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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erste-Hilfe: Was tun im kalten Wasser, kalte Luft?



MrMacchiato
22.11.2005, 23:43
Hey Leute,

Also ich hatte mal ein Nehbergs Überlebensbuch und da ist folgendes hängengeblieben:

1) Wenn die Luft kalt ist und man sich aufwärmen will,
sollte man sich bewegen!
2) Wenn man zufällig in einen vereisten See mit ner niedrigen Wassertemperatur fällt, jegliche hastige Bewegungen vermeiden um die Wärme nicht so schnell abzugeben.

Ist das richtig? Wenn ja warum muss man sich beim einen bewegen und beim anderen "stillschwimmen"?

Daneben kombinieren wir mal beide Szenarien:
Man fällt in's Wasser, kommt mit nassen Klamotten wieder raus.
Sagen wir, es ist Winter. Was muss man tun, wenn kein Rettungsdienst zur Stelle ist? Und man alleine bzw. zu zweit wandert?

Mal gespannt was ich drauf antwortet :)

Erny
22.11.2005, 23:47
Luft ist ein Wärme/Kälteisolator.
Wasser ist ein Wärmeleiter.

Wenn du dich in Wasser bewegst, kühlst du eher aus. Weil immer wieder neues kaltes Wasser an deinen Körper kommt. Des weiteren ist die Bewegung im Wasser mit mehr Eigenaufwand (Energieverlust) verbunden.

Bei Luft bringst du mit Bewegung den Kreislauf in die Gänge.

Christine M
23.11.2005, 00:34
Bezüglich Bewegung sollte man allerdings aufpassen, wenn man schon deutlich unterkühlt ist, dann kann es nämlich genau das Falsche sein. Mir hat mal jemand Folgendes erzählt: Ein Paddler war im kalten Wasser gekentert und es hat anscheinend eine ganze Weile gedauert, bis er wieder aus dem Wasser draußen war. An Land hatte er blaue Lippen und wohl auch sonstige Anzeichen von Unterkühlung. Also gab ihm sein Kumpel den gutgemeinten Tip, sich doch etwas zu bewegen, also zu joggen oder so. Nach einigen Metern ist der verunglückte Paddler mit Herzversagen zusammengebrochen. Was war passiert? Bei eintretender Unterkühlung stoppt der Körper den Kreislauf zu den Extremitäten (Arme + Beine) und hält nur noch den Blutkreislauf im Rumpf in Gang und das dortige Blut warm. Wenn man sich jetzt plötzlich bewegt (oder bewegt wird), strömt das kalte Blut von den Extremitäten zum Herz. Das kann der Körper nicht verkraften, es kommt zum Schock. Ich habe auch gehört, daß dies bei der Bergrettung als sog. Bergungstod bekannt ist (dort, wenn im Rahmen der Bergung der Verunglückte bewegt wird). Na ja, die medizinisch Gebildeten hier könnens vermutlich besser und genauer beschreiben, aber ich wollte darauf hingewiesen haben.

Christine

felö
23.11.2005, 11:41
Christine´s Kommentar ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Weitere Informationen zum Thema Kälte findet man unter www.bexmed.de (und viele weitere gute Infos) der homepage der "Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e.V.".

Gruß Felö

Erny
23.11.2005, 11:53
Na ja, da kam na klar die dritte Variante ins Spiel

1. War ja in der Luft
2. Im Wasser
3. Im Wasser, und dann in der Luft.

Das na klar, wenn man schon im Wasser unterkühlt ist, darf man na klar nicht laufen. Da klappt na klar der Kreislauf zusammen.

Bei Variante 3 kenne ich es so: Dafür zu sorgen, dass der Körper nicht noch mehr Wärme verliert.

Das heißt, nichts warmes einflößen, weil sich dann die Poren vergrößern, und der Körper endgültig zusammen klappt, sondern in Decken einhüllen, oder Kleidungsstücke, oder sonst was, was verhindert, dass die Körperwärme weiter verschwindet.

derMac
23.11.2005, 13:28
Also wenn man stark unterkühlt ist (die Ursache ist dabei völlig egal) ist bewegen ungünstig, da so das kalte Blut aus den Extremitäten in den Körperkern kommen kann was zum Zusammenbruch führt.

