PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [IS] Island per Rad



Hilde
01.11.2007, 23:33
Land: IS
Reisezeit: Juli/August 2007
Region/Kontinent: Nordeuropa

Vorwort/Vorwarnung

Liebe Leute,
bitte bedenkt:

Dies ist mein erster Reisebericht hier.
Ich kann nicht fotographieren - das war meine erste Radreise mit Fotoapparat seit über 10 Jahren.
Und ich werde in Etappen schreiben, denn an einem Abend schaffe ich es sicher nicht.


Anreise: Ich bin von Schottland aus gekommen und mit der Fähre von Scrabster nach Seydisfjödür gefahren.

Der Weg dahin führt über die Faröer, hier beim Anlegen in Thorshavn:
http://inlinethumb09.webshots.com/14728/2264845350084551166S600x600Q85.jpg

http://inlinethumb51.webshots.com/13682/2754466540084551166S600x600Q85.jpg


Am ersten Tag in Island regnet es in Strömen und ich fahre nur bis Egilstadir. Am nächsten Tag geht es gleich zur Sache und über den Öxipass.

http://inlinethumb44.webshots.com/15851/2588147650084551166S600x600Q85.jpg

Da ist die Straße noch ganz gut.

Das letzte Stück sieht dann so aus:
http://inlinethumb07.webshots.com/13126/2181452790084551166S600x600Q85.jpg

http://inlinethumb59.webshots.com/12986/2258630450084551166S600x600Q85.jpg

Eigentlich auch noch ganz gut. Von dem Weg runter habe ich dann keine Fotos gemacht, weil ich viel zu beschäftigt war. Es war mordsanstrengend: starkes Gefälle und unbefestigte Straße. Ich habe viel geschoben.

Ich war noch von den Tagen in Schottland erkältet und legte darum nach der nächsten Etappe in Stafafell eine Ruhepause ein.

http://inlinethumb63.webshots.com/12542/2028767040084551166S600x600Q85.jpg

Als ich am zweiten Abend mein Rad durchcheckte, stellte ich fest, dass die Anlötstelle für den hinteren Gepäckträger gebrochen war. Ich zeigte dies dem Herbergsvater (einem freundlichen aber etwas wortkargen Menschen) und sagte gleich, dass ich einen Stahlrahmen hätte und man das schweißen könnte. Darauf die Antwort: "My neighbor can mend this - over there ..." Er zeigte über den Fjord zum nächsten Gehöft, etwa 5 km Luftlinie entfernt. "Just 8 km away". Ich fing an zu verstehen, wieso die Leute etwas langsam waren. Wenn man dort sieht, dass der Nachbar losfährt, können sie noch den Kuchen backen ;-). Jedenfalls rief der freundliche Herbergsvater gleich an, aber der Nachbar war nicht zu Hause.
Werde ich mein Fahrrad reparieren können? Lesen Sie weiter in der spannenden Fortsetzung ;-)

Ich schicke das hier erstmal so ab und schaue mal, wie es aussieht ...

Dieter
02.11.2007, 06:45
Na - das sieht doch gut aus und macht Appetit auf mehr. Nur weiter so!
með kveðju,
Dieter

Rainer Duesmann
02.11.2007, 06:46
Hallo Hilde,
das fängt ja gut an. ;-)
Bitte weitermachen, das Ganze erinnert mich an das schöne Buch von Christian E. Hannig über seine Island Rad Reise.

Beste Grüße,
Rainer

Ari
02.11.2007, 11:04
Bin auch schon gespannt wie es weitergeht. Und was die Fotos angeht, die mußt Du auf keinen Fall verstecken.
Gruß,
Andrej

Hilde
02.11.2007, 17:22
Dann will ich mal ein bisschen weitererzählen ...

Am nächsten Morgen ist zumindest meine Erkältung abgeklungen, doch der Nachbar ist nicht zu erreichen - er ist schon mit dem Bus unterwegs, fährt Tourists, um sich etwas dazu zu verdienen. Es ist schon weit nach 10 Uhr, als ich schließlich aufbreche. Bis Höfn, der nächsten "Stadt" sind es auch nur etwa 30 km, bis dahin wird der Gepäckträger schon halten - falls nicht, muss ich eben sehen.

