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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Wildes" Zelten in den Dolomiten?



Christian Dennert
02.01.2003, 20:19
Hallo!
Ich möchte im Frühjahr eine Woche in die Dolomiten zum Wandern. Übernachten möchte ich im Zelt, was dort aber wohl außerhalb der Campingplätze (soweit vorhanden) offiziell verboten ist.
Wie streng werden solche Verbote eigentlich genommen? Hat schon mal jemand schlechte Erfahrungen gemacht?
Über ein paar Infos würde ich mich freuen! Danke schon mal!

Christian

Menelaos
02.01.2003, 21:13
Also in Sachen Dolomiten kann ich Dir net helfen, aber wollte nur kurz noch dazu was sagen:

Ich hab bis jetzt überall immer wild gezeltet, wo ich unterwegs war. Es ist einfach abhängig vom Platz und vom Benehmen. Klaro, wenn ich genau an der Hauptstraße mein Zelt aufschlage, zum nächsten Kisok renn und mir dann die ganze Nacht bei lauter Mucke nen Fäßle reinballer, brauch ich mich nicht wunder, warum ich dann irgendwelche Jodler vorm Zelt hab.
Ruhig heißt für mich:
Nicht übermäßig laut, nicht zuviel Licht, kein Feuer etc.

Wenn man da bissle nen Gespür für hat, schafft man das imho fast überall wild zu zelten ... gehört natürlich auch Glück dazu.
Aber irgendwann hat man bissle den Dreh raus wo man nächtigen kann und wo net.

Just my two cents ...

TirolerBua
02.01.2003, 22:01
Hallo Christian

Da ich zur zeit beim Österreichischen Bundesheer bei der Hubschrauber staffel bin, kann ich dir nur sagen das es gewisse Kontrollflüge gibt. Falls man gewisse Zeichen (Feuer...) missinterprätiert gibts einen Rettungseinsatz den du dann aus eigener Tasche pecken darfst. :bash:
(Ich weiß nicht welche Gebiete abgeflogen werden)

Ich würde mich vorher genau erkundigen. Schreib an die zuständigen Beamten, und druck dir ihre Antwort mehrmals als Vorlage aus, um Alpingendarmen etc. zu beruhigen.

Ansonsten hat Menelaos recht mit den meisten kann man vernünftig reden. Aber durch teilweise rücksichtslose Umweltverschmutzung von "Campern" :grrr: sind manche Beamte nicht besonders gut auf Wilde Zelt`ler zu sprechen, verständlich wie ich finde.

Take Care
Bernhard

Christian J.
02.01.2003, 22:27
Irgendwo werden meiner Meinung nach auch leer aufgefundene Zelte mitsamt zurückgelassener Ausrüstung eingesammelt. Weiß aber nicht mehr ob das in Österreich, Italien, Dtl. oder in der Schweiz war.

Menelaos
02.01.2003, 23:30
@Tiroler
ACK was die Umweltverschmutzung angeht. Find ich persönlich abartig, was man im letzten Winkel noch alles findet. Persönlich nehme ich mir immer ne Türe oder so mit, um den wenigen Müll mitzukarren und an der nächstbesten Stelle zu verbrennen oder halt in den Müll damit.

@Christian
Wer läßt denn mitten in den Alpen sein Zelt alleine?? :lol: :lol: Ok, wenn man klettern will oder so, aber bei ner Durchreise is das ja eh nur Mittel zum Zweck.

Christian J.
03.01.2003, 01:49
@Menelaos:

z.B. beim Gipfelaufstieg im Hochlager. Da gibt es in den Alpen schon Berge wo das sinnvoll ist. Oder?

Becks
03.01.2003, 15:14
Soweit mir bekannt ist werden z.B. Zelte am Mont Blanc von der Gendamarie eingesammelt. ber dort ist das auch anders nicht möglich, denn der Berg ist total überlaufen.

Ein paar Bemerkungen zum Zelten unterwegs haben wir übrigens schon in der FAQ (http://forum.saloon12yrd.de/viewtopic.php/t.712/) gesammelt, vielleicht hilft das auch weiter.

Meine persönliche Meinung: ich hab schon abseits von Hütten in den Alpen genächtigt und werde es auch wieder tun. Allerdings achte ich peinlichst darauf, daß wirklich nichts zurückbleibt. Und offenes Feuer kommt mir nur in Form eines Kochers mit, auch wenn vielleicht ein Lagerfeuer an manchen Orten ganz romantisch ist (und es dann hinterher aussieht wie mancherorts in Schweden wo man Brandfleck an Brandfleck finden kann).

