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Tomscout
14.11.2006, 12:32
Region/Kontinent: Südamerika

(Fotos siehe links am Ende)

TAG 1
Während unseres Aufenthaltes in Bolivien wohnen wir bei Marc und Jesmmy (Er echter Bremer & mein Bruder im Geiste, sie echte Bolivianerin), die 2 Tage vor dieser Tour auf dem Chorro geheiratet haben. DAS nenne ich mal eine Hochzeitsreise!

Wir starten früh morgens gegen 0530 Uhr und werden von einem Taxi bei Marc und Jesmmy zuhause abgeholt. Der gute Mann bringt uns in einen Nationalpark nördlich von La Paz; die Fahrt verläuft recht unaufregend, bis wir an eine Art Zollstation kommen. Ab hier beginnt der Nationalpark und die Passage mit dem Auto ist nur mit einer Genehmigung möglich. Der Fahrer hatte uns natürlich versichert, er habe eben diese Genehmigung, aber entweder hat er sie nicht oder dem Parkranger ist sie nicht ausreichend. Wir werden Zeuge einer echt bolivianischen Situation: der Ranger erklärt sich bereit, ganz unbürokratisch eine mündliche Genehmigung zu erteilen, sofern wir eine "Sondergebühr" direkt an ihn bezahlen. Die landet natürlich samt und sonder in seiner höchsteigenen Gebührenkasse. Also ziehen wir 10 USD aus der Tasche, bezahlen und dürfen weiter. Wenig später erreichen wir unser Ziel: eine Hütte der Parkverwaltung, in der wir uns in ein Buch eintragen müssen. Von hier an geht es endlich zu Fuß weiter - der zu überquerende Pass ist etwa 800m entfernt, allerdings inklusive geschätzten 200 Höhenmetern. "Pipifax", denkt sich der geneigte Trekker und jagt los, zumal es schweinekalt ist und ein unerbittlicher Wind pfeift.

Wir merken sehr schnell (nach ca. 100 Metern), daß wir auf etwa 4600 Metern sind, denn meine Pumpe bollert wie verrückt. Nach etwa 20 Minuten sind wir aber am Pass angekommen und blicken ins Tal - ein toller Anblick: unser Weg schlängelt sich durch Täler der umliegenden, verschneiten 6000er. Ab jetzt gehe es nur noch bergab, so verkündet Marc, und wir sollen später feststellen, daß er dreist gelogen hat. Ein Mitglied unserer Vierergruppe, welchen unerkannt bleiben möchte, weiht erstmal einen der großen Felsblöcke ein und erklärt diesen zur "Sperrzone wegen ABC-Alarm" und zwar für mindestens eine Woche. Egal, wir wollen eh los.

Der Weg verläuft zunächst genau am Abgrund entlang und wir kommen rasch vorwärts. Unglaublich, daß die Indios diese teils sehr steilen Fußwege seit Jahrhunderten benutzen, denke ich und schon kommt uns eine Karawane von Indios samt Lamas entgegen. Jesmmy unterhält sich kurz mit ihnen, wir geben den Kindern je ein Bonbon und gehen weiter. Nach etwa 2 Stunden erreichen wir eine alte Inka-Ruine, die wir bereits seit 1 Stunde von oben sehen konnten und aus zwei ehemaligen Gebäuden besteht.

Wir ziehen in eine der Ruinen ein, schlagen hier unser Pausenlager auf und setzen das erste Süppchen auf. Während es vor sich hin köchelt, erkunden wir die Ruine und finden in der Umgebung diverse kleine Haufen, die bei näherer Betrachtung keinen Zweifel zulassen: wir haben uns natürlich die FASLCHE der beiden Ruinen zum Pausieren aus gesucht. Egal - das Wetter ist traumhaft und der Ausblick noch besser. Der Weg führt uns weiter entlang eines Flusses und die Höhenmeter lassen wir hinter uns. Je weiter wir kommen, desto wärmer wird es, die strahlende Sonne tut ihr übriges, um uns ins Schwitzen zu bringen.

Nach ca. 3 Stunden wird der Trampelpfad zu einem gepflasterten Weg - diese Steine wurden tatsächlich vor Jahrhunderten hier plaziert; ich versuche mir vorzustellen, wer hier wann und warum schon diesen Weg gegangen sein mag. Leider ist es äußerst anstrengend hier zu laufen, denn die Steine bilden keine einheitliche Oberfläche. Beim Laufen kann man sich keine Unaufmerksamkeit leisten, sonst ist ein Umknicken oder schlimmeres fast vorprogrammiert.

An einer Art bewirtschafteten Schutzhütte treffen wir auch andere Backpacker, die allerdings eine geführte Tour machen und von einem eigenen Koch begleitet werden, der gerade das Essen zubereitet. Auch wir machen eine kurze Pause und ich bin froh, nur mit meinen Freunden unterwegs zu sein: eine gebuchte Tour schmälert das persönliche Empfinden -zumindest meines- von Abenteuer irgendwie.

Der Bach, der neben unserem Weg dahinplätschert, verbreitert sich merklich und ist nach weiteren 2 Stunden zu einem respekteinflössendem Bergfluss angewachsen. Wir durchqueren ein paar Dörfer, die diesen Namen kaum verdienen: ein paar Hütten mitten im Nirgendwo, mit der Aussenwelt nur durch diesen Trail verbunden. Ein alter Mann hält uns in einem dieser Dörfer an und verlangt Wegezoll. Da Jesmmy und Marc hinter Albi und mir geblieben sind und erst in ein paar Minuten hier eintrudeln, gestaltet sich eine Diskussion über die Legalität einer soclehn Forderung schwierig.

