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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [US /CA] Seekajaken Glacierbay Nationalpark /Alaska + Photos



reiwa
06.11.2006, 18:16
Region/Kontinent: Nordamerika

Hallo ihr alle !

Wir waren im Mai/Juni dieses Jahr für längere Zeit in Alaska/Yukon/Northwest Teritorries unterwegs; sind in der Tundra gewandert, mit dem Allrad wilde Strecken gefahren, sind mit dem Ally (Faltboot) gepaddelt (hatten wir selbst mitgenommen) und haben uns (mein göttergatte und ich ganz allein) im Glacierbay Nationalpark für ne Woche ( 21. - 27. Mai) zum seekajaken aussetzten lassen - da waren dann außer uns nur Wale (ein Buckelwal hat gerade mal vielleicht 30 m neben dem Kajak geblasen) Robben, Seelöwen, Delphine, jede Menge Seevögel (Papageitaucher, Lummen.....) und ein BÄR!!- wir haben die ganze Woche keinen Menschen gesehen.
So und nachdem jetzt draußen immer schon bald Finsternis herrscht und die Zeit für Geschichten kommt - dacht ich mir ich erzähl euch unsere vom kajaken:

Nach dem Übernachten in einem wunderbaren Campground etwa 12 Meilen außerhalb von Skagway, dem Chilkoot Trailhead Campground welcher über eine sehr enge und schmale Straße entlang zweier Fjorde zu erreichen ist und direkt an einer Flussmündung liegt (bis Ende Mai war keine Gebühr zu entrichten), nahmen wir die Fähre nach Haines, welche wir bereits von zu Hause reserviert hatten. Die kurze Strecke führte durch einen Fjord, an dessen Ufern Wasserfälle ins Meer rauschten und man auch Wale beobachten konnte. Wir hatten traumhaftes Wetter, was jedoch - wie wir noch sehen sollten - in dieser Gegend offenbar immer mit fast stürmischem Wind verbunden ist.

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Nach der Ankunft in Haines suchten wird das Office der Skagwayair, bei welcher wir unseren Flug nach Gustavus ebenfalls von zu Hause schon gebucht hatten. Das kleine Büro lag in Richtung Flughafen etwas außerhalb von Downtown. Wir vereinbarten den Treffpunkt für 15.oo Uhr am Flughafen. Dort erwartete uns eine sechssitzige Winzigmaschine. Da wir mit einem Texaner, der Outdoorberichte fürs Fernsehen drehte, flogen und dieser neben unserer Riesenausrüstung (Essen, Kajakausrüstung etc für 1 Woche) seine Kameraausrüstung dabei hatte, mussten hinten die beiden letzen Sitze ausgebaut werden um uns unterzubringen. Der 45-minütige Flug war atemberaubend. Der Chilkoot River mündet bei Haines ins Meer, die Flussmündung an welcher auch der Flughafen liegt, wird Mud Bay genannt. Das zu Recht, denn bei Ebbe fällt das Flussdelta größtenteils trocken und wir starteten über einem sehr breiten sandigem Flussbett, welches von glänzenden Rinnsalen durchzogen und von Vogelschwärmen übersät war.
Entlang der steilabfallenden Ufer des Fjordes mit Blick auf den Rainbow und Davidson Gletscher, über Inseln und Flussdeltas ging es entlang eines Flusslaufes in die Berge. Von dort oben konnte man in etwa das Ausmaß der Wildnis erkennen, in die man sich begibt. Unser Flug führte uns auch entlang des East Arms der Glacier Bay über Adams Inlett und Sebree Island, sodass wir uns schon aus der Luft ansehen konnten, was uns für die nächsten 6 Tage zu Wasser erwartete.