Alex

bacchus
02.03.2003, 20:09
Hallo,

ich war anfang august zwei wochenin den Dolomiten mit dem zelt unterwegs und es war überhaupt kein problem. wir sind halt immer in der dämmerung angekommen und waren früh wieder verschwunden.
In der schweiz gibt es m.E. die unterscheidung zwischen "zelten" und "biwakieren", wobei zelten verboten, biwakieren (also nur übernachten) jedoch erlaubt ist. Wie das in italien rechtlich geregelt ist, weis ich nicht, kann mich aber meinen "vorschreibern" voll und ganz anschließen.

---basti

Christian Dennert
04.03.2003, 21:15
Ok, danke für Eure Antworten. Ich möchte auch tatsächlich nur "biwakieren", also abends Zelt aufbauen, :sleep: , morgens wieder verschwinden. Ich denke, es ist nicht zu gewagt, es unter diesen Umständen mal darauf ankommen zu lassen. :roll:

Grüße
- Christian

alfi
05.03.2003, 09:23
Hi,

Mein Schwager wurde vor einigen Jahren beim wilden Zelten in den Niederen Tauern, am Fuß des Hohen Knallsteins, von einem Jäger entdeckt und mit bösen Worten und Drohungen vertrieben.
Er ist seit damals trotzdem immer wieder in dieser Gegend unterwegs, sucht sich fürs Zelten aber nur noch ganz versteckte Plätzchen - sein Gefühl der Freiheit in der Natur ist seitdem leider einigermaßen getrübt.

MaMa
05.03.2003, 09:33
Mhm, die Jägersleut schlagen manchmal ins andere Extrem und sehen in jedem "Biwakierer" gleich nen saufenden, grölenden und Müll-hinterlassenden Vollproll. Ich wurd auch schon beim Paddeln aufm Lech übel angemacht und sogar vom Ufer aus mit Steinen beworfen, obwohl es auf der Strecke definitiv kein Befahrungsverbot gibt/gab.

Atron
05.03.2003, 09:56
Expeditionszelte in grellen Farben spielen ihre Vorteile in so einer Situation dann doch eher negativ aus.
Neben der Unauffälligkeit für Tiere (um sie nicht unnötig zu stören) und unliebsame Gäste (der eignen Spezies?) - für mich auch ein Grund bei der Farbentscheidung der Ausrüstung (falls sich diese überhaupt stellt und nicht Funktion vor Farbe geht?) eher gedeckte Farben zu bevorzugen.

Grellgelborange Zelte sind zwar auch schön (und vielleicht sicherer bei Such- & Rettungsaktionen), ich persöhnlich füge mich aber lieber so weit dies geht harmonisch ins Natur- bzw. Landschaftsbild. Bei einigermaßen sinnvoll gewähltem Standort ist man dann, wenn erforderlich, nur mit Glück zu entdecken (und da meist nur im Dunkeln wegen dem Licht)

Doch eigentlich sollte sich unsereins, der sich - im Gegensatz zu jenen wenigen, wegen den Zelten restriktiert/verboten wird - mit Rücksicht in der Natur bewegt und keinen Mist hinterläßt - doch nicht verstecken müssen?

Atron

MaMa
05.03.2003, 10:24
Das sollte man meinen. Aber unsereins hat halt ne schlechtere Lobby als z.B. der "gemeine Tagesausflügler" :wink: . Der Bringt schließlich ne Menge Geld mit, fährt Seilbahn und verpflegt sich im Gipfelrestaurant. Da isses doch nur logisch, dass da mal eher verziehen wird, wenn die leere Capri-Sonne etc. hinterm nöchsten Stein liegen bleibt oder wenn ein Kegelclub grölend durch die Botanik trampelt. Aber der böse, böse Trekker, der sein Zeltchen für ne Nacht hinstellt, der kann am nächsten Morgen noch so seinen Müll zusammenklauben, für das Verbrechen, zu zelten, gehört er gelyncht... :wink:
Traurig aber wahr...

Christian Dennert
06.03.2003, 22:55
Womit sich mir gerade die Frage stellt, ob biwakieren überhaupt verboten werden *kann*?
Ich meine, ist es denn dann auch verboten, im Biwaksack zu übernachten? Im Schlafsack? Ein Nickerchen am Wegesrand zu machen?
Woran wird ein solches Verbot denn eigentlich fest gemacht? Am Übernachten oder Lagern an sich? Ich will die Sache nicht verkomplizieren, aber solange ich doch keine Anzeichen meiner Übernachtung im Freien hinterlasse, welche Rechtsgrundlage gibt es denn dann, um mir dies zu verbieten. Es sei denn, daß bereits umgeknickte Grashalme als Sachbeschädigung anzusehen wären. :wink:

alfi
07.03.2003, 11:32
Hi Christian,

an einer Besitzstörung!