Wir verstehen durch seine Gestik zwar, was er will, sein Verständnis über unser Unverständnis hält sich aber schwer in Grenzen. Endlich kommen die beiden angetrabt und Jesmmy diskutiert sofort mit dem selbsternannten Zöllner. Man einigt sich schliesslich: Jes drückt ihm einfach 15 Bolivianos in die Hand und geht weiter. Der gute Mann lamentiert lauthals bis Jes ihm äußerst nachdrücklich zu verstehen gibt, daß "nun Feierabend ist und wir keine dämlichen Touris seien (ach - nicht?), die man über den Tisch ziehen kann". Zumindest sagt sie, sie hätte dies gesagt. Ruhe ist's und weiter geht's.

Etwa 30 Minuten hinter dem Zöllnerdorf suchen wir uns eine Stelle für unser Lager; vom Weg aus sehen wir ein flaches Plateau am anderen Ufer, das uns geeignet scheint. Wir durchqueren den Fluss und schlagen unsere Zelte auf. Ein kurzer Blick, und der Donnerbalken wird örtlich bestimmt - ein zweiter Blick und wir sehen, daß überall trockener Tierkot (von Eseln, sagt Marc) herumliegt. Marc und ich schauen uns an - zwei alte Pfadfinder, ein Gedanke: Kochen auf Kacke.

Das Ergebnis ist eher ernüchternd - es glimmt, aber brennt nicht richtig; trotzdem ist es natürlich sehr pfadfinderisch, urig dazu und die Suppe bekommen wir allemal damit warm.

Wir verweilen noch ein wenig am Kack-Feuer (höhö) und gehen dann schlafen... Die Stiefel kommen mit ins Zelt, um am nächsten morgen keine ungebetenen Gäste in selbigen zu finden; Schlangen und Skorpione seien hier nicht ungewöhnlich, so Marc. Gute Nacht.

TAG 2
Nach einer Wäsche am Fluss am nächsten Morgen packen wir unsere Zelte ein und begeben uns wieder ans andere Ufer. Die Vegetation ändert sich merklich, es wird grüner - SEHR grün. Hatten wir am Abend zuvor noch Mühe, ein paar Äste für's Feuer zusammen zu suchen, kommen wir nun den Subtropen Schritt für Schritt näher. Entsprechend warm ist es auch, also verschwinden Fleece und Mütze im Rucksack. Der Trail schlängelt sich meist auf halber Höhe der Bergketten entlang; ganz schön schlau, die alten Inkas. Von hier hat man einen grandiosen Überblick und ist trotzdem weder vom Fuß des Berges noch vom nächsten Pass zu weit entfernt - strategisch klug. Wir müssen den Fluss diverse Male über grioße Hängebrücken queren - stilecht, Indy Jones hätte es nichgt anders gemacht. Allerdings sind diese Brücken recht neu, so daß es gefährlicher aussieht als es ist. Nach einem langegezogenen Abstieg folgt ein knackiger Aufstieg: die sogenannte Teufelstreppe, wie uns Jesmmy verkündet. So teuflisch sieht sie gar nicht aus, denke ich. Ist sie aber: zum einen, weil sie kein Ende nehmen will und zu anderen, weil die Stufen exakt 3 meiner Schrittlängen auseinander liegen. Das heißt, ich muss jede Stufe mit dem gleichen Fuß betreten; das höst sich unspektakulär an, aber wenn man 45 Minuten seinen Körper (ca. 90 kg) plus Gepäck (ca. 15 kg) mit dem gleichen Fuß stemmt, dann geht das auf die Hüfte. Ich fluche wie ein Seemann. Irgendwann aber ist auch der Aufstieg geschafft und wir nähern uns dem nächsten Etappenziel: San Francisco. Dieses Ziel stellt sich Ansammlung von 3 Hütten heraus, die umgeben sind von einer Bananenplantage. Ich frage mich, wie die Einheimischen die Felder bewirtschaften, denn diese sind natürlkich an den Berghängen, die steiler sind als sie aussehen.

In San Francisco legen wir eine Pause ein und ein kleines Männchen lugt aus einem Bretterverschlag hervor. Ich gehe hin, sage freundlich "hola" und stelle fest, daß dies hier wohl der örtliche Kiosk ist: ein paar Colaflaschen unbekannten Herstellungsdatums stehen ausgeblichen auf einem Brett und daneben: Zigaretten. Weltklasse! Eigentlich wollte ich mal gesund leben, zumindest auf dem Chorro, aber ich hab Schmacht. Also frage ich, was er denn für eine der beiden Schachtel haben will: er überlegt ausgiebig, wägt wohl innerlich eine Verkaufskalkulation ab und macht mir ein gewagtes Angebot: 7 Bolivianos (ca. 0,70 Euro) Ich gebe ihm 10 und weil er nicht wechseln kann, stimmt es so. Ich vermute, die Kippen wurden zu Zeiten Che's hergestellt, denn genau so schmecken sie - ein Traum, solche Männerfluppen. Nach einer halben Stunde und 2 Zichten geht es weiter, wir verlieren mächtig Höhenmeter und der Trail schlängelt sich nach und nach durch den Urwald. Manchmal ist der Weg nur zu erahnen, und dies zuammen mit der Kulisse und den dazugehörigen Urwalgeräuschen ist schwer beeindruckend. Am späten Nachmittag erreichen wir ein weiteres kleines Dorf, welches fast an ein Bergdorf im Allgäu erinnert: schöne, gepflegte Hütte umrahmt von gewaltigen Bergen und grün, wohin das Auge blickt. Da oben, sagt Marc und zeigt auf einen direkt vor uns liegenden Berg, sei ein nettes Plätzchen zum Zelten. Noch etwa 30 Minuten seien es. Nun gut. Anscheinend ist der gute Marc schon so lange hier in Bolivien, daß er sich dem Zeitempfinden der Einheimischen angepasst hat: nach 1 1/2 Stunden wirklich knackigen Aufstiegs - es mittlerweile stockduster - finden wir das versprochene Plateau und stellen unsere Zelte auf. Essen, rauchen, dem-Ruf-der-Natur-folgen-und-nicht-in-die-Antworten-der-anderen-latschen, dann ab in den Schlafsack.

