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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Akklimatisierung



-CaRsTeN-
02.04.2003, 23:53
Hallo zusammen,

ich habe gerade mit der Planung meiner Touren für den Sommer
angefangen und würde gerne auf das Breithorn laufen.

Da dies allerdings ein 4000er ist, sollte ich mich vorher
akklimatisieren. Reicht es, vor der eigentlichen Tour eine Woche durch
die Schweizer Bergwelt zu laufen und möglichst auf 2-3 Hütten zu
übernachten oder ist das zu wenig? Ich plane keine Übernachtung auf
der Höhe sondern einfach nur den Aufstieg und den anschließenden
Abstieg.

Gruß

Carsten

Saloon12yrd
03.04.2003, 07:21
Ob das reicht kann man vorher schlecht beurteilen. Ich würde mal tippen 3-4 Tage über 2500 oder lieber noch höher reichen in jedem Fall. Allerdings: Wenn Du direkt vor der Breithornbesteigung wieder einige Tage im Tal bist kannst Du Dir die vorangehende Zeit da oben auch sparen.

Sal-

alfi
03.04.2003, 10:18
Hi,

bei meinem einzigen 4000er hatte ich an einem Tag mehr als 4400 Höhenmeter (75 % mit technischer Hilfe - shame on me). Ich hatte auch ohne Akklimatisation keine direkten Probleme mit der Höhe. Nur habe ich mich gefühlt, als hätte ich die letzten Jahre keinerlei körperliche Aktivitäten mehr gemacht. Jeder Höhenmeter war eine Qual :ill: .
Vielleicht wäre Akklimatisieren doch von Vorteil. Aber beim Breithorn würde ich eher die Schneelage und die Betriebsamkeit in die Überlegung miteinbeziehen (vor allem, wenn du sowieso die Seilbahn benutzen möchtest)
p.s. wenn eine Seilbahn in der Nähe ist, würde ich sie auf jeden Fall benützen (auch wenn ich persönlich alle Aufstiegshilfen liebend gerne demontiert sähe) oder diesen Berg meiden.

mfg alfons

ej64
03.04.2003, 10:21
Allerdings: Wenn Du direkt vor der Breithornbesteigung wieder einige Tage im Tal bist kannst Du Dir die vorangehende Zeit da oben auch sparen.

Dem muss ich deutlich widersprechen. Höhenakklimatisierungen bleiben deutlich länger erhalten, Hartmut Bielefeldt (http://www.bielefeldt.de/akklimd.htm) hat da einiges allgemeinverständlich zu geschrieben. Meine persönliche Erfahrung (und die mit meinen Seilgefährten) ist, dass es zum einen recht unterschiedlich ist, wie schnell und wie gut man sich akklimatisiert, dass aber in den Alpen generell keine ernsthaften Konsequenzen drohen, so man denn Warnzeichen des Körpers nicht ignoriert, also Herzrasen, Schwindel, Schlappheit, Kopfschmerzen, Unsicherheitgefühl als Umkehrsignal interpretiert. Steigt man dann ab, bessern sich die Symptome nach meiner Erfahrung schlagartig.

Das Anhalten der Akklimatisation muss ich zumindest für eine Woche bestätigen. Wenn du in dem Gebiet bist, empfehlen sich etwa Wanderungen entlang des Höhenweges Zermatt -- Grächen, auf dem Gornergrat, zum Berghaus Flue und anderen noch höher gelegenen Hütten (z.B. Rothornhütte). Eine Übernachtung auf der Höhe ist nicht notwendig, generell heisst es: "climb high, sleep low".

Viel Spass bei der Tour, aber auch die nicht unterschätzen! Bei Nebel ist die Orientierung auf dem Breithornplateau eine echte Herausforderung...

Gruss ej

PS: mein Avatar zeigt mich übrigens beim wohlverdienten Bier am "Trockenen Steg" nach einer Breithorn-Überschreitung (4 Tage lang vorher nur in Saas Grund rumgesessen -- vorher einige Touren) ohne jedes Höhenproblem.

gi
03.04.2003, 16:11
Hi,

bei meinem einzigen 4000er hatte ich an einem Tag mehr als 4400 Höhenmeter (75 % mit technischer Hilfe - shame on me). Ich hatte auch ohne Akklimatisation keine direkten Probleme mit der Höhe.

