PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [IE] Beara und Kerry in drei Akten



Melanie
17.04.2006, 10:32
Region/Kontinent: Nordeuropa

Erster Akt

die Darsteller betreten die Bühne und der Rahmen der folgenden Handlung wird aufgespannt. Die Regeln der Touristik zeigen ihre Wirkung während die Regeln der Naturgesetze scheinbar außer Kraft gesetzt werden.

Darsteller:
Stephan
Melanie
ein Bus
eine Isomatte
Sonne
Wind

Nebendarsteller:
Regen

Erste Szene - ein langer Anreisetag

Morgens um halb drei klingelt der Wecker. Dank der verkehrstechnisch günstigen Lage von Marburg und den praktischen Zugverbindungen durften wir so lange schlafen. Da wir am Tag vorher fast alles gepackt hatten, war nicht mehr viel zu tun und wir saßen fast eine halbe Stunde unnütz herum. Auf dem Weg zum Bahnhof schockt Stephan mich mit: "In 15min fährt der Zug!" und ich renne los, bis ich kapiere, dass das ein Scherz war. Die Chance im Zug noch ein paar Minuten Schlaf nachzuholen wird uns verwehrt: der Regionalexpress ist unbequem und hält noch dazu an jedem Briefkasten. Drum sind wir froh in Frankfurt in den IC steigen zu können, der uns nach Mainz bringt. Dort haben wir ein wenig Zeit, also essen wir jeder noch ein Schokocroissant und ein Muffin, bevor wir uns zur Bushaltestelle begeben.

Dort warten schon einige Menschen auf den Flughafen-Shuttle-Bus, der in wenigen Minuten kommen sollte. Die Tatsache, dass ständig weitere Menschen mit Gepäck zur Haltestelle gebracht werden und sich wartend zu uns gesellen, verwirrt uns erst - bis der Kaffeefahrt-Bus vorfährt und das Rätsel löst. Aus den "wenigen Minuten" wird in der Zwischenzeit eine halbe Stunde und einige Mitreisende werden schon nervös, weil sie knapp kalkuliert haben - aber wir haben ja massig Zeit.

Entsprechend trinken wir in Hahn angekommen auch erstmal einen Tee und verfolgen dann von der Besucherterasse aus das faszinierende Schauspiel der Flugbewegungen über Frankfurt Hahn. Unzählige Starts und Landungen später entschließen wir uns, doch schon mal zum Checkin zu gehen und dort die restliche Zeit zu warten, nur: warum stehen da schon so viele??? Und warum steht auf dem Schild oben schon "Kerry"??? Unser Flug geht doch nicht etwa schon um 10:50??? Nun ja: doch. Dennoch bekommen wir noch ein gutes Plätzchen im Flieger und landen nach 1,5h Flug über den Wolken

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1083.jpg

irgendwo im Nirgendwo namens "Kerry Airport". Schlagartig wird uns klar, warum hier eine "Flughafenentwicklungsgebühr" in Höhe von 6 Euro von jedem abfliegenden Fluggast erhoben wird - angesichts der anderthalb Baracken und der Garage für die zwei Feuerwehrautos.
Dafür müssen wir aber auch nicht lange auf unsere beiden unversehrten Rucksäcke warten, die dank 20kg Freigepäck diesmal nicht einmal neu bepackt werden müssen.

Gleich darauf tappen wir in die erste Touri-Falle und fahren mit einem hoffnungslos überheizten Shuttle-Bus für 7 Euro in 20min nach Killarney. Weniger überheizt und kaum weniger schnell hätten wir das kurz darauf für 3,70 im normalen Eireann-Bus haben können.

Auch die Hostel-Preise reiten auf der Touri-Welle: wir zahlen sage und schreibe 18 Euro pro Nase im Sugan's (16 im Dormitory) -


http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1095.jpg

schlafen dafür aber wenigstens ruhig. Vorher schauen wir uns aber noch in Killarney um und besorgen die noch fehlenden Dinge: Käse, Schokolade, Tee, eine Karte und Benzin. Letzteres zum wahnwitzigen Preis von 10 Euro für 500ml - wenn Gold brennen würde, wäre das wohl billiger...

boehm22
17.04.2006, 13:02
Fein, es geht los - ich freue mich schon auf den gesamten Bericht. :) :)


Und hab auch gleich eine Frage:

. . . beiden unversehrten Rucksäcke warten, die dank 20kg Freigepäck diesmal nicht einmal neu bepackt werden müssen. . . .


Du schriebst von 20 kg Freigepäck.
War Eure Buchung vor dem 21.März?
Denn seitdem ist das Freigepäck erhöht worden von 15 kg auf 20 kg - einhergehend mit einer "Koffergebühr".
Angeblich dürfen die Passagiere von Buchungen vor dem 21. März jedoch weiterhin nur 15 kg ohne Aufpreis einchecken.

Ich flieg nämlich am 3. Mai von Stansted nach Prestwick - hab vorher im AirBerlin von NUE nach Prestwick 20 kg Freigepäck - und eigentlich keine Lust aufgrund meinen Buchung aus dem Januar in Prestwick den Rucksack umzupacken.

Melanie
17.04.2006, 13:16
Du schriebst von 20 kg Freigepäck.
War Eure Buchung vor dem 21.März?
Denn seitdem ist das Freigepäck erhöht worden von 15 kg auf 20 kg - einhergehend mit einer "Koffergebühr".
Angeblich dürfen die Passagiere von Buchungen vor dem 21. März jedoch weiterhin nur 15 kg ohne Aufpreis einchecken.


Ich habe nachgeschaut: wir haben am 18.3. gebucht und in der Bestätigungsmail steht folgendes:


The checked baggage allowance is 15kg per person (no infant allowance)
No pooling/sharing of baggage allowances is permitted, even when
passengers are travelling together on the same reservation.

Any checked baggage above 15kg per passenger will be charged at
GBP5.50/EUR8.00 per kilo.


Scheint also so, als wüssten die Leuts bei Ryanair selbst nicht so genau Bescheid, denn wir hatten definitiv mehr als 15kg dabei und haben nichts zuzahlen müssen.
Allerdings fällt mir dieser Widerspruch jetzt erst auf - ich weiß nicht ob ich mich darauf verlassen würde.

Aber wir wäre folgendes Vorgehen: Pack normal, aber steck halt Zeug von ca. 5kg in einen Sack, den Du leicht rausrupfen kannst. Wenn sie dann meckern und Geld haben wollen: nimm das Zeug raus und stell Dich halt nochmal an und nimm den Sack als Handgepäck mit.