TAG 3
Heute werden wir Coroico erreichen, das Ziel unseres Trails. Bis dahin sind es aber noch etliche Kilometer und wir machen uns gegen 10 Uhr auf den Weg. Wieter geht es durch den Urwald und wenn man nicht nur auf den Weg schaut, so sieht man dann und wann alte Ruinen, die der Regenwald sich einverleibt hat. Wahrscheinlich sind wir schon an diversen solcher Ruinen vorbeigelaufen, ohne sie zu bemerken. Albi läuft ganz hinten und ich verlasse mich darauf, daß er (der schon seit dem ersten Tag auf Ruinen geiert), sie fotografiert; Pustekucken, Albi hat sie leider gar nicht bemerkt und somit keine Fotos gemacht. Der Trail wird im Laufe des Nachmittages sehr eintönig und bedrückend dazu: wir laufen die letzten 2 bis 3 Stunden durch und über verbrannte Erde. Ganze Berghänge sind völlig abgebrannt und von dem beeindruckendem Grün ist nichts mehr zu sehen. Es sieht fürchterlich aus und hier bekommt man ein Gefühl dafür, wie sehr man die Natur als selbstverständlich ansieht. Eine außer Kontrolle geratene Brandrodung eines Bauers soll dafür verantwortlich sein, erfahren wir später. Trotz der fürchterlichen Auswirkungen dieser versuchten Brandrodung verkneifen wir uns alle eine innerliche Verurteilung; denn wer hier war weiß: die Menschen, die hier leben, haben keine große Auswahl, wie sie ihr Überleben sichern können.

Es wird rasch dunkel und Jesmmy ist langsam am Ende ihrer Kräfte, wir drei Männer wechseln uns ab und einer von uns geht immer neben bzw hinter ihr, sowohl zur molalischen Unterstützung als auch zum Antreiben.

Gegen 20 Uhr erreichen wir das Ende des Trails, es ist ein größeres Dorf mit Straßenanbindung nach Coroico. Wir genehmigen uns beim örtlichen Kaufmann ein Bier, organisieren ein Fahrer samt Jeep, der uns nach Coroico bringen soll und treffen dort auch gegen 21.30 Uhr ein. Es ist geschafft: der Chorro liegt hinter uns. Einer der beeindruckensten Hajks (wie wir Pfadfinder sagen), den ich je gemacht habe.

Zu den Fotos: http://www.tomscout.de/Bolivia%20Chorro.html
[/ot]

Tomscout
14.11.2006, 12:32
(Fotos siehe links am Ende)

TAG 1
Während unseres Aufenthaltes in Bolivien wohnen wir bei Marc und Jesmmy (Er echter Bremer & mein Bruder im Geiste, sie echte Bolivianerin), die 2 Tage vor dieser Tour auf dem Chorro geheiratet haben. DAS nenne ich mal eine Hochzeitsreise!

Wir starten früh morgens gegen 0530 Uhr und werden von einem Taxi bei Marc und Jesmmy zuhause abgeholt. Der gute Mann bringt uns in einen Nationalpark nördlich von La Paz; die Fahrt verläuft recht unaufregend, bis wir an eine Art Zollstation kommen. Ab hier beginnt der Nationalpark und die Passage mit dem Auto ist nur mit einer Genehmigung möglich. Der Fahrer hatte uns natürlich versichert, er habe eben diese Genehmigung, aber entweder hat er sie nicht oder dem Parkranger ist sie nicht ausreichend. Wir werden Zeuge einer echt bolivianischen Situation: der Ranger erklärt sich bereit, ganz unbürokratisch eine mündliche Genehmigung zu erteilen, sofern wir eine "Sondergebühr" direkt an ihn bezahlen. Die landet natürlich samt und sonder in seiner höchsteigenen Gebührenkasse. Also ziehen wir 10 USD aus der Tasche, bezahlen und dürfen weiter. Wenig später erreichen wir unser Ziel: eine Hütte der Parkverwaltung, in der wir uns in ein Buch eintragen müssen. Von hier an geht es endlich zu Fuß weiter - der zu überquerende Pass ist etwa 800m entfernt, allerdings inklusive geschätzten 200 Höhenmetern. "Pipifax", denkt sich der geneigte Trekker und jagt los, zumal es schweinekalt ist und ein unerbittlicher Wind pfeift.

Wir merken sehr schnell (nach ca. 100 Metern), daß wir auf etwa 4600 Metern sind, denn meine Pumpe bollert wie verrückt. Nach etwa 20 Minuten sind wir aber am Pass angekommen und blicken ins Tal - ein toller Anblick: unser Weg schlängelt sich durch Täler der umliegenden, verschneiten 6000er. Ab jetzt gehe es nur noch bergab, so verkündet Marc, und wir sollen später feststellen, daß er dreist gelogen hat. Ein Mitglied unserer Vierergruppe, welchen unerkannt bleiben möchte, weiht erstmal einen der großen Felsblöcke ein und erklärt diesen zur "Sperrzone wegen ABC-Alarm" und zwar für mindestens eine Woche. Egal, wir wollen eh los.

Der Weg verläuft zunächst genau am Abgrund entlang und wir kommen rasch vorwärts. Unglaublich, daß die Indios diese teils sehr steilen Fußwege seit Jahrhunderten benutzen, denke ich und schon kommt uns eine Karawane von Indios samt Lamas entgegen. Jesmmy unterhält sich kurz mit ihnen, wir geben den Kindern je ein Bonbon und gehen weiter. Nach etwa 2 Stunden erreichen wir eine alte Inka-Ruine, die wir bereits seit 1 Stunde von oben sehen konnten und aus zwei ehemaligen Gebäuden besteht.

