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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : was sagt eine uhr mit barometer über das wetter aus?



Legolas Greenleaf
04.01.2003, 23:25
hallo leute!

ich hab kürzlich eine uhr ersteigert (casio marine gear). mit höhenmesser und barometer. es funktioniert soweut auch alles ganz gut. nur komm ich mit den beiden genannten funktionen nicht so ganz klar.
wie kann mann zum beispiel das wetter vorraussagen mit hilfe solcher uhren?
wie "falsch " sind die werte des höhenmessers bei einer wanderung mit wetterwechsel, sprich die werte vom barometer?
was kann ich überhaupt alles mit dem barometer vorraussagen?

würde mich sehr auf antworten freuen :)

Christoph
05.01.2003, 15:45
Also mit dem Barometer kannst du ja den Luftdruck messen.
In der Regel (bei gleichbleibender Höhe) gilt je höher der Luftdruck/steigender Luftdruck -> gutes Wetter.
sinkend, oder niedrig -> schlechtes Wetter. z.B. bei sehr schneller Luftdruckabnahme droht Gewitter.

Das Barometer wird bei solchen Uhren auch zur Höhemessung genutzt, dabei gilt (bei konstantem "Wetterluftdruck"):
steigende Höhe -> sinkender Luftdruck und umgekehrt

d.h. Die Wetterbestimmung wird auch durch die Höhe, bzw. die Höhenänderung beeinflusst, und umgekehrt.

Das kann mitunter recht große Differenzen in Höhenangabe und tasächlicher Höhe bedeuten. Ich habe noch eine sehr alte Casio Uhr und da unterschied sich das in Extremfällen auch mal um 200m.
Wenn man den aber an allen bekannten Punkten neu einstellt ist die Höhenangabe auch z.T. sehr gut.
Als Anhaltspunkt sind die Uhren jedoch ganz gut geeignet und wenn man Wetteränderungen feststellt kann man ja auch einschätzen ob das gerade genau ist oder nicht.

Blind darauf verlassen sollte man sich nicht.

Becks
06.01.2003, 18:06
Das meiste wurde bereits erwähnt:

Generell wichtig für die Wettervorhersage ist der Luftdruck und vor allem die Änderung des Luftdrucks über einen gewissen Zeitraum wenn ich mich an einem bestimmten Punkt aufhalte (z.B. beim Übernachten auf einer Hütte).

Steigt der Luftdruck an bedeutet dies eine Wetterbesserung, fällt der Luftdruck eine Wetterverschlechterung. Bei starkem Druckanfall befindet sich ein Unwetter im Anmarsch.

Zudem ändert sich der Luftdruck, wenn ich mich in eine andere Höhe begebe. Weiter oben im Gebirge ist der Luftdruck niedriger als weiter unten.

Damit jetzt eine Uhr (oder ein anderer elektr. Höhenmesser) zwischen den beiden Möglichkeiten unterscheiden kann (bewegt sich der Bursche oder ändert sich der Luftdruck weil das Wetter umschlägt ?), mißt sie zudem die Temperatur der Umgebung. Zusätzlich zur Änderung des Luftdrucks ändert sich nämlich auch die Umgebungstemperatur wenn man seine Höhe ändert. Soweit mir bekannt geht die Temp. pro 100 Höhenmeter rauf um etwa 0.6 °C zurück.
Und genau darüber versucht die Uhr abzuschätzen, was denn nun der Fall ist. Ändern sich Druck und Temperatur mit gleicher Geschwindigkeit wandert der Benbutzer und ändert seine Höhe. Bleibt die Temp. konstant oder ändert sich abweichend zu dem was sich aus der Druckänderung ergeben sollte ist das Wetter schuld.
Die ganzen Faktoren ergeben natürlich dementsprechend Abweichungen, vor allem wenn die Uhr unter der Jacke oder im Rucksack getragen wird. Aus dem Grund sollte man unterwegs an bekannten Fixpunkten die Uhr neu justieren und sich auch klar machen, warum sie zu dem Zeitpunkt Fehlwerte anzeigt.

