Hm hoch; 180Hm runter
Weiter

Definitiv steht der Entschluss schon vor dem Aufstehen, heute die Wanderung fortzusetzen und wohl bis nach Hemavan ohne Pause zu laufen. Trotzdem ist die heutige Etappe kurz wie die folgenden und so können wir in aller Ruhe den Morgen beginnen. Das Lager wird abgebaut, die Rucksäcke bereitgestellt und noch einmal das Haus gereinigt. Froh, wieder zu wandern, geht es singend durch die Gebirgswälder. Der Himmel ist verhangen und vom nächtlichen Regen sind die Wege noch matschig. Es ist ein wahrer Herbsttag.

Schnell kommen wir auf der leichten Strecke voran, die nur sanft bergauf führt. Wir genießen die Einsamkeit und Ruhe zu dieser Jahreszeit und auch die Landschaft zeigt sich schön wie erhofft. Gelb ziehen sich weite Wälder an den Hängen entlang, die hohen Gipfel sind von einer leichten Schneedecke bedeckt. Zwar fühle ich mich nicht mehr so fit wie noch vor einiger Zeit, doch tut es ungemein gut, sich wieder zu bewegen, die Füße auszuschütteln, den Blick und die Seele frei schweifen zu lassen.

Wie erwartet kommen wir schon am frühen Nachmittag an der Skidbäcksstugan an. Die frisch erbaute Brücke überquert, betreten wir die kleine Hütte mit den zwei schmalen Schlafräumen. Den einen gewählt, packen wir aus und stellen das Zelt in der Nähe auf, bevor der in den Bergen hängende Regen zu uns zieht. Die ersten Dinge sind schnell erledigt und schon bald sitzen wir bei Tee und frischen Bannocks gemütlich plaudernd da. Ab und zu müssen wir hinaus, um den wundervollen Blick con der Veranda zu genießen, wenn kurz die Sonne die Landschaft in warmes, weiches Licht taucht. Schnell und angenehm vergeht die Zeit. Noch eine Weile lümmeln wir gemütlich in dem kleinen Raum, bevor wir schließlich das Zelt aufsuchen.


Heute Abend gibt es den Rest, war ja nicht so fülle.

Rainer Duesmann
06.01.2008, 18:19
Vielen Dank für diesen wahrlich ausführlichen Bericht! :D
Ich denke ich spreche im Namen vieler hier wenn ich Euch meinen Neid versichere. ;-)

Beste Grüße,
Rainer

Issoleie
06.01.2008, 20:17
So, hier ist der Rest.
Ich hoffe, ihr hattet genug Geduld und es hat ein wenig Spaß gemacht.


19.9. – 76.Tag
Skidbäcksstugan – Tärnasjön / 4km hinter Stugan
16km; 200Hm hoch; 230Hm runter
Das Letzte auskosten

Strahlend blau zieht sich der Himmel über die Landschaft. Die Berge sind großzügig in weiß getaucht. Vorwinterlich kalt ist die Luft, klar ist alles noch in der Ferne zu sehen, wo sich die Gipfel des Norra Storfjället im Westen und Süden aneinanderreihen. Ruhig und eher schweigsam gehen wir durch die lichten Wälder und genießen in tiefen Zügen die Landschaft, die Einsamkeit und die Zeit, die wir hier noch haben.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5152441609147834674"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R4EmWD8y4TI/AAAAAAAABH8/r0npawajWCo/s400/100_8667.jpg" /></a>

Bald erreichen wir die kleine Samihütte und Wegkehre Ojklje, sitzen, noch ein wenig weiter gegangen, auf der dahinter liegenden Brücke und lassen uns die Sonne recht anständig in die Gesichter scheinen. Leicht ist der weitere Weg, nachdem man die ersten Steigungen überwunden hat. Lang zieht sich dann der Tärnesjön durch das Tal, zu dem wir auf schmalen morastigen, häufig auch mit Bolenstiegen ausgelegten Wegen hinabsteigen. An der STF-Hütte ist die Verantwortliche gerade auf Wanderschaft und so sitzen wir allein und lassen es uns gut gehen. Unsere Pfade treffen hier wieder mit dem Kungsleden zusammen und so wird es jetzt keine freien Hütten mehr geben.

Dem Seeufer etwas oberhalb des Wassers folgend geht es nun also wieder auf der Hauptroute weiter. Eigentlich hatten wir es nicht erwartet, sind dann aber doch nicht allzu überrascht, als wir auch schon nach kurzer Zeit wieder den ersten Wanderer seit ein paar Tagen treffen. An gewünschter und vermuteter Stelle legen wir schließlich die Rucksäcke ab und nachdem wir uns in der Umgebung umgeschaut haben, finden wir, nicht weit vom steinigen Strand entfernt, einen idealen Lagerplatz. Idyllisch ist dieses Fleckchen, einige Feuerstellen zeugen von schön verbrachten Abenden. Auch wir sitzen noch eine Zeit in der Sonne und blicken über den See und die Berge, können die malerische Szene nur immer mehr in uns aufsaugen und voll auskosten.

Am späten Nachmittag bauen wir das Zelt auf und legen uns in die warmen Schlafsäcke. Schnell ist die Sonne hinter den Bergrücken verschwunden und kalt die Luft. Recht müde sind wir und schon bald sind unsere Augen zugefallen und wir schlafen bis in den Abend. Nur kurz essen wir noch, liegen eine Weile und beenden den schließlich den Tag.


