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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : kombinierten Schwebstoff- und Aktivekohlefilter basteln!?



macrusher
08.08.2006, 16:15
Hallo Allerseits,

da ich plane längere Zeit in Gegenden mit fragwürdiger Trinkwasserversorgung unterwegs zu sein, habe ich mich jetzt durch alle möglichen Filter- und Trinkwasseraufbereitungsthreads gelesen. Fazit: Chemische Aufbereitung (Micropur, Chlor, KMNo4, Jod, etc.) kommen als Dauerlösung nicht in Frage, Keramikfilter ist auch fragwürdig, wegen Mikrobeschädigungen bei Minustemperaturen. Kurz wurde hier mal das Thema http://www.3sat.de/nano/astuecke/16132/index.html]Wasserentkeimung (http://www.3sat.de/3sat.php?[url) mit UV[/url] (oder auch hier (http://www.sodis.ch/Text2002/T-Howdoesitwork.htm)) angesprochen, was zumindest eine kostengünstige Teillösung wäre (PET-Flaschen hinten aufs Rad schnallen, Sonne gibt's genug).

Wäre nur noch das Problem mit den Schwebstoffen, Giften und Schwermetallen. Dachte, hierzu könnte man ein 2-Phasen-Filterelement basteln das zuerst mittels geeignetem Filtermaterial - Kunststoff-Vlies o.ä. Schwebstoffe, und danach mittels einer Aktivkohleschicht den Rest rausfiltert. Kohle kann man IMHO stinknormale Kohle vom letzten Feuer nehmen. Die Filtermaterialien sollten natürlich leicht auszutauschen bzw. erneuerbar sein.

Damit müßte man, genug Sonneneinstrahlung vorausgesetzt, ein kostengünstiges Trinkwasseraufbereitungsystem haben, oder?


Mich würden mal eure Meinungen interessieren bzw. konkrete Vorschläge zum Bau des Filters (Gehäuse, Filtermaterial etc.)


Cheers,
macrusher

sjusovaren
08.08.2006, 18:00
Wer hat bei den Filterpreisen noch nich dran gedacht.
Aber selbst wenn du da eine brauchbare Säule zusammenschichtest, und das ganze weniger als ein Kilo wiegt :wink: , wird es sich in nullkommanix in einen mikrobiologischen Zoo verwandeln, voller Pilze, Bakos und und und
In einer Schul-AG kann man sowas mal basteln, aber für unterwegs, dauerhaft und verläßlich, ist das nichts. Schon gar nicht in wirklich bedenklichen Gebieten!
Wo genau willst du denn eigentlich hin?

Gruß,

macrusher
08.08.2006, 22:19
Von hier nach Tibet und dann schau mer mal weiter...

Die Problematik mit dem Pilz-Zoo usw ist mir schon klar, darum sollte das Schwebstoff-Filterelement halt (bzw. beide Elemente) entsprechenden Anforderungen genügen (leicht austauschbar, waschbar, desinfizierbar was auch immer). Kohle unterwegs mittelfristig aufzutreiben sollte nicht das Problem sein. OK, in Tibet oder anderen baumlosen Steppen vielleicht schon.

Die "Lebewesen"-Filtration bzw. die Abtötung selbiger sollte mittels der UV Methode zuverlässig funktionieren, sofern genug Sonne da ist. Was der Fall sein wird. D.h. es geht um Gifte und Schwebstoffe.

Filtern mit den kommerziell erhältlichen Filtern ist ja auch nicht 100%, da brauchbare Filter, relativ groß, schwer und nicht für Minus-Temperaturen geeignet sind. Die Filter die auch Gifte filtern (die mit Aktivkohle) haben Filterkartuschen mit einer relativ geringen Standzeit für meine Zwecke. Und Chemie ist auch nicht 100% - und löst auch nicht das Gift-Problem, nur Aktivkohle. Alles ganz schön und recht wenn man 2-4 Wochen auf Tour geht, aber bei Langzeitreisen mit Fahrrad nur bedingt brauchbar, da man als Radfahrer einen sehr hohen Wasserbedarf hat.