Wir ziehen in eine der Ruinen ein, schlagen hier unser Pausenlager auf und setzen das erste Süppchen auf. Während es vor sich hin köchelt, erkunden wir die Ruine und finden in der Umgebung diverse kleine Haufen, die bei näherer Betrachtung keinen Zweifel zulassen: wir haben uns natürlich die FASLCHE der beiden Ruinen zum Pausieren aus gesucht. Egal - das Wetter ist traumhaft und der Ausblick noch besser. Der Weg führt uns weiter entlang eines Flusses und die Höhenmeter lassen wir hinter uns. Je weiter wir kommen, desto wärmer wird es, die strahlende Sonne tut ihr übriges, um uns ins Schwitzen zu bringen.

Nach ca. 3 Stunden wird der Trampelpfad zu einem gepflasterten Weg - diese Steine wurden tatsächlich vor Jahrhunderten hier plaziert; ich versuche mir vorzustellen, wer hier wann und warum schon diesen Weg gegangen sein mag. Leider ist es äußerst anstrengend hier zu laufen, denn die Steine bilden keine einheitliche Oberfläche. Beim Laufen kann man sich keine Unaufmerksamkeit leisten, sonst ist ein Umknicken oder schlimmeres fast vorprogrammiert.

An einer Art bewirtschafteten Schutzhütte treffen wir auch andere Backpacker, die allerdings eine geführte Tour machen und von einem eigenen Koch begleitet werden, der gerade das Essen zubereitet. Auch wir machen eine kurze Pause und ich bin froh, nur mit meinen Freunden unterwegs zu sein: eine gebuchte Tour schmälert das persönliche Empfinden -zumindest meines- von Abenteuer irgendwie.

Der Bach, der neben unserem Weg dahinplätschert, verbreitert sich merklich und ist nach weiteren 2 Stunden zu einem respekteinflössendem Bergfluss angewachsen. Wir durchqueren ein paar Dörfer, die diesen Namen kaum verdienen: ein paar Hütten mitten im Nirgendwo, mit der Aussenwelt nur durch diesen Trail verbunden. Ein alter Mann hält uns in einem dieser Dörfer an und verlangt Wegezoll. Da Jesmmy und Marc hinter Albi und mir geblieben sind und erst in ein paar Minuten hier eintrudeln, gestaltet sich eine Diskussion über die Legalität einer soclehn Forderung schwierig.

Wir verstehen durch seine Gestik zwar, was er will, sein Verständnis über unser Unverständnis hält sich aber schwer in Grenzen. Endlich kommen die beiden angetrabt und Jesmmy diskutiert sofort mit dem selbsternannten Zöllner. Man einigt sich schliesslich: Jes drückt ihm einfach 15 Bolivianos in die Hand und geht weiter. Der gute Mann lamentiert lauthals bis Jes ihm äußerst nachdrücklich zu verstehen gibt, daß "nun Feierabend ist und wir keine dämlichen Touris seien (ach - nicht?), die man über den Tisch ziehen kann". Zumindest sagt sie, sie hätte dies gesagt. Ruhe ist's und weiter geht's.

Etwa 30 Minuten hinter dem Zöllnerdorf suchen wir uns eine Stelle für unser Lager; vom Weg aus sehen wir ein flaches Plateau am anderen Ufer, das uns geeignet scheint. Wir durchqueren den Fluss und schlagen unsere Zelte auf. Ein kurzer Blick, und der Donnerbalken wird örtlich bestimmt - ein zweiter Blick und wir sehen, daß überall trockener Tierkot (von Eseln, sagt Marc) herumliegt. Marc und ich schauen uns an - zwei alte Pfadfinder, ein Gedanke: Kochen auf Kacke.

Das Ergebnis ist eher ernüchternd - es glimmt, aber brennt nicht richtig; trotzdem ist es natürlich sehr pfadfinderisch, urig dazu und die Suppe bekommen wir allemal damit warm.

Wir verweilen noch ein wenig am Kack-Feuer (höhö) und gehen dann schlafen... Die Stiefel kommen mit ins Zelt, um am nächsten morgen keine ungebetenen Gäste in selbigen zu finden; Schlangen und Skorpione seien hier nicht ungewöhnlich, so Marc. Gute Nacht.

TAG 2
Nach einer Wäsche am Fluss am nächsten Morgen packen wir unsere Zelte ein und begeben uns wieder ans andere Ufer. Die Vegetation ändert sich merklich, es wird grüner - SEHR grün. Hatten wir am Abend zuvor noch Mühe, ein paar Äste für's Feuer zusammen zu suchen, kommen wir nun den Subtropen Schritt für Schritt näher. Entsprechend warm ist es auch, also verschwinden Fleece und Mütze im Rucksack. Der Trail schlängelt sich meist auf halber Höhe der Bergketten entlang; ganz schön schlau, die alten Inkas. Von hier hat man einen grandiosen Überblick und ist trotzdem weder vom Fuß des Berges noch vom nächsten Pass zu weit entfernt - strategisch klug. Wir müssen den Fluss diverse Male über grioße Hängebrücken queren - stilecht, Indy Jones hätte es nichgt anders gemacht. Allerdings sind diese Brücken recht neu, so daß es gefährlicher aussieht als es ist. Nach einem langegezogenen Abstieg folgt ein knackiger Aufstieg: die sogenannte Teufelstreppe, wie uns Jesmmy verkündet. So teuflisch sieht sie gar nicht aus, denke ich. Ist sie aber: zum einen, weil sie kein Ende nehmen will und zu anderen, weil die Stufen exakt 3 meiner Schrittlängen auseinander liegen. Das heißt, ich muss jede Stufe mit dem gleichen Fuß betreten; das höst sich unspektakulär an, aber wenn man 45 Minuten seinen Körper (ca. 90 kg) plus Gepäck (ca. 15 kg) mit dem gleichen Fuß stemmt, dann geht das auf die Hüfte. Ich fluche wie ein Seemann. Irgendwann aber ist auch der Aufstieg geschafft und wir nähern uns dem nächsten Etappenziel: San Francisco. Dieses Ziel stellt sich Ansammlung von 3 Hütten heraus, die umgeben sind von einer Bananenplantage. Ich frage mich, wie die Einheimischen die Felder bewirtschaften, denn diese sind natürlkich an den Berghängen, die steiler sind als sie aussehen.