20.9. – 77.Tag
Tärnesjön – Syterskalet
16km; 460Hm hoch; 200Hm runter
Genuss pur

Klar und kalt war die Nacht. Die Sterne funkelten wahrlich schön und lange werde ich das Bild nicht vergessen. Am Morgen stehen wir etwas später auf und brauchen erst eine Weile, um ein wenig Wärme in die Glieder zu bekommen. Als wir aber losgehen, geht es uns schnell ganz und gar gut. Der Himmel ist zwar bedeckt, doch auch die Sonne scheint das ein oder andere Mal auf uns. Schnell und leicht kommen wir voran. Lange Bolenstiege führen uns durch die morastigen Flächen östlich des Tärnesjön. Es ist eine Freude, durch die bunten und lockeren Wälder zu gehen und wir genießen den vorletzten Wandertag in vollen Zügen.

Am südlichen Ende des Sees führen sieben Brücken von Insel zu Insel und so gelangen wir auf die andere Seite. Schnell steigen wir in die Höhe und überschreiten die Baumgrenze. Der Himmel ist nun auch hier in den Bergen des Norra Storfjället aufgeklart und der Blick geht weit über die Landschaft unter uns.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5152442639939985890"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R4EnSD8y4eI/AAAAAAAABJY/zpvo5MqOvYM/s400/100_8690.jpg" /></a>

Nicht lange – das letzte Stück über den Hang ist schnell geschafft – und vor uns liegen die mächtigen schneebedeckten Zähne im Westen, die höchsten Berge der Region, von denen wir kaum den Blick lassen können.

Die Syterstugan erreichen wir am frühen Nachmittag, pausieren für eine Weile, während der Wind hart bläst. Von der Hüttenverantwortlichen werden wir mit einer selbstgebackenen Scheite Brot mit Butter verwöhnt, die wir uns recht ordentlich schmecken lassen. Über den letzten Hang geht es noch einmal und schon liegt der Eingang des Syterskalet imposant unter uns, bewacht von den zwei mächtigen Bergen zu beiden Seiten.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5152442781673906706"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R4EnaT8y4hI/AAAAAAAABJw/LD4dSAVh3Us/s400/100_8702.jpg" /></a>

Ein paar wenige Kilometer sind es noch bis zur Schutzhütte zu gehen, die wir am Ende der wunderschönen heutigen Etappe zufrieden erreichen.
Der warme Tee tut in der Kälte gut, bei Spiel und Ruhe vergeht die Zeit auf angenehme Weise.


21.9. – 78.Tag
Syterskalet – Kobosbäcken
16km; 140Hm hoch; 340Hm runter
Zum letzten Mal

Früh werden wir wach, lassen aber den Morgen noch dahinziehen, liegen lange in den Betten. Zum letzten Mal packen wir die Rucksäcke, zum letzten Mal beginnen wir eine Wanderetappe. War eben der Himmel noch blau, befinden wir uns jetzt inmitten von Wolken. Schnee fällt sanft herab und bedeckt weiß die Hänge.

Wir folgen dem Syterskalet. Die Schritte sind vorsichtig, denn rutschig sind die steinbesetzten Pfade nun. Nur langsam werden wir warm, doch die Szenerie erfreut uns. Deutlich ist uns heute bewusst, dass das der letzte Tag der Tour sein wird, an dem wir unsere Route verfolgen, mit geschulterten Rucksäcken durch die schöne nordische Natur wandern. Ungemütlicher wird es bald. Der Schnee mischt sich mit Regen und der Wind frischt auf. Wir sind schließlich froh, die Viterskalsstugan gegen Mittag zu erreichen und im Schutze der Veranda pausieren zu können. Ein Weilchen schwatzen wir noch mit der Frau der Hütte und gehen schließlich in Richtung Hemavan weiter.

Die Wetterlage hat sich weiter verschlechtert, Nässe und Kälte werden vom harten Wind unterstützt. Die Finger sind taub und steif, der Rest des Körpers aber durch den strammen Schritt, den wir nun einlegen, recht warm. Anstrengender als erwartet ist auch die Wegführung. Nach kurzer Zeit schon geht es bergauf, immer wieder müssen wir über Hügelkuppen. Auch die doch zahlreichen Wanderer, die uns entgegenkommen, verwundern uns, doch da wir in den nächsten Tagen ohnehin mehr Menschen begegnen werden, stören wir uns daran nicht zu sehr. Auch der Himmel ist bald wieder freundlicher anzuschauen, der Wind hat nachgelassen. So können wir noch eine kurze Pause machen und gehen schließlich zum Etappenziel weiter. Der erste Rastschutz nahe des Kungsleden bietet leider keine Wasserquelle und so versuchen wir unser Glück bei dem etwas weiter höher gelegenen Schutzdach. Dieses zeigt sich aber schon dem Verfall nahe und etwas enttäuscht geht es wieder zurück.

Am Kobosbäcken finden wir dann aber schließlich den erhofften schönen Lagerplatz für die nächsten zwei Tage. Direkt am Fluss bauen wir das Zelt auf – zum letzten Mal. Etwas melancholischer Stimmung liegen wir bald in den Schlafsäcken und essen, sind glücklich über die Trockenheit und Wärme und vor allem die hinter uns liegenden Tage. Allerlei Gedanken gehen uns durch den Kopf, doch nicht lange und wir schlummern noch am Nachmittag ein.


22.9. – 79.Tag
Basislager am Kobosbäcken
Hemavan

Früh sind wir wach, obwohl der nächtliche Schlaf eher unruhig war und zudem erst spät einsetzte. Wie schon in der letzten Zeit schlafen wir noch in aller Ruhe aus, da wir heute nur nach Hemavan wollen, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen.