Wenn man nach außen hinreichend gut isoliert ist (wieder egal wo) hilft bewegen zum Aufwärmen. Wenn man schlecht isoliert ist, ist die erzeugte Wärmeenergie gleich wieder weg und man verschwendet Energie, besonders wenn längerfristig kein Energienachschub und keine Hilfe in Sicht sind. In dem Fall gilt Energie sparen und möglichst zusammenkauern.

Im Wasser kommt erschwerend hinzu, dass man nahezu nie ausreichend isoliert ist. Wenn man jedoch aus eigener Kraft raus kann sollte man sich natürlich bewegen und rausklettern. :wink:

Mac

Crosswind
23.11.2005, 14:10
Hallo!

Also, ich denke man sollte sich auf alle Fälle ausziehen, wenn man in kaltes Wasser gefallen ist und wieder rausgekommen ist. Damit man die nasse Kleidung loskriegt, die einem sonst die ganze Wärme nimmt, die der Körper aufbaut.

Ab einem gewissen Unterkühlungsstadium hört der Körper auch auf, sich gegen die Unterkühlung zu wehren. Merkt man daran dass man nicht mehr zittert. Der Körper beschränkt die Durchblutung dann zum größten Teil auf die wichtigen Organe. Deshalb hat man kälteres Blut in den Extremitäten (Schalenblut). Wenn dieses Blut durch Bewegung in den zentralen Kreislauf zurückfließt, gibts den Bergetod durch eine Schockreaktion.

Wurde aber so ja auch schon fast geschrieben...kein Anspruch auf Vollständigkeit

Phil

Crosswind
23.11.2005, 14:12
...solte sich von selbst verstehen dass man die nassen Klamotten ausziehen sol und sich anschließend mit irgendetwas trockenem vor der Umgebungsluft schützen sollte...sprich Rettungsdecken, trockene Kleidung o.Ä.

Thomas
23.11.2005, 16:34
Reicht die Isolationsschicht eines Neoprenanzuges eigentlich auch bei deutlichen Minusgraden aus, eingedrungenes und auf Körpertemperatur erwärmtes Wasser ausreichend gegen die Außenwelt zu isolieren?

wesen
23.11.2005, 21:01
Also, ich denke man sollte sich auf alle Fälle ausziehen, wenn man in kaltes Wasser gefallen ist und wieder rausgekommen ist. Damit man die nasse Kleidung loskriegt, die einem sonst die ganze Wärme nimmt, die der Körper aufbaut.
und weiter:

...solte sich von selbst verstehen dass man die nassen Klamotten ausziehen sol und sich anschließend mit irgendetwas trockenem vor der Umgebungsluft schützen sollte...sprich Rettungsdecken, trockene Kleidung o.Ä.
Ich denk' mal nicht, dass ich nasse Wollklamotten ausziehen und gegen eine Rettungsdecke eintauschen würde. Aber mich mit den nassen Klamotten in die Rettungsdecke einzuwickeln, halte ich für 'ne gute Idee. Auch nasses Zeug ist durchaus in der Lage zu isolieren. (Graduell abhängig vom Material.)

Also: Trockene Klamotten sind besser als nasse,
aber: Nasse Kleidung ist besser als nichts!

Christine M
23.11.2005, 21:17
Ich habe ebenfalls die Erfahrung gemacht, daß nasse Wolle durchaus noch wärmen kann. Voraussetzung ist natürlich, daß man keinerlei Wind ausgesetzt ist. Von daher bin ich mir nicht so sicher, ob das "nasse Kleidung ausziehen" pauschal in jeder Situation das richtige ist.

Christine

MrMacchiato
23.11.2005, 21:38
Also zusammengefasst:

Als Opfer:

Mensch im Wasser:
Versuchen sich aus der Lage zu befreien, sich bewegen,
kühlen Kopf bewahren (gg) ,sich aus der misslichen Lage zu befreien.
Wenn Rettungseinsatz erwartet wird, dann jede Bewegung vermeiden und einfach nur durchhalten.

