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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Spirituskocher mit Aceton betreiben?



dappi
12.02.2006, 13:37
hi zusammen,
bevor ich mir zuhause die bude abfackele, frag ich lieber vorher mal: hat jemand von euch schon mal ausprobiert, einen spirituskocher/selbstgebauten dosenkocher mit aceton zu füttern?
der brennwert liegt im vergleich zu spiritus ca. 50% höher, der siedepunkt ca. 20°C niedriger (56°C). die heizleistung sollte also merklich besser sein...

grüße,
dappi

12.02.2006, 14:36
Hallo

http://www.alfa-chemcat.com/daten_msds/D/30698_-_Acetone_(D).pdf
Schau Dir das an.

Ich würde es nicht machen wenn Du dich :
1. Nicht vergiften willst
2. nicht gedenkst deine Umgebung dem Flammentod auszusetzen.
3. Kein Interesse am Darwin Award besitzt.-
Falls doch- probiers einfach aus. Am besten in der Apside eines neuen Hillebergs mit dem Trangiabrenner randvoll gefüllt mit Aceton :ignore:

;-)

Peter

Waldhoschi
12.02.2006, 14:43
Hallo Dappi. Willkommen hier im Forum.
Wenn du deinen Spirituskocher mit Aceton betreiben willst ist das etwas deppi. Im ernst. Kennst du dich damit ein wenig aus? Aceton verdunstet recht leicht und bildet mit Luft ein hochsexplosives Gemisch. Wenn dein Kocher nicht sauber verbrennt (Macht kein Sprituskocher) hast du schnell eine hochexplosive Atmosphäre um dein Mal. Wenn du Pech hast fliegt dir das Zeug um die Ohren. Das Zeug siedet außerdem bei knapp sechzig Grad. DAs bedeutet so ein Fläschchen im Zelt vergessen, eine Statische entladung und du musst wirklich weniger tragen (Auch ein Sinn von ultraleicht ;) ) Davon abgesehen, dass Aceton natürlich sehr ungesund beim Einatmen ist.

Von Acros.com:


Mögliche Gesundheitseffekte

Auge: Erzeugt Reizungen, charakterisiert durch brennendes Gefühl, Rötung, Tränen der Augen, Entzündungen und eventuell Augenhornhautverletzungen.
Haut: Bei einer Exposition sind Reizungen möglich, wie Rötung, trockene Haut und Entzündungen. Wiederholte oder länger andauernde Einwirkung kann zum Austrocknen und Einreißen der Haut führen.
Einnahme: Kann Reizungen des Verdauungstrakts erzeugen. Kann eine Schwächung des Zentralnervensystems, Nieren- und Leberschäden verursachen. Symptome können sein: Kopfschmerzen, Erregung, Ermüdung, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit und Koma.
Einatmung: Verursacht Reizungen des Atemtraktes Kann Leber- und Nierenschäden verursachen. Kann motorische Inkoordinationen und Sprachanomalien verursachen. Kann narkotische Wirkungen hervorrufen. Einatmen von Dämpfen kann Benommenheit und Schwindel verursachen.
Chronisch: Bei längerem oder wiederholtem Hautkontakt sind Hautentzündungen möglich. Bei chronischem Einatmen sind Wirkungen ähnlich der akuten Einatmung möglich.


Allgemeine Information:
Der Behälter kann einen Überdruck aufbauen, falls er Hitze und/oder
Feuer ausgesetzt ist. Bei jedem Brand ein Preßluftatemgerät je nach
Druckerfordernissen, NIOSH/MSHA (oder gleichwertiges), und
Vollschutzausrüstung tragen. Dämpfe können zu einer Zündquelle
wandern und zurückschlagen. Ist an Bränden beteiligt. Wassersprüher
benutzen, um einen dem Feuer ausgesetzten Behälter kühl zu halten.
Dämpfe können eine Feuergarbe verursachen.

Feuerlöschmittel:
Bei kleinen Bränden Trockenlöschmittel, Kohlendioxidlöscher,
Wassersprüher oder alkoholresistenten Schaumlöscher benutzen.

Handhabung: Mit entsprechender Belüftung benutzen. Funkensicheres Werkzeug und explosionssichere Ausrüstung benutzen. Einatmen von Staub, Dampf, Nebel oder Gas vermeiden. Berührung mit Haut und Augen vermeiden. Leere Behälter enthalten Produktreste (Flüssigkeit u./o. Dämpfe) und können gefährlich sein. Deshalb Behälter nicht unter Druck setzen, schneiden, schweißen, löten, anbohren, zerkleinern oder Hitze, Funken und offenen Flammen aussetzen.
Lagerung: Von Hitze, Funken und Flammen fernhalten. Von Zündquellen fernhalten. An einem kühlen und trockenen Platz lagern. Nicht im direkten Sonnenlicht lagern. In einem dicht geschlossenen Behälter lagern. Bereich entzündliche Stoffe.