Von Stafafell bis Höfn kommt nochmal ein Pass, um den ein Tunnel führt. Da mir aber die Herbergsmutter erklärt hat, dass dieser für Fahrräder gesperrt ist, biege ich vorher rechts zum Aussichtspunkt ab. Im Nachhinein erfahre ich von einem Bekannten, dass er mit dem Rad da einfach durchgefahren ist, aber ist egal. Der Blick ist jedenfalls wunderbar.

http://inlinethumb02.webshots.com/15873/2852771390084551166S600x600Q85.jpg

Nur wie jetzt weiter? – die Straße scheint hier zu enden. Doch auf dem zweiten Blick sieht man die alte Passstraße noch. Ich schiebe sie allerdings herunter, denn sie ist absolut unbefahrbar – auch beim bloßen Schieben muss ich schon aufpassen, dass ich nicht ins Rutschen komme.

In Höfn frage ich mich zu einer Autowerkstatt durch. Der sehr freundliche Mechaniker hat den Bruch innerhalb weniger Minuten geschweißt. Ich bin sehr dankbar, denn mir ist klar, dass ich so nicht weiterfahren gekonnt hätte. Er möchte nicht mal Geld dafür und wehrt auch ab, dass ich ein Erinnerungsbild mache (welches ich mit Dankeskarte geschickt hätte).

Jetzt ist es früher Nachmittag und bestes Wetter bei 18 Grad. Die Jugend geht in Shorts und Sonnentops. Ich schaue mir Höfn an, es ist ein nettes Städtchen, vor allem der kleine Hafen.

http://inlinethumb21.webshots.com/13652/2967890870084551166S600x600Q85.jpg

(Und welches Fahrzeug hier ist das schönste und umweltfreundlichste?)

Dann beschließe ich, gleich hier zu bleiben, schreibe Emails in der Tourist Information, kaufe ein und habe einen netten Abend auf dem Campingplatz, der allerdings ziemlich nah zur Straße liegt.

Spät abends fängt es dann an zu regnen, es wird windig und über Nacht immer stürmischer. Gegen 6 Uhr fegt der Wind mit ca. Windstärke 8 um mein Zelt – er hat sich auch noch gedreht und drückt das Tunnelzelt zur Seite. Ich fange ernsthaft an zu packen, weil ich nicht sicher bin, dass alles stand hält. Es ist ein gutes Hilleberg-Zelt, aber so etwas hatte ich bisher eben noch nie.

Um 7 Uhr gehe ich zur Rezeption und erkundige mich, wann der Bus fährt. Um 8.30 Uhr, erfahre ich. Ich baue das Zelt im Sturm ab und zum ersten Mal auf der Tour fehlt mir eine zweite Person. Und das auch noch am frühen Morgen. Ich bekomme es schon allein hin, aber bin schon richtig k.o. als ich dann das Rad aufbaue. Ich schiebe es zum Bus an der Tankstelle gegenüber.

Der Busfahrer verstaut das Rad ohne viel Federlesens im Gepäckraum. Kurz nachdem wir losgefahren sind, sehe ich noch eine Radfahrerin im Wind und bin wirklich froh über meine Entscheidung. Fahren wäre völlig unmöglich gewesen.

Nach einer Weile sage ich: "Hey I have not payed for my ticket yet." Die Frau, die kassiert, fragt mich, wo ich denn eigentlich hinwolle. Das überlege ich dann erstmal laut. Die nächste Station wäre ja der Jökulsárlón, aber dort gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit - und bei dem Wetter nochmal 70km fahren ... Doch der Bus hält dort für eine halbe Stunde und so bekomme ich zumindest einen Eindruck. Hier kalbt ein Gletscher und da ist also ein See mit Eisbergen. Es ist sehr faszinierend.

http://inlinethumb57.webshots.com/14904/2371740140084551166S600x600Q85.jpg

http://inlinethumb24.webshots.com/12695/2882543350084551166S600x600Q85.jpg

Hier steigt auch ein durchnässtes Grüppchen spanischer Radfahrer zu – mit entsetzlich schlechter Ausrüstung, z.B. tragen sie Plastiktüten unter den Helmen und über den Schuhen und ziemlich dünne Kleidung. Sie wollen gleich nach Reykjavik, doch ich steige am späten Vormittag am Skaftafell aus. Ich breche dann auf eine kleine Wanderung auf als irgendwann der Regen nachlässt.

http://inlinethumb16.webshots.com/16591/2862752120084551166S600x600Q85.jpg

und später mache ich noch einen Spaziergang zu einem Gletscher, aber das Foto wirkt nur schäbig-dreckig.