Mensch an der Luft:
Wenn gut isoliert -> bewegen
Wenn schlecht isoliert -> zusammenkauern, windstillen Platz suchen

Mensch mit nassen Klamotten an der Luft:
Klamotten anlassen anstatt zu wechseln. Versuchen zu wärmen durch kauern etc. Behausung...

Als "Retter".
Wärmen (klar), bei starker Unterkühlung Opfer abraten, sich zu bewegen.

Was ist mit Mitmenschlicher Körperwärme?
Oh je, irgendwie handelt jeder 2. Beitrag von mir um zwischenmenschliche physische Beziehungen...

cd
23.11.2005, 21:42
Als "Retter".
Wärmen (klar), bei starker Unterkühlung Opfer abraten, sich zu bewegen.

Was ist mit Mitmenschlicher Körperwärme?
Oh je, irgendwie handelt jeder 2. Beitrag von mir um zwischenmenschliche physische Beziehungen...

Körperwärme ist denke ich die am schnellsten und immer (wenn ein Helfer da ist) verfügbare Wärmequelle. Und das sogar mit der perfekten Temperatur. Also: NUTZEN. Und die zwei/drei/wasweißichwieviele Leute zusammen gut isolieren.

cd

derMac
23.11.2005, 21:44
Reicht die Isolationsschicht eines Neoprenanzuges eigentlich auch bei deutlichen Minusgraden aus, eingedrungenes und auf Körpertemperatur erwärmtes Wasser ausreichend gegen die Außenwelt zu isolieren?
Kommt auf die "Außenwelt" und die Dicke der Neoprenschicht an. Ich nehm mal an, du meinst komplett außerhalb des Wassers? Da würde ich aber bei starkem Frost auch nicht allein auf Neopren vertrauen wollen. Versucht hab ich das aber noch nicht. Im Wasser hilft bei wirklich niedrigen Temperaturen sicher nur noch ein Trockenanzug mit viel drunter.

Zum Kleidung anlassen: Würde ich von der Art der Kleidung und den Umständen abhängig machen. In der Nähe der Zivilisation und/oder mit genügend Nahrung versehen und noch nicht ernsthaft geschwächt/unterkühlt würde ich versuchen mich in den nassen Klamotten warmzulaufen. Wenn das alles nicht zutrifft und man auch sonst nichts hat, siehts IMHO ziemlich :ill: aus. Keine Ahnung was dann das Richtige ist. Wer schon mal gesehen hat, wie das Wasser noch beim runterlaufen an der Kleidung gefroren ist, weiß was ich meine. :wink:

Mac

derMac
23.11.2005, 21:51
Mensch an der Luft:
Wenn gut isoliert -> bewegen
Wenn schlecht isoliert -> zusammenkauern, windstillen Platz suchen
Im 2. Fall kann bewegen auch gut sein, wenn es nicht zur Erschöpfung führt und Energie "nachgetankt" werden kann. Zusammenkauern nur wenn man "hilflos" auf Rettung warten muss. Da muss man entscheiden: Kann ich mich selber retten oder wäre der Versuch Energieverschwendung die nur zum schnelleren Tot führt. Zusammenkauern gilt übrigens auch im Wasser.

Mac

Thomas
23.11.2005, 22:44
Bei lebensbedrohlicher Unterkühlung schneidet man den Patienten wegen der Kern/Hülle-Problematik übrigens auf und wärmt den Organismus durch Durchspülen mit warmem Wasser langsam von innen wieder auf.

Kochgeschirr und Schweizer Messer sind also durchaus praktisch. :wink:

Erny
23.11.2005, 23:29
Also bei den nassen Klamotten habe ich immer noch so meine Bedenken. Wasser ist nun mal ein guter Wärmeleiter. Das heißt auch, dass nasser Klamotten die Wärme aus dem Körper ziehen kann. Ausnahme, man kann darüber noch eine trockene Isolieurung legen, so dass die nassen Klamotten sich aufwärmen können. Ist erst einmal die Körpertemperatur ganz, oder fasst erreicht, dürfte der Isliereffekt der Kleidung wieder oberhand gewinnen. Glaube ich zumindest.