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Am Flughafen in Gustavus, auf dessen Landebahn sich mehr Kanadagänse als Flugzeuge tummelten, wurden wir von Ed, unserem Kajakvermieter abgeholt. Übernachtet haben wird dann im Blue Heron, bei Charlie und Deb, welche beide wirklich mit Leib und Seele ihr BaB betreiben und wohl eines der umfangreichsten Frühstücke aller Zeiten bereiten (und dies auch um 5 Uhr früh, bevor man raus in den Nationalpark fährt). Das BaB liegt außerdem gleich neben Ed's Haus, sodass man nicht mit dem Auto zum Probepacken des Kajaks und zum Briefing etc. fahren muss. Das Probepacken schien übrigens bei einem Weißkopfseeadler auf großes Interesse zu stoßen, der saß da einfach am Baum und beobachtete uns mit großer Ausdauer dabei.
Bartlett Cove, welches eigentlich nur aus einer großen Lodge, einem kleinen Campingplatz und dem Nationalparkzentrum besteht, in welchem man ebenfalls eine Einführung machen muss um den Nationalpark zu besuchen, liegt ca. 10 Meilen außerhalb von Gustavus. Man hat die Möglichkeit mit einem Taxi hin und her zu kommen (und dabei Stachelschweine und Elche zu beobachten), auch gibt es Shuttlebusse der Lodge. Wir wurden meistens von Ed gefahren. Die Lodge ist sicher auch eine gute Möglichkeit um zu übernachten, vor allem spart man sich dann die Strecke zwischen Gustavus und Bartlett Cove, es ist jedoch nicht billig und vor allem hatte sie zum übernachten noch nicht geöffnet, als wir unseren Trip begannen. Zu Essen gabs allerdings schon und das ist auch empfehlenswert (kleine aber feine Speisekarte, nette Terrasse mit netter Aussicht über die Bucht und lizenziert - gibt es sonst in Gustavus nur noch einmal).

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Weiters gibt es in Bartlett Cove ein paar nette Spaziergänge und Rundwege durch nordpazifischen Regenwald. Dort begegnete uns auch gleich beim ersten Waldspaziergang in Kanada eine Schwarzbärin, welche auch noch drei Junge bei sich hatte !!!
Brav sich an die Anweisungen der Ranger haltend: laut sprechen - damit sie wissen, dass du ein Mensch bist (sehen können sie einen ja sehr schlecht) und langsam weggehen - nicht laufen; sie sind schneller (ca 50 km/h); haben wir uns dann vom Bären entfernt und mussten auf den Schrecken hin dann ein Bierchen in der Lodge zu uns nehmen, wobei wir in der Bucht als Draufgabe einen Seelöwen beim jagen und fressen beobachten konnten.


