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DocViper
24.10.2005, 15:43
Region/Kontinent: Nordeuropa

[GB] WHW + An Caorann Mor + Glen Affric

Reisebericht von Johannes Fellner

1. Tag 7.10.2005: Milngavie - Garadhban Forest Campsite (~ 26,3 km)

Zum Flughafen Linz und mit Ryanair via London-Stansted nach Glasgow-Prestwick wo ich um 22:55 eintraf. Mit dem X99/100 Nachtbus um 0:30 statt um 23:30 nach Glasgow. In Glasgow an der Buchannan Bus Station ein Mädl aus Schweden getroffen die auch den West Highland Way machen will. Jedoch mit dem Bus bis Inverarnan fahren will um dort Ihren Freund zu treffen :-(
Im Eurohostel dank Baustellen und Strassenlärm mehr schlecht als recht geschlafen und nach einigermassen brauchbaren Frühstück zur Queens-Station aufgebrochen. Dort für 2,5 Pfund eine Karte nach Milngavie gekauft und in der Underground Station eingecheckt. In Milngavie beim Iceland noch 2 Nudelfertiggerichte und Wasserflaschen gekauft. In dem Cookware und Outdoorshop eine Gaskartusche dem Sortiment hinzugefügt und schließlich um ca. 10:40 die ersten Schritte am WHW unternommen.
Das Wetter war mir sehr wohl gesonnen und ein regnete nur einmal sehr kurz. Die Stimmung war richtig gut und ich kam ganz gut voran. In Dumgonye habe ich irgendwie den Weg verfehlt (peinlich) und bin ein Stück auf der Strasse gegangen um ca. 2km später wieder auf den richtigen weg zu kommen.
Dann gings an Drymen vorbei und rauf in den Garadhban Forest. Dieser ist oberen Teil (Westlich des Weges) gerodet worden. Das Tagesziel, romantisch gelegen "wilde" Campsite (N56:05:42 W4:29:17) am Ende des Garadhban Forest hat ihren Charakter eingebüßt weil auch dort nur noch die Baumstümpfe an einen stolzen Wald erinnern. Immerhin war noch ein Stück der Wiese erhalten um mein Zelt aufzubauen. Der Bach der durch den Wald geflossen sein soll war nicht mehr zu finden. Aber ca. 100 m weiter war ein passender Bach zu finden in dem ich Wasser zum Kochen und Waschen fand.
Zum Glück war es fast windstill und das Zelten war angenehm. Einzig die Defizite beim Schlafsack machten sich bemerkbar und der Schlaf war nicht optimal.


2. Tag 8.10.2005: Garadhban Forest Campsite - Inversnaid Bunkhouse (~ 28,6 km)

Nach einem Frühstück mit Müsli und Tee konnte ich in den ersten Sonnenstrahlen mein Zelt ein wenig trocknen (Das Packtowel hat etwas nachgeholfen). Gen Westen waren schon dunkle Wolken in Sicht die den gesamten Tag dominieren würden. Um ca. 9:00 brach ich auf und beim Abstieg vom Corning Hill schwenkte das Wetter um und starker Wind und etwas Regen setzten ein. In Balmaha füllte ich meine Wasservorräte auf und kaufte Batterien für die Digicam (dafür hat mein Hirn vorher nicht gereicht).
Entlang des Loch Lomond traf ich anfangs einige Tagesausflügler die sich aber vom zunehmend schlechten Wetter vertreiben ließen. Schließlich regnete es bis zum Abend praktisch durchgehend. Wegen der blöden Nicht-Gore Gamaschen muss wohl Kondenswasser in die Schuhe zurückgelaufen sein. Die Moral war etwas beeinträchtigt (um nicht zu sagen mies). Die Entscheidung in der Rowchoish Bothy oder in Inversnaid (incl. heißer Dusche) abzusteigen viel relativ leicht.
Die letzten Kilometer waren schon sehr hart was meine Konstitution und Motivation anging.
Am Inversnaid Hotel angekommen (und bereit viel Geld für ein trockenes weiches Bett zu bezahlen) teilte man mir an der Reception mit das kein Zimmer frei wäre (durch die Eingangstüre waren 3 grosse Busse zu sehen). Aber der nette Mensch dort fragte beim nahegelegenen Bunkhouse an und zum Glück war dort genügend frei. Dort gibt es keine Self-Catering Kitchen also kurzerhand auf den regengeschützten Stück vor der Eingangstüre Tee und eine kräftige Suppe mit viel Nudeln gekocht. Nach einer Dusche und etwas Ausrüstungspflege war ich nur noch zum Schlafen fähig.