Anderntags muss ich durch den Skeidararsandur, eine 30km lange Lavawüste, die vor über 10 Jahren von einem Gletscherfluss (nach einem Vulkanausbruch oberhalb) völlig überschwemmt wurde. Die damalige Straße wurde völlig zerstört.

http://inlinethumb55.webshots.com/13110/2134348630084551166S600x600Q85.jpg

Das bin ich, bevor ich da ganz schnell durchfahre, aber dann auf den letzten 5m doch in einen Sandsturm komme, welchen ich so beschreibe:


crack! crack! – my Ortlieb map case which is connected with my handlebar bag unsnaps and flies over the other side of the road onto a sand field. I hesitate for one second, then I say to myself “I need my maps”, lay down my bicycle and rush behind the map case. “Das kommt gar nicht in Frage” [this is out of the question], I say to the wind – in my mind of course – and get the case back. Afterwards I have to rinse my mouth, because I have sand between my teeth from my breathing during the fight. I strap the map case to the back of the bicycle. My fixing for my glasses is of course somewhere in my bags, but the buff headwear will hopefully hold them in position.

The next five kilometers are extremely hard. I am riding slowly and extremely concentrated now, and at every heavy gust I stop. From time to time I am pushing my bicycle. Also I stop when a car is approaching from behind, because the crosswind is pressing me sometimes unforeseeably to the middle of the road. Ahead of me I can see when the wind covers the road in sandy dust, so riding is at least a calculable risk.

When the glacier ends and the road runs below the first hills, the wind stops and even changes to East wind again. I stop at the farm of Nupsstadur.



Fotos habe ich keine gemacht, sondern mich auf die Situation konzentriert.

Soweit für heute.

paddel
02.11.2007, 17:31
Hej Hilde,
dein Bericht gefällt mir sehr!
Freue mich schon auf den nächsten Teil :D

Grüße

Rio
02.11.2007, 18:42
klasse!
ich liebe fahrradtouren im hohen norden.
weiter so :D

barleybreeder
05.11.2007, 14:46
Weiter Hilde,

ich bin in der gleichen Zeit im isländischen Hochland rumgehirscht, allerdings zu Fuß.

Ich konnte die Radler dort aber nur bedauern. Bei dem Wind laufe ich lieber!:bg:

Hilde
05.11.2007, 22:13
Hallo Sebastian,

ja, ich habe manches Mal geschimpft - aber viel mehr auf die Outofahrer, die mich vollstaubten ... am Ende habe ich sogar innere Dialoge mit "Island" geführt, aber das kommt noch.

Hilde
05.11.2007, 22:44
Nachdem ich dem Sandsturm glücklich entronnen war, konnte ich richtig nachvollziehen, wie sich vor 50 Jahren die Reisenden gefühlt haben mussten, die auf Pferderücken Nupsstadur erreichten. Eigentlich war es hier ganz ärmlich und primitiv.

http://inlinethumb25.webshots.com/16024/2323285930084551166S600x600Q85.jpg

Doch dieser Hof kommt mir wie ein Hort vor. Es ist alles da: Wärme, Schutz vor dem Wind, sogar etwas "Kultur" in Form eines Kirchleins.

http://inlinethumb29.webshots.com/14620/2712551640084551166S600x600Q85.jpg

Nachmittags in Kirkjubaejarklaustur starte ich einen Großeinkauf, denn morgen soll es Richtung Landmannalaugar gehen und da ist Doping erlaubt ;-) .