Der Himmel ist von dicken Wolken verhangen, als wir auf den breiten Wegen den Häusern entgegengehen. Schon jetzt begegnen uns in kurzen Abständen allerlei Tagesausflügler und mit den Abfalltüten in den Händen, den verdreckten Hosen dazu, kommen wir uns doch recht seltsam vor. Guten Mutes aber gehen wir voran und sind schnell am Ziel. Nicht nur für den heutigen Tag sind wir angekommen, der letzte Ort der Tour ist erreicht. Von Kautokeino losgelaufen sind wir heute in Hemavan. Von den wenigen Menschen lassen wir uns nicht stören, sondern schreien voll die Freude heraus, nehmen in den Ausbruch die geballten Erfahrungen der letzten Zeit mit hinein. Wir fallen uns in die Arme und sind glücklich.

Noch eine Weile müssen wir die Schotterstraße entlang, zwischen vielen Baustellen und lieblosen Feriensiedlungen hindurch nach unten. Wir müssen breit grinsen. Wie lange wir unterwegs seien? Achtzig Tage. Achtzehn? Nein, Achtzig! Zurückweichend und mit einem „shit“ auf den Lippen lässt uns der Mann stehen. Naja, so schlimm fanden wir die vergangenen Tage nun auch nicht. Hier aber ist es jetzt nicht so wunderbar. Etwas länger als die Wege in den bisherigen Orten sind die Distanzen zwischen den einzelnen Orten für die Erledigungen hier, doch einen nach dem andern gehen wir ab. Der Naturraum ist am Samstag geschlossen und so können wir leider nicht mehr über die schöne hiesige Gegend erfahren. Erfolglos schauen wir auch bei der STF-Station vorbei, die kaum zum Verweilen einlädt. Am Flughafen angelangt, um sich des Fluges in zwei Tagen zu versichern, stehen wir auch hier, nun vollkommen erstaunt, vor verschlossenen Türen. Der letzte Gang bleibt und nachdem wir bei der Tankstelle vorbeigeschaut, gehen wir in die Kaufhalle: der erste Erfolg des Tages. Alles zum Essen finden wir hier und auch die erhofften Geschenke für daheim gibt es allesamt. Mit vollen Tüten machen wir uns schließlich doch froh über den guten Ausgang wieder auf den Weg zum Zelt.
Das Wetter wechselt von Sonnenschein zu Regen und da wir noch eine Zeit an der frischen Luft verbringen wollen, machen wir es uns nach kurzer Organisation im nahe gelegenen Windschutz gemütlich.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5152442901932991026"><img src="http://lh5.google.com/Marks.Florian/R4EnhT8y4jI/AAAAAAAABKA/zGEqcUYTJQ4/s400/100_8708.jpg" /></a>

Viel wird gegessen und gespielt, die Zeit bis in den vorangeschrittenen Nachmittag hier angenehm verbracht. Ohne Bewegung wird es jedoch mit der Zeit recht kühl und so gehen wir zum Zelt und suchen die warmen Schlafsäcke auf, um noch länger den Tag hier zu verbringen. Fast ist mir das Essen mit dem zusätzlich Eingekauften zu viel und voll liegen wir bei ruhigen Tätigkeiten da. Nach dem Abendessen unterhalten wir uns noch lange und finden erst spät Schlaf.


23.9. – 80.Tag
Basislager am Kobosbäcken
Warten

Der Morgen zeigt sich widererwarten ungemütlich. Die Wolken hängen tief auf den Bergen, schicken häufig kleine Schauer hinab. Also bleiben wir noch im Zelt und warten ab, wie sich die Wetterlage entwickelt. Zwar wird es trockener und kleine blaue Flecken sind zu sehen, für die geplante Bergbesteigung aber ist der Himmel noch immer zu bewölkt.

Etwas verstimmt liegen wir also in den Betten. Es bleibt nichts zu tun und so lassen wir eher die Zeit verstreichen, als sie nutzen zu können. Gegen Mittag brechen wir noch einmal in Richtung Hemavan auf, um den Naturraum am Rande der Siedlung anzuschauen. Allein, gründlich gelesen haben wir gestern nicht und so stehen wir erneut vor verschlossenen Türen. Die Stimmung ist dadurch nicht gerade gehoben, doch die bloße Bewegung tut gut uns schüttelt den Kopf ein wenig frei. Wieder zurück, gehen wir in den Windschutz, um noch ein wenig Zeit and er frischen Luft zu verbringen. Auf Video halten wir unser Liedprojekt fest, haben rechte Freude an diesem Spaß. Es werden noch Bannocks zubereitet und zufrieden suchen wir am vorangeschrittenen Nachmittag das Zelt wieder auf, glücklich, den Tag doch noch recht nett verbracht zu haben, doch gewiss, weiter nur auf die morgige Abreise zu warten.

Also liegen wir erneut, essen, schwatzen. Es vergeht der Tag, wie es viele auf der Tour schon taten: ruhig und angenehm. Wir schlafen zufrieden ein, während die letzte Zeit in den Gedanken vorbeizieht.


24.9.
Hemavan – Stockholm
Flughafenleben

Lange liegen wir wach im Zelt, lassen den Morgen noch eine Weile verstreichen. Gegen neun Uhr geht es los. Noch einmal packen wir alles zusammen, während es ohne Pause fein regnet, wir manches Mal mitten in den Wolken sind. Der Weg nach Hemavan ist schnell gegangen und wir schauen – dieses Mal erfolgreich – beim Naturraum vorbei. Viele Prospekte werden eingesteckt, um ein wenig Flughafenlektüre zu haben, noch kurz schauen wir den nett gestalteten Informationsraum an. Dann geht es aber weiter nach unten zur Hauptstraße. Wir müssen breit grinsen. Wie lange wir unterwegs seien? Achtzig Tage. Achtzehn? Nein, achtzig! Zurückweichend und mit einem „shit“ auf den Lippen lässt uns der Mann stehen. Naja, so schlimm fanden wir die vergangenen Tage nun auch nicht. In der Kaufhalle wird alles für Berlin und den nächsten Tag besorgt und erwartungsgemäß früh sind wir schließlich schon am Flughafen.