Grüße,
macrusher

chinook
08.08.2006, 22:41
Das mit der UV-durchlässigkeit von Polyester würde ich noch mal genau checken. Da hab ich widersprüchliches gelesen. Eventuell ist PE geeigneter.

Wichtig scheint bei der Methode zu sein, dass das Wasser auch für längere Zeit auf mindestens 55°C erhitzt werden muss (Kombinationsmethode). Also auf einen schwarzen Hintergrund, am besten eine geschwärzte Rückwand achten.

Dass es sinnvoll ist, beliebige Kohle zu verwenden wage ich stark anzuzweifeln. Wenn die Verkohlung nicht kontrolliert passiert (Temperatur, Sauerstoffausschluss) und das Material nicht bestens bekannt ist in seiner Zusammensetzung, dann kann bei dem Prozess so ziemlich alles entstehen, was die organische Chemie an hitzestabilem Zeugs hat. Wenn das dann noch wasserlöslich ist ... au weia.


-chinoook

Desaad
11.05.2007, 15:01
*Thread ausbuddel* 8)

Ich zerbreche mir schon seit Tagen den Kopf über das Thema. Es muss doch möglich sein einen brauchbaren und günstigen Wasserfilter zu bauen. Mein Plan sieht bisher so aus:

Ein Filter Medium aus Kunstfaser / Glasfaser o.ä. + Aktiv Kohle aus der Apotheke. Betrieben mit einer kleinen Handpumpe.

Hier sind doch viele Naturwissenschaftler :P was würdet ihr für ein Filter medium empfehlen ? Die Konstruktion soll erstmal nur für ein verlängertes Wochenende halten, alles weitere wird sich ergeben.

barleybreeder
11.05.2007, 15:16
Aktivkohle eignt sich soweit ich weiß nur zur Filterung von hauptsächlich organischen Stoffen mit einer hydrophoben Struktur. Metallsalze dürften fast ungehindert passieren.

Keimfrei wirst du das Wasser darurch auch nicht bekommen. Viren und Bakterien bleiben sicher zu einem gewissen Teil auf der Oberfläche haften, allerdings bietet das keinen 100%igen Schutz, den ein Filter ja bieten sollte.

Eine von uns im Labor angewandte Methode ist die sogenannte Sterilfiltration, wobei die Flüssigkeit durch eine 0,2 µM enge Membran gedrückt wird. Bakterien werden so zurückgehalten. Allerdings verstopfen die Membranen sehr leich, weswegen man eine Filter vorschalten sollte, welcher Schwebstoffe abtrennt. Die Filter gibts als Spritzenvorsatz von klein bis groß und als Bechergröße um Literweise Medium zu filter.

Ich glaube vivalranger bietet sowas auch in seinem Shop. Ich hoffe der plündert nicht die Laborbestände! :ignore: :bg:

Die gleiche Methode verwendet ja der Vario von Katadyn(Vorfilter, Membran, Kohle)
Das einfachste für Heim und Hobby ist sicher sich ne Art Kohlefilter zu bauen und danach das Wasser abzukochen, wenn man keinen Zugang zu solchen Sterilfiltern hat. Nach ein paar Tagen würde ich den aber auch nicht mehr nehmen, da sich dann bestimmt einiges Leben drin tummelt.

Außerdem würde ich nicht irgendwelche (Holzkohle) nehmen. Werweiß was da drin ist., sondern medizinische.