Im Österreichischen Forstgesetz heißt es: "... Eine über Abs. 1. hinausgehende Benützung wie Lagern bei Dunkelheit, Zelten, Befahren oder Reiten, ist nur mit Zustimmung des Waldeigentümers ... , zulässig."

Die Tendenz geht dahin, die Gesetzeslage weiter zu verschärfen. Obwohl in Österreich der Wald grundsätzlich von jederman betreten werden darf, gibt es ca. 400 Quadratkilometer, die mit einem Betretungsverbot belegt sind. Darüber hinaus dürfen Aufforstungsgebiete (Jungwald) nicht betreten werden.

mfg

che
07.03.2003, 14:32
In D ist die Rechtslage für mich auch nicht wirklich eindeutig.

Der Bund regelt es wie folgt:

BWaldG § 14 Betreten des Waldes
(1) Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung ist gestattet. Das Radfahren,
das Fahren mit Krankenfahrstühlen und das Reiten im Walde ist nur auf Straßen und
Wegen gestattet. Die Benutzung geschieht auf eigene Gefahr.
(2) Die Länder regeln die Einzelheiten. Sie können das Betreten des Waldes aus
wichtigem Grund, insbesondere des Forstschutzes, der Wald- oder
Wildbewirtschaftung, zum Schutz der Waldbesucher oder zur Vermeidung erheblicher
Schäden oder zur Wahrung anderer schutzwürdiger Interessen des Waldbesitzers,
einschränken und andere Benutzungsarten ganz oder teilweise dem Betreten
gleichstellen.

Bei den Ländern sieht es wie folgt aus:
Niedersachsen
NWaldLG § 27 Zelte, Wohnwagen, Wohnmobile
In der freien Landschaft sind außerhalb von genehmigten Campingplätzen das Zelten, das Aufstellen von Wohnwagen und Wohnmobilen, sowie der Aufenthalt in Zelten, Wohnmobilen und Wohnwagen nicht gestattet.

Brandenburg
LWaldG§ 19 Betreten und Befahren des Waldes
...
(4) Das Zelten, das Abstellen von Wohnwagen und Wohnmobilen bedürfen der vorherigen
Genehmigung der unteren Forstbehörde im Einvernehmen mit dem Waldbesitzer und der zuständigen
unteren Landesbehörde. Bienenstöcke können mit Genehmigung der Waldbesitzer aufgestellt werden.
...


Die Formulierungen der übrigen oder der anderen Bundesländer sind ähnlich, habe zwar nicht alle gelesen, aber für Zweifler sollte google helfen.


Für mich stellt sich jetzt die Frage, wie ist ein Zelt in der Rechtsprechung definiert. Ist ein Tarp schon ein Zelt, ist eine einfache Plane schon ein Zelt, gehört der Biwaksack auch zu der Gattung der Zelte?
Ab wann ist ein Zelt ein Zelt?

Wie sieht es mit Ausnahmeregelungen wie angeblich in Schleswig-Holstein aus. Dort soll angeblich das Zelten erlaubt sein, wenn man sich per pedes fortbewegt. Das Waldgesetz macht hierüber jedoch keine Aussage.

Bisher habe ich eigentlich nicht wirklich schlechte Erfahrungen beim wilden zelten gemacht.
Gab halt solche Erlebnisse wie z.B. das eines morgens nen Förster vor unserer Kohte stand, ich glaube der hat so nen Ding noch nie vorher gesehen und nach ein paar mahnenden Worten seinerseits und ein paar erklärenden Worten unsererseits hat ihm sein zweites Frühstück wohl recht gut geschmeckt.
Oder ein anderes mal wie wir fast von einem Jäger erschossen wurden, naja nicht wirklich, aber der Jäger hat sich ganz schön erschrocken, nachdem er festgestellt hat, das er nicht alleine im Wald war/ist.

Grundsätzlich gilt halt so unauffällig wie möglich wenn man im Wlad unterwegs ist, und das gilt auch fürs zelten. In der Regel paßt das schon, muß halt nett und freundlich bleiben.
Kennt ihr vielleicht jemanden der deswegen schon mal zur Kasse gebeten wurde? Ich nicht, bin gespannt wie das bei Euch aus sieht.

Die Farbe des Zeltes sollte schon dezent gewählt werden, aber nicht um die Tierwelt zu schonen, dies ist nämlich nicht wirklich notwendig, da z.B. Wild eh nicht so gut in dem Farbspektrum rot gucken kann, habe ich irgendwann mal gelesen, wenn dies falsch sein sollte berichtig mich bitte. Viel wichtiger ist die Tarnung vor dem Menschen, denn mit ihm kann man sich viel heftigere Probleme einfangen, s.o.


Gruß Tobias

PS Haben wir eigentlich gar keinen Juristen unter uns?