Grüße,
Melanie

boehm22
17.04.2006, 13:21
Aber wir wäre folgendes Vorgehen: Pack normal, aber steck halt Zeug von ca. 5kg in einen Sack, den Du leicht rausrupfen kannst. Wenn sie dann meckern und Geld haben wollen: nimm das Zeug raus und stell Dich halt nochmal an und nimm den Sack als Handgepäck mit.


Genau so werd ich's machen - der mit ca. 5 kg befüllte Nylonbeutel, der sonst bei RyanAir mein Handgepäck darstellt, kommt zu oberst in den Rucksack und kann schnell entfernt werden und mit dem Plastikbeutel-Rest-Handgepäck befüllt werden :D


EDIT: Upps - hab gerade nachgeschaut, die Umstellung war am 16.März - somit kann es ein, daß Du schon zu den neuen Konditionen gebucht hattest und ich eben noch zu den alten.

Melanie
17.04.2006, 16:27
EDIT: Upps - hab gerade nachgeschaut, die Umstellung war am 16.März - somit kann es ein, daß Du schon zu den neuen Konditionen gebucht hattest und ich eben noch zu den alten.

Aber warum sollte dann das obige in meiner Bestätigungsmail gestanden haben? Naja... bei Ryanair ist alles möglich.

Melanie

boehm22
17.04.2006, 17:04
EDIT: Upps - hab gerade nachgeschaut, die Umstellung war am 16.März - somit kann es ein, daß Du schon zu den neuen Konditionen gebucht hattest und ich eben noch zu den alten.

Aber warum sollte dann das obige in meiner Bestätigungsmail gestanden haben? Naja... bei Ryanair ist alles möglich.

Melanie

Wie wahr!

Aber nun will ich nciht weiter unterbrechen, damit Du noch was zu Irland schreiben kannst.

Shirkan
17.04.2006, 17:29
hey cool

Wußt gar nicht, dass du in Irland warst - sonst krieg ich doch hier immer alles mit

Kerry und Beara Way - supi !!!
Da bin ich mal auf den Rest gespannt. Im Sugan hab ich auch 2 Nächte geschlafen - eigentlich ein nettes Fleckchen Erde, wenn man von den Duschen und der frühmorgens verschlossenen Küche absieht. ;)

Ok, dann tipp mal fleißig weiter :bg:

Sawyer
17.04.2006, 17:33
The Sugan

Oohje, alte Wunden reißen auf, schlimme Erinnerungen werden wach, der Ostermontag ist dahin.

In diesem Loch habe ich im Oktober letzten Jahres eine schlaflose Nacht verbracht und war froh als ich mit geschultertem Duffle-Bag diese Klimperbude verlassen konnte.

Da gibt´s wirklich weitaus besseres. Ich hoffe ihr hattet nicht das Bunkerloch im EG auf der rechten Seite, wo die Wasserrohre Terror schlagen wenn irgendwo eine Klospülung betätigt o. Wasser entnommen wird.

Hauahauaaa,

Sawyer *grusel*

mclupo
18.04.2006, 10:21
Schlagartig wird uns klar, warum hier eine "Flughafenentwicklungsgebühr" in Höhe von 6 Euro von jedem abfliegenden Fluggast erhoben wird - angesichts der anderthalb Baracken und der Garage für die zwei Feuerwehrautos.

Die Feuerwehrautos sind auf dem neusten Stand, aber die Start- und Landebahn könnte etwas länger sein. Ich hoffe die stecken meine 12,- in eine Ladung Teer.
Sonst bekomme ich beim nächsten Start wieder was an die Herzkammer....


McLupo

Sawyer
18.04.2006, 10:25
Kerry Airport.

Auf dem Rückflug hatten wir trotz weniger Gepäck erheblich mehr Gewicht und mussten zahlen. Meine Frau hat noch darauf hingewiesen, dass das Lunchpaket für den sofortige Verzehr gedacht.
Der dicken Spinatwachtel war das egal.

Ich werde beim nächsten Irland-Trip dem Shannon-AP wieder den Vorzug geben.

Sawyer

Glen S.
18.04.2006, 13:38
Bin ja mal echt auf euren weiteren Bericht gespannt! :D

Ich kenne Kerry und Beara, jedoch nur aus dem Auto. Insbesondere Beara sah mir jedoch nach einem Top Trekking Gebiet aus. Bin jetzt mal auf nen Erfahrungsbericht gespannt, da wir im September Irland zu Fuß ins Auge gefasst haben.

Go ahead :bg:

DocViper
18.04.2006, 14:25
Das Publikum schart schon ungeduldig in den Bankreihen .... :bg:

Melanie
18.04.2006, 19:05
Das Publikum muss noch bis morgen warten. Heute bei der Seminarplatzvergabe (*ätzend*) hatte ich zwar brav das Notebook dabei um weiter zu tippseln, aber dessen Akku machte nicht mit. Und jetzt geht's erstmal zum Ice Age II gucken...

Melanie

Melanie
19.04.2006, 13:24
Zweite Szene

in der ein Hund an seine Grenzen kommt, die Erkenntnis reift, dass Karten hin und wieder hilfreich sind und hydrologische Grundgesetze in Frage gestellt werden

Nach ausgiebigem Schlaf wachen wir früh wieder auf und vertreiben uns die Zeit noch ein wenig in Killarney bis um neun Uhr das Pub, Restaurant, wie auch immer... aufmacht in dem wir auf Anraten des Hostelwirts ein fürstliches Frühstück zu uns nehmen. Die Spiegeleier, Speck und (etwas gewöhnungsbedürftigen) Würstchen samt Toast, Brot und viel Tee mit Milch sättigen tatsächlich ausgezeichnet.