Am 22 Mai wars dann endlich soweit.
Mit der lodgeeigenen Baranoff Wind, mit dieser kann man zu Saisonbeginn jeden zweiten Tag und in der Hochsaison täglich eine 8-stündige Rundfahrt durch die Glacierbay buchen, welche von einer Rangerin des Nationalparks begleitet wird, was die Sache äußerst informativ macht, fuhren wir um 7 los. Wir mussten bereits um 6 Uhr da sein, weil vor den Passagieren unsere Ausrüstung an Bord verfrachtet wurde. Die Baranoff wird übrigens gleich von Ed mitgebucht, wenn man sich bei ihm ein Kajak ausborgt, da muss man sich also nicht selbst drum kümmern. Weiters funktioniert das mit der Baranoff derart, dass sie einen mit in die Glacierbay nimmt, an der gewünschten Ausstiegsstelle (2006 gabs nur 2 und die ändern sich jedes Jahr wegen Bärenaktivität oder Brut- und Kolonieverhalten von Vögel, Seelöwen, Robben und der Walaktivität) rauswirft und abholt. Am Tag an dem man abgeholt wird, macht man noch die gesamte Rundfahrt mit, wodurch man nicht nur den Teil der Glacierbay in welchem man mit dem Kajak unterwegs ist, sondern auch noch den restlichen Nationalpark sieht.
Unsere Ausstiegsstelle war Sebree Island und am Weg dorthin konnten wir einen Schwarzbären, mehrere Seeotter, zwei springende Wale, eine große Seelöwenkolonie, sowie Kolonien von Papageitauchern, Möwen und Seeschwalben bestaunen.
Als dann die Baranoff ablegte und außer Sicht kam und wir mit unserer Ausrüstung alleine in der Wildnis zurückgelassen wurden mischte sich zur Vorfreude und Abenteuerlust auch ein klein wenig ein mulmiges Gefühl, welches sich aber nach der ersten viertel Stunde im Kajak in ungläubiges Staunen auflöste, denn gleich nach dem Umrunden der Spitze von Sebree sahen wir einen fressenden Buckelwal quer über die Bucht auf uns zukommen, und als er dann gemächlich blasend lediglich 30 m von unserem Kajakt entfernt auftauchte und derart nahe war, dass man das öffnen und schließen der Blaslöcher sehen konnte und dieses unglaubliche Geräusch des Ein- und Ausatmens alle anderen Geräusche übertönte blieb uns einfach der Mund offen stehen.
Wir hatten bei unserem Trip leider die Gezeiten gegen uns. Nicht nur, dass wir den höchsten Tidenhub des Monats erwischt hatten ( 7 m !), sondern ist es auch so, dass die beste Zeit zum paddeln der Vormittag ist, da durch den gewaltigen Höhen- und Temperaturunterschied und die Gletscher (gleich aus Seehöhe schießen Berge von bis zu 3800 m aus dem Meer und die Gletscher kalben in die See) am Nachmittag starke Fallwinde aufkommen die aus den Fjorden seewärts blasen, besonders bei schönem Wetter machen diese das Fortkommen, (fjordeinwärts) gerade im Ostarm der Glacierbay, teils unmöglich. Wir hatten vormittags Ebbe, sodass wir zur besten Paddelzeit gegen diese und am Nachmittag gegen den Wind ankämpfen mussten. Was uns auch am ersten Tag schon früh am Nachmittag, weit vor unserem Etappenziel, dazu veranlasste unser Camp aufzuschlagen. Wir waren lediglich bis zur gegenüberliegenden Seite des Mt. Wright, bzw. des Muir Point gekommen. Die Campstelle war mehr als bestens geeignet. Es handelte sich um eine Landzunge (Kiesstrand) welche zum Teil bei Flut auch landwärts noch von Wasser umgeben war, was die Chance auf einen überraschend im Camp stehenden Bären doch sehr vermindert. An einem Ende mündete ein Bach ins Meer, und war somit auch das Frischwasser kein Problem, Treibholz zum kochen und fürs Lagerfeuer war ebenfalls ausreichend vorhanden. Es sollte für drei Nächte unsere Bleibe werden.

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Denn es legte sich der stürmische Wind auch über Nacht nicht und wir erwachten am nächsten Tag, aufgeweckt durch das sirren, flattern und schreien eines riesigen Schwarms Lummen, welcher sich vor "unserem" Strand niedergelassen hatte, zwar bei Kaiserwetter, aber der Sturm blies den ganzen Tag hindurch, sodass wir am Strand festsaßen, an paddeln war nicht zu denken. Gut - wir verbrachten den Tag damit, unsere Umgebung am Landweg zu erkunden. Wir wanderten im Flussbett, den Elchspuren folgend, welche wir morgens in der Nähe des Zeltes fanden, hinauf, bis es in einer Schlucht unwegsam wurde. Ansonsten blieben wird im Camp, genossen den Sonnenschein und kümmerten uns ums Campleben, was zugegeben wegen der Bären logistisch viel aufwendiger ist, als in Neuseeland oder Europa. Kochen in der Gezeitenzone, Verwahren der Lebensmittel in Bärenkanistern und dass auch mindestens 50 m vom Zelt entfernt, so legt man über den Tag verteilt doch einige Meter zurück….zumal sich dann das benötigte Salz sicher in dem Kanister befindet, denn man nicht zum Hobo-Ofen geschleppt hat.

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In der Nacht kam dann ein Wettersturz und es schneite fast bis zum Zelt…. Aber dafür war das Meer nächsten Tag so spiegelglatt wie man es von Fotos aus dieser Gegend kennt. Wir paddelten dick eingepackt am Nordufer bis zum Eingang des Adams Inletts. Entlang trafen wir auf einen Grizzly, viele Seeadler und eine Herde Robben, die neugierig aus nächster Nähe unsere Kajak begutachteten. Aber es war unangenehmst kalt und regnete. Zurück im Camp waren wir über ein Feuer und eine warme Suppe mehr als froh. Am späten Abend klarte es auf……doch die richtige Aufregung dieses Tages stand uns noch bevor. Beim Filtern des Wassers (ist in der Glacierbay notwendig, da in einigen Bächen das gemeine Beaver-Fever/Giardia lauert) brach plötzlich ein Stück bachaufwärts der Grizzly aus dem Wald - nunja - auch hier wieder laut reden - langsam entfernen und Gott sei dank schien er nicht wirklich interessiert an uns, er betrachtete uns zwar eine Weile lang, machte sich dann jedoch in Richtung Berge aus dem Staub.