Chemische Stabilität:
Stabil unter normalen Temperatur- und Druckbedingungen.

Vermeidungsbestimmungen:
Unverträgliche Stoffe, Zündquellen, Feuchtigkeit, Kontakt mit Luft,
Temperaturen oberhalb 220°C, Greift einige Plastik-, Gummi- und
Beschichtungsarten an..

Inkompatibilität mit anderen Stoffen:
Oxidierende Mittel, reduzierende Mittel, Basen, Essigsäure,
Salpetersäure, Schwefelsäure, (kann mit einer großen Anzahl von
Substanzen explosive/inkompatible Gemische bilden),
Wasserstoffperoxid, Chromylchlorid, Nitrosylperchlorat,
Hexachloromelamin, Peroxomonoschwefelsäure, Chromtrioxyd,
Schwefeldichlorid, Kohlenstoff, Kalium-tert-butoxid.

Gefährliche Abbauprodukte:
Kohlenmonoxid, Kohlendioxid.

Ganz ehrlich: ich finde das eine wirklich unbedachte Idee.

Grüße Joe

Kanem
12.02.2006, 16:32
Soo giftig ist das Zeug jetzt auch wieder nicht...

Auge: Erzeugt Reizungen [...] trockene Haut [...] Kann Reizungen des Verdauungstrakts erzeugen. [...] Kopfschmerzen, Erregung, Ermüdung, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit und Koma.
[...] Reizungen des Atemtraktes Kann Leber- und Nierenschäden verursachen. Kann motorische Inkoordinationen und Sprachanomalien verursachen. Kann narkotische Wirkungen hervorrufen. Einatmen von Dämpfen kann Benommenheit und Schwindel verursachen.
Das meiste davon könnte bei Alkohol genauso stehen. Es stört bloß keinen.

Und dass das zeug spontan im Zelt explodiert halte ich auch eher für unwahrscheinlich. Die Leute, die mit Benzin kochen, hätten das selbe Problem.

Ok, du solltest es vielleicht tatsächlich nicht bei dir im Wohnzimmer ausprobieren. Aber irgendwo im Freien auf ner feuerfesten Unterlage, weit weg von allem Brennbaren und solange du nicht direkt daneben stehst, um zu sehen obs brennt, dann kann eigentlich nicht allzu viel passieren.

Aber es stimmt schon, Spiritus- oder Dosenkocher sind für Alkohol ausgelegt und für nichts anderes.
Wenn ich nen Tipp abgeben sollte würde ich vermuten, dass du ne heftige Stichflamme bekommst, und wenn du Pech hast schmilzt dir dein Kocher, was ziemlich unangenehm sein kann.

Wenn dus wirklich ausprobieren willst, dann lass eben alle gebotene Vorsicht walten.

Waldhoschi
12.02.2006, 16:38
Hallo Kanem.
Alkoholdämpfe sind nicht so explosiv wie Aceton. Und der Unterschied zu Benzinkochern ist, dass der Treibstoff vor der Düse verdampft und als reines Gas verbrannt wird. Gute Benziner verbrennen genauso Rückstandsfrei wie Gaskocher. Bei Spiritusbrennern verdampft einiges ohne zu verbrennen. Und wenn der KOcher richtig warm wird, dann verbläst man das Aceton regelrecht.
Man beachte den Flammpunkt:
Alkohol:12°
Aceton -20°!

Kanem
12.02.2006, 17:32
Das bezweifle ich auch gar nicht. Ich halte bloß nichts von übertriebener Panikmache. Wenn man sich der Gefahren bewusst ist und entsprechend handelt, spricht eigentlich nichts dagegen, auch so etwas mal auszuprobieren.
Dass dabei gewisse Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen, sollte klar sein.
Ob es funktioniert weiß man halt erst wenn mans mal probiert hat.