Schau auch mal hier nach:
http://www.sfdrs.ch/sendungen/meteo/lexikon/

da werden noch ein paar Begriffe zum Wetter erläutert. Reicht dies nicht aus: Google weiß weiter (Stichworte Wetterlexikon Wetter Luftdruck Wettervorhersage)

Alex

Legolas Greenleaf
08.01.2003, 22:45
ich möchte mich zunächts für die hilfreichen antworten bedanken.

"Damit jetzt eine Uhr (oder ein anderer elektr. Höhenmesser) zwischen den beiden Möglichkeiten unterscheiden kann (bewegt sich der Bursche oder ändert sich der Luftdruck weil das Wetter umschlägt ?), mißt sie zudem die Temperatur der Umgebung."

ist das bei allen enigermassen guten uhren so? in meiner bedienungsanleitung stand nichts von einem thermometer...

Christoph
08.01.2003, 22:59
Dann hat sie wohl auch keins. Hat die Casio, die meinem Vater gehört auch. nicht.

ej64
01.04.2003, 12:58
Hallo outdoor-Freaks! Ich bin zwar hier ein newbie, aber was Geographie, Meteorologie und die Messinstrumente angeht nicht gerade unbeleckt -- daher muss ich direkt den Zorn der Admins heraufbeschwören :wink:


Damit jetzt eine Uhr (oder ein anderer elektr. Höhenmesser) zwischen den beiden Möglichkeiten unterscheiden kann (bewegt sich der Bursche oder ändert sich der Luftdruck weil das Wetter umschlägt ?), mißt sie zudem die Temperatur der Umgebung. Zusätzlich zur Änderung des Luftdrucks ändert sich nämlich auch die Umgebungstemperatur wenn man seine Höhe ändert. Soweit mir bekannt geht die Temp. pro 100 Höhenmeter rauf um etwa 0.6 °C zurück.
Und genau darüber versucht die Uhr abzuschätzen, was denn nun der Fall ist. Ändern sich Druck und Temperatur mit gleicher Geschwindigkeit wandert der Benbutzer und ändert seine Höhe. Bleibt die Temp. konstant oder ändert sich abweichend zu dem was sich aus der Druckänderung ergeben sollte ist das Wetter schuld.


Das ist sicher nicht richtig; schon vom Ansatz her kann dies nicht funktionieren -- es sei denn, ich sitze im Sessellift (und auch da noch fragwüürdig) -- und wird auch IMO von keinem Hersteller praktiziert.
Insbesondere Höhenmesser, die am Körper getragen werden unterliegen in erster Linie Temperaturschwankungen, die nicht mit Änderungen durch den adiabatischen Temperaturgradienten (Lufttemp.-Änderung durch Höhenänderung) zusammenhängen, sondern mit Temperaturänderungen durch Anstrengung (Aufstieg), unterschiedliche Exposition (Sonne/Schatten), geländeklimatische Unterschiede usw. zusammenhängen.

Richtig ist wohl, dass die Geräte zum Teil temperaturkompensiert sind (nicht Casio), um den Einfluss von Temperaturschwankungen auf die Luftdruckmessung (und das ist die einzige Möglichkeit, die Höhe abzuschätzen) zu minimieren. Die Temperaturkompensation führt dazu, dass der Messfehler aufgrund schnell wechselnder Messinstruments-Temperatur verringert wird -- zu nichts anderem. Bei den Casios kann man bspw. zum Teil dramatische "Luftdruckänderungen" erleben, wenn man die Uhr aus dem Schatten heraus in die Sonne hält.