Auf jeden Fall immer der Grundsatz. Keine Wärme einflösen,weil sich dann die Poren vergrößern, sondern eben verhindern, dass die Wärme entfleucht. Also von Außen isolieren.

derMac
23.11.2005, 23:52
Auf jeden Fall immer der Grundsatz. Keine Wärme einflösen,weil sich dann die Poren vergrößern, sondern eben verhindern, dass die Wärme entfleucht. Also von Außen isolieren.
Das ist falsch. Von innen erwärmen ist nie :old: verkehrt. Welche Poren sollen sich denn öffnen? Vielmehr ist es verkehrt einen stark unterkühlten von außen zu erwärmen. In dem Fall Erwärmung durch warme Getränke und/oder durch Hibler-Packung. Das wurde oben mit dem kalten Schalenblut schon mal gut erklärt.

Mac

Christine M
23.11.2005, 23:59
Tja, in meinem schlauen Buch steht leider auch nur "Nasse Kleidung sollte er [der Patient] wechseln." Bei einer leichten Unterkühlung soll man nach dem Buch übrigens warme, gesüßte Getränke geben. Und man kann auch vorsichtig von außen Wärme zuführen. Bei einer schweren Unterkühlung kann man es dagegen fast nur falsch machen.

Christine

PS: nur damit hier auch ja keine Mißverständnisse entstehen: wir reden über Situationen, in denen ärztliche Hilfe nicht erreichbar ist. In der Zivilisation sollte man bei jeder einigermaßen ernsthaften Unterkühlung den Rettungswagen rufen.

Erny
24.11.2005, 00:07
Auf jeden Fall immer der Grundsatz. Keine Wärme einflösen,weil sich dann die Poren vergrößern, sondern eben verhindern, dass die Wärme entfleucht. Also von Außen isolieren.
Das ist falsch. Von innen erwärmen ist nie :old: verkehrt. Welche Poren sollen sich denn öffnen? Vielmehr ist es verkehrt einen stark unterkühlten von außen zu erwärmen. In dem Fall Erwärmung durch warme Getränke und/oder durch Hibler-Packung. Das wurde oben mit dem kalten Schalenblut schon mal gut erklärt.

Mac

Mir hat man bei gebracht, dass bei warmer Flüssigkeit du deine Organe in Schwung bringst. Den Kreislauf in Wallung, das Blut zu den enlegenen Stellen wieder schneller fließt, die Haut sich weitet, und dadurch die Wärme schneller nach draußen geht. Isolierst du von außen, verringert sich der Wärmeverlust nach außen, je mehr sich die Luft zwischen Haut und Isolierung, sich der Hautemperatur angleicht.

So beigebracht im erste Hilfekurs.

Haben wir hier keine Medizinmänner, oder Medizinfrauen ???? Zur Klärung.

Mephisto
24.11.2005, 00:31
Servus,

Mitschriften aus meinem SAN-Kurs Ende 2003:

Unterkühlung:

Erkennen:
[list:951dece07d]
Abwehrstadium (37°C-34°C)
[list:951dece07d]
kalte, blasse Haut
psychische Erregung
Muskelzittern
vertiefte, schnelle Atmung

Erschöpfungs- und Lähmungsstadium (34°C-27°C)

kalte, blasse Haut
Bewusstseinstrübung
zunehmende Muskelstarre
oberflächliche, unregelmäßige Atmung
langsamer, unregelmäßiger und schwächer werdender Puls
[/list:u:951dece07d]
Maßnahmen:

Allgemeine Maßnahmen:
[list:951dece07d]
Verhinderung weiterer Auskühlung
Schutz vor kalter Umgebung
Schutz vor Wind
Flachlagerung, abrupte Lagewechsel vermeiden
Kontrolle von
[list:951dece07d]
Atmung
Puls
Blutdruck

ggf. Sauerstoffgabe
Notruf
[/list:u:951dece07d]
Besondere Maßnahmen

Abwehrstadium:
vorsichtig entkleiden; Faustregel: Wenn Patient zittert darf er entkleidet werden
Mit trockener Wolldecke zudecken
bei erhaltenem Bewusstsein: heiße, gezuckerte Getränke verabreichen
KEIN Alkohol!!!
vorsichtige Wiedererwärmung