In San Francisco legen wir eine Pause ein und ein kleines Männchen lugt aus einem Bretterverschlag hervor. Ich gehe hin, sage freundlich "hola" und stelle fest, daß dies hier wohl der örtliche Kiosk ist: ein paar Colaflaschen unbekannten Herstellungsdatums stehen ausgeblichen auf einem Brett und daneben: Zigaretten. Weltklasse! Eigentlich wollte ich mal gesund leben, zumindest auf dem Chorro, aber ich hab Schmacht. Also frage ich, was er denn für eine der beiden Schachtel haben will: er überlegt ausgiebig, wägt wohl innerlich eine Verkaufskalkulation ab und macht mir ein gewagtes Angebot: 7 Bolivianos (ca. 0,70 Euro) Ich gebe ihm 10 und weil er nicht wechseln kann, stimmt es so. Ich vermute, die Kippen wurden zu Zeiten Che's hergestellt, denn genau so schmecken sie - ein Traum, solche Männerfluppen. Nach einer halben Stunde und 2 Zichten geht es weiter, wir verlieren mächtig Höhenmeter und der Trail schlängelt sich nach und nach durch den Urwald. Manchmal ist der Weg nur zu erahnen, und dies zuammen mit der Kulisse und den dazugehörigen Urwalgeräuschen ist schwer beeindruckend. Am späten Nachmittag erreichen wir ein weiteres kleines Dorf, welches fast an ein Bergdorf im Allgäu erinnert: schöne, gepflegte Hütte umrahmt von gewaltigen Bergen und grün, wohin das Auge blickt. Da oben, sagt Marc und zeigt auf einen direkt vor uns liegenden Berg, sei ein nettes Plätzchen zum Zelten. Noch etwa 30 Minuten seien es. Nun gut. Anscheinend ist der gute Marc schon so lange hier in Bolivien, daß er sich dem Zeitempfinden der Einheimischen angepasst hat: nach 1 1/2 Stunden wirklich knackigen Aufstiegs - es mittlerweile stockduster - finden wir das versprochene Plateau und stellen unsere Zelte auf. Essen, rauchen, dem-Ruf-der-Natur-folgen-und-nicht-in-die-Antworten-der-anderen-latschen, dann ab in den Schlafsack.

TAG 3
Heute werden wir Coroico erreichen, das Ziel unseres Trails. Bis dahin sind es aber noch etliche Kilometer und wir machen uns gegen 10 Uhr auf den Weg. Wieter geht es durch den Urwald und wenn man nicht nur auf den Weg schaut, so sieht man dann und wann alte Ruinen, die der Regenwald sich einverleibt hat. Wahrscheinlich sind wir schon an diversen solcher Ruinen vorbeigelaufen, ohne sie zu bemerken. Albi läuft ganz hinten und ich verlasse mich darauf, daß er (der schon seit dem ersten Tag auf Ruinen geiert), sie fotografiert; Pustekucken, Albi hat sie leider gar nicht bemerkt und somit keine Fotos gemacht. Der Trail wird im Laufe des Nachmittages sehr eintönig und bedrückend dazu: wir laufen die letzten 2 bis 3 Stunden durch und über verbrannte Erde. Ganze Berghänge sind völlig abgebrannt und von dem beeindruckendem Grün ist nichts mehr zu sehen. Es sieht fürchterlich aus und hier bekommt man ein Gefühl dafür, wie sehr man die Natur als selbstverständlich ansieht. Eine außer Kontrolle geratene Brandrodung eines Bauers soll dafür verantwortlich sein, erfahren wir später. Trotz der fürchterlichen Auswirkungen dieser versuchten Brandrodung verkneifen wir uns alle eine innerliche Verurteilung; denn wer hier war weiß: die Menschen, die hier leben, haben keine große Auswahl, wie sie ihr Überleben sichern können.

Es wird rasch dunkel und Jesmmy ist langsam am Ende ihrer Kräfte, wir drei Männer wechseln uns ab und einer von uns geht immer neben bzw hinter ihr, sowohl zur molalischen Unterstützung als auch zum Antreiben.

Gegen 20 Uhr erreichen wir das Ende des Trails, es ist ein größeres Dorf mit Straßenanbindung nach Coroico. Wir genehmigen uns beim örtlichen Kaufmann ein Bier, organisieren ein Fahrer samt Jeep, der uns nach Coroico bringen soll und treffen dort auch gegen 21.30 Uhr ein. Es ist geschafft: der Chorro liegt hinter uns. Einer der beeindruckensten Hajks (wie wir Pfadfinder sagen), den ich je gemacht habe.