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Da am vierten Tag wieder schönes Wetter war und auch der Wind wieder nicht lange auf sich warten ließ beschlossen wir nicht wie geplant weiter in den Ostarm hinein zu fahren, sondern uns im Hauptarm Richtung Norden noch umzusehen. Wir brachen unser Camp ab und paddelten los, rund um Caroline Point herum, die ganze Breite der Bucht war mit dem Lummenscharm übersät, diese flogen und schwammen um uns herum, auch der Wal lies sich - diesmal jedoch in einiger Entfernung - wieder blicken, sowie einige Delphine. Ein Stück nördlich von Sebree befinden sich zwei weitere kleine Inseln. Eine dieser Inseln wurde für die letzten beiden Nächte unser Campplatz. Auf beiden Inseln befanden sich Nester von Seeschwalben, Austernfischern, Dreizehenmöwen und Kittiwakes. Am vorletzten Tag machten wir uns auf, die Ostseite des Hauptarms zu erkunden, wir paddelten Richtung Norden, kamen an einem großen Bach-Delta vorbei, wo wir unser Frischwasser auffüllten und wirklich RIESIGE Bärenspuren fanden, am Nachmittag, als auch hier wieder der Wind begann, lagen wir, zurück auf der Insel, (man höre und staune !) wie Gott uns schuf im Mai in Alaska in der Sonne und holten uns einen Sonnenbrand.

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Am 27 Mai wurden wir um 9 Uhr von der Baranoff wieder abgeholt und machten die Rundfahrt mit. Die Fahrt hinauf bis zum nördlichsten Punkt und den Gletschern ist wie eine Reise zurück in der Zeit. Am Eingang der Glacierbay in Bartlett Cove befindet sich "alter" Regenwald, je weiter man in die Glacierbay hineinkommt umso jünger wird die Vegetation . Bis vor zweihundert Jahren war die gesamte Glacierbay mit bis zu 200 m dickem Eis bedeckt, seither ziehen sich die Gletscher immer weiter zurück und es kalben nur mehr wenige ins Meer. Am nördlichsten Ende beim Grand Pacific und Margerie Glacier liegt somit das Land erst seit ganz kurzer Zeit frei und findet man so gut wie keine Vegetation.
Wir haben zwar unser "Ziel" nicht erreicht, denn eigentlich wollten wir im Ostarm hoch bis zum Mc Bride Glacier, aber bei so einem Trip ist wirklich der Weg das Ziel. Man hat sich nach der Natur zu richten, man lebt in und mit der Natur, spielt das Wetter oder das Meer nicht mit, geht`s halt nicht…..aber die Begegnung mit dem Wildlife dort und das noch in der "Kulisse" - WOW - wir würdens jederzeit wieder machen, das Nächstemal auch sicher noch länger…..
Noch am selben Tag flogen wir zurück nach Haines - wehmütig, aber trotzdem wars ja erst der Anfang von unserer 6wöchigen Reise.

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damit auch noch andere hier drin platz finden....hab ich nicht alle photos hochgeladen .....gibt noch ne ganze menge davon auf unserer hp - könnt ja mal gucken
auch über andere teilabschnitte der reise könnt ihr was finden und vor allem ne menge links wenn ihr auch mal in die glacierbay wollt - war ne menge vorbereitung und wenns wen ganz brennend interessiert dann einfach bei mir melden....

schönen tag noch leute

grüße

ju

Sawyer
06.11.2006, 19:48
Holla,

da bekommt man direkt Lust den Krempel zu packen und einen Flug zu buchen :bg: . Wobei statt des Kajaks eine Pulka für die jetztige Jahreszeit angebrachter wäre.

Gruß Sawyer