3. Tag 9.10.2005: Inversnaid Bunkhouse - Inverarnan, Beinglas Farm (~ 11 km)

Aufgrund des harten Vortages entschied ich mich wieder in den empfohlenen Zeitplan einzuordnen und die rel. kurze Stecke bis zur Beinglas Farm zu machen.
Der Weg entlang des Loch Lomond ist in diesem Stück sehr anstrengend weil es ständig über hohe Steine und rutschige Wurzeln geht. Ich nahm mir genügend Zeit und checkte bei der Farm in einem Wigwam ein (welches ich alleine bewohnen sollte). In dem kleinen Lokal bei der Farm (im Western-Farm-Highland-Ambiente) war ein fettes Gammonsteak mit Chips genau das richtige. Dort traf ich einige Leute (Jo aus Belgien, Joel aus Australien, Gun und Erik aus den Niederlanden, Jane und Ric aus Schottland) die auch in den folgenden Tagen immer wieder in Pubs oder auf der Strecke treffen sollte.
Nach einigen Bieren und einem Dram war die Wigwam ein gemütliches Quartier

4. Tag 10.10.2005: Beinglas Farm - Bridge of Orchy Hotel (~ 30,9 km)

Ich brach relativ spät (gegen 10:00) auf und erfuhr das Eric und Dun mit dem Bus "cheaten" werden und die Nacht auf der Campsite bei der Bridge of Orchy aufschlagen wollten. Der Ergeiz packte mich und das gute Wetter und die hervoragenden Wege ermöglichten eine gute Stecke von über 30 km an diesem Tag. Der Weg von Tyndrum nach Bridge of Orchy wäre ich wohl besser auch mit dem Bus gefahren weil sehr fade.
In Bridge of Orchy war das legendäre Westhighlandsleeper Bunkhouse (die Bahnstation dort) ausgebucht aber im Bunkhouse des Hotels hatte ich wieder ein Zimmer für mich (für 10 Pfund sehr okay). In der Bar waren Eric, Dun und ein Berliner-Mädl namens Anne bei Speise und Trank. Keine besonderen Vorkommnisse.

5. Tag 11.10.2005: Bridge of Orchy - Kings House Hotel (~ 19 km)

Bei wechselhaften Wetter brach ich wieder alleine auf und der Weg über das Black Mount Moor war Landschaftlich sehr interessant. An der Campsite bei der Brücke nach dem Inveroran traf ich erstmals Andre aus Deutschland der sich in der Climbers Bar im Kings House Hotel zu uns gesellte. Dort trudelten dann 3 Fussballfanatische Schotten (Vater, Sohn und Kumpel vom Sohn) ein und wussten viel über die Glasgow Rangers und die schottische Weltanschauung zu berichten.
Ausserdem versuchte der Vater seinen Sohn mit der Kellnerin aus Slovenien zu verkuppeln (was sehr amüsante Wortwechel ergab).
In einem Anfall von Luxus entschloss ich mich für stattliche 27,5 Pfund im Hotel abzusteigen. Naja gemütlich und alterwürdig war es auf jeden Fall.