Zur Freude hat der heute aber geöffnet und wir betreten den kleinen Vorraum. Zwei Richtungen sind nur zu wählen und gleich stehen wir beim heimisch anmutenden Check-In-Schalter.

<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia/photo#5152442949177631298"><img src="http://lh4.google.com/Marks.Florian/R4EnkD8y4kI/AAAAAAAABKI/jqdYBMnerZ4/s400/100_8716.jpg" /></a>

Auch wenn die Gepäckannahme noch nicht begonnen hat, werden wir freundlich begrüßt und dürfen schon in den Warteraum. Der Zweck des kleinen Saales ist natürlich auch für uns Programm – nichts tuend vertreiben wir uns die Zeit. Als wir nach längerem Warten schließlich das Gepäck aufgeben können, sind wir nicht mehr alleine. Jetzt wartet man also gemeinsam. Bald aber gehen wir zum Flieger – auch er ist klein – und ruckeln mit zwei Zwischenlandungen und etwas Kopfschmerzen nach Stockholm Arlanda.

Schnell ist dort ein im Flughafentrubel doch recht ruhiger Platz gefunden und wir sitzen einmal mehr. Kurz und mehr desinteressiert denn kauflustig schauen wir die wenigen Läden an und sitzen letztlich wieder, warten an einem andern Ort. Zum Abend koche ich uns draußen ein Gericht und nachdem wir uns noch gründlich für die Heimkehr frisch gemacht haben, legen wir uns auf einer Bank nieder, vom Nichtstun erschöpft, versuchen, etwas Schlaf zu finden. Nut das Plätschern des Wassers, das leise neben uns von Säulen herunterläuft, erinnert jetzt noch entfernt an das zurückliegende Leben in der Natur.



25.9.
Berlin
Wieder daheim?

Nach erneutem Warten, erneutem Flug und immer stärker wachsender Wehmut sind wir schließlich doch da. Nach mehr al achtzig Tagen zurück in Berlin. Da, wo wir gerade gar nicht so richtig sein wollen. Von der wundervollen zurückliegenden Zeit können wir noch nicht wirklich erzählen. Alles hier ist zu viel. Natürlich ist es das nach Tagen in der Einsamkeit und der freien, ruhigen Natur. Ich bin mir nicht sicher, wann ich hier jemals ankommen werde.


So, hier gibt es also noch ein paar Bilder mehr, gerade von den letzten Herbstagen.

<table style="width:194px;"><tr><td align="center" style="height:194px;background:url<a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia"><img src="http://lh3.google.com/Marks.Florian/RznsbMI22RE/AAAAAAAABKQ/1MYy5g0T-TA/s160-c/80DaysScandinavia.jpg" width="160" height="160" style="margin:1px 0 0 4px;"></a></td></tr><tr><td style="text-align:center;font-family:arial,sans-serif;font-size:11px"><a href="http://picasaweb.google.com/Marks.Florian/80DaysScandinavia" style="color:#4D4D4D;font-weight:bold;text-decoration:none;">80 Days Scandinavi<wbr></wbr>a</a></td></tr></table>

Bis zum nächsten Bericht;-)

Fjaellraev
06.01.2008, 20:28
Danke für den schönen Bericht, viel mehr bleibt einem da kaum zu sagen.

Gruss
Henning
Der am liebsten gleich los möchte :p

hikingharry
06.01.2008, 22:39
Auch von mir ein herzliches Dankeschön!

Die Geduld hat sich voll ausgezahlt, ist ein total schöner Bericht geworden.
Wunderschöne Beschreibungen; die Ruhe und Gelassenheit, die bei einer solch langen Tour in einem entsteht kommt sehr schön rüber.

Gruß hikingharry

Rainer Duesmann
07.01.2008, 01:06
Einziger Wunsch wäre noch eine Beschreibung der Ausrüstung, bzw. ein Fazit. Was taugte, was fehlte, was wurde vermißt usw. Einem Bild und der Beschreibung der aufspringenden Rucksackschnallen entnehme ich das ihr auch mit Bach Rucksäcken unterwegs wart. Das leidige Thema "SelbstöffnendeSchnalle" hatten wir ja schon in einem extra Thema hier im Forum. Wie ist da Eure genaue Erfahrung im Nachhinein?

Besten Dank,
Rainer

Susanne
07.01.2008, 08:19
Einfach großartig!

eumel66
07.01.2008, 18:26
Ahoi,

besten Dank für den großartigen Bericht und Glückwunsch zu dieser Tour!

Dirk

pepe-hh
07.01.2008, 23:33
Einziger Wunsch wäre noch eine Beschreibung der Ausrüstung, bzw. ein Fazit. Was taugte, was fehlte, was wurde vermißt usw. Einem Bild und der Beschreibung der aufspringenden Rucksackschnallen entnehme ich das ihr auch mit Bach Rucksäcken unterwegs wart. Das leidige Thema "SelbstöffnendeSchnalle" hatten wir ja schon in einem extra Thema hier im Forum. Wie ist da Eure genaue Erfahrung im Nachhinein?

Besten Dank,
Rainer

Klasse Bericht und tolle Bilder !

