PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Spitzbergen Sommer 2007



chris.mueller
24.09.2006, 11:34
Servus zusammen,

ich suche Tips für einen Spitzbergentrip (ca. 14 Tage). Wir sind zu zweit und haben einschlägige Skandinavienerfahrung (Lofoten, Wintertouren mit Ski und Schneeschuhen, Trekking in Jotungheimen, Alpen). Ist es generell möglich eine längere Tour (7-10 Tage) ohne größere Gletscherberührung zu machen? Was gibt es an besonderem Material einzupacken?

Viele Grüße

Christian

cd
24.09.2006, 12:36
Willkommen im Forum!

Nun, Spitzbergen ist wohl ein, zwei Nummern "extremer" als das übrige Skandinavien. Das dürfte dir bekannt sein.

Ich war selber noch nicht dort, hab mich aber schon näher damit beschäftig, im Hinblick auf ein eventuelles Auslandssemester und auch mit ner Doktorandin am Institut länger drüber gesprochen.

Bzgl Tourenmöglichkeiten ohne Gletscher lohnt sich ein Blick in Google Earth und Konsorten sowie auf Landkarten. u.U. wirst du dich tendenziell in Küstennähe halten müssen Aber da gibts sicher noch kompetentere Infos.

Allgemein denke ich, dass die Ausrüstung noch einen ganzen Tick "perfekter" sein sollte, als irgendwo in Skandinavien oder erst recht als in den Alpen. Denn es gibt abseits der Ortschaften wirklich keine Infrastruktur. Wenn du doch Hilfe brauchen würdest, müsstest du mit nem Notsender oder dem Sattelitentelefon (würd ich mir für ne Spitzbergentour glaub ich schon besorgen) Hilfe rufen.
Überhaupt gibt es nur ein relativ kleines Gebiet um Longyearbyen/Barentsburg/Sveagruva/Pyramiden sowie ein noch kleineres um Ny-Alesund, in dem man einfach so Touren machen darf. Für 7-10 Tage könnte dieses Gebiet aber reichen und Gletscher hats da auch nicht sooo viele. Darüberhinaus braucht man wohl Versicherungen, die auch sehr teure Bergungskosten decken, um überhaupt die Genehmigung zu kriegen. Nähere Infos gibts beim Sysslmannen pa Svalbard (http://www.sysselmannen.svalbard.no/).
Auch die Eisbären sind so ne Sache. Vermutlich hast du schon erfahren, dass es außerhalb von Ortschaften nicht nur sinnvoll ist eine Waffe mitzunehmen, nein, es ist PFLICHT. Und so ne Wumme mit Munition ist nicht ganz leicht. Aber bzgl Waffen gibts hier im Forum kompetentere Leute, ein paar Jäger. Aber auf jeden Fall ist es nicht damit getan, das Teil zu haben, man muss natürlich auch damit umgehen können, was Übung voraussetzt. Nen Eisbären abzuknallen ist übrigens an sich verboten und so ein Fall wird wohl ganz genau untersucht, ob man den Tod des Eisbären nicht hätte verhindern können. Und wenn die zu dem Schluss kommen, man hätte das Tier überleben lassen können, dann wirds wohl teuer.

Kennst du das Spitzbergen Handbuch (http://www.conrad-stein-verlag.de/progdisp.php3?cat=1&SESSION_ID=4vziCnI2KDNPv2bO2fbI#3893922822) von Andreas Umbreit?
Nun, es ist wohl das umfassendste Reisehandbuch über Spitzbergen in deutscher Sprache.
Allerdings ist es auch etwas umstritten: Der Autor ist selber Reiseveranstalter für Spitzbergenreisen. Da könnte man ihm eventuell die Absicht unterstellen, besonders intensiv für organisierte Touren einzutreten.
Außerdem scheint er das Eisbärenrisko auch sehr hervorzuheben, die Kapitel darüber und über Waffen fallen doch sehr umfangreich aus.
Ich denke, wenn man sich nicht nur darauf verlässt sondern auch andere Quellen heranzieht, wenn man die Infos auch kritisch betrachtet, bietet dieses Buch aber sicherlich einen sehr guten Überblick und sehr interessante Infos.


Bock auf ne Spitzbergentour hätt ich ja auch, aber Geld und Studium sprechen 2007 wohl sehr deutlich dagegen :cry: :wink:

chris

Sawyer
24.09.2006, 19:47
Mark Robertz aka maro (http://forum.outdoorseiten.net/profile.php?mode=viewprofile&u=119) arbeitet auf Spitzbergen als Guide bei einem Reiseveranstalter. Der kann Dir sicherlich hilfreiche Infos geben. Z.Z. dürfte er auch noch dort unterwegs sein, denn das letzte mal war er im Mai online :roll:

Das Buch von Andreas Umbreit habe ich auch und kann es nur empfehlen.

