GR 20
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Der GR 20 ist ein Fernwanderweg (franz.: Grande Randonnée) der von Nord nach Süd beinahe die gesamte Mittelmeerinsel Korsika durchquert. Die Start- oder Endpunkte sind Calenzana im Norden und Conca im Süden der Insel. Lange Steckenabschnitte führen auf alpinen Wegen und Pfaden durch das einsame zerklüftete korsische Hochgebirge. Höhen bis 1.500 Meter werden mehrmals erreicht. In der Hochsaison stauen sich an einigen Kletterstellen schon mal die Wanderer.
Aufgrund der Temperaturen, die im Sommer tagsüber auf extreme Werte bis zu 35° ansteigen könnnen, ist es empfehlenswert längere Pausen über die Mittagszeit einzuplanen, um nicht in der prallen Sonne laufen zu müssen. Da Nachts mit Temperaturen von unter 0° gerechnet werden muss, sollte man einen warmen Schlafsack und eine warme Jacke mit im Gepäck haben. Auch im Sommer ist in den hohen Gebirgslagen Korsikas mit alpinen Wetterverhältnissen zu rechnen.
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Streckenverlauf
Reiserichtung
Erst Süd, dann Nord. Der Südteil ist flacher und bietet sich so zum Einwandern mit dem schweren Gepäck besser an als der Nordteil. Der Rucksack wird zudem unterwegs leichter, so dass man den Nordteil mit leichterem Gepäck durchwandert. Die Sonne steht einem nicht ständig im Gesicht sondern im Genick. Dieser Bereich ist weitaus einfacher vor der Sonne schützbar als das Gesicht (z.B. mit einem Tuch). Im Frühjahr rennt man der Schneeschmelze hinterher und hat so einen einfachere Route.
Wanderzeit
Früh starten (7 Uhr) und die kühleren Temperaturen nutzen. Grob gegen 12-13 Uhr einen schattigen Platz aufsuchen und erst weiter wandern, wenn die Temperaturen wieder zu sinken beginnen (15 Uhr etwa).
Hier aber abwägen dass man somit erst (Spät)Nachmittags am Etappenziel ist und man ggf. Schwierigkeiten bekommt einen schönen Platz für sein Zelt zu finden!)
Bei Nordetappen mit Schnee (Breche de Capitol, Cirque) sollte man im Frühjahr um spätestens 6 Uhr aufbrechen. Dann kann man diese Passagen über gefrorene Firnfelder durchqueren, was weitaus angenehmer ist, als sich ab 11 Uhr durch knie- oder hüfthohen Nassschnee schlagen zu müssen.
Übernachten
Die Hütten besitzen keine Stromanschlüsse, gekocht wird mit Gas. Schlafplätze sind begrenzt vorhanden, bei den Menschenmassen jedoch kann ein Schlafplatz in der Hütte nie garantiert werden. Ein Zelt ist Pflicht. Dieses muss zwar nicht Hochgebirgstauglich sein, sollte aber bei Wind nicht gleich zerdrückt werden, da insbesondere auf den Etappen in Küstennähe der Wind stark sein kann. Zeltplätze hat es rings um die Hütten herum. Ausserhalb der Saison sind die Hütten unbewartet, man bekommt eher einen Platz. Allerdings stellt sich nach kurzer Zeit eine Abneigung gegen Menschenmassen (also Ansammlungen mit 5 oder mehr Personen) ein, so dass man oft freiwillig draussen schläft. Gekocht werden kann dann in der Hütte, sofern die Gasvorräte nicht aufgebraucht sind. Das Anzünden der Herde stellt einige Anfänger vor grosse Probleme und bietet denen mit Erfahrung immer wieder ein grosses Kino. Die Gaszufuhr an der Flasche muss aufgedreht werden, dann muss der Drehregler am Herd gedrückt und das Feuer an einer kleinen Düse im Herd entzündet werden. Diese Flamme erhitzt eine Feder, welche erst nach einiger Zeit dann die Gaszufuhr zum eigentlichen Brenner freigibt. Lässt man den Drehregler zu früh los, geht das Flämmchen aus, ohne den Kocher zu zünden.
Versorgung
Ein Nachkauf von Lebensmitteln ist unterwegs nur eingeschränkt möglich,in einigen Hütten kann man sich mit dem Nötigsten eindecken, richtig Einkaufen jedoch nur in Siedlungen zu denen man allerdings die klassische GR20 verlassen muss. Deshalb unbedingt darauf achten dass man seinen Grundstock an Lebensmittel dabei hat, vor allem wenn man "ausserhalb" der Saison unterwegs ist und die Hütten schon zu haben. Dies gilt auch für Gas, man findet eigentlich nur die blauen Campinggazkartuschen (wenn überhaupt). Ein Benzinkocher ist von Vorteil, da man Benzin deutlich einfacher bekommen kann. Das Mehrgewicht des Kochers wird bei einer längeren Tour sowieso durch das Gewicht der Gaskartuschen ausgeglichen.