6. Tag 12.10.2005: Kings House Hotel - Ruinen Tigh-na-Sleubhaich (~ 21,4 km)

Highlight natürlich Devil Staircase und ein seltener Blick auf den Ben Nevis ohne Wolken und mit ein wenig Schnee am Gipfel.
Jo und Joel waren kurz vor mir aufgebrochen und die beiden warteten auf der Passhöhe auf mich. Gemeinsam zogen wir weiter bis nach Kinochleven wo wir uns einen Kaffee gönnten und im Co-op die Vorräte nachfüllten. Weil es erst 14:30 war entschieden wir uns bis zu den Tigh-na-sleubhaich zu gehen und dort illegal zu campen. Dort zeige nach einigen Fotos meine Digicam -Fehler- an und wollte die Karte neu formatieren *shock*. Ich legen meine Zweitkarte ein und damit ging alles wieder normal. Nach einem kräftigen Couscous mit Pilzen und Hühnersuppe war für eine gute Nacht gesorgt. Diesmal ging es mir mit dem Schlafsack entwas besser. Vermutlich in der ersten Nacht zu wenig gegessen...

7. Tag 13.10.2005: Tigh-na-Sleubhaich - Fort William (~ 16 km)

Beim Zelt einpacken kamen Dun und Eric an unserem Lagerplatz vorbei (die beiden waren am Vortag nach Glen Coe gefahren). Gemeinsam machten wir uns auf nach Fort William wo wir am Kreisverkehr-Ende-WHW-Schild eine Flasche Ben Nevis Whisky unter den Ankommenden ausgaben (und natürlich selber auch gute Gäste waren)
Nach dem auch Jane und Ric eingetroffen waren beschlossen wir unseren "Triumpf" in Ben Nevis Lokal in der Highstreet bei einem kräftigen Mahl zu feiern.
Danach gings noch in Grog & Gruel auf ein Bierchen (oder so)

8. Tag 14.10.2005: In B&B Farnbank bei Paula und Bob war ein Tag Schopping und Relaxing angesagt. Landrangermaps für Glen Affric und Umgebung gekauft und einen Reiseplan ausgearbeitet.

9. Tag 15.10.2005: Ben Nevis - mit sehr starkem Wind aber guter Fernsicht gemacht - mässig interessant

10. Tag 16.10.2005
Mit dem Bus (Linie Glasgow-Skye) zum Cluanie Inn gefahren und über den An Caorann Mor Weg durch sehr sumpfiges Gelände (aber dank der Island Pro Stiefel trockenen Fusses) zur Glen Affric Youth Hostel (Alltbeithe) aufgemacht. Dort war niemand da. Ein Schild besagte das Betten frei sind und man solle es sich in der Küche gemütlich machen. Nach einiger Zeit traf ein Stalker (Jäger) ein und wartete auf den Rest der Jagdgesellschaft. Dann trafen auch Ellen (die Betreuerin der Hostel) und Nik ( ein Pathbuilder der in der Gegend arbeitet) ein. Ein gemütlicher Arbeit mit Geschichten aus dem Herbergsleben und allerlei Philosophischem waren bei einen Gläschen Whisky ein waren Highlight.

11. Tag 17.10.2005 ( ~ 9km)
Eine Tagestout zum Sgurr nan Ceathreamhnan war geplant und dank guten Wetter auch möglich. Der Aufstieg zum ca. 900m hohen Grad war sehr schön und dank des Daypack auch kein Problem. Oben war der Wind wieder sehr stark und es war nicht ganz unriskant am Grad bis zum Gipfel in 1151 m zu gelangen. Den Zweitgipfel wollte ich wegen des immer schlechter werdenden Weges und des umschwenkenden Wetters (Wind von NO auf SW gedreht) nicht mehr riskieren. Der Abstieg war problemlos und eine weitere gemütliche Nacht in der Hostel war angesagt. Diese lies ich mir auch nicht von einem Rudel von 14 Niederländern verderben die dort einen "Karte, Kompass und GPS Kurs" durchführten und bis in die Nacht über ihren Karten brühteten. Am witzigsten waren die Leute die mit den eingeschalteten Stirnlampen am beleuchteten Küchentisch saßen und die Karte auswendig lernten...