Alle Armband-Modelle und auch die klassischen (mechanischen) Thommen-Höhenmesser legen die sogen. Standardatmoshäre für die Umrechnung von Luftdruck auf Höhe zugrunde, die von bestimmten Temperaturen auf bestimmten Höhen ausgeht (0m NN = 15 °C, 1000m NN = 8,5 °C, 4000m NN = -11 °C). Auch daraus ergeben sich z.T. erhebliche Ungenauigkeiten gerade bei längeren Auf-/Abstiegen, die aber manuell (Kopfrechnen!) einigermassen korrigiert werden können (wenn ich denn die tatsächliche Lufttemperatur kenne bzw. messe) -- einigermassen deshalb, weil z.B. auch die Luftfeuchte einen Einfluss hat.

Prinzipbedingt (Umrechnung Luftdruck -> Höhe) besteht natürlich immer die Gefahr, Luftdruckänderungen durch Wetteränderungen als Höhenänderungen zu misinterpretieren (und umgekehrt). Einzig die Suuntos sind IMO in der Lage durch manuelle Umstellung des Modus (Höhen- oder Barometer-Modus) die eine bzw. andere Änderung auszuschließen, d.h. abends auf der Hütte wird das Gerät in den Barometermodus gesetzt und alle Luftdruckänderungen werden wetterbedingt interpretiert, die Höhe bleibt konstant; wenn die Tour begonnen wird, wird das Gerät in den Höhen-Modus gesetzt und alle Luftdruckänderungen werden als Höhenänderungen interpretiert (wobei das Wetter während einer Tour natürlich niemals wirklich konstant ist... aber immerhin ein Fortschritt). Darüber hinaus wird der messbare Luftdruck auch durch die Aerodynamik modifiziert, auf der Lee-Seite eines Berges werde ich in der Regel einen niedrigeren Luftdruck messen als auf der Luv-Seite...

Man sieht: ein sehr komplexes Thema, das in der Praxis nur durch häufige Eichung an bekannten Wegpunkten entschärft werden kann.

Trotz aller Einschränkungen: ein Höhenmesser, egal ob mechanisch oder elektronisch ist und bleibt eine wichtige Orientierungshilfe, die aber mit der nötigen Fachkenntnis und Aufmerksamkeit bedient und interpretiert werden muss.

Im übrigen: ein GPS kann wesentlich genauer sein ohne dauernd geeicht zu werden, leider aber nicht in allen Situationen. Als ambitionierter Bergsteiger kann ich in einer steilen Flanke durch die Abschattung etlicher Satelliten mit dem GPS auch nur Datenmüll produzieren.

Leider konnte ich wahrscheinlich nicht wirklich zur Beantwortung der Frage beitragen, sondern habe nur viele weitere Fragezeichen aufgeworfen -- aber leider (oder zum Glück für den Wissenschaftler) ist nichts so einfach wie in Werbeaussagen suggeriert.

Liebe Grüße
ej

Corton
03.04.2003, 20:01
Einzig die Suuntos sind IMO in der Lage durch manuelle Umstellung des Modus (Höhen- oder Barometer-Modus) die eine bzw. andere Änderung auszuschließen

Stimmt nicht. Die "Alpin"-Modelle von Ciclosport besitzen ebenfalls diese Funktion, nennt sich Höhenautomatik.

Corton

gregor
03.04.2003, 22:49
Ich benutze seit Jahren eine alte Casio und komme ganz gut klar damit. Man muß eben etwas Erfahrung mit seiner Uhr sammeln.- Ich ermittle die Höhendifferenz die ich zurücklege mit der Uhr, die Geländepunkte deren Höhe ich weiß (Karte) sagen mir die derzeitige Abweichung. Temp. ermittle ich ebenso wie Luftruck Nachts, lege die Uhr im Zelt ab. Eine sichere Wetterprognose ist mit einer Uhr allein absolut nicht möglich, dazu muß man die Wetterabläufe der Region kennen lernen, Wolken beobachten, Windrichtungen erkennen und dann kann der Luftdruck (bzw. seine Veränderung und die Geschwindigkeit dieser) aufschlußreich sein.
Fazit: interessant und nützlich, aber entgegen der Werbung kein Wundergerät. Nützt wie jede Technik nur in Verbindung mit Erfahrung und gesundem Menschenverstand.

Gruß, Gregor