Um halb zehn sind wir dann schon auf dem Weg Richtung Ross Castle, das ich bei meinem letzten Besuch in Irland schon nicht gesehen hatte. Der Weg durch den Nationalpark ist zwar touristisch voll erschlossen, aber dennoch recht angenehm - ein sanfter Übergang von der Zivilisation zur Natur. Weniger sanft verläuft dagegen eine Begegnung mit einem armen Labrador-Mischling, der mit seinem Herrchen und einem weiteren Labrador auf einem gemütlichen Spaziergang unterwegs ist. Sobald er unserer ansichtig wird bleibt er stehen und bellt. Was wir als Begrüßung deuten erweist sich bald als großer Schreck, denn ein weiterer Schritt den wir auf den immerhin noch gut 50m entfernten Hund zumachen bringt diesen dazu sich auf der Stelle umzudrehen und zu flüchten. Überrascht bleiben wir stehen und warten bis Herrchen und zweiter Hund bei uns angekommen sind. Das Herrchen lacht sich schier kaputt über das Verhalten seines Hundes und versucht diesen zu sich zu locken während wir am Wegrand warten. Er erklärt uns was seinen Hund so erschreckt, aber dank des Dialekts verstehen wir nur, dass es etwas mit unseren Rucksäcken zu tun hat. Nachdem die Lockversuche erfolglos bleiben und ein weiterer Schritt unsererseits gar zu noch weiterer Flucht führt, geht das Herrchen den Hund holen, der - nun an der Leine - sichtlich entsetzt, mit aufgestelltem Nackenhaar und leise knurrend mit dem größtmöglichen Abstand an uns vorbei läuft. An uns vorbeigekommen lässt das Herrchen ihn wieder von der Leine und der bloße Anblick unserer weiteren Bewegung führt - obwohl diese von ihm wegführt - zu erneutem Jaulen und halsbrecherischer Flucht nach vorne.
Was auch immer diesem Hund mit Rucksackträgern zugestoßen sein mag: es muss einen bleibenden Eindruck auf ihn gemacht haben.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1100.jpg

Am Castle angekommen wählen wir nicht die - wie wir vermuten - teure Möglichkeit mit dem Boot zum Muckross House überzusetzen sondern wollen am See entlang laufen. Da wir keine Karte haben wird uns erst als wir bei Bauarbeitern nach dem Weg fragen klar, dass diese Option vielleicht doch nicht die klügste ist, denn sie meinen, wir müssten wieder ganz in die Stadt zurück. Wir hoffen eine vielleicht nicht ganz so übliche Abkürzung zu finden und halten uns so weit in Richtung Muckross House wie möglich - leider bedeutet das den ganzen Weg an einer langen Straße entlang zu laufen.

In Killarney wieder angekommen (also doch) laufen wir dann von der Asphaltlatscherei schon leicht ermüdet Richtung Muckross House und sind wenig begeistert, als sich herausstellt, dass die gesamten 5km ebenfalls an der Straße entlang führen. Ich bin immer noch nicht sicher, ob wir nicht einfach eine Abzweigung des Kerry-Ways, der hier ja beginnt, übersehen haben.

Der Weg im Nationalpark ist dann wieder schön. Insbesondere wenn man den kleineren Fußpfaden am Seeufer folgt. Über die fragwürdige Einstellung der Iren zum Thema Müllentsorgung muss man dabei allerdings hinwegsehen. Wir machen einige kleine Pausen am Muckross House selbst, an der ein oder anderen Felsküste und am Strand mit den umgeworfenen Pinien. Auch der Nature Trail am Bootshaus ist zwar kurz aber auf jeden Fall zu empfehlen. Am Torc Wasserfall essen wir dann ein bisschen was und genießen das schöne klare Wasser. Danach geht es durch schön wilde Landschaft bergauf mit immer wieder schönen Aussichten auf die Seen rund um Killarney.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1115.jpg

An einer Abzweigung finden wir dann nur den Wegweiser des Kerry-Ways ins Black Valley. Wir wollen dem Kerry-Way ja bis Kenmare folgen um dort auf den Beara-Way zu stoßen. Ohne Karte sind wir uns nicht sicher ob wir schon die Gabelung des Kerry-Ways erreicht haben und laufen einige hundert Meter zurück um einen dort abzweigenden Weg auf evtl nicht entdeckte Wegweiser zu inspizieren. Glücklicherweise gabelt sich dieser Weg aber bald darauf wieder und nachdem auch dort kein Wegweiser zu entdecken ist, schließen wir daraus, dass dieser Weg in jedem Fall der falsche ist. Zudem scheint unter dem Wegweiser ins Black Valley ein zweiter zu fehlen, so dass wir annehmen, dass dort der Richtung Kenmare hingehört und schlicht abhanden gekommen ist. Wir laufen also Richtung Black Valley weiter in ein Schutzgebiet hinein in dem das Zelten ausdrücklich verboten ist.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1119.jpg

Einige Zeit später kommt uns dann doch noch eine Frau entgegen, die uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir laufen also fröhlich weiter durch die schöne Landschaft des Windy Gap und hoffen bald aus dem Schutzgebiet heraus zu kommen um nach einem Zeltplatz Ausschau halten zu können. Etliche Hügel, viele Meter Bog und noch viel mehr Schritte später sehen wir in der Ferne ein Tal und vermuten dort das Ende der Schutzzone. Zwischendurch haben wir hinreichend Gelegenheit die Theorie, dass Wasser auf hinreichend geneigten Hängen abfließt zu falsifizieren. Nachdem wir schon an drei mehr als genialen Zeltplätzen vorbeigelaufen sind kommt uns eine Hütte am Wegrand gerade recht. Schutzzone hin oder her, hier bleiben wir. Da die Schutzzone dazu dient Tiere vor dem Einfluss von Menschen zu schützen und selbige sich freiwillig wohl nicht in den Nahbereich einer offensichtlich immer wieder genutzten Hütte begeben werden, können wir das mit unserem ökologischen Gewissen auch recht gut vereinbaren.

Während ich versuche Nudeln zu Kochen, versucht Stephan das Zelt aufzubauen. Beides mit mäßigem Erfolg: meine Nudeln werden pampig und Stephan wirft das Außenzelt verkehrt herum über und wundert sich, dass nichts mehr passt. Kurz nach dieser eher peinlichen Vorstellung taucht eine Deutsche auf, die unser Gewissen weiter entlastet indem sie berichtet, dass die Hütte als Schutzhütte im Kerry-Way-Führer angegeben ist. Die weitere Unterhaltung fällt allerdings recht kurz aus und nach einem heißen Tee verschwinden wir möglichst schnell aus dem kalten Wind ins Zelt.

Melanie
19.04.2006, 13:29
Zu den Fragen und Anmerkungen:

Kerry-Airport: Ich glaube das mit dem Übergepäck ist ein generelles Ryanair-Problem. Beim letzten Mal wogen unsere Rucksäcke trotz 10kg vernichteter Nahrung auf dem Rückflug angeblich auch mehr als auf dem Hinflug...