12. Tag 18.10.2005 (~ 26 km)
Eine weitere Tagestour rund um das Loch Affic hatte ich geplant und bei leichtem Drizzel (Nieselregen) machte ich mit auf den Weg und nach kurzer Zeit ließ sich wieder die Sonne blicken. Ein herrlicher Tag an den Ufern des Loch Affric mit den alten Pinien war einfach super. Auf dem Weg kam mir ein kräftig gebauter Amerikaner entgegen der auch in die Hostel einkehren wollte. Mit diesem ergaben sich auch einige gute Gespräche. Ich war richtig traurig das das mein letzter Tag in der Glen Affric Hostel sein sollte.

13. Tag 19.10.2005 (~ 23 km)
Über das Fionnglean und durch das sehr impossante Gleann Lichd wanderte ich nach Morvich. Von dort entlang Loch Duich nach Shiel Bridge und weiter zur Ratagan Youth Hostel. Diese war zwischen 13:30 und 17:00 Uhr nicht besetzt also packte ich vor der Eingangstür meinen Kocher aus und verbrachte die Wartezeit recht angenehm bei heißer Schokolade und Kecken. In der Hostel war ich einer von 3 Gästen was mir einen persönlichen Großschlafsaal und eine ruhige Nacht ermöglichte. Dort unterzog ich meine Wäsche einer Gesamtreinigung welche schon dringend notwendig war...

14. Tag 20.10.2005
Nach dem obligaten Müslifrühstück gings zur Bushaltestelle Shiel Bridge und von dort zurück nach Fort william. Dort checkte ich in der Ben Nevis Hostel ein und machte mich auf den Weg zur Destillerie. Nach einem etwas "kindischen" Film und kurze Führung durch die Destillerie kostete ich dort einen sehr jungen Whisky (4 Jahre) und erstand eine Flasche "10 Years Old Single West Highland Malt 46%". Diese wurde wohl 2004 zum Whiskey des Jahres gewählt und ist imho wirklich sehr gut.
Von der Destillie gings weiter Richtung Highstreet und im Ben Nevis Restaurant Haggis gegessen. Ich verstehe den Hype bzw. den Ekel um dieses Gericht nicht.
Ich finde es ist ganz gut und vor allem sehr sättigend. Das richtige nach einer langen Wanderung.

15. Tag 21.10.2005
An diesem Tag gings mit dem Citylink Bus zurück nach Glasgow und mit der X77 Line zum Prestwick Airport. Von dort marschierte ich zu Smithy Andrews Hostel in Monkton (ca. 3km vom Flughafen) um dort in einem umgebauten Stall Quartier zu beziehen. Besonderes Feature ist dort das Bad mit Badewanne (die natürlich ausgiebig von mir genutzt wurde. Es war auch sonst niemand da).
Trotz der startenden und landenden Flugzeuge und der Auto-Tuning Prolls (wer hat den lautesten Auspuff der Umgebung) schlief ich recht gut und machte mich um 5:30 auf den Weg zum Flughafen um rechtzeitig um 6:15 am Ryanairschalter für meinen Flug um 8:15 einchecken zu können.

Ausrüstungsfazit:
Eigentlich recht zufrieden ! Besonders mit den Schuhen (Meindl Island Pro) und der regenfesten Bekleidung (Löffler XCR Hose und Berghaus Alpine Pro Jacke)
Unnütz war eigenlich der 2. Alukochtopf, Campingmesser und Gabel, und ein paar Kleinigkeiten
Gefehlt hat ein Wassersack - den hab ich in Fort William nachgerüstet

Ergänzen werd ich für die nächste Tour einen Wasserfilter und einen besseren Schlafsack

Bilder gibts hier:
http://www.docviper.net/gallery/index.php?album=Schottland_2005/

EDIT: Habe es geschafft die Bilder zu retten. Sind jetzt auch in der Gallery enthalten.

Nächstes Jahr solls wieder nach Schottland gehen (in der Midgets-Gefahren-zeit)

Joe