Ja, das kann man aber nicht veralgemeinern. Wenn Carsten oder ich oder sonstwer das gleiche macht, könnte es ihn umbringen. (etwas übertrieben dargestellt). Höhenkrankheit ist nämlich von Mensch zu Mensch absolut verschieden.

Grüsse
-- gi

Jan
04.04.2003, 09:29
Ist das Breithorn nicht im Süd-Wallis/ Zermatt?
Wenn du dieses meinst, würde ich vorschlagen mit den Gondeln aufs Kleine Matterhorn zu fahren und dann schaffst du die restlichen Meter auch noch ohne große Aklimatisierung! :wink: :bg:

Hier noch ein Veranstaltungshinweis von der Zermatter Homepage:
10.04.03, Breithorn
Das Breithorn (4164m) ist der leichteste Viertausender der Umgebung. Von Zermatt fährt man mit der Bahn bis Klein Matterhorn. Der Aufstieg nimmt ca. 2 Stunden in Anspruch, der Abstieg ca. 1 1/2 Std Bei genügend Anmeldungen bieten wir täglich geführte Gruppentouren auf das Breithorn an. Preis: CHF 135.- / EUR 90.- pro Person. Anmeldung bis am Vortag im Alpin Center (8F/111), 027 966 24 60 ab Klein Matterhorn

Viel Spass!

ej64
04.04.2003, 10:04
Ich glaube das siehst Du deutlich falsch. Eine Seilbahnfahrt ist kein Ersatz für eine Akklimatisation -- im Gegenteil: durch den schnellen Höhengewinn kann eine fehlende Akklimatisation viel gravierender zu Tage treten als ohne. Wenn die Kondition schlecht ist, kann ich durch eine Aufstiegshilfe was rausreissen -- nicht aber eine fehlende oder ungenügende Akklimatisation. Erfahrungsgemäß sind Kondition und Akklimatisation zwei völlig verschiedene Schuhe.

Ich selber habe schon gute Marathonläufer (2:40 h) von knapp 4000m runter geführt (weil sie dort physisch und psychisch kollabiert sind) unter Aufbietung von Psychologie und meiner ganzen Bergerfahrung -- und das war kein Spaß!

Gruß ej

Becks
04.04.2003, 10:45
@Ej:

Was machst Du im Sommer :) ? Ich will mal wieder 4000er besteigen und such noch nach Leuten die Zeit und Erfahrung haben.

Zur Akklimatisierung:
Dazu gibt es ne menge Literatur und Anleitungen vom DAV, an die kann man sich grob halten.

Auf den letzten Touren hab ich das folgendermaßen gemacht:
Christoph habe ich geschnappt und am ersten Tag nen 3000er besteigen lassen. Dann runter auf die Wiesbadner Hütte (2400 m) und ab da war 3000 m kein weiteren Problem mehr.
Tim bekam die Radikalkur *g* Bis auf 1800 m rauffahren, Aufstieg auf 3000 m, runter auf 2700 m und wieder rauf auf 2950 m. Das Ganze gegen Ende ziemlich langsam und schleppend, aber es ging. Abends Alkoholverbot und Verordnung: viel Wasser trinken. Am Tag 2 dann ne leichte Tour in dem Höhenbereich und am dritten Tag hätten wir weiter hochsteigen können, da hatte er dann keine Probleme mehr.

Zum Erhalt der Akklimatisation kann ich ej64 nur zustimmen. ich bin auch nur am WE im Gebirge, die restliche Zeit hock ich auf 480 m üNN rum. Und trotzdem hatte ich weder in der Silvretta noch am Clariden die geringsten Probleme. Am zwoten Tag bin ich da oben nen berg mal eben hochgerannt (wirklich gerannt), ohne Probs zu haben.



