PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [ZA] Johannesburg - Cape Town: There And Back Again (+Fotos)



Der Waldläufer
26.02.2006, 14:35
Region/Kontinent: Mittel- und Südafrika

Südafrika
23.10.05 - 23.11.05

Das war kein reiner Trekking- oder Outdoor-Urlaub! Wer sich nur dafür interessiert: An den Tagen 13-17 sind wir den Otter Trail gelaufen, an den Tagen 21-25 den Giant's Cup Hiking Trail. Des weiteren machten wir zwei Tageswanderungen: Tag 7 auf den Tafelberg, Tag 30 im Blyde River Canyon.


Zuletzt online gestellter Tag: 31.
Der Bericht ist demnach endlich, nach fast einem Jahr, fertig!!!


TAGE 1-2 (23.10.05-24.10.05):

Mit einer riesigen Portion Wut im Bauch über mich selbst liege ich im Willem Pretorius Game Reserve/Südafrika in unserem Zelt. (Oder, ähem...dem, was noch davon übrig ist; doch dazu später...) Es ist Montag, 24.10.05, 18:15 Uhr Ortszeit und ich schreibe die Geschehnisse der ersten zwei Tage unserer Reise nieder. Draußen stürmt es, dass man meinen könnte, der letzte Tag sei angebrochen (Aufmerksame Leser merken schon, dass sich der Kreis mit dem Zelt schließen könnte...).

Doch von Beginn an: Meine Mutter hat uns am Sonntag, 23.10.05 zum Flughafen München gebracht, dort haben wir noch Annes Familie getroffen und sind dann gegen 12:45 Uhr von München nach Südafrika, bzw. dem Zwischenstopp Doha/Katar abgeflogen. Über den Flug gibt's nix zu meckern, außer dass ich Fliegen generell nicht so prickelnd finde, und sie es nicht geschafft haben, Anne und mich auf der Strecke Doha-Joha nebeneinander sitzen zu lassen. Der Zwischenstopp in Doha wurde dann gleich mal um vier Stunden verlängert. Keine Ahnung warum. Aber dafür haben wir als Ausgleich ein super leckeres Essen in einem Fast-Food-"Restaurant" spendiert bekommen. Anne und ich waren uns nach einem kurzen Blick auf das Huhn, welches trotz Panade blaß wie der Mond war, schnell einig, dass wir lediglich Pommes mit Ketchup wollten. Und selbstverständlich die Cola ohne Strohhalm! Man kennt ja die Horrorgeschichten über die seltsame Auslegung des Wortes "Recycling" in einigen Gebieten der Welt. *würg*

Die Maschine für den Weiterflug nach Johannesburg war supermodern, mit Bildschirmen für jeden einzelnen Sitz, auf denen man Kinofilme, Fernsehshows (so durfte ich meine heißgeliebten Friends anschauen!!!) oder Musik individuell aussuchen konnte. Ich habe schon beschlossen, dass ich in meinem nächsten Leben ein reicher Ölscheich werde! Ein Herr aus England hat sich übrigens netterweise dazu bereit erklärt, seinen Platz mit mir zu tauschen. So konnten Anne und ich doch nebeneinander sitzen. Sonst hätte ich halt ihm beim Schlafen auf die Schulter gesabbert. Schlafen im Flugzeug ist einfach unbequem. Das hat sich wieder einmal bestätigt. Habe ich schon erwähnt, dass ich nicht gerne fliege!? Allein schon diese Schlange vor den Toiletten! Ätzend!!! :ill:

Um kurz nach acht am Montag sind wir dann schließlich in Johannesburg gelandet. Ich hätte auch keine Minute mehr in diesem Flugzeug ausgehalten. (Ich freu mich schon auf unsere Neuseeland-Reise 2007!)

Am Flughafen sprach uns dann ein Mann in feinem Anzug an, ob wir einen guten Flug hatten. Yes, we had. Wo wir hinwollten. Car Rental. Schon eilt der Mann voraus in Richtung eines Gebäudes, das - mit zahlreichen Hinweisschildern angekündigt - wirklich nicht zu übersehen war. Allerdings lief der Mann wohlweislich immer genau so weit voraus, dass wir ihn nicht darauf aufmerkasam machen konnten, dass wir seine Hilfe eigentlich gar nicht benötigten. Kurz vor dem Ziel schloß sich dann noch ein zweiter Mann in Anzug unserer kleinen Karawane an und fragte, ob wir einen guten Flug hatten. Yessss, we had. Wahrscheinlich dachte sich dieser Mann, dass acht Augen mehr sehen, als sechs, und half uns, das Car-Rental-Gebäude, welches sich bereits deutlich geradeaus vor uns auftat, zu finden. Nach insgesamt zwei Gehminuten waren wir auch schon angekommen. Das Gepäck haben wir übrigens selber getragen. Der zweite Mann erinnerte uns daran, dass man eine so nette Tat unbedingt mit einem Tip belohnen musste. Ich wollte ihm den Tip geben, dass er sich schleunigst aus dem Staub machen soll, da sonst meine Wanderstiefel gleich am Flughafen die ersten Hügel besteigen würden, aber blöd, wie ich nun mal bin, sagte ich nur, dass wir noch kein Geld gewechselt hatten. Gnädig wie er war, wollte er sich aber auch mit den zehn Euro zufrieden geben, die er in meinem Geldbeutel gesehen hat. Auch wenn ich spätestens hier mein Vorhaben mit den Wanderstiefeln in die Tat umsetzen hätte sollen, habe ich einfach dem lieben Frieden willen jedem 2 Euro in die Hand gedrückt. Mir macht es wirklich nichts aus, auch mal mehr Geld in armen Ländern zu lassen, aber dann bitte bei den Leuten, die es wirklich brauchen...

Nachdem wir das Mietauto abgeholt und ein bißchen Geld abgehoben haben, konnten wir es gar nicht erwarten, endlich aus der Stadt raus zu kommen und in die Natur Südafrikas zu starten. Wir waren uns zum Glück einig, dass wir (mit Ausnahme von Kapstadt) so wenig Zeit wie möglich in Städten verbringen wollten.

Die Grundüberlegung dieses Urlaubs war, dass wir von Johannesburg so schnell wie möglich über die N1 nach Kapstadt fahren, um dann von dort aus wieder gemütlich entlang der Ostküste zurück nach Johannesburg zu gelangen. Gebucht hatten wir abgesehen vom Otter Trail, der wegen der großen Nachfrage am besten bereits ein Jahr im Voraus gebucht werden sollte, überhaupt nichts. Wir wollten so unabhängig wie möglich bleiben und spontan entscheiden, wo wir die Nacht verbringen.

Auf dem Weg zu unserer ersten Übernachtungsetappe, dem Willem Pretorius Game Reserve haben wir in Kroonstad Halt gemacht, um zu schauen, ob wir einen Outdoor-Laden ausfindig machen könnten, wo wir Gaskartuschen für unseren Kocher kaufen konnten. Hier ist uns eine weitere Eigenart der Südafrikaner aufgefallen: Als wir nach dem Weg gefragt haben, haben uns die Leute regelmäßig definitiv in die falsche Richtung geschickt. Unsere Theorie ist, dass die Leute so höflich sind, dass sie lieber irgendwas sagen, als dem Fragenden eine Abfuhr zu erteilen, indem sie ihm mitteilen, dass sie es nicht wissen. Völlig genervt haben wir dann nach der fünften Stadtdurchquerung diese ohne Gaskartusche und Lebensmittel wieder verlassen.

Im Willem Pretorius GR haben wir auf dem dortigen Camping-Platz als einzige Besucher unser Zelt aufgeschlagen. Bei strahlend blauem Himmel. Da wir noch nichts zu Essen hatten, sind wir noch mal kurz aufgebrochen, um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Ich muss hier mal anmerken, dass ich von diesem Urlaub erwartet hatte, Regen nur noch als verblassende Erinnerung aus der Heimat zu begegnen. Hey, immerhin waren wir in Afrika!! Naja, erstens kommt es anders und zweitens... na, Ihr wisst schon. Während wir beim Enkaufen waren, ist völlig unvermittelt ein Unwetter aufgezogen. Und was für eins! In unserem Unterstand, wo wir Schutz vor dem Regen gesucht haben, ist mir beim Gedanken an unser lediglich mit ein paar Heringen fixiertem Zelt heiß und kalt geworden. Vor meinem geistigen Auge habe ich das Zelt schon hoch an uns vorbei fliegen sehen... zum Abschied haben wir ihm noch ein wenig hinterhergewunken! Als das Unwetter vorbei war, sind wir natürlich sofort zu unserem Zeltplatz gelaufen. Und... was für ein Glück, das Zelt war noch da. Mit schräg gehaltenem Kopf habe ich das Zelt dann begutachtet, welches kerzengerade vor mir stand. Leider hat das Zelt aber diese Geradheit verloren, je mehr ich den Kopf wieder in seine Normalhaltung führte. Tränen schossen mir in die Augen, als ich unser schönes Mark II Long völlig schief und verbogen vor mir stehen sah. Eine genaue Inspektion ergab wenigstens, dass nichts gebrochen oder gerissen war. Das Zelt muss ohne die Sturmabspannung wohl flach wie eine Flunder auf dem Boden gelegen haben. Nachdem ich eine gute halbe Stunde damit verbracht habe, das Gestänge vorsichtig wieder einigermaßen gerade zu bekommen, stand das Zelt wieder fast aufrecht vor mir. Lediglich ca. 15 cm neigte es sich noch zur Seite. Ich könnte mich echt ohrfeigen! Ok, nächster Vorsatz: Egal wie schön das Wetter war, wenn wir das Zelt verlassen, nur noch mit allen Strumleinen abspannen!


TAG 3 (25.10.05):

Als ich am nächsten Morgen die Augen aufmache, merke ich, dass draußen bereits eine strahlende Sonne auf uns wartet. Keine Spur mehr von dem Unwetter, das uns gestern noch heimgesucht hat. Vielleicht war ja auch alles nur ein Traum gewesen. Noch etwas wackelig auf den Beinen wanke ich nach draußen. Enttäuschung macht sich breit: Die verbogenen Zeltstangen draußen machen mir bewusst, dass es sich leider nicht um einen Traum gehandelt hat. Unser schönes Zelt steht immer noch ein wenig schief da. "Naja," denke ich mir, "das war wohl der monatliche Regenschauer." Ab jetzt würden wir garantiert Sonne pur haben!!

Nach einem Frühstück packen wir unsere Sachen zusammen, ordnen den Kofferraum des Autos neu und folgen weiter der N1 Richtung Große Karoo, der Halbwüste, die sich über weite Teile von Südafrika erstreckt. Einst gaben ihr Buschmänner den Namen "kuru", was so viel wie "trocken" bedeutet. Wie sich herausstellt ein passender Name.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Bloomfontein, wo wir unsere Campingausrüstung um einen Hammer und zwei Gaskartuschen erweitert haben, kommen wir gegen 17:00 Uhr in der netten Ortschaft Graaff-Reinet, an der Grenze des Karoo Nature Reserve, an. In unserem Reiseführer steht, dass das Valley of Desolation in der Abenddämmerung ein atemberaubender Anblick sein soll. Da die Sonne sich langsam dem Horizont nähert, checken wir nur schnell beim Camping-Platz ein und fahren dann sofort weiter in das NR. Wir fahren eine knappe halbe Stunde bergauf, bis wir an einen recht gut gefüllten Parkplatz ankommen. Nach kurzem Fußmarsch gelangen wir an den Hauptaussichtspunkt. Die erste atemberaubende Aussicht dieses Urlaubs tut sich auf: Vor der weiten Ebene der Karoo stehen vereinzelt ein paar wilde Hügel, wobei ein oben spitz zulaufender, runder Hügel besonders ins Auge sticht. In dem roten Licht der Abenddämmerung erinnert das Valley of Desolation stark an den Wilden Westen der USA und verkörpert Abenteuerstimmung pur. Der Lonely Planet Reiseführer hat Recht: Das ist einer der Orte, an dem Du Dir wünscht, ein Adler zu sein. Wie ein Adler über das einsame Tal fliegen können wir leider nicht, aber hindurchwandern. Wir planen für morgen einen Tageswanderung, bevor wir noch den 1,5km langen Rundweg gehen. Leider müssen wir uns etwas sputen, um einer lauten Touristengruppe zu entkommen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0597.JPG

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0600.JPG
Valley Of Desolation


Wieder am Camping-Platz angekommen bauen wir im Dunkeln das verbogene Zelt auf, das ich diesmal auch an den Sturmabspannungsschlaufen abspanne. Anschließend gehen wir zum ersten Mal dem größten Hobby der Südafrikaner nach: Braai, also Grillen. Dadurch, dass es in diesem Land schon so früh dunkel wird, geht einem ziemlich viel Zeit verloren und der Tagesablauf wird enorm gedrückt.

In der Toilette hängen Schilder, auf denen zu lesen ist, dass das Füttern von Affen zwangsläufig zu deren Erschießung führt. Zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht so ganz klar, was damit gemeint ist. vielleicht gesundheitliche Probleme durch Überfettung?

TAG 4 (26.10.05):

Während wir unsere Sachen zusammenpacken laufen ein paar Grüne Meerkatzen über den Camping-Platz. Sie halten einen großen Sicherheitsabstand, was ich zu diesem Zeitpunkt noch als schade empfinde, weil wir dadurch nur durchs Fernglas die putzigen Tierchen anschauen können.

Endlich können wir das Auto auch mal stehen lassen und uns auf dem Eerstefontein-Trail durch das Valley of Desolation etwas die Beine vertreten. So wandern wir für ein paar Stunden durch diese wirklich beeindruckende Landschaft und haben auch schon unsere erste Wildtierbegegnung: eine riesige Schildkröte konnte wohl als einziges Tier nicht schnell genug vor uns davon laufen und wird jetzt erstmal ausführlich fotografiert. Schildkröten gehören definitiv zu meinen Lieblingstieren, weil sie auf mich so einen ruhigen, ausgeglichenen und streßfreien Eindruck machen. Eigenschaften, die ich an mir ab und zu vermisse...

Auf dem Rückweg zum Auto haben wir noch mal richtig Glück: In ca. 200 Meter Entfernung entdecken wir vier Kap-Bergzebras, die laut unserem Reiseführer nur noch in wenigen Nationalparks anzutreffen sind. Inzwischen ist dieses wunderschöne Tier nicht mehr vom Aussterben bedroht, gilt jedoch allgemein noch als bedroht.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/Bergzebras.jpg
Kap-Bergzebras auf dem Eerstefontein-Trail


Die Fahrt geht anschließend weiter Richtung Oudtshoorn, wo unser erstes Ziel die nahegelegenen Kangoo-Caves sind. Als wir dort ankommen, werden wir erstmal richtig enttäuscht. Für die Adventure-Tour, bei der man auch in tiefergelegene Höhlenabschnitte gelangt und auch mal ein bißchen klettern darf, sind wir 15 Minuten zu spät dran. Da am nächsten Tag die erste Adventure-Tour auch erst um 09.30 Uhr startet, entscheiden wir uns schweren Herzens für die normale Besichtigung.

Nachdem die Besucher in drei Gruppen (engl., franz., holländisch) eingeteilt wurden, starten wir in die Tiefen der Kangoo-Caves. Wie Kinder auf dem Rummelplatz laufen wir staunend von Höhle zu Höhle. Stalagniten und Stalagtiten in den verrücktesten Formen wohin das Auge reicht. Anne setzt sich ab, um ein paar Fotos zu machen. Der Führer der französisch sprachigen Gruppe steuert auf mich zu. "Where do you come from?" fragt er. "Germany." Er klatsch enzückt in die Hände. "Ich habe dort vier Jahre in Berlin studiert!" sagt er in fast akzentfreiem Deutsch. Er deutet auf eine Formation: "Was ist das?" "Castle Neuschwanstein?!" "Richtig! Sehr gut!" Er hat eine extrem tuntige Art und sein Rumgehüpfe und sein ständiges Streicheln meines Arms machen mich nervös. "Und wer hat es gebaut?" "König Ludwig." "Und welcher?" "Der vierzehnte!?" Autsch! Das tat weh! Noch während mir die Zahl rausrutscht, ärgere ich mich über meine eigene Dummheit. Klar, der französische Sonnenkönig baut in Bayern ein Schloß! Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass mich der Typ echt nervös gemacht hat. Er verzieht das Gesicht: "Neiiiiiiiiiiin!" "Der Zweite. Just kidding!" verbessere ich mich schnell. Seine Miene hellt sich auf und er tätschelt mir wieder lächelnd den Arm: "Richtig!" Ich sehe Anne vor einem Felsen Fotos machen. "Ich muss meiner Freundin sagen, dass sie Neuschwanstein fotografieren muss. Bye!" Verkrampft gehe ich zu Anne, froh, diese Nervensäge endlich los zu sein.

Um eines klar zu stellen: Ich hab NICHTS gegen Homosexuelle! Es ging einzig und allein um die Art, die dieser Kerl an den Tag gelegt hat, weswegen ich mich so unwohl gefühlt habe.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0628.JPG
Steinformationen in den Kangoo-Caves

Die Nacht verbringen wir auf dem Zeltplatz eines Backpacker's. Beim Kochen lernen wir einen Arzt aus Panama kennen, der nach seiner Arbeitsunfähigkeit um die Welt reist. Wir unterhalten uns noch eine Weile mit ihm, bis wir müde ins Zelt fallen und sofort einschlafen.

TAG 5 (27.10.05):

Der Tag geht nur für die Fahrt nach Kapstadt drauf, wenn auch zugegebenermaßen durch sehr schöne Landschaft.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0641.JPG

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0643.JPG
Zwichen Oudtshoorn und Kapstadt


Erste Zweifel an dem Konzept des Hin- und Rückflugs nach und von Johannesburg tun sich auf. Ein Gabelflug wäre wohl erholsamer gewesen und hätte uns mehr Zeit für Schöneres gebracht.

Am Abend erreichen wir Kapstadt. Nach einem kurzen Besuch im Tourist Information Center, wo wir uns nach dem Wetter für die nächsten Tage erkundigen, machen wir uns auf die Suche nach unserer Unterkunft. Anne hat die Karte und die Beschreibung zum Backpacker's. Sie nennt mir einen Autobahnabschnitt, auf dem die von uns gesuchte Ausfahrt liegen soll. Am Ende der Autobahn, nach gut einer Stunde Stop-and-Go und immer noch ohne ein Zeichen unserer gesuchten Ausfahrt, bitte ich Anne, mir die Beschreibung zu geben. Es ist bereits dunkel geworden und unser Vorsatz, nicht im Dunkeln auf der Straße zu sein, löst sich in Luft auf. Etwas sauer sage ich zu ihr, dass sie vergessen hat zu erwähnen, dass wir die Autobahn hätten wechseln müssen. Bedröppelt sieht sie sich die Beschreibung an und ist erstmal sauer. Ich kann nicht genau sagen, ob sie auf mich wütend ist oder auf sich selbst. Es ist mir zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt auch egal. Wir fahren also schweigend ein gutes Stück Autobahn zurück und finden schließlich - nach dem Wechseln der Autobahn - die Ausfahrt. Die Unterkunft, in der wir geplant haben zu bleiben, heißt Farm House Lodge im Ould Moule Eco Village. Als wir in das Eco Village fahren, weiß ich im ersten Augenblick nicht, ob das ein Township ist. Autowracks und heruntergekommene Hütten säumen den Straßenrand. Nach kurzer Suche finden wir unsere Unterkunft, um die ein hoher Zaun gespannt ist. "Livin' in a Gangsta's Paradies..." geht mir durch den Kopf. Die Unterkunft selbst sieht recht nett aus und da wir schon sehen, dass es einen privaten Sicherheitsdienst gibt, der durch die Straßen patrolliert, beschließen wir hierzubleiben. Die Sorge, jetzt noch weiterfahren zu müssen und eine neue Unterkunft zu suchen, war auf jeden Fall größer. Auch wenn man die Anwesenheit eines Sicherheitsdienstes durchaus zwiespältig auffassen kann, haben wir es als beruhigend empfunden.

Beim Betreten der Lodge teilt uns die sympathische Wirtin mit, dass sie leider kein Zimmer mehr frei hätte. Macht nichts, wir wollten eh draußen campieren. Dies sei natürlich kein Problem, allerdings sei dieses Wochenende auch eine Jugendgruppe mit ihren zwei Betreuern im Haus. Das Lächeln gefriert mir. Lärmende Jugendliche und Stacheldraht... ja, das Urlaubsparadies schlechthin. Zähneknirschend akzeptieren wir, da auch der Preis für eine Großstadtunterkunft vergleichbar gering ist.

Wieder einmal im Dunkeln bauen wir das Zelt auf und schlafen nach dem Abendessen im Nu ein. [/b]

Der Waldläufer
26.02.2006, 15:56
TAG 6 (28.10.06):

Wieder wache ich sehr früh auf. zu Hause war ich nie ein Early Bird, aber hier im Urlaub kann ich selten länger als bis 06.00 Uhr schlafen. Eigentlich ja auch kein Wunder, wenn man um 21.00 Uhr bereits tief und selig vor sich hin rüsselt.

Das Zeltinnere wirkt sehr sonnig und hell. Die Vorfreude auf die geplante Wanderung auf den Tafelberg lässt uns rasch das Zelt verlassen. Strahlender Sonnenschein. Ein Blick auf den Tafelberg jedoch lässt die gute Laune rasch verfliegen. Ein dichtes Wolkentuch hängt bereits auf dem Tisch. Da das Wetter im restlichen Kapstadt gut zu sein scheint, entscheiden wir uns erstmal für eine Stadtbesichtigung. Für morgen war sowieso wolkenloses Wetter angesagt. Nach einer kurzen Horrorgeschichte unserer Wirtin über drei Engländerinnen, die in der Bahn ausgeraubt wurden, nehmen wir das Auto und fahren zum V&A Waterfront-Einkaufszentrum, wo es Möglichkeiten für kostenlose Parkplätze gibt.

Anschließend machen wir mit einem Touri-Bus eine Stadtbesichtigung. Mir war Kapstadt echt egal und es hätte mir durchaus nur die Wanderung auf den Tafelberg gereicht, aber Anne hatte sich sehr auf Kapstadt gefreut. Ich kann im Urlaub auf Großstadtstreß gut und gerne verzichten. Ich bin von der Stadtbesichtigung auch nicht besonders begeistert, Kapstadt an sich ist meinem Empfinden nach keine schöne Stadt, einzig die Lage zwischen Meer und Tafelberg macht aus ihr etwas besonderes. Zwei Stationen unserer Tour haben mich aber dann doch richtig begeistert: Das Two Oceans Aquarium und der botanische Garten von Kirstenbosch. Sehr schön, wirklich!

Als wir von der Stadtbesichtigung zurückkommen, hat sich das schlechte Wetter auf ganz Kapstadt ausgebreitet. Es wird eine weitere stürmische Nacht in unserem Zelt. Vorher jedoch kochen wir in der Unterkunft unser Abendessen und unterhalten uns mit den Kids der Jugendgruppe. Es stellt sich heraus, dass sie zu einer Leichtathletikgruppe aus Port Elizabeth gehören und hier in Kapstadt an einem Wettkampf teilnehmen wollen. Zwei Trainer haben sie auch dabei. Wir sind überrascht, wie wohlerzogen,
offen und freundlich die Kids sind. Auch die Trainer sind wahnsinnig nett und so wird es in gemütlicher Runde ein sehr schöner und ruhiger Abend in der Lodge, während draußen der Wind pfeift und Regen auf das Zelt trommelt.

TAG 7 (29.10.05):

Yesssssssssss! Schönes Wetter und kein eiziges Wölkchen am Himmel zu sehen!! So macht das Aufstehen Spaß! Mir fällt ein, dass ich damals in Schottland, das für sein wechselhaftes Wetter berühmt ist, zwei Wochen strahlenden Sonnenschein hatte, und hier in Afrika wechselt das Wetter häufiger als ich meine Unterwäsche.

Wir fahren nach einem ausgiebigen Frühstück zur Talstation der Tafelberg-Gondelbahn und merken, dass wir unsere Sonnencreme nicht mehr finden können. Auch eine Durchsuchung des Autos fördert keine Sonnencreme zu Tage. Aber zum Glück gibt es ja noch die Touristen-Stände, wo wir zu einem absoluten Schnäppchenpreis :grrr: Sonnencreme kaufen können.

Dann stapfen wir los. Unter der Gondelbahn, die fast im Minutentakt die Touristen auf den Gipfel bringt, hindurch plagen wir uns bei hohen Temperaturen dem "Gipfel" entgegen. Ich muss zugeben, dass ich während des Aufstiegs wirklich viel auf die Gondelbahn schimpfe. Ich bin einfach der Meinung, dass man sich manche Sachen, manche Privilegien erarbeiten muss. Anne ist der Meinung, dass es ein Vorteil ist, wenn Menschen, die sonst diese Natur auf Grund körperliche Beeinträchtigung nicht erleben können, durch die Technik die Möglichkeit dafür geboten bekommen. Aber mal ehrlich: Bei wie vielen Leuten, die täglich die Gondel hochnehmen, ist das denn der Fall? Meiner Meinung nach muss man die Faulheit der Leute nicht auch noch fördern und damit auch dauerhaft und nicht unwesentlich die Schönheit der Natur zerstören.

Auf den Tafelberg
http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0663.JPG
Entweder so...

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0666.JPG
...oder so.

Die Route, die wir ausgesucht haben, heißt Indian Vester und ist sehr schön. Kleinere Klettereinlagen lockern den Aufstieg auf. Wir sehen auf der Karte, dass Teile dieser Route als "schwierig" deklariert sind. Noch denken wir uns nichts dabei. Ca. 50 Höhenmeter vor dem Gipfel laufen wir geradewegs auf eine Gruppe Kletterer zu, die mit Seilen eine Steile erklimmen. Anne und ich stehen mit offenen Mündern vor der Kletterern. "Meinst Du, dass..." "Neee. Oder doch?!" Unsicherheit macht sich breit. "Aber davon stand doch nichts in der Karte!" Die letzte Weggabelung liegt einige Zeit hinter uns und ich habe nicht gerade viel Lust, den ganzen Weg wieder runter zu gehen, nur um dann an einer anderen Stelle wieder aufzusteigen. Ein wenig verunsichert gehen wir weiter. Wir sind erleichtert, als wir feststellen, dass der Weg an den Kletterern vorbei eine Kurve beschreibt und in gemäßigtem Aufstieg dem Hochplateau entgegen führt.

Dort angekommen schweift mein Blick zuerst von den Flip-Flop-beschuhten Mädchen, die aus der Gondel steigen, über die Gaststätte mit ihren Eis- und Getränkeständen zu Anne. Ich glaube, jetzt meine Gedanken lesen zu können, hat nicht viel mit Zauberei zu tun. Schleunigst verlassen wir diesen Ort und suchen uns ein Plätzchen, wo wir ungestört die ungewöhnliche Aussicht genießen können. Aus den meisten Gebirgen ist man ja eher gewohnt, beim Blick vom Berg hinunter bestenfalls ein paar Dörfer zu sehen. Hier liegt einem eine Millionenmetropole zu Füßen! Und ein Ozean! Mir persönlich gefällt es zwar besser, wenn ich auf einem Berg kein Anzeichen von menschlicher Zivilisation sehe, aber ohne Zweifel ist dieser Ausblick irgendwie beeindruckend!

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0673.JPG
Berg, Stadt, Meer

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0679.JPG
Die Zwölf Apostel

Nachdem wir einige Zeit auf dem Hochplateau herumgewandert sind, steigen wir, diesmal auf einer anderen Route, wieder zur Talstation der Gondel hinab.

Wir sind noch vor der Jugendgruppe in der Unterkunft und als sie zurückkommen, sind sie sonderbar schweigsam und reserviert. Wir verkneifen uns grinsend jeglichen Kommentar und Fragen zum Ausgang der Wettkämpfe. Aber leid getan haben sie uns schon.

Der Waldläufer
26.02.2006, 21:49
TAG 8 (30.10.05):

Dieser Tag sollte unser beider Leben völlig auf den Kopf stellen. Allerdings weiß das beim Aufstehen noch keiner von uns beiden.

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von unserer wirklich lieben Wirtin und fahren noch einmal kurz nach Kapstadt rein, wo wir mit dem Touribus die Ecken der Stadt abklappern, die wir am ersten Tag nicht geschafft haben. Für mich mehr Pflichtprogramm und auch Anne muss nach der Tour gestehen, dass Kapstadt mit keiner der schönen europäischen Städte, wie Wien oder Prag, mithalten kann. Im Bus erzählt uns der Reiseführer, dass das District Six Museum sonntags geschlossen hat. Da Anne und ich schon des öfteren mit Murphy's Law Bekanntschaft machen durften, ist natürlich auch gerade heute Sonntag. Ich ziehe ein langes Gesicht und sage zu Anne, dass es mir wirklich leid tut. Insgeheim grinse ich und freue ich mich, weil das auch bedeutet, früher aus dieser Stadt rauszukommen! :) "So ein Pech aber auch! Das wäre bestimmt interessant gewesen." Mißtrauisch sieht mich Anne mit hochgezogener Augenbraue an. Manchmal muss man wissen, wann man aufhören sollte zu reden.

Auch diesmal ist unser Auto nicht aufgebrochen worden und auch die Reifen sind alle vier noch vorhanden. So verlassen wir unausgeraubt und unbestohlen die als so gefährlich verschrieene Millionenstadt Kapstadt und ehrlich gesagt weine ich ihr auch keine Träne nach.

Unsere nächste Station ist das Kap der Guten Hoffnung. Hier können wir zum ersten Mal mit unserer teuer erworbenen Wild Card den Eintritt zum Nationalpark sparen. Schon auf dem Weg dorthin merke ich, wie meinem kleinen Meeresfan neben mir das Herz aufgeht und ihre Augen immer größer werden.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0703.JPG
Bucht nahe des Kaps der Guten Hoffnung

Am Kap angekommen lassen wir das Auto stehen und gehen ein paar Meter hinauf zum Leuchtturm. Auf dem Weg dorthin sehen wir einen kleinen Weg, der nach rechts von der Haupttouristenroute abzweigt. Wir wollen mal schauen, wo der Weg hinführt. Wir kommen zu einer kleinen Aussichtsplattform, auf der wir ganz alleine mit dieser großartigen und atemberaubenden Kulisse sind.

Schweigend stehen wir nebeneinander und genießen den Augenblick. Ich habe Anne selten so glücklich erlebt. Irgendwie fühle ich, dass dies der richtige Zeitpunkt ist: Ich gehe auf die Knie und Anne sieht mich mit aufgerissenen Augen ungläubig an. Obwohl ich mir vor der Reise schon zu Recht gelegt hatte, was ich sagen wollte, bekomme ich doch nur ein unverständliches Gestammel über Liebe meines Lebens, Fehler in der Vergangenheit und gemeinsame Zukunft hinaus. Irgendwo dazwischen die entscheidenden Worte: "Willst Du mich heiraten?" Ohne dass sie eine Sekunde zögert, höre ich Anne wie aus 100 km Entfernung antworten:

"Ja, ich will!"

Die nächste Zeit habe ich nur noch bruchstückhaft in Erinnerung, so überwältigt bin ich von dem Augenblick. Wir stehen noch eine Weile zusammen, sehen dem Spiel der Wellen zu und saugen den Anblick, der sich uns bietet, in uns auf. Ich denke viel über unsere Vergangenheit nach und das, was noch vor uns liegt. Kein anderer Platz auf dieser Welt hätte unsere Beziehung so gut verkörpern können, wie das ehemalige "Kap der Stürme", das jetzt den Namen "Kap der Guten Hoffnung" trägt.

Schon vor Beginn der Reise wusste ich, dass ich Anne in diesem Urlaub fragen werde, ob sie mich heiraten will. Für den Zeitpunkt und den Ort habe ich mich jedoch spontan entschieden...

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0701.JPG
Am schönsten Kap der Welt

Doch selbst in solchen Augenblicken bleibt die Zeit leider nicht stehen und auch die Welt hört nicht auf, sich zu drehen. Und so müssen wir irgendwann diesen magischen Ort verlassen und weiter über Simon's Town, wo wir noch die Pinguinkolonie besuchen, zu unserer geplanten Unterkunft in Stellenbosch fahren.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0722.JPG
Pinguinkolonie in Simon's Town

Wir haben uns entschieden, zur Feier des Tages auf unser Zelt zu verzichten und stattdessen die Nacht in einem gemütlichen Bed & Breakfast (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!!), welches auf einem Weingut in der Nähe von Stellenbosch liegt, zu verbringen. Wir bekommen vom Wirt den Ratschlag, unser Glück im Restaurant "La Pineta" zu versuchen, das über eine hervorragende Küche verfügen soll. Der Wirt hat nicht zu viel versprochen: bei gutem Essen und einem fantastischen Blick auf die Kaphalbinsel lassen wir diesen unvergesslichen Tag ausklingen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0724.JPG
Sonnenuntergang mit Blick auf die Berge der Kaphalbinsel

Zwiebelforscher
26.02.2006, 21:57
faszinierende bilder und schöner bericht!
danke dafür!!!

Der Waldläufer
13.03.2006, 19:49
TAG 9 (31.10.05):


Nach dem Aufstehen fahren wir noch einmal kurz nach Stellenbosch, um uns die im Reiseführer als sehr hübsch bezeichnete Stadt noch ein wenig anzusehen. Naja, sonderlich beeindruckt bin ich auch von dieser Stadt ehrlich gesagt nicht. Ein paar schöne Häuser, aber sonst?!

Auf unsere nächste Station hat sich Anne die letzten Tage schon wahnsinnig gefreut: Whale Watching in Hermanus.

Natürlich fragen wir uns auf dem Weg dorthin, ob wir Glück haben und ein paar dieser wunderschönen Riesen der Meere zu Gesicht bekommen werden. Eine Freundin von Anne war vor einiger Zeit in Hermanus und hat in drei Tagen keinen einzigen Wal gesehen. Das wäre für Anne der absolute Super-GAU!!

Aber schon auf dem Weg vom Parkplatz zum Hafen wissen wir, dass uns dieses Schicksal nicht ereilen wird. Aus der Ferne sehen wir bereits die ersten Wale aus dem Wasser auftauchen und mit einem großen Platschen wieder im Meer versinken. Wir beeilen uns, um dieses Schauspiel endlich aus nächster Nähe verfolgen zu können.

Es ist wirklich absolut beeindruckend, wie hoch die Meeessäuger aus dem Wasser springen, und wunderschön zu sehen, welch einen glücklichen und lebensfrohen Eindruck sie dabei machen!

Zwei Stunden stehen wir am Strand und schauen den Walen zu, wie sie übermütig im Wasser plantschen und dabei manchmal bis aus 20 Meter an die Klippe herankommen. Ein Anblick, der unglaublich ergreifend und faszinierend ist.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/Wale0775.jpg
Badespaß in der Bucht von Hermanus

Nur mit Mühe kann ich Anne dazu bewegen, sich loszureißen, um die Weiterfahrt anzutreten. Aber da es ja in diesem Land so unglaublich früh dunkel wird, haben wir für die Fahrten nur wenig Zeit und müssen weiter, wenn wir unser Date mit dem Otter Trail einhalten wollen.

Da wir es nicht mehr rechtzeitig schaffen, vor der Dunkelheit unsere anvisierte Tagesetappe "De Hoop Nature Reserve" zu erreichen, schlagen wir unser Zelt auf dem Camping Platz in dem absolut unspektakulären Nest Bredasdorp auf.


TAG 10 (1.11.05):

Das De Hoop Nature Reserve ist eigentlich nur auf unserem Programm gelandet, weil wir für die Fahrt von Hermanus zum Tsitsikama NP ein paar Auflockerungen einbauen wollten, um nicht nur im Auto zu sitzen. Die Fahrt dorthin führt über eine scheinbar unendliche Schotterpiste, die einen gehörig durchschüttelt. Immer wenn ich denke, dass ich vielleicht doch ein wenig langsamer über dieses Schlaglochparadies fahren sollte, überholt uns mit doppelter Geschwindigkeit ein Laster, der uns in einer riesigen Staubwolke zurücklässt. Die Radfahrer, die auch diese Piste benutzen müssen, sind auf den ersten Blick unter ihrer Staubschicht oft nicht gleich als Schwarze zu erkennen.

Stunden später (zumindest kam es mir so vor!) erreichen wir die Einfahrt zum NR. Schon dort stehen die ersten Schilder, die auf die Straßenbenutzung durch Schildkröten hinweisen. Und tatsächlich kreuzen immer wieder putzig-süße Baby-Schildkröten unseren Weg. Wie beschließen, erst einmal im Auto eine kleine Parkrunde zu drehen. Wir sehen die ersten Strauße und Antilopen, doch bald schon wird es so heiß, dass es die Tiere offensichtlich vorziehen, im Schatten zu liegen, als für unsere Fotos zu posieren, was eigentlich ihr Job wäre. :grrr:

Wir beschließen daher, einen kleinen Strandspaziergang zu machen. Eine (zunächst) gute Entscheidung. Es ist wunderschön hier. Eine einsame, kleine Bucht mit feinem Sandstrand und Muscheln reiht sich an die nächste, getrennt von kleinen Klippen, an die das türkisfarbene Meer gischt. Um den Erholungsfaktor noch ein bißchen zu erhöhen, ziehen wir uns die Schuhe aus und laufen barfuß durch den Sand von Bucht zu Bucht.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0792.JPG
Strandspaziergang im De Hoop Nature Reserve

Die Freude an den unberührten Stränden währt genau so lange, bis ich in eine unter dem Sand versteckte Muschelscherbe trete. Blut läuft in den Sand und verfärbt diesen rot. Verdammte S*****e! Ich kann an der Fußsohle unter dem Sand-Blut-Gebatz eine klaffende Schnittwunde erkennen. Und in zwei Tagen soll der Otter Trail starten!!! :ill:

Nachdem Anne die Wunde ausgewaschen und provisorisch mit Pflastern abgedeckt hat, humpel ich, von Anne gestützt, zurück zum Auto. Komisch, auf dem Hinweg kam mir die Umgebung irgendwie erholsamer vor...

Als die Wunde desinfiziert ist, verlassen wir das Nature Reserve, weil mir ehrlich gesagt der Spaß für heute gehörig verdorben ist. Horrorvisionen von Entzündungen des Fusses und Absagen des Otter Trails lassen meine Stimmung auf den Nullpunkt sinken.

Und auch die schöne Gegend, durch die die Weiterfahrt nach Mossel Bay führt, und viele anmutige Reiher oder Kraniche am Wegrand können daran nichts ändern.

Otter Trail, Otter Trail, Otter Trail...
Meine Gedanken drehen sich nur um den Otter Trail und die Frage, ob ich mit der Verletzung den als anspruchsvoll bezeichneten Weg laufen kann. Im Augenblick kann ich mit dem Fuß nicht einmal auftreten.

Wenigstens können wir das Zelt diesmal im Hellen aufbauen und sogar unser Abendessen können wir das erste Mal bei natürlichem Licht genießen.

Was für ein Tag...

Ranger
13.03.2006, 19:54
Wow, bin jetzt erst auf diesen Thread gestoßen.

Tolle Bilder, sobald ich Zeit hab werd ich den ganzen Bericht lesen.

Mfg Robert

Dominik
13.03.2006, 20:23
Schließe mich meinem Vorredner an. Bin auch erst heute auf den Thread gestoßen!

Super und Danke für die Bereicherung!
So langsam bewegt sich das Forum in vielen Bereichen der Erde

Grüße
Dom

Der Waldläufer
13.03.2006, 21:09
TAG 11 (2.11.05):

"Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her."

Blöd nur, dass in unserem Fall das "Lichtlein" ein Feuer im Tsitsikama National Park ist.

In der Nacht zieht ein Sturm auf und ich verlasse das Zelt, um es mit zusätzlichen Sturmleinen abzusichern. Anne wird hiervon wach und kommt heraus. Wir sehen über das Meer hinweg eine glühende Linie auf der anderen Seite der Bucht. Allerdings ist es einfach zu weit entfernt, um erkennen zu können, wobei es sich hierbei genau handelt.
"Mein Gott, hoffentlich ist das kein Feuer!"

Am morgen dann bestätigt dieses Bild unsere Befürchtungen:

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0810.JPG
Blick von Mossel Bay auf den Tsitsikama National Park, der durch Rauchschwaden verdeckt ist

Wenn ich oben geschrieben habe, dass meine Stimmung auf Null gesunken ist, dann ist sie jetzt im Minusbereich. Deutlich im Minusbereich.

Im Radio überschlagen sich die Feuerwarnungen. Zahlreiche Küstenabschnitte und Straßen im Eastern Cape sind komplett gesperrt. Der Bereich, in dem das Feuer am schlimmsten wütet, ist jedoch ein gutes Stück (ca. 150 km) nordöstlich des Tsitsikama National Parks.

Unser ursprünglicher Plan war, bereits einen Tag vor Beginn des Otter Trails im Park zu sein, um noch einen richtig erholsamen Tag einlegen zu können, bevor die Strapazen der Wanderung beginnen.

Da im Radio noch nichts über Evakuierungen oder Sperrung des TNP gesagt wurde, versuchen wir unser Glück. Mit Kurs auf Storm's River Mouth, Startpunkt des Otter Trails, fahren wir dem Feuer genau entgegen. Bald ist der Himmel vom Rauch verdeckt, Brandgeruch macht sich breit. Ab und an sehen wir Rauch und sogar Flammen von kleineren Feuern neben der Fahrbahn.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0814.JPG
Auf dem Weg zum Tsitsikama National Park

40 km vor dem TNP ist dann Ende: Straßensperre. Die Feuerwehr schickt alle zurück. Wie lange das ganze dauern wird, kann keiner sagen. Man hofft auf Regen. Weil der Regen dieses Jahr so lange auf sich warten lässt, ist alles trocken und die Waldbrandgefahr dementsprechend groß.

Wir fahren zurück zum letzten Ort - Plettenburg Bay. Dort sitzen wir im Auto, denn es regnet. Leichte Tropfen, wahrscheinlich nicht stark genug, um die Feuer zu löschen.

Wir sitzen und sitzen.

"Ich versuch es jetzt noch mal!"
Anne ist skeptisch. "Es sind gerade mal zwei Stunden vergangen. Die Straßensperren sind bestimmt noch nicht weg!"

Doch für mich ist der Otter Trail die Kernessenz dieses Urlaubs! Um ihn herum haben wir alles andere geplant. Ich bin verzweifelt. Klar, mein Verstand sagt mir auch, dass es wohl vergeblich ist, aber meine Panik ist stärker.

An der Straßensperre steht jetzt glücklicherweise ein anderer Feuerwehrmann als der, der uns vorher zurückgeschickt hat. Ich will ihn eigentlich nur fragen, ob sie inzwischen schon eine Prognose abgeben können. Leider kommt kurz bevor wir an der Reihe sind seine Ablösung: Klar, der Kerl, der uns vorher weggeschickt hat. Prompt erkennt er uns auch wieder. "Listen, Buddy: The roads are closed and there's no way this will change today!" sagt er merklich genervt von unserer, na gut, meiner Beharrlichkeit.

Anne versinkt im Sitz neben mir.

Naja, wenigstens weiß ich jetzt, was Sache ist.

Wir fahren wieder nach Plettenburg Bay und checken dort beim Camping Platz ein, wo wir dann wenigstens noch ein bißchen Wäsche waschen und unsere Ausrüstung auf Vordermann bringen können.

Kurze Zeit später trifft ein "Rotel" (http://www.rotel.de/rotel-tours/de/index.php) ein, ein Zeltdachbus, in dem die Reisenden in Kabinen schlafen. Der Anblick bringt wenigstens ein wenig Heiterkeit in diesen Katastrophentag. Wider Erwarten sind es dann aber doch keine Sardinen, die aus dem Bus steigen, sondern normale Touristen.

Hey, nach den letzten beiden Tagen hab ich es mir ja wohl verdient, mal ein bißchen spöttisch zu sein! :wink:

Mal sehen, was der Tag morgen bringt...

H1LC
13.03.2006, 21:13
Mir fällt auch nichts anderes ein als "Wow!" zu sagen!

Normalerweise heißt es ja "ein Bild sagt mehr als tausend Worte", aber hier......super geschrieben, und dazu noch die Bilder......einfach nur klasse.

Bin begierig auf mehr!


Gruß & vielen Dank

Lukas


P.S.: Ich habe den Thread auch heute erst entdeckt?!

Nammalakuru
14.03.2006, 01:07
... noch nicht alles gelesen, aber kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.
Sehr guter Reisebericht! :D

Nam

Hannes1983
14.03.2006, 10:56
Wow, selten hier im Forum so einen ausführlichen Bericht gelesen. Danke dafür.

Gruß Hannes

Der Waldläufer
15.03.2006, 22:05
TAG 12 (3.11.05):

Selten habe ich so schlecht geschlafen, wie in dieser Nacht. Immer wieder beschäftige ich mich gedanklich mit den Waldbränden und ihren Folgen, für die Menschen und die Natur hier und auch für uns. Sollten wir heute nicht starten können, wird es diesen Urlaub sicher nichts mit dem Otter Trail. Am Vortag wurde uns am Telefon von einer Dame der Tsitsikama National Park Rezeption mitgeteilt, dass der Park selbst nicht evakuiert wurde. Allerdings war er aus keiner Richtung erreichbar, weil die Straße in beiden Richtungen gesperrt war.

Selbstverständlich würden wir unser Geld erstattet bekommen, falls der Trail heute auf Grund des Feuers nicht begehbar sein sollte. Ein nur sehr kleiner Trost...

Kaum bin ich vollends aus meinem unruhigen Schlaf erwacht, stürme ich aus dem Zelt und sehe mich in der Umgebung um. Alles ist naß und deutet auf viel Regen in der Nacht hin. Das macht Hoffnung.

Ohne noch einmal beim TNP anzurufen, fahren wir auf gut Glück los und sehen.... keine Straßensperre mehr an der gestrigen Stelle!!!! Die Sorge, dass diese lediglich um ein paar Kilometer näher zum TNP verlegt wurde, ist unbegründet: Ungehindert können wir bis zum Park durchfahren.

Die Fahrt ist alles andere als schön: immer wieder liegen beidseits der Straße verkohlte, noch rauchende Wald- und Steppengebiete. An einer Stelle sind sogar die Straßenschilder angekokelt. Rauchschwaden und Brandgeruch liegen in der Luft. Wenn es auf dem Otter Trail auch so stinkt, wird die Wanderung sicher alles andere als zum Genuß.

Einmal steht plötzlich ein großer Vogel mitten auf der Fahrbahn, sichtlich orientierungslos und verstört. Auch Hupen kann ihn nicht dazu bringen, wegzufliegen. Wir fürchten, er hat von dem Feuer Schaden genommen. Vielleicht ist er blind? Kein schönes Bild, das uns beiden lange Zeit nicht aus dem Kopf geht.

Endlich erreichen wir die Rezeption des Tsitsikama National Parks, wo wir uns für den Otter Trail melden. Wir erfahren, dass neben uns noch 10 andere Wanderer heute starten werden. Die maximale Kapazität also. Pro Tag dürfen nur 12 Wanderer (oder Trekker :wink: ) starten, was ich als sehr positiv erachte, weil man sich dann nicht auf den Füßen stehen wird.

Das Wetter ist immer noch kalt und naß, immer wieder regnet es. Ich kann nicht aufhören mich zu fragen, ob ich beim Umsteigen in Doha auch wirklich in das Flugzeug nach Südafrika gestiegen bin. So einen Frühling hätte ich vielleicht in Schottland oder Irland erwartet, aber sicher nicht in Afrika.

Trotzdem packen wir voller Tatendrang und unglaublich erleichtert unsere Rucksäcke. Bei dem Trail kann man ausschließlich in Hütten übernachten, das Zelt bleibt daher im Auto.

Noch in Deutschland wollte Anne sich einen großen 70L-Rucksack kaufen, aber aus meiner bisherigen Erfahrung war ich sicher, dass für eine 5-tägige Tour mit Hüttenübernachtung mein Katanga 70 und für Anne ein 40L-Rucksack locker reichen müssten. Doch unterschätze niemals einen absoluten Trekking-Neuling!

"Diese Packung Brot bekomme ich nicht mehr unter!" "WAS?!?! Wir haben 110 Liter Volumen! Wie können wir da unser Zeug nicht unterbringen?!" Unweigerlich muss ich an den Film Spaceballs denken und verkneife mir nur mühsam die Frage, ob sie denn ihren Föhn dabei hat.

Ehrlich, ich weiß bis heute nicht, was wir alles dabei hatten, aber ich tippe mal auf seeehr viel Wechselklamotten. Und natürlich viele Notfallreserven an Essen. "Für den Fall, dass uns etwas verloren geht." Aha.

So geht es aber fast jedem am Anfang: man tendiert einfach dazu, vorsichtshalber alles mitzunehmen. 'Sie wird beim Schleppen schon jedes überflüssige Gramm spüren!' denke ich und grinse schadenfroh vor mich hin. Bis mir auffällt, dass ja ich den schweren Rucksack trage.

Aber als Mann, von Geburt an in die Rolle des starken Beschützers und Versorgers gepresst, DARF man nicht die Frau den schweren Rucksack tragen lassen.

Die beiden vollgepackten Rucksäcke sehen nebeneinander gestellt aus wie Schwarzenegger und DeVito. Ich spüre, dass etwas nicht stimmt. Und mein Gefühl soll mich nicht täuschen: "Mein Rucksack sieht so klein aus im Vergleich zu Deinem!" Ich weiß echt nicht, was ich antworten soll.

Wenn man eine Frau hat, die sich nicht mit der Rolle des schwachen Frauchens abfinden will, ist das gut. Meistens. Und noch halten sich ihre Bedenken bzgl. des "viel zu kleinen" Rucksacks auch in Grenzen. Noch.

Nachdem wir fertig gepackt haben, fahren wir zum Startpunkt des Trails. Dort treffen wir zwei der Mitwanderer, André und Piet, zwei Südafrikaner, die uns erzählen, dass die restlichen Plätze komplett von ihrer Gruppe belegt seien. Es sind nette Kerle und ich mache mir über das Zusammenleben keine Sorgen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0815.JPG
Am Startpunkt des Otter Trails

Dann geht es los!

Direkt an der Küste schlängelt sich der Pfad am Waldrand entlang. Bald geht es die ersten Male bergauf und bergab, ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns die nächsten Tage erwarten wird.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0817.JPG
Die perfekte Verbindung von Meer und Wald ist ein Pfad!

Nach ca. 2 Stunden kommen wir an einen kleinen Wasserfall, der aber auf Grund der geringen Mengen an Wasser nicht sehr beeindruckend ist. Hier kehren die Tageswanderer um und der Otter Trail gehört nur noch den Trekkern!

Für ungefähr eine weitere Stunde führt der Trail entlang der rauhen See, die immer wieder mit tosenden Wellen gegen die Klippen bricht.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0848.JPG
Zwar nicht die Wild Coast, aber trotzdem ganz schön wild!

Dann erreichen wir die ersten beiden Hütten, NGUBU. Wunderschön liegen sie wenige Meter vom Wald und vom Meer entfernt! Sogar das Toilettenhäuschen hat eine Scheibe, durch die man den fantastischen Blick auf das Meer genießen kann.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0850.JPG
Die erste Etappe: NGUBU

In jeder Hütte befinden sich sechs Schlafplätze in Dreierstockbetten. Während der Wanderung haben wir schon kurz unsere restlichen Mitwanderer kennengelernt und da eigentlich alle ein gutes Stück älter sind als wir, nehmen wir freiwillig die obersten Betten.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0932.JPG
It's a long way from the top, if you wanna rock and ROLL!

Nachdem wir unsere Betten bezogen haben (d.h. Schlafsack drauf), machen wir uns noch einmal auf, um diese fantastische Stimmung draußen ein wenig länger zu genießen, bevor uns der Hunger wieder zurück zur Hütte treibt. Das Fauchen des Gaskochers verbreitet ein wohliges Gefühl der Gemütlichkeit.

Als es dunkel wird, werden wir von den zehn südafrikanischen Mitwanderern an ihr Braii-Feuer eingeladen. In gemütlicher Runde plaudern wir noch ein wenig mit ihnen und lassen diesen ersten Tag auf dem Otter Trail in gemütlicher Runde ausklingen.

Buschkind
16.03.2006, 10:19
Ein sehr schöner, ausführlicher Reisebericht!
Echt super!

Freu mich schon auf die Fortsetzung.

Buschkind

Der Waldläufer
13.08.2006, 20:04
TAG 13 (4.11.05):

Angeblich erwartet uns heute das schwierigste Stück des Otter Trails. Ca. 7 km ständiges Bergauf und Bergab.

Ich bin wieder ein wenig angefressen. So ganz will ich mich mit der Wettersituation hier nicht anfreunden. Meiner Schätzung nach hat es maximal 13 Grad Celsius. Anne hat natürlich nicht Unrecht, wenn sie sagt, dass es für so anstrengende Wanderungen ein recht angenehmes Wetter ist. Für mich ist es trotzdem eine Enttäuschung.

Lange Zeit hatte ich mich geweigert, nach Afrika zu fliegen, weil ich ein falsches Bild dieses Kontinents in meinem Kopf hatte. Für mich bestand Afrika fast ausschließlich aus Wüste oder Steppe. Der Otter Trail war der Gegenbeweis! Wir tauchen ein in einen wunderschönen, in allen Grüntönen leuchtenden Wald. Immer wieder bleibe ich stehen, schließe die Augen und genieße den Augenblick: Vogelzwitschern um uns herum, die Brandung des Meeres zu unseren Linken.

Diese Abwechslung ist es, die den Otter Trail so unvergleichlich macht:

Atemberaubende Blicke auf die Küste.
http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0885.JPG

Flüsse, die es gilt zu überqueren.
http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0876.JPG

Wälder, die einen beim Betreten sofort gefangen nehmen. Dichter, als man sie in einem sonst so trockenen Land erwarten würde, mit Lianen, allen möglichen grünen und blühenden Pflanzen, zwischendurch immer wieder mächtige, knotige alte Bäume und kleine, dunkle Bäche.
http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0881.JPG

Auch ein paar einheimischen Tieren begegnen wir auf unserer Wanderung: Riesige, schwarz-glänzende Tausenfüßler, fingerlange Heuschrecken in braun, grün und orange, und alle möglichen Vögel. Manchmal erhaschen wir sogar einen Blick auf einen Knysna-Lourie, einen wunderschönen, grün-roten Vogel, der jedoch viel zu schnell ist, um sich von uns auf Foto verewigen zu lassen. Das muss man ihm lassen: Eitel ist er nicht.

Nachdem wir einige Stunden gewandert sind, beschließen wir, zum Ufer hinabzusteigen und nach einem schönen Rastplatz zu suchen. In einem isländisch anmutenden Fleckchen werden wir fündig und lassen uns die Fertigsuppe schmecken.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0882.JPG
Hier schmeckt die Suppe besonders gut.

Nach insgesamt ca. sechs Stunden für 7,9 km erreichen wir die zweite Hütte, Scott. Auf der Karte ist als Schnitt vier Stunden angegeben, was uns einiges Kopfzerbrechen bereitet, v.a. da wir mit großem Vorsprung vor den anderen angekommen sind und später sogar gefragt werden, ob wir denn geflogen wären. Wir denken bereits an die vierte Etappe, die 13,8 km lang ist. Das Problem an der Sache ist nämlich, dass am vierten Tag nach 10 km eine Flußüberquerung ansteht, wobei in der Karte dringend geraten wird, diese nur bei Ebbe zu machen. Aus der beigefügten Gezeitentabelle können wir entnehmen, dass die Ebbe um 12.00 Uhr mittags ist. Wenn man den Berechnungen jetzt zu Grunde legt, dass wir für 8 km sechs Stunden gebraucht haben, können wir davon ausgehen, dass wir, um mittags am Fluß zu sein, um 4:30 Uhr loslaufen müssten. Toll!! Wir beschließen, uns erst morgen darüber den Kopf zu zerbrechen und erholen uns stattdessen lieber von der zugegebenermaßen sehr anstrengenden Tagesetappe.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0891.JPG
Die Hütten "Scott" - wieder wunderschön gelegen.

André, einer der Südafrikaner, hat sich am ersten Tag auf einem glitschigen Stein den Knöchel verstaucht. Als er an der Hütte ankommt, bietet er ein Bild des Elends. Der Knöchel scheint höllisch zu schmerzen. Es tut einem schon weh beim bloßen Gedanken daran, wie er sich mit seinem schweren Rucksack über diese ständigen Auf und Abs geschleppt hat. Der Knöchel ist fast auf das Doppelte angeschwollen. Verdammt zäher Hund, denke ich. Im Vergleich dazu kommt mir meine Schnittwunde fast lächerlich vor.

Noch früher als gestern liegen wir heute im Bett und schlafen auch sofort ein.

Hier möchte ich mal aus Annes Tagebuch zitieren:
"Wie immer muss ich nachts raus und zum ersten Mal in meinem Leben ist meine schwache Blase zu was gut: Noekie, eine der Südafrikanerinnen, wacht auf und warnt mich, sie hätten am Feuer wilde Tiere gesehen. Zwei Stück, wahrscheinlich Leoparden! Ich sollte nicht den weiten Weg bis zur Toilette gehen und ich sollte die Hüttentür offen lassen, damit die anderen eventuelle Hilfeschreie hören könnten! Mir ist sehr mulmig, als ich raus tapse. Leoparden soll es im Park tatsächlich geben. Was ich dann im Schein meiner Taschenlampe um die Feuerstelle schleichen sehe, ist eine wunderschöne Wildkatze, aber meiner Meinung nach kein Leopard. Es schein ein adultes (Anne ist Tierärztin, normale Menschen würde wohl eher "erwachsenes" sagen ;)) Tier zu sein, etwa doppelt so groß wie eine Hauskatze, mit runden Ohren, schwarzgetupftem Fell und sehr langem Schwanz. Vielleicht eine Wildkatze, ein Serval oder ein Caracal!? Was immer es auch sein mag, es zeigt recht wenig Angst vor mir. Ich dagegen verzichte auf meinen Gang zur Toilette und befolge Noekies Ratschlag. Man weiß ja nie... sie meinte nämlich noch, das zweite sei größer! ;)"

Ich bin heute immer noch ein bißchen sauer auf Anne, weil sie mich nicht geweckt hat.

Der Waldläufer
13.08.2006, 21:35
TAG 14 (5.11.05):

Gegen halb acht brechen wir auf. Die heutige Etappe ist in der Tat nicht so anstrengend wie die gestrige. Schweißtreibend bleibt der Otter Trail dennoch.

Heute haben wir zum ersten Mal sonnige Abschnitte zwischen den Wolken, meistens ist aber immer noch kühl und schattig. Auch dieser Tag führt uns durch eine wunderschöne Landschaft, die uns jedes Mal von Neuem fasziniert, fesselt und begeistert. Die traumhaften Ausblicke auf die Felsküste, die sich hinter Waldstücken immer wieder öffnen, gewinnen bei Sonnenlicht noch an Wärme.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0896.JPG
Wandern vor imposanter Kulisse

Nach einiger Zeit erreichen wir den ersten Fluß. Die Überquerung ist nicht der Rede wert, zumindest von der Schwierigkeit her. Schön ist das River Mouth zweifellos. Auf einem Bein, damit kein Wasser an meine Wunde kommt, hüpfe ich durch das knöchelhohe Rinnsal. Gut, dass wir noch einigen Vorsprung vor den anderen haben. Für diesen Anblick hätte ich ungern Zeugen gehabt.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0900.JPG
Wie dieser Fluß wohl nach heftigen Regenfällen aussieht?!

Nach dem Fluß geht es eine Zeit lang nur knapp über Meereshöhe entlang. Ein besonders schönes Teilstück des Weges verläuft nicht auf Klippen oder Kiesel, sondern auf Erdboden, mit einem dünnen Gürtel aus Schilf und blühenden Pflanzen zwischen sich und dem Meer...

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0908.JPG
...und auch die Sonne zeigt sich ein paar Mal.

Danach geht's mal wieder steil nach oben. An einem Steilhang entdecken wir beim Runterschauen eine Klippschliefer-Familie. Die Tierchen sind bei weitem nicht so fett und überfressen wie im Touristen-Ort Harmanus.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0906.JPG
Kaum zu glauben, dass dieses Tier ganz nah mit dem Elefanten verwandt sein soll.

Kurze Zeit später blicken wir von oben auf eine wunderschöne Flußmündung hinab. Dort liegen sie, unsere Hütten Oakhurst. Direkt vor ihnen der Flußarm, den wir überqueren müssen. Von dem Punkt aus, an dem wir stehen, scheint dies ein Ding der Unmöglichkeit. Gut 40 Meter breit mit starken Wellen zeigt sich hier der Fluß. Zum ersten Mal habe ich Angst, dass wir die Warnungen doch unterschätzt haben.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0913.JPG
Wie sollen wir da nur hinüber kommen?!?!

Wir machen uns an den Abstieg zum Flußbett hinunter. Schon gegen 12:00 Uhr erreichen wir den Fluß, der kurz vor den Hütten liegt. Zusammen mit der morgigen soll diese Überquerung die gefährlichste sein. Was von oben noch furcheinflößend gewirkt hat und bei Flut vielleicht wirklich ein Hindernis darstellt, lässt uns nun bei Ebbe nur ein müdes Lächeln über die Gesichter huschen.

Je weiter der Fluß ins Landesinnere reicht, desto niedriger wird sein Pegel und so ruhiger sein Charakter. An der Stelle, wo wir ihn überqueren müssen, ist er nur noch ein sanftes Bächlein, das wir auf ein paar Steinen leicht passieren können.

Begeistert sind wir nicht gerade, dass wir hinter dem Fluß nochmal steil nach oben steigen müssen. Aber wir wissen, dass die Hütten nicht mehr fern sind.

Malerisch liegen sie da, wie ihre Vorgänger auch. Nach dem üblichen Einräumen und einer ausgiebigen Brotzeit, nehmen wir unser Badezeug und gehen zurück zum Fluß, um dort ein wenig zu Baden. Vorher machen wir noch einen kurzen Ausflug am Fluß entlang weiter ins Landesinnere und finden ein steiles, einsames Tal mit Farnen, Einblättern, dunklen Teichen und beeindruckenden Felsformationen... sehr romantisch! Leider hatten wir den Fotoapparat vergessen. Zum Schwimmen finden wir aber keine geeignete Stelle und so gehen wir doch lieber zurück zum Meer.

Der Fluß bietet sich hier zum Baden geradezu an. Felsen bilden zwischen Fluß und Meer ein Tor, das die schlimmsten Wellen abhält. So hat sich ein großes Becken gebildet, das einen angenehmen Wellengang vorweist. Fast wie im Wellenbad... nur 1000x schöner!

Nach und nach trifft der Rest der Gruppe ein und schließt sich uns beim Wellenbaden an. Ein tierischer Spaß!

Als letztes kommen die Tochter von André, Charlotte, und ihr Freund Gustav. André hat sich vernünftigerweise entschlossen, den Otter Trail abzubrechen. Er hat ihn an einer Escape-Route verlassen und ist nördlich zur N2 gegangen. Charlotte und Gustav haben ihn noch ein Stück begleitet, weitere Begleitung hat er jedoch strikt abgelehnt. ("Typisch Mann" ist später die einhellige Meinung der Damen in der Gruppe) An der N2 wollte er dann per Anhalter nach Port Elizabeth fahren und dort einen Arzt aufsuchen.

Erst am späten Abend die erlösenden SMS von André, dass er gut in PE angekommen ist.

Neben Andrés Abbruch ist die Überquerung des Bloukrans-Rivers das Gesprächsthema Nr. 1 am Lagerfeuer, bis uns ein heftiger und plötzlicher Regen in die Hütten treibt. Naja, morgen müssen wir eh richtig früh raus. Der Bloukrans-River wartet mit seiner Ebbe nicht auf uns!

Der Waldläufer
13.08.2006, 23:41
TAG 15 (6.11.05):

Anne und ich sind die letzten, als wir gegen viertel nach sechs aufbrechen. Die Überquerung des Bloukrans-Rivers hat wohl allen Sorgen bereitet. Auch wir beeilen uns mehr als uns lieb ist, weil wir so kaum Zeit haben, die tolle Natur, die nach wie vor nichts an Wildheit und Schönheit eingebüßt hat, wirklich zu genießen. Das Wetter ist trüb, kühl und verregnet. Das trifft im Übrigen auch auf Annes Stimmung zu, die sich immer noch wegen ihres kleinen Rucksacks aufregt.

Das Wetter ist sogar so schlecht, dass wir es nicht einmal an den schönsten Stellen wagen, unsere Kamera auszupacken. :(

Und so eilen wir weiter dem Bloukrans-River entgegen. Wir gönnen uns auf dem Weg nur eine kurze Pause, um uns mit Äpfeln und Müsliriegeln zu stärken.

Immerhin erreichen wir auf diese Weise 1/2 Stunde vor Wassertiefstand den Fluß und haben so auch Zeit für eine warme Suppe zum Mittagessen. Hätte vorher auch keiner gedacht, dass man sich mal im Frühling in Afrika über eine heiße Suppe freuen würde...

Der Fluß ist doch wesentlich breiter als der gestrige, aber auch er stellt uns vor keine ernsthaften Probleme. Man muss wieder ein kleines Stück landeinwärts laufen, den Fluß an der engsten Stelle überqueren und dann auf der anderen Seite an den Felsen wieder in die andere Richtung zurück klettern. Bei dem Niesel-Regen ist das auf den glittschigen Felsen zwar nicht ganz leicht, aber die ganze Gruppe schafft es sicher und trocken auf die andere Seite.

Als alle drüben sind, fängt es wie aus Kübeln zu schütten an. Glück gehabt! Bei diesem Regen wäre die Kletterei an den Felsen richtig gefährlich geworden.

Nachdem wir unsere komplette Regenausrüstung angezogen haben, laufen wir weiter. Es ist inzwischen richtig ungemütlich. Es geht natürlich auch wieder steil bergauf. Unter den Regenklamotten entsteht bald ein Klima wie in der Sauna und nach kürzester Zeit ist innen alles genauso naß wie außen.

Der Pfad bergauf hat sich in einen kleinen Bach verwandelt, so dass uns jetzt Wassermaßen entgegen laufen. Meinen Kopf habe ich komplett in der Kapuze versteckt, den Blick starr auf den Boden gerichtet.

*Dong* Ich stoße mir den Kopf an einem in den Weg ragenden Ast. Meine Laune ist nicht die beste. Der Regen lässt mir trotzdem keine Chance, den Blick zu heben. Möglichkeiten zum Unterstellen gibt es weit und breit nicht.

*Dong* Der nächste Ast trifft meinen Kopf. "*zensiert*!!!" Völlige Verzweiflung, Frustration, Wut und ...*Dong*... Traurigkeit wechseln sich in mir ab.

Irgendwie ist das ganze so absurd, dass man lachen könnte. Anne tut das auch über mein kontinuierliches Fluchen, was meine Laune in dieser Situation aber auch nicht unbeding anhebt.

Trekking-Urlaub in Südafrika, genau wie man ihn sich vorstellt!!!

Nach ca. 1,5 Stunden und diversen *Dongs* treffen wir bei immer noch sintflutartigem Regen bei den Hütten "André" (wie sarkastisch) ein. Zuerstmal legen wir uns hin und machen ein kleines Nickerchen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0936.JPG
Eine der Hütten "André"

Am späten Nachmittag hört es für eine Weile zum Regnen auf und es entsteht eine traumhafte Abendstimmung. Am Horizont türmen sich aber schon die nächsten Wolken auf...

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0933.JPG

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0934.JPG

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0935.JPG
After The Rain

Zum Duschen ist es viel zu kalt, auch wenn es jeder vertragen könnte. Und da keiner Lust hat, sich mit dem durchnässten Feuerholz rumzuschlagen, sind alle noch früher als sonst im Bett.

pl24.de
14.08.2006, 19:35
Kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen: Danke für diesen genialen Bericht, sehr schön geschrieben und fotografiert :D

Der Waldläufer
16.08.2006, 19:11
TAG 16 (7.11.05):

Die Freude nach dem Aufwachen ist riesengroß: Aus einem (fast) wolkenlosen Himmel lacht uns endlich die Sonne entgegen!

Da an diesem Tag keine Flußüberquerung angesagt ist und es sowieso nur noch 6,8 km bis Nature's Valley sind, lassen wir uns beim Aufbruch Zeit. Obwohl die Wanderstiefel noch naß sind, führen uns das schöne Wetter und die inzwischen sehr leichten Rucksäcke in ein Stimmungshoch.

Ein letztes Mal müssen wir steil hinauf, um gleich darauf wieder mit einer atemberaubenden Aussicht auf die sonnenbeschiene Küste mit unserem Quartier der letzten Nacht belohnt zu werden.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0939.JPG
Blick zurück nach Osten auf die Hütten "André"

Von jetzt an gibt es keine nennenswerten Steigungen mehr zu bewältigen. Nahezu eben zieht sich der Weg an der Kante des Plateaus entlang. Es ist genau wie ich es erwartet hatte: im glänzenden Sonnenschein wirkt die Küste noch exotischer und verträumter, wenn auch nicht mehr ganz so wild und geheimnisvoll.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0942.JPG

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0952.JPG
Immer weiter nach Westen dem Ende des Otter Trails entgegen

Des öfteren passieren wir abgebrannte Landschaftsstriche. Später erfahren wir, dass die Wanderer, die einen Tag vor uns auf dem Otter Trail wanderten, auf Grund des Feuers sogar evakuiert werden mussten.

Nach ca. drei Stunden erreichen wir das offizielle Ende des Otter Trails. 41 wunderschöne, aber auch anstrengende Kilometer liegen hinter uns. Wie nach jedem Trek wechseln sich in mir Erleichterung und Wehmut, Glücksgefühl und Traurigkeit ab.

Für den letzten Blick auf den traumhaft schönen Strand des Nature Valley Rest Camp lassen wir uns viel Zeit.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0953.JPG
Nature Valley Rest Camp

Nachdem wir uns von dem Postkarten-Motiv losreißen konnten, machen wir uns an den Abstieg ins Tal. Ironischerweise wird die Flußdurchquerung, die mit keinem Wort in der Broschüre erwähnt wird, die einzige, bei der wir naß werden. Der Abfluß eines Sees ins Meer, sonst wohl eher ein unbedeutendes Rinnsal, ist durch die anhaltenden Regenfälle der letzten Tage zu einem relativ tiefen Hindernis geworden. Und so kommen wir doch noch zu unserer "richtigen" Flußdurchquerung"! :)

Nach und nach findet sich die ganze Gruppe in der Bar des Rest Camps ein. Wir blicken in müde und erschöpfte, aber gleichzeitig glückliche und erleichterte Gesichter. Amanda, die mich vor ein paar Tagen noch zur Seite genommen hat und zu mir meinte: "Roland, I can't do that! I'm dying! What am I supposed to do?", platzt schier vor Stolz.

In der Bar findet das Wiedersehen mit André statt, der uns alle mit einem großen Pick-Up zurück zum Storm River Mouth kutschieren will. Leider hat er schlechte Nachrichten mitgebracht. Ein Band in seinem Knöchel ist an- oder abgerissen und der Doktor meinte, dass die Wahrscheinlichkeit einer Operation hoch ist. Dadurch, dass er noch einen ganzen Tag weitergewandert ist, hat sich der Knöchel so verschlimmert, dass er um die OP wohl nicht herumkommen wird. Trotzdem sitzt er mit uns gutgelaunt am Tisch und verkündet, dass er den Otter Trail nochmal machen wird, sobald er wieder fit ist. Dann fügt er leise hinzu: "...from the point where I had to give up this time!" und zwinkert mir zu.

Jetzt gibt es erstmal für alle Otter-Trail-"Bezwinger" einen Himbeer-Likör und Urkunden. In der Mitte des "Biergartens" steht ein Baum, an dem unzählige Wanderstiefel hängen. Manche in Fetzen oder nur noch durch ein Tape zusammengehalten, andere hingegen niegelnagelneu. Es scheint also Leute zu geben, für die der Otter Trail eine so abschreckende Erfahrung war, dass sie ihre Wanderstiefel sprichwörtlich "an den Nagel gehängt haben". Das verstehe, wer will. Ich in keinster Weise.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0959.JPG
Das Wandern ist scheinbar nicht jedermanns Lust.

Nachdem uns André alle mitsamt unserer Rucksäcke zurück zu unseren Autos gefahren hat, ist es Zeit, Abschied von dieser wirklich sehr netten Gruppe zu nehmen. Rührend wünschen Sie uns alles Gute für unsere Hochzeit und die Ehe. Wir tauschen E-Mail-Adressen aus und ich verspreche, eine CD mit Fotos vom Otter Trail zu schicken.

Hm, da fällt mir ein, dass ich die CDs hier irgendwo noch rumliegen haben muss... tja, je später, desto größer die Überraschung.

Mit dem Auto geht es jetzt (übrigens völlig überraschend mal wieder durch heftigen Regen :roll: ) 100 km weiter nach Jeffrey's Bay.

Während der Fahrt bin ich mit meinen Gedanken noch auf dem Otter Trail, der definitiv zu den schönsten Wanderungen zählt, die ich je machen durfte. Ich kann diesen Trek nur jedem empfehlen, der vorhat, nach Südafrika zu reisen. Es ist wahrlich ein Must-Do! Kümmert Euch aber frühzeitig (ca. 1 Jahr im Voraus) um die Reservierungen!

Jeffrey Bay ist eine gepflegte Kleinstadt, die für Kenner ein Surf- und Wellenreit-Mekka darstellt. In der Hauptstraße reiht sich ein Surf-Shop an den anderen.

Wir haben einvernehmlich entschieden, uns heute nacht mal wieder ein bißchen Komfort zu gönnen und checken daher im schönsten B&B ein, das wir je gesehen haben: Das Lazee Bay aus dem Lonely Planet.

Das Lazee Bay ist ein Gebäude in Form von zusammengesetzten Kästen, blau angestrichen und mit allen möglichen Meeresbewohnern bemalt. Ein Pool, verschachtelte Holztreppen, eine Feuerstelle und sehr gemütliche und liebevoll-exotisch eingerichtete Zimmer perfektionieren den Gesamteindruck.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0962.JPG

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0966.JPG
Unser Tipp für Jeffrey's Bay: Das B&B "Lazee Bay"

Wir erfahren in Jeffrey's Bay die nächste Konsequenz der Unwetter: Seit Vormittag herrscht in der ganzen Stadt Stromausfall. Daher bekommen wir noch ein paar Kerzen ins Zimmer gestellt. Wenn es nicht zufällig der letzte Tag des Otter Trails gewesen wäre, hätte ich dies durchaus als romantische Amosphäre wahrnehmen können. Die nette Gastgeberin fragt, ob sie die getrennten Betten zusammenstellen soll und wundert sich, dass sie von uns beiden nur ein emotionsloses Achselzucken als Antwort erhält...

Ein Supermarkt in der Stadt hat mittels eines Notstromaggregats sogar geöffnet. Nachdem wir uns mit Schokolade, Chips und Cola eingedeckt haben, machen wir es uns in den (immer noch getrennten) Betten gemütlich.

Später am Abend geht der Strom wieder an. Nach einer heißen Dusche schlafen wir beide zwischen Chips und Schokolade vor dem Fernseher ein.

rover
18.08.2006, 13:31
Toller Bericht.
bei mir geht´s End Oktober nach SA.

cheers
rover

vince
19.08.2006, 14:54
Hey klasse Reisebericht und dazu noch viele tolle Bilder. 1a

Gruß
vince

Der Waldläufer
25.10.2006, 13:29
TAG 17 (8.11.2005):

Nach 5 Tagen mit relativ abwechlsungsloser Küche schmeckt uns das Frühstück mit "Bacon and Eggs" gleich doppelt so gut. Nach dem ausgiebigen Mahl müssen wir uns definitiv erst einmal um die Schmutzwäsche kümmern, die kurz davor ist, ein Eigenleben zu entwickeln. Nachdem wir ein paar Ladungen gewaschen haben und auch gleich die ersten Fotos auf CD brennen lassen haben, machen wir es uns an dem Pool gemütlich.

Wie faule Hunde liegen wir den ganzen Tag nur in der Sonne, schreiben ein paar Postkarten und regenerieren uns von den Strapazen der letzten Tage.

Ich döse gerade so vor mich in, als ich Anne sagen höre: "Weisst Du was? Laß uns den Giant's Cup Hiking Trail in den Drakensbergen auch noch machen!" Plötzlich völlig wach, setze ich mich auf. "O.k.!" Ich gehe in unser Zimmer, hole Handy sowie Reiseführer und wähle die Nummer des NCS KwaZulu Natal Nature Conservation Service. Die Buchung per Telefon und Zahlung mit Kreditkarte funktioniert reibungslos. Für den 12.11. buchen wir den Start unserer Wanderung durch die Drakensberge.

Der Reiseführer beschreibt den Giant's Cup Hiking Trail als "die ultimative Erfahrung der Drakensberge. Er dauert 5 Tage mit 4 Übernachtungen in rustikalen Hütten. 60 km lang, gute Kondition erforderlich, obwohl nicht als schwierig eingestuft. (...) Die Kulisse ist atemberaubend." Wir sind gespannt und schon jetzt macht sich die Vorfreude in mir breit. Ich bin wahnsinnig glücklich, dass Anne sich für Trekking-Touren begeistern kann. Sie hat ihre erste Trekking-Tour trotz der großen Anstrengungen und Wetterkapriolen gemeistert und dabei auch absolut genossen. Ich bin darüber unendlich glücklich.

Den Rest des Tages geben wir uns wieder dem bedingungslosen Faullenzen hin. Am Abend gehen wir zum Steak-Essen ins "Spur", eine Kette von Steak-Häusern, die in ganz Südafrika zu finden ist.

Obwohl die Portionen groß und die Preise klein sind, haben wir eindeutig schon besser gegessen. Naja, hauptsache satt.


TAG 18 (9.11.2005):

Es ist erstaunlich, was so ein Ruhetag in unserem Körper bewirken kann. Gestern noch wären wir am liebsten überhaupt nicht aufgestanden, heute springen wir voller neuer Energie aus den Betten und packen unsere Sachen zusammen. Auf dem Programm steht heute der erste richtig afrikanische Programmpunkt: Fotosafari im Addo Elephant National Park!

Nach einem erneut hervorragenden Frühstück verabschieden wir uns von den Gastleuten des "Lazee Bay" und brechen auf in Richtung AENP. Vorher jedoch durchsuchen wir noch ganz Jeffrey's Bay nach einem Outdoor-Laden, in dem wir einen größeren Rucksack für Anne kaufen können. Das war die Voraussetzung, unter der ich den GCHT buchen durfte. Damit kann ich gut leben! Leider gibt es zwar in Jeffrey's Bay einen Surferladen neben dem anderen, aber Wandern scheint hier nicht der große Renner zu sein.

Fündig werden wir dann erst 2 h später in einem riesigen Outdoor-Center in Port Elizabeth. Die Suche in der Großstadt empfinde ich als sehr anstrengend. Obwohl ich das Autofahren in Städten gewöhnt bin, habe ich mich doch zu sehr an die Ruhe und Friedlichkeit auf dem Otter Trail gewöhnt. Der Kontrast zu dieser lauten und dreckigen Großstadt ist umso heftiger.

Am frühen Nachmittag erreichen wir den Addo Elephant National Park. Im Reservat schlagen wir dann erst einmal unser Zelt auf und brechen dann ganz erwartungsvoll auf in den eigentlichen Park.

Das Prinzip der südafrikanischen Nationalpark besteht darin, mit dem Auto auf den zumeist Sandstraßen eigenständig durch den Park zu fahren. Es ist strengstens verboten (weil zu gefährlich) das Auto zu verlassen, außer es handelt sich um einen ausgewiesenen Aussteigeplatz. Und selbst da hat man immer noch ein mulmiges Gefühl, was durch die Schilder nicht unbedingt abgeschwächt wird.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0971.JPG
Vorsicht Löwen! Aussteigen auf eigene Gefahr!

Auf der Suche nach unseren ersten Tierbegegnungen fahren wir durch eine schöne Landschaft, das sogenannte "Spekboomveld". Die ersten Tier zeigen sich uns in Form von Vögeln, Meerkatzen, Warzenschweinen und Mistkäfern (auch wesentlich respektvoller als Pillendreherkäfer oder gar Skarabäus bekannt ;)), die übrigens im ganzen Park das "Right Of Way" genießen. Die Käfer sind für das Ökosystem des Parks enorm wichtig, da sie durch das Vergraben der Kugeln aus Elefantenmist den Boden effektiv düngen.

Das alles ist ja sehr nett, aber ehrlich gesagt dürstet es uns jetzt schon nach den "großen" afrikanischen Tieren.

Nach etwa 2 Stunden nähern wir uns einem vor uns fahrenden Auto. Die Bremslichter des Fahrzeugs leuchte auf, der Wagen kommt zum Stillstand und darin bricht die totale Hektik aus: riesige Objektive werden gezückt und das Auto wird mehrmals hin- und herrrangiert. Fest in dem Glauben, dass es dort etwas unheimlich Interessantes zu sehen gibt, suchen wir auch in der Richtung, in die die Objektive zeigen. Nach einiger Zeit entdecken wir in großer Entfernung einen schwarzen Punkt, der sich bei genauerem Hinsehen mit dem Fernglas als einsamer Büffel herausstellt, der dort im Gebüsch versteckt vor sich hingrast. Immerhin, es ist das erste Tier der "Big Five" (Elefant, Löwe, Büffel, Nashorn, Leopard), das wir sehen. Ich hoffe jedoch inständig, dass das nicht das Nächste war, wie die Tiere an die Autos herankommen.

Wir fahren an dem Auto vorbei, in dem noch immer wie wild die Kameras klicken. Zu unserem Glück! Denn zwei Wegbiegungen später taucht plötzlich von links ganz leise und wie aus dem Nichts ein Elephant auf. In aller Seelenruhe überquert der Elefant ca. 15 m vor uns die Straße. Wir können unser Glück gar nicht fassen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0980.JPG
He! Rechts vor links, Du Tölpel!

Vor lauter Faszination bemerken wir fast gar nicht, dass dem Elefanten noch fünf andere folgen. Darunter auch zwei süße Baby-Elefanten.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0985.JPG
Probier's mal mit Gemütlichkeit!

Die Elefantenfamilie durchquert - unsere Anwesenheit völlig ignorierend - unser Blickfeld und geht zu einem kleinen Wasserloch, wo wir ihnen noch ausgiebig beim Plantschen, Trinken und Fressen zusehen können. Wir verschießen noch dutzende Fotos mit diesen faszinierenden Tiere, bevor die Familie weiter wandert.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_0994.JPG
Der Addo Elephant National Park trägt seinen Namen zu Recht

Als wäre jetzt der Bann gebrochen, sehen wir danach nch ganz viele Elefanten. Vermutlich liegt das daran, dass die Temperaturen zurückgehen und die brütende Hitze sich allmählich legt. Die Begegnung mit der Elefantenfamilie war ein berührendes und packendes Erlebnis! Das wird uns noch mehr bewusst, wenn wir Touristen sehen, die Elefanten aus über 100m Entfernung fotografieren müssen.

Noch einmal kommen wir einem Elefanten ganz nahe. Vielleicht sogar etwas zu nahe, denn der Bulle stellt bedrohlich die Ohren auf und geht ein bißchen auf die nervigen Autos zu. Ein sehr imposanter Anblick!! Zum Glück sehen das auch die Fahrer der Autos hinter uns so und eine Kette von Autos fährt bereitwillig ein bißchen zurück.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1015.JPG
Size does matter!!!

Ich bin noch immer ganz hin und weg, als die Sonne langsam untergeht und wir uns auf den Weg ins Camp machen müssen. "Jetzt fehlt nur noch ein Löwe, dann wäre der Tag perfekt." sage ich zu Anne, als wir einen einsamen Kießweg entlang fahren. Seit 2003 gibt es wieder ein paar Löwen (6+x) im Park, aber bei den paar Löwen auf 130 000 ha Parkfläche sind die Chancen nicht gerade die besten.

Ein paar Augenblicke später taucht vor uns auf dem Weg der Umriss eines Tieres auf. Anfänglich denke ich, dass da ein Hund auf uns zu trottet. Doch kurz darauf wird klar: es ist kein Hund, sondern ein Löwe!

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1023.JPG
What's new, pussycat?

Genauer gesagt ist es eine Löwin, die da keine zwei Meter neben unserem Auto ein paar Mal ins Gebüsch brüllt, so dass ich eine Gänsehaut bekomme. Nach dieser eindrucksvollen Demonstration verschwindet die Löwin wieder über den Hügel.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1028.JPG
Die Königin der Tiere

Anne beschreibt unsere Gefühle in ihrem Tagebuch vollkommen treffend: "Solche Begegnungen sind echte Erlebnisse, brennen sich tief ein, werden zu kostbaren Erinnerungen."

In einem Zustand 100%iger Zufriedenheit lassen wir den Tag bei einem stilechten "Brai" mit Boerewurst, gegrillten Kartoffeln und Salat ausklingen und schmieden Pläne für die nächsten Tage.

Der Waldläufer
25.10.2006, 20:51
Tag 19 (10.11.2005):

Bereits gestern abend war uns beim Blick auf die Karte klar, dass wir heute nicht viel Programm in den Tag packen können. Ein bißchen mehr als 700 km müssen wir heute bis zu unserer angepeilten Tagesetappe Kokstadt hinter uns bringen. Wir möchten so nah wie möglich an die Drakensberge kommen, da übermorgen der Start des Giant's Cup Hiking Trails für uns gebucht ist.

Und so fahren wir nur mit wenigen Pausen auf der N2 Richtung Nordosten durch die Transkei, einer der ärmsten Regionen Südafrikas. Sowohl in den Reiseführern als auch auf den Schildern am Wegesrand wird davor gewarnt, auf der Straße anzuhalten. Sogar die wenigen Verkaufsstände am Straßenrand soll man nicht anfahren, da das Risiko, Opfer eines Raubüberfalls zu werden einfach zu groß sei. Es ist sehr schwer, diese von allen Seiten geschürte Paranoia zu unterdrücken. Wenn man die wirklich armseligen Behausungen und die zerlumpten Gestalten in den kleinen Ortschaften oder Townships sieht, fällt es einem nicht schwer, die Motivation hinter solchen Überfällen zu verstehen. Was für eine unglaubliche Provokation muss es für diese Ärmsten der Armen darstellen, uns wohlhabende Touristen mit unseren teueren Fotoausrüstungen zu sehen, während sie nicht einmal das nötige Geld zum Überleben haben?! Während der ganzen Fahrt fühle ich mich einfach nur schlecht und muss viel über diese Welt und die Ungerechtigkeiten in ihr nachdenken.

Nach sieben Stunden erreichen wir das Städtchen Umtata, den Geburtsort von Nelson Mandela. Um diesen durch die lange Fahrt eintönigen Tag wenigstens ein bißchen aufzupeppen, beschließen wir, das Nelson-Mandela-Museum zu besuchen. Leider sind wir sehr spät dran und können nur noch eine Stunde in dem Museum verbringen bevor es schließt. Das Museum besteht zu größten Teilen aus großen Plakatwänden mit Auszügen aus Nelson Mandelas Biographie "Der lange Weg zur Freiheit", Fotos und historischen Schriftstücken. Viel besser fühle ich mich nach dieser eindringlichen Geschichtsstunde nicht unbedingt, als wir die Fahrt Richtung Kokstadt fortsetzen und die immer noch vorhandenen Auswirkungen der Apartheid unverblümt vor Augen geführt bekommen.

Die Straße schlängelt sich immer weiter in wilden Serpentinen um Felsvorsprünge herum, unaufhaltsam nach oben. Als Nebel aufzieht, macht das die eh schon nicht einfach zu fahrende Strecke zur Herausforderung. Anne neben mir auf dem Beifahrersitz fühlt sich merklich unwohl und rutsch bei jeder Kurve unruhig auf dem Sitz herum, wenn wieder unvermittelt aus dem dichten Nebel ein Lkw auftaucht und auf uns zu zu rasen scheint.

Wir erreichen dann aber doch wohlbehalten unser Tagesziel. Kokstadt ist ein relativ unspektakuläres Städtchen, das auf mich ein wenig einen us-amerikanischen Eindruck macht. Wir haben leider keinen Stadtplan, was die Suche nach dem Campingplatz sehr erschwert. Uns irritiert, dass es keine Schilder gibt, die uns den Weg dorthin weisen. Anne wählt die im Reiseführer angegebene Nummer, um sich zu vergewissern, dass der Campingplatz noch existiert. Ein Mann am Ende der Leitung beschreibt uns den Weg und schließlich werden wir auch fündig. Allerdings trauen wir unseren Augen nicht, als wir durch das Eingangstor fahren. Der Campingplatz erinnert eher an eine große Müllhalde. Kein einziges Zelt steht auf dem, was vielleicht mal eine Wiese gewesen ist. Nur ein paar verwahrloste Wohnwägen, die sicherlich nicht zum Urlaub machen genützt werden, stehen auf dem Gelände verteilt herum. Ungepflegte und unheimliche Gestalten schieben Vorhänge zur Seite, als wir an den Wohnwägen vorbei in Richtung Rezeption fahren. In unserer Vorstellung übelegen die Kerle schon, welche unserer Körperteile wohl am schmackhaftesten sind.

Als wir mit dem Auto vorfahren, kommt der Rezeptionist aus seiner Baracke und kommt auf unser Auto zu. Anne und ich überlegen, an wen uns der Kerl wohl erinnert. Wir einigen uns darauf, dass er einer Mischung zweier Filmstars sehr nahe kommt:
Jeffrey "The Dude" Lebowski und Freddy Krueger.

Ich muss mich schwer beherrschen, nicht mit Vollgas und durchdrehenden Reifen davon zu rasen. Und so wünschen wir dem Herren einen schönen Abend und fahren gemächlich aus dem Campingplatz. Ich bin mir noch heute sicher, dass der Rezeptionist uns traurig hinterhergeschaut hat...

In einem B&B namens "Rest assured" finden wir dann schließlich die zugesicherte und dringend benötigte Ruhe und schlafen erleichtert vor dem Fernseher ein.

Der Waldläufer
25.10.2006, 22:19
Tag 20 (11.11.2005):

Am Morgen hat sich der gestrige Neben bereits verzogen und lässt sogar Blicke auf die Gipfelplateaus der nahen Drakensberge zu, die gestern noch total nebelverhangen waren.

Heute sieht alles freundlicher aus und ich bin mir sicher, dass auch der Campingplatz und seine Bewohner jetzt weit weniger an "Dawn of the Dead" erinnern.

Auf unserer Weiterfahrt, die uns immer tiefer in die Drakensberge führt, machen wir eine kurze Pause am Straßenrand. Drei große Vögel finden uns anscheinend genau so interessant wie wir sie und drehen ihre erhabenen Kreise über unseren Köpfen. Wir glauben, sie als Lämmergeier identifizieren zu können.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1039.JPG
Ornithologen aufgepasst: Lämmergeier?

Als Unterkunft haben wir uns für heute die Sani Lodge ausgesucht, eine recht alternative Backpacker-Unterkunft mit Zeltplatz, die auf dem Weg zum Sani Pass liegt. Der Sani Pass führt in den Enklavenstaat Lesotho und ist mit 2873 Metern der höchste Straßenpass Südafrikas.

Wir bauen unser Zelt auf dem Zeltplatz der Lodge auf und bereiten schon ein bißchen die Sachen für unsere morgige Trekking-Tour vor.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1042.JPG
Room with a view

Kurze Zeit später beginnt es, wie aus Eimern zu gießen und wir verziehen uns in den Aufenhaltsbereich der Lodge. Die Lodge ist ausgebucht, aber wir sind die einzigen Gäste im Wohnzimmer und so können wir es uns mit einer Tasse Tee auf der Couch gemütlich machen.

Nach und nach treffen immer mehr total durchnässte Gäste der Logde ein, die auf ihrer Wanderung in den Drakensbergen vom Regen überrascht wurden. Inzwischen ist es auch richtig kalt geworden. Ja, so stellt man sich einen Frühling in Schottland, äh sorry, Südafrika vor! :roll:

Matthew, ein Angestellter in der Lodge, heizt den Ofen mit Holz an und innerhalb kürzester Zeit ist die Lodge voll von wärmesuchenden Gästen. Es ist der für ein Backpacker's typische Nationalitätenmix. Von Holländern und Schweden über Franzosen und US-Amerikaner bis Baliner... Balines... einem Mädchen aus Bali ist alles dabei.

Anne unterhält sich mit einer Amerikanerin, die sie fragt, wie lange wir denn unterwegs seien. "Einen Monat!" antwortet Anne auf Englisch, in sicherer Erwartung einer bewundernden Reaktion wie "was, so lange!?", wie sie es aus Deutschland gewohnt war, wenn sie von unseren Plänen berichtete. Als Antwort bekommt sie jedoch nur ein kurzes "Oh.". Ich schiele über mein Buch rüber zu Anne, die sichtlich irritiert zu sein scheint. "Und Du, wie lange bist Du in Südafrika?" "Oh, weißt Du, das ist jetzt der zweite Teil meiner Weltreise. Beim ersten Teil bin ich für ein Jahr herumgereist, musste aber dann für die Hochzeit meiner Schwester nach Hause fahren. Jetzt möchte ich nochmal ein Jahr dran hängen. Aber ich habe Probleme, hier ein Visum zu bekommen, also werde ich wohl nur für drei Monate in Südafrika bleiben." Anne und ich könnten einen Wettstreit machen, wessen Unterkiefer näher am Boden hängt.

Der Regen scheint überhaupt nicht mehr aufhören zu wollen. Matthew teilt mir mit, dass das bisher der regenreichste Frühling in Südafrika ist, an den er sich erinnern kann. Meine Vorfreude auf den Giant's Cup Hiking Trail wird angesichts der Wetteraussichten nicht unbeding geschürt. Matthew versucht, mich aufzuheitern, denn eigentlich könne man mit dem Regen ziemlich gut planen. Jeden Tag fange es um 14.00 Uhr an zu regnen. Ich bin gespannt... Können wir auch irgendwann mal Trekking-Touren ohne Zeitdruck machen?! Entweder muss man irgendwelche Gezeiten abpassen oder die Regenzeit vermeiden... eigentich sollte man doch trekken, um der Hektik zu entfliehen!

Um 21.00 Uhr kriechen Anne und ich in unser Zelt und schlafen bei dem gemütlichen Trommeln des Regens auf unser Zeltdach ein. Irgendwie freue ich mich jetzt doch wahnsinnig auf die morgen startende Tour.

Der Waldläufer
28.10.2006, 12:16
TAG 21 (12.11.2005):

Die Sonne strahlt am Himmel, Vögel fliegen fröhlich zwitschern hinter Insekten her, einige Gäster der Lodge liegen schon faul auf der Veranda in der Sonne....

Quatsch, natürlich nicht. Wie immer ist der Himmel wolkenverhangen und die Temperaturen kommen einfach nicht in einen angenehmen Bereich.

Während wir unser Zelt abbauen und die (jetzt etwa gleich großen ;)) Rucksäcke für den GCHT packen, reisst es dann aber doch ein bißchen auf. Bislang bleibt es aber nur ein Hoffnungsschimmer.

Das Frühstück wird in einem kleinen Gebäude 50 m von der Lodge entfernt serviert, dem Tea House. Aber wir sind uns einig, dass wir schon besser gefrühstückt haben. Egal, Hauptsache satt und gestärkt für die Wanderung.

Wir kaufen noch eine 15 Jahre alte Karte von dem Trail, dann brechen wir gegen 08:15 Uhr auf. Matthew hat uns denn Tipp gegeben, nicht den ganzen Weg zum Startpunkt des Trails der Schotterpiste entlang zu laufen, sondern bereits vorher in ein Bachtal einzubiegen. Dieser Weg münde dann nach einigen Kilometern in den Giant's Cup Hiking Trail und sei sogar schöner als der eigentliche Beginn des Trails.

Wir befolgen also Matthews Rat und nehmen die Alternativroute, die uns immer enlang des Bachs nach oben führt.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1049.JPG
Grünes Afrika

Den Bach müssen wir gleich mehrmals überqueren, was uns beiden großen Spaß bereitet.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1047.JPG
"Bitte, bitte, bitte..."

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1055.JPG
Entlang dieses Baches führt uns der Weg Richtung Giant's Cup Hiking Trail

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1058.JPG
Ob der Anfang des Trails auch so schön gewesen wäre?

Während ich gerade einen Wasserfall fotografiere, holt uns eine von einem Wanderguide geführte Gruppe von Tagesausflüglern ein. Darunter auch das Mädchen aus Bali, das mich bezüglich ihrer Nationalität wieder zum Grübeln bringt.

Der Guide spricht uns an und fragt uns, welche Route wir gehen. Nachdem wir es ihm mitgeteilt hatten, fragt er, ob er uns zwei Leute seiner Gruppe für ein Stückchen des Weges anvertrauen könne. Augenrollend erzählt er uns, dass die Amerikaner bereits am Ende seien und keinen Schritt mehr weiterlaufen wollen. Ungläubig schaue ich auf die vier im Gras sitzenden, wie Lokomotiven schnaubenden Schwergewichtler.

Ein deutsches Pärchen möchte noch nicht umkehren, fühlt sich aber in Sachen Orientierung nicht fit genug, alleine wieder heimzufinden. Und so begleiten sie uns ein paar Kilometer durch das immer schöner werdene Tal. Der Guide zeigt mir auf der Karte, welchen Weg wir sie runterschicken müssen. Dieser Weg führt geradewegs auf die Lodge zu, man darf eigentlich nur die Abzweigung nicht verpassen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1067.JPG
Ob da unten irgendwo eine kleine, goldenen Statue steht?!

Nach insgesamt zwei Stunden Wanderung erreichen wir den Giant's Cup Hiking Trail, der mit weißen Fußspuren markiert ist. Nach einer weiteren Viertelstunde kommen wir an die vom Guide gezeigte Abzweigung und die beiden Deutschen verlassen uns in Richtung Lodge. Es wird immer schwüler und am Himmel türmen sich bereits dunkle Regenwolken auf. Ich habe ein Bild vor meinem geistigen Auge, wie die beiden in der warmen Lodge bei einem Tässchen Tee sitzen, während wie gerade auf dem Trail von oben bis unten naß geregnet werden.

Nichtsdestotrotz ist der Trail einfach atemberaubend. Durch absolute Einsamkeit und Stille führt uns der Weg auf dem Hochplateau der Drakensberge entlang.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1071.JPG
And the road goes on and on...

Beide wandern wir völlig in Gedanken verloren in dieser scheinbar unendlichen Weite. Wieder einmal muss ich meine Vorstellung von Afrika revidieren und mir wird klar, warum Südafrika auch "Die Welt in einem Land" genannt wird. Die grünen, saftigen Hügel erinnern uns stellenweise an Irland.

Der Weg ist nicht sonderlich anstrengend, da er nur selten wirklich steil wird, sondern zumeist relativ flach und eben verläuft.

Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass die erste Hütte Pholela nicht mehr weit entfernt ist. Über uns beginnt es zu Grollen. Wir beschleunigen unsere Schritte, überqueren eine Hängebrücke und den dahinter liegenden Campingplatz und erreichen dann unsere Hütte. Just in dem Augenblick als Anne hinter mir die Hütte betritt, kommt es zu einem Wolkenbruch, der alles unter Wasser setzt. Es ist übrigens ziemlich genau 14:00 Uhr. ;)

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1080.JPG
Das war knapp!

"Glück gehabt!" meint Anne zu mir.
"Das war kein Glück. Ich habe einen Deal mit ihm, ..." Ich nicke hinauf gen Himmel... "dass wir nicht nass werden."

Außer uns ist die Hütte leer. Wir fragen uns, ob wir vielleicht sogar die einzigen Wanderer auf dem Trail sind. Die Hütte ist sehr komfortabel mit mehreren mit Teppichböden und Kaminen ausgestattete Acht-Bett-Zimmern. Während Anne ein Weilchen schläft, mache ich in dem Kamin ein gemütliches Feuer.

Durch den Regen kommt unter einem Schirm eine Angestellte des Parks zu unserer Hütte und heizt den Wasserboiler für die Duschen an. Nachdem Anne wieder aufgewacht ist, machen wir erst einmal ausgiebig Brotzeit. Die Pause auf der Wandrung heute haben wir auf Grund des Windes und der Kälte nur sehr kurz gehalten. Dementsprechend ausgehungert sind wir jetzt.

Während wir gerade genüßlich unser Mahl verspeisen, betreten zwei völlig eingepackte und durchnässte Wanderer die Hütte. Wieder sind es zwei Deutsche, Joachim und Andreas, die ebenfalls den Giant's Cup Hiking Trail laufen. Beide sind sehr nett und ich mache mir keine Sorgen bezüglich der nächsten Tage.

In dem ausliegenden Gästebuch stellen wir fest, dass seit gut einem Monat niemand mehr den Trail gelaufen ist. Und auch sonst sind die Einträge eher spärlich. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass der Trail - ähnlich dem Otter Trail - stets ausgebucht ist. Wir sind aber alle vier sehr froh darüber, nicht in vollgestopften Hütten um Schlafplätze kämpfen zu müssen.

Nach dem üblichen Nudelpampe-Abendessen und ein bißchen Schultermassage gehen wir frühzeitig ins Bett und schlafen sofort ein. Ich bin mir sicher, dass ich in meinem Traum noch einmal diesen schönen Weg laufe.

Der Waldläufer
28.10.2006, 13:42
TAG 22 (13.11.2005):

Als ich morgens gegen 06:00 Uhr aufwache, bin ich überrascht, wie voll die Hütte geworden ist. Es sind aber keine Wanderer, die es sich in den Zimmern gemütlich gemacht haben, sondern Camper, deren Zelte den gestrigen Wolkenbruch nicht überstanden haben. Wieder einmal muss sich Anne einen meiner Vorträge über den Unterschied zwischen Billig- und Qualitätszelte anhören. Hab ich da ein Augenhochdrehen bei Anne gesehen? Egal... und so fahre ich mit den Ausführungen fort.

Gestern noch haben wir geplant, frühzeitig loszulaufen, um den 2 Uhr-Regen zu verhindern. Da wir eh sehr früh ins Bett gehen und auch aufstehen, schien uns dieser Plan sinnvoll. Jetzt sitzen wir mit gepackten Rucksäcken auf unseren Betten und schauen dem Regen zu, der sich über die Drakensberge ergießt.

Erst gegen 08:00 Uhr hört es wieder auf zu regnen und wir wagen uns nach draußen. Und wieder wandern wir durch endlose Weiten über grüne Wiesen umringt von den Tafelgipfeln der Drakensberge.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1100.JPG
Nur Anne, ich und die Drakensberge

Auf der Karte ist eine Stelle mit dem Namen "Turtle Rocks" gekennzeichnet. Schon von Weitem sehen wir die schildkrötenförmigen Felsen, die neben uns am Wegesrand liegen. Anne will mir einfach die Geschicht über riesige, versteinerte Fossilien von Urzeitschildkröten nicht abnehmen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1101.JPG
Turtle Rocks - oder doch eher Muffin Rocks?!

Nach einiger Zeit erreichen wir eine Höhle, in der Wandmalereien der San-Buschmänner zu sehen sein sollen. Eine richtige Höhle ist es eigentlich gar nicht, sondern ein großer Felsüberhang, und auch die Höhlenmalereien finden wir erst nach längerer Suche. Sie sind bereits sehr ausgeblichen und kaum noch zu erkennen.

Zu unserer großen Freude reisst die Wolkendecke endlich auf und wir bekommen die Sonne zu sehen. Im Sonnenlicht haben die Drakensberge wieder einen ganz neuen Anschein. Weniger mystisch und düster, dafür freundicher und wärmer.

Immer wieder bleiben wir stehen und genießen die Aussicht über die Ebenen oder auf die zahlreichen schönen Landschaftsformationen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1115.JPG
Diesen Baum hätte ich sogar gerne im Nebel gesehen

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1116.JPG
Endlich blauer Himmel

Da das Wetter am frühen Mittag immer noch warm und sonnig ist, beschließen wir, ausgiebig Mittagspause zu machen. Ein flacher, ca. 1m hoher Felsen, der ca. 5 Meter vom Wegrand entfernt liegt, ist wie dafür gemacht, auf ihm Brotzeit zu machen. Ich gehe durch das wadenhohe Gras, lege meinen Rucksack auf den Felsen und klettere rauf. Anne folgt mir. Das nächste, was ich mitbekomme, ist ein Kreischen von Anne. Im nächsten Augenblick sehe ich Anne mitsamt ihrem 17 kg Rucksack auf den Felsen sprigen. "Was ist denn jetzt schon wieder?!" frage ich merklich genervt durch die Störung dieser friedlichen Stille.

Anne beschreibt die Situation folgendermaßen:
"Wir steuern auf einen großen Felsen etwas abseits des Pfades zu. Roland läßt seinen Rucksack darauffallen, ich bin etwas rechts neben ihm und will gerade das Gleiche tun, als ich rechts von mir ein drohendes Zischen vernehme. Halb aus dem Augenwinkel sehe ich, vielleicht einen Meter neben mir, eine erschreckend große, dunkle Schlange, die drohend den Kopf hebt.

Mit einem Kreischen hechte ich mich auf den Felsen - samt meinem Rucksack, der gerade noch so schwer erschien, dass ich ihn unbedingt absetzen wollte... Angst verleiht halt Flügel! ;)

'Was ist denn jetzt schon wieder?' fragt Roland (was heißt da eigentlich schon wieder??), bevor er die Schlange bemerkt. 'Hey, die lebt ja noch!' Aber ja lebt die noch, Schlauberger, sonst hätte sie mich kaum anzischen können.

Jetzt beginnt die Schlange - ich denke es ist eine Puffotter, und zwar ein ausgewachsenes Prachtexemplar - sich zu bewegen. Ich traue meinen Augen kaum, als sie auf uns zu gleitet: Will die etwa hier hoch??

Roland zückt seinen Wanderstock, aber die Schlange versucht nicht, auf den Felsen zu gelangen, sondern verschwindet unter ihm. Scheinbar haben wir uns ihren Wohnfelsen als Rastplatz ausgesucht."

Ich schaue der Schlange zu, wie sie unter dem Felsen verschwindet und hole unser Essen aus dem Rucksack.
"Das ist ja wohl nicht Dein Ernst, dass wir jetzt hier auf dem Felsen Brotzeit machen sollen, oder!? Wo wir genau wissen, dass da eine Schlange unter uns ist!" Anne hat normalerweise keine Angst vor Schlangen, im Gegenteil, sie ist von diesen schönen Tieren sehr fasziniert, aber die Erkenntnis, um Haaresbreite an einem Biß vorbeigeschrammt zu sein, hat sie verständlicherweise doch ein bißchen mitgenommen.
"Du wirst hier wahrscheinlich keinen Felsen finden, unter dem keine Schlange wohnt. Und jetzt sind wir schon drauf."

Puffottern unterscheiden sich von anderen Schlangen vor allem darin, dass sie sich nicht entfernen, wenn die Vibrationen des Bodens sich auf sie zu bewegen. Aus diesem Grund sind Puffotterbisse gar nicht so selten in Südafrika. Das Puffotterngift ist zwar nicht das giftigste, aber besonders einfach wäre es nicht geworden, von hier zu einem Arzt zu gelangen.

Gegen Mittag kommen wir bei unserer Hütte "Mzimkulwana" an. Die Hütten sind spartansich und eher ungemütlich eingerichtet, kein Vergleich zu den gemütlichen Räumen gestern.

Matthew hatte uns erzählt, dass viele Wanderer Hütten überspringen und den Trail in weniger als 5 Tagen laufen. Das wäre sicherlich möglich, aber für uns sind 5 Tage in den sagenhaften Drakensbergen sicher nicht zu viel und wir lassen es bei der Tour lieber ruhig angehen.

Da das Wetter immer noch schön ist, beschließen wir, erst einmal eine Runde Schwimmen zu gehen. Gleich neben der Hütte hat sich das Wasser eines Bachs in einem natürlichen Becken gesammelt. Da ich das Wasser erst testen möchte, stelle ich mich auf einer Schräge nur mit den Füßen ins Wasser. Plötzlich gerate ich auf der Schrägen ins Rutschen und gleite langsam aber unaufhaltsam immer tiefer ins eiskalte Wasser. Für Anne muss das sehr witzig ausgesehen haben, denn sie lacht sich halbtot. Allerdings nur so lange, bis ich sie mit dem Wasser vollspritze. Kurz und schmerzlos ziehe ich sie ins Wasser. Und wenn man erst mal drinnen ist, tut es wahnsinnig gut, darin zu plantschen.

Nach einiger Zeit im Wasser zieht sich der Himmel wieder zu. Schnell verlassen wir "den Pool", schmeißen uns die Handtücher über und fliehen in die Hütte. Es ist wie ein Déjà Vu: Kaum sind wir in der Hütte, bricht draußen ein Regenguß nieder. Der Deal scheint ja gut zu funktionieren!

In einiger Entfernung sehen wir zwei Gestalten mit großen Schritten auf die Hütte zu eilen. Andreas und Joachim haben es wieder nicht geschafft, vor dem Regen ins Trockene zu gelangen. Ich frage mich, was die beiden wohl angestellt haben?! ;) Da sie aber gute Regenkleidung haben, ist das nicht so schlimm, wie es für uns wäre. Die beiden legen mehr Wert darauf, morgens lange auszuschlafen und dann gemütlich loszulaufen. Anne und ich gehen lieber früh und genießen dann später die freie Zeit am Ziel.

Während ich selig meinen Nachmittagsschlaf halte, gibt Anne noch ihre Schlangengeschichte den beeindruckten Mitwanderern zum Besten.

Am frühen Abend zeigt sich noch ein wunderschöner Regenbogen über den Bergen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/Regenbogen.jpg
Somewhere Over The Rainbow...

Und später scheint der Himmel über Lesotho zu brennen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1124.JPG

Der Waldläufer
28.10.2006, 20:09
TAG 23 (14.11.2005):

Die Freude nach dem frühen Aufwachen ist groß: Am Himmel lacht uns wieder die Sonne entgegen. Eifrig packen wir unsere Rucksäcke und schlingen voller Vorfreude auf diesen Wandertag unser Instant-Oat-Meal runter. Doch als wir abmarschbereit vor die Türe treten, macht sich doch ein wenig Enttäuschung breit. Wieder haben sich dunkle Wolken am ganzen Himmel ausgebreitet und die Sonne verdunkelt.

Nichtdestotrotz laufen wir gutgelaunt los. Die Wanderstrecke verläuft heute sehr eben und wir müssen uns kaum anstrengen. Der Wind veranlasst uns sogar, unsere Funktionsjacken anzuziehen.

Wieder führt uns der Weg scheinbar in die Unendlichkeit dieser wildromantischen und einsamen Landschaft. Anne, die vor unserem Abflug einige negative Erlebnisse hatte, scheint alles um sich herum zu vergessen und wie in Trance zu wandern. In unserem Reisetagebuch lässt sie einen Blick in ihre Gedankenwelt zu: "Wie auch schon in den letzten Tagen merke ich, wie belastende Gedankenkreisel und die Sorgen der letzten Wochen vor dem Urlaub allmählich verblassen und in die Unbedeutsamkeit entschwinden." Wandern ist ein bißchen wie Meditieren. Gerade in den Drakensbergen scheinen den Gedanken keine Grenzen gesetzt zu sein.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1129.JPG
So weit das Auge reicht und die Füße tragen

Von einer Naturschönheit zur nächsten wandert unser Blick, während wir Kilometer um Kilometer hinter uns bringen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1133.JPG
Wasserfall neben dem Giant's Cup Hiking Trail

Als wir um einen Felsen herumwandern, zeigen sich die ersten Ausläufer der Zivilisation. Wir passieren eine Farm, von der uns ein dunkelhäutiger Bauer freundlich entgegenwinkt. Gutgelaunt winken wir zurück. Kurz darauf mündet der Trail auf eine große Asphaltstraße, an der wir ca. 3 km entlang laufen müssen. Immer wieder überholen uns Autos. Nachdem wir ein Tiergatter überstiegen haben, befinden wir uns auf einer mit Müll übersäten Wiese. Nebenan stehen ein paar heruntergekommene Wellblechhütten und der Bach, der zu unserer Rechten herabfließt stinkt nach Fäkalien. Krasser könnte der Stilbruch gar nicht sein. Das schlägt sich auch auf unsere Laune nieder.

Abstruserweise meint Anne, dass sie jetzt Mittagspause machen möchte. Ich kann nicht fassen, was ich gehört habe. "Hier?! Auf dieser dreckigen Müllhalde?! Auf keinen Fall!" Normalerweise gilt die Regel, dass wir Pause machen, wenn einer eine Pause benötigt, aber das hier geht zu weit. Wir geraten ein wenig in Streit. Ich merke, dass dies nur ein Ausbruch aufgestauter Aggressionen ist, die aus Anne heraus müssen. Ich gehe weiter und Anne folgt mir motzend. Doch als wir über den Müllhügel gestapft sind, ist der Ärger vergessen. Vor uns breiten sich schöne Pferdekoppeln aus, dahinter die Winterhoek Huts, unsere heutige Tagesetappe.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1137.JPG
Die Winterhoek Huts vor dem "Black Eagle Pass"

Nach wenigen Minuten erreichen wir auch schon die Hütten, die den traditionellen afrikanischen Rundhütten nachempfunden sind. Anne gesteht, dass ich Recht hatte, was so gut wie nie der Fall ist. Dass ich Recht habe, meine ich. ;-) Die Brotzeit lassen wir uns so richtig schmecken. Inzwischen hat sich auch die Sonne ihren Weg durch die Wolken gebahnt und wärmt uns mit ihren Strahlen.

Eine Stunde nach uns treffen auch Joachim und Andreas bei den Hütten ein. Heute mal trocken zur Abwechslung. ;-) Kurz nachdem sie angekommen sind, machen sie sich auch schon wieder auf den Weg, um von der Straße als Anhalter ins nahe gelegene Himville zu fahren. Dort wollen sie ihren Lebensmittelvorrat aufstocken und sich für den Abend ein paar Bierchen besorgen. Ich bitte sie, mir Kleber für meine Sohle mitzubringen, die sich auf dem Weg halb vom Schuh gelöst hat.

Während die beiden weg sind, machen wir einen Spaziergeang zu einem Tümpel in der Nähe der Hütten. Das Wasser ist so braun, dass man weder den Grund noch irgendetwas darin erkennen könnte. Obwohl ich es normalerweise überhaupt nicht mag, wenn man im Wasser nichts sehen kann, ist die Versuchung letztendlich zu groß und wir drehen ein paar Runden im kühlen Nass.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1140.JPG
War da gerade etwas an meinem Fuß?! :o

Nach dem Bad faulenzen wir völlig entspannt im Gras und lassen uns die Sonne auf den Bauch brennen. Um nicht völlig als Nichtsnutze dazustehen, sammeln wir noch Brennholz für ein schönes Lagerfeuer.

Andreas und Joachim kommen von ihrer Einkaufstour mit vollen Tüten zurück. Glücklicherweise haben sie auch Sekundenkleber bekommen und ich kann meine Wanderschuhe reparieren.

Als die Sonne langsam untergeht, sitzen wir zu viert am Feuer und erzählen Geschichten. Die beiden hatten heute auch eine Schlangenbegegnung mit einer Speikobra. Es gibt mit den beiden keine unangenehmen Gesprächspausen, wir schwirren völlig auf einer Wellenlänge. Wenn wir gerade nichts zu sagen haben, schauen wir einfach nur dem Tanz der Flammen zu und hängen unseren Gedanken nach.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1160.JPG
Herz, was willst Du mehr?!

Ich habe mich selten so losgelöst und glücklich gefühlt.

Simone
28.10.2006, 20:25
Sehr schöner Bericht und wunderschöne Bilder, vielen Dank! :D

Grüße
Simone

Der Waldläufer
02.11.2006, 14:40
TAG 24 (15.11.2005):

Nach dem Aufstehen wieder mal das gewohnte Bild. Eine undurchdringliche Nebeldecke hat sich direkt in das Tal vor unserer Hütte gelegt. Wir haben uns gedanklich bereits mit der Tatsache abgefunden, heute wieder in unseren Jacken zu laufen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1166.JPG
Ein Haus in den Wolken

Nachdem wir unsere Instant Oat-Portionen, die wir langsam schon nicht mehr sehen können, runtergewürgt haben, machen wir uns auf den Weg. Als wir die Hütte verlassen, sind wir positiv überrascht: Der Nebel hat sich so gut wie ganz verzogen und hinter den wenigen übriggebliebenen Nebelfetzen sehen wir einen strahlend blauen Himmel.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1167.JPG
Eine Stunde später

Laut unserer Karte erwartet uns gleich das steilste Stück des Trails, der Black Eagle Pass. In der Tat geraten wir unter der immer wärmer werdenden Sonne auf dem steilen Weg ganz schön ins Schwitzen. Nach einer halben Stunde nur ist es aber auch schon wieder überstanden und wir laufen eben auf dem Plateua des Passes entlang. Eine sagenhafte Aussicht tut sich vor uns auf und wir nehmen uns erst mal Zeit Fotos zu schießen.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/PanoramaDrakensberge.jpg

Über uns ziehen ein paar majestätische Vögel ihre Bahnen, bei denen es sich vermutlich um Black Eagles handelt.

Und immer weiter wandern wir durch diese überwältigend schöne Landschaft, unterhalten uns ein bißchen oder hängen unseren Gedanken nach. Ich vermute, dass man in solch schönen Landschaften am besten seine Sorgen vergessen kann, weil einem dort wirklich bewusst wird, wie klein und unbedeutend man doch eigentlich ist. Es scheint, als wolle einem die Natur sagen, dass man nicht alles immer so furchtbar ernst nehmen, sondern lieber das Leben genießen soll.


http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1183.JPG
Nicht nur über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos

Da das Wetter keine Anstalten macht schlechter zu werden, kein reissender Fluß überquert werden muss und auch sonst kein Grund zur Eile vorliegt, lassen wir uns für die heutige Etappe alle Zeit der Welt.

Nach ein paar Stunden tut sich vor uns das Giant's Castle auf, eine Felsformation, die ihren Namen auf Grund ihrer Ähnlichkeit mit einer Burg trägt.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1186.JPG
Burgen gibt es in Südafrika eigentlich nur in dieser Form

Doch sehr nahe kommen wir nicht an das Giant's Castle heran. Einige Kilometer vorher haben wir schon unser heutiges Tagesziel, die Swiman-Hut erreicht. Bei ihr handelt es sich um eine ehemalige Jugendherberge. Dementsprechend ist dort auch elektrisches Licht und warmes Wasser vorhanden. Gerade heute, wo es richtig schön warm ist, findet sich keine Schwimmgelegenheim in der Gegend. :( So müssen wir uns mit einer Dusche begnügen.

Beim Kochen unserer obligatorischen Nudelportionen entdecken wir in der Küche eine Gottesanbeterin. Für eine gute halbe Stunde ist das schöne Insekt Mittelpunkt unseres Interesses. Es ist einfach schön, wie man sich an solchen Kleinigkeiten so erfreuen kann. Wir vermissen weder den Fernseher noch irgendein anderes Unterhaltungsmedium und das fühlt sich wahnsinnig gut an.

Mir geht es heute nicht besonders gut, deshalb gehe ich früh zu Bett und schlafe auch sofort ein.

Während ich schlafe und Anne ein bißchen im Reisetagebuch schreibt, klopft es von draußen an unserem Fenster.

"Andreas und Joachim sind da. Sie haben in der Ferne Wetterleuchten gesehen. Mit einer Taschenlampe laufe ich ihnen hinterher. Etwas derartiges habe ich noch nie gesehen: Über einem weite entfernten Landstrich hängen dichte Wolken, aus denen ständig Blitze zucken und die Nacht gespenstisch erhellen. Dabei ist es ganz ruhig, es ist kein Donnern zu hören. Trotzdem hätte ich es am ehesten für ein weit entferntes Gewitter gehalten - auch wenn ich noch kein Gewitter erlebt habe, bei dem die Blitze so schnell aufeinander folgen. Aber Andreas meint, das sei wohl Wetterleuchten und ein ganz eigenes Phänomen. Erklären kann es keiner von uns so richtig, aber es ist faszinierend."

Na toll. Egal ob es jetzt Wetterleuchten oder einfach ein beeindruckendes Gewitter war, schon wieder habe ich ein nächtliches Ereignis verschlafen. Ich weise Anne an, mich das nächste Mal auf jeden Fall zu wecken, wenn wieder etwas tolles passiert. Ich verschlafe noch den ganzen Urlaub....

Der Waldläufer
23.11.2006, 01:17
TAG 25 (16.11.2005):


Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die verschiedenen Gesichter der Drakensberge sind. Gestern noch hell und freundlich wirkt es heute wieder geheimnisvoll und mystisch, ja fast schon unheimlich.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1192.JPG

Die Strecke, die wir heute noch zurücklegen müssen, führt uns die meiste Zeit bergab. Nur zwei kurze, dafür aber steile Anstiege sind noch zu bewältigen.

Gemütlich trotte ich hinter Anne her, als wir uns den letzten Aufstieg hochmühen. Anne entschwindet meinem Blickfeld, weil sie dem Weg um eine Felsen herum folgt. Plötzlich höre ich hinter dem Felsen ein vertrautes Geräusch: Anne schreit überrascht auf. "Auf dem Weg liegt eine Schlange!!! Ich wär fast draufgestiegen!" Wow, ein Déjà Vu! Mit weit aufgerissenen Augen kommt sie mir entgegen gelaufen, um die Kamera zu holen.

Schlangen sind wunderschöne Tiere und ich kann es nicht erwarten, eine aus der Nähe zu sehen. Und mit "Nähe" meine ich selbstverständlich sichere Entfernung.

Voller Vorfreude pirschen wir langsam um die Ecke. Auf dem Weg sehe ich ... nichts. Argh! Enttäuscht schwöre ich mir, dass ich Anne für den Rest des Urlaubs keine Sekunde mehr alleine lasse! Das ist jetzt das dritte Mal, dass sie irgendein tolles Erlebnis ohne mich hat. Ich koche innerlich. Wie gerne hätte ich eines dieser wunderschönen Tiere aus der Nähe gesehen! Mit einem Funken Resthoffnung suchen wir die nähere Umgebung ab. IUnd tatsächlich - ich kann mein Glück kaum fassen - liegt in ca. 1 m Entfernung eine vollgefressene, ausgewachsene Puffotter im Gras.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1199.JPG
Puffotter

Aus respektvollem Abstand machen wir ein paar Fotos von der Schönheit, die auf Grund der niedrigen Temperaturen und der Maus in ihrem Bauch brav für die Bilder posiert. Wahrscheinlich war die vorangegangene Mahlzeit auch der Grund, warum sie entgegen dem Charakter von Puffottern den Weg anstandslos für uns frei gemacht hat. Sie hatte wohl nicht mehr allzuviel Gift parat.

Ganz ehrlich, solche Begegnungen sind wahre Adrenalin- und Endorphin-Ausschütter!

Wir unterhalten uns über die spannende Begegnung mit der Schlange, während wir um einen weiteren Felsen herumlaufen. Als wir den Felsen passiert haben, tut sich vor uns eine weite Grasebene auf. Wir können unseren Augen fast nicht trauen, als wir auf dieser Ebene dutzende von Antilopen sehen. Unserer Schätzung nach müssen es mindestens 80 sein. Als die grazilen Tiere auch uns bemerken, kommt Bewegung in die Herde und sie flieht mit flinken Bewegungen vor der scheinbaren Bedrohung durch uns in die weite Berglandschaft. Wir sind uns absolut sicher, dass es sich bei den Tieren um Eland-Antilopen handelt. Die heiligen Tiere der San-Buschmänner! Diese Herde zu sehen, ist ein weiteres tief bewegendes Erlebnis für uns. Wir können unser Glück gar nicht fassen, diese Tiere in freier Natur sehen zu dürfen. Und dazu auch noch in dieser Anzahl.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/Elands2.jpg

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/Elands.jpg

Sprachlos vor Glück wandern wir in leichtem Nieselregen die letzten Kilometer zum Ende des Trails, wo wir bei der Bushman's Nek Hut auf Andreas und Joachim warten. Wir haben den beiden versprochen, dass sie bei uns mitfahren können, wenn Matthew uns mit unserem Auto abholt.

Vor dem Start des Trails hatten wir Matthew, dem Mitarbeiter der Sani Lodge, mit einem mulmigen Gefühl im Bauch die Schlüssel für unser Mietauto da gelassen, damit er uns am Ende des Trails abholen könne. Dass wir Matthew letztendlich die Schlüssel anvertraut haben, war weniger im Vertrauen in ihn als in dem Mangel an Alternativen begründet.

Inzwischen sind auch unsere beiden Mitwanderer (da es zwischenzeitlich begonnen hat, richtig zu schütten, natürlich wieder völlig durchnässt) bei der Hütte angekommen. Ich rufe in der Lodge an, um Matthew mitzuteilen, dass er jetzt losfahren könne. Die nette Dame am anderen Ende der Leitung teilt mir mit, dass Matthew im Moment nicht da sei. Sie werde es ihm aber ausrichten. Wir sollen einfach warten, bis er kommt. Und so warten wir gemeinsam darauf, dass uns Matthew mit unserem Mietauto abholt.

Und wir warten...

und wir warten...



und wir warten...

Nach drei Stunden immer noch kein Zeichen von Matthew oder unserem Auto. In meinem Kopf male ich mir bereits Horrorszenarien aus, was wohl passiert sein könnte. Vielleicht ist er vollgekifft mit dem Auto einen Abhang runtergestürzt. Oder er hat sich abgeseilt und das Auto verkauft. Oder... oder...

Auch eine erneute Anfrage bei der Rezeption der Sani Lodge trägt nicht wesentlich zur Erleichterung bei. Die Dame hat inzwischen in Erfahrung gebracht, dass Matthew heute seinen freien Tag habe und nach Pietermaritzburg gefahren sei. Ich weiß sofort, dass er natürlich mit UNSEREM AUTO dahingefahren ist!! Nein, eine Handynummer habe sie nicht von Matthew. Wenn ich den Kerl in die Finger bekomme...

Da wir uns von dem Gedanken, mit unserem Auto gemütlich abgeholt und nach Hause chauffiert zu werden, verabschiedet haben, geht es daran, Alternativpläne zu erarbeiten. Irgendwie gar nicht so leicht, wie sich herausstellt. Trampen scheidet aus, weil hier die letzten Stunden kein einziges Auto vorbei gekommen ist. Und Busse verkehren hier auch nicht.

Nebenan befindet sich die Hütter der Park-Ranger. Nachdem wir ihnen von unserer mißlichen Lage erzählt haben, erklärt sich einer von ihnen bereit, uns für 200 Rand mit dem Rangerauto zur Lodge zu fahren. Cool! Mit einem Rangerauto!

Der Ranger weist uns an, unsere Sachen zu packen und mit ihm zum Auto zu kommen. Komisch nur, dass ich gar kein Rangerauto sehen kann. Vielleicht steht es hinter diesem Autowrack geparkt.

Zielstrebig geht der Ranger auf die Schrottkiste zu und öffnet den Kofferraum und die Türen. In gebührendem Abstand - wie bei der Schlange - stehen wir vor dem Auto und trauen uns nicht so recht einzusteigen. Die Frage nach einer gültigen Hauptuntersuchung verkneife ich mir.

Wir stopfen so viele unserer Rucksäcke in den Kofferraum, wie es geht. Leider sind das nur zwei. Der Rest liegt quer über Anne, Joachim und mir, die wir uns in das Heck gezwängt haben. Dass das Auto natürlich keine Anschnallgurte hat, brauche ich ja sicher nicht extra zu erwähnen. Aber wir haben ja zwei tolle Rucksack-Airbags, an denen außerdem zwei Paar übel riechender Trekking-Sandalen vor unseren Nasen rumbaumeln.

Vergiß Löwen, Puffottern, Speikobras... das hier ist der wahre Thrill! Auf einer Schotterpiste mit tiefen Schlaglöchern fahren wir bei strömendem Regen mit kaputten Scheibenwischern mit geschätzen 80 km/h dahin. Nach einiger Zeit frage ich mich, ob ich mir das mit dem Linksfahren nur eingebildet hatte, denn unser Fahrer fährt beharrlich auf der rechten Straßenseite. Offensichtlich ist diese Straßenseite in besserem Zustand. Leider sieht unser Fahrer auch vor Kuppen keine Notwendigkeit, nach links zu fahren. So drücken wir uns vor jeder Kuppe tiefer in die Sitze und hoffen, dass Murphy nur einmal nicht Recht hatte!

Im Auto herrschen höllische Temperaturen. "Joachim, kannst Du bitte mal ein bißchen Dein Fenster aufmachen? Bei mir geht es leider nicht auf." "Geht nicht, kein Fensterheber." "Ok."

Nach einer schier endlosen Fahrt erreichen wir endlich die Lodge. Anne stürmt sofort davon. Ich frage mich, wie lange sie es sich wohl schon verdrückt hat, sich aber nicht fragen traute.

Anstatt der vereinbarten 200 drücke ich dem Fahrer 400 Rand in die Hand, der sich darüber sichtlich freut. Das ist in unseren Maßstäben eh sehr wenig Geld und er kann es sicher brauchen.

Eigentlich hatten wir geplant, heute noch weiter Richtung Krüger National Park zu fahren, aber da es aus unerfindlichen Gründen schon sehr spät ist, entscheiden wir uns, noch eine Nacht in der Sani Lodge zu bleiben.

Unser Auto steht übrigens unangetastet auf dem Parkplatz der Lodge. Matthew empfängt uns auch mit einem deutlich merkbaren schlechten Gewissen. Vielleicht war es wirklich ein Mißverständnis, was die Uhrzeit angeht. Im Augenblick ist es mir egal, ich bin einfach nur froh, lebend bei der Lodge angekommen zu sein.

Joachim, Andreas und wir beschließen heute abend noch richtig gemütlich Essen zu gehen. Auf der Fahrt hören wir Rock'n'Roll und singen aus voller Kehle mit. In einem netten Pub machen wir es uns gemütlich und schließen unsere Wanderung mit einem hervorragenden Essen ab. Wir reden und lachen viel und lassen es uns so richtig gut gehen, bis auch dieser schöne Abend irgendwann zu Ende geht.

Zurück in der Lodge sitzen wir noch ein wenig vor dem Ofen, starren ins Feuer und lassen die Wanderung vor unserem geistigen Auge Revue passieren, bevor wir alle vier todmüde ins Bett fallen.

Der Waldläufer
29.11.2006, 22:34
TAG 26 (17.11.2005):

Auf dem Programm für die verbleibenden fünf Tage stehen noch Blyde River Canyon, Krüger National Park, Royal Natal National Park, St. Lucia Greater Wetland Park, Sodwana Bay und Umfolozi-Hluhluwe-Park (nein, das ist kein Tippfehler!). Natürlich sind wir hin und her gerissen, weil wir zum Einen möglichst viel von diesem tollen Land sehen wollen, aber zum Anderen uns auch nicht wie japanische Touristen von einer Attraktion zur nächsten hetzen wollen. Und so beschließen wir schweren Herzens, nur noch den Blyde River Canyon und den Krüger National Park zu besuchen, bevor wir wieder nach Deutschland zurück fliegen müssen.

Die nächste Etappe soll der berühmte Krüger National Park sein. Der Park umfasst eine Fläche von 20 000 km², was etwa der Größe von Rheinland-Pfalz entspricht.

Bis dorthin haben wir aber noch einige Kilometer zurückzulegen. Und so wird auch dieser Tag zu einem reinen Fahrtag. Bald schon verlassen wir die ärmliche Transkei und fahren auf besseren Straßen durch schönere, wohlhabendere Städchen immer weiter Richtung Nord-Osten.

Wir schaffen die Strecke zum Krüger nicht ganz, bevor es dunkel wird, uns so schlagen wir unser Zelt heute auf einem netten Campingplatz in Nelspruit, ca. 50 km vom Park entfernt, auf.

Nachdem wir eine riesige Portion Salat mit Knoblauchbrot vertilgt haben, gehen wir wieder einmal früh ins Bett.

Mephisto
29.11.2006, 22:40
Wow, geile Bilder! Ich denke ich werde mir demnächst mal in aller Ruhe den Bericht zu Gemüte führen 8)

sjusovaren
07.12.2006, 18:55
und Mistkäfern (auch wesentlich respektvoller als Pillendreherkäfer oder gar Skarabäus bekannt ), die übrigens im ganzen Park das "Right Of Way" genießen.
Kommt mir dunkel bekannt vor :bg:
Schöner Bericht!, der natürlich sehr sehr viele Erinnerungen weckt. Cape Peninsula, Pinguinkolonie, Mossel Bay, De Hoop, Natures Valley,Kirstenbosch,..
Vor allem aber die Gewißheit, daß es in diesem Land noch tausend andere Dinge zu erleben gibt :D
Ich hatte mich fast ganz auf die einzigartige Pflanzenwelt konzentriert.



PS, ich fands auch ziemlich kalt. Teilweise hatte ich die Daunenweste meiner Freundin an *schäm*

marcus
07.12.2006, 20:36
kalt? ich dachte da unten wäre es immer mega warm :o

dann könnte oich ja doch mal dahin, kleine mietze katzen streicheln und so... :bg:

super schöne bilder. vielleicht komm ich da ja auch mal hin, wenn ich das nötig kleingeld aus der portokasse genehmigt bekomme und weg darf...

gruß, marcus

Jaerven
08.12.2006, 00:31
Gratuliere.
Das ist der beste Reisebericht den ich seit langem gelesen habe.

@Markus
jetzt ist es warm dort weil Sommer, aber im Winter kann es dort recht frisch werden.
Und an der Küste gibt es ja sogar Pinguine ;-)


B.

Der Waldläufer
12.12.2006, 00:45
TAG 27 (18.11.2005):

Es ist schon Mittag, als wir am Malelane-Gate vor dem Krüger National Park ankommen. Wir kaufen uns noch eine Broschüre und fahren dann voller Vorfreude in den Park.

Nur kurze Zeit später haben wir unsere erste Tiersichtung: Eine Giraffe, die seelenruhig die Blätter von den hohen Sträuchern zupft.
http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1217.JPG

Hier merkt man dann deutlich, welche Besucher schon länger im Park sind, und welche gerade erst angekommen sind. Während einige Autos für die neben der Straße stehenden Giraffe nicht mal mehr bremsen und sie keines Blickes würdigen, fotografieren wir dieses bizarre, aber auch schöne Tier ausgiebigst.

Eigentlich müssten wir inzwischen ja wissen, dass Tiere während der Mittagszeit für's Fotoshooting nicht zu begeistern sind. Und so fahren wir zwei Stunden umher, ohne auch nur ein einziges Tierchen zu sehen.

Erst als es deutlich kühler wird, lassen sich einige der Parkbewohner wieder sehen. Leider nur aus weiter Entfernung und durch dichtes Buschwerk können wir einer Nashornfamilie beim Baden zusehen.

Einer Intuition folgend biege ich in einen staubigen, unscheinbaren Weg ein, der laut der Karte eine kleine Schleife beschreibt. Dies stellt sich als goldrichtig heraus, denn in diesem von Autos wenig befahrenen Abschnitt trauen sich die Tiere näher an die Straßen heran. Und so steht er nun nur wenige Meter von uns entfernt neben der Straße: Ein prachtvoller Breitmaulnashornbulle. Nummer 2 der Big Five!

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1233.JPG

Ein paar Minuten lässt sich das stattliche Tier von uns fotografieren, bis es irgendwann langsam von dannen schreitet.

In den folgenden Stunden treffen wir auf zierliche Zwergmangusten, witzige Zebras, faule Paviane und unzählige der süßen Impalas.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1237.JPG
Zebra

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/Nager.jpg
Zwergmanguste

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1245.JPG
Impalas

Ein witziges Erlebnis haben wir, als Anne links neben uns in gut 40 Metern Entfernung ein paar Kudus entdeckt. Wir bleiben natürlich sofort stehen, um mit dem Tele die Tiere auf die Speicherkarte zu bannen. Ich beuge mich vom Fahrersitz nach links zum Beifahrerfenster und versuche mit dem Fernglas die Tiere besser sehen zu können. Ich strenge meine Augen an so gut es geht, aber da ich sie nur sehr unschaft erkennen kann, lass ich Anne in Ruhe weiter fotografieren und will mir in der Zwischenzeit die Gegend rechts von uns ein bißchen anschauen. Als ich zum Fahrerfenster hinausschaue, stockt mir der Atem. Direkt neben unserem Fenster steht ein Kudu-Bock und kaut genüßlich an einem Strauch herum. Ich traue mich nicht, einen Laut von mir zu geben und "entreisse" Anne einfach die Kamera. Beim Blick durch die Kamera sehe ich nur braune Fellfläche. Der Bock steht für das Tele sogar zu nah! Schnell tausche ich die Objektive aus und schieße ein paar Fotos von diesem wunderschönen Tier mit seinem prachtvollen Hörnern.

http://freenet-homepage.de/vom-lohwald/IMG_1241.JPG

Wahrscheinlich bilde ich mir das nur ein, aber ich kriege den Gedanken einfach nicht los, dass der Bock uns die ganze Zeit zugeschaut hat, wie wir uns die Augen aus dem Kopf geschaut haben, und sich gedacht hat "Ihr Idioten, ich bin doch hier genau neben Euch!"

So eine Fotosafari macht wahnsinnig viel Spaß, ist aber zugleich auch "tierisch" anstrengend, weil man den ganzen Tag sehr konzentriert und wachsam ist, dass man auch ja kein Tier übersieht.

Wir erreichen rechtzeitig vor Schließung der Gates unser Lager Pretoriuskop, wo wir müde unser Zelt für die Nacht aufschlagen.

Kurze Zeit später sitzen wir aneinander gekuschelt vor unserem Zelt und bewundern den traumhaft schönen afrikanischen Sonnenuntergang.

Nach dem Abendessen machen wir noch einen Spaziergang durch das Camp. Es ist ein traumhafter Abend: Über uns leuchten unzählige Sterne und immer wieder fallen Sternschnuppen vom Himmel. Es ist angenehm warm, aus dem Park dringen geheimnisvolle Tierstimmen und -geräusche an unser Ohr und Grillen zirpen überall um uns herum um die Wette.

Als wir gerade durch einen dunklen Bereich des Lagers spazieren, sehe ich plötzlich die Gestalt eines Tieres an uns vorbeihuschen. Mir bleibt fast das Herz stehen. Ein Raubtier auf der Jagd!!! Ich sehe schon, wie sich die rassiermesserscharfen Zähne des Tieres in mein Bein bohren...

Anne schaltet ihre Taschenlampe ein und im Scheinwerferlicht stehen vor uns ein paar Impalas, die es wohl irgendwie durch den Zaun geschafft haben oder vielleicht sogar im Camp gehalten werden. Das sind wieder die Geschichten, die ich mir danach jahrelang anhören darf: "Tja, manche fürchten sich eben vor Schlangen, andere vor Impalas!"

Der Waldläufer
30.01.2007, 02:25
TAG 28 (19.11.2005):

Schon gegen 04:00 Uhr kämpfen wir uns heute aus unseren Schlafsäcken. Wir wollen heute die große Mittagshitze vermeiden und unser Glück bei den Tiersichtungen eher in den frühen Morgenstunden versuchen.

Kurz nach Öffnung der Gates verlassen wir das Pretoriuskop Restcamp und brechen zur Fortsetzung unserer Fotosafari auf.

An einem Wasserloch, an dem man auch den Wagen verlassen darf, mampfen wir erst mal gemütlich unser Frühstück, während wir einigen Hippos dort beim Baden zusehen.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/HappyHippo.jpg
Kaum zu glauben, dass diese "Happy Hippos" in Wahrheit äußerst aggressiv und gefährlich sein können.

Nur ein paar Meter von unserem Platz entfernt sieht uns ein wunderschöner, ca. 40 cm langer Waran interessiert zu.
http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1272.JPG

Die nächste Zeit bleibt es wider Erwarten eher ruhig. Inzwischen hat es auch ein bißchen zum Nieseln angefangen, wodurch sich unsere Angst vor der Mittagshitze als unbegründet herausstellt.

Und so fahren wir weiter durch den Park und suchen mit konzentriertem Blick die Umgebung nach weiteren Bewohnern ab. In einiger Entfernung können wir dann Nr. 3 der Big Five ausmachen: Den Büffel. Eine ganze Herde solcher Kraftpakete frisst sich an den Gräsern des Parks satt.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/Bueffel.jpg

Wir bekommen sofort ein schlechtes Gewissen, wenn wir uns dabei ertappen, nach einiger Zeit ohne Tiersichtung unzufrieden zu werden. Es gibt nun mal keine Garantie auf Tiersichtungen. Und wir können uns bislang eh nicht beschweren. Aber man wünscht sich halt doch sehr, einmal einen Leoparden auf einem Baum liegen zu erspähen. :wink:

Immer wieder treffen wir auf alte Bekannte, aber auch neue Tiere wie Gnus oder Hornraben kreuzen unseren Weg. Und auch als wir einigen Meerkatzen beim Spielen zusehen dürfen, geht uns das Herz bei diesem Anblick fast über.

Doch genau diese Meerkatzen, die Velvet Monkeys, sind es, die unsere Mittagspause fast zu einem Albtraum werden lassen. Nachdem wir einen Rastplatz angefahren und gerade an einem Tisch unsere Brote ausgepackt haben, kommen schon die ersten Meerkatzen zu uns. Zuerst umschleichen sie uns noch vorsichtig, doch dann werden sie immer aufdringlicher. Ein stattliches Exemplar versucht sogar, uns ein Brot vom Teller zu klauen. Als Anne es verscheuchen will, wird sie von dem Tier mit entblößten Zähnen angegiftet. Es ist in der Tat ein eindrucksvolles Gebiß, welches uns da entgegen gefletscht wird. Wir können nur froh sein, dass es sich nicht um Paviane handelt. Die Meerkatzen sind doch noch um einiges kleiner und "harmloser". Überall in dem Rastplatz sieht man Menschen ihr Essen mit Stöcken oder Ästen gegen die aufdringlichen Affen verteidigen. Es wird uns ganz deutlich vor Augen geführt, was der Mensch hier wieder mit falsch verstandener Tierliebe angerichtet hat.

Wir schlingen also unser Essen lustlos hinunter und gehen zu unserem Auto zurück. Anne verschwindet noch schnell Richtung Toiletten und hat auf dem Weg dorthin noch ein deprimierendes Erlebnis:

"Als wir uns näher an das SB-Restaurant zurückziehen, sehe ich, wie in Pärchen - und es sind auch noch Deutsche - von den Affen umringt wird und höre, wie er zu ihm sagt: 'Gib ihnen halt 'ne Banane!' Da platzt es quasi aus mir raus. Genau wegen solcher "Tierfreunde" werden die Affen schließlich so und müssen z.T. sogar erschossen werden, weil sie zu aggressiv sind. Die allgegenwärtigen "Don't feed the baboons!"-Schilder haben schon ihren Grund. Das erkläre ich den beiden und sie stecken verlegen ihre Bananen weg - vermutlich bis zum nächsten niedlichen Affen."

Gegen Nachmittag löst sich die Wolkendecke langsam auf und die Sonne erwärmt den nassen Boden mit ihren Strahlen. Auf unserem weiteren Weg zum Satara-Rest Camp kommen wir durch "löwengarantierte" Gegenden, haben aber diesbezüglich leider kein Glück. Tiere halten sich eben nicht immer an die von Menschen aufgestellten Regeln. Anne meint, dass die Leoparden im Park scheinbar auch nicht wissen, dass Bäume ihre bevorzugten Rückzugsorte während des Tages sind...

Als wir im Satara ankommen, bleibt uns gerade noch Zeit, das Zelt aufzuschlagen, dann geht auch schon unser gebuchter Sunset-Drive los. Normalerweise machen wir nicht gerne geführte Touren, aber dieser Drive startet erst, wenn die Gates für die normalen Besucher schon schließen. Und bevor wir nur untätig im Camp rumsitzen, schließen wir uns lieber dem Ranger "Chester" bei der Parkrundfahrt an.

Schon kurze Zeit nach Verlassen des Camps das erste Highligth: eine Löwensichtung. Zwei Männchen liegen faul im Schatten eines Baumes. Die Kameras laufen heiß.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1309.JPG

Plötzlich raschelt es im Gebüsch und ein Elefant betritt die Bühne. Auch er wird natürlich ausgiebig fotografiert. Als ob er spüren würde, dass er hier die Chance hat, einige Mißverständnisse beim Thema "König der Tiere" zurechtzurücken, geht er gemächlich auf die Löwen zu, was diese mit genervter Verwunderung quittieren.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1310.JPG

Als der aufdringliche Eindringling langsam aber sicher immer näher kommt, erheben sich die Löwen gemächlich und schreiten von dannen.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1312.JPG

Irgendwie scheint dies dem Elefanten nicht zu genügen. Mit wütendem Ohrenaufstellen und Rüsselschwenken läuft der graue Riese auf die Löwen zu. Jetzt ist es für die beiden Zeit, schleunigst das Feld zu räumen.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1314.JPG
http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1315.JPG

Genervt von dieser unverschämten Störung lassen sich die beiden in sicherer Entfernung wieder im warmen Gras nieder. Ich als Löwe sage natürlich zu Anne: "Der Klügere gibt halt nach..." :wink:

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1316.JPG

Nach diesem eindrucksvollen Schauspiel fahren wir geradewegs in einen afrikanischen Traum: ein Sonnenuntergang, wie er schöner nicht sein könnte, bietet sich uns hinter der wechselnden Kulisse von Savanne, Palmenwäldchen, dicht bewaldeten Flußläufen und kleineren Dornendickichten.

Immer wieder bleiben wir stehen und beobachten in der Abenddämmerung Giraffen, Antilopen und Elefanten. Da die Lichtverhältnisse für Fotos nicht mehr optimal sind, hören wir lieber Jesters Ausführungen über die Fauna im Park zu. Jester besticht durch ein ausgezeichnetes Fachwissen über Flora und Fauna und alle hängen gabannt an seinen Lippen.

Als es dunkel wird, fragen wir uns, was denn jetzt in der Dunkelheit noch kommen könne. Immerhin kann man jetzt gerade noch so weit sehen, wie die Scheinwerfer des Fahrzeugs reichen.

Doch unsere Skepsis sollte bald ausgelöscht werden.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit kommt uns auf einem kleinen Weg eine Löwin entgegen. Kurz hinter ihr ein junger Löwe. Und noch einer. Und noch einer. Insgesamt zehn Löwen streifen seelenruhig in ca. einem Meter Entfernung an unserem Fahrzeug vorbei.

Es ist beeindruckend, wie gut dieses Jagdteam aufeinander abgestimmt ist. Auch wenn wir das Signal nicht wahrnehmen, so ist es doch auf jeden Fall da, denn gleichzeitig legen sich die Männchen auf die Straße, während die führende Löwin die Vorhut bildet.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1339.JPG

Nach einiger Zeit stehen auch die Männchen wieder wie auf Kommando auf und verschwinden in der Dunkelheit.

Völlig von den Socken von dem soeben Erlebten schaue ich zu Anne rüber, die meinen Blick mit traurigen Augen erwidert. Sie hat es nicht geschafft, viele brauchbare Fotos zu machen. Wir ärgern uns, dass wir uns vorher nicht besser mit der Kamera vertraut gemacht haben. Doch traurig zu sein ist jetzt einfach nicht angebracht, das Wichtigste ist doch das Erlebnis an sich. Und das wird uns nichts mehr nehmen können.

Und es sollte auch noch lange nicht alles gewesen sein.

Nur ein bißchen später sehen wir zwei helle, reflektierende Punkte auf der Wiese neben uns. Jester hält sofort an und fährt zurück: Ein Gepard!

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/Gepard.jpg

Chester beginnt, klagend zu maunzen - und der Cheetah antwortet ihm tatsächlich, streicht unentschlossen hin und her, bevor er im Gebüsch verschwindet. Ich weiß, dass diese Begegnung für Anne ganz besonders wichtig war, denn der Gepard ist für sie die schönste aller Raubkatzen: unglaublich elegant, das schnellste Landsäugetier, ein hervorragender Sprinter. Im ganzen Krüger Park gibt es nur 200 dieser außergewöhnlichen Tiere. Unser Glück ist unbeschreiblich!

Dieser Abend lässt uns gar nicht die Möglichkeit, unser Endorphin abzubauen: Nur ein paar Minuten nach der Begegnung mit dem Geparden blitzen wieder zwei Augen im Scheinwerferlicht. Diesmal ist es ein Leopard, der dort nur wenige Meter neben der Straße sitzt. Sofort scheint sich dieses äußerst scheue Tier vor unseren Augen in Luft aufzulösen. Obwohl es im Park von ihm 1000 Stück gibt, sind Begegnungen mit ihm auf Grund seiner Scheu sehr selten.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/Leopard.jpg

Annes Tagebuch:
"Ich bin gerade noch mit der Frage beschäftigt, womit wir wohl solches Tier-Glück verdient haben könnten, als schon der nächste Aufschrei ertönt: eine Löwin rechts neben der Straße. Chester deutet ihre Absichten richtig: sie ist auf der Jagd. Links neben uns machen wir im Scheinwerferlicht, etwa zwanzig Meter neben uns, einige ahnungslose Impalas aus. Wir bleiben stehen und werden Sekunden später Zeugen einer spektakulären Jagdszene: wie aus dem Nichts taucht die Löwin plötzlich aus dem Gebüsch auf und springt auf die Gazellen los, die wild auseinander spritzen. Das Ende bleibt im Dunkeln verborgen, aber ein Schrei aus der Dunkelheit spricht für sich...

Wir sind sprachlos. In der Ergriffenheit des Augenblicks bleiben sogar die leichten Schauer aus, die mich sonst wohl angesichts solcher Tödlichkeit überlaufen würden."

Mir geht es da ein bißchen anders: Ich habe am ganzen Körper eine Gänsehaut!

Bis zur letzten Minute reißen die sagenhaften Sichtungen nicht ab. Auf dem Rückweg zum Camp steht plötzlich ein kleines Nilpferd vor uns auf der Straße und glotzt uns aus großen Augen an.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/Hippo.jpg

Und auch das süße Tüpfelhyänen-Baby, das staunend ins Scheinwerferlicht blinzelt, ist ein unvergesslicher Anblick.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1358.JPG

Bei unserer Rückkehr ins Camp sind wir uns einig, dass dieses Erlebnis in Geld nicht aufzuwiegen ist. Wir drücken Jester, der den Eindruck erweckte, selbst nicht ganz glauben zu können, was er da seinen Kunden präsentierten konnte, daher ein dickes Trinkgeld in die Hand.

Wir lassen diesen Tag, der sicherlich mit zu den schönsten in unserem Leben gehört, bei einem guten Essen im Camp-Restaurant ausklingen. Wir sprechen nicht viel, nicht weil uns nichts einfällt, sondern weil wir noch so unter dem Eindruck des Gesehenen stehen und die Fahrt in Gedanken immer und immer wieder durchleben.

Olaf Bathke
30.01.2007, 20:04
Suuper, gefällt mir sehr...

Der Waldläufer
01.02.2007, 00:35
TAG 29 (20.11.2005):

In der Nacht geht ein heftiger Regenschauer auf unser Zelt nieder und am nächsten Morgen ist alles naß und dreckig. Wir bauen unser Zelt ab und versuchen dabei, so wenig Dreck wie möglich mit ins Auto zu laden. Während des spärlichen Frühstücks beschließen wir, heute nicht mehr allzu lange im Krüger zu bleiben, um möglichst bald zu unserem nächsten Ziel, der Panorama Route mit dem Blyde River Canyon, zu gelangen.

Auf dem Weg aus dem Park sehen wir noch die Zukunft des süßen Hyänen-Babies. Und das ist wahrlich keine sonnige Aussicht für das Kleine:
http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1372.JPG
Diese Hyäne haben wir übrigens "Einstein" getauft.

Wir verlassen also den Krüger Park, der uns so viele unvergessliche Erinnerungen beschert hat, und fahren weiter Richtung Panorama Route.

Bei Graskop treffen wir dann nach wenigen Stunden Fahrt auf die am Gebirgszug des Drakensberg Escarpment entlang laufende Route und folgen ihr nach Norden. Sie führt Touristen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region. Die besondere geologische Begebenheit ist, dass dort das "Highveld", also die Ausläufer der Drakensberge, plötzlich in das östlich liegende "Lowveld" übergeht. So ergibt sich dort eine steil abfallende Kante von bis zu 1600 Höhenmetern.

Unser erster Stopp auf der Panorama Route ist der "Pinnacle", eine steil aus einer Schlucht hervorstehende Felsnadel.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1381.JPG
The Pinnacle

Landschaftlich ist das Gebotene sicher ansprechend, aber mir sagen die Touristenmassen so gar nicht zu. Und so klettern wir nur noch für kurze Zeit ein bißchen in der näheren Umgebung umher, fotografieren noch einen Wasserfall, der in eine von Farnen und Palmen bewachsene Schlucht stürzt, und fahren dann sogleich weiter zu unserer nächsten Etappe.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1387.JPG

Um zu Fuß vom Parkplatz zu "God's Window" zu gelangen, müssen wir uns erst einmal durch Heerscharen von Touristen kämpfen, die an den zahlreichen Verkaufsständen Souvenirs erstehen. Südafrika ist ein armes Land, was den Großteil der Bevölkerung angeht, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass versucht wird, aus den vielen Touristen Kapital zu schlagen. Und glücklicherweise sind die Verkäufer bei weiten nicht so aufdringlich, wie man es aus anderen Ländern vielleicht kennt. Teilweise finden sich an den Ständen auch wirklich schöne Stücke afrikanischer Handwerkskunst.

Der Anblick, der sich uns durch das Fenster Gottes bietet, ist atemberaubend. Auch wenn es heute etwas diesig ist, bietet sich doch ein weiter Blick über das angrenzende Lowveld. An schönen Tage soll man hier sogar bis zum Krüger Park sehen können.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1390.JPG
God's Window

Überraschenderweise treffen wir bei unserer nächsten Etappe nicht wieder auf den üblichen Touristenstrom. An den "Lisbon Falls" ist es erfreulich menschenleer. Wir entschließen uns, zu den Pools des Wasserfalls hinüber zu klettern und dort erst mal gemütlich Mittags-Picknick zu machen.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1404.JPG

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1406.JPG

Nach den "Lisbon Falls" geht es weiter zu den "Berlin Falls". Dieser Wasserfall ist zwar nett anzusehen, bietet aber sonst wenig, was uns noch länger an diesem Ort halten könnte.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1411.JPG
Berlin Falls

Und so steuern wir bereits der nächsten Attraktion entgegen, den "Bourke's Luck Potholes".

Auf diese Attraktion habe ich mich sehr gefreut, denn ich erwartete, dort endlich mal auch wieder etwas Individualismus zu erleben. Doch die touristische Ausschlachtung des Landes hat hier besonders negative Züge angenommen. Hat mir hier ein Poster der South African Airways noch versprochen, "in grenzenloser Freiheit die Beine über dem Fluß baumeln lassen zu können", sieht die Realität ganz anders aus. Zuerst ein Kassenhäuschen und dann ein asphaltierter Weg durch die früher einmal sehr schöne Canyon-Landschaft, der auf voller Länge von einem Zaun begrenzt wird. Kontakt zur Natur ist hier in keinster Weise möglich. Ein Blick in den Fluß zeigt auch, warum der Mensch so ausgesperrt werden muss: Überall schwimmen Abfälle, wie Dosen oder Plastikbehälter, im Wasser. Für die "Luck Holes", eigentlich faszinierende Auschwaschungen im Fels durch den Fluß, habe ich nicht mehr den rechten Blick. Mir sind der Müll, der Lärm und die Touristenmaßen inzwischen schon viel zu viel und das Programm heute entspricht nicht meiner Auffassung von Urlaub. Und auch Anne wird von Stopp zu Stopp genervter.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1416.JPG

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1417.JPG
Geschickte Betrachtungswinkeln lassen die negativen Aspekte verschwinden. Leider nur auf dem Photo.

Am frühen Abend kommen wir schließlich im Aventura Blydepoort Resort an, einem Campingplatz, der in der Hochsaison hunderten von Zelten Platz bieten kann. Heute sind wir zum Glück die einzigen Gäste.

Die Stimmung ist heute abend etwas gedrückt. Für uns beide ist klar, dass wir in Zukunft lieber weniger ansehen wollen, dafür aber "intensiver". Ein Urlaub sollte doch keine Schatzjagd sein, bei der man versucht, möglichst viele "Schätze" einzusammeln. So abgedroschen es auch klingen mag: "Qualität statt Quantität" ist besonders im Urlaub eine wichtige Regel.

Auch über die Örtlichkeiten machen wir uns Gedanken. Je einfacher eine Landschaftsschönheit zu erreichen ist, umso mehr Menschen kommen, um sie zu sehen. Das widerrum führt unausweichlich zu einer Kommerzialisierung der Örtlichkeit. Denn überall dort, wo man mit dem Auto oder Bus bis "vor die Haustüre" fahren kann, ist die Ruhe und Einsamkeit der Natur eigentlich schon verloren. Vielleicht muss man sich wahre Naturschönheit einfach "erarbeiten"?! Bergtouren, Trekkingtouren, Kanureisen - das sind Reisen in die wahre Seele der Natur.

Der Waldläufer
01.02.2007, 01:46
TAG 30 (21.11.2005):

Nach dem Aufstehen bemerke ich eine innere Unruhe in mir. Ich habe Sehnsucht nach Stille, Einsamkeit und unberührter Natur. Was könnte es da besseres geben, als wandern zu gehen. Leider geht es Anne heute nicht so gut und sie beschließt schweren Herzens, im Zelt zu bleiben.

In dem Resort verlaufen vier Trails: der 2 km lange "Tuffa Trail", der 3 km lange "Loerie Trail", der 4 km lange "Guineafowl Trail" und der 5 km lange "Leopard Trail". Da die Wege teilweise in einander übergehen, beschließe ich, einfach so viele von ihnen zu laufen, wie ich Lust und Laune habe.

Mit der Kamera bewaffnet steige ich vom Campingplatz immer weiter nach unten in Richtung des bewaldeten Canyon. Sogar als ich noch auf der Asphaltstraße spaziere, um zum Start des Trails zu gelangen, schlägt mein Herz beim Anblick der Natur schon höher.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1432.JPG

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1440.JPG

Nach nur wenigen Minuten habe ich den Start des Trails gefunden, der rechts von der Straße in den Wald hinein führt. Es ist, als tauchte ich in eine andere Welt ein: Wie ein Ausflug ins Dschungelbuch kommt mir die Wanderung vor.

Nur ein kleiner Pfad ist es, der mich mich an exotischen Pflanzen und kleinen Weihern mit paradiesischen Wasserfällen vorbei führt. Über mir nur das Grün der Bäume und das Blau des Himmels, um mich herum nur die Geräusche des Waldes. Außer mir ist kein Mensch in diesem Wald unterwegs - ein unglaublich befreiendes und intensives Gefühl. Ich verliere jegliches Zeitgefühl, während ich im Wald unterwegs bin. Als der erste Trail vorbei ist, habe ich noch immer nicht genug von dieser atemberaubenden Schönheit. Und ich laufe und laufe...

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1445.JPG

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1448.JPG

Immer wieder denke ich an Anne und ich bedauere, dass ihr diese Anblicke verwährt bleiben.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1451.JPG

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1456.JPG

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1458.JPG

Als der Weg einen steilen Abhang hinunterführt, wartet am Ende des Gefälles diese nette Pflanze auf mich:
http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1462.JPG
Es ist besser, beim Hinuntergehen nicht zu stolpern, ermahne ich mich zur Konzentration.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1464.JPG

Am Ende des Tages bin ich alle vier Trails gelaufen und was ich auf dieser Wanderung sehen durfte, gehört mit zu dem Schönsten, das ich jemals gesehen habe. Ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Was so ein Tag in der Natur doch alles bewirken kann...

Ich versuche bei meiner Rückkehr, nicht zu begeistert zu klingen. Doch als Anne die Fotos auf dem kleinen Display der Digitalkamera ansieht, ist ihr die Enttäuschung doch deutlich anzumerken. Ich bin mir sicher, dass ihr diese Wanderung auch mehr als gut getan hätte.

Im Laufe des Tages hat sich Annes Zustand zum Glück gebessert, so dass sie wenigstens ein bißchen den Tuffa Trail entlang laufen konnte.

Als es langsam aber sicher der Abenddämmerung entgegen geht, machen wir uns noch mit dem Auto zum "World's End" auf, einem in höchsten Tönen gelobten Aussichtspunkt auf den Blyde River Canyon.

Beim Anblick des Canyons, der nach dem Grand Canyon (USA) und dem Fish River Canyon (Namibia) der drittgrößte der Welt ist, bleibt uns beiden die Luft weg. Minutenlang können wir uns von diesem imposanten Anblick nicht losreißen.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/PanoramaWorldsEnd.jpg

Chri
01.02.2007, 10:57
Habe den Bericht gerade erst entdeckt! WOW! Vielen Dank für die grandiosen Bilder und die Beschreibungen, die einem ein Miterleben aus der Ferne ermöglichen und das Fernweh brennen lassen!
Viele Grüße
Christine

Der Waldläufer
01.02.2007, 19:34
TAG 31 (22.11.2005):

Es ist immer das gleiche Gefühl, das einen überkommt, wenn der Urlaub dem Ende entgegen geht. Der Gedanke daran, dass wir morgen schon im Flugzeug Richtung Deutschland sitzen werden, erfüllt mich mit Grauen. Es ist nicht nur eine Reise über Kontinente, sondern auch über Jahreszeiten, denn während hier der Sommeranfang vor der Türe steht, beginnt bei uns die kalte, scheußliche Jahreszeit. Brrrrr...

Doch solche Gedanken muss man beiseite schieben und die verbleibende Zeit so gut nutzen, wie es geht. Noch einmal wollen wir dem Blyde River Canyon einen Besuch abstatten. Diesmal entscheiden wir uns zu einer gänzlich neuen Fortbewegungsmethode: Pferde.

Anne ist eine sehr gute Reiterin, aber ich habe bisher nicht ganz so tolle Erfahrungen mit Pferden gemacht. Dementsprechend unsicher bin ich auch, als wir uns dem Gestüt des Campingplatzes nähern. Wie sich schon bald herausstellt, soll meine Sorge unbegründet sein. Diese Pferde würde es wohl nicht einmal aus der Ruhe bringen, wenn die Welt um sie herum untergehen würde. In gemächlichem Schritt reiten wir immer weiter bergauf und staunen über die Trittsicherheit dieser Pferde. Ich schließe meine Augen, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und lausche dem monotonen Geräusch der auftretenden Pferdehufe. Alles ist so unglaublich ruhig und friedlich. Nein, ich habe wirklich überhaupt keine Lust, schon nach Hause fliegen zu müssen.

Auf dem "Gipfelplateau" angekommen verschlägt es uns einmal mehr den Atem angesichts der Schönheit dieses Canyons. Lange sitzen wir am Rand, unterhalten uns, machen Picknick oder genießen einfach nur schweigend diesen Ausblick.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/BlydeRiverCanyon.jpg

Doch dann heisst es Abschied nehmen von diesem beeindruckenden Naturmonument. Ein letztes Erinnerungsphoto und wir steigen wieder auf unsere Pferde.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1493.JPG

Über Stock und Stein reiten wir hinunter zum Campingplatz, wo wir in unser Auto steigen und die Fahrt nach Pretoria antreten. Dort wollen wir die letzte Nacht vor unserem Heimflug verbringen.

Auf dem Weg halten wir noch kurz bei den berühmten MacMac-Falls, die zwar sehr schön anzuschauen sind, aber leider keinen Platz bieten, von dem man aus gemütlich dem Wasserspiel zusehen könnte. Denn der Weg führt ausschließlich zu einem kleinen Käfig, der ein paar Meter über der Schlucht hängt. Von dort aus kann man kurz einen Blick auf den Wasserfall werfen, bevor man ihn schon wieder für die nächsten Interessenten räumen muss.

http://freenet-homepage.de/der-waldlaeufer/IMG_1501.JPG

Anne bringt uns dann auf der Fahrt nach Pretoria auch noch beinahe ums Leben, als sie bei einer ihrer berüchtigten Lachattacken meinen Arm samt Lenkrad nach links reißt und wir so fast in dem neben der Straße verlaufenden Graben landen. Ich sagte zwar, dass ich am liebsten noch in Südafrika bleiben würde, aber dabei dachte ich weder an ein Krankenhaus noch an einen Friedhof!!!

In Pretoria bringen wir unsere Speicherkarten noch schnell in ein Fotogeschäft und lassen dort alle Fotos auf CD brennen. Sicher ist sicher...

Unser Hotel ist einfach und günstig, und mehr als ein Bett muss unser Zimmer heute aber auch nicht haben. Wir sind beide total erschöpft und fallen nach dem Abendessen müde ins Bett. Als wir dort liegen und die Formalitäten des morgigen Tages besprechen, spüren wir beide, was in dem anderen vorgeht. Wir sind uns dessen natürlich bewusst, dass wir eigentlich nicht traurig sein dürften, angesichts des Privilegs, solche Reisen überhaupt machen zu dürfen und können, während die weiteste Reise, die viele Teile der Bevölkerung diese Landes jemals unternehmen wird, die Fahrt in die nächste Stadt zum Arbeiten ist. Trotzdem schaffen wir es nicht so richtig, das Gefühl aus uns zu verbannen.

Morgen werden wir zurück in die Heimat fliegen. Wir werden unsere Familien wiedersehen, unsere Freunde, unseren Hund. Und unser nächster Urlaub kommt auch. Ganz bestimmt.

Es gibt im Leben immer irgendetwas, auf das man sich freuen kann. Man muss nur die richtige Betrachtungsweise finden! :wink:


ENDE

Der Waldläufer
01.02.2007, 19:45
Hallo Ihr!

Ich möchte mich noch recht herzlich für die positiven Rückmeldungen und netten Worte bedanken, die es mir doch wesentlich erleichtert haben, diesen Mammutbericht auch wirklich zu Ende zu bringen.

Ich hoffe sehr, dass Euch das Lesen ein bißchen Spaß macht bzw. Spaß gemacht hat. Ich hatte beim Schreiben viel davon!! :wink:

Südafrika ist definitiv auch für Outdoorer ein sehr interessantes und vielfältiges Land! Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

Liebe Grüße!!

Der Waldläufer

P.s.: Oh, ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich natürlich ich noch eine Widmung brauche! :wink: Ich widme also diesen Bericht meiner Frau, die durch ihre Spontanität, ihre Geduld, ihren Humor und nicht zuletzt ihre bedingungslose Liebe diesen Urlaub erst zu diesem unvergeßlichen Erlebnis hat werden lassen!!

Thrawn
01.02.2007, 21:04
Super!
Danke für die vielen Minuten, in denen wir ein Stück mit euch reisen durften... :)
Tolle Bilder und noch bessere Texte - schon eine Anfrage von einem Verlag erhalten? :wink:

Grüße,
Thrawn

Sapbattu
05.04.2012, 19:07
ich hab es leider noch nicht ganz gelesen,

aber fehlen nur in dem bericht den ich gerade sehe die ganzen bilder?

gruß
jan