@Dappi: Solltest du das Experiment wirklich durchführen könntest du ja mal deine Ergebnisse hier posten. Wobei das kein Aufruf sein soll es zu tun, und dass mit Feuer spielen gefährlich sein kann, sollte klar geworden sein.

ps.:
Aceton wird in der Chemie und z.B. auch in dem Metallbetrieb, wo ich mal Praktikum gemacht hab, als Reinigungsmittel verwendet. Besondere Schutzmaßnahmen gabs eigentlich keine, aber in die Luft geflogen ist nichts. :(

Felix
12.02.2006, 17:40
Gegen einen Versuch unter kontrollierten Bedingungen ist IMHO nichts zu sagen (natürlich im Freien, genug Abstand zu allem Brennbarem, ...). Ich würde allerdings nicht erwarten, dass das gut funktioniert. Es ist gut möglich, dass die Verbrennung sehr schnell abläuft.
Auch Benzin und Petroleum haben eine wesentlich größeren Brennwert als Spiritus, trotzdem werden sie normalerweise nicht in Dosenkochern eingesetzt.

Gruß

Felix

underwater
12.02.2006, 17:47
In dem niedrigen Fallmpunkt liegt auch die Gefahr, daß Dir das Zeugs um die Ohren fliegt...
Genauso wie man Diesel "ruhig" abfackeln kann, - versuch das ganze mal mit Benzin :bg:

Waldhoschi
12.02.2006, 17:59
@Kanem wegen Reinigungsmittel: Aceton ist in Wasser leicht löslich und wird zum Reinigen gewöhnlicherweise nicht in reiner Form verwendet. Außerdem passieren in Betrieben verdammt viel Unfälle aus Dummheit der Angestellten. (Sry, dass ich das so rabiat sage, aber ich hab während meiner Ausbildung zum Sicherheitsbeauftragten einiges mitbekommen... )

Indi
12.02.2006, 18:06
Aceton ist ein Ketonkörper und wird unter anderem als Extrationsmittel für Btm verwendet. Sowie auch Fette und Öle u.ä.

Wer´s zum putzen vergewaltigt ist selbst schuld. Das zeug wird sehr schlecht "verstoffwechselt"
Also sehr schlecht für die Lunge!

berichtigt mich wenn ich etwas daneben liege

LG, Michael

dappi
13.02.2006, 22:08
hi zusammen,
vielen dank für eure antworten und die ernsthaften sorgen bezüglich meiner gesundheit und meines geisteszustands. :grrr: :wink:

aber im ernst: ich hab mich vorher auch schon mal informiert, was die physikalischen und physiologischen eigenschaften von aceton angeht und sehe das ähnlich wie kanem: so gefährlich ist das zeug wirklich nicht, wenn man verantwortungsvoll damit umgeht. Sonst könnte es auch nicht jedermann im baumarkt kaufen, wie ich heute festgestellt habe.

da es aber offensichtlich noch niemand hier im forum wirklich selbst ausprobiert hat, komme ich wohl nicht um einen aufopferungsvollen selbstversuch herum. am kommenden wochenende werde ich das mal testen mit:
a) einfachem "abbrennen" (sollte ähnlich ablaufen wie mit benzin, mit dem unterschied, dass letzteres dabei ziemlich rußt und deswegen in drucklosen kochern nicht verwendet wird)
b) im trangia sprirituskocher
c) im selbstgebauten dosenkocher

@Järven: falls ich bis dienstag keine ergebnisse poste - du regelst das mit dem darwin award, oder?

grüße,
dappi

ekke
14.02.2006, 22:10
aceton:
giftigkeit ist nicht viel dramatischer wie bei anderen org. lösungsmitteln und wird unter anderen in nagellackentfernern verwendet. die giftigkeit dürfte mit der von reinbenzin vergleichbar sein.
allerdings dürftest du zwei probleme haben:
1: aceton hat einen viel niedrigieren siedepunkt (56 C) wie alkohol (78 C) und brennt besser wie alkohol (Flammpunkt aceton: -20 C und alkohol +9 C)
es stellt sich die frage ob dein kocher dafür ausgelegt ist.
2: aceton ist ein hervoragendes lösungsmittel unter anderen für einige kunststoffe. wenn du pech hast auch für deine kocherteile wie dichtungen, schläuche ect pp. mal abgesehen von den schäden die an kunststoffteilen beim auslaufen entstehen können.

Zitat irgendwo in der diskusion:
"Inkompatibilität mit anderen Stoffen:
Oxidierende Mittel, reduzierende Mittel, Basen, Essigsäure,
Salpetersäure, Schwefelsäure, (kann mit einer großen Anzahl von
Substanzen explosive/inkompatible Gemische bilden),
Wasserstoffperoxid, Chromylchlorid, Nitrosylperchlorat,
Hexachloromelamin, Peroxomonoschwefelsäure, Chromtrioxyd,
Schwefeldichlorid, Kohlenstoff, Kalium-tert-butoxid."

derartige mischungen gehen auch mit alkohol und reinbenzin schief!