Erschöpfungs- und Lähmungsstadium:

NICHT MEHR ENTKLEIDEN!!!!
bei unzureichender Spontanatmung Atemspende (assistierte Beatmung)
bei Kreislaufstillstand HLW
[/list:u:951dece07d][/list:u:951dece07d]

Gruß,
Benni, kein Fachmann

Erny
24.11.2005, 01:01
Scheiße - kein Alkohol :cry: :cry:

Mephisto
24.11.2005, 18:25
:P

Kermit_t_f
24.11.2005, 23:49
Also prinzipiell spricht erstmal nix gegen heiße Getränke. Leute die wirklich stark unterkühlt sind, also <33 Körperkerntemperatur, trüben recht flott ein, wo sich dann jedes Trinkes oder Essen sowieso verbietet.
Alkohol wird deshalb so explizit erwähnt, weil es ja immer noch das Märchen gibt, dass Schnaps wärmt. Das ist bei normalen Bedingungen kein Problem und auch nicht so abwegig, weil Alkohol die Gefäße erweitert (sowohl zentral als auch peripher) und das Blut dabei für Wärme in den Extremitäten sorgt.
Bei einer Unterkühlung zentralisiert der Körper, dass bedeutet, dass die Extremitäten nur noch schlecht durchblutet werden und das Blut in erster Linie auf Bereiche verteilt wird, die lebenswichtig sind, also innere Organe, Herz, Gehirn. Wird die Person jetzt zu schnell aufgewärmt oder trinkt Alkohol, werden die Gefäße in den Extremitäten entgegen der Regelmöglichkeiten des Körpers wieder weit und das kalte Blut sowie die entstandenen Abbau-Produkte in den Extremitäten fließen zurück in den Kreislauf worauf dieser arge Probleme bekommt. Dies zum einen durch die niedrige Temperatur des Blutes, zum anderen durch die Stoffe, die sich mit der Zeit gesammelt haben, also Lactat, CO2 etc. Da der Körper nur in einem sehr engen pH-Bereich korrekt arbeitet, stellt dies ein großes Risiko dar, der sogenannte "Berge-Tod" wurde oben ja schon erwähnt.
Insofern ist es auch falsch, dem Patienten irgendwas heißes auf den Bauch zu legen oder ähnliches. Am sinnvollsten ist es, den Körper sehr langsam aufzuwärmen, je nach Stadium am besten durch die Eigentemperatur, also in dicke Decken eingewickelt. Das nützt bei Körperkerntemperaturen unter 33° nicht mehr wirklich viel, insofern sind da die Aussichten auf eine erfolgreiche Therapie ohne Intensivmedizinische Betreuung sehr schlecht.
Der Patient wird dann aber nicht unbedingt "aufgeschnitten", das ist etwas übertrieben. Je nach Möglichkeiten bekommt er den Bauchraum mit "warmer" Kochsalzlösung gespült oder er wird per Herz-Lungen-Maschine wieder langsam auf Normaltemperatur gebracht. Dieses sind aber wirklich letzte Strohhalme bei extremen Unterkühlungen, nicht dass jetzt jemand Angst bekommt ;)

Ansonsten kann ich mich den von Mephisto geposteten Empfehlungen nur anschließen. Ganz wichtig wäre noch ein Hinweis:
Nobody's dead until he's warm and dead!
Lange Rede gar kein Sinn, gibt's auch da nachzulesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hypothermie

Mephisto
25.11.2005, 23:41
Hat jemand weiterführende Unterlagen zum Thema Bergetod? Bräuchte dies für Lehrunterlage Höhensicherung (Feuerwehr)

Gruß,
Bennni

Christine M
26.11.2005, 00:17
Über den Bergungstod steht da leider nichts (weiß auch nicht mehr, wo ich das mal "aufgelesen" habe), aber im Panorama 1/2005 steht einiges über Kälteschäden, auch Erfrierungen, mag ja vielleicht für andere mal hilfreich sein: DAV Panorama Archiv (http://alpenverein.de/template_loader.php?tplpage_id=165&id=482&mode=details#listEntry482).