Zu den Fotos: http://www.tomscout.de/Bolivia%20Chorro.html
[/ot]

Robiwahn
14.11.2006, 13:52
Moin Tom

Schöner Bericht, klasse Fotos.
Ich hatte ihn wie gesagt zweimal gemacht, beim zweiten Mal 3 Tage Dauerregen. Und ich hatte aus Gewichtsgründen nur ne Plane dabei :( Ist aber trotzdem sehr schön.
Oben der der Tranca habt ihr euch ganz schön abfetten lassen. Die eigentliche Schranke ist die Mautstelle, sieht auch so aus, wie man das aus Frankreich usw. kennt. Und dort zahlt man normal Maut, auch Taxis, die einen da hoch bringen. Aber max. 10 Bolis. Und dann geht die straße weiter in Richtung Coroico und das Wärterhäuschen steht direkt (200m) am Paß mit dem Kreuz und der Christusstatue (La Cumbre 4.700m) neben der Straße.
Sowie ich die Leute an der anderen Abzockstation im Dorf verstanden habe, soll das eine Gebühr sein, die vom Dorfkomitee erhoben wird, um den Weg zu unterhalten. Selbst wenn es nicht für die Wegeunterhaltung dient, ist das eine der wenigen Einnahmemöglichkeiten für die Dorfverwaltung und wird meist für halbwegs vernünftige Zwecke eingesetzt, zumindest steht sie theoretisch komplett dem ganzen Dorf zur Verfügung (bei uns gabs ne Quittung dazu). Auch die Familien wechseln sich immer mit der Eintreibung ab. Gabs bei uns im Tiefland auch so und auch meine ewigen und immer wiederkehrenden Diskussionen, das ich ja als DED-ler für die kleinen Bäuerlein arbeite und deshalb frei durch die Schranken muss, galten nicht.

Und ja, die Ansteige habens in sich, stimmt. Sind übrigens 2x jeweils ca. 170m, falls jemand diese Info zum moralischen Aufbau bei der Hälfte gebrauchen kann :wink: .

Und sachmal, wann wart ihr denn genau dort, vielleicht haben wir uns nur kurz verpasst. Als ich im September da durch bin, war der BRand auf dem unteren Stück gerade 2-3 Wochen her und ich hatte gehört, das das 2 Studenten/Schüler aus Dummdidelei gewesen seien, die später auch gefasst und verknackt worden. Hat mich auch sehr betrübt gemacht, als ich aber Ostern nochmal runter bin, war alles schon wieder ziemlich grün.

Grüße, Robert

Robiwahn
14.11.2006, 13:52
Moin Tom

Schöner Bericht, klasse Fotos.
Ich hatte ihn wie gesagt zweimal gemacht, beim zweiten Mal 3 Tage Dauerregen. Und ich hatte aus Gewichtsgründen nur ne Plane dabei :( Ist aber trotzdem sehr schön.
Oben der der Tranca habt ihr euch ganz schön abfetten lassen. Die eigentliche Schranke ist die Mautstelle, sieht auch so aus, wie man das aus Frankreich usw. kennt. Und dort zahlt man normal Maut, auch Taxis, die einen da hoch bringen. Aber max. 10 Bolis. Und dann geht die straße weiter in Richtung Coroico und das Wärterhäuschen steht direkt (200m) am Paß mit dem Kreuz und der Christusstatue (La Cumbre 4.700m) neben der Straße.
Sowie ich die Leute an der anderen Abzockstation im Dorf verstanden habe, soll das eine Gebühr sein, die vom Dorfkomitee erhoben wird, um den Weg zu unterhalten. Selbst wenn es nicht für die Wegeunterhaltung dient, ist das eine der wenigen Einnahmemöglichkeiten für die Dorfverwaltung und wird meist für halbwegs vernünftige Zwecke eingesetzt, zumindest steht sie theoretisch komplett dem ganzen Dorf zur Verfügung (bei uns gabs ne Quittung dazu). Auch die Familien wechseln sich immer mit der Eintreibung ab. Gabs bei uns im Tiefland auch so und auch meine ewigen und immer wiederkehrenden Diskussionen, das ich ja als DED-ler für die kleinen Bäuerlein arbeite und deshalb frei durch die Schranken muss, galten nicht.

Und ja, die Ansteige habens in sich, stimmt. Sind übrigens 2x jeweils ca. 170m, falls jemand diese Info zum moralischen Aufbau bei der Hälfte gebrauchen kann :wink: .

Und sachmal, wann wart ihr denn genau dort, vielleicht haben wir uns nur kurz verpasst. Als ich im September da durch bin, war der BRand auf dem unteren Stück gerade 2-3 Wochen her und ich hatte gehört, das das 2 Studenten/Schüler aus Dummdidelei gewesen seien, die später auch gefasst und verknackt worden. Hat mich auch sehr betrübt gemacht, als ich aber Ostern nochmal runter bin, war alles schon wieder ziemlich grün.

Grüße, Robert

Tomscout
14.11.2006, 14:30
Moin Robert!

Danke für's Lob - ist gar nicht so einfach, sich nochmal alles (vor allem in der richtigen Reihenfolge) ins Gedächtnis zu rufen.
Jetzt wo Du es sagst...diese Sache mit den Schülern haben wir auch gehört - also insgesamt 2 Versionen über den Grund des Brandes, aber die Menschen aus dem Dorf oberhalb von Coroico wussten nix genaues nich.
Wir haben uns anscheinend wirklich knapp verpasst, wir waren in der zweiten Augustwoche dort und der Brand soll damals erst ein paar Tage (?) her gewesen sein.

Was den Dorf-Zoll angeht: Jesmmy meinte, der Staat würde den Dörfern wegen ihrer abgeschiedenen Lage sowieso finanzielle Unterstützung zukommen lassen (keine Ahnung, ob das stimmt) und der Weg gehöre nun mal zum Staatsgebiet und sei kein Privatweg. Na, die Gebühr hat uns nicht arm und ihn nicht reich gemacht - verstehen kann ich sowas schon, gerade wenn man sieht, von wie wenig die Menschen leben müssen, aber man wird natürlich auch misstrauisch, wenn man an jeder dritten Ecke Bestechung und finanzielle Selbstjustiz sieht.
Das habe ich auch in Afrika gelernt: es geht nicht darum, daß ich eine "Gebühr" nicht zahlen kann oder will, sondern um die Frage, ob man damit nicht ein unrechtes System bzw Verhalten unterstützt. Natürlich ist es für Aussenstehende schwer zu durchschauen, was nun gerechtfertigt oder legal ist und was nicht.
Aber...solche Begebenheiten machen ja auch ein Stück weit den Reiz solcher Touren aus ;-)

Schönen Gruß, Tom
PS: Dann schau mal die Tage wieder rein, dann sollte ich den Bericht zum Huayna Potosi auch fertig haben :wink:

Tomscout
14.11.2006, 14:30
Moin Robert!