Ausgeruht und fit starte ich in Kirkjubaejarklaustur. Bis zur Abzweigung nach Ytri-Asar habe ich öfter Seiten- und Rückenwind. Nach einer Rast – es ist sogar relativ warm und sonnig – biege ich dann ab. Zunächst ist die Straße noch geteert.

http://inlinethumb03.webshots.com/16194/2146944550084551166S600x600Q85.jpg

Dann wird sie unbefestigt, ist aber immer noch gut befahrbar. Später wird es dann so:

http://inlinethumb56.webshots.com/14967/2742071090084551166S600x600Q85.jpg

Es ist wirklich schweißtreibend, aber eigentlich noch ganz gut machbar – ich bin die letzten 20 km halt sehr langsam.

http://inlinethumb51.webshots.com/16114/2434540220084551166S600x600Q85.jpg

Gegen 17.00 Uhr sehe ich den Campingplatz in Holaskjol und habe somit mein Tagesziel erreicht. Es ist ziemlich kühl und windig geworden, aber die Umgebung entschädigt ungemein für die Anstrengungen.

http://inlinethumb11.webshots.com/14154/2647401700084551166S600x600Q85.jpg


http://inlinethumb39.webshots.com/16230/2552358600084551166S600x600Q85.jpg
(das Zelt am Morgen mit natürlichem Weckdienst)

Anderntags breche ich erst relativ spät auf, denn es regnet und ich warte noch etwas. Leider lässt der Regen nicht nach, und so packe ich und fahre. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, einen Tag später loszufahren, aber hinterher ist frau immer schlauer.

Die Vorbereitungen beschreibe ich so:


Today I will cross some rivers. Therefore I prepare a “fording bag”. Inside of this bag are: My amphibian trainers, neoprene socks, a small towel and a 200g bar of Cradbury chocolate. Doping is permitted today. I will eat a piece of chocolate as encouragement before I enter the water and one as reward after I have arrived at the other side. I have waterproof socks too, which I wear in my normal everyday goretex shoes. I am considering to wait for better weather at the campsite for another day, but finally I start relatively late at about 10.20am. I know that the water level will be higher than usual, but who knows if the situation would improve the next day?


Vor der ersten Furt bin ich noch aufgeregt - aber ich bin im Hochschwarzwald aufgewachsen und habe dort viel in Bächen und einem Fluss gespielt. Daher kann ich ziemlich gut abschätzen, was geht und was nicht.

http://inlinethumb58.webshots.com/16185/2546680990084551166S600x600Q85.jpg

Diese hier geht. Und das ist das letzte Foto von diesem Tag, der absolut an meine Grenzen geht. Das Furten ist ja nicht das Problem, aber dafür der Regen, der Wind, die Kälte. Zum ersten Mal auf einer Tour überlege ich sehr ernsthaft, was ich tun soll, falls ich es nicht bis zum Ziel schaffe. Autos fahren keine mehr in meine Richtung (zumindest drei Stunden lang nicht) und so setze ich mir ein Limit. Wenn ich bis 17.00 Uhr nicht bis zu einem bestimmten Punkt gekommen bin, werde ich einfach das Zelt aufschlagen.

Nach einer Weile geht es aber schon wieder besser (und zumindest bergab). Ich ziehe mir 200g Cradbury Schokolade und eine Packung Pemmikan einfach so rein und habe nachher in Reykjavik trotzdem 6 kg abgenommen - das meiste wohl an diesem Tag.

Gegen 15.30 Uhr sind noch 15km zu bewältigen, wie mir ein entgegenkommender Fahrer erzählt. Doch es soll anders kommen. Wie ich auf einer Kiesbank mitten in einem Fluss stehe - und dieser ist schwer zu durchqueren, kommt tatsächlich ein Geländewagen aus meiner Richtung. Die netten SchwedInnen darin nehmen mich nicht nur über die tiefe und starke Strömung, sondern auch direkt nach Landmannlaugar mit. Das ist vielleicht nicht supersportlich gewesen, aber ich war froh über die Entscheidung, zumal noch eine der Flussüberquerungen sehr schwer geworden wäre.

Abends kommt tatsächlich noch Jeff, ein Amerikaner, den ich unterwegs mehrfach getroffen habe, mit dem Rad an. Ihn hätte ich also im Notfall noch unterwegs getroffen. Er ist aber auch völlig k.o., bei dem Wetter war das alles doch recht grenzwertig.

Ich bleibe einen Tag in Landmannalaugar, es ist sehr kalt.

http://inlinethumb36.webshots.com/18019/2431769900084551166S600x600Q85.jpg

(ich beim Kochen)

Doch der Hotpot ist bekannt ....

http://inlinethumb53.webshots.com/17076/2942608780084551166S600x600Q85.jpg

Abends treffe ich dann noch prompt Torsten, den ich aus anderen Foren kenne.