Ich glaube nicht, dass die Startbahn länger ist, jedenfalls rollte unser Pilot an den äußersten Zipfel um von dort zu starten. Trotzdem waren noch ein paar Meter übrig ;-)

Wir hatten im Sugan auch das "Loch" im EG - aber entweder haben sie die Wasserleitungen renoviert oder ich war einfach müde genug, geschlafen habe ich bestens. Einzig die im EG nicht vorhandenen bzw. winzigen Fenster waren unangenehm. Aber natürlich... das Haus ist schon sehr hellhörig.

September in Irland? Sehr schön - aber nimm Sonnencreme mit ;-)

Melanie

Sawyer
19.04.2006, 13:45
September in Irland? Sehr schön - aber nimm Sonnencreme mit

Brauch ich nicht. Ich war ja letztes Jahr dort :roll:

The Sugan: Dann war´s also das Zimmer mit dem Minifenster und Platikblumenhängetopf wo gleich dreißig Zentimeter weiter die Hauswand vom Pub beginnt und das Waschbecken davor ist.
Mann-oh-mann bzw. Frau-oh-frau, Du musst wirklich sehr müde gewesen sein. :sleep:

Habt Ihr auch den Outlet-Store unsicher gemacht. Als ich gelesen habe, dass dort LOWE, etc. einen Shop hat, war ich nicht mehr zu halten. :shock:

Sawyer

Glen S.
19.04.2006, 13:52
September in Irland? Sehr schön - aber nimm Sonnencreme mit ;-)


Der auf meinem Avatar zu bestaunende Sonnenbrand ist original aus Irland (Juni 2003, ohne Sonnencreme) :bg:

Shirkan
19.04.2006, 14:06
Nachdem wir schon an drei mehr als genialen Zeltplätzen vorbeigelaufen sind kommt uns eine Hütte am Wegrand gerade recht. Schutzzone hin oder her, hier bleiben wir.
[...]
Kurz nach dieser eher peinlichen Vorstellung taucht eine Deutsche auf, die unser Gewissen weiter entlastet indem sie berichtet, dass die Hütte als Schutzhütte im Kerry-Way-Führer angegeben ist.
An der Hütte vor dem alten Wald und der Abzweigung nach Kenmare hängt doch ein Schild des Killarney NP - aus dem man doch eigentlich schließen kann, dass es sich hierbei um eine eigenes für Wanderer bereitgestellte Hütte handelt.
Oder habt ihr da ne andere Hütte entdeckt?
Hattet ihr keine Karte dabei?

Sawyer
19.04.2006, 14:20
Der auf meinem Avatar zu bestaunende Sonnenbrand ist original aus Irland (Juni 2003, ohne Sonnencreme)


Müsste irischer Sonnenbrand nicht grün sein :bg:

Glen S.
19.04.2006, 14:34
Der auf meinem Avatar zu bestaunende Sonnenbrand ist original aus Irland (Juni 2003, ohne Sonnencreme)


Müsste irischer Sonnenbrand nicht grün sein :bg:

das grün kam drunter zum Vorschein ... :wink:

Melanie
19.04.2006, 14:44
An der Hütte vor dem alten Wald und der Abzweigung nach Kenmare hängt doch ein Schild des Killarney NP - aus dem man doch eigentlich schließen kann, dass es sich hierbei um eine eigenes für Wanderer bereitgestellte Hütte handelt.
Oder habt ihr da ne andere Hütte entdeckt?
Hattet ihr keine Karte dabei?

Da war kein Schild, aber da da sonst auch keine andere Hütte ist, nehme ich an, dass wir die gleiche meinen.

Nein, für den Teil hatten wir eben keine Karte, dummerweise. Es sollte ja "nur ein paar Meter" auf dem Kerry-Way entlang gehen und meine bisherigen Irlanderfahrungen waren die, dass es eher zuviel als zu wenig Wegweiser gibt - war vielleicht ein wenig blauäugig.


Habt Ihr auch den Outlet-Store unsicher gemacht. Als ich gelesen habe, dass dort LOWE, etc. einen Shop hat, war ich nicht mehr zu halten.

Haben wir, aber wo das ein Outlet-Store mit entsprechenden Preisen sein soll haben wir nicht entdecken können.

Melanie

Sawyer
19.04.2006, 14:51
Also für meine Patagonia-Unterwäsche habe ich 40% weniger bezahlt als hier in Deutschland. Die restlichen Angebote waren in der Tat eher UVP als Outlet :-?

Sawyer

Shirkan
19.04.2006, 15:29
Da war kein Schild, aber da da sonst auch keine andere Hütte ist, nehme ich an, dass wir die gleiche meinen.
Hmm, ich erinner mich daran, dass in der Hütte irgendwo so ein kleines Schild hing

ich denke auch das wir über die selbe reden


http://wolke.wo.funpic.de/Irland/slides/P3230064.JPG

Melanie
19.04.2006, 18:28
Hmm, ich erinner mich daran, dass in der Hütte irgendwo so ein kleines Schild hing


Ich muss gestehen, ich habe IN die Hütte nur einen kurzen Blick geworfen und meiner Nase Wunsch nach Frischluft dann schnellstmöglich wieder entsprochen...



ich denke auch das wir über die selbe reden


Ja, tun wir, auch wenn deren Zustand ein wenig ein anderer war.

Melanie

mclupo
20.04.2006, 17:09
Ich bin immer noch nicht sicher, ob wir nicht einfach eine Abzweigung des Kerry-Ways, der hier ja beginnt, übersehen haben.

Nein, habt ihr nicht.
Ich war letztes Jahr fast eine Woche in der Gegend (quasi in Höhe Muckross House links hoch), aber das ist definitiv kein Weg.



Ich glaube nicht, dass die Startbahn länger ist, jedenfalls rollte unser Pilot an den äußersten Zipfel um von dort zu starten. Trotzdem waren noch ein paar Meter übrig

Dann sollten die das mal schleunigst machen...


McLupo

Melanie
22.04.2006, 10:48
Dritte Szene

Eine Einführung in irische Wettervorhersage und die Vielseitigkeit hiesiger Supermärkte.

Morgens ist der Wind an der Hütte immer noch kalt, aber im Windschatten eines Baumstamms finden wir ein angenehmes Plätzchen zum frühstücken. Das Zelt ist schnell eingepackt und die Schlafsäcke genießen unterdessen eine Trockenrunde im Wind. Denn wir hatten vergessen die Belüftungsmöglichkeiten des Zeltes aufzumachen und entsprechend des Nachts eine Tropfsteinhöhle produziert. Wir können tun und lassen was wir wollen: unsere erste Nacht im Zelt wird irgendwie immer chaotisch.