Christine

felö
26.11.2005, 00:36
schau mal unter o.g. Adresse der Bexmed, da gibt´s sicherlich auch weiterführende Quellen.

Gruß Felö

Thomas
26.11.2005, 00:56
In Peter Starks "Zwischen Leben und Tod" (ISBN 3499615339) ist eine Geschichte zur Hypothermie drin. Der Mann hat umfangreiche Quelleninformationen am Ende des Buches aufgelistet. Da kann ich morgen mal reinschauen.

Kermit_t_f
26.11.2005, 15:12
Hat jemand weiterführende Unterlagen zum Thema Bergetod? Bräuchte dies für Lehrunterlage Höhensicherung (Feuerwehr)

Gruß,
Bennni

Was willst du ihnen denn beibringen? Eigentlich kann man dazu nicht viel Erzählen, ohne tief in (Patho-)Physiologie abzurutschen.
Eine Bergung/Rettung völlig ohne Bewegung ist wohl nicht wirklich realisierbar, aber ansonsten kann man da schon mal zur Schaufel/Schleifkorbtrage greifen.
Abseilen ohne Hilfsmittel ist auf jeden Fall kontraproduktiv, dürfte aber auch je nach Bewusstseinslage sowieso obsolet sein...

Mephisto
27.11.2005, 19:01
Abseilen ohne Hilfsmittel scheidet sowieso aus, des Zeug haben wir! 8)

Naja und grad den Typen auf der Schaufeltrage festzumachen ist iirc auch falsch, er soll ja - um eine Bergetod zu vermeiden - in seiner ursprünglichen Haltung (so wie er z.B. in seinem Gurt hängt) gelassen werden...

Solche Infos halt... :wink:

Kermit_t_f
28.11.2005, 18:33
Abseilen ohne Hilfsmittel scheidet sowieso aus, des Zeug haben wir! 8)

Ich meinte auch ohne Schaufel-/Schleifkorbtrage.



Naja und grad den Typen auf der Schaufeltrage festzumachen ist iirc auch falsch, er soll ja - um eine Bergetod zu vermeiden - in seiner ursprünglichen Haltung (so wie er z.B. in seinem Gurt hängt) gelassen werden...

Solche Infos halt... :wink:

Siehst du, da zeigt sich, dass solche Empfehlungen immer im Zusammenhang zu sehen sind. Wie wird der Patient in die Klinik gebracht? Der wird ja in seinem Klettergeschirr auch nicht im Rettungswagen aufgehängt ;)
Insofern kann man hier kaum feste Handlungsanweisungen geben.
Wenn der Kletterer noch am Seil hängt, dann sollte man ihn natürlich so abseilen und erst am Boden umlagern. Wenn der Patient aber im Schlafsack/Biwak auf nem Felsvorsprung liegt, dann ist die beste Möglichkeit der Rettung mittels Schaufel-/Schleifkorbtrage.
Es gilt also einen Mittelweg zwischen zuviel Bewegung und effektiver Rettung zu finden...

JR
26.01.2006, 22:57
Reicht die Isolationsschicht eines Neoprenanzuges eigentlich auch bei deutlichen Minusgraden aus, eingedrungenes und auf Körpertemperatur erwärmtes Wasser ausreichend gegen die Außenwelt zu isolieren?

wenn ich eistauchen gehe, dann immer mit meinem halbtocki (der hat gumimanschetten, läßt beim reingehen etwas wasser zwischen neo und haut, verhindert aber eine zirkulation) das ding is 7,5mm stark. ich werde immer für verrückt erklärt wenn man mich damit beim eistauchen sieht, aber kalt war mir auch noch 50min. im see noch nie!