Sawyer

Kuckuck
24.09.2006, 22:10
Hallo allerseits,

ich war bisher 2x auf Spitsbergen und kann bestätigen, dass es weder klimatisch noch logistisch mit Skandinavien vergleichbar ist. Das Wandergebiet um Longyearbyen reicht kaum für 10 Tage. Außerdem wird der Ort regelmäßig von Kreuzfahrern angelaufen und kurze Zeit später von den Gästen geflutet. Der Campingplatz am Flughafen ist recht zugig und eine gute Stunde Fussmarsch vom Ort entfernt. Viele Bereiche sind nur mit dem Schiff zu erreichen. Es gibt allerdings außer zu den russischen Siedlungen kaum regelmäßige Verbindungen. Private Charter sind aus verschiedenen Gründen schwierig und nur bedingt zuverlässig.
Außerhalb von Longyearbyen gibt es keine Logistik - wirklich keine! Das gilt z.B. auch für Brücken. Jeder Fluss muß zu Fuss gequert werden. Noch mehr als Gletscher schränkt dies mögliche Aktivitäten ein. Schon das Adventdalen bei Longyearbyen ist zu Fuss ohne Waathose nicht querbar.
Erfahrene Spitsbergenfahrer lassen sich im Winter von befreundeten Norwegern mit dem Snowscooter Depots anlegen.
Wer das nicht auf sich nehmen möchte - einschließlich des Mieten eines Gewehres, Schießtraining etc. - ist bei einer geführten Tour vielleicht besser bedient. Und wer englisch spricht, kann auch auf norwegische Anbieter zurückgreifen. Ich persönlich würde - wenn es denn eine Reise auf eigene Faust sein soll - ca. 10 Aufenthalt in Longyearbyen mit entsprechenden Tagestouren in der durchaus reizvollen Umgebung empfehlen.

Har det bra!

Kuckuck

Menelaos
24.09.2006, 22:51
Das nenn ich mal einen Beitrag mit Informationsgehalt, super!
ICh selbst war auch noch nicht dort, habe aber eigentlich auch nicht die Absicht. Auf Vorträgen hab ich lediglich mitbekommen, dass sofort nach Verlassen der Ortschaft Eisbärenalarm gilt und man ohne Waffe eigentlich nicht auf eigene Faust losgehen sollte.
Kann das wer bestätigen?

Snuffy
24.09.2006, 22:53
Soweit ich weiß ist es gar verboten, bzw gilt Waffenpflicht.


Snuffy

Jakob
24.09.2006, 23:10
Außerdem scheint er das Eisbärenrisko auch sehr hervorzuheben, die Kapitel darüber und über Waffen fallen doch sehr umfangreich aus.

chris

Hallo

ich war vor 2 jahren ohne guide auf spitzbergen unterwegs. und ich muss sagen das mit dem eisbärenrisiko ist nicht übertrieben. wir hatten selber auf einer wanderung das "glück" das uns ein wenig scheuer eisbär in den weg kam. in dem moment hat man echt schiss auch wenn man bewaffnet ist. der bär hat sich auch wenig von uns beeindruckt gezeigt. wir konnten dann nicht sehen wohin der bär läuft und so sind wir vorsichtshalber wieder über die berge zurück gelaufen. ich schätze die eisbären als das größtes "problem" für so ne tour ein.
http://bike-nord.de/groenland_spitzbergen/spitz11.jpg
vom gelände her ist es schon anspruchsvoll aber nicht zu extrem. kenne selber in nordskandinavien nur den abisko nationalpark und fand es auf spitzbergen nicht wesentlich anspruchsvoller. es gibt um longyearbyen genug wandermöglichkeiten auch für längere touren bei denen keine gletscher zu queren sind. furten können ein problem sein aber wenn man sich im voraus informiert über günstige furtstellen ist es machbar. reserviert euch im voraus auf jeden fall ne waffe, im sommer bekommt ihr sonst schwer ein geliehen. zu leihen gibts aber nur echte wehrmachtskarabiner noch mit hakenkreuz auf der waffe. versucht auch so einen stolperdraht mit kleinen signalkörpern den man nachts um zelt spannt zu organisieren. das lässt euch auf jeden fall ruhiger schlafen.
von klamotten einfach etwas wärmeres mitnehmen. auch im juli/august kann es am tag mal "nur" 0°C sein. da spitzbergen im bereich des kontinuierlichen permafrostes liegt hat man oft staunässe. gute schuhe oder auch wandergummistiefel empfehlen sich da besonders.