Durch einen verwunschenen, knorrigen Eichenwald geht es bergab. Wenn Irland - wie man sagt - vormals überall so bewaldet war, wäre ich gerne mal zu dieser Zeit dort gewesen. Kurz darauf stehen wir an der richtigen Abzweigung des Kerry Ways. Links geht es nach Kenmare und rechts ins Black Valley. Und hier auf der Straße sind wir nun auch wieder aus dem Schutzgebiet heraus.

Hinter dem Eichenwäldchen stoßen wir auf einen Bach mit Brücke, den einige Touristen wohl als "Brunnen" fehlinterpretiert haben: es liegen nicht wenige Münzen auf dem Bachbett. In städtischen Brunnen kann ich mit dieser merkwürdigen Art, seine Verbundenheit zu einer Region zu zeigen, leben - hier in einem fast unberührten Bach finde ich es fehl am Platze.

Auf dem weiteren Weg kommen wir noch an vielen Bächen und Wasserfällen vorbei und beschließen bald nicht an jedem Pause zu machen. Ein besonders schöner wird allerdings für eine Waschpause genutzt und ich darf Stephan den Kopf bzw. die Haare waschen.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1125.jpg

Vom nächsten Hügelkamm aus können wir in das Tal in dem Kenmare liegt blicken und außerdem einen Blick zurück auf das Tal mit dem Upper Lake werfen. Dort sitzt ein Ire, der auf seine anderen, langsameren Mitwanderer wartet und mit dem wir ein paar Worte wechseln. Auf unsere Frage nach dem Wetter für die nächsten Tage meint er: "Not too bad." - was wohl alles zwischen Sonnenschein und Schneesturm - ausgenommen vielleicht nur Orkan - bedeuten kann. Etwas unterhalb bieten schräg stehende, sonnenbeschienene Felsen eine wunderbare Gelegenheit für eine ausgedehnte Mittagspause. Spätestens hier haben wir uns wohl den Sonnenbrand geholt.

Der Ire meinte wir hätten den anstrengendsten Wegteil von Killarney nach Kenmare hinter uns. Was die Höhenmeter angeht mag das stimmen: es geht nur noch lange hinunter, mit einem kurzen Zwischenaufschwung. Aber leider ist ein großer Teil der Strecke auf Asphalt zu bewältigen und die Straße zieht sich unangenehm geradlinig durch eine relativ eintönige Landschaft.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1127.jpg

In Kenmare angekommen sind wir ziemlich müde und wir wollen nur ein wenig einkaufen und uns dann bald außerhalb Kenmars einen Schlafplatz suchen. Im ersten Supermarkt fragen wir nach Benzin. Die darauf gelieferte Beschreibung wo wir es bekommen können verstehe ich allerdings nur zur Hälfte. Eine weitere Nachfrage in einer Pharmacie führt uns zu einem Supermarkt, der diesen Namen wahrlich verdient, so man es auf die Auswahl der Produkte bezieht. Der Inhaber des Ladens ist sehr hilfsbereit und bemüht und nach einigen Verständigungsschwierigkeiten halten wir etwas brennbares in den Händen, was uns verdächtig an Grillanzünder erinnert. Allerdings ist der Preis mit 3,70 Euro pro Liter so gering, dass wir beschließen einen Versuch mit diesem Zeug in unserem Kocher zu wagen. Mehr als nicht brennen kann es schließlich kaum. Dennoch wollen wir vorsichtshalber erstmal noch einen Großteil des sündhaft teuren Benzins verbrauchen.

Über die Brücke des Kenmare River laufend entscheiden wir uns den östlichen Teil der beiden Varianten des Beara Way zu nehmen, weil die Aussichten auf einen Schlafplatz der Karte nach dort besser zu sein scheinen. Die Vorzüge mit Karte unterwegs zu sein sind doch nicht von der Hand zu weisen...

Jedoch erweist sich die Suche als schwieriger als gedacht. Eine Frage bei einem Haus mit danebenliegender Weide bringt uns eine Ablehnung ein. Schließlich bleiben wir an der Brücke am Sheen River auf einer Weide, die offensichtlich dem Nobelhotel am Sheen gehört. Ein wenig Bedenken haben wir schon, aber andererseits machen wir ja nichts kaputt und sammeln im Gegenteil noch ein wenig herumliegenden Müll ein.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1130.jpg

Melanie
24.04.2006, 20:12
Vierte Szene

Eine Isomatte geht auf Reisen

Morgens stehen wir möglichst bald auf und bauen zügig das Zelt ab. Während dem Frühstück trocknen die Schlafsäcke mal wieder an der Brücke hängend. Der viele Tau auf der Wiese hat auch für entsprechende Feuchtigkeit in den Schlafsäcken gesorgt.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1131.jpg

Schon auf der Karte sehen wir, dass uns ein recht langer Abschnitt auf Asphalt erwartet. Aber zumindest liegt auch ein sehenswerter Wasserfall wenige hundert Meter abseits des Weges, den wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Auf dem Weg dorthin fällt mir das erste Mal so richtig der Unterschied zwischen dem Irland von vor anderthalb Jahren und heute auf: überall wird gebaut. Oft sind es offensichtlich Ferienhäuser oder Wochenendhäuser, die wohl gebaut werden um am florierenden Tourismus teilzuhaben. Leider wird damit auch die Landschaft nicht unerheblich zersiedelt. Wo man vormals sicher über weite Strecken nur an sehr vereinzelt liegenden Häusern vorbeilief findet sich nun alle paar hundert Meter eine Einfahrt zu einem Haus oder einer Baustelle.

An den Wasserfall des Sneem, der ganz offensichtlich auch durchaus deutlich mehr Wasser führen kann, kommt man nicht so ohne weiteres. Aber am einen Ende der Brücke gibt es einen Trampelpfad, der einen durch Gebüsch und allgegenwärtigen Ilex zum Wasser führt.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1132.jpg

Dort machen wir auf den trocken liegenden Felsen Pause und ich nutze die Kombination aus Wasser und Sonne um meine Icebreaker mal durchzuwaschen. Was logischerweise dazu führt, dass ich die weitere Strecke im Baumwoll-T-Shirt laufe. Was widerum dazu führt, dass ich mir sicher bin fortan zu jeder Tour das Wollzeug mitzunehmen, denn das Baumwollzeug ist zwar erstmal ein wenig (aber nicht viel) kühler, dafür ist es auch sehr schnell nass und dann wird es selbst bei wenig Wind ohne Windschutz sehr schnell unangenehm kühl.