Zur Seilbahnfahrt:
Macht Euch doch nicht die ganzen Gipfel mit sowas kaputt. Breithorn hab ich mit 15 gemacht. Am ersten tag rauf auf die Gandegg. Alles zu Fuß, langsam aufgestiegen. Am Tag 2 dann Pollux & Breithorn und am Tag 3 dann wieder runter. Ging problemlos da wir die Wochen davor schon im Bereich 2500 - 3000 m an dem WE's unterwegs waren.
Mit Seilbahn wäre die Sache nicht halb so schön geworden.

Breithorn an und für sich: Bei Nebel ist die Orientierung da oben wie auf jedem großen flachen Schneefeld bescheiden bis beschissen. Ohne Kompaß und/oder GPS kann man nur darauf hoffen daß die Spuren nicht weggefegt sind. In Sicherheit und Risiko... (Schubert, Band I) ist z.B. ein Unfall am Breithorn beschrieben bei dem es ne große Seilschaft komplett erlegt hat. Die meisten Leute die da hochfahren kommen nur bis zur Betonkante der Bergstation, dann müssen se sich hinhocken. Schon 3600 m üNN sind hart, ohne Anpassung auf 4000 m hoch is hammer. Dominique kann ein Lied davon singen, ihn hat es auf 4500 m am dritten Tag erlegt während ich auf 4400 m im Aufstieg noch im Seil rumgehüpft bin und einen langasmeren Seilpartner den Hang hochgezogen habe.

So, jetzt ist mein Beitrag endlich völlig unsortiert und zerfurcht nachdem ich ihn an einigen Stellen umgeschrieben habe. Daher: ab damit... *klick*

Alex

Flachlandtiroler
04.04.2003, 12:03
@Becks:
wetterbedingt haben wir auch schon mal am zweiten Tag `nen 4000er gemacht und dafür vom Flachland weg die erste Nacht auf 3000m verbracht. Man muß halt _deutlich_ innerhalb seinen konditionellen Möglichkeiten bleiben.
Wenn Du "einen langasmeren Seilpartner den Hang hochgezogen" hast, hat er sich dabei wahrscheinlich übernommen.

@ej64:
Ich glaube, dass konditionsstarke Leute _ohne_ Höhenerfahrung geradezu anfälliger für Höhenprobleme sind. Die beißen lieber mal die Zähne zusammen, als sich abhängen zu lassen (hinterherlaufen sind sie ja nicht gewöhnt). Starke Anstrengung vermeiden ist aber entscheidend für gute Akklimatisation.

Saloon12yrd
04.04.2003, 12:19
Das Höhenanpassungsfähigkeit in keinerlei Zusammenhand mit Kondition steht ist soweit ich informiert bin immer noch medizinisches Faktum.

Sal-

Flachlandtiroler
04.04.2003, 12:35
Klar, es gibt keinen medizinischen Zusammenhang, aber die Verhaltensforschung könnte ja einen herstellen.

Jan
04.04.2003, 21:39
@ all: Das mit der Seilbahn war nicht ganz ernst gemeint :wink: . Ich dachte, das wäre klar.
Ich war nur schon dutzende male in Zermatt und auf dem Kleinen Matterhorn zum Ski-/Snowboardfahren und von dort ist es zum Breithorn fast nur noch ein Steinwurf bzw. Schneeballwurf. Wenn man keine Übung hat merkt man auf dem Kleinen Matterhorn schon jede Treppenstufe, von daher ist Akklimatisation super wichtig.

gregor
05.04.2003, 23:29
Höhenanpassungsprobleme schwächen auch die Kondition! In Tibet hatten wir (gut trainiert) anfangs einen Ruhepuls von 90, untrainierte von bis zu 120! Training/Kondition ersetzt nicht Akklimatisation, aber erleichtert physische Betätigung während dieser (und darum kommt man fast nie herum).
Es mag sein, daß man in den Alpen seine Ziele langsamer und mühseliger ohne Akkl. erreicht, aber es geht auch ohne wenn man auf seinen Körper (vor allem Puls) hört. Und da ist Kondition und Augenmaß (und keine Eile) entscheidend.
Zumindest ist es nicht im medizinischen Sinne riskant (ganz im Gegensatz zu Gebirgen wo man sich lange- Übernachtung! in großer Höhe aufhält und zügiger Notabstieg nicht möglich ist).

Gruß, Gregor