Danke für's Lob - ist gar nicht so einfach, sich nochmal alles (vor allem in der richtigen Reihenfolge) ins Gedächtnis zu rufen.
Jetzt wo Du es sagst...diese Sache mit den Schülern haben wir auch gehört - also insgesamt 2 Versionen über den Grund des Brandes, aber die Menschen aus dem Dorf oberhalb von Coroico wussten nix genaues nich.
Wir haben uns anscheinend wirklich knapp verpasst, wir waren in der zweiten Augustwoche dort und der Brand soll damals erst ein paar Tage (?) her gewesen sein.

Was den Dorf-Zoll angeht: Jesmmy meinte, der Staat würde den Dörfern wegen ihrer abgeschiedenen Lage sowieso finanzielle Unterstützung zukommen lassen (keine Ahnung, ob das stimmt) und der Weg gehöre nun mal zum Staatsgebiet und sei kein Privatweg. Na, die Gebühr hat uns nicht arm und ihn nicht reich gemacht - verstehen kann ich sowas schon, gerade wenn man sieht, von wie wenig die Menschen leben müssen, aber man wird natürlich auch misstrauisch, wenn man an jeder dritten Ecke Bestechung und finanzielle Selbstjustiz sieht.
Das habe ich auch in Afrika gelernt: es geht nicht darum, daß ich eine "Gebühr" nicht zahlen kann oder will, sondern um die Frage, ob man damit nicht ein unrechtes System bzw Verhalten unterstützt. Natürlich ist es für Aussenstehende schwer zu durchschauen, was nun gerechtfertigt oder legal ist und was nicht.
Aber...solche Begebenheiten machen ja auch ein Stück weit den Reiz solcher Touren aus ;-)

Schönen Gruß, Tom
PS: Dann schau mal die Tage wieder rein, dann sollte ich den Bericht zum Huayna Potosi auch fertig haben :wink:

Robiwahn
14.11.2006, 14:51
Moin Robert!

... es geht nicht darum, daß ich eine "Gebühr" nicht zahlen kann oder will, sondern um die Frage, ob man damit nicht ein unrechtes System bzw Verhalten unterstützt. Natürlich ist es für Aussenstehende schwer zu durchschauen, was nun gerechtfertigt oder legal ist und was nicht.
...

Jo, das ist das Problem, wie verhält man sich bei sowas. Zumal es ja um in unseren Augen verschwindend geringe Beträge geht. Und ganz wird es, wenn man versucht, bei den ganzen Organisationen und ihren Rechten/Zuständigkeiten usw. durchzusteigen. Prinzipiell sind die Bolis nämlich ziemlich gut dezentralisiert, aber das ist schon wieder übertrieben dort. Da gibts für alles und jeden ne Organisation.
Ähnliches Problem ist die Bettelei von kleinen Kindern in den Dörfern. Ihr hattet anscheinend nicht soviel damit zu tun, sonst hättest du vermutlich was geschrieben. Bei meinem 2. Mal hatte ich eine frisch gebackene Sozialwissenschaftlerin dabei, die 3 Wochen vorher ihre Mag.arbeit über Armut abgegeben hat. Wir hatten sehr intensive Diskussionen :roll: , ob sie den kleinen bettelnden Kindern am Wegesrand jetzt was geben darf/soll oder nicht.

Mir fällt es schwer, nichts zu tun/zu geben, aber ich denke, wenn man denen was gibt, gewöhnen sie sich daran und finden es lukrativer, zu betteln als zur Schule zu gehen und zu lernen. Was sich dann in meinen Augen im ganzen restlichen Leben fortsetzen kann. Meine Begleiterin wollte immer unbedingt was geben (aus Mitleid/Menschlichkeit) und wir haben dann irgendwann echt darüber gestritten.

Naja, egal, freu mich schon auf die Huayna-Fotos.

Grüße, Robert

Robiwahn
14.11.2006, 14:51
Moin Robert!

... es geht nicht darum, daß ich eine "Gebühr" nicht zahlen kann oder will, sondern um die Frage, ob man damit nicht ein unrechtes System bzw Verhalten unterstützt. Natürlich ist es für Aussenstehende schwer zu durchschauen, was nun gerechtfertigt oder legal ist und was nicht.
...

Jo, das ist das Problem, wie verhält man sich bei sowas. Zumal es ja um in unseren Augen verschwindend geringe Beträge geht. Und ganz wird es, wenn man versucht, bei den ganzen Organisationen und ihren Rechten/Zuständigkeiten usw. durchzusteigen. Prinzipiell sind die Bolis nämlich ziemlich gut dezentralisiert, aber das ist schon wieder übertrieben dort. Da gibts für alles und jeden ne Organisation.
Ähnliches Problem ist die Bettelei von kleinen Kindern in den Dörfern. Ihr hattet anscheinend nicht soviel damit zu tun, sonst hättest du vermutlich was geschrieben. Bei meinem 2. Mal hatte ich eine frisch gebackene Sozialwissenschaftlerin dabei, die 3 Wochen vorher ihre Mag.arbeit über Armut abgegeben hat. Wir hatten sehr intensive Diskussionen :roll: , ob sie den kleinen bettelnden Kindern am Wegesrand jetzt was geben darf/soll oder nicht.