Fortsetzung folgt

Andreas L
06.11.2007, 07:53
Hallo Hilde!
Schöner Bericht! Interessant zu lesen - vor allem für einen, der bisher nur zu Fuss gewandert ist.
ABER: Nur damit ich nicht meine ganzen "inneren Bilder" umstossen und neu einordnen muss: Das auf dem ersten Bild, das ist doch nicht Thurso sondern Thorshavn, die Hauptstadt der Faröer,oder?
Andreas

Hilde
06.11.2007, 08:44
Hallo Andreas,

danke für die Korrektur! Es ist natürlich Thorshavn. In Scrapster bei Thurso legte die Fähre nach Island ab ...

Es freut mich, dass Euch der Bericht gefällt - er ist mein kleines Dankeschön für die Hilfe aus dem Forum.

Andreas L
06.11.2007, 09:46
Danke Hilde! Jetzt passt´s wieder! Das Gebäude in Vordergrund ist, wenn ich das jetzt noch recht weiss, das Parlamentsgebäude der Faröer ... Wirlich nett dort. Ich bin da mal tagelang im Nebel festgehangen, und kenne daher die ganze Stadt - war sonst nix zu tun als rumstreunen ...
Freue mich schon auf Deine Fortsetzungen.
Andreas

barleybreeder
06.11.2007, 09:55
Der Hot Pot ist echt phantastisch. :bg:

2 Tage Dauerabhängen bei Leichtbier und Keksen! :grins:

Hilde
11.11.2007, 14:28
Hier meine nächste Fortsetzung

Vor zwei Tagen habe ich mir selbst versprochen, dass ich die 30 km bis zur nächsten Asphaltstraße mit dem Bus fahre, und genau das tue ich dann auch. Der Bus fährt die F208 nach Hrauneyjar, mein Fahrrad ist gut verstaut in seinem Kofferraum. Der Busfahrer muss es wirklich drauf haben auf diesen "Straßen" und ich bin froh, dass ich mir die 30 km mit Lavapiste gespart habe. Es wäre machbar, aber kein Spaß gewesen.

Im Rasthaus in Hrauneyjar lockt mich eine Portion Nudelauflauf, doch als ich Preis von ca. 20 Euro sehe, vergeht mir der Appetit und ich nehme nur Tee und ein Sandwich zu mir.

Zu Beginn der Strecke habe ich noch starken Seitenwind, doch geht es stetig bergab und am Ende habe ich sogar Rückenwind, hurra.

http://inlinethumb58.webshots.com/18745/2916319170084551166S600x600Q85.jpg

Es gibt sehr schöne Ausblicke auf die Hekla (Vulkan).

http://inlinethumb32.webshots.com/18271/2413885310084551166S600x600Q85.jpg

Es ist gesetzlicher Feiertag und ich mache früh Halt in Arnes, wo ich in die Jugendherberge gehe. Auf dem ganzen Zeltplatz sitzen nämlich viele Menschen und spielen Akkordeon. Das ist einerseits ja ganz nett, aber ich stelle mir vor, dass es sich bis in die Nacht erstrecken könnte.

In der Jugendherberge erfahre ich dann, dass Isländer keineswegs "alle Akkordeon spielen" - bei mir hatte sich schon so ein Bild festgesetzt - sondern dass sich hier sämtliche Akkordeonvereine Reykjaviks träfen, um ein Festival zu begehen. Aha!

Anderntags treffe ich prompt ein deutsches Radlerpaar, das auf dem Campingplatz genächtigt hat und mir begeistert erzählt, dass in Island zum Bank Holiday die Leute Akkordeon spielen. Leider muss ich ihnen ihre Illusion nehmen.
Bei gutem Wetter, d.h. keinem Regen, fahre ich zunächst fix nach Fludir. Kalt ist es natürlich schon. Viele Autos mit Wohnanhänger kommen mir entgegen, wohl Isländer auf dem Weg vom Bank Holiday nach Reykjavik.

Viele Islandpferde stehen auf den Feldern, es sind auch Reitergruppen unterwegs. Etwa 10 km weiter habe ich zwei ReiterInnen in Begleitung einer ganzen Pferdeherde vor mir. Nach einigem Zögern und auffordernden Zurufen der Leute überhole ich die Gruppe. In diesem Moment geht die Asphaltstraße in eine Schotterpiste über! Ich bleibe sozusagen mitten in der Fahrt stecken – hinter mir nähert sich die Herde im munteren Trab. Ich kriege echt Panik. Mit Hunden habe ich schon genug schlechte Erfahrung, wie wird das wohl mit Pferden, die eine Radfahrerin nicht gewohnt sind? Aber es geht alles glatt, Reiter und Rosse sind sehr diszipliniert.