Eure beiden Jacken interessieren mich, welche sind das ? Wart ihr zufrieden ?
Und die Packlisten würde ich auch gern sehen :-)

Issoleie
08.01.2008, 20:38
Hier erstmal noch die Tour in Zahlen:



Tageseinteilung 80 Tage auf Tour
Lauftage 56 Tage
Ruhetage 25 Tage
davon aktiv 2 Tage
davon durch Krankheit 6 Tage

gelaufene Etappenkilometer 1047km
Durchschnitt (Lauftage) 18,7km
Durchschnitt (gesamt) 13,1km

Höhenmeter 43.611Hm
hinauf 22.137Hm
Durchschnitt (Lauftage) 395Hm
Durchschnitt (Ruhetage) 277Hm
hinab 21.474Hm
Durchschnitt (Lauftage) 384Hm
Durchschnitt (Ruhetage) 268Hm


Essensliste (ohne Abendessen)

Müsli: 11.525g
Riegel: 320 Stk./8.640g
Kekse: 8.900g
Schokolade: 5.750g
Trockenfrüchte: 5.300g
Nüsse: 3200g

Issoleie
08.01.2008, 22:13
Und nun noch ein wenig zur Ausrüstung, da es ja gewünscht war.

Rucksack:
Wie schon richtig vermutet waren zwei Bach Rucksäcke im Einsatz. Tim hatte den Specialist 2, ich den FatMaxx. Die Vorgeschichte dazu muss bei mir aber auch gesagt sein: Da ich nicht zu lange vor der Tour mich dann doch gegen meinen alten Rucksack entschieden habe, der bei hohem Gewicht einfach nicht mehr bequem ist. Das ist ein Tatonka Katanga; eigentlich super, nur nicht mehr für mich, da er nicht mehr wirklich passt. Jedenfalls musste ich dann recht schnell einen andern besorgen, hatte aber kein Geld. Also gebracuht den besagten Bach geholt. Der hatte da vier Jahre (?) auf dem Buckel, eigentlich nicht viel. Allerdings sah der echt nicht mehr so fein aus. Ich hatte ja schon was in den Bach-Threats geschrieben. Diverse Nähte lösten sich immer mehr auf. Hinten ist der Schaum schon durchgedrückt und polstert kein bissel mehr, sodass ab und an die Plastikplatte doch stark gedrück hat. Schlimmstes Übel war aber der Hüftgurt. Der war mir blöderweise ein Stück zu groß, sodass das ganze Gewicht nicht voll auf die Hüften kam. Das war aber sowieso oft nicht möglich, da die Schnalle manchmal jede Minute aufgesprungen ist. Auch die, die ich dann neu drin hatte. Bei Tim auch, allerdings nicht soo schlimm. Bei mehr GEwicht gabs auch schon mehr Probleme. Bei Tim sind außerdem die ganzen Bänder immer doch gut gerutscht und mussten nach einer Weile neu eingestellt werden. Dennoch finde ich den Rucksack gut. Die Gewichtübertragung ist trotz eines ziehmlich weichen Hüftgurts auch bei 30Kg noch gut. Und ganz gepasst hat er mir ja wie gesagt nicht. Auch die Bach-Lösung für das Deckelfach mag ich ziehmlich.
Allerdings würde ich mir den Rucksack nicht kaufen. Auch wenn ich da von vielen wohl nicht gemocht werde, halte ich den Bach nicht für einen sehr lange haltenden Rucksack. Vielleicht sind die Nähte bei anderen besser. Der Schaum am Rücken wird aber recht schnell trotzdem durchgedrückt. Der Hüftgurt muss auhc nach etwa drei Jahren ausgewechselt werden. (Ich hatte mir schon einen neuen geholt. Die könnten sogar maßgeschneidert werden" War aber bei mir keine Zeit) Der an den Seiten verlaufende Bogen aus Plastik drückt unten recht schnell durch, wo er ausläuft und aufliegt. Die Kanten des oberen queren Aluminiumstegs scheuern auch ziehmlich schnell durch. Die Säcke quietschen unheimlich:p
Jetzt wird es bis nächsten Sommer aber der Viking (kl. Bruder vom Alpinist) von Bergans, der mich bisher sehr überzeugt hat und ja auch in den Berichte gut wegkommt. Schade bei Bach - hatte ich aber vorher auch nicht -, dass es keinen kleinen Tagesrucksack integriert gibt. Solche Läsungen hat der Bergans gleich zwei dran. Toll, um mal nen Berg vorm Zelt zu besteigen oder ähnlich einen aktiven Tag zu gestalten.
So, genug.
Achso, als Tipp noch für diejenigen, die die Bachschnallen auch nicht so knackig finden und da ja wohl auch keine anderen funktionieren, was wohl an der Hüftgurtkonstruktion liegt: Ich würde mir von Klättermusen so eine Sicherheitsschnalle holen. Sieht sehr interessant aus.