Mir fällt es schwer, nichts zu tun/zu geben, aber ich denke, wenn man denen was gibt, gewöhnen sie sich daran und finden es lukrativer, zu betteln als zur Schule zu gehen und zu lernen. Was sich dann in meinen Augen im ganzen restlichen Leben fortsetzen kann. Meine Begleiterin wollte immer unbedingt was geben (aus Mitleid/Menschlichkeit) und wir haben dann irgendwann echt darüber gestritten.

Naja, egal, freu mich schon auf die Huayna-Fotos.

Grüße, Robert

Tomscout
14.11.2006, 15:05
Genau das ist es. Also - ein Bonbon haben wir den Kleinen schon immer gegeben, aber keine Kohle.
2002 in Mali hatten wir das "Problem" auch, allerdings eher in städtischen Gebieten - im "middle of nowhere" waren die Menschen schlicht und einfach zu stolz, um zu betteln.
Einen interessanten Ansatz hat mir damals ein Kollege gegeben: wer Geld haben möchte, muss etwas dafür leisten.
Deswegen haben wir auch kiloweise Brot, Obst, Rüben und weissderGeierwas in den Dörfern am Strassenrand gekauft, aber nicht "nur so" etwas gegeben. Das war auch ein erstaunliches Erlebnis: ich kaufe einem Mädchen, vielleicht 12 Jahre alt einen Sack Nüsse ab und sie verlangt 30 CFA (glaube ich, aber der Betrag ist auch wurscht). Ich alter Touri-industriestaaten-Proll hab natürlich nur einen 100er und gebe ihn. Sie flitzt weg und ich denke "hehe, da freut sie sich aber über Ihr gutes Geschäft" - keine 15 Sekunden später sthet sie neben mir, zuppelt an mir rum damit ich mich ihr zuwende und sie gibt mir bis auf den letzten CFA das passende Wechselgeld. Ich war völlig überrascht, ehrlich gesagt und sie musst MICH fast überreden, das Wechselgeld zu nehmen... Da kann mal sehen: Ehrlichkeit und Anstand taucht überall auf... Vor allem, wenn man es nicht unbedingt erwartet.
Die Nüsse waren übrigens ausgezeichnet (hab ihr dann später noch nen zweiten Beutel abgekauft). :D

Ein paar Fotos vom H.P. findest Du schon hier:
http://www.tomscout.de/Bolivia%20Potosi.html

Tomscout
14.11.2006, 15:05
Genau das ist es. Also - ein Bonbon haben wir den Kleinen schon immer gegeben, aber keine Kohle.
2002 in Mali hatten wir das "Problem" auch, allerdings eher in städtischen Gebieten - im "middle of nowhere" waren die Menschen schlicht und einfach zu stolz, um zu betteln.
Einen interessanten Ansatz hat mir damals ein Kollege gegeben: wer Geld haben möchte, muss etwas dafür leisten.
Deswegen haben wir auch kiloweise Brot, Obst, Rüben und weissderGeierwas in den Dörfern am Strassenrand gekauft, aber nicht "nur so" etwas gegeben. Das war auch ein erstaunliches Erlebnis: ich kaufe einem Mädchen, vielleicht 12 Jahre alt einen Sack Nüsse ab und sie verlangt 30 CFA (glaube ich, aber der Betrag ist auch wurscht). Ich alter Touri-industriestaaten-Proll hab natürlich nur einen 100er und gebe ihn. Sie flitzt weg und ich denke "hehe, da freut sie sich aber über Ihr gutes Geschäft" - keine 15 Sekunden später sthet sie neben mir, zuppelt an mir rum damit ich mich ihr zuwende und sie gibt mir bis auf den letzten CFA das passende Wechselgeld. Ich war völlig überrascht, ehrlich gesagt und sie musst MICH fast überreden, das Wechselgeld zu nehmen... Da kann mal sehen: Ehrlichkeit und Anstand taucht überall auf... Vor allem, wenn man es nicht unbedingt erwartet.
Die Nüsse waren übrigens ausgezeichnet (hab ihr dann später noch nen zweiten Beutel abgekauft). :D

Ein paar Fotos vom H.P. findest Du schon hier:
http://www.tomscout.de/Bolivia%20Potosi.html

Robiwahn
14.11.2006, 15:12
Hihi, witzig, wir haben was ganz ähnliches gemacht. Und zwar hat weiter unten ein kleines Mädchen "Wanderstöcke" verkauft. Die haben sich zwar schon bei unseren Anblick verbogen, aber Franzi war beruhigt, das sie dem Mädel was gegeben hat, ich war beruhigt, das die Kleine nicht moralisch verdorben wurde und die Kleine hatte ein paar Bolis.
Und ich hatte gleich noch ein Beispiel für die danach folgende Diskussion über Globalisierung, HAndel usw.

Grüße, Robert, der noch nie einen philosophisch so anspruchsvollen Urlaub hatte.

Robiwahn
14.11.2006, 15:12
Hihi, witzig, wir haben was ganz ähnliches gemacht. Und zwar hat weiter unten ein kleines Mädchen "Wanderstöcke" verkauft. Die haben sich zwar schon bei unseren Anblick verbogen, aber Franzi war beruhigt, das sie dem Mädel was gegeben hat, ich war beruhigt, das die Kleine nicht moralisch verdorben wurde und die Kleine hatte ein paar Bolis.
Und ich hatte gleich noch ein Beispiel für die danach folgende Diskussion über Globalisierung, HAndel usw.

Grüße, Robert, der noch nie einen philosophisch so anspruchsvollen Urlaub hatte.

Tomscout
14.11.2006, 15:15
*lach* Klasse... hast Du die Stöcke noch?

Gruß, Tom (der sich durch solche Erfahrung wirklich moralisch etwas gewandelt hat - zum Positiven natürlich ;-) )

Tomscout
14.11.2006, 15:15
*lach* Klasse... hast Du die Stöcke noch?

Gruß, Tom (der sich durch solche Erfahrung wirklich moralisch etwas gewandelt hat - zum Positiven natürlich ;-) )