hoffe das klingt jetzt nicht zu abschreckend, aber es ist halt mehr vorbereitung als bei anderen touren nötig

der jakob

Waldwichtel
24.09.2006, 23:32
Das nenn ich mal einen Beitrag mit Informationsgehalt, super!
ICh selbst war auch noch nicht dort, habe aber eigentlich auch nicht die Absicht. Auf Vorträgen hab ich lediglich mitbekommen, dass sofort nach Verlassen der Ortschaft Eisbärenalarm gilt und man ohne Waffe eigentlich nicht auf eigene Faust losgehen sollte.
Kann das wer bestätigen?

Bei Reisen in Spitzbergen besteht tatsächlich WaffenPFLICHT! Bei Gruppenreisen genügt insgesamt ein Gewehr.

Jakob
24.09.2006, 23:40
Bei Reisen in Spitzbergen besteht tatsächlich WaffenPFLICHT! Bei Gruppenreisen genügt insgesamt ein Gewehr.

deshalb unbedingt davor reservieren, nicht das ihr dann in longyearbyen fest sitzt weil ihr keine waffe habt.
in dem laden (http://www.spitsbergentravel.no/igp/eng/) hatten wir unsere waffe geliehen. hier (http://www.svalbard.com/companies.html)eine übersicht über verschiedene läden die touren anbieten und teilweise auch waffen verleihen.

der jakob

chris.mueller
28.09.2006, 22:36
Vielen Dank alle zusammen. Ich hatte schon gedacht, dass es eine große Nummer wird. Bei den ganzen Anregungen werde ich mir die Sache noch einmals gründlich durch den Kopf gehen lassen. Vielleicht mache ich im Sommer was in den Alpen. Ist doch auch schön!

Viele Grüße

Christian

Jakob
29.09.2006, 20:28
Vielen Dank alle zusammen. Ich hatte schon gedacht, dass es eine große Nummer wird. Bei den ganzen Anregungen werde ich mir die Sache noch einmals gründlich durch den Kopf gehen lassen. Vielleicht mache ich im Sommer was in den Alpen. Ist doch auch schön!

Viele Grüße

Christian

das wollte ich eigentlich nicht erreichen. als alternativ-vorschlag würde ich westgrönland empfehlen. direktflug von dtl., keine eisbären (nur moschusochsen) und "einfaches" gelände. der arctic circle trail der direkt vom flughafen sondre stromfjord aus startet dauert so 10-12 tage. also wenn du 14 tage zeit hast wäre das ja ideal???

der jakob

Moltebaer
29.09.2006, 21:36
@Jakob:
Ist das Weiße da auf dem Bild in der Mitte direkt unterhalb des Berges nur ein wenig Holz oder tatsächlich so ein knuffiges, hungriges Bärchen? :o

Jakob
30.09.2006, 21:56
@Jakob:
Ist das Weiße da auf dem Bild in der Mitte direkt unterhalb des Berges nur ein wenig Holz oder tatsächlich so ein knuffiges, hungriges Bärchen? :o

http://bike-nord.de/groenland_spitzbergen/baer.jpg
ja es ist so ein knuffiges Bärchen welches man am liebsten gleich streicheln würde.... :shock:

der jakob

Moltebaer
30.09.2006, 22:50
Wie süüüüüüüüüß :)
Man könnte meinen, er wäre auf euch zugelaufen. Wie weit war der weg und wie habt ihr euch verhalten?
Sind die eher schreckhaft dem Menschen gegenüber oder kommen sie "nachts" schon mal gerne ans Zelt ran?

Jakob
02.10.2006, 16:17
Wie süüüüüüüüüß :)
Man könnte meinen, er wäre auf euch zugelaufen. Wie weit war der weg und wie habt ihr euch verhalten?
Sind die eher schreckhaft dem Menschen gegenüber oder kommen sie "nachts" schon mal gerne ans Zelt ran?