Lagerfeuer machen ist Unsinn und zu gefährlich, da man damit problemlos Busch- und Waldbrände auslösen kann. Trotzdem wird man mehrfach durch verkohlte Regionen laufen.
Ausrüstung
Aufgrund der stark fallenden Temperaturen in der Nacht, sollte man in der Basispackliste für heiße Gegenden den Schlafsack auf jeden Fall durch ein ausreichend Dimensioniertes Modell ersetzen. Ausreichend Sonnenschutz sollte eingepackt werden. Aufgrund der staubigen Wege sollte man damit Rechnen, das die Bekleidung irreversibel verschmutzt werden könnte. Trekkingstöcke sind empfehlenswert.
Trinkbehälter: Wichtig sind ausreichend große Trinkbehälter. Auf dem GR20 gibte es immer wieder Quellen, die teilw. auch Markiert sind, allerdings können diese im laufe eines heissen Sommers auch trocken sein. Eine Prise Salz und/oder Magnesiumtabletten helfen, den Elektrolytverlust unterwegs in den Griff zu bekommen.
Schaufel für die Hinterlassenschaften: sollte auch mit, denn gerade rund um die Hütten sind die schönsten Stellen hinter den Steinen ziemlich zugeschissen (anders kann man dies nicht ausdrücken).
Je nach Restschneesituation und Etappe sollten evtl. Steigeisen mitgeführt werden.
An- und Abreise
Ansatz: per Auto bis nach Como an die italienische Grenze. Ab dort dann günstig per Bahn nach Genua und dann per Fähre nach Bastia. Dort dann mit dem Linienbus nach port Vecchio und ab da zu Fuss auf den GR20. Die Abreise im Norden nach Calvi erfolgt am besten per Taxi (einfach Leute suchen, die auch da hin wollen). von Calvi aus dann mit dem lohnenswerten TGV in rumpeliger Fahrt zurück nach Bastia.
Achtung: Der Fährhafen liegt weit außerhalb von Genua und ist nicht zu Fuss erreichbar. Es fährt ein kostenloser Shuttlebus dorthin. Auf der Fähre kann man noch einmal Strom tanken, falls notwendig. Die Fahrt mit der Fähre dauert recht lange. Am besten eine nehmen, die über Nacht da rüber tuckert. Es lohnt sich, hinten auf eines der Aussichtsdecks zu legen. Man hat mehr Ruhe als im Inneren, wo sich die Leute drängen. Außerdem sind die Klimaanlagen auf Tiefkühlfach getrimmt. Vor der Anfahrt den Kalender überprüfen, ob ein Feiertag anliegt. Dann sind die Läden zu und die Busse fahren nicht. Wer dann plant, sich vor Ort Nudeln und Co. zu kaufen, steht auch mal mit knurrendem Magen da. Der Busbahnhof befindet sich etwa 10 Gehminuten vom Fährhafen entfernt.
Ansatz für Anreise nach Conca: Flug nach Bastia Airport (z.B. Easyjet), anschliessend mit dem Taxi nach Camozza an die Bushaltestelle. Nach sprachlichen Möglichkeiten den Taxifahrer informieren wohin man will. Mit dem Bus gehts während etwa zwei Stunden nach Ste. Lucie de Porto Vecchio. Dort kann man sich im Spar (die Strasse entlang Richtung Süden) mit Wasser und Süssigkeiten eindecken. Ab Ste. Lucie de Porto Vecchio kann man entweder nach Conca wandern oder sich komfortabel vom Gite-Transport abholen lassen (Tel.: 0495'714'655 - englisch / französisch).
Sonstiges
Ausflüge am Rande
Wer Zeit hat, sollte die Paglia Orba besteigen (Achtung: kein eingezeichneter Weg, teilweise leichtes Klettergelände, Grad II). Von der gleichen Hütte aus auch unbedingt den Punta Tafunatu besuchen, das Loch im Berg ist gigantisch. Monte Cinto (von Tighiettu aus) - Schutthalde, aber trotzdem nett. Monte Renoso (ab Refuge de Capanelle) - unschwierig, kann man am Abend noch eben anhängen. Gipfel leider mit Sendemast. Monte Rotondo (ab Petra Piana) - lohnenswerter Ausflug. Bei uns war noch viel Schnee drin, und ein Verhauer führte zu einer 100Hm Abfahrt in einer steilen, mit Schnee gefüllten, Rinne.
Lokale Spezialitäten
Unbedingt als Mitbringsel einpacken muss man korsische Salami, Käse und die Pasten. Lokale Korsische Spezialitäten gibt es z.B im Supermarkt in Bastia deutlich preisgünstiger als an den "Touri"Ständen.
Karten und Literatur
LIBRIS Corse du Sud #09
LIBRIS Haute Corse #08
1: 60000
GR 20 Komplett eingezeichnet, samt der Hütten und Varianten.
Werkzeuge