Ich habe diese miesen Straßen wirklich satt. Zum Teil fahre ich auf der linken Spur, weil sie die bessere ist. Wenn ein Auto kommt, halte na klar ich an. Meist ist es ein Jeep, die Leute sitzen drin und lachen und winken „Guck mal, eine Radfahrerin!“ und wusch – stauben sie mich total voll. Ich habe Frust. Manchmal ärgere ich mich so, dass ich einem Auto hinterher rufe: „Ha-go-zack, ihr Arschlöcher“ und noch so einiges, was ich in meiner südbadischen Jugend gelernt habe. Die Autofahrer wissens aber halt nicht besser. Abgesehen von dem, was mir eine Freundin über ihre Radtour durch Albanien erzählt hat, muss Island das Land mit den schlechtesten Straßen Europas sein. Zum Frustabbau überlege ich mir lustige Erklärungen, warum die Straßen in Island so schlecht sind. Am besten finde ich diese: Die isländischen Straßen sind so schlecht, weil die nationale Identität Islands dadurch gestärkt wird, nach dem Motto: „Das Besondere an uns sind unsere Straßen.“
Endlich bin ich wieder auf einer asphaltierten Straße und fahre stetig bergauf zum Wasserfall Gulfoss.

http://inlinethumb59.webshots.com/18554/2379490560084551166S600x600Q85.jpg

http://inlinethumb64.webshots.com/16255/2180483830084551166S600x600Q85.jpg

http://inlinethumb54.webshots.com/8885/2277552120084551166S600x600Q85.jpg

http://inlinethumb60.webshots.com/26747/2184311340084551166S600x600Q85.jpg

Leider kann ich hier keine Filme reinhängen (?!), aber hier (http://islandperrad.blog.de/2007/09/20/gulfoss_fotos_und_filme~3014563) sind welche. Viel Spaß und noch einen schönen verregneten Novembersonntag!

Werner Hohn
19.11.2007, 16:26
[
Liebe Leute,
bitte bedenkt:


Ich kann nicht fotographieren - das war meine erste Radreise mit Fotoapparat seit über 10 Jahren.



...
Och, da kann man durchaus anderer Meinung sein. War das deine erste Radreise mit Fotoapparat, oder die erste Radreise überhaupt? Wie bist du nach Schottland gekommen, oder gibt es ein schottlisches "Vorspiel"?

Werner

Kirschblüte
19.11.2007, 21:52
Respekt!
Das ist ne super Leistung bei diesem Wind! Und die Kälte nicht zu vergessen...
;-)
Wenn ich das nächste Mal aufm Rennrad sitze und über den Wind maulen will.....werde ich es mir verkneifen;-)

Hilde
01.12.2007, 17:09
Och, da kann man durchaus anderer Meinung sein. War das deine erste Radreise mit Fotoapparat, oder die erste Radreise überhaupt? Wie bist du nach Schottland gekommen, oder gibt es ein schottlisches "Vorspiel"?

Werner

Erstmal Entschuldigung, dass ich so lange nicht mehr hier hineingeschaut habe - es wird auch noch eine Fortsetzung des Reiseberichts geben, aber leider nicht vor dem 12.12. - wird dann halt eine nette Weihnachtslektüre.

Werner, das war meine erste Radtour mit Digitalkamera, vor etwa 10 Jahren hatte ich noch so eine Pocketkamera, danach nichts mehr ... Ich fotographiere nicht gern, weil ich finde, dass ich dadurch von der Situation distanziert werde. Aber diesmal haben meine FreundInnen gesagt, ich solle doch.
Zur Reise nach und durch Schottland, siehe hier (http://islandperrad.blog.de/2007/08/22/mit_dem_fahrrad_durch_london_by_bicycle_~2849801).

Dass man Island als allererstes Reiseziel für eine Radtour nimmt, ist für mich wirklich völlig abwegig. Davon würde ich dringend abraten.

paddel
21.12.2007, 08:49
Juhu Hilde! Wo bleibt die Weihnachtslektüre? :p