kann das schwer schätzen, denke so 100-150m war er min. von uns entfernt. er hat uns aber auf jeden fall wahrgenommen. er ist dann nicht weiter näher gekommen sondern zu einer verlassenen russischen siedlung gelaufen weil es dort bestimmt interessant gerochen hat. das problem war das man irgendwann nicht mehr sehen konnte wohin er weiter läuft und unser eigentlicher weg wäre direkt bei der siedlung gewesen. so haben wir erstmal diskutiert und uns dann für den sicheren weg über die berge entschieden weil es sehr unwahrscheinlich ist das ein eisbär auf einen berg klettert (allerdings nicht ausgeschlossen). 2 tage später haben wir dann von anderen wanderern erfahren das er in das nächste tal weiter nach norden gelaufen war.
das problem ist das jeder eisbär sich anders verhält. wirklich gefährlich sind sie nur wenn sie hunger haben oder sich bedroht fühlen, aber das kann man ja leider nicht sehen. und nachts kommen sie auch gerne mal an das zelt weil es da ja so "gut" riecht. uns aber zum glück nicht passiert...
der jakob

Moltebaer
02.10.2006, 18:11
Einfach mal ne offene Dose Surströmming vors Zelt stellen :bg:
Habe mir mal deine Seite angeschaut, gefällt mir. Kommst du eigentlich zum Forums-Camp? Ich würde gerne mal ein wenig über Wintertouren/Biken plaudern.
Grüße, Norbert

sjusovaren
02.10.2006, 18:25
kann das schwer schätzen, denke so 100-150m war er min. von uns entfernt. er hat uns aber auf jeden fall wahrgenommen.
Das ist sehr nah!
Soviel ich weiß, sind Eisbären kurzfristig über 50 km/h schnell.
Der war also nur (ähhh, .... pi im Sinn,...) so etwa 7 - 11 Sekunden von euch weg.
Vorsicht ist da sicher angebracht.

Philipp
04.10.2006, 09:49
"Habe mir mal deine Seite angeschaut, gefällt mir."

Finde ich auch. Schöne Bilders von Grönland und Spitzbergen! Vor allem das Bild mit dem Waffenarsenal gefällt mir gut. Die Wummen kommen mir so irgendwie ungemein bekannt vor. Könnt' meinen Arsch verwetten, daß da die "Susi" in der Mitte liegt! Hat die Euch ein gewisser A punkt U punkt aus L ounkt geliehen?

Hach, muß auch unbedingt mal wieder rauf...träum...

Jakob
04.10.2006, 22:58
@Moltebaer
Danke für das Lob für die HP. Mit Forumscamp wird bei mit zeitlich etwas schwierig. Hab gerade wenig Zeit wegen 2 kleinen Jungs(2 Monate und 2,5 Jahre)... aber wenn du Fragen hast wegen Winterradtouren dann schreib mir doch einfach ne mail.
@Philipp
oh das freut mich zu hören das noch mehr Leute dort oben waren!! wir sind mit der eltanin(mit dem tollen polnischen kapitän) zusammen mit andreas umbreit nach pyramiden gefahren. über den zeltplatz hatten wir ihn etwas kennengelernt und so durfen wir mitfahren. da waren noch 2 von seinen guides mit und so kahm es das wir leicht "hochgerüstet" durch pyramiden gestreift sind....
was hast du denn auf spitzbergen gemacht?

der jakob

Philipp
05.10.2006, 09:07
Hallo Jakob,

freut mich, daß mich mein Erinnerungsvermögen nicht getäuscht hat. Wiedersehen macht halt doch immer wieder Freude :roll:

Wo hattet Ihr denn den Eisbären getroffen? War das in der Nähe von Grumant/Colesbukta oder bei Pyramiden? Dem Hang nach zu urteilen eher ersteres, oder?

Ich hatte 1994, 1996 und 2000 für A.U. Touren betreut, zunächst von Standcamps aus, dann eine obergoile Tour bis über den Mittag-Leffler- und den Stubendorffbreen und zuletzt die DAV-Summit Club Tour im Dicksonland. 2001 war ich nochmals mit drei Kumpels auf einer 4-wöchigen Wintertour, die uns runter zum van-Keulenfjord geführt hat. Seitdem hab ich den Sprung rauf nicht mehr geschafft, obwohl es ständig ungemein juckt (dafür immerhin letztes Jahr zum Paddeln nach Ostgrönland - auch schön!).

Die anderen Guides auf dem Schiff: waren das Christoph und...Mist, den anderen Namen weiß ich gerade nicht...ich glaub C.s Bruder? Die beiden armen Schweine mußten dieses Jahr die Depots im Sommer zu ihren Plätzen schleppen :ill: und mußten deswegen nach PYR. Aber vielleicht liege ich mit meiner Vermutung auch falsch.

Viele Grüße und vielleicht sieht man sich ja mal oben!

Philipp

boehm22
05.10.2006, 09:34
Passt auch dazu:

Studieren auf Spitzbergen

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,436458,00.html