Zelt:
Hilleberg Kaitum war dabei. Natürlich noch das 2er-Modell. Für mich geht es nicht besser. Es ist einfach wunderbar viel Platz da drin. Zwei Eingänge sind total bequem. Wir haben ja auch sehr oft drin gekocht. Kerlon 1200 reicht, obwohl ich vorher ein paar Bedenken hatte, weil ich da ein Sicherheitsfetischist bin... Natürlich hats noch nicht das härteste überstehen müssen. Die stürmischen Böen am Saana und später auch hat es aber super überstanden, man hat sich einfach sicher gefühlt. Ich werde es auch auf Solotour mitnehmen. Dazu wohl auch Decke und Kopfkissen, so gut kann man es sich da drin gehen lassen. Das der Eingang nicht hoch ist, ist vielen ja bekannt. Mich stört es nicht. Noch bin ich jung und dynamisch. Und größer werde ich auch nicht. Deswegen recht auch locker die IZ-Höhe. Schade ist, das die Gewichtsoptimierung bei der UL-Serie keine Mückennetze zulässt. Aber man ist ja eh eher im IZ. Das ist allerdings ein wenig zuu empfindlich für meinen Geschmack. Das viele Ein- und Auspacken haben doch ein paat Spuren hinterlassen. Der Stoff ist also manchmal ein wenig zu sehr gedehnt. Naja, ich geh jedenfalls trotzdem nicht zimperlich mit um und es hält ja trotzdem, sieht nur nicht mehr jungfräulich aus. Aber wer will das shcon von seinem Bett sagen können. Jedenfalls ist das Zelt insgesamt einfach genau das richtige für eine solche Tour und auch für ähnliche. Fjell, längerer Zeitraum, Wandern, zwei Personen, Skandinavien. Wer solche Eckdaten hat (und auch ein wenig Geld dafür ausgeben will) ist damit gut beraten, meine ich.
Als Unterlage haben wir diese schöne Aluplane genommen, die ihr am Anfang auf dem einen Bild seht... Besser ist da shcon, was zu haben, was direkt mit dem Zelt verbunden ist. Nachdem wir dann auch verstanden haben, dass man die eher rollen als einfach in den Rucksack quetschen sollte, hat sie auch wunderbar gehalten. Zur Halbzeit gabs trotzdem ne neue. War aber sonst insgesamt eine doch gute und preiswerte Lösung, die genug Schutz bietet und trotzdem leicht genug ist. Ansonsten würde ich aber dem Boden trotzdem fast immer zutrauen, dass er auch ohne was drunter hält. Aber in dem Zelt sollen ja auch noch meine Kinder schlafen...

Schuhe:
Meindl Burma Pro MFS (mit Gore). Ein toller Schuh. Und shcon der zweite innerhalb von knapp drei Jahren... Zwei mal war jetzt schon die Memran durch. Alles noch mit Reklamation. Den dritten wollte ich aber dann doch nicht mehr. Meine Füße waren aber trotzdem überwiegend trocken. Skandinavien sieht mich trotzdem nicht mehr ohne Lundhags. Die Synchro kommen dann demnächst rein. Eigentlich bin ich auch ganz glücklich, dass die Schuhe wieder kaputt sind. Ich habe mein Geld wieder und kann mir den perfekten Schuh für die Gebiete kaufen. Es gab nicht viele Tage, an denen ich sie mir nicht gewünscht habe. Zu den Synchro kann ich ja später noch mal was schreiben, aber dass man in Lundhags nicht so viel Seitenstabilität hat, gehört der Vergangenheit an. Die werden mich dann auf jeder Tour begleiten, jedenfalls so lange es nicht in die Wüste geht... Die billigsten Lundhags sind eh kaum teurer als gute Gore oder Vollleder. Halten aber viel länger und sind noch dazu sehr viel optimierter für diese Gegenden.
Tim hatte übrigens Meindl Colorado. Eher für den Schwarzwald. Dünnes Leder und innen auch Lederfutter macht in Skandinavien nach kurzer Zeit keinen Spaß mehr. War sofort durchgescheuert. Die Plasitkkappe in der Ferse hat dann auch deutliche rote Spuren auf seinen Socken hinterlassen. Für mich gegenüber Gore die noch schlechtere Alternative. Ich persönlich würde auch kein Lederfutter bei stabileren Schuhen wollen. Achso, Tim hatte gute Gamaschen mit, die auch wirklich überzeugt haben. Meine bewusst ganz billigen Tatonka Plastefetzen waren gute Sitzgelegenheiten, wenns mal feucht war und haben nichts gewogen. Haben auch eigentlihc ausreichend die Nässe abgehalten, nur halt von innen nicht. Deshalb hatte ich die nicth oft an und daher ab und an dann mal von Sträuchern nasse Hosen. Aber das habe ich so gewählt, weil ich eh Lundhags kaufen wollte und dann keine mehr brauche. Wenn also Gamaschen, würde ich Gore nehmen. Auch in Skandinavien. Keine Baumwolle, da die auhc nass wird und man man nunmal nicht immer nur Schlamm abhält. Der stört mich eh nicht. Und wenn er so tief ist, dass man einsinkt, dann ist er auch so nass, dass es durchsuppt.

Wo wir schon bei Memranen sind.
Jacke:
Tim hatte ne FourSeasons. Nach der Tour nicht mehr... Auf dem Rücken hat man schön die einzelnen Schichten sehen können. Naja, dreißg Kilo bei ner Jacke, die für zehn gedacht ist, zeigen dann halt doch Wirkung. Ich habe noch immer die Marmot Hybrid. Ich find sie top. Die Kapuze könnte noch etwas idealer mit dem Kopf mitgehen. Der Schnitt ist leider modern kurz. Da habe ich mittlerweile auch andere Vorlieben. Ich habe sie damals aber statt für 300 bei Globi für 150 geholt und kann mir keine bessere für den Preis wünschen. Die Belastungen hat sie ohne Meckern mitgemacht. Verstärkungen finde ich aber shcon sinnvoll, nur Packlite wäre mir nicht ganz so geheuer, aber da haben ja auch shcon viele gute Erfahrungen mit.

Sonst hatte ich aber fast immer meine Mammut Collado an. Damals VIEL zu teuer geholt. Kennt wohl auch keiner. Ist trotzdem gut. Ein Fleece Windstopper mit Corduraverstärkungen. Macht alles mit. Aber: Heute würde ich in einen "Windstopper" ohne Membran investieren. Dann aber auch eher die das Klättermusen-Konzept als die so beliebten Softshells aus Kunstfaser. Die haben ja auch oft eine Membran. Dann sind sie für mich nicht viel wert. Die mit dichtem Gewebe kosten arg viel. Also es sieht momentan so aus, dass ich noch lange mit der Mammut rumstapfen werde, da sie nicht kaputtgehen wird. Vielleicht gönne ich mir aber trotzdem was aus Natur. Tim kam mit seinem einfachen Fleece aber auch gut zurecht. Und vernünftiger ist das wohl allemal.

Hose hatte ich eine bewährte Fjällräven Barents. Ich weiß nicht, wie ich laufe, aber die Innenseiten sind auf Knöchelhöhe nur noch Fetzen. Obwohl schon superfest eine doppelte Schicht aufgenäht wurde. Heute würde ich mir eine kaufen, die in den Knien entweder angeschnitten ist, oder elastische Einsätze hat. Wohl eher ersteres. Sonst gibts an der FR aber nix. Ist top und bis auf die Stelle unkaputtbar. Da haben Klättermusen und auch Lundhags ganz gute Lösungen. Ich würde wohl zu den Marken bei einer neuen greifen. DIe Skandinavier wissen meiner Meinung nach einfach am besten, wie man gute Produkte macht. Jedenfalls für ihre Gebiete, aber woanders zieht es mich eh nicht hin. Tim hatte ein FourSeasons Immitat und fährt damit für weniger als die Hälfte des Preises auch ganz gut. Die Hose ist solide. Was zum Nähen sollte man dann aber trotzdem dabeihaben, nötig ist es. Auch er hatte am Ende Aufschürfungen an der Knöchelinnenseite. Ich finde Verstärkungen oder weggelassene Nähte dort notwendig - für mich. Mit Lundhags hat sich das ja aber auch erledigt, hihi.

Socken gibts bei mir eh nur Merinowolle und davon am besten so viel unter dem Fuß, wie noch in den Schuh passt.

Beim T-Shirt auch.
Das musste ich dann nämlich im Gegensatz zu den Thermosachen aus Kunstfaser nach der Tour nicht wegen des Gestanks wegschmeißen... Der Windstopper hats dann grade doch noch so nach einigen Wäschen überlebt. Selbst die Socken müffeln nicht. Es leben die natürlichen Fasern, ehrlich.

Zwei Buffs waren eine perfekte und alles abdeckende Kombination für Hals und Kopf.

Für die nächste reine Herbstour wird es aber ein bisschen mehr zum anziehen. So ein Fleece zusätzlich wäre da ganz nett, eventuell statt einer Thermo- eine Fleeceunterhose.

Kocher gibts bei uns eh nur den klassischen Trangia mit Spriritus. Benzin wirds dann nur im Winter. Die Non-Stick Pfanne ist mehr als sinnvoll. Für mich wirds für Solotouren dann die aonidisierte "UL" Version werden. Die normale kratz doch arg ab. Wenn ich bedenke, dass mein Finger gräulich ist, wen ich nach dem Abwasch stark rüberfahre... Aber Probleme hat das ja auch nicht gemacht. So aufwendig koche ich nicht, dass ich Duossal bräuchte. Achso, die Tests der Brennleistung von skandinavischen und deutschem Spiritus werden auhc noch bald folgen, ich trau dem rosa Zeug kein bisschen. In Norwegen sollte kann man das ja auch eh kaum kaufen... Naja, ich bleib trotzdem bei.

Im Schlaf war der MacPac Sanctuary 700 mein bester Freund. Der hat immer ausgereicht, auch wenn ich am sehr frühen Morgen ab und an etwas kühl gelegen habe. Aber das passiert mir eh shcnell. Vielleicht hätten mehr Reserven da leicht Abhilfe geschafft, waren aber auch nicht so notwendig. Zumal der Schlafsack ja einen langen Zeitraum abdecken sollte, war das schon gut so. Ich mag ihn und bin auch nicht zu kräftig für ihn gebaut. Tim war mit seinem Marmot Sawtooth für reduzierte 100 Euro auch sehr zufrieden, auch wenns einfahc nen fettes Teil ist. Für den Preis würde mir spontan aber auch kein besserer einfallen. Ich schätze aber zum Beispiel auch die wasserabweisende Hülle des Macpacs sowie wasserdichte Einsätze an Füßen und Kopf. Einen WM würde ich mir auch kaufen hätte ich das Geld. Den deutlichen Mehrpreis wollte ich damals aber nicht bezahlen und habe es auhc noch nicht bereut.

Ah, Trekkingstöcker gibts noch.
Auch toll, shcon meine dritten von der gleichen Sorte. Auch nur innerhalb von drei Jahren. War es in Jotunheimen noch mein eigener Fehler, haben sie danach trotzdem schnell aufgegeben und auch bei der Tour war nicht mal die Hälfte drin... Kompardell war von mir und dem im Fachgeschäfft damals noch als seeehr haltbar gepriesen worden. Jetzt nicht mehr. Ich lauf die jetzt auch noch runter, dann ist Schluss. Ich weiß aber eh nicht, ob ihc so große Lust auf Stöcke habe. Ich bin einige Tage ohne gelaufen, wie auch shcon letzten Sommer und mag es immer recht gern. Diesmal war da aber auch ein Tag mit sehr starkem Abstieg bei. Der hat dann mein Schienbein ausgeklingt. Ich weiß nicht, ob ich mit Stöcken keine Probleme gehabt hätte... Jedenfalls mag ich sie für Flüsse, Wäscheleinen und auch sonst für Auf- und Abstiege doch manchmal ganz gern. Tim hatte ein älteres Makalu Modell von Leki dabei. Mit Dämpfung. Bägs. Würde ich nicht nehmen, da mich das ganz wuschig macht, ist ja aber Geschmackssache. Das es was bringt, glaube ich persönlich ja nicht.

Tim hatte für die Höhenmessung eine Cyclosport HAC3 wieder mit. Auch im Jotunheimenbericht konntet ihr ja lesen, dass sie ausgestiegen ist. Eigentlich eine nette Uhr, aber halt unakzeptabel unzuverlässig. Da muss ich mich für Solotouren auhc noch mal nach einer umsehen. Höhenmessung finde ich aber shcon sinnvoll.

Tja, das war es größtenteils.
Flasche kommt mir keine Sigg mehr mit, da hat die Nalgene zu deutliche Vorteile.
In den Medizinbeutel kommt jetzt ganz sicher immer Imodium...
Die Sonnenbrille war diesmal ganz und gar überflüssig, kommt aber trotzdem wieder mit.
Faltgeschirr ist dufte.
Für eine Herbstour kommt ein UCO Licht das nächste mal dazu.
Bei der Kamera wird sowieso deutlich aufgestockt, wenn ich dann mal fleißg gespart habe... Ist neben dem Rucksack und den Schuhen eigentlich das Einzige, was noch groß anders wird in der nächsten Zeit.

So, ist ja doch einiges zusammengekommen. Gerne könnt ihr aber auch noch spezieller fragen. Achso, das Gewicht variierte zwischen um die 30kg bis runter auf etwa 12kg. Ganz genau weiß ich es grad nicht, da die Liste beim Computerzusammenbruch verlustig gegangen ist. Deshalb gibts die auhc erstmal nicht, aber Tim kann die ja mal posten. Und vielleicht die ein oder andere Erfahrung noch beisteuern.

Chopper
19.03.2009, 20:27
Hallo!

Ist ein toller und vor allem aufwendiger Bericht den du da geschrieben hast, gratuliere, ist sehr schön geworden.

Da ich diesen Sommer den Nordkalottleden gehen möchte und eventuell noch den Kungsleden (nördlicher Teil) dranhängen möchte, hätte ich noch ein paar Fragen an euch:

So wie es aussieht, habt ihr euch an die Wegbeschreibung der Conrad-Stein Führer gehalten? Kann das sein?

Diese würde ich auch für meine Tour heranziehen.
In diesen Büchern wurde geschrieben, dass jeder Weg (Nordkalott- und nördlicher Kungsleden) mit ja ca. 4 Wochen gerechnet werden muss.

Denkt ihr, das ist realistisch? Habt ihr 80 Tage auf Grund von Pausen gebraucht?

Kann man zwischen den Wegen problemlos anknüpfen (bis auf die 30 km Busfahrt)?
Ändert sich die Umgebung/Vegetation von Nordkalottleden zu Kungsleden?
Ich frage, das deshalb, weil wenn die Vegetation vorwiegend gleich ist, dann möchte ich vielleicht nur den Nordkalottleden gehen und dann den südlichen Kungsleden.

Ich weiß, viele Fragen auf einmal, hoffe trotzdem auf eine Antwort.

Vielen Dank vorab.

Lg

Chopper

Issoleie
23.03.2009, 11:20
Hallo Chopper,

ich versuche mal, dir die Fragen möglichst zu beantworten.

Zur Weg- und Zeitplanung haben wir das Buch von Bickel verwendet, das ist richtig. Allerdings kann ich vorab schon sagen: Die Zeit haben wir zu reichlich bemessen. Wir haben 80 Tagen mit Pausen gebraucht, hätten es aber auch deutlich schneller geschafft. 65-70 Tage halte ich für eine gute Planung, die ausreichend Ruhetage bietet und bei der man etwa 25km pro Tag an Wandertagen geht, wenn ich das so noch recht in Erinnerung habe.
Hier mal ein paar Statistiken: Wir hatten 56 Lauftage in denen wir nur 18,7km zurüchgelegt haben. Wir hätten eigentlich gern etwas mehr gemacht, hätten dann aber einfach zu viel Zeit hinten übrig gehabt. Insgesamt war der Weg 1047km lang, allerdings sind wir auch noch einen Bogen am Ende gelaufen.

Die Wege gehen nahtlos bei Kvikkjokk ineinander über, sofern du den Nordkalottleden bis zum Ende gehen willst. Da gibt es auch nirgends eine Busfahrt, die ist nur nötig, wenn man den Kungsleden durchläuft. Beide Wege verlaufen ja von Abisko bis Kvikkjokk parallel bzw. auch am Anfang noch deckungsgleich. In Kvikkjokk und auch danach noch mal gibt es allerdings drei mal Bootsfahrten. Aber das steht ja auch in meinem Bericht und bei Bickel.

Die Vegetation und Landschaft beider Wege ändert sich schon. Im Norden geht es eher sanft hügelig durch einsam-wilde Regionen, wo es mal Moor, mal baumfreie Regionen und mal lichte Wälder gibt. Kommt man weiter nach Süden, shcon ab Finnland, wird es ein wenig schroffer und felsiger. Man wandert dann auch immer mehr nur im klassischen Fjell über den Bäumen. Im Padjelanta wird es dann sehr idyllisch, auch wenn es noch alles im Fjell ist. Der kleine erste Teil des Kungsleden noch davor ist ja eh sehr einfach und gemütlich zu gehen, dort, wo er mit dem Nordkalottleden identisch ist. Nach Kvikkjokk wird es dann langsam wieder waldiger. Hier beginnt der Kungsleden, nachdem der Nordkalottleden zu Ende ist. Anfangs geht es noch im munteren Wechsel auf und ab, immer aus dem Wald und wieder rein, bis es am Ende dann sehr waldig wird. Da man da aber eh schon im Herbst eher dort ist, fand ich das wunderschön, auch diese Art der Landschaft am Ende noch einmal mitzunehmen. Es wird auf der Gesamtstrecke beider Wege wirklich alles geboten (bis auf die ganz hohen Berge) und ich finde, das es sich auf jeden Fall lohnt, alles zu laufen.

Falls es noch Fragen gibt, kannst du mir auch gerne ne PN schicken, dann helf ich noch mal weiter. Ansonsten wünsche ich schonmal eine schöne Tour.