Eine Weile später kommen wir wieder nahe an den Fluss, bzw. an einen Nebenfluss. Eine Furt führt hier, wenn man denn möchte, ans andere Ufer und wir machen ein wenig Pause, da uns das Licht und Schattenspiel im Fluss ziemlich fasziniert.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1133.jpg

Die Furt ist sehr seicht und es führen große Trittfelsen auf die andere Seite auf denen sich gut sitzen lässt. Allerdings sind die im Schatten liegenden noch ein wenig kühl, so dass wir meine Isomatte (Evazone) als Unterlage nehmen um gemütlich unseren Füßen ein Fußbad zu gönnen. Wir machen Fotos und spielen ein wenig im Wasser herum, essen etwas und lassen es uns gut gehen.

Kurz bevor wir uns aufraffen wollten zum weiterlaufen saßen wir noch kurz auf einem Felsen in der Mitte der Furt um uns ein wenig von der Sonne aufwärmen zu lassen. Die Isomatte ließen wir zwei Meter weiter auf dem Felsen liegen. Als Stephan zurück lief um einzupacken fiel ihm auf, dass er gar nicht mehr auf die Isomatte trat. Ich war verwirrt, weil ich annahm, dass wir es bemerkt hätten, wenn die Isomatte ins Wasser gefallen wäre, insbesondere da ein Metallbecher auf einem kleineren Fels davor stand und sicherlich Lärm gemacht hätte. Also dachte ich zuerst Stephan hätte die Matte schon weggepackt und wollte mich nun ein bisschen ärgern, aber er sah genauso verwirrt aus wie ich mir vorkam. Also fingen wir an uns umzusehen. Da kaum Wind ging und wir übereinstimmend der Meinung waren, dass wir ein 2qm großes Etwas, was an uns vorbeifliegt wohl kaum hätten übersehen können, konnte die Isomatte eigentlich nur zwei Meter flussab auf der Schotterbank liegen. Aber da war keine Isomatte, nirgendwo. Genausowenig an der Böschung. Auch nicht stromauf hinter den Felsen, wohin sie evtl hätte geweht werden können. Wobei so eine Isomatte ja auch immerhin 400g wiegt und mir nicht bekannt ist, dass sie aktiv fliegen können.

Viel ungläubiges Kopfschütteln und mehrere Suchgänge später mussten wir uns eingestehen, dass die Isomatte wohl einfach weg war. Mir bleibt zwar unerklärlich wie sie von ihrem Standort in den Hauptstrom gekommen sein mag angesichts der unzähligen Steine die auf diesem Weg aus dem Wasser schauten, aber das half uns nicht. Während wir weiterhin unzählige Male die Strömung, den Wind und sonstige Faktoren auf der Suche nach dem Schicksal meiner Isomatte untersuchen vergeht die Zeit. Als es zu spät ist um sinnvoll weiter zu ziehen, schlagen wir das Zelt auf der straßenabgewandten Seite des Flusses auf einer praktischerweise sehr dicht gewachsenen Wiese auf. Heftige Diskussionen entbrennen darüber, wie wir die fehlende Isomatte ersetzen wollen. Da ich hoffe in nicht zu ferner Zukunft Ersatz für meine zu bekommen, bin ich gegen den Vorschlag Stephans (auch Evazone) in zwei Teile zu zerschneiden. Und da meine Puma über die hiesigen Temperaturen sowieso lächelt, während Stephans Dragon durchaus ein wenig zu tun bekommt bin ich auch dagegen, dass Stephan mir seine abtritt. Also bauen wir aus aller verfügbarer GoreTex Kleidung (immerhin zwei Jacken und zwei Hosen) sowie einem Fleece und einem Wollpullover ein Lager, dass der Isolationswirkung einer Evazone-Matte kaum nachsteht, insbesondere auf solch einer Unterlage.

Ungefähr eine Stunde verwenden wir für Probeliegen und weiteres Rätseln wie und wohin die Isomatte entschwunden sein mag. Dann beschließen wir den Tag mit einer ausgedehnten Kochzeremonie mit unserem letzten Benzin auf der Schotterinsel (die eigentlich die Isomatte hätte aufhalten müssen) zu beschließen.

Melanie
28.04.2006, 13:21
Zweiter Akt

In dem Brennversuche verschiedener Art unternommen werden: ganz ökologisch durch Nutzung der Sonnenenergie und althergebracht mit fossilen Energieträgern.

Darsteller:

Wir,
Sonne,
ein Kocher,
mehrere Iren,
ein kanadisches Ehepaar


Erste Szene

Nachdem ich die Nacht auf meinem improvisierten Lager recht angenehm verbracht habe frühstücken wir auf der Schotterinsel im Fluss. Teilweise wärmt uns die Sonne schön den Rücken, teilweise regnet es aber auch leicht. Schotterinseln in Flüssen scheinen bei uns mit solchem Wetter verknüpft zu sein. Entsprechend bekommen wir das Zelt nicht trocken eingepackt und Stephan beschwert sich im Lauf des Tages mehrfach über die Tatsache, dass Wasser nicht gewichtslos ist.

Wir wollen nach Glengarriff laufen um uns dort über Bus-Rückfahrtmöglichkeiten für das Ende der Tour zu informieren und evtl eine Isomatte aufzutreiben. Erstmal geht es aber noch eine Weile auf Asphalt an Bunane vorbei weiter. Ungefähr zwei Kilometer nach dem Abzweig nach Bunane wird die Besiedelung spärlicher und es geht langsam bergauf in Richtung Esk Mountain, dessen Sattel zum Barraboy Mountain wir überschreiten müssen. Die auf der Karte eingezeichnete "Straße" entpuppt sich als bestenfalls für Geländewägen fahrbaren Trampelpfad und wir hegen die Hoffnung, dass das ein Indiz dafür ist in den nächsten Zeit weniger Asphalt laufen zu müssen.

Auf dem Sattel angekommen lassen wir unsere Rucksäcke am Weg stehen und laufen durch den Bog auf einen Vorsprung von dem aus man einen schönen Blick auf das hinter uns liegende Tal hat. Der Blick auf die Atlantik Bucht, die hier Kenmare River heißt, wird uns zwar durch Berge verstellt, aber irgendwo dort schwimmt wohl meine Isomatte: Gute Reise!

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1138.jpg

Der südliche Hang des Esk Mountain, der laut Karte bewaldet sein sollte, entpuppt sich als große Rodung auf der, nach irischer Art, alles mit Stumpf und Stiel abgeholzt wurde. Angesichts der nicht zu verachtenden errosiven Tätigkeit des irischen Regens frage ich mich immer wieder warum die Iren immer ganze Berghänge bepflanzen und dann später am Stück abholzen. Jedenfalls wird uns damit unsere Idee im Schatten der Bäume am dort eingezeichneten Bach Pause zu machen verleidet. Wir laufen also einen Weg (diesmal ist es auch in der Karte nur ein Weg) hinunter, der durch die schweren Geräte der Baumfällarbeiten reichlich zerwühlt ist.

Als wir auf die N71 treffen machen wir ein wenig Pause und die erste nähere Bekanntschaft mit höchst unangenehmen Plagegeistern: Zecken! Gerade als wir wieder loslaufen fängt es wieder an zu regnen und wir stapfen ein wenig verdrossen die kurvenreiche Straße entlang, immer damit rechnend vor schnell fahrenden Autos in die Büsche flüchten zu müssen. Ein Ire mit Transporter hält neben uns und meint, er würde uns ja mitnehmen, aber er müsse nur bis zum nächsten Haus.

Hinter jeder Biegung den Eingang zu einem Waldstück im Glengarriff-Tal erhoffend laufen wir weiter. Unterwegs wundern wir uns über irische Straßenschilder:
"Schau mal, das Schild auf der Gegenspur..."
"Öh... ja... ein... Tunnel?"
"Meinst Du nicht wir hätten es bemerkt, wenn wir durch einen Tunnel gekommen wären?"
"Joah, scheinbar stellen die Iren ihre Schilder SEHR früh auf: Vorsicht, in ca. 10km kommt ein Tunnel."
"Naja, so arg viele abzweigende Straßen gibt's ja auch nicht, wer weiß..."

Dann erreichen wir das Waldstück und den darin liegenden Park. Auf den Schildern ist zu lesen, dass dieses kleine Tal eins der wichtigsten Waldstücke in Irland sei - angesichts der paar Quadratkilometer Ausdehnung geradezu lächerlich. Dennoch: die alten Eichen sind beeindruckend und die Aussicht auf einer Bank Reisebericht schreiben zu können veranlasst mich vorzuschlagen hier ein wenig Pause zu machen und einen Tee zu trinken.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1144.jpg

Weil das Benzin so oder so nicht mehr reicht und Glengarriff ja in der Nähe ist, beschließen wir das Experiment zu wagen den Grillanzünder zu nutzen. Da ich annehme, dass es nicht schadet wenn ein wenig Benzin mit drin ist, kippen wir einfach ein wenig von der "Barbecue-Sauce" oben drauf und hoffen, dass uns der Kocher nicht um die Ohren fliegt. Einige Streichhölzer später brennt der Kocher schließlich. Nicht so brav wie mit Benzin und unter kräftiger Rußproduktion, aber er brennt.

Der Genuß von Tee und Cookies macht uns träge. Außerdem wollen wir diesen Park noch ein wenig erkunden, also beschließen wir uns hier umzusehen und wenn uns ein Schlafplätzchen begegnet auch hier zu bleiben. Wir vermuten, dass es uns sonst ähnlich ergeht, wie in Kenmare: wir laufen nach Glengarriff rein und finden dann, wenn wir schon müde sind auf dem nächsten Teilstück vermutlich so schnell kein brauchbares Plätzchen mehr. Auf der Wiese direkt bei den Bänken ist eindeutig zelten verboten - aber da hier die einheimische Bevölkerung mit dem Auto vorfährt um ihre Hunde auszuführen wäre uns das eh nicht so ideal erschienen.

Der Weg entlang des Glengarriff Rivers ist aber recht schön und bringt uns an mehreren brauchbaren Plätzchen vorbei. Wir entscheiden uns für ein etwas abgelegeneres unter einer knorrigen Eiche und fangen erstmal in Ruhe an zu Kochen um etwas später das Zelt aufzubauen.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1143.jpg

Aufkommende Regenwolken lassen die Sache dann doch ein wenig hektischer werden als geplant, aber letztlich liegen wir satt, trocken und zufrieden im Zelt. Dank der geschützten Lage, der Bewölkung und dem Laub unter dem Zelt habe ich an diesem Abend noch weniger Bedenken auf meiner provisorischen Schlafstätte zu frieren als am vorigen Abend.

Bananenquark
28.04.2006, 15:30
...und fahren mit einem hoffnungslos überheizten Shuttle-Bus...

Scheint mir irische Sitte zu sein, denn nahezu alle irischen Autofahrer die uns mitnahmen hatten die Heizung zum Limit aufgedreht, was bei Sonnenschein extrem heiß wurde, also machte man das Fenster auf... :grrr:



Auch das mit der Beschilderung war auffallend. Auffallend unzuverlässig. Wenn welche da waren und auch lesbar, dann waren sie verdreht... waren dann welche richtig traute man denen nicht so recht...

Melanie
30.04.2006, 09:58
Zweite Szene

Der Anfang vom Ende

Morgens meldet sich meine Blase mit der Anmerkung, dass ihr ein bisschen kühl sei. Ich tröste sie damit, dass wir gleich in Glengarriff sein werden und sie sich ab heute abend wieder auf wohlisoliertem Untergrund zur Ruhe betten darf.
Wir packen das Zelt an Ort und Stelle nass wie es ist ein und begeben uns zu den wunderbaren Frühstücksbänken um dort unsere Teezeremonie abzuhalten und dem Zelt mittels Aufhängung ein wenig Wasser zu entziehen.

Da ich brennbare Flüssigkeiten in Plastikflaschen im Rucksack nicht besonders mag, beschließen wir einen möglichst großen Teil der Barbecue-Sauce in der Brennstoffflasche unterzubringen, mit dem Erfolg, dass der Kocher nun noch schwerer zu überreden ist anzuspringen, da der Benzinanteil natürlich geringer geworden ist. Nach einigen Versuchen mit dem Feuerzeug und zwei verbrannten Streichhölzern wird es mir zu dumm und ich werfe einfach das brennende Streichholz in die Pfütze und siehe da: es brennt!

Da wir abends vergessen haben das Getreideschrot mit Wasser zu versehen, damit es über Nacht quellen kann - übrigens eine ziemlich geniale Variante des Frühstücks für draußen! - versuche ich mein Glück es durch kochen schneller in eine genießbare Form zu bringen. Das gelingt überraschend gut und der Nebeneffekt, dass das Müsli nun warm ist, ist uns auch nicht ganz unrecht.

Dann brechen wir Richtung Glengarriff auf und haben unterwegs wieder einmal die Gelegenheit das irische Verständnis von Müllentsorgung zu bewundern:

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1145.jpg

In Glengarriff gräbt man das halbe Dorf um, offenbar in froher Erwartung massiver Touri-Ströme. Es gibt sogar soetwas wie einen Outdoorladen. Zumindest kommt es uns vor wie etwas, das soetwas sein oder werden könnte, wenn es denn auf hätte. Unsere Idee eines Nachkaufs einer Isomatte verflüchtigt sich also im Nichts.
Aber der Supermarkt versetzt uns in die Lage einige Lebensmittel zu kaufen und ein paar Postkarten mit Briefmarken zu versehen und abzuschicken.

Aus Glengarriff laufend spielen wir eine Art Bockhüpfen mit einem Postauto. Dieses fährt immer an uns vorbei, biegt in eine Einfahrt ein, wir laufen dran vorbei und kurz danach überholt es uns wieder. Am Ende der befahrbaren Straße jedoch trennen sich unsere Wege und wir befinden uns wieder auf Schafland:

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1146.jpg

An einem Loch machen wir Pause und ich mache mich auf den Weg Wasser zu holen. Natürlich ist ringsherum alles Bog und aus leidiger Erfahrung rechne ich mit dem schlimmsten. Also bewege ich mich vorsichtig von Grasbüschel zu Grasbüschel Richtung Wasser - bis ich unverhofft mit einem Fuß im Wasser stehe. Der Grasbüschel war wohl kein Grasbüschel... Eine Abfangbewegung führt nur dazu, dass ich auch mit dem anderen Fuss im Wasser stehe und mir dort auch das Wasser über den Schuhrand in selbigen läuft. Leider ist die Nuptse für die flacheren Meindl zu kurz, so dass die Gamaschen sehr schnell herunterrutschen.

Letztlich habe ich irgendwie Wasser und stapfe zurück zu unserm Plätzchen wo Stephan auf mich wartet und sich kaum halten kann vor Lachen. Als erstes ziehe ich dann mal die nassen Socken aus. Praktischerweise haben die dicken Wollsocken so gut wie alles aufgesogen, so dass die Schuhe höchstens an einigen Stellen ein wenig feucht geworden sind.

Es ist ziemlich windig und zudem zieht eine Wolkenfront auf. Das kürzt unsere Futterpause ein wenig ab. Wir sind bald wieder auf dem Weg zum Pass zwischen dem Sugarloaf Mountain (der seinen Namen nicht von ungefähr hat) und dem kleineren Gowlbeg Mountain. Das Gebiet durch das wir laufen ist sehr schön, aber meine Hände fangen relativ unvermittelt an sich recht hartnäckig zu beschweren. Ich versuche sie aus der Sonne herauszuhalten und laufe ab sofort ohne Stöcke, aber das nutzt nicht mehr viel. Oben auf dem Pass angekommen bin ich schon reichlich entnervt und platt. Zudem bekommen wir noch einige Schauer und kräftig Wind ab. Im Nachhinein betrachtet war wohl die Kombination aus latenter Sonnenallergie, kühler Nacht mit entsprechender Reaktion meiner Blase und nassen Füßen ein wenig zu viel.

Vom Weg auf der anderen Seite des Passes bekomme ich nicht mehr viel mit, obwohl sowohl Weg als auch Aussicht beeindruckend sind.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1149.jpg

Als wir einen Bach überqueren überlegen wir schon hier unser Lager aufzuschlagen, aber das Gelände ist zu steil. Wenige Meter weiter steht der Rest eines Hauses auf einer Weide, theoretisch könnten wir uns in dessen Windschatten niederlassen. Aber das wäre nur eine Notlösung. Von dort sieht man ein paar Meter hangaufwärts eine weitere Hütte, die intakter aber auch nicht dauerhaft bewohnt zu sein scheint. Dorthin machen wir uns auf den Weg.

Rund um diese Hütte ist schön kurz gefressenes ebenes Gras und wir beschließen hier zu bleiben. Wasser müssen wir dann eben aus dem zuvor überquerten Bach holen.

http://www.ubiquitaer.com/images/irland2006/slides/IMG_1160.jpg

Bei der Aktion Wasser zu holen wird deutlich, dass ich wirklich ziemlich am Ende bin. Selbst ohne Rucksack schnaufe ich beim Anstieg ziemlich.
Wir kochen noch schnell was und verziehen uns dann bald im Zelt. Allerdings ist an Schlaf lange nicht zu denken...

WildIVAN
30.04.2006, 15:17
Heyho Melanie,

Ist ja cool, dass hier mal jemand den Beara-Way gelaufen ist. Zumal zu dem Zeitpunt, wo ich auf dem Dingle-Way unterwegs war. Die meisten entscheiden sich ja doch für den Kerry Way, weil vermeintlich schöner. Als ich vor einem jahr mit Freunden den Beara-way gelaufen bin, hat mich vor allem die schlichte Schönheit der Region fasziniert, urtümlich, ruhig und charmant irgendwie.

Glengarriff hat uns im Vergleich zu Kenmare, Eyeries und Castletownberehaven auch nicht wirklich umgehauen, außerdem waren dort viele irische Nobeltouris unterwegs. Der Sattel am Barraboy-Mountain ist eine der schönsten Stellen der Tour. Der Blick auf die McGillycuddy's Reeks auf Iveragh war einfach herrlich. Wir haben dort bei gutem Wetter gezeltet und wollten uns eigentlich den Sonnenuntergang anschauen, mussten dann aber ein Schaf aus dem Sumpf ziehen.. Das ist aber eine andere Geschichte..
Durch den Park sind wir leider gar nicht gekommen, wir müssen da wohl irgendwo falsch gegangen sein..

Bin auf jeden fall sehr gespannt, wie Dein Bericht weitergeht.

Grüße aus Marburg ;)

jan