Desaad
11.05.2007, 15:30
Die Spritzen Vorsatzfilter hab ich natürlich auch schon gefunden, allerdings ist die Menge an Wasser was man damit filtern kann eindeutig zu klein (wir sind 3 Leute) und die Abnahme Menge ist zu hoch. Einen ganzen Karton von dem Zeugs braucht keiner :-)

Das nach dem filtern mit einem MYOG Filter abgekocht werden muss ist klar. Das habe ich auf jeden fall vor.

barleybreeder
11.05.2007, 15:50
Ich sehe gerade das die medizinische Kohle als Pulver apothekenpflichtig ist.
Es gibt aber Kohletabletten. 60 Stück a 250mg = 15g. vieleicht kann man die benutzen (rauspulen, zerstampfen, zerfallen sehr leicht) um sich ne Art Tröpfelfilter zu bauen. Wenn man sich die Menge anschaut die im MSR und Kathadyn drin ist sollte das reichen.
Fällt aber viel Müll an und ist auf Dauer nicht unbedingt günstig.

Gersprenzfischer
11.05.2007, 15:55
Eventuell funktionieren auch Umkehrosmosefilter aus dem Aquarienbedarf, dort gibts meines Wissens auch Aktivkohle, Filterwatte und ähnliches Zeug.

Allerdings würde ich bei der Brisanz des Ganzen mir da nichts selber basteln. Die üblichen Wasserfilter wie MSR Katadyn und wie sie alle heißen sind soo teuer auch nicht, aber gut erprobt und damit sicherer als alles selbstgebastelte. Bei Frost muss man halt aufpassen, ansonsten super. Eine undichte Stelle im selbstgebastelten Teil und schon ist die Gefahr gegeben, besonders in tropischen Ländern. Und dass Sonnenlicht das WAsser in einer PET Flasche entkeimt halte ich auch für ein Gerücht, dann geäbe es nämlich in Ländern mit viel Sonne auch weniger Keime, dass Gegenteil scheint mir der Fall, die gefährlichen Länder sind gerade die sonnenverwohnten (aber auch feuchten) Gebiete.

Uwe

flying-man
14.05.2007, 14:05
ehrlich gesagt ist das risiko eher hoch und evtl gesundheitskosten infolge einer infektionn übersteigen sehr schnell das sparpotential.

zum thema aktivkohle - einfach so kohle vom lagerfeuer funktioniert nicht, da die oberfläche aktiviert wird um eine bessere adsorption zur erreichen. des weiteren kommt es sehr stark auf die korngrösse an. und jeder filter hat einen durchbruch bei dme die oberfläche belegt ist und dann der ganze kram durchkommt. bei käuflichen filtern hat man eine mindest filtermenge angeben...

es gäbe für stationäre gebrauch natürlich schon möglichkeiten brauchwasser aufzubereiten z.b. mit einer kombination von sanfilter (der muss sich aber erst mal einluafen), kohlefiltern, und uv behandlung. dürfte aber aufwendig sein...

ich würde es lassen und mir entweder einen filter zulegen oder eben auf chemische methoden vertrauen (oder als "zwitter" das teil von msr)

schwermetalle sind bis auf wenige gegenden eher kein problem...

flying-man

Dani
15.05.2007, 13:38
.... Und dass Sonnenlicht das WAsser in einer PET Flasche entkeimt halte ich auch für ein Gerücht, ...

ist es aber nicht. details: www.sodis.ch

barleybreeder
15.05.2007, 14:24
.... Und dass Sonnenlicht das WAsser in einer PET Flasche entkeimt halte ich auch für ein Gerücht, ...

ist es aber nicht. details: www.sodis.ch

UV Strahlung + Wärmebehandlung über 50°C über 6 Stunden sollte man vieleicht dazu sagen. Nicht das einer Auf die Idee kommt und versucht in unseren Breiten so sein Wasser zu entkeimen. Davon bekommt er mit Sicherheit Durchfall.
Ist aber ne interassante Idee für Reisen in südliche Länder.

Also möge das Ozonloch wachsen, für in eine schnellere Entkeimung in nur 3 Stunden. :bg: :ignore:

Gersprenzfischer
15.05.2007, 16:18
Danke für den Link, das scheint für südliche Länder echt interessant zu sein. Wieder was dazugelernt!

Für den Alltagsgebrauch auf Reisen scheint mit ein Filter dennoch eine gute Alternative zu sein.

Uwe