aber was ich eigentlich sagen wollte, ich war letztes jahr in öschiland zum eisen, außentemp. -13°C ich bin nach rund 50min raus aus dem wasser, haube ab, dicke wollmütze auf...und mir war mollig warm! auf dem 20minütigen fußweg zum auto hat sich an der situation nichts geändert. mal abgesehen von meinen füßen, allerdings hatte ich nur sommerfüßlinge mit 3,5mm an :). Mein jacket ist dann am boden festgefroren und ach der automat ließ sich nimmer von der falsche lösen :)
erst beim unziehen bin ich dann fast gestorben vor kälte und hatte die lacher dann auf meiner seite....die ganzen trocken-warmdusch-taucher eben, die einfach die gummihaut abstreifen sich ins auto setzten und ab ins hotel :)


grüße joe

Pan Tau
28.01.2006, 23:23
Bezüglich Bewegung sollte man allerdings aufpassen, wenn man schon deutlich unterkühlt ist, dann kann es nämlich genau das Falsche sein. Mir hat mal jemand Folgendes erzählt: Ein Paddler war im kalten Wasser gekentert und es hat anscheinend eine ganze Weile gedauert, bis er wieder aus dem Wasser draußen war. An Land hatte er blaue Lippen und wohl auch sonstige Anzeichen von Unterkühlung. Also gab ihm sein Kumpel den gutgemeinten Tip, sich doch etwas zu bewegen, also zu joggen oder so. Nach einigen Metern ist der verunglückte Paddler mit Herzversagen zusammengebrochen. Was war passiert? Bei eintretender Unterkühlung stoppt der Körper den Kreislauf zu den Extremitäten (Arme + Beine) und hält nur noch den Blutkreislauf im Rumpf in Gang und das dortige Blut warm. Wenn man sich jetzt plötzlich bewegt (oder bewegt wird), strömt das kalte Blut von den Extremitäten zum Herz. Das kann der Körper nicht verkraften, es kommt zum Schock. Ich habe auch gehört, daß dies bei der Bergrettung als sog. Bergungstod bekannt ist (dort, wenn im Rahmen der Bergung der Verunglückte bewegt wird). Na ja, die medizinisch Gebildeten hier könnens vermutlich besser und genauer beschreiben, aber ich wollte darauf hingewiesen haben.

Christine

deswegen sollte man beim langsamen Erwärmen eines stark Unterkühlten auch zuerst den Rumpf wärmen - aus eben den oben genannten Gründen - sonst gelangt das kalte Blut aus den Extremitäten zu den lebenswichtigen Organen, was tödlich sein kann. Wen´s interessiert, der kann auch mal nach der Hibler-Packung googeln, das ist eine "Verpackungsart" für Unterkühlte, die genau diesem Prinzip Rechnung trägt...

Grüße Andreas

torge
04.02.2006, 23:14
Man fällt in's Wasser, kommt mit nassen Klamotten wieder raus.
Sagen wir, es ist Winter. Was muss man tun, wenn kein Rettungsdienst zur Stelle ist? Und man alleine bzw. zu zweit wandert?
Ich würde bei Wind die nassen Klamotten ausziehen und trockene Sachen (wenn möglich) überziehen. Sonst in Rettungsdecke hüllen, Körperwärme spenden. Bei Mehrtageswanderung Schlafsäcke nutzen (ohne nasse Klamotten :wink: ), eventuell Zelt oder Tarp als Windschutz aufstellen.
Torge

daxy
05.02.2006, 19:33
http://www.wabnig.net/erste_hilfe_bei_erfrierungen.htm

http://www.wabnig.net/erste_hilfe_beim_lawinenunfall.htm

einige prizipielle sachen:
1. unterkuehlung VOR erfrierung behandeln
2. unterkuehlung: schutz vor weiterer abkuehlung, bes windschutz
wenn nicht bewusstlos - heissen tee einfloessen
1 tasse tee erhoeht die koerperkerntemperatur
um 1 grad
waermepackungen an den rumpf
isolierfolie, nicht bewegen, kopf einpacken!
schonender abtransport
nasse kleider eventuelle entfernen, ist jedoch
umstritten, da dann eventuell noch merh abkuehlung
aerztlich: angewaermte luft einatmen lassen, angewaermte infusionen

wenn bewusstlos: schutz vor weiterer abkuehlung
wenn kein puls und keine atmung: wiederbelebung, schutz vor abkuehlung, abtransport unter reanimationsbedingen, wenn es moeglich ist.

wenn aufgewaermt, dann erst behandlung der erfrierungen.