K.B.
15.02.2006, 12:39
Auch wenn Aceton für den Dauerbetrieb ungeeignet ist (was ja deutlich geworden ist), so könnte man es vielleicht als "Starthilfsmittel" für Spirituskocher bei tiefen Temperaturen nutzen. Vor dem Anzünden etwas Aceton zum Spiritus dazugeben, könnte das Startverhalten sicherlich positiv beeinflussen.

Was haltet ihr davon?

Hawe
15.02.2006, 12:54
...Aceton... vielleicht als "Starthilfsmittel" für Spirituskocher bei tiefen Temperaturen nutzen. Vor dem Anzünden etwas Aceton zum Spiritus dazugeben, könnte das Startverhalten sicherlich positiv beeinflussen.

Was haltet ihr davon?Nix !
Lest Ihr eigentlich hier im Forum mit ? Wer ein wenig mitdenkt der braucht auch bei tiefen Temperaturen keine Starthilfe bei Spirituskochern, wenigstens nicht beim Trangia. Einfach den Brenner mit Dichtungsdeckel in der Hosentasche getragen ist der Spiritus immer auf Starttemperatur.
Da braucht man nix mit irgendwelchen Mittelchen mixen, die vielleicht für Nagellack und Schnüffler taugen...

Lästernd Hawe

K.B.
15.02.2006, 13:11
okay, okay...

In meinen Hosentaschen befinden sich aber bessere Dinge als Spirituskocher. :wink:

Sich demütig verneigend,
Kristof

15.02.2006, 13:29
@Järven: falls ich bis dienstag keine ergebnisse poste - du regelst das mit dem darwin award, oder?

Hallo Dappi, es ist mir eine Ehre dich beim Darwin-Award anzumelden.
Vergiss nicht das ganze mit Photos zu dokumentieren ;-)
Und sei vorsichtig....

Viele Grüsse,

Peter

Fjaellraev
15.02.2006, 18:06
...Aceton... vielleicht als "Starthilfsmittel" für Spirituskocher bei tiefen Temperaturen nutzen. Vor dem Anzünden etwas Aceton zum Spiritus dazugeben, könnte das Startverhalten sicherlich positiv beeinflussen.

Was haltet ihr davon?Nix !
Lest Ihr eigentlich hier im Forum mit ? Wer ein wenig mitdenkt der braucht auch bei tiefen Temperaturen keine Starthilfe bei Spirituskochern, wenigstens nicht beim Trangia. Einfach den Brenner mit Dichtungsdeckel in der Hosentasche getragen ist der Spiritus immer auf Starttemperatur.
Da braucht man nix mit irgendwelchen Mittelchen mixen, die vielleicht für Nagellack und Schnüffler taugen...

Lästernd Hawe

Erste Pflicht bei Kälte ist Spiritus nicht mit Wasser strecken, dann bekommt man ihn schon einiges besser an. Und dann gilt natürlich das, was Hawe schreibt, Brenner warm aufbewaren. Wenn die Hosentaschen voll sind, kann es auch eine Innentasche der Jacke sein :wink: . Wenn der Kocher doch mal zu kalt sein sollte wenn man ihn starten will, und keine Vorglühkralle dabei ist, kann man ihn einen Moment über das Feuerzeug oder eine Kerze halten, dann zündet er schon besser. Bei Kälte sind Streichhölzer meiner Meinung nach besser zum starten des Trangias geeignet als ein Feuerzeug, man kann die Flamme einfach besser knapp über den Sprit halten.
Zusatzmittel in den Sprit mischen ist meiner Meinung nach absolut unnötig.

Gruss
Henning

dappi
19.02.2006, 14:22
hallo zusammen,
"versuch macht kluch". hier die ergebnisse:
- keine explosionen
- keine stichflammen
- keine großflächigen verbrennungen
- kein schmelzendes metall
- kein delirium von den acetondämpfen

sondern z.B. dies hier: :wohoo:
http://www.trekking-ultraleicht.de/images/photoalbum/62.jpg

alle details, mehr bilder dazu und ein fazit der samstäglichen küchenfußbodenexperimente findet ihr auf www.trekking-ultraleicht.de. hab einen kleinen artikel dazu geschrieben, weil's auch zum thema ultraleicht ganz gut